Crashkurs

31 05 2012

„Lassen Sie es bitte wie einen Unfall aussehen. Das würde uns der Wähler noch am ehesten abnehmen. Einfach so ein – Sie wissen schon. Ein dummer Zufall. Verkettung unglücklicher Umstände. Das reine Pech. Unfall eben. Hauptsache, wir kriegen sie alle drei von der Backe, Steinmeier, Steinbrück und Gabriel. Sonst ist die SPD geliefert.

Nein, definitiv nicht. Wir wollen nicht Kanzler werden. Merkel macht das mit dem Euro gerade so schön, und alles außer Opposition ist doch Mist. Warum sollten wir jetzt wieder mit der Arbeit anfangen? Stellen Sie sich mal vor, der Kanzlerin würde kurz vor der Wahl ein Ziegelstein auf den Kopf fallen. Dann wäre die CDU geliefert. Die wären aber so was von am Ende – und wir erst!

Nein, lassen Sie es wie einen Unfall aussehen. Egal, was Sie machen, wir dürfen gar nicht erst in die Nähe der Kanzlerschaft kommen. Stellen Sie sich nur mal vor: das Gerede von Mindestlohn und Verbesserung des Arbeitslosengeldes und mehr Chancengleichheit für Frauen und Bildung und Kitaplätze und Energiewende und dann auch noch die Krankenkassen – sind wir denn bescheuert!? Das können Sie doch nicht ernsthaft wollen, dass wir diesen ganzen Kram, den wir seit drei Jahren verlangen, jetzt auch noch selbst machen würden?

Die letzte große Koalition hat doch schon ganz prima geklappt, da muss man doch nicht wieder das mit der Regierung anfangen. Wir sind doch inzwischen gut eingespielt – Gabriel macht den Umweltminister, Steinmeier darf Vize, das war ja ganz nett beim letzten Mal, und Steinbrück geben wir irgendwas, wo man nicht zu rechen braucht. Und schlimmer als dieser Saftladen mit der FDP kann’s doch gar nicht werden. Meinen Sie nicht?

Busunfall wäre vielleicht etwas. Wir machen so eine Troika-Tour, so wie damals mit Lafontaine und Scharping, die sind dann ja auch ziemlich schnell – nein, wir sollten sie diesmal gleich direkt erledigen. Großer Parteitagsauftritt, etwas durch die Provinz zotteln, und bäm! ist der Bus weg. Leitplanke, Geisterfahrer, Brandsatz. Gibt natürlich eine super Legende. Und eine astreine Verschwörungstheorie. Davon zehren wir dann für die nächsten – Sie meinen, der Mitleidseffekt könnte uns aus Versehen zum Sieg verhelfen? Au Backe!

Weil sie verbraucht sind? Meine Güte, seit wann ist das ein Kriterium? Die Merkel ist so verbraucht, die könnten Sie in der Asse einlagern. Deshalb wird die Frau trotzdem wiedergewählt. Und bevor wir die Nahles aufstellen, lösen wir die Partei lieber gleich auf.

Herzanfall? Gabriel ist zwar dick, aber gleich ein Herzanfall? Ach so. Ja, aber ich glaube nicht, dass er sich gleich so aufregt. Da müssten Sie schon andere Kaliber auffahren. Pofalla als persönlicher Referent. Oder Schröder als Kanzleramtsministerin. Dann haben Sie den innerhalb von drei Tagen in der Nähe einer Hirnembolie. Aber wir wollen ja, dass er gar nicht erst Kanzler wird.

Bei Steinmeier stelle ich mir das am leichtesten vor. Der ist momentan entschleunigt, der bleibt irgendwann ganz von selbst in der Gegend stehen. Dann sucht er in der Hosentasche nach einer Sonntagsrede, weil er sich immer noch für den Außenminister hält, und dann können Sie ihn einfach über irgendeine Brüstung kippen. Das kriegt der gar nicht mit. Der Mann ist trainiert, der ist alter Sozialdemokrat – der merkt keinen Aufprall mehr.

Steinbrück könnten Sie notfalls in irgendeiner Talkshow vergessen. Der sitzt da und wartet, bis er abgeholt wird. Andererseits, so als Opfer auf der Schlachtbank? Wir lassen ihn noch mal öffentlich seine Märchen über die Hypo Real Estate erzählen und dass Deutschland völlig immun sei gegen die Krise. Die Leute werden ihn hinrichten.

Das Problem ist ja nicht der Wähler. Ach was, der doch nicht! Die Leute können doch wählen, was sie wollen. Ist doch zumindest auch noch legal, oder habe ich etwas verpasst? Das Problem ist die Basis. Es ist ja okay, dass die Parteibasis der Führung absolute Inkompetenz attestiert und Verlogenheit und Intransparenz und Missachtung selbst geringster demokratischer Gepflogenheiten. Alles in Ordnung. Das machen die immer. Aber das geht doch erst, wenn die Wahl schon gelaufen ist! Wir können ja nicht schon vorher der Parteibasis klarmachen, dass sie uns vollkommen… Gut, wieso eigentlich nicht?

Die drei aufeinander loslassen? Hm, schwierig. Immerhin können sie nicht zusammenarbeiten, es sei denn, sie haben jemanden, der ihnen sagt, was sie zu tun haben – noch ein Grund für eine große Koalition.

Also ein Neuanfang? Was können wir denn da noch bieten? Es muss doch glaubwürdig sein und wenigstens halbwegs bodenständig. Wissen Sie, was ich meine? Und das ginge wirklich? Eine Frau, die bei der Basis über Rückhalt verfügt und nicht diese Machthaltung hat? So eine, die wirklich für die Partei steht und das beim Wähler auch noch glaubwürdig kommunizieren kann? Und dann auch diese Kombination aus Charisma und Kompetenz? Eine Kanzlerin, die zeigt, dass Sozialdemokratie mehr ist als diese joviale Arroganz der Herrenriege aus Wahlverlierern und Ex-Ministern? Das geht? Nahles!? Ich sagte doch, es soll nur wie ein Unfall aussehen!“





Made in China

30 05 2012

„… aus dem Bundeskriminalamt. Das Leck sei durch den Kontakt mit einer Quelle entdeckt worden, so gebe es in …“

„… kein Anlass zur Besorgnis. Ein Ausfall des kompletten Fuhrparks im Kanzleramt könne auch aus Zufall…“

„… dürfte die Fertigung von Navigationsgeräten ein erfolgreicher Auftakt in den deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen gewesen sein. Dank der satellitengestützten Datenübertragung wisse man nun jederzeit, wo sich die Fahrzeuge…“

„… das gleichzeitige Versagen aller Klimaanlagen in der ICE-Flotte auf die zu hohen Stundenlöhne der Hilfskräfte zurückzuführen…“

„… könne Gespräche mitschneiden, Daten kopieren und diese völlig unbemerkt versenden. Der Virus sei so perfekt programmiert, dass eine deutsche Beteiligung daran nahezu…“

„… erstmals in die Stromversorgung eingebaut worden. Der Deutsche Bundestag habe sich…“

„… seien bereits die chinesischen Schriftzeichen ein untrügliches Zeichen für eine islamistische Hackerbande, die…“

„… trotz mehrerer Abteilungsleiter, eines Hausmeisters und einem Praktikanten nicht möglich, den Quellcode des Schadprogramms offenzulegen. Das Ministerium habe intern die kostenfreie Vorlage zur Erstellung eines Bundestrojaners bereits als…“

„… in hochpreisigen deutschen Hörgeräten außereuropäische Chips verbaut worden seien. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Sitzungen des CDU-Präsidiums wenige Stunden später im Wortlaut…“

„… auch weiterhin großes Vertrauen in die chinesische Wirtschaft. Uhl kündigte an, der Freistaat habe eine neue Telekommunikationsanlage in der Bayerischen Staatskanzlei…“

„… dass ein derartiges Versagen völlig normal sei oder zumindest nicht sehr viel häufiger auftrete als ein Sechser im Lotto. Die Steuerung der beiden Kernkraftwerke sei zu keinem Zeitpunkt…“

