„Ein Viertelliter Milch, fünfzig Gramm Zucker, etwas Zitronenschale. Und dreißig Gramm Butter.“ Max Hülsenbeck rümpfte die Nase. „Das braucht er mir nicht zu sagen. Schließlich koche ich nicht zum ersten Mal.“ „Sie meinen: backen“, mischte sich Frau Lottermoser ein. Brunos Schnurrbartspitzen vibrierten bedenklich. Was hatte er sich da für ein Ei gelegt. Und das an Ostern.
„Und dann auch noch in so netter Begleitung!“ Frau Lottermoser, Doktor Klengels angeheiratete Schwippnichte, genoss den Kochkurs sichtlich. In Bücklers Landgasthof war das auch nicht schwer, gab sich doch Bruno Bückler, der als Fürst Bückler im Umland bekannte Küchenfürst, alle Mühe, es den Teilnehmern angenehm zu machen. Nicht Aal in Gelee und Schwarzsauer bereitete die Küche unter seinem strengen Blick zu, sie sahen, wie zwanzig Eleven über den großen Teig gingen; manche offensichtlich zum ersten Mal. „Dass Sie auch gleich zwei so charmante Männer mitgebracht haben!“ Anne hatte nämlich nicht nur mich, sondern auch besagten Max eingeladen – während er die Renovierung ihrer Küche durch die Explosion des Toasters ermöglicht hatte, fiel mir die Instandsetzung zu, ein Grund, sich bei uns beiden zu bedanken. So standen wir in Bücklers Küche.
„Man kann über Anne vieles sagen, aber nicht, dass sie Talent zum Kochen hätte.“ Hansi, Brunos jüngerer Bruder, der sich um den Service kümmert, schaute fasziniert zu, wie sie verzweifelt versuchte, einen Nudelteig auszuwalken. „Sie ist nun mal eine begnadete Juristin“, bemerkte ich, „man muss ihr alles, was komplizierter ist, als Briefumschläge zuzukleben, in einzelne kleine Schritte zerlegen: vorwärts, rückwärts, vorwärts, rückwärts, etwas Mehl unters Nudelholz…“ Glücklicherweise half ihr der Herr zur Linken. „Geben Sie nicht alles Ei gleich ins Mehl hinein“, riet er Anne, „und lassen Sie sich Zeit mit dem Verkneten. Er braucht schon sieben, acht Minuten, da ist er noch ein bisschen krümelig, aber dann geben Sie den Rest vom Ei nach – voilà, jetzt klumpt er und ist richtig!“ Max blickte ihn geringschätzig an. „Was will denn dieser Opa hier?“ Hansi zupfte mich leicht am Ärmel. „Das ist der, von dem ich Dir erzählt hatte. Du musst ihn kennen lernen.“ „Ah, der Herr aus der Schweiz?“ Hansi nickte. „Genau. Er kommt uns regelmäßig besuchen, obwohl ich nicht begreife, warum.“ Ich war verwundert. „Aber er macht doch gar keinen so unbegabten Eindruck wie Hülsenbeck?“ „Ach was“, antwortete Petersen, Entremetier des Hauses und Brunos rechte Hand. „Wir fragen uns, warum er nicht selbst unterrichtet. Schau ihm über die Schulter, es lohnt sich.“
In der Tat formte er unter den prüfenden Blicken der Bücklerbrüder eine Pastete, füllte sie mit dem Schinken aus Brunos eiserner Reserve und einer Masse aus Kalbfleisch und Pilzen, worauf er eine Rolle Mullverband fältelte. „Da haben wir uns wohl verhauen“, höhnte Hülsenbeck, „wenn wir den Rest aus dem Erste-Hilfe-Kasten nehmen müssen.“ „Meine Güte!“ Bruno knirschte mit den Zähnen. „Dieser Idiot beleidigt mir die besten Gäste! Was bildet der Mann sich eigentlich ein?“ „Wenn wir das Ende der Binde aus dem Kaminloch zupfen, haben wir einen Zwischenraum, und den werden wir dann morgen mit Gelee ausfüllen.“
„Einen guten Koch erkennt man daran, dass er sich nicht die Manschetten schmutzig macht.“ Bruno war aufmerksam durch die Reihen geschritten, hatte hier ein bisschen Mehl gestreut, dort beim Kneten assistiert, schließlich stand er hinter mir und sah verächtlich auf Hülsenbeck. „Dieser Schnodderlumpen“. zischte er. „Was Anne nur an dem Typen findet? Taucht hier auf im anthrazitfarbenen Nadelstreifenanzug – lachhaft!“ „Damit man das Mehl besser sieht“, gab ich trocken zurück. Er grinste. „Vielleicht lassen wir ihn dann besser Schwarzbrot backen?“
Unterdessen zeigte der Schweizer Gast Frau Lottermoser, wie man kleine Teigkreise mit einer Spinatfülle zu Trecce piacentine faltet. „Von links, rechts, links, rechts, und dann zusammenschieben.“ Frau Lottermoser war begeistert. „Kleine Zöpfchen, wie entzückend! Ach, Sie sind ja noch viel netter als der Herr Hülsenbeck.“ Hochnäsig sah Max auf die Teigtaschen. „Das könnte ich ja auch, wenn ich wollte.“ Petersen knurrte. „Jetzt reicht’s! Los, lenk ihn ab.“ „Aus Kärnten kennt man diese Täschchen doch“, schwafelte ich, „sie werden gekrendelt – und eine Frau wird sich nicht verheiraten, wenn sie nicht krendeln kann.“ Frau Lottermoser errötete deutlich; aber sie hatte ihren siebzigsten Geburtstag schon hinter sich und musste sich darum nicht mehr sorgen. „Einen Bleistift“, flüsterte Hansi. „Da liegt der Schreibblock.“ Der Pastetenbäcker verstand und kringelte einzweimal, bevor er ganz interessiert einen Rührlöffel begutachtete. „Jetzt aber keine Müdigkeit vorgeschützt“, rief Bruno und klatschte in die Hände. „Sie haben ja noch gar nichts getan, Herr Hülsenbeck. Lesen Sie mir doch das Rezept noch einmal vor.“ Der Staatsanwalt griff zum Zettel. „Fünfzig Gramm Zucker, Zitronenschale, achthundert Gramm Butter.“ Bruno nickte. „Und kneten Sie ihn am besten von Hand. Der Teig mag das. Er verbindet sich schneller.“
„Ich werde mir eine Nudelmaschine kaufen“, beschloss Anne. „Wenn Du mal zum Kochen kommst“, ließ sie mich wissen, „musst Du nicht immer Deine mitbringen.“ Schon fischte Frau Lottermoser die erste Pasta aus dem Topf. Hülsenbeck steckte bis zu den Ärmeln in verquirlter Butter. „Schön machen Sie das“, lobte ihn Bruno mit beißendem Spott und legte ihm eine Zitrone auf den Tisch. „Jetzt noch etwas Schale abreiben, dann ein Ei hinein, und dann messen Sie die Milch ab. Aber was muss ich das Ihnen sagen. Sie kochen ja nicht zum ersten Mal.“






Danke für die subliminale Werbung und die beiden product placements
Ich wusste, irgendwann einmal hattest Du Dir einen Cameo-Auftritt gewünscht. Da lag ein Osterei nahe
[...] liebt, kann sich den zu füllenden Hohlraum mit Hilfe von Verbandgaze vergrössern, nachzulesen bei einem, der die welt erklärt, wie sie wirklich ist (und das an 7 Tagen pro Woche) oder nachzusehen bei einem andern, bunt bebildert. Der Aufwand hat [...]