Bruchlandung

23 05 2013

„Sie können ganz unbesorgt sein, Frau Kanzlerin. Pietät Eichenlaub hat für anspruchsvolle Kunden einfach das Beste. Preiswert, gediegen, für jede Art von Geschmack geeignet. Wir werden Ihren Herrn Verteidigungsminister schon würdevoll unter die Grasnarbe bringen.

Man muss an alles denken, Frau Kanzlerin. Das muss exakt geplant werden. Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf: generalstabsmäßig. Wir streichen Ihrem Herrn Minister den Zapfen, da werden sich seine Nachfolger gleich vom ersten Tag an auf den Rücktritt freuen. Gut, sein Nachfolger. Ich hatte jetzt schon die ganze Zeit bis zur Bundestagswahl gerechnet, Frau Kanzlerin.

Darf man wohl erfahren, auf welche Art der teure Tote das Zeitliche gesegnet hat? Nein, rein berufliches Interesse. Die meisten haben sich den Amtseid verstaucht oder so etwas. Das macht nicht so viel Arbeit, Frau Kanzlerin. Das passt auch ganz gut in eine Urne. Wobei, der Möllemann passte am Ende auch ganz gut in eine Urne. Und den musste man nicht mal unter die Grasnarbe bringen.

Wo wir gerade dabei sind, wollen wir ihn nicht zerstreuen lassen? Er wirkte doch in letzter Zeit immer so ein wenig zerstreut, wenn es um Informationen für den Rechnungshof ging oder vor dem Bundestag. Das würde doch passen. So über Land und über Meer, deutsche Wälder, deutsche Höhen – wir können ihn ja aus seiner Drohne versprühen, wäre das nichts? Na? Ach doch, da geht manches, Frau Kanzlerin. Der Trend ist ja durchaus von mehr multikultureller Offenheit für fremde Sterbearten geprägt. In Afghanistan ist das zum Beispiel ganz anders als hierzulande. Da erlebt man halt immer mal. Sie schicken die Leute in die Wüste, und da beißen sie ins Gras.

Handwerkliche Qualität hat nun mal ihren Preis, Frau Kanzlerin. Für Fünfhundert kriegen Sie halt nicht viel Qualität. Einmal ins Ausland, billiger Aluschrott als Verkleidung, und dann schnell unter den Teppich gekehrt. Mehr ist nicht drin. Und dann reißen bei der Beerdigung die Seile und Ihr Minister fährt in die Grube – Bruchlandung. Wollen Sie das wirklich?

Es hängt halt auch etwas von der politischen Einstellung ab, Frau Kanzlerin. Die älteren Grünen lassen sich vielleicht kompostieren, aber Claudia Roth müssten wir wohl zusätzlich unterpflügen. Lafontaine müsste man einbetonieren, sonst kommt der irgendwann wieder. Ob wir den werten Herrn Minister nicht vielleicht versehentlich schreddern? Das hat er doch immer so gerne gehabt.

Und als Kränze nehmen wir Eichenlaub und etwas Nadelgehölz, ja? Lorbeer geht auch, wobei das natürlich deutlich teurer wird. Nein, ich kann ihnen nicht zwei Rechnungen machen. Wenn Sie das für den Rechnungshof brauchen, dann müssen Sie die eben selbst schwärzen. Pietät Eichenlaub macht das hier so, dass wir keinen Ärger bekommen mit Recht und Gesetz. Und ich halte mich dann auch an die Kostenvoranschläge, Frau Kanzlerin. Wenn Ihnen das nicht passt, müssen Sie sich einen anderen Bestatter suchen. In Ihrem Kabinett sitzen doch genug Totengräber.

Schlichter Eichensarg? Gerne, Frau Kanzlerin. Den hier kann ich ihnen empfehlen. Modell Hardthöhe. Schweineteuer, obwohl er nach nichts aussieht. Von innen geräumiger als von außen, da kriegen Sie ’ne Menge rein. Und natürlich extra solide gebaut, solange Sie ihn nicht verbuddeln. Dann bricht er nämlich verhältnismäßig schnell ein. Also der Sarg.

