De-Finitiv

22 04 2013

„… dass die Bundesregierung De-Mail per Gesetz für sicher erklärt habe. Es könne nun keine…“

„… vor allem zur Arbeitserleichterung, da die Bundesregierung nun die sachlichen Einwände der Experten zur Sicherheit des Mailverfahrens als irrelevant oder…“

„… es keiner weiteren Definition per Gesetz bedürfe. Merkel könne auch ohne den Bundestag beschließen, dass die Deutschen nicht ärmer als die übrigen Euro-Länder…“

„… sei der Datenschutz in Deutschland inzwischen so sicher, dass es weder des Datenschutzes bedürfe noch der zusätzlichen…“

„… es gar keine Arbeitslosigkeit gebe, da jeder, der arbeiten wolle, auch Arbeit finde. Von der Leyen halte daher neben der Verhinderung der von ihr erfundenen Frauenquote die Abschaffung der Grundsicherung für ihre politisch beste Tat seit…“

„… höchst erfreut zeige. So wolle Rösler nicht nur den Armutsbericht erneut überarbeiten lassen, sondern auch die…“

„… die Banken darauf bestünden, die Gebühren für Kontenüberziehungen wieder per Definition…“

„… dass der Hauptstadtflughafen BER ja im Grunde schon so gut wie fast fertiggestellt sei, weshalb man ihn nun auch per Parlamentsbeschluss als bereits eröffnet…“

„… sei De-Mail schon deshalb viel sicherer als Telefax, weil es einen Papierstau nur einmalig beim Ausdrucken der…“

„… mit den Stimmen der Koalition, dass die Regierung die beste seit der Wiedervereinigung sei. Das Bundesgesetz habe weitreichende…“

„… das Vergabeverfahren der Presseplätze im NSU-Prozess ganz einfach für ausgewogen und rechtssicher zu…“

„… habe Bosbach auf der Heidegger-Tagung Das Sein als Seiendes des Daseins im In-der-Welt-Sein des seienden Soseins einen Schwächeanfall…“

„… fordere der Internetexperte Axel E. Fischer eine gesetzmäßige Neudefinition der Definition, da sonst High Definition nicht als definiert…“

„… dass das Bildungspaket für gut und ausreichend definiere, da es so gut wie nicht angenommen worden sei. Von der Leyen sehe daher keinen Grund, die Leistung weiterhin anzubieten und schaffe sie wegen zu großen Erfolges mit sofortiger Wirkung…“

„… halte Schäuble De-Mail für viel sicherer als Telefax, weil es viel sicherer als Telefax sei, was wiederum…“

„… sowie ausreichende Kita-Plätze vorhanden. Außerdem lege Schröders Gesetz fest, dass der Klapperstorch die Kinder…“

„… bemängelten Kritiker, man könne das Gesetz auch so verstehen, dass die beste Regierung seit der Wiedervereinigung nicht mehr durch Wahlen zum Deutschen Bundestag…“

„… den NSU-Prozss insgesamt als unnötig zu definieren und ausfallen zu lassen, falls per Bundesgesetz festgestellt werden könne, dass es in Deutschland gar keinen Rechtsterrorismus…“

„… werde die Sicherheit der sicheren De-Mail noch viel sicherer, wenn man die Server in einen geschlossenen Raum einschließe, so dass die Gerät von außen nur noch per De.Mail erreichbar…“

„… sich IM Friedrich in einem schweren Dilemma befinde. Er könne das Land als unter der CDU-Regierung absolut sicher definieren, müsse dann aber verzichten, aus Sicherheitsgründen noch weitere Überwachungsmaßnahmen …“

„… sich das Die-Elbphilharmonie-ist-viel-preiswerter-als-erwartet-Gesetz mit den Stimmen aus SPD, CDU und…“

„… seien die Kraftwerksbetreiber bereit, eine sehr hohe Summe für den Wahlkampf zu zahlen, wenn im Gegenzug die Bundesregierung auch die Atomkraft für sicherer als ein Telefax…“

„… rege Rösler an, bei den nächsten Wahlen die FDP ganz einfach als Partei oberhalb von fünf Prozent zu…“

„… das Bundesverfassungsgericht in einem Eilverfahren festgestellt habe, dass die beste Bundesregierung aller Zeiten sich nicht selbst als Verfassungsorgan…“

„… bedürfe es keiner gesetzlichen Regelung. Ziercke habe bekräftigt, bei einer Anzeige gegen Polizeibeamten habe der Polizist nicht nur definitionsgemäß recht, er sei auch definitiv…“

„… zu Kontroversen mit der Versicherungsbranche geführt habe. Man könne nicht ein Land als vollkommen sicher bezeichnen, da die Versicherer ihre Versicherungen sonst…“

„… als so sicher, dass Merkel freiwillig darauf verzichtet habe, von ihrem als abhörsicher definierten Mobilgerät De-Mails zu…“

„… habe Schäuble zum wiederholten Male betont, man brauche das Bundesverfassungsgericht überhaupt nicht. Er fordere daher die Neudefinition des Grundgesetzes als…“

„… sich gar nicht um Waffenlieferungen in Kriegsgebiete. De Maizière habe per Gesetz beschlossen, jedes von deutschen Rüstungskonzernen belieferte Land als friedliches, stabiles und menschenrechtskonformes…“

„… müsse Stuttgart 21 nicht mehr als technisch möglich definiert werden, da Ramsauer bereits per Dekret verfügen wolle, das Bahnhofsprojekt als ausreichend finanzierten…“

„… sei der Vatikan sehr daran interessiert, nach der Bundesrepublik Deutschland als zweiter Staat die Erde wieder als Scheibe zu…“





Abstellgleis

19 03 2013

„… habe die Deutsche Bahn nie beabsichtigt, die Reisedaten ihrer Kunden zu…“

„… seien die Kundendaten sowieso nur für Kaffeebestellungen in Folgezügen…“

„…werde der Preis der Fahrkarte, der Abfahrt- und Zielbahnhof gespeichert. So ergebe sich bei in Stuttgart begonnenen Fahrten ein Sicherheitsprofil, das in jedem Falle für den Bau des unterirdischen…“

„… dass nach mehr als einer Beschwerde über ausgefallene Klimaanlagen keine Sitzplätze mehr reserviert werden könnten. Dies sei eindeutig ein Softwarefehler, der innerhalb der nächsten Tage…“

„… individualisierte Werbung nur auf dem Postwege geschickt würde. Die Kunden könnten dem entgehen, wenn sie vorab mit Name und Anschrift, Geburtsdatum, Haushaltseinkommen und Blutgruppe, Konfession, Schuhgröße sowie…“

„… umfasse die individualisierte Werbung für Versicherungen, wobei eine spezielle Reiserücktrittsversicherung vorgesehen sei, die nur dann die Kosten erstatte, wenn die Reise vertragsgemäß angetreten und…“

„…als technisch unbedenklich. Da die DDR-Reichsbahn anteilig die meisten inoffiziellen Stasimitarbeiter gehabt habe, wolle man…“

„… zwar korrekt, dass die neuen in die Sitze eingelassenen Personenwaagen Gewicht und Körperfettanteil der Fahrgäste mäßen, speicherten und per WLAN an die Kontrollpunkte übertrügen, doch seien dieses weder Reisedaten noch…“

„… weil Fahrgäste ihren Kaffee bei der Rückreise vom Urlaubsort auch mehrere Wochen später noch auf Grund der…“

„… derzeit nicht gesichert. IM Friedrich habe berichtet, er sei davon ausgegangen, dass sämtliche in Deutschland anfallenden Datenbestände ohne Prüfung des Anlasses automatisch in die USA…“

„… werde der Preis der Fahrkarte, der Abfahrt- und Zielbahnhof gespeichert. Sollten die Kosten für Bahnfahrten zu niedrig sein, sinke der Score für Baukredite, da in diesen Fall nicht mehr von ausreichenden Rücklagen für eine…“

„… der Fahrgastverband einen einwöchigen Bahnstreik angekündigt habe. Grube habe dies gekontert mit der Absicht, eine Stunde lang alle Züge pünktlich…“

„…Verständnis gefordert, die Bahnreisenden in die sicherheitsrelevanten Körperöffnungskontrollen zu integrieren. Eine routinemäßige Zielfahndung nach Terrorverdächtigen, falls Flugzeugentführer mit den günstigen Rail&Fly-Tickets…“