„… füge Industriespionage der deutschen Wirtschaft jedes Jahr erhebliche Schäden zu. Geistiges Eigentum gerate immer wieder in falsche Hände, bevor es patentiert werden könne. Zum Ausgleich regte der Verband der Phonowirtschaft an, Schreibblocks mit einer Pauschale von 1,40 Euro pro 100 Blatt zu…“

„… sei das Logo der Hackergruppe Occupy Beijing auf beliebigen Computern durch die Tastenkombination…“

„… habe Friedrich in einer Pressekonferenz im Februar die technische Unterlegenheit der arabischen Welt betont und von der islamischen Steinzeitkultur gesprochen. Das Bundesministerium des Innern spreche derzeit jedoch nur noch von einer potenziellen Bedrohung für die Online-Teile des Interwebnetzes, da islamische Terroristen nie rechtzeitige Sicherheitsupdates in ihre…“

„… dass in Zusammenarbeit mit BILD… der Volkscomputer in großer Stückzahl verkauft worden sei. Namentlich die Datenfernübertragung habe durch die Hardware ein erhebliches Plus an…“

„… eine neue Generation von Steuerungselektronik verbaut worden, die die Weltherrschaft des deutschen Automobilbaus auch für kommende Generationen…“

„… sei der Ausfall des Mobilfunknetzes lediglich auf eine Routineüberprüfung des Netzbetreibers zurückzuführen. Sie sei zwar dem Personal und der Geschäftsleitung zuvor nicht bekannt gewesen, dennoch sei dies ein ganz normaler…“

„… die Daten der Versicherten in der Cloud zu speichern. Chang Electronics Ltd. habe sich dabei als verlässlicher Partner der Krankenkassen…“

„… habe Occupy Beijing seine Botschaft inzwischen in jedes auf dem europäischen Markt erhältliche Smartphone…“

„… den Raketenabwehrschild nur in einer billigeren Variante zu bauen, da die Gelder bereits für den Euro-Rettungsschirm in Anspruch genommen worden seien. Dank eines neuen Angebots aus Fernost könne die Fertigung nun plangemäß in die…“

„… die temporäre Überlagerung der Fernsehübertragungen mit dem chinesischen Shoppingkanal nur auf eine astronomische Anomalie zurückzuführen sein könne. Die Unruhen nach dem Aussetzen des Euro-Finales hätten nicht nur unter Fußballfans für erhebliche…“

„… erstmals von einer Serie deutscher Waschmaschinen, die das Signet von Occupy Beijing auf dem Display…“

„… müsse man der Verbreitung von Raubkopien angloamerikanischer Schlagermusik in diesem Internet mit brutalstmöglicher Härte begegnen. Erst kürzlich habe die GEMA die Dateien Pokelface und…“

„… ein Leistungsschutzrecht für die Herstellung von Porzellan verhandelt worden sein. Eine bis auf Johann Friedrich Böttger zurückgehende Nachzahlung der Gebühren für das geistige Eigentum sei in diesem Falle…“

„… dass die Lichtreklame Merkel Du Opfer auf dem Potsdamer Platz sicher durch linksradikale Terroristen in die…“

„… man tolerieren müsse, dass die technische Ausstattung des ZDF nach 22:00 Uhr Ortszeit selbsttätig herunterfahre und die chinesische Nationalhymne spiele. Eine Verschlechterung des Programms sei durch den Wegfall der Lanz-Talkshow nicht zu…“

„… verhalte sich China weiterhin vorbildlich. Hermann äußert sich anlässlich der Einweihung einer neuen Serie von Überwachungskameras zuversichtlich, dass die Sicherheitspartnerschaft…“





Energiewendehals

29 05 2012

„Nein, wir sind uns da ganz sicher. Wir ziehen das durch. Diesmal ziehen wir das aber auch ganz bestimmt durch! Weil die Merkel das nämlich so will. Oder weil sie es nicht will. Dann ziehen wir das nämlich erst recht durch. Wir sind jetzt gerade – also wir sind so gut wie zu allem, oder wenigstens zu den meisten Sachen sind wir doch ein Stück weit ganz entschlossen sind wir. So in etwa. Deshalb wollen wir auch die Energiewende.

Weil wir zur Kontinuität der CDU stehen. Die war schon immer so. So kontinuierlich. Zwar nicht immer durchgängig, auch nicht immer abwärts so wie jetzt, aber es ging immer irgendwie in die eine oder andere Richtung. Und wir haben unseren Partnern in der Wirtschaft immer eins versprochen: Kontinuität. Darum wäre es zu diesem Zeitpunkt in dieser Lage auch völlig verkehrt zu sagen: ja, wir wollen die Energiewende auf jeden Fall.

Das kostet nämlich auch alles. Haben Sie sich schon einmal ausgerechnet, was das alles kostet? Wir auch nicht. Das heißt, wir haben die Wirtschaft gefragt. Also wir haben nicht die Wirtschaft gefragt, aber die hat es uns gesagt. Dass das alles kostet. Und was das alles kostet. Das muss dann nämlich alles die Wirtschaft bezahlen, diese Energiewende. Im Gegensatz zu vorher – da war alles umgekehrt. Da gab’s keine Energiewende, und deshalb hätte das der Bürger bezahlt. Verstehen Sie das? Ich auch nicht. Und deshalb wollen wir die Energiewende.

Wir haben nicht rechtzeitig daran gedacht, die Stromnetze auszubauen. Die ganze Regierung hat geschlafen, das ist das Problem. Wir hatten halt gedacht, die Merkel hätte eine genügend lange Leitung. Sie hat jetzt ja beschlossen, dass die CDU das nicht beschließt, was sie mal zu beschließen beschlossen hatte. Und zum Ausgleich haben wir auch nicht beschlossen, dass wir noch irgendwas beschließen müssen wollen werden. Hätten wir das nämlich nicht jetzt beschlossen, dann hätten wir das mit den Stromnetzen nicht beschließen müssen, beziehungsweise man hätte jetzt beschlossen, es irgendwann mal zu beschließen. Das ist ganz und gar nicht beschlussfähig, und wir wollen darum eigentlich die Energiewende auch gar nicht.

Und schwebt da ein zweistufiges Modell vor – nein, das hat nichts mit Brückentechnologie zu tun. Auch nicht mit mehr Kohlekraftwerken. Stufe 1 wäre, dass wir herausfinden, worum es eigentlich geht. Das ist schon kompliziert genug. Der Röttgen hat es bis zum Schluss nicht herausgefunden, sein Nachfolger sucht noch nach einer Entschuldigung. Stufe 2 wäre dann der Grund, warum es, worum es geht, jetzt noch nicht oder doch nicht geht. Das ist die neue Flexibilität. Also diese neue Flexiquote, da entscheidet die Kanzlerin entweder, dass wir’s nicht machen, weil sie es kapiert hat, oder sie hat’s nicht verstanden, aber dann macht es die CDU. Dann ist sie nicht schuld. Oder die Merkel hat überhaupt keinen Plan, dann machen wir es natürlich alle zusammen. Wie zum Beispiel die Energiewende.

Ist natürlich auch nicht so ganz einfach. Die Merkel an sich, und dann auch noch die Probleme. Die, die wir ohne die Merkel nicht hätten. Und wegen der Energiewende. Und ohne sie. Weil jetzt nämlich immer mehr Solarstrom kommt, auch wenn wir den gar nicht wollten. Der Rösler hatte versprochen, ganz viele Arbeitsplätze aufzubauen – hat er ja dann auch gehalten, allerdings in China. Und die Merkel kriegt jetzt so einen – wegen der Energiewende nämlich. Energiewendehals. Nein, ist sie nicht! kriegt sie! Da kündigt man einmal etwas an und sagt, dass wir das auch ganz bestimmt, und möglicherweise nicht in dieser Legislaturperiode, und wahrscheinlich hält sie sogar ihr Versprechen – das ist doch unlauterer Wettbewerb! Das geht doch nicht! Ich meine, was soll da denn auf Dauer noch alles passieren? Wir müssen da sofort einschreiten, am wenigsten brauchen wir jetzt die Energiewende!