Kranzschleifen kosten erstmal für die Schleife und dann noch pro Buchstabe. Möchten Sie Atlas oder Taft? Ist eine Frage der Haltbarkeit. Papier haben wir auch. Taft zeichnet sich dadurch aus, dass er reißfester ist, denn können Sie nicht so einfach – also Papier, verstanden. Haben Sie spezielle Wünsche, Frau Kanzlerin? Ach nein, doch nicht das! Letzter Gruß – das geht ja gar nicht! Nehmen Sie Ich habe vollstes Vertrauen in ihn gehabt. Das können Sie recyceln, bis die komplette CDU vermodert ist.

Vergänglich ist ja erstmal alles, Frau Kanzlerin. Das ist nun mal so im menschlichen Leben. Alles ist irgendwann vorbei, für alles gibt es eine Zeit. Kohl ist ja auch nicht mehr Kanzler, nicht wahr? Sehen Sie! Und dann ist es nur eine Frage der Bestattung. Sie können sich zur Vorsicht vorab verbrennen lassen, und dann kommen Sie in eine kleine Metallkapsel, und die kommt dann in eine Urne, und die – natürlich ist das ohne billiger. Ihr Herr Minister war fürs Billige immer zu haben, was, Frau Kanzlerin? Dann sollten Sie hier doch aber mal richtig zuschlagen. Waldfriedhof. Gerne, da beerdigen wir ja auch regelmäßig. Sehr hübscher Bewuchs, stimmungsvoll, kleiner Tannenberg, wie geschaffen für einen Verteidigungsminister, und genau die richtige Bodenfeuchtigkeit. Auf jeden Fall besser als im Sachsensumpf. Da muss ich Ihnen jetzt aber widersprechen, Frau Kanzlerin. Sumpf konserviert. Sie können da zwar jede Menge versenken, aber irgendwann kommt alles wieder raus. Auch kein schöner Anblick, Frau Kanzlerin.

So, alles ausgesucht? Totenhemd, Wurfblumen, Sargschmuck? Gut, dann fehlt uns nur noch der Grabstein für Herrn Verteidigungsminister. Wegen des Datums nämlich. Geben Sie mir einfach die Sterbeurkunde, Frau Kanzlerin. Da dürfte es schon draufstehen. Das Datum, nicht wahr.

Wie jetzt? Nächste Woche!?“





V2 wie Vendetta

28 01 2013

„… habe der Marschflugkörper eine Ortschaft in der Nähe von Potsdam beschossen. Merkel bezeichne deshalb alle Aktionen, bei denen Deutsche durch Waffen getötet würden, nicht nur umgangssprachlich als Krieg und rief zu…“

„… verurteile Außenminister Westerwelle den Luftschlag scharf. Er als FDP wolle der Aufrüstung nur zustimmen, wenn eine klare sicherheitspolitische…“

„… seien nach Ansicht der SPD geostrategische Interessen bedroht, dennoch spreche sich die Fraktion gegen den Einmarsch in…“

„… habe IM Friedrich die Waffen als besonders verabscheuungswürdig bezeichnet, da sie aus weiter Distanz abgefeuert würden, was nur äußert feige und niederträchtige…“

„… ein technisches Versagen des Flugkörpers nahezu ausgeschlossen werden. Der CSU-Sicherheitsexperte Uhl halte damit einen Vorsatz für erwiesen, so dass der Angriff als kriegerische…“

„… habe der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz den Einsatz bewaffneter Drohnen als barbarischen Akt gegeißelt. Immer, so Zollitsch, entscheide ein Mensch, eine Rakete abzuschießen, worin sich die Minderwertigkeit der islamischen…“

„… dürften die islamistischen Attentäter keinesfalls dieselben Waffensysteme benutzen, die den UNO-Blauhelmen für…“