„… dass nach mehr als einer Beschwerde über Zugverspätungen keine Sitzplätze mehr reserviert werden könnten. Dies sei eindeutig ein Softwarefehler, der innerhalb der nächsten Wochen…“

„… sei mit individualisierter Werbung auch per E-Mail und auf dem Mobiltelefon zu rechnen, falls sich zufällig durch Verknüpfung mit Datensätzen aus Russland eine…“

„… werde der Preis der Fahrkarte, der Abfahrt- und Zielbahnhof gespeichert. Sollten die Kosten für Bahnfahrten zu hoch sein, sinke der Score für Baukredite, da in diesem Fall zu viel Geld für andere Konsumgüter…“

„… gebe die Deutsche Bahn AG zu Marketingzwecken keine Kundendaten an Dritte weiter. Dies sei sichergestellt, da die Marketingfirma eine hundertprozentige Tochter der…“

„… der gelungenen Feierstunde. Die Deutsche Bahn AG habe erstmals bewiesen, dass Hartmut Mehdorn verzichtbar sei, da man auch ohne seine Mitarbeit eine katastrophale…“

„… dass Sitzreservierungen im Raucherbereich zur Weitervermittlung der Anschrift an die Krebshilfe sowie Jehovas Zeugen führten. Grube habe diese 784.030 Einzelfälle als kaum repräsentativ für die markentechnische…“

„… die Zuordnung von Kaffeebechern zu eindeutigen Vornamen der Fahrgäste sicher nur ein ganz zufälliges…“

„… bezeichne IM Friedrich es als terroristischen Akt, unter dem Deckmantel feiger Anonymität am Fahrkartenschalter mit Bargeld ein Ticket zu kaufen. Der deutsche Bahnhof dürfe kein rechtsfreier Raum…“

„… werde der Preis der Fahrkarte, der Abfahrt- und Zielbahnhof gespeichert. Wer in ungünstig gelegene Gebiete mit erwartbar steigender Arbeitslosigkeit fahre, müsse mit einer Meldung bei den Sicherheitsbehörden an…“

„… die Beraterfirma empfohlen habe, den Handel mit Kundendaten auszuweiten, da er als Geschäftsmodell mehr als die erwartbare Rendite verspreche. Dazu müsse die Gesellschaft allerdings Bereiche wie den Personenverkehr langfristig…“

„… sich Karl-Thomas Neumann lobend über die Deutsche Bahn AG geäußert. Keine andere Aktion, so der Opel-Vorstandsvorsitzende, sichere dem Individualverkehr auf Jahre hinaus die…“

„… dass nach mehr als einer Beschwerde über liegen gebliebene Triebköpfe, stundenlangen Aufenthalt auf freier Strecke und einen kostenpflichtigen Schienenersatzverkehr keine Sitzplätze mehr reserviert werden könnten. Dies sei eindeutig ein Softwarefehler, der vermutlich bis 2015…“

„… ob gemäß der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Deutschen Bahn AG das Tragen eines Aluminiumhutes in den…“





Gestochen scharf

21 02 2013

Georgi blinzelte; der rechte kleine Monitor in der dritten Reihe musste etwas nachjustiert werden. „Das ist ganz schön anstrengend“, informierte er mich. „Sie stellen sich den Beruf des Pförtners wohl recht einfach vor, aber das hat hier alles mit Technik zu tun. Ganz technische Technik, wissen Sie. Und da muss man ganz schön aufpassen.“

Der schon grau angelaufene Feuerwehrmann saß in seinem Glaskasten, links und rechts und hinten eine Wand aus grauen Bildschirmchen, eins neben und unter und über und neben den anderen grauen Bildschirmchen, wie ein rechteckig angeordnetes, graues Fliegenauge. Nur manchmal musste er sich umdrehen und seinem Beruf als Pförtner nachgehen. Dann tippte er sich mit zwei Fingern an den Mützenschirm, ließ einen der Direktoren passieren, guckte einem Abteilungsleiter jovial hinterher oder schnauzte einen Praktikanten an, der nicht schnell genug den Eingang passierte. Währenddessen sah man Treppenabsätze auf den Monitoren, einen Innenhof, eine Ecke des Parkplatzes und zahlreiche undefinierbare Maschinen, die stampften, kreiselten und Dinge taten, die man nicht begriff. Die Klöbner-Werke stellten sicher etwas her, das dem Fortbestand der Welt diente, allein ich wusste nicht, was. Und es interessierte mich auch nicht sonderlich.

„Wir mussten ja nun diese Kameras bei uns aufstellen.“ Er deutete auf seinen Schaltkasten. „Hier können Sie die drehen, und dann runter, und zack! sehen Sie gar nichts mehr. Weil man die drehen kann.“ Ich nickte. „Sie erfüllen die Vorgaben der Bundesregierung ja ziemlich genau.“ Zwar hatte die Regierung die umfassende Überwachung von Arbeitnehmern gerade auf öffentlichen Druck vom Zettel genommen, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass die Wirtschaft angekurbelt werden muss. „Die wollen alle ihre Geräte verkaufen, und das gibt ganz schön Druck, müssen Sie wissen. Wir sind sogar von der Gewerkschaft aufgefordert worden, offene Überwachung zu installieren. Und das haben wir dann ja auch gemacht, Willi und ich.“

Man konnte förmlich hören, wie der Apparat an der Wand surrte und zur Seite fuhr. „Hier haben Sie den sogenannten toten Winkel, und hier haben Sie ihn nicht.“ Ich runzelte die Stirn. Georgi bemerkte es und drehte die Kamera sofort zur Seite. „Von hier aus sehen Sie die ganze Treppe von links, und von da aus sehen Sie die ganze Treppe von rechts.“ „Großartig“, bemerkte ich trocken. „Ich schätze, Sie haben für diesen Film bereits einen Grimme-Preis bekommen?“ Georgi schüttelte den Kopf. „Das nun gerade nicht, aber es ist eine sehr wichtige Kamera. Jeden Morgen um halb zehn kommt Herr Direktor Klöbner die Treppe herunter, um Halle D zu besichtigen.“ „Lassen Sie mich raten: Sie können ihn nun vorher von zwei Seiten sehen?“ Der Pförtner nickte befriedigt. „Allerdings“, antwortete er. „Und das Beste ist, dass ich damit die Kamera in Halle D bewegen kann.“ Er ließ den Bildapparat hin und her, her und hin fahren. Sofort stürzten die Arbeiter zu ihren Werkbänken, droschen auf Bleche und polierten Metallstangen. In dieser Firma herrschte noch Ordnung.

„Man kann also durchaus behaupten, dass die Geräte der Sicherung von Arbeitsplätzen dienen.“ Er nickte. „In der Tat, und nicht nur das. Schauen Sie mal hier.“ Einer der kleinen Bildschirme links unten zeigte einen Treppenabsatz des Westflügels. Langsam zoomte die Kamera sich heran, immer größer wurde die Fensterbank. „Hier hat der Kollege Schnedermann letzten Monat seinen Schlüssel vergessen, als er auf Kontrollgang war. Er hat sein Taschentuch aus der Hose gezogen, und dabei muss ihm das Schlüsselbund entglitten sein.“ Ich begriff sofort. Die Kamera hatte den Verlust im Nu aufgeklärt und lückenlos für präventive Sicherheit gesorgt, bevor der Hauch einer Straftat auch nur geplant worden wäre. „Schnedermann war kaum zurück von seinem Kontrollgang, da hatten wir die Schlüssel auch schon gefunden. Ich habe sie dann von einem Lehrling holen lassen.“ Georgi sah befriedigt auf die Linse, die langsam wieder rauszoomte. „Gestochen scharf!“

Natürlich konnte man mit den Dingern auch noch andere Sicherheitsmaßnahmen durchführen. „Das ist doch ganz schön“, meinte er. „Die Kamera nimmt die Rückbänke unserer Wagen auf dem Parkplatz auf. So wussten wir, dass der Abteilungsleiter seiner Frau zu Weihnachten einen Pelzmantel schenkt.“ Das war in der Tat praktisch; am Ende hätte sonst noch die ganze Belegschaft zusammengelegt und ihr einen Nerz spendiert, obwohl sie bereits einen hatte. Georgi drückte ein paar Tasten und legte den Kanal E12 auf den Hauptmonitor. „Unser Anti-Stress-Programm“, bemerkte er nicht ohne Stolz. „Wir haben die Kamera eigens auf einem Pfahl montiert und so herum angebracht, dass man über den Zaun sehen kann. Hier genießen Sie den Blick über die Blumenwiese jenseits der Warenanlieferung.“

Natürlich gab es auch einen Monitor ganz rechts in der Ecke, der hinter einer Papiertüte mit den Frühstücksbroten des Pförtners stand. „Und das ist…“ Georgi errötete heftig. „Das ist Fräulein Blümelein aus der Buchhaltung. Die Kamera ist nicht versteckt, aber es hat ihr keiner gesagt, dass sie an ihrer Zimmerdecke hängt.“ Ich begutachtete das Bild. „Hübsch“, lobte ich. Gestochen scharf. Das dient sicher auch dem Zweck, die Arbeit in Ihrem Betrieb kräftig anzukurbeln. Aber mal eine Frage, was stellen die Klöbner-Werke eigentlich her?“ Er blickte mich entgeistert an. „Das wissen Sie nicht? Überwachungskameras natürlich.“





Unbekannt verzogen

9 07 2012

„So hören Sie doch, wir brauchen Ihre Kataloge nicht! Die Kanzlerin hat genug Hosenanzüge. Wir schmeißen das sowieso in den Papiercontainer, Sie können das lassen. Und bitte hören Sie endlich auf, Ihre Werbepost an die Kanzlerin hier ins Amt zu schicken! So war das neue Meldegesetz nämlich nicht gedacht!

Gestern zwei Säcke, vorgestern zwei Säcke, alles voller alter Säcke. Gut, ist im Kanzleramt jetzt nicht so ungewöhnlich, aber auf die Dauer stört es doch. Die schicken Briefdrucksachen und Infopost und Prospekte und Preislisten. Seitdem sie die Privatanschrift der Kanzlerin rausbekommen haben. Wird jetzt natürlich alles nachgeschickt. Und dabei waren wir uns so sicher, dass das nur diese – wie heißt das da noch gleich? Nee, diese Leute, die da immer so… also dieses Zeugs halt – Volk! Volk, ich kam nicht drauf, Volk natürlich. Dass das Volk davon betroffen ist. Leider auch die Kanzlerin.

Diese Musterbücher sind zwar ganz hübsch, aber könnten Sie die vielleicht trotzdem vom Tisch nehmen? Einerseits brauchen wir gerade keine neuen Tapeten, und andererseits haben wir die doppelt. Und hier ist bloß ein einziger Schreibtisch. Vermutlich haben die das zweite Exemplar aus lauter Dankbarkeit den Jungen Liberalen schicken wollen und hatten die Adresse nicht. Unbekannt und verzogen, das soll auf die ja beides zutreffen.

Am Anfang dachten wir ja, die Aigner hätte sich einen Scherz erlaubt, von wegen: wenn Ihr meine schöne Symbolpolitik gegen Facebook kaputt macht, dann räche ich mich eben auf die Art. War dann aber gar nicht von ihr. Weil, dann hätte sie ja vorher Facebook verstehen müssen.

Was haben Sie denn da, Kundenzeitschriften? Das Häkelkränzchen? Nationale Blätter? Du und Dein Gebiss? Wer liest denn so einen Dreck? Ach, als Hinweis der deutschen Presseverleger? Wenn sie nicht ihr Leistungsschutzrecht bekommen, liefern sie den ganzen Schmadder weiterhin frei Haus? Das nenne ich mal Service.

Vor allem diese Zusatzgeschäfte – Querverkäufe und der ganze Kram. Kauft sie sich einen neuen Hosenanzug, schon kommt ein Prospekt mit Pumps, legt sie sich eine Matratze zu, liefern sie den Bettwäsche-Katalog, bucht sie ein Hotelzimmer für den Euro-Krisengipfel, hat sie ein Angebot über eine Risikolebensversicherung – Rotwein? Braucht sie nicht. In diesem Laden wird nur noch Schnaps gesoffen, das merken Sie doch.

Man munkelt ja, dass das ein paar Aktivisten waren. Weil die Kanzlerin nicht alleine damit dasteht. Schäuble kriegt pro Tag einen Zentner Post, Seehofer auch. Wir haben allerdings noch nicht in Erfahrung bringen können, wer sich die Adressen vom Einwohnermeldeamt besorgt hat. Datenschutz, Sie verstehen schon.

Produktproben? Stellen Sie’s zu den anderen da auf den Tisch. Da ist noch Platz neben den Keksen und der Pflege für die vollreife Haut. Unsichtbar? Stellen Sie’s halt unter den Tisch, wenn Ihnen das peinlich ist. Wobei, das muss ja Ihnen nicht peinlich sein, schließlich hat die Kanzlerin selbst diesen ganzen – kein neutraler Karton? Viagra? Haben die schon wieder Viagra geschickt? Was fällt denen ein, wir haben doch dreimal gesagt, dass wir keinen Bedarf haben. Eine Großpackung? Schicken Sie’s zu Pofalla rüber, der hat’s nötig.

Schon probiert. Ummelden bringt nichts. Das wäre auch außenpolitisch etwas kompliziert. Wir müssten dann sagen: die Kanzlerin hat zwei Standpunkte, kann sich aber für keinen entscheiden. Zwei Standpunkte. Dabei hat sie doch sonst nicht mal einen.

Immerhin verdienen dabei die Kommunen. Sie müssen als Bürger bezahlen, dass Sie Ihre Daten ins Melderegister reinbekommen, und dafür kassiert die Gemeinde dann Geld, wenn sie es verkauft – finanzieller Lastenausgleich, sozusagen. Diese schwarz-gelbe Koalition ist gar nicht so ungerecht, wie viele denken. Und, wie gesagt, die Kommunen verdienen noch daran. Das ist doch wirklich echt ungewöhnlich: Die Kanzlerin beschließt etwas, aber es wird trotzdem nicht teurer als geplant.

Das größte Problem hatten wir ja mit Friedrich. Der hat vielleicht geschäumt – gut, der schäumt immer, das ist nicht der Rede wert, aber diesmal hat er gedacht, er hätte ausnahmsweise einmal etwas richtig gemacht. Der ist hier eine Woche lang durch den Bundestag stolziert und hat behauptet, er hätte endlich eine eigene Vorratsdatenspeicherung. Da hat er sich selbst mit der Wirtschaft verwechselt. Komisch, das passiert doch sonst nur der FDP?

Schuld ist doch letztlich Jogi Löw und die DFB-Mannschaft. Wer rechnet denn damit? Finale, dann eine Woche Freudentaumel, alle Schlagzeilen in Schwarz-Rot-Gold, hätten Sie denn gedacht, dass sich da jemand für Politik interessiert? Das ist doch Vaterlandsverrat! Perfide! Also von den Fußballern.

Dass wir der Datenweitergabe nicht mehr widersprechen konnten, hatte regierungsamtliche Gründe. Doch, diesmal wirklich. Die Regierung wollte einmal in vier Jahren ein widerspruchsfreies Gesetz hinkriegen. Außerdem ist das ein enormer justizpolitischer Fortschritt – diese Chaotenpartei will Downloaden und Kiffen entkriminalisieren, wir legalisieren den verbotenen Adresshandel. Das nenne ich mal gelebte Demokratie!