Weil wir nämlich eine konservative Partei sind. Wussten Sie wahrscheinlich. Deshalb haben wir uns auch entschlossen, Werte zu erhalten. Zum Beispiel die Zahlungen an die Energiekonzerne zum Erhalt der Stromnetze. Das geht schon seit 70 Jahren so, das kann nicht verkehrt sein, und es kostet ja auch nichts. Gut, es kostet den Verbraucher etwas, aber nicht uns. Und was nichts kostet, das ist ja auch nichts wert, und deshalb will die Merkel das auch erhalten. Verstehen Sie, das ist wie mit der GEMA. Sie zahlen Gebühren auf Festplatten, weil man da Sachen speichern könnte, und dann werden Sie verklagt, wenn Sie tatsächlich Sachen speichern, und das Geld, um Sie zu verklagen, das bezahlen Sie, indem Sie auf die Festplatten eine Gebühr – Sie haben das Prinzip verstanden? Ja, ist ja auch total logisch. Das gibt Rechtssicherheit, auch für die Zukunft. Darum brauchen wir ja auch unbedingt die Energiewende.

Wir haben nämlich die Zeichen der Zeit verstanden. Doch, haben wir. Ob die Merkel – nein, weiß ich gerade nicht. Aber wir haben das. Wegen der Arbeitsplätze und so. Wir setzen dabei ganz auf Bürgerbeteiligung. Und Transparenz. Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich an einer gemeinsamen Lösung auch beteiligen können wollen. Wie bei den Autofabriken. Da haben wir auch keine Arbeitsplätze gerettet, weil die Bürger in den Vorstandsetagen das ja auch selbst hätten machen können. Wir beteiligen die Bürger. Die können jetzt auch mal schön selbst zur Tankstelle fahren, da halten wir uns raus. Also aus den Kosten. Das ist nicht unser Problem. Weil, wir sind ja nicht verantwortlich für die Bürger. Deshalb ist ja diese Energiewende auch vollkommen überflüssig.

Ach ja, bevor ich’s vergesse: nächste Woche kommen die Eurobonds dran.“





Marktkonforme Demokratie

23 05 2012

„… mehrfach deutliche Kritik an bestehenden Verhältnissen in Bezug auf die demokratischen Verhältnisse geübt worden. Man müsse, so Merkel und Rösler, den Parlamentarismus wieder von den Kräften bestimmen lassen, die ein Interesse an Wohlstand, Rechtssicherheit und Freiheit…“

„… habe der Koalitionspartner bemängelt, dass die neue Zusammensetzung der Listenplätze nicht wie verabredet von der Höhe der Parteispenden abhängig sei. Im Falle einer Verminderung der Bundestagsmandate befürchtete der FDP-Chef, seine Partei könne eine Rückzahlung der Spenden nicht aus eigenen Mitteln…“

„… kündigte der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie an, im Falle eines erneuten Dissenses mit der Bundeszahnärztekammer die Zuwendungen an die Parlamentarier zu streichen. Eine sachorientierte Politik dürfe nicht an den Interessen der Verbraucher…“

„… lehne Bundestagspräsident Lammert die Abschaffung von Wahlen bislang ab. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank Börsig habe sich indes zuversichtlich gezeigt, mit einer genügend großen Summe die…“

„… doch sehr dafür. Eine Verhinderung der Solarenergie als erfolgreiche Branche könne, so Wirtschaftsminister Rösler, nur in einer geistig-politischen Kontinuität erwachsen, die durch die Investitionssicherheit der Kernkraftkonzerne in ihrem Fundament gesichert sei. Wirtschaftsnahe Politik dürfe nicht durch die Partikularinteressen einzelner Bevölkerungsschichten…“

„… versprach Seehofer, die Finanzierung der Parteien möglichst transparent zu gestalten. Es dürfe nicht zu Interessenkonflikten kommen, nachdem schon mehrfach konkurrierende Pharmakonzerne sich um die CSU…“

„…würde auch eine Listenstruktur die bisherige Finanzierungsoffenlegung ersetzen können. Sollten Konzerne, Spendergruppierungen und Verbände sich nicht auf die Unterstützung bestimmter Wahlkreise einigen können, so habe der Bundesverband der Deutschen Industrie bereits eine Schiedsstelle eingerichtet, um eventuelle Konflikte auf basisdemokratische…“

„… könnten Mehrheitsverhältnisse und die daraus entstehenden Koalitionen auch durch die Koppelung an die Börsennotierungen eliminiert werden. Westerwelle schlug eine Sperrminorität vor, um Elemente auszumerzen, die sich der gesunden Volksbereicherung widersetzten. Insbesondere den Paritätischen Wohlfahrtsverband gelte es aus der nationalen…“

„… noch rechtzeitig eine gesetzliche Regelung zu schaffen, die vor einer feindlichen Übernahme schützen solle. Der SPD-Vorsitzende Gabriel zeigte sich zuversichtlich, vorerst vor Merkel in…“

„… lobte Steinrück das neue System. Es gebe keinerlei Interpretationsmöglichkeiten mehr, die im Widerspruch zur Demokratie stünden, da es gar keine Berührungspunkte mehr mit der…“

„… sich auch Merkel für den Erhalt der deutschen Souveränität in den Grenzen von 2012 ausspreche. Anlässlich einer Gala der Deutschen Bank, die weitere 1,2 Billionen Euro für Boni in Anspruch nehmen wolle, lobte die als Kanzlerin angestellte Aufsichtsratsvorsitzende die rasche und alternativlose Umsetzung der marktkonformen Demokratie in…“

„… dass NATO-Einsätze nun auch pauschal vom Bundestag beschlossen würden. Der Fraktionsvorsitzende der Heckler&Koch-Gruppe habe sich für eine Entbürokratisierung des…“

„… eine Energiewende zu teuer sei. E.ON-Sprecher Rösler habe bereits hingewiesen, dass…“

„… sich eine Gesundheitsreform nur lohne, wenn die Kassenbeiträge verdreifacht würden. GlaxoSmithKline ließ durch ihren Staatssekretär Bahr mitteilen, dass alle weiteren Verhandlungen ohne eine…“

„… sich für feste Parteienblöcke ausspreche, um etwaige Koalitionen nicht durch Sacharbeit zu erschweren. Um die traditionellen Verhältnisse zu wahren, schlug Merkel eine Aufteilung in Agrarsektor (Grüne), produzierendes Gewerbe (SPD), Handel (CDU), Brauereiwirtschaft (CSU) und Investmentbanking (FDP) vor. Um den Wettbewerb nicht mehr als unnötig zu verzerren, solle die IT-Branche per Gesetz ausgeschlossen…“

„… müsse man Kosten sparen. Eine weitere Alimentierung mit Transferleistungen sei der Wirtschaft nicht mehr zuzumuten, deshalb habe man sich entschlossen, nach der Regierung auch das Parlament nur noch mit eigenen Fachkräften…“

„… könne Bundesstrukturvertriebsminister Maschmeyer das Spardiktat nur unterstützen. Solange noch Mittel zur Finanzoptimierung der Besserverdienenden vorhanden seien, gebe es keinen Grund, den Spitzensteuersatz nicht zu…“

„… auch die Zusammensetzung des Parlaments nicht dem Zufall zu überlassen. Die Sitze seien in Zukunft nur von DAX-Unternehmen zu…“

„… stehe dem nicht entgegen. Sollte ein Austausch der Parlamentarier am gleichen Tag auf Grund veränderter Aktienmehrheiten stattfinden, so könne dies nur als gelungener Versuch gewertet werden, das Rotationsprinzip in die deutsche…“

„… bei leicht anziehenden Werten. Die Konservative Gruppe habe 0,23 Prozent auf 10672,81 Punkte verloren, die Liberale sei um 0,01 Prozent auf 4,68 Punkte gesunken. Eine weitere Talfahrt sei erwartungsgemäß nach dem Parteitag der Adam Opel AG in Bochum…“





Nur aus Nächstenliebe

21 05 2012

„Sie müssen das ins richtige Verhältnis setzen. Kirche geht uns alle an. Deshalb sollen auch alle dafür zahlen. Auch dann, wenn Sie überhaupt nicht Mitglied in unserer Kirche sind. Erst recht, wenn Sie nicht Mitglied in unserer Kirche sind. Wir können da sehr empfindlich werden.

Ja, wir haben das verstanden. Im Grundgesetz steht, dass Sie Glaubensfreiheit genießen. Das war so gedacht. Aber da steht nichts davon, dass die auch kostenlos ist. Und da steht auch nicht, dass wir nicht trotzdem Steuern auf alles erheben können. Jetzt ist das eben mal eine Steuer für alle, die nicht römisch-katholisch sind. Haben Sie ein Problem mit Katholiken? Dürfen Sie nicht. Steht so im Grundgesetz drin. Da sind alle Menschen gleich.

Aber selbstverständlich haben Sie etwas davon – denken Sie an die vielen schönen Prozessionen, wenn die Bischöfe ihre prunkvollen Gewänder spazieren führen, oder denken Sie an den Papst, der aus lauter Gottvertrauen hinter drei Zentimetern Panzerglas durch seine Gläubigen rollt. Das ist ein lieb gewonnenes Brauchtum, das will gepflegt sein. Nein, nicht so gepflegt! Obwohl einige der Leute schon eine höhere Pflegestufe gebrauchen könnten.

Rabatte? Aha, ich verstehe. Sie denken, wir Grünen sind inzwischen wie die FDP? Ich müsste mal nachfragen. Wenn Sie sich ein Parteibuch besorgen, können Sie eventuell die Clubbeiträge – Kirchensteuer, wollte ich sagen, Kirchensteuer, können Sie dann verrechnen. Das müsste gehen. Immer vorausgesetzt, dass Ihr Einkommen auch hoch genug ist. Wir als Volkspartei nehmen ja nicht mehr jeden.

Und ich verstehe jetzt auch gar nicht, wie Sie sich aufregen können. Wir machen das sowieso schon. Wir lassen unsere kirchlichen Kindergärten aus Steuern finanzieren, und das Arbeitsrecht haben wir gar nicht nötig. Sie wollen doch Ihre Kinder nicht etwa von einer Frau aufziehen lassen, die sich scheiden lässt?

Ob es das für Muslime gibt? Um Himmels willen, wir leben doch hier nicht im Gottesstaat!

Sie glauben an gar nichts? Im Vertrauen, wir auch nicht. Deshalb handelt es sich schließlich auch nicht um eine kirchliche Initiative, sondern um Kulturrettung. Kennen Sie? So rechtsdrehende Sachen? Das haben wir von diesen Piraten gelernt, es geht nicht um Inhalte, es geht um das Modell.

Sie bezahlen dann auch einen ermäßigten Satz, wenn Sie kein Auto haben. Ja, dasselbe Modell – Sie sind kein Autofahrer, also können Sie sich gerne solidarisch an der Kultur unseres automobilen Fortschritts beteiligen. Das ist ein Stück unserer nationalen Identität, wissen Sie, da muss man doch erwarten können, dass die Bürger hier etwas mehr Bereitwilligkeit zeigen. Da kommt ja auch einiges zusammen. Die Gebühren für die entgangene Mineralölsteuer, Ersatzsteuer für Versicherungen und Autobahnnichtnutzungsgebühr, der Straßenbau will schließlich auch leben – da gucken Sie, was? So betrügen Sie den Staat, mein Lieber, so zocken Sie heimlich die Allgemeinheit ab und füttern Ihr privates Portemonnaie!

Hören Sie mal, so eine Krankenkasse wird auch nicht nur von den Kranken getragen! Christliche Nächstenliebe, klar!? Wissen Sie eigentlich noch, was das ist? Solidarität? Solidarisches Verhalten, das ist, wenn Sie meinen Ferrari bezahlen dürfen, auch Sie nicht darin fahren. Sind Sie eigentlich immer so ein kaltherziger Egoist?

Jetzt hören Sie doch mit dieser Kirchensache auf! Das ist doch nur ein Aufhänger, der in den Medien sinnlos hochgejazzt wird! Haben Sie Kinder? Oha, das wird teuer. Das wird Sie jetzt aber ganz schön teuer zu stehen kommen, dass Sie sich der Nachwuchsproduktion für den Arbeitsmarkt so einfach mal entziehen. Sie können sich keine Kinder leisten? Ist das etwa mein Problem?

Hund haben Sie auch keinen? Ich frage wegen der negativen Hundesteuer. Wenn Sie einen todsicheren Tipp wollen: Rennpferde. Kaufen Sie sich Rennpferde. Ermäßigter Mehrwertsteuersatz. Können Sie steuerlich als Hotelfrühstück absetzen.

Denken Sie doch mal an die Kinder! Sie müssen sich mal klarmachen, was wir hier für Verhältnisse hätten, wenn die Kinder nicht eine sorgfältige Einführung in die –

Wir machen das wie mit dem Kosovokrieg und den Hartz-Gesetzen. Öffentlich predigen wir dagegen, bis Ihnen die Ohren bluten. Und dann sorgen wir dafür, dass das Gegenteil passiert und wir daran hübsch verdienen. Wir dürfen das. Und das wissen Sie.

Ich sehe gerade, Sie sind kein Parteimitglied? Dann bekommen Sie demnächst Post von uns. Wir müssen ja der schleichenden Entdemokratisierung entgegenwirken. Wären Sie mal früher den Grünen beigetreten, dann hätten Sie die Scherereien jetzt nicht. Ihre Kulturpauschale ist jetzt höher als die Mitgliedsbeiträge, weil wir per Beweislastumkehr schlussfolgern müssen, seit wann Sie schon nicht mehr Parteimitglied hätten sein können. Sie kennen das Verfahren von der GEZ. Die kennen sich damit aus. Also mit Staatsverträgen. Nicht mit Kultur.

Gut, das wär’s dann gewesen. Vorerst. Dass Sie keine Aktien haben, hatten Sie ja schon erwähnt, aber das ist nicht unser Problem. Das Geld für die Investmentbanken holt sich die Regierung noch selbst. Ach, eine Frage hätte ich das noch. Rauchen Sie?“





Brummschädel

17 05 2012

„Orrr, diese Schmerzen!“ „Ich hatte es Ihnen schon mal gesagt, man säuft sich nicht den Schädel voll vor dem Feiertag.“ „Aber am Wochenende haben wir doch auch…“ „Und dann kam das böse Erwachen. Pech.“ „Pech!? Das nennen Sie… orrr!“ „Beschweren Sie sich halt bei Merkel. Die ist komplett überraschungsfrei, bei der weiß man immer, wieso man rausfliegt.“

„Das waren die beiden Kästen Pschorr, und dann haben wir…“ „Hätten Sie sich denken können, dass Seehofer die Regie übernimmt.“ „Wieso Seehofer? das war doch als kleine Spende der nordrhein-westfälischen Parteifreunde… Jetzt geht mir ein Licht auf!“ „Prima, damit dürften Sie ihre geistige Zurechnungsfähigkeit ja wiedererlangt haben.“ „Hat denn die CSU inzwischen die Regie übernommen?“ „Haben Sie heute ein Dementi gegen das Betreuungsgeld gehört?“ „Nicht, dass ich wüsste.“ „Jubelarien über den Rettungsschirm?“ „Das wäre mir aber aufgefallen.“ „Dann fragen Sie sich mal in einer stillen Stunde, warum Seehofer heute so entspannt in die Gegend schaut.“ „Sie meinen – nicht möglich!“ „Willkommen in der Wirklichkeit.“

„Warum gerade Röttgen?“ „Weil er seinem Nachruf nach alles richtig gemacht hat.“ „Aber er hat doch…“ „Die Energiewende angestoßen. Wie man gegen den Putzeimer trampelt. Als Physikerin dürfte Merkel die Folgen ausrechnen können.“ „Aber er war doch…“ „Merkels Klügster. Womit klar sein dürfte, was wir vom Rest dieses Kabinetts zu halten haben.“ „Aber der hatte doch…“ „Als Umweltminister die Verantwortung für den Dreck, den Merkel hinterlässt, wenn sie selbst sich auf niedermolekularer Ebene von diesem Planeten verabschiedet haben wird. Richtig. Da braucht mal halt Figuren, die nicht beim ersten Windhauch umkippen.“ „Aber die FDP hat doch gar nicht…“ „Unterbrechen Sie mich nicht. Da braucht mal Standfestigkeit! Durchhaltevermögen! Echte Männer!“ „Ah, verstehe. Warum hat sie nicht Guttenberg genommen?“

„Vor allem räumen Sie gefälligst mal diese ganzen leeren Flaschen da weg!“ „Orrr, nicht so laut! Mein Kopf!“ „Dann saufen Sie halt nicht so viel.“ „Wir hatten halt damit gerechnet, dass der nächste einer von der FDP ist.“ „Unmöglich.“ „Wieso unmöglich? Können die denn etwas?“ „Das nicht.“ „Und was die Justizministerin angeht, kann Friedrich etwas?“ „Wie gesagt, das ist nicht die Frage.“ „Sondern?“ „Ruhe.“ „Ruhe?“ „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.“ „Also Ruhe, bevor diese Koalition innerhalb der nächsten Wochen auch noch platzt?“ „Nein. Ruhe, bevor die Liberalen auch noch komplett durchdrehen.“ „Aber dafür kann doch Merkel nichts?“ „Eben.“

„Ich verstehe trotzdem nicht, wieso Merkel ausgerechnet Röttgen als erstes über die Wupper geschickt hat.“ „Das liegt am christdemokratischen Selbstverständnis.“ „Das mit dem Leben nach dem Tod? Ja, das hatte ich mir auch schon gedacht.“ „Unsinn, das ist das Anzeichen der CDU.“ „Sie meinen, das sei dialektisch gemeint? die bessere Idee wird durch eine noch bessere ersetzt?“ „Das ist ein Anzeichen der Partei von Merkel. Wer im falschen Augenblick Ideen hat, wird gefeuert.“ „Ich dachte, wer im falschen Augenblick keine Ideen hat?“ „Was soll das denn?“ „Ist es das Privileg der Kanzlerin, keine Ideen zu haben?“ „Röttgen hat es halt richtig gemacht.“ „Warum wird er dann so einfach gefeuert?“ „Muss das denn unbedingt als Strafe verstanden werden?“

„Gut, anders. Warum feuert die Kanzlerin den Mann, wo doch die Umweltpolitik so wichtig ist?“ „Weil die Umweltpolitik so wichtig ist.“ „Also weil die Grünen das nicht besser hinbekommen sollen?“ „Weil die Kanzlerin das selbst besser kann als die Grünen.“ „Deshalb ist die Klimapolitik so eine wichtige Sache?“ „Deshalb ist die Energiewende so eine enorm wichtige Sache und ureigenstes Gebiet der Kanzlerin.“ „Aber die kriegen doch in Bezug auf die Klimawende nichts gebacken.“ „Eben.“ „Und verlogen ist das obendrein.“ „Richtig.“ „Das stimmt doch hinten und vorne nicht – diese ganze Energiewende ist ein einziger lobbyistenverseuchter Sumpf, in dem sich ein Politiker nach dem anderen als komplett inkompetenter Idiot herausstellt.“ „Sie haben es verstanden. Klima ist Chefsache. Das erfordert eine Planung und eine Personalpolitik mit viel Fingerspitzengefühl.“

„Weiß denn Merkel überhaupt noch, was sie da tut?“ „Warum sollte sie sonst ihr Kabinett mit den besten parlamentarischen Mitarbeitern bestücken?“ „Ich meine, warum hat sie denn Röttgen vor die Tür gesetzt? Wenn ihr die Energiewende schon als wichtig erschien…“ „Korrekt. Und nun räumen Sie mal lieber die Luftschlangen hier ab. Sieht ja aus wie im Karneval.“ „Ist denn die Umweltpolitik ihr wichtig?“ „Sie sollen hier aufräumen! Das sieht aus wie im Schweinestall“ „Oder ist das Amt ganz einfach falsch besetzt?“ „Lenken Sie gefälligst nicht immer ab!“ „Und wenn das ein inhaltlicher Totalausfall war oder aber nicht wichtig für die Regierung, warum ist dann die Schröder noch im Amt?“ „Sie sollen diese verdammten Luftballons hier abhängen!“ „Oder von der Leyen?“ „Machen Sie gefälligst nicht so einen Lärm hier, in der CDU herrscht Zucht und Ordnung!“ „Oder Schavan?“ „Sie haben sich sicherlich um die Ziele der Christdemokratie verdient gemacht, Sie haben auch wichtige Dienste geleistet, um die geistig-politische Wende einzuleiten. Und jetzt raus hier!“





Über den Wolken

16 05 2012

„… sei mit einer Inbetriebnahme des Flughafens Berlin Brandenburg pünktlich zum August 2012 zu rechnen. Sämtliche Planungen hätten sich als solide und verlässlich erwiesen, so dass von einer Verschiebung nicht auszugehen…“

„… eine landesweite Konferenz gefordert. Eine Verschlechterung der Verkehrsinfrastruktur, so das Gremium sei nicht zu haben ohne eine gemeinsame Verschlechterung der Transportbedingungen sowie einen massiven Abbau der bisherigen…“

„… die Berliner Taxifahrer nicht mehr in der Lage, sich der Kampfradler zu erwehren. Die Mehrheit der Lohnchauffeure habe zwar von der Erscheinung nichts gewusst, wolle aber keine Gelegenheit auslassen, sich zu beschweren über…“

„… könne der Wartungshangar theoretisch zwar auch Großraumflugzeug vom Typ Airbus A340 aufnehmen, in der Praxis habe sich durch den Import nicht genormter Teile chinesischer Herkunft das Problem ergeben, dass die Halle nur eine Länge von 89,4% der im Bauplan vorgesehenen…“

„… habe man auf eine reibungslose Anbindung des Hauptbahnhofs an den U-Bahn-Verkehr gesetzt. Das Pilzkonzept habe sich allerdings als zu teure Schnapsidee…“

„… die elektrischen Installationen im Frachtgut-Bereich nicht absichtlich vergessen worden seien. Vielmehr habe man durch illegale Beschäftigung von Ein-Euro-Jobbern, deren Aufgabe laut Jobcenter eigentlich die Bedienung der automatischen Brandschutztüren…“

„… zuversichtlich, dass eine Angleichung der Verspätungen von S-Bahn und Flugverkehr rasch und bürokratiearm in die Wirklichkeit umgesetzt…“

„… habe es bei der Beschriftung diverse Pannen gegeben. Die Montage des Schildes WC oberhalb des Haupteingangs sei nur eine der zahlreichen…“

„… habe der Verband der Taxifahrer wegen der steigenden Kraftstoffpreise bereits eine Beförderungsgarantie für seine Mitglieder in Anspruch genommen. Würden die Fahrer wegen der ÖPNV-Anbindung des Flughafens nicht genügend ausgelastet, so stehe ein Generalstreik unmittelbar…“

„… habe sich das Konsortium ausnehmend positiv über den Luftverkehr geäußert. Nachdem BER aus den internationalen Flugrouten wieder gestrichen worden sei, habe sofort eine spürbare…“

„… die Deutsche Bahn eindeutig dafür aussprach. Nächtliche Leerflüge seien eine optimale Ergänzung zum nicht mehr stattfindenden ICE-Verkehr, der die gemeinsame überflüssige Planung mehr als…“

„… koste die Verlängerung des Vertrages die Stadt Berlin fast zwei Millionen Euro. Da das Personal das Unhöflichkeitstraining zur Anpassung an die lokalen Verhältnisse nicht rechtzeitig genug aufgenommen habe, müsse nun mit einer größeren Summe wieder für eine…“

„… BER als Güterverkehrsknotenpunkt in die weitere Wirtschaftsplanung der Bundesrepublik fest miteinbezogen. Einerseits stelle die mangelnde Planungssicherheit des Flughafens ein gewaltiges Risiko für die Exportwirtschaft dar, das sich aber durch die negativen Wirkungen des Flugverkehrs volkswirtschaftlich mehr als ausgleichend…“

„… sich bisher als nicht tauglich erwiesen, die Berliner mit Döner für 1,99 € anzulocken. Der Flugverkehr der Billigrouten sei zwar in demselben Preissegment beheimatet, doch sei ein Flug pro Mittagspause nicht mit den…“

„… seien unter anderem auch die Billigflüge für 9,99 € ein Problem der Planungssicherheit. Rösler schlug vor, die Lohnkosten nochmals extrem zu…“

„… habe das Sicherheitspersonal einen Vierfarbkugelschreiber gefunden. Das auf der Liste historischer Hieb- und Stichwaffen geführte Objekt sei dem CDU-Politiker zum Verhängnis …“

„… liege das Problem in den historischen Wurzeln. Berlin warte immer noch darauf, dass die technische und finanzielle Unterstützung der Westdeutschen dem Desaster alsbald ein Ende…“

„… mit der Wirtschaftskompetenz der Berliner zu lösen sei. Senatorin von Obernitz habe vorgeschlagen, dass bereits bei einer mittleren Auslastung von nur 450% der Flughafen genügend Rücklagen gesammelt habe, um pünktlich im Januar 2013 seine Eröffnung…“

„… sich Wowereit vom Flughafen Berlin Brandenburg deutlich distanziert haben solle. Eine regelmäßige Partyveranstaltung sei jedoch mit dem Zweck des Airports nur schwer zu…“

„… sei es richtig, dass weitere Kontrollräume unterhalb der Towerkanzel gebaut worden seien. Man habe allerdings aus Kostengründen auf die Fußböden verzichtet, da sich dadurch gleichzeitig eine Einsparung der Decken der darunter liegenden Räumlichkeiten…“

„…dass Hertha BSC nicht allein durch das Sponsoring der Deutschen Bahn so katastrophal…“

„… spreche für eine Einweihung im Jahr 2013, dass nur eine Start- und Landebahn betrieben werden könne, was angesichts der zu erwartenden Auslastung des Flughafens für eine geradezu visionäre Umweltkompetenz…“

„… die Provisorien eingeplant seien, bei einer zufälligen Annäherung der Nutzungszahlen an die prognostizierten Werte aber jederzeit neue vorübergehende Bereiche eröffnet werden könnten. Die Flughafenleitung plane derzeit eine Wartezone in Neukölln mit Raucherzone in Steglitz, die durch den S-Bahn-Verkehr noch innerhalb derselben Kalenderwoche angebunden…“

„… die Griffe an den Toilettentüren nach den neuesten ergonomischen Standards geformt seien. Ihr Design setze Maßstäbe und werde die Wahrnehmung des Flughafens entscheidend prägen. Mit der Lieferung sei im Sommer 2013 zu…“

„… die Abfertigungpavillons sicher bereits 2014 und damit wesentlich früher als die übrigen Zugänge fertiggestellt sein dürften. Mit der Übergabe der Zugangstunnel sei frühestens im März 2015 zu rechnen, doch sei dies nicht erheblich, da die Bestandteile ja flughafentypisch vor allem aus der Luft erreichbar…“

„… das Gepäckband nur aus ästhetischen Gründen rückwärts…“

„… sich die Tunnelgrabungen schwieriger gestalteten als angenommen. Die aus Stuttgart angereisten Experten hätten zunächst die Kosten…“

„… sei es zu dem peinlichen Zwischenfall gekommen, da der Pilot seine Landeerlaubnis an dem nicht existierenden Flughafen erhalten habe. Die Maschine mit Papst Benedikt XVI. sei im letzten Moment…“

„… stehe die Feldlerche nicht unter Naturschutz. Probleme bereite der Behörde aber die Ansiedlung des Juchtenkäfers, der seine Population auf der Startbahn mehr als doppelt so…“

„… sich in einem erneuten Machbarkeitstest an den acht Check-in-Inseln mit zusammen 94 Schaltern die Passagierdarsteller mehrere Zwischenfälle zutrugen. Zu den angenehmeren Ereignissen gehörte die Bekanntschaft von Janina P. (31) und Kai-Malte K. (32), die sich in der Warteschlange verlobten, heirateten und nach der Entbindung des Sohnes Kevin Leon Yves dessen Einschulung in die…“

„… als eine außergewöhnlich gute Idee, den neuen Hauptbahnhof unter dem Flughafen Berlin Brandenburg anzulegen. Mit knapper Mehrheit hatte das Abgeordnetenhaus verhindert, dass der Flughafen unter dem Berliner Hauptbahnhof…“

„… habe sich die Anton Schlecker e. K. bereiterklärt, das Objekt ab 2016 zu übernehmen. Die für einen symbolischen Euro gekaufte Bauruine biete dem Einzelhandelskonzern die idealen Voraussetzungen für einen Flagship Store auf…“

„… mit einer knappen Mehrheit für die Verlegung der Bundeshauptstadt nach Bonn ausgesprochen…“





B.L.Ö.D.

15 05 2012

„Stufe drei“, stellte Schluchterhenn fest. „Eindeutig Stufe drei.“ Der Computerfachmann tippte mit dem Zeigefinger auf den Bildschirm. „Die einzelnen Statements lassen sich gewichten, so dass ein individueller Durchschnitt zu errechnen ist. Man muss ja schließlich wissen, wen man wählt und wem man beizeiten misstraut.“ Diese Datenbank also sammelte Äußerungen von Politikern aller Couleur, streng nach Gefährlichkeitsgrad gesondert und chronologisch verzeichnet. Eine Warndatei für die deutsche Demokratie.

B.L.Ö.D. kündete die Überschrift in der Suchmaske vom Namen der Datenbank. Ich schmunzelte. „Sie sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen“, tadelte Schluchterhenn, „es ist nicht so, wie Sie denken.“ „Sicherlich eine streng geheime Abkürzung“, belächelte ich seine Erregung. „Ja, dem ist so.“ Er unternahm nicht einmal den Versuch, mich auflaufen zu lassen. „Es ist ein ganz simples Akronym. Bekloppte Lautäußerungen, öffentlich dargeboten. B.L.Ö.D. Das reicht doch wohl?“

Er war wohl etwas eingeschnappt, deshalb versuchte ich, ihn durch mein Interesse zu gewinnen. „Sie haben diese Sammlung bestimmt aus denselben Gründen aufgezogen wie die Datenbank für die europäischen Fluggäste?“ Schluchterhenn nickte stumm. „Und sind die Sicherheitsaspekte diesmal zur Landesverteidigung oder zur Durchsetzung höherer Ziele, als es in den nationalen Demokratien denkbar wäre?“ Er sah mich entgeistert an. „Was erzählen Sie mir da? Wir sammeln den Schrott, weil wir es können! Glauben Sie ernsthaft, irgendwo wäre das anders? Oder hat man Ihnen erzählt, wir würden zu Ihrer Sicherheit sinnlose Untersuchungen anstellen?“ „Das nun gerade nicht“, versuchte ich ihn zu beschwichtigen, „sinnlos mögen diese Arbeiten zwar sein, aber so genau hat es uns bisher noch niemand gesagt. Und von einer Warndatei erwarte ich wenigstens, dass sie landesweit für hysterische Weinkrämpfe sorgt.“

Schluchterhenn tippte ein paar Zahlen in die Maske. „Hier sehen Sie die Berechnungsgrundlage, und hier“ – er hieb einmal mit Nachdruck auf die Eingabetaste – „haben wir das erste Ergebnis der strukturierten Suche.“ Es handelte sich um Politiker, die Senioren kein künstliches Hüftgelenk mehr zubilligten (offensichtlich waren die Produkte der deutschen Prothesenindustrie nur noch den Jugendlichen vorbehalten, aber so weit denkt kein Politiker), die Halloween für satanistisches Zeugs hielten und auch ansonsten ihrer Haltung gegenüber den Minderheiten keinen Hehl machten. „Interessant“, sagte ich, „aber haben wir das nicht schon immer gewusst? Ein Blick in den Almanach, wir hätten ihn richtig eingeordnet.“ Schluchterhenn riss erstaunt die Augen auf. „Aber keinesfalls“, widersprach er, „keinesfalls. Sie müssen sich diese Äußerungen einmal im Kontinuum der bisherigen Inhalte ansehen.“ Und er rollte abwärts in der Leiste der gerade noch erträglichen, gerade nicht mehr, nicht mehr, kaum noch, endgültig, vollständig nicht mehr, keinesfalls mehr erträglichen Äußerungen. „Da haben wir die Forderung, bei religiösen Minderheiten die Meinungsfreiheit einzuschränken. Ist das aus der letzten Sammlung übriggeblieben?“ Er verneinte. „Bedaure, aber das ist aktuell. Auch wir haben ja ein Verfallsdatum.“ „Verstehe“, gab ich zurück, „Radiergummi?“ „Von solchen Ideen können Sie gerne Ihre Politiker überzeigen“, antwortete er ungerührt, „wir setzen auf die Realität: an gewisse Äußerungen wird sich niemand mehr erinnern, deshalb werden unsere Objekte auch in regelmäßigen Abständen gelöscht.“ „Sie lassen Gnade vor Recht ergehen“, nickte ich. Doch mein Verständnis von Verständnis war offensichtlich zu groß. „Es versaut uns die Bilanz und lässt uns nicht effizient und treffsicher genug arbeiten. Schauen Sie mal hier – Sie werden staunen.“

Mit wenigen Befehlen hatte Schluchterhenn eine komplette Hitliste erstellt. „Hier haben Sie Ihre Qualifikationsmerkmale“, sagte er trocken. „Ein paar Idioten, die nicht wissen, wie die Verfassung funktioniert, ein Außenminister, der die Berliner Stadtreinigung von Arbeitslosen arbeitslos machen will, ein Innenminister – ach, Sie sehen es ja selbst.“ Das verblüffte mich. „Sie werden doch das alles nicht zum Vergnügen sammeln, auch wenn Sie eine Bundesbehörde sind?“ Überlegen lächelte er. „Natürlich nicht. Wir sind ja letztlich auch nur von den Parteien finanziert. So wie alles in diesem Land. Und diese Parteien wollen eben die richtigen Kandidaten in die Wahlen schicken.“ Ein Klick, dann poppte ein Profil auf. „Langweiliger hatten Sie’s nicht“, motzte ich, doch Schluchterhenn kümmerte das nicht. „Das war so gewollt. Die Wahl galt ja von Anfang als verloren, da wollte man eben den optimalen Kandidaten ins Rennen schicken.“

Eine Rangliste von dümmlichen Bemerkungen quoll mir entgegen, hier forderte einer Streusalz für Radfahrer, dort hagelte es Spenden für Betrüger. „Bevor man einen Politiker auf die Öffentlichkeit loslässt“, informiert mich Schluchterhenn, „klopft man ab, ob der Mensch komplett sein Gehirn ausschalten kann. Man braucht das ja für den üblichen populistischen Pragmatismus. Wer da nicht absolut schmerzfrei agiert, der ist ja sofort raus. Und so viel Unsinn, wie die jetzt schon von sich geben, meine Güte – wer soll da schon den Überblick behalten?“ „Sie sammeln also sämtliche Informationen über Fehlleistungen von Politikern, um die Publikumswirksamkeit von Vollidioten in einem Publikum von Vollidioten abschätzen zu können?“ Schluchterhenn nickte einfach, nicht mehr und nicht weniger. „Und warum heißt das Ding nun Warndatei?“ Er zuckte zusammen. „Erzählen Sie es niemanden“, sprach er hastig, „aber wir führen diese Untersuchung seit Jahren durch. Natürlich sammeln wir auch Material über die Mitbewerber.“ Schluchterhenn errötete heftig. „Wir müssen doch wissen, wer Kanzlerkandidat wird.“





Bedauerlicherweise

14 05 2012

„Ja, tut uns echt Leid. Da fühlen wir ganz mit Ihnen. Richte ich gerne aus. Grüße an die Frau Kanzlerin vielleicht noch, oder eine… Gut, keine. Bitte sehr um Verzeihung.

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für Sie tun? Sie haben Röttgen gewählt? Ach, das ist ja traurig. Also ich meine, das ist ja traurig, dass Sie ihn… Nein, ich hatte mich da nur falsch aus-… Das war doch jetzt gar nicht ironisch gemeint, ich wollte Sie bloß…

Das können Sie als Trauerbewältigungsarbeit verstehen. Wir sind für den Bürger da, der muss nun aufgefangen werden, weil die Leute den Wechsel in Nordrhein-Westfalen wollten, und dann hat’s eben nicht geklappt. Bedauerlicherweise. Da können wir jetzt sehen, wie wir damit fertig werden. Diese Demokratie, das ist ja einfach nichts. Und dann auch noch Sozialdemokratie, da kann man ja nur noch depressiv werden!

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für Sie tun? Leider nein, das geht nicht automatisch. Als Bundesminister muss man extra zurücktreten, und ich wüsste auch nicht, wo wir so schnell die Doktorarbeit von Röttgen herbekommen sollten. Das müssen Sie schon im Präsidium zur Sprache bringen, Herr Pofalla. Ja, Sie mich auch. Auf Wiederhören.

Es ist schon eine Krux, dass nicht einmal die Partei selbst damit umgehen kann. Ich meine, wir haben doch alles getan, was wir nur konnten – beziehungsweise in dem Fall eben nicht, obwohl wir getan gehabt gekonnt gehaben hatten sollen können müssen! Da ist seit Wochen nichts mehr passiert, das Bundesamt für Naturschutz ist quasi schon im Weihnachtsurlaub, das Bundesamt für Strahlenschutz können Sie unter einer Staubschicht suchen, im Bundesamt geht gar nichts mehr. Hat sich die Frau Kanzlerin gesagt: machen wir kurz vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen keine Politik mehr, hat ja letztes Mal auch schon so toll geklappt. Guter Plan, da kann man dann wenigstens die Sozialdemokraten nach dem Wahlsieg dafür verantwortlich machen, dass hier jede Menge unerledigte Arbeit herumliegt. Sehr guter Plan.

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für… Schreien Sie doch nicht so! Ja, wir sind natürlich auch ganz bestürzt. Furchtbar. So ein unglaublicher Dreck, eine Gemeinheit, solche Gerüchte über unseren geliebten Landespolitiker Röttgen, nein: Röttgers, halt: Rüttgers hieß der, Rüttgers. Ach so, Sie meinen das von uns? Nein, wir haben das gar nicht in die Welt gesetzt. Unglücklicherweise stimmte das ja auch gar nicht. Schlimm, oder? Ich bin untröstlich.

Also die Arbeit. Da war ja gar nichts mehr. Aber wir dürfen das auch nicht überbewerten, auf die Art hatte dann Rot-Grün auch viele Möglichkeiten, große Fehler zu machen. So theoretisch. Ich meine, diese Piraten hätten das damals nur kaputt gemacht. In den sechs Wochen hätten die ihre Mitglieder befragt und dann einfach irgendetwas gemacht. Die hätten da etwas entschieden! Politik! Ich meine, man geht doch nicht in die Politik, um einfach so mal etwas zu…

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für Sie tun? Ja, es ist ein Jammer. Ich kann Ihren Schmerz nachfühlen. Das ist wirklich eine herbe Enttäuschung. Da hatten Sie sich in Berlin schon so sehr gefreut, und jetzt kommt der Röttgen einfach zurück. Tragisch, tragisch.

Ungünstigerweise kriegt er ja auch nie wieder eine Chance, noch irgendetwas zu machen. Der ist wie Atommüll: ob Sie den hierhin packen oder dorthin, egal, der bleibt da. Bis zum bitteren Ende. Das kriegen Sie nie wieder weg. Nicht mal als Kanzler. Erst recht nicht als Kanzler.

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für Sie tun? Mein Beileid! Das wollten wir wirklich nicht! Ach Gott, wie konnte das denn bloß – Ihre Frau Mutter hat gar nicht gewusst, dass Röttgen der Kandidat von uns ist? Die wusste gar nicht, wen sie diesmal wählen soll? Nervenzusammenbruch!? Und dann hat sie was gewählt? Tierschutzpartei? Na, ist ja wenigstens nicht im Gulli. Wie bei der FDP.

Aber eins müssen Sie Röttgen doch lassen, er hat wirklich ein Händchen für die richtigen Signale. Diese Landtagswahl zu stilisieren als ultimative Abstimmung über Merkels Krisenpolitik, das ist ja echt ein Coup. Wirklich schade, dass er letztlich auch noch Recht hatte.

Christdemokratische Seelsorge, was kann ich für Sie tun? Ja, das mit den 40 Prozent ist nichts geworden. So traurig. Ach, Sie meinten die SPD?

Das Problem war ja, dass die Bürger in Nordrhein-Westfalen sich das Gesicht von Röttgen gar nicht merken konnten. Als Landeschef war er so gut wie nie da, bei den Plakaten musste man automatisch weggucken – aber schade auch, dass er erst recht weg vom Fenster ist. Scheint einer von seinen Sparvorschlägen gewesen zu sein.

Christdemokratische Seelsorge, was… Frau Kanzlerin? Nein, keine Ahnung. Gestern war er noch hier. Also wir haben jetzt nicht noch einmal überall durchgesehen, aber hier ist er nicht. Denke ich. In Berlin ist er nicht angekommen? Haben Sie mal bei Koch geguckt? bei Wulff angerufen? bei von Beust oder Merz? Nicht? Schade eigentlich.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CL): Die subjektive Meinung

11 05 2012
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Der unschuldige Verkehrsteilnehmer bemerkt es in der Kassenschlange. Im Wartezimmer. Nachts im Bierlokal und tags darauf beim Betreten der heimischen Küche. Er ist von Meinungen umgeben, subjektiven Meinungen, die seine Ohren zum Blutfluss anregen. Subjektive Meinungen – die Waffen des Teufels, sanft wie Schmirgelpapier, der letzte Versuch des Hominiden, seine Unterlegenheit krachend unter Beweis zu stellen.

Das ordinäre Geschwätz wird zur Meinung, wenn der ahnungslose Verbalabsonderer ihm die Insignien einer Standortbestimmung verleiht: hier hockt er in der intellektuellen Wildnis, nackt und frierend, er kann nicht anders. Schon immer hatte sein Ich, sein Hier, sein Jetzt diese unangenehme Neigung, sich für den Ausgangspunkt des Urknalls zu halten, auch wenn mehr als ein gewaltiger Knall in Hirnschalenhöhe dabei nicht herumgekommen sein mag; schon immer hielt der Bekloppte sein argumentatives Gepopel für die Weisheit in Tüten und nicht für den Ausbund seiner bis dato grassierenden Mängel: Bildungslücken und Denkschwäche. Was uns zu felsenfesten Meinungen der scheinbaren Vernunft treibt – Arbeit erzeugt den größten Reichtum, Deutschland ist eine Demokratie, der Mond ist aus grünem Käse – ist oft nicht viel mehr als der windschiefe Fang eines borderlineintelligenten Nachschnackers. Wo immer sich ein Klischee einfangen lässt, beginnt die Bastelstunde der Dumpfnulpen.

Meinungen entstehen mit der Sozialisation; mühevoll der Verdeppung entronnene Eltern haben es taktisch leichter, ihr Brut vor dem Bodensatz zu retten – Unterschichten-TV, Springersums und ähnliche Beleidigungen wie der Besuch einer NPD-Wahlabends reichen für gewöhnlich, die historische Blödheit im eigenen Stall zu belassen. Klischees und Vorurteile vor Selten- und Nichtschwimmern prallte nicht ins Leere, träfe nicht in dieses Vakuum eben die präparierte Art der verkrusteten Doofheit. Alle Nordpolen, Nerdrheinwestfalen, Brillenträger und Freizeitveganer wissen es zu klagen, kaum ist man entflohen aus dem Bannstrahl der kognitiv Naturbelassenen, da geht der verschwiemelte Geist auf die Suche nach der Plattestform des Denkens, die zu Lochfraß und Untiefen neigt. Man hüte sich vor derlei Gehäkel.

Nun muss man dem Missverständnis vorbeugen, nur das Fehlen von Intelligenz sei der matschige Nährboden und allein unselig machend den Bescheuerten, der sich und seine Resthirnrinde den Ammenmärchen ausliefert, die ihm fortan das Hirn verschwiemeln. Aberglaube, die feste Überzeugung, dass Hexen nur nach Mitternacht auf Besen reiten können und Frankfurt die Hauptstadt Hessens ist, trübt die Pupille der Zeitlupendenker; Scheuklappen und Brett sind die Grenzlinien, innerhalb derer sich die Meinungsbildung vollzieht. Dass auch Ideologie, dass auch wirres Denken und krude Gesinnung jeglicher Herkunft als treibende Kraft bei der Ausprägung der intrinsischen Kasperade auftauchen, scheint niemanden zu stören – post mortem untersucht es sich eh viel leichter.

Keiner verdenkt’s dem unbedachten Laberhans, gleitet er ab in eine Verschwörungstheorie, wie sie dem akustischen Ameublement innerhalb der Kalotte entspräche – freudvoll schnackt der gegen sich selbst immune Dummbeutel von der Welt, die sich von der eigenen Logik abschottet – er hätte unter den üblichen Konditionen der Meinungsfreiheit noch immer die Freiheit, seinen Schwulst in die desinteressierte Mitwelt zu schwurbeln, auf die Gefahr hin, dass es bedauerlicherweise jemand ernst nähme. Denn auch hier lauert das tragische Missverständnis der Zeit, in der jeder sich für den Nabel der Welt dünkt: eine Meinung, und sei sie noch so subjektiv, genießt eher das Privileg, aus Gunst überhört zu werden, als die allgemeine Anerkennung, da sie sich in die Nähe der Meinungsgrenzen schleppt, wo sie das staatsrechtlich wirkende Konglomerat mit ihr zu befassen hätte – würde das bissel aufgeregtes Gehampel vor zerkautem Hintergrund auch nur an die Koordinaten des angedrohten Grenzbereichs prallen. Brötchen und Bier sind zu teuer? Ihr dürft es äußern. Die Kanzlette irrt? so what. Dann werden wir also den Deckmantel der Verblödung und seine Hinterlassenschaften betrachten.

Keiner fragt, ob der gewöhnliche Bürger eine intakte Bildung vorzuweisen hat; keinen interessiert es, ob er sich durch Empirie oder historischen Wissenstransfer in die distinktive Position gehievt hat; wer will schon wissen, was neben einem Grütze produziert. So funktioniert schon die Einbettung der Intelligenz in unser Gesellschaft, warum sollte es in Fußhöhe anders sein. Wer immer noch fragt, warum man sein Geschwafel für und gegen den Euro-Betonpakt, Nordafrika oder ein kaum zum Industrieland aufgestiegenes Büdchen aufpumpt, es gilt als schützenswertes Zeichen. Jeder darf sich zum Horst machen. Wir leben ja in einer Demokratie. Was vieles ausgleicht.








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