„… senke der Einsatz bewaffneter Drohnen die Hemmschwelle auch in der eigenen Bevölkerung. Besitz und Verkauf von Killerspielen, so Bosbach, seine eine zweifelsfrei feststehende Folge aus der Gefahr durch terroristische…“

„… habe der Bundeswehrsprecher die ausländischen Flugkörper als Maximierung von Gefahr eingestuft, die nur in äußerst wenigen Fällen treffsicher…“

„… zeige der Einsatz, dass es sich nur um eine gezielte Tötung handeln könne. Alle Versuche, den Einschlag als Unfall zu erklären, seien lediglich Schutzbehauptungen oder nicht plausible…“

„… weise de Maizière an dieser Stelle nochmals darauf hin, dass die deutschen Drohnen nur der Abschreckung dienten, während die ausländischen als Kriegswaffen zur gezielten Tötung von…“

„… habe der stellvertretende Sprecher des Verteidigungsministeriums bewaffnete Drohnen für militärisch sinnlos erklärt. Sie seien geeignet, Soldatenleben zu retten, töteten dafür jedoch unschuldige Zivilisten und…“

„… eine sofortige Ächtung aller Drohnen. De Maizière rufe gleichzeitig dazu auf, sehr viel mehr deutsche Waffenexporte zu…“

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„… habe der Marschflugkörper eine Ortschaft in der Nähe von Kabul beschossen. Merkel bezeichne deshalb Aktionen, bei denen Personen durch Waffen getötet würden, nur umgangssprachlich als Krieg und rief zu…“

„… begrüße Außenminister Westerwelle den Luftschlag. Er als FDP wolle der Abrüstung zustimmen, wenn eine klare sicherheitspolitische…“

„… seien nach Ansicht der SPD geostrategische Interessen bedroht, dennoch spreche sich die Fraktion gegen den Truppenabzug in…“

„… habe IM Friedrich die Waffen als besonders menschenrechtsschonend bezeichnet, da sie aus weiter Distanz abgefeuert würden, was nur äußert intelligente und zuverlässige…“

„… ein technisches Versagen des Flugkörpers als nahezu erwiesen bezeichnet werden. Der CSU-Sicherheitsexperte Uhl halte damit einen Vorsatz für ausgeschlossen, so dass der Angriff als friedenssichernde…“

„… habe der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz den Einsatz bewaffneter Drohnen als Akt der Nächstenliebe begrüßt. Immer, so Zollitsch, entscheide ein Mensch, eine Rakete abzuschießen, worin sich das Verantwortungsbewusstsein der christlichen…“

„… dürften die deutschen Truppen keinesfalls andere Waffensysteme benutzen als die der UNO-Blauhelmen für…“

„… senke der Einsatz bewaffneter Drohnen die Hemmschwelle in der afghanischen Bevölkerung. Besitz und Verkauf von Killerspielen, so Bosbach, seine eine zweifelsfrei feststehende Voraussetzung für die Gefahr durch terroristische…“

„… habe der Bundeswehrsprecher die ausländischen Flugkörper als Minimierung von Gefahr eingestuft, die in so gut wie allen Fällen treffsicher…“

„… zeige der Einsatz, dass es sich nur um einen Unfall handeln könne. Alle Versuche, den Einschlag als gezielte Tötung zu erklären, seien lediglich Schutzbehauptungen oder nicht plausible…“

„… weise de Maizière an dieser Stelle nochmals darauf hin, dass die deutschen Drohnen nur der Abschreckung dienten, während die ausländischen als Kriegswaffen zur gezielten Tötung von…“

„… habe der stellvertretende Sprecher des Verteidigungsministeriums bewaffnete Drohnen für militärisch sinnvoll erklärt. Sie töteten unschuldige Zivilisten, seien dafür jedoch geeignet, Soldatenleben zu retten, und…“

„… eine sofortige Anerkennung aller Drohnen. De Maizière rufe gleichzeitig dazu auf, sehr viel mehr deutsche Waffenexporte zu…“





Zerreißprobe

25 10 2012

„Und Sie haben noch einen ganzen Koffer voll Erinnerungen Ihres seligen Herrn Vaters an die große Zeit? Kein Problem. Wir haben das in fünf Minuten erledigt. Das Entsorgungsunternehmen de Maizière ist nicht unbedingt schnell, aber sehr gründlich. Wir schaffen das.