Und jetzt nehmen Sie bitte diese verdammte Dauerwurst hier weg. Ich kann das Zeug nicht mehr riechen!“





#Bombe

29 02 2012

„… dass die 37 Millionen gefilterten E-Mails nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt hätten. Immerhin seien 213 abgefangene Nachrichten ein achtbares Ergebnis, wenn man die Arbeitsweise der deutschen Sicherheitsbehörden…“

„… da sich nicht eine einzige verschlüsselte Mail im Suchraster verfangen habe. So könne man davon ausgehen, dass Terrorverdächtige nicht in der Lage seien, kryptografische Verfahren…“

„… zu einem Kollateralschaden. Barbara Eligmann, die wegen des Suchworts ‚explosiv‘ vor laufender Kamera verhaftet wurde, befand sich ausgerechnet in einer Liveschaltung auf RTL, als das Spezialeinsatzkommando…“

„… die Ergebnisse der Suche längst in keinem Verhältnis mehr zum Aufwand. Kauder mahnte, man müsse wenigstens 500 Mails pro Jahr…“

„… erst ein Rechtsgutachten abwarten, ob sich die Begriffe ‚Bombe‘ und ‚Bimbes‘ nur zufällig…“

„… da in einem zweiten Schritt die Zahl der gesuchten Schlüsselworte auf 16.400 erhöht worden sei, was ungefähr einem Siebtel der im Duden verzeichneten Schlagworte entspreche. Dies sei laut Bundesnachrichtendienst lediglich geschehen, um einen juristisch bedauerlicherweise noch nicht durchsetzbaren Generalverdacht gegenüber allen Bundesbürgern mit linguistischen Mitteln zu…“

„… verstoße die Verwendung des Suchwortes ‚Sex‘ gegen die guten Sitten, da den Mitarbeitern seelisch verrohende Inhalte nicht zuzumuten…“

„… versehentlich die Einweisung von Familienministerin Schröder in eine geschlossene Abteilung angeordnet, da ihre dienstlichen Mails einen Suchwortanteil von 100%…“

„… forderte Uhl eine sofortige weltweite Klarnamenspflicht für Mailadressen, da die Zuordnung mit den intellektuellen Mitteln des BND auf keinen Fall zu bewerkstelligen…“

„… die Ausweitung der Suchbegriffe allerdings verteidigte. Friedrich erklärte angesichts mehrerer in den letzten Jahrzehnten in Bayern aktenkundig gewordener Straftaten, dass Gewaltverbrechen auch an Suchworten wie ‚Nudelholz‘ oder ‚Gummihammer‘…“

„… dürfe es keine Denkverbote geben. Zwar sei es noch ein logistisches Problem, täglich mehrere Millionen Faxe in der EU abzuholen und zentral zu digitalisieren, doch rechne man spätestens bis zum kommenden G8-Gipfel mit einer passenden…“

„… keine Totalüberwachung. Friedrich wiegelte sofort ab, es handele sich nur um eine reine Präventivmaßnahme gegen Terrorismus, die antisemitische Propaganda oder Holocaustleugnung ebenso wenig erfasse wie…“

„… dass unter den 16.400 Suchbegriffen rund 13.000 zum Bereich des Waffenhandels gehörten, beispielsweise ‚Schäuble‘, ‚de Maizière‘ und…“

„… ergriff nun auch Jim Rakete rechtliche Schritte, da er mehrmals als Terrorist…“

„… müsse man selbstverständlich alle Mails ausschließen, in denen die Waffengeschäfte zur Förderung der Stabilität demokratischer Staaten wie Saudi-Arabien oder…“

„… forderte der CDU-Abgeordnete Wanderwitz eine Sonderabgabe von Bundesbürgern, deren Mails nicht vom Suchraster erfasst würden. Sie seien Nutznießer der inneren Sicherheit, würden aber durch ihre Verweigerung, sich als kriminelle Elemente zur Verfügung zu stellen, einen…“

„… der Rechtsstaat damit an seine Grenzen stoße. Man könne die Kombination ‚Bombe‘ und ‚Attentat‘ verhältnismäßig einfach aufspüren, andere Wortverbindungen wie ‚Politiker‘ und ‚korrupt‘ seien jedoch aus technischen Gründen so gut wie nie in…“

„… verbiete sich ein Vergleich mit der Stasi. Merkel berichtete, bis einschließlich 1989 sei keine einzige E-Mail von ihr abgeschnorchelt oder…“

„… müsse man auch die kleinen Erfolge sehen wollen. So habe eine abgefangene E-Mail mit dem Schlüsselwort ‚eine‘ zur Aufdeckung einer Steuerhinterziehung um fast 200 Mark geführt. Die Straftat aus dem Jahr 1966 sei zwar verjährt, dennoch…“

„… habe das Aufkommen von Spammails alles nur verschlimmert. Der MAD gehe auf Nummer sicher und untersuche täglich zahllose nigerianische Nachrichten, um im Falle eines Millionengewinns eine korrekte fiskalische…“

„… für eine etwaige Überwachung von Briefen und Postkarten die schulische Ausbildung an die Erfordernisse einer vereinfachten Schreibschrift anzupassen und den Deutschunterricht so zu verbessern, dass die Rechtschreibkenntnisse nicht zu einer Überforderung der Schrifterkennung…“

„… sei nach Erkenntnissen der Sicherheitskräfte vollkommen ausgeschlossen. BKA-Chef Ziercke betonte, eine Untersuchung von Mails, die im Ausland versandt würden, komme für ihn nicht in Frage; es sei logisch, dass in Deutschland geplante Terroranschläge auch nur mit im Inland lesbaren…“

„… dass Mailprovider mit weniger als 10.000 Zugängen nicht kontrolliert würden. Bosbach erklärte, die Einrichtung einer eigenen Domain sei derart kompliziert, dass sie sicher kein Terrorist…“

„… es nur dem Integrationsfortschritt zu verdanken sei, dass seiner Meinung nach sämtliche Araber in Deutschland aus reiner Verfassungstreue längst zur Verwendung der lateinischen Schrift übergegangen seien, um den Inlandsgeheimdienst nicht unnötig mit fremdländischen…“

„… plädierte Arbeitsministerin von der Leyen für eine lückenlose Vollkontrolle des weltweiten Mail-, Telefon- und Briefverkehrs, um kurzfristig in Deutschland bis zu 34 Milliarden Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor…“





Drohnkulisse

17 01 2012

„… bei der wöchentlichen Demonstration vor Schloss Bellevue abhanden gekommen sein muss. Bundesinnenminister Friedrich bezeichnete den Einsatz von unbemannten Flugkörpern im zivilen Sektor als Lüge linksradikaler Kreise. Würde die Drohne nicht umgehend zurückgegeben, so werde die Polizei mit brutalstmöglichem…“

„… offensichtlich nach einem Schuhwurf am Rotor beschädigt worden, so dass die Lenkung nicht mehr einsatzfähig war. Wie der Flugkörper in den Besitz der Bürgerinitiative geraten sei, wollte der Polizeipräsident jedoch nicht…“

„… laut BKA nicht zur Ausspähung ziviler Ziele geeignet. Die Drohne sei zwar mit einer Reihe weder durch die Strafprozessordnung noch durch das Bundespolizeigesetz gedeckter Werkzeuge ausgestattet, doch würden diese ja sowieso nie…“

„… im Bezirk Neukölln zu einer größeren Polizeiaktion. Insgesamt 183 Beamten erlegten ein funkferngesteuertes Flugmodell mit Elektromotor, das zuvor in einer Höhe von 25 Metern über einem Sportplatz ein verdächtiges Brummen erzeugt habe, was Innensenator Henkel sofort als nicht mit dem Grundgesetz vereinbar erkannt haben solle. Er habe die sofortige Evakuierung des Bezirks angeordnet sowie NATO-Truppen zur Hilfe gerufen. Die Herausgabe der mutmaßlichen Flugbombe sei von den Einsatzkräften verweigert worden. Der 9-jährige Mehmet C. sei erkennungsdienstlich sonderbehandelt und dann gegen Auflagen…“

„… bot der iranische Botschafter der Bundesregierung seine Mithilfe an. Teheran sei im Umgang mit westlichen Fabrikaten bereits geübt und könne die technischen…“

„… habe Sarrazin die rasche Aufklärung des in letzter Sekunde vereitelten Anschlags in Britz gelobt. Er kommentierte den Einsatz, er sei kein Rassist, aber…“

„… während BILD schon am Dienstag kompromittierende Fotos ankündigte. Die Redaktion und das Verlagshaus ließen jedoch offen, ob es sich dabei um Bilder des Bundespräsidenten oder um Fotografien einer anderen…“

„… mehrten sich die Anrufe über nächtliche Belästigungen. Allerdings berichteten zeitgleich Anwohner aus Zwickau, Bad Segeberg und Bremen von Motorgebrumm, das kaum von einer einzigen Drohne stammen…“

„… wies Uhl darauf hin, dass unbemannte Flugkörper ausschließlich zur Aufklärung bei Katastrophenfällen benötigt würden. Als solche bezeichnete der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Innenpolitik beispielsweise islamistisch motivierte Giftgaswolken und antikapitalistisches…“

„… verteidigte das BKA den Einsatz unbemannter Flugkörper. Nur mit Hilfe von Drohnen sei festzustellen, ob auf der Erdoberfläche Glatteis vorhanden sei, was teilweise schwerste Straftaten wie Fahrerflucht nach witterungsbedingten Auffahrunfällen erst ermögliche und sogar schon zu…“

„… auch in der Mittwochsausgabe des Boulevardblattes nicht enthüllt. Die in den Medien geäußerten Mutmaßungen über einen Foto-Angriff auf Schloss Bellevue seien jedoch vollkommen aus der Luft gegriffen. Springer-Vorstandsvorsitzender Döpfner habe jede Spekulation über angebliche Paparazzi-Bilder auf das Schärfste…“

„… kündigte Uhl an, man müsse in dieser Lage ganz Deutschland umgehend mit Schusswaffen und scharfer Munition ausstatten, um der drohenden Kriegsgefahr entschlossen entgegenzustehen. Nur durch Gewehre sei der Terror noch in den Griff zu kriegen, als CSU-Mitglied sehe er zudem eine Umsatzsteigerung in der Rüstungsindustrie mit sehr positiven…“

„… verteidigte das BKA den Einsatz unbemannter Flugkörper. Nur mit Hilfe von Drohnen sei festzustellen, ob sich während einer virtuellen Flugstreife in Google Street View die Bilder verändert oder durch rechtswidrige Raubkopien ersetzt…“

„… stimme Bosbach der Ausgabe von 450 Millionen Schnellfeuergewehren nur dann zu, wenn gleichzeitig durch ein Bundesgesetz zum Verbot von Killerspielen jede Gefahr von Gewalttaten so gut wie ausgeschlossen…“

„… hielte sich am Donnerstag das Springer-Blatt noch bedeckt. Aus gut unterrichteten Kreisen, die zuvor schon fliegende Untertassen über Burgwedel gesichtet haben wollten, habe man jedoch gehört, die belastenden Fotos sollten nicht den Bundespräsidenten selbst, auch nicht dessen Gattin zeigen, sondern die…“

„… verteidigte das BKA den Einsatz unbemannter Flugkörper. Nur mit Hilfe von Drohnen sei festzustellen, ob sich Problembären im deutschen Grenzgebiet…“

„… sei bei einer Flughöhe von 50 Metern wegen der Windverhältnisse zunächst nur der Einsatz einer Videokamera möglich. Der neue Prototyp verfüge jedoch schon über Streubomben. Niebel versicherte, er werde nur dem Export für Demokratie sichernde Mittel in demokratische Staaten wie Weißrussland und Nordkorea zustimmen, wenn der Testlauf im Mauerpark…“

„… verteidigte das BKA den Einsatz unbemannter Flugkörper. Nur mit Hilfe von Drohnen sei festzustellen, ob in den Innenstädten kriminelle Elemente durch Straftaten die innere Sicherheit zu gefährden bereit seien, beispielsweise durch das gezielte Abschießen von Drohnen mit…“

„… hatte die tageszeitung zwei Doppelseiten frei gehalten, um die Luftbilder von Kai Diekmann auf dem Anwesen eines Freundes in voller Auflösung zu drucken. Insbesondere die Nacktfotos des BILD-Chefredakteurs sorgten wegen der Unterschrift Schwänzchen klein hing allein dafür, dass sich Diekmann umgehend auf dem Anrufbeantworter der…“





Staatsbürgerkunde

2 11 2011

„Selbstverständlich haben die Kultusminister dafür Sorge zu tragen, dass die Kinder in den Schulen zu rechtschaffenen Untertanen des deutschen Staates erzogen werden. Wir sind uns klar darüber, dass sie so früh wie möglich begreifen sollen, was dieser Staat ist. Deshalb haben wir den Lehrplan erweitert. Um die Rechtssicherheit zu gewährleisten, nicht wahr? Die Rechtssicherheit, dass die Kultusminister im Auftrag der Verlage Überwachungssoftware installieren dürfen, um digitale Vervielfältigungen von Schulbüchern auf Schulcomputern auszuspähen – sie dürfen für die Gebühren, die sie auf ihre Geräte ohnehin zahlen, keine Gegenleistung erwarten. Das widerspräche ja auch dem gesunden Menschenverstand, mehr noch: der Rechtsordnung. Deshalb haben wir uns etwas anderes einfallen lassen. Wir sind ja lernfähig.

Wir sind uns bewusst, dass wir gegen den Klassenstandpunkt dieser Pseudoelite und ihrer Stasimethoden nicht mehr anders angehen können. Wir haben begriffen, dass der führenden Rolle des Kapitalismus nicht mit guten Worten zu begegnen sein wird. Wenn uns weiterhin geboten ist, Selbstverpflichtungen abzugeben, die dem Grundgesetz widersprechen, dann werden wir uns zur Wehr setzen. Mit pädagogischen Mitteln.

Im Fach Staatsbürgerkunde lernen die Kinder, dass die Verfassung nichts wert ist, solange sie von Politikern gebrochen wird; dass sie sowieso nichts wert ist, solange sie überhaupt von Politikern gebrochen oder missachtet werden kann, die man danach nicht mit dem Gewehrkolben vom Hof prügelt. Sie lernen, dass der Staat mit seinen Bürgern Dinge tun darf, die der Bürger nicht tun dürfte. Schon gar nicht mit dem Staat.

Sie lernen, dass den Verlagen und anderen Industriezweigen der Staat gehört. Sie lernen, dass die Industrie soziale Verantwortung vor allem so definiert, dass ein paar asoziale Arschlöcher höhere Boni bekommen. Sie lernen, dass man seine eigene Unfähigkeit vor allem durch illegale Geschäfte wieder ausbügelt – und dass der Staat kriecherisch dabei hilft, wo er nur kann. Man weiß ja nie, wie es sich einmal auszahlt.

Sie lernen, dass Überwachung etwas Schönes ist und Freiheit ein unnötiger Zustand, der nur zu Demokratie und ähnlichen Fehlentwicklungen führt. Sie lernen, dass es vollkommen egal ist, welche Partei gerade eine Regierung stellt, denn korrupte Schweine, die sich zum Handlanger anderer korrupter Schweine machen, finden sich in jeder Partei, und sie arbeiten gerne zusammen.

Sie lernen, dass Denunziantentum für den Bürger eine befriedigende Pflicht zu sein hat, ganz wie in den schönsten Tagen deutscher Geschichte.

Sie lernen, dass alle Kinder in diesem Land etwas eint: man darf auf ihnen herumtrampeln. Es sei denn, ihre Eltern haben zufällig Vermögen. Oder hochrangige Ämter. Oder Aktienbesitz Oder Adelstitel. Sie lernen, dass man nicht früh genug kriminalisiert und ausgegrenzt werden kann. Wenn sie dann auf die schiefe Bahn geraten, weil es ihnen egal ist, was die da oben von ihnen halten, dann werden sie sehr viel besser mit der Verachtung der Öffentlichkeit leben.

Sie lernen, dass Generalverdacht etwas ganz Normales ist – man braucht überhaupt keinen Grund, jemanden zu verdächtigen, man nimmt einfach an, dass schon genug Menschen Dinge tun, die einem gerade nicht in den Kram passen. Da lernt man etwas fürs Leben, denn draußen sind Polizei und Staatsanwaltschaften genau so zugange.

Sie lernen, dass diese Art Exekutive nur aus dem populistischen Getöse einiger Deppen besteht, die nicht einmal so hinreichend logisch denken können, dass sie erkennen würden, wie die hier aufgeblasenen Straftaten offenbar auf das Konto von Erwachsenen gehen, Lehrern, Schulleitern, und dass nur die Schüler dafür büßen werden, wenn man ihnen die Rechner konfisziert oder sie vom Internet abklemmt – der Schulbusfahrer fährt über die rote Ampel, deshalb kommen die Schüler in Arrest. Eine sehr gute Voraussetzung, um die Haftung für die Finanzkrise zu verstehen.

Sie lernen, dass Datenschutz ein hübsches Dekorationsobjekt ist, für das man Beauftragte bestellt, Gesetze verabschiedet und eine peinliche Ministerette losjagt, damit man Häuser, die sich jeder so viel angucken kann, wie er lustig ist, im Internet nur durch eine Pixelmauer sieht – und dass ansonsten Schutz vertraulicher Angelegenheiten eine Sache von Regierungen ist, die Waffen an faschistoide Regimes und die Wasserversorgung an Zocker verschachern.

Sie lernen, dass Bildung den Handlagern der Industrie vollkommen gleichgültig ist – es sei denn, sie sind im Wahlkampf, dann wird irgendeine machthungrige Wanze jedes Blag in den Arm nehmen, von Chancengleichheit schwatzen und so tun, als käme es auf den allgemeinen Wohlstand an, um den Kapitalmarkt zu mästen. Sie lernen, dass Bildung ohnehin eine Frage der Finanzierung ist, wie Arbeit oder Gesundheit. Man kümmert sich nicht darum, Staatsziele zu erreichen, die der Gesellschaft nützen, de in einem Amtseid zwingend als Ziele dieses Gemeinwesens festgeschrieben sind und die in jeder Sonntagsrede wie Glockengeläut klingen – die Hauptsache ist, dass jemand daran verdienen kann, durch Lizenzen oder Patente, und wer sich dagegen stellt, wird als Staatsfeind beschimpft, kriminalisiert und nicht selten durch den Presseschlamm gezogen.

Sie lernen, dass das sogenannte geistige Eigentum eine Waffe ist, mit der man jeden noch so abwegigen Anspruch durchdrücken kann, es sei denn, man ist selbst Urheber. Solche Leute haben natürlich keine Ansprüche zu stellen. Die können froh sein, wenn sie die Verwertungsindustrie reich machen dürfen. Sie lernen, dass man mutmaßliche Urheberrechtsverletzungen wie Terrorismus bekriegen darf – es sei denn, man heißt Kauder oder Koch-Mehrin, Guttenberg oder Chatzimarkakis, dann ist die kriminelle Energie sicherlich durch den Einsatz für Volk und Vaterland entschuldigt.

Sie lernen, dass es in diesem Land Verbindungen gibt, die einerseits gegen jede Wirklichkeit resistent sind, die sich durch keine noch so klare Sicht auf die Dinge beeindrucken lassen – dass aber dieselben Leute nicht einfach ignorant sind, geistig minderbemittelt oder ideologisch verblendet, sondern einfach kriminelle Elemente, Schmarotzer, eine parasitäre Schicht, die wissentlich das Recht mit Füßen tritt, wissentlich, denn sonst würden sie sich nicht allergrößte Mühe geben, es so gut vor der Öffentlichkeit zu verbergen und Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, dass es Lobbyverbände, Tarnorganisationen, Kommissionen, Initiativen und ähnliche Zirkel gibt, die einem den ganzen Dreck im Fernsehen schön lügen, bis die Butter von der Stulle suppt. Sie sehen es, wenn Sie eine Wahl abwarten; wer da in den Parlamenten für einen Verband gehetzt und gelogen und verleumdet und den Bürgern Sand in die Augen gestreut hat, wusste genau, was er tat, denn er wurde dafür geschult und bezahlt.

Sie lernen, dass es in diesem Land doch noch so etwas wie ein Widerstandsrecht gibt, das für diese Bundesrepublik zur Leitkultur zählt. Was für die Repräsentanten durchaus unangenehm werden kann. Sie lernen Staatsbürgerkunde. Und das ist, angesichts dieses Staates, nicht das Schlechteste.“





Bastelstunde

26 10 2011

„Von mir aus können Sie ruhig ein Evangeliker sein. Oder so einer von diesen Achtundsechzigern. Man muss ja nehmen, was man kriegt. Oder wenn Sie vielleicht Ausländer sind, ich meine, einer von den guten. Amerikaner oder Liechtensteiner. Aber wir wissen ja, dass die alle nicht schuld sind an der aktuellen Lage. Wir wissen das hier, wir haben genau aufgepasst. Schuld ist das Internet.

Natürlich müssen wir auch umdenken können. Man wird ja nicht gewählt, wenn man den Leuten fünfzig Jahre lang dieselben Lügen auftischt. Da müssen schon ab und zu neue her. Und wir haben ein völlig neues Feindbild, das hatte es so vorher noch nie gegeben. Der Russe hat das nicht gebracht, der Ossi nicht, aber mit dem Internet, da können wir eigentlich machen, was wir wollen. Das klappt immer. Man muss dem Wähler nur mal ein paar neue Gefährdungslagen hinwerfen – Phishing oder Online-Bankraub oder Facebook – und schon haben alle ganz furchtbare Angst.

Sie müssen die richtigen Statistiken bedienen. Es haben bei der vergangenen Bundestagswahl 11.828.277 Bürger für die CDU gestimmt, aber 800 Millionen Personen sind wenigstens einmal im Monat auf Facebook. Das heißt, pro Monat haben anständige Bundesbürger 68 Schwerverbrecher gegen sich, Mörder, Betrüger und Diebe, die Ihnen im Internet die Online-Dateien rauben. Ist das nicht großartig?

Schauen Sie, das Netz schafft Produktivität, es ermöglicht neue Formen der Kommunikation und Vernetzung, es erleichtert Geschäfte – von unseren rechtstreuen Bürgern, aber auch von Kriminellen. Und wenn man feststellt, dass es Dinge gibt, die den Kriminellen etwas nützen – diesen Linken beispielsweise, oder auch Muslimen oder den Grünen, wenn die nicht mehr mit uns koalieren – dann muss man die doch verbieten dürfen?

Es gibt da schon Gewissenskonflikte. Man muss ja auch mal sehen, wie sich die gesellschaftlichen Prozesse da gestalten. Schauen Sie, nur mal als Beispiel: die Kirche. Also die richtige jetzt, die mit dem Papst. Da mag es ab und zu auch unschöne Vorfälle gegeben haben. Die Baugenehmigung für den Kölner Dom, beispielsweise, die sollten Sie heute mal genauer unter die Lupe nehmen, aber ich frage Sie: wollen wir auf diesem Niveau wirklich diskutieren? Eben, und wenn man jetzt vor dem Hintergrund sieht, dass der Vatikan in dieses Interweb geht! Ich meine, das ist doch nicht gut, oder? Das ist doch ein großes Wagnis, wenn der Papst und seine Leute derart verweltlichte Dinge treiben?

Das hatte ich mir auch schon gedacht: Kontakt mit den sündigen Menschen. Man begibt sich in die konkrete Interaktion mit den Personen, die man aus dem sozialen Abseits holen will. Ein Ausdruck der Verantwortung für den Nächsten. Sie sehen es doch selbst, das passt doch hinten und vorne nicht zur römisch-katholischen Kirche!

Denn dieses Webnetz, das ist schon eine große Versuchung. Wenn Sie sich mal überlegen, was da inzwischen alles versucht wird – es darf nicht den Zugangsanbietern obliegen, zu entscheiden, was im Netz transportiert wird. Der Nutzer muss entscheiden können, was ihn interessiert. Und falls wir der Meinung sind, dass es ihn nicht zu interessieren hat, dann darf man da nicht lange diskutieren, dann muss man da mal etwas machen! Und das dient letztlich auch unserer Wirtschaft. Eine Vorfahrt für Daten bestimmter Betreiber oder Anbieter darf es nicht geben. Es sei denn, Sie zahlen mehr, dann sollten Sie natürlich auch mehr Privilegien genießen. Aber das ist eine Sache der Bürger. Und wenn es schief geht, können wir ja immer noch gesagt, dass wir es eigentlich vorher schon gewusst hätten, wenn wir davon etwas verstehen würden.

Die Gefahr, die ist real: wir haben eine komplette Untergrundwirtschaft im Netz – ein Warenhaus, in dem sich jeder sein Verbrecherwerkzeug zusammenkaufen kann, wo sie PINs oder Schadsoftware bekommen. Früher benötigten Sie tieferes kriminelles Know-how und hohe kriminelle Energie. Heute kann jeder durchschnittlich begabte Kriminelle Baukästen für Schadsoftware kaufen. Das ist so einfach, da kann sogar ich mir einen Trojaner basteln.

Und das ist ja auch das Schöne, durch dieses Webinternetz und diese ganzen Online-Blogs und das Zeugs da können wir zur Selbstversorgung übergehen. Was in Berlin nicht richtig geklappt hat, das kriegen wir jetzt mit eine Internet-Initiative hin: wir machen uns die Terroristen im Internet selbst. Die vom BKA haben ja gesagt, sie kriegen das irgendwie hin. Dann muss das wohl auch stimmen.

Es gibt doch schöne Sachen auch, das wollen wir gar nicht bestreiten. Neulich hat der Dobrindt in einem Internet-Blog ein Werbebild angesurft und einen kostengünstigen Nachdruck gefunden von Mein Kampf – und so günstig, Porto und Verpackung alles inklusive, und man konnte es sich sogar ohne Namensnennung schicken lassen! Ja, ein paar Sachen sind doch ganz in Ordnung in diesem Netz, das ist wohl wahr.

Aber ein bisschen in Sorge sind wir schon. Wegen der Sicherheitsbestimmungen, wissen Sie, und was den Datenschutz angeht. Und Facebook. Und das Twitter da. Und die Suchmaschinen, in denen man auch Überschriften findet. Meinen Sie, dass unser Wissensvorsprung vor den Piraten noch für zwei Jahre ausreicht?“





19B84

20 10 2011

Rostroter Marmor, gediegenes Gold, schwere venezianische Spiegel. Der Prospekt hatte nicht übertrieben, schon die Lobby war beeindruckend. Ein Bagagist entwand mir den Koffer, der Boy zeigte freundlich den Weg zum Lift – der Concierge bat untertänigst um die Papiere. „Formalitäten“, erläuterte er, „nur ein paar Formalitäten. Sie werden sich in unserem Haus sehr wohl fühlen.“

Neben der Schuhgröße, die ich der Vorsorge um einen Wunsch nach Pantoffeln zuschrieb, gab ich meine Ausweisnummer, den Impfpass und einige kleine Details aus meiner Familiengeschichte preis. „Und Sie müssen das alles wissen?“ Er nickte. „Die neue Gesetzgebung lässt uns keine andere Wahl, aber es ist ja schließlich zu Ihrem Besten.“ Und er reichte mir ein Klemmschildchen. „Sie brauchen nur noch dies hier, es wird Ihnen den Aufenthalt erleichtern.“ Ich blickte auf das kleine Plastikding. „Eine individuelle Kombination, die Ihnen für alle möglichen Dinge dienen wird. Selbstverständlich rein anonymisiert.“ „Und wie kommen genau diese Zeichen auf das Schild?“ Er spielte nervös mit den Fingern. „Ach ein Teil ist aus Ihrer Steuer-ID, den anderen generieren wir automatisch aus Ihrem Nachnamen, aber das hat natürlich rein gar nichts mit Ihrer Person zu tun. Oder glauben Sie, jemand würde so heißen?“

Wenige Minuten später hatte ich meine Suite bezogen – innen seidene Tapeten, ein breites Bett und Louis-seize-Stühle, außen ein Balkon auf den Privatstrand hinaus – und ließ mein Auge über das Tischchen mit dem Obstkorb schweifen. „Ich bitte um ein Kännchen Tee“, teilte ich dem Pagen mit, „und bitte besorgen Sie mir noch eine zweite Decke für die Nacht.“ Der Tee ließ nicht lange auf sich warten; ich durchwühlte alle Taschen, fand jedoch außer einigen größeren Banknoten kein Geld. „Das macht nichts“, informierte mich der Kellner. „Sie müssen nur den Betrag angeben, ich setze es dann für Sie auf die Rechnung.“ Und er zog ein kleines Handgerät aus der Westentasche, hielt es mir vor die Brust und tippte, da ich ihn nicht rechtzeitig gehindert hatte, ein fürstliches Pourboire ein. „Ah, Ihr Konto ist gedeckt – besten Dank, der Herr!“ Mit einem eleganten Kratzfuß verschwand er zur Tür und ließ mich fragend zurück. Was hatte das mit dem Lesegerät zu tun? Was sollte diese Bemerkung über meine Liquidität? Und wozu brauchte dieses Hotel Krankenunterlagen und Führungszeugnis?

Tatsächlich befand sich zwischen Schild und Pappe ein Chip. Wollte dieser Laden mich etwa aushorchen? Das konnte denen so passen. Ich schmiss das Klemmding auf den Nachttisch und zog die Tür hinter mir ins Schloss.

„Bedaure“, sagte der Türsteher des Restaurants. Sein hochnäsiger Blick ging über mich hinweg. „Ohne Schild kein Zutritt. Verschwinden Sie, oder ich rufe den Sicherheitsdienst.“ Wütend stapfte ich in die Lobby, just als ein Gast von wichtigem Aussehen mit einem Tross an Uniformierten dem Ausgang zu schritt. Aus seiner Manteltasche glitt ein glänzendes Etwas und fiel auf den steinernen Boden der Halle. Schon wollte ich einen der Schutzleute am Ärmel packen, da sah ich, was er verloren hatte. 19B84. Ich hob es auf.

„Ein Tisch am Fenster, selbstverständlich.“ Während ich die Weinkarte durchblätterte, kam mir ein Gedanke. Ich winkte den Sommelier zu mir heran. „Sagen Sie, haben Sie einen Grand Cru, dem man wirklich trauen kann?“ Er errötete bis unter die Haarspitzen. Mit einer schwer verstaubten Flasche kam der Kellermeister zurück. „An sich sollten Sie ja nicht“, wandte er mit Blick auf sein Lesegerät ein, „aber andererseits können Sie sich einen guten Leberspezialisten leisten.“ Er entkorkte den Wein. Großartig. Es funktionierte.

Während ich die Suite kurzerhand in Art Déco umdekorieren ließ – ein komplettes Service von Maurice Ascalon ließ ich eingepackt zu mir nach Hause senden, natürlich postlagernd – erkundigte sich der Direktor nach meinem werten Befinden. „Ich sehe hier eine Sicherheitsstufe bei Ihnen“, las er von seinem Handgerät ab, „wir werden Ihnen die äääh… Kanäle für Erwachsene gleich freischalten, Kosten pro Minute drei Euro.“ „Nicht nötig“, gab ich zurück. „Sobald Sie den Konzertflügel drinnen haben, brauche ich erstmal nur Champagner und ein paar Gummibälle für die Siamkatzen.“ Da schwebte das monströse Instrument auch schon über die Balkonbrüstung. Die Katzen blickten gelangweilt nach draußen, dann widmeten sie sich einer bis dato bezaubernden Schäferszene in Kniehöhe.

Der japanische Koch filetierte mit fließender Eleganz einen Fisch, bevor er ihn scheibchenweise auf dem Teller von Meißner Porzellan drapierte, den das Topmodel auf Knien rutschend an meine Bettstatt transportierte. Giancarlo Palazzini murrte. Ich wies den Heldentenor heftig zurecht – Servieren wäre eine verhältnismäßig anstrengende Tätigkeit, und da für die Abendstunden das Streichquartett eingeplant sei, käme er noch rechtzeitig in seine Vorstellung. Es klopfte an der Tür – der Kurier lieferte gerade noch rechtzeitig zur Teestunde die in violetten Samt gebundenen Tagebücher Oscar Wildes. Der Etagenkellner scannte mein Schild, überprüfte kurz meinen finanziellen Spielraum und regte für die Nachtstunden eine Strandparty mit internationalen Showstars und Höhenfeuerwerk an.

„Vielen Dank“, dienerte der Rezeptionist. „Wir haben die beiden Posten auf Ihre Rechnung gesetzt – die Wolldecke und das Trinkgeld. Das Kännchen Tee geht aufs Haus. Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Aufenthalt bei uns?“ Das konnte ich nur bejahen. Die beiden Zimmermädchen, die meine Schuhe auf dem Weg ins Erdgeschoss geputzt hatten, bekamen jeweils ein größeres Scheinchen zugesteckt, desgleichen der Fuhrknecht, der schon am offenen Schlag wartete. Nur der Mann mit dem schütteren grauen Haar, der seinen Mantel zu Boden schmiss und wutentbrannt darauf herumtrampelte, dämpfte meine Stimmung etwas. „Ich bin das nicht“, schrie er, „und ich war das auch nicht! Und ich werde auch keine vier Flaschen 1959er Château Lafite-Rothschild bezahlen!“ Die Sicherheitsleute hatten andere Sorgen. Aber das würde sich sicher bald aufklären. In diesem Hotel fand man ja alles heraus.





Der trojanische Krieg findet doch statt

10 10 2011

06:44 – Angela Merkel ist spät dran. Während sie am Frühstückskaffee nippt, ruft sie die aktuellen Börsenkurse auf ihrem Netbook ab. Gerade noch rechtzeitig hatte BKA-Mitarbeiter Leo F. (36) die Zahlen ausgewürfelt – dank eines Programms befinden sie sich bereits auf dem kanzlerischen Klapprechner. Merkel ist informiert. Die Sicherheitsbehörden sind informiert, dass Merkel informiert ist. Der Tag kann beginnen.

07:25 – Annette Schavan sucht verzweifelt ihr Passwort. Nach den jüngsten Auseinandersetzungen um ihre Benutzung der Flugbereitschaft der Bundesluftwaffe hat sie beschlossen, ab sofort nur noch mit Alitalia in den Vatikan zu fliegen. Die Bundesbildungsministerin bucht einen Direktflug in der Business Class. Dank einer gefälschten Kreditkarte kann sie den Rechnungsbetrag gleich online abbuchen lassen – aus der Staatskasse.

08:01 – Raupkopiemörder24 überzieht die Facebook-Seite des CDU-Politikers Siegfried Kauder mit wilden Hasstiraden. Er fordert die Abschaffung des Urheberrechts, Steuererhöhungen für Leistungsträger und einen Angriffskrieg gegen Israel. Der Unionsmann weist die Hassbotschaften im sozialen Netzwerk empört zurück, vielmehr er versucht es. Versehentlich hatte er die Identität nicht gewechselt.

08:17 – Axel E. Fischer fordert artgerechte Haltung für trojanische Pferde.

08:24 – Brigitte Zypries, stellvertretendes Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, schlägt noch eben ein paar Fachwörter nach – was war noch mal ein Browser? – und macht sich dann auf in die Sitzung. Auf dem Programm steht heute Quake 4. Die ehemalige Justizministerin hat das ganze Wochenende über trainiert, um ihr miserables Abschneiden im Sauerbraten-Turnier wettzumachen.

09:06 – Wolfgang Kubicki ist angenehm überrascht, dass seine studentische Hilfskraft seine Netzsperre kurzfristig aufheben kann. Ohne Sportwetten fühlt sich der Liberale nicht richtig arbeitsfähig.

09:12 – Andrea Nahles schließt das Büro von innen ab, bevor sie ihre WLAN-Verbindung aufbaut. Aus gutem Grund, ist sie doch heute zum ersten Mal als Münte unterwegs. Nach einem halben Dutzend belanglosen Kommentaren in Internet-Foren – „Nur wer arbeitet, soll auch essen“ – bestellt sie kichernd eine aufblasbare Plastikpuppe. Für den Kollegen Edathy.

09:27 – Dirk Niebel schließt seinen neuen USB-Joystick an den Computer an. Damit wird es nun noch einfacher, die Überwachungskameras im Duschraum des katholischen Mädchenpensionats zu steuern. Der Kollege Huch hatte nicht zu viel versprochen.

09:48 – Unruhe im Kanzleramt. Staatsminister Eckart von Klaeden versagt nun schon zum dritten Mal hintereinander bei der Installation von bundesregierung.exe. Nach einem kurzen Telefonat mit den Koalitionspartnern einigt man sich auf einen Neustart. CSU und FDP verdächtigen sich gegenseitig der Sabotage.

10:03 – Siegfried Kauder ist sauer. Schon wieder ist das Netz so voll, dass der Download endlos dauert. Dabei wollte er den Andrea-Berg-Song Piraten wie wir ganz gemütlich während der Sitzung des Rechtsausschusses hören. Aufgebracht schließt er sein Filesharing-Programm.

10:31 – Ramsauers Drucker blinkt schon wieder – Papiermangel. Der Christsoziale hatte versehentlich alle Suchmaschinenergebnisse ausdrucken wollen, um sich ein genaues Bild machen zu können, ob sein zukünftiger Schwiegersohn zur Familie passt. Seufzend rollt er eine neue Schubkarre ins Büro. Ohne zwanzig neue Aktenordner wird das nichts.

10:47 – Die BKA-Beamten Lutz G. (45) und Maik T. (34) sehen zu, wie Ronald Pofalla eine Mail verfasst. Der Keylogger spuckt Satzfragmente wie „Scheißfresse“ aus. Der Kanzleramtsminister droht einen erneuten Angriff auf den Parteikollegen Bosbach an – doch schnell kommt Entwarnung. Es handelt sich nur um einen Nachbarschaftsstreit. Die Kriminalkommissare sind erleichtert und spielen wieder Tetris.

11:20 – Norbert Röttgen sucht das Netz ab. Zwar hatte er für sein Laptop ein komplettes Office-Paket auf der weißrussischen Warez-Seite gefunden, doch die Cracks funktionieren einfach nicht. Und bei Siegfried Kauder ist auch ständig besetzt.

11:38 – Die Freidemokraten blicken auf eine gute Bilanz in der laufenden Legislatur zurück, vor allem in der Europapolitik. Allein in der letzten Woche verbesserte Silvana Koch-Mehrin die Quote ihrer Sitzungsteilnahmen auf 100 Prozent. Die Datenbank des Europäischen Parlaments lief unterdessen stabil weiter.

12:35 – Ursula von der Leyen hat Spaß. Die Kanzlerin kriegt einfach ihre Textverarbeitung nicht auf. Und alle wichtigen Notizen landen wie von Geisterhand immer wieder im Papierkorb. Schon toll, so eine Fernsteuerung.

12:47 – Das neue Internet-Quiz Wie gut kennen Sie das Grundgesetz macht de Maizière keinen Spaß. 45 Fragen, und alle falsch beantwortet.

13:06 – Bundesfinanzminister Schäuble schlägt zur exakteren Steuerschätzung in der Kabinettssitzung vor, die Buchhaltung von Freiberuflern genau zu überwachen; seine Ministerkollegin von der Leyen betont, man sollte zur Sicherheit betonen, dass derzeit keine Ausweitung der Überwachung über die Einkommensverhältnisse der Bürger hinaus geplant sei.

14:47 – CDU-Generalsekretär Gröhe schiebt Norbert Lammert das Kommunistische Manifest sowie einige Bombenbauanleitungen aus dem Hause al-Qaida auf den Computer. Man weiß ja nie, wozu man es noch mal gebrauchen kann.

15:20 – Hans-Peter Uhl ordert bei den Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestages ein Backup des Internets auf Disketten, um auch mal mitreden zu können. Doch die Mitarbeiter müssen den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Innenpolitik enttäuschen; es gibt gar keine Sicherungskopie vom Stand 1. Januar 1967.

16:08 – Auf dem Rechner des Erzbistums Paderborn gehen die Videos Achtjährige Nymphen und Guck mal, was der Papa macht ein. BKA-Mitarbeiter Christopher Sch. (48) löscht sie hektisch von der Festplatte. Die beiden Dateien hatten sicher bereits in der letzten Lieferung befunden.

16:31 – Familienministerin Schröder schließt sich mit ihrem iPad in der Toilette ein. Der Suchtdruck nimmt überhand, sie hat es nicht mehr unter Kontrolle. Nach vier Stunden Internet-Abstinenz chatten ihre beiden Profile KristinaCooler und Krischi77 mit sich selbst.

16:55 – Auf der Pressekonferenz des Bundeskriminalamtes widmet sich Friedrich der Frage, warum sich der Bundestrojaner selbst zerstört haben könnte. Der CSU-Innenminister gibt zu bedenken, dass eine Mitwirkung der FDP nicht auszuschließen sei.

17:58 – Ursula von der Leyen hat immer noch Spaß. Inzwischen schiebt sie Röslers Udo-Jürgens-MP3-Sammlung in den Gnutella-Ordner von Claudia Roths Bürorechner.

18:02 – Friedrich weist das Innenministerium an, die Sicherheitsempfehlungen im Internet so niedrig zu formulieren, dass auch die im BKA als Sicherheitsfachleute beschäftigten Praktikanten und Ein-Euro-Jobber barrierefreien Zugriff auf die Computer zufällig ausgewählter Bürger erlangen können.

18:42 – Mit freundlicher Unterstützung eines Internet-Providers bewerkstelligt ein kleiner Kreis parteiinterner Dissidenten um den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Koch den Zugriff auf Angela Merkels Daten in der Cloud. Ursprünglich haben sie vorgesehen, den Lebenslauf der Bundeskanzlerin in die Vita einer Stasi-Mitarbeiterin zu verwandeln. Guido Westerwelle war schneller gewesen.

19:19 – Regierungssprecher Steffen Seibert sitzt im Keller des Kanzleramtes und spielt gegen sich selbst Schach. In seinem Namen twittert Ronald Pofalla. Wie immer. Mit diesem Internet, da kennt die Bundesregierung sich nämlich aus.








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