Man muss sich auch mal von alten Dingen trennen können. Oder bewahren Sie alles auf? Das kommt doch sonst auch bloß in falsche Hände. Und dann haben Sie plötzlich keine Karrierechancen mehr. Oder Ihre Promotion ist futsch. Oder Ihr Bundestagsmandat. Nein, man muss ab und zu mal entrümpeln. Alle Sorgen loswerden. Von Neuem anfangen, wenn man merkt, dass sich das Alte nicht mehr lohnt. Schlussstriche ziehen. Nicht jede Vergangenheit ist es auch wert, bewältigt zu werden, nicht wahr? Es gibt da manche, die will man lieber sofort vergessen. Und sehen Sie, genau dafür ist unser Unternehmen da.

Sie haben geerbt? Das ist doch nicht schlimm, das kann ja jedem mal passieren – Ihre Regierung sorgt schließlich dafür, dass das nur Sie etwas angeht und nicht auch noch Ihre Nachbarn. Oder den Fiskus. Biedermeiersekretär? Schöne Geldanlage, jedenfalls höher als der Brennwert. Unser Chef war nur sehr kurz Innenminister, der hat von Kultur so gut wie keine Ahnung. Da müssen Sie sich an den jetzigen – nein, lassen Sie’s besser. Also wie gesagt, das Geheimfach. Wir holen da rückstandsfrei sämtliche Informationen raus, speichern sie ab, und dann vernichten wir sämtliche Quellen. Natürlich vernichten wir die, das stand doch so im Prospekt. Quellenschutz ist bei uns nicht vorgesehen.

Wir können uns nicht beklagen. Kann sein, dass das mit der Gesinnungslage zusammenhängt, aber die Auftragsbücher sind bei uns seit Monaten nicht leer zu kriegen. Man hat schon den Eindruck, je mehr Transparenz da gefordert wird, desto mehr kommt auch ans Licht – oder könnte, wenn es das wäre, das noch nicht ans Licht gekommen ist, so ans Licht kommen, dass es besser wäre, es wäre eben besser nicht ans Licht gekommen. Und dann gibt’s ja auch so Sachen, wo man weiß, das wäre für Sie nicht unbedingt schlimm, Sie waren ja auch nur Parteigenosse, aber die durchführenden Organe, die waren natürlich in der Lage, Unrecht zu erkennen, und müssen deshalb heute mit der vollen Härte des Gesetzes – Celler Loch? Ich dachte eher an die Mauerschützen.

Wir setzen vor allem auf regionales Wachstum. Deshalb haben wir uns auch besonders stark gemacht, wo wir die besten Standortvorteile sehen. Beispielsweise in Thüringen. Das ist doch ein schmuckes Fleckchen Erde – ganz naturbelassen, keine Verfassungsschützer, da darf man noch offen gegen Neger und Türken demonstrieren, Reizklima, und unsere Freunde von der NPD haben ihre anfängliche Scheu längst abgelegt. Wir unsere übrigens auch, aber das nur nebenbei.

Kaderakten? Müssten wir mal schauen. Wir haben da schon eine ganze Menge vernichtet, aber es findet sich ja immer wieder etwas. Wir sind gründlich. Sagen Sie Ihrem Rechtsanwalt, dass wir nichts unversucht lassen – wir setzen Sie auch gerne von unseren Funden in Kenntnis. Immer vorausgesetzt, es betrifft nicht Sie.

Unsere Verbindungen zum Militär sind ja nicht zufällig. Wir brauchten tatkräftige Männer, gerne mit einschlägiger Erfahrung und blütenreiner Weste. Gut, ist jetzt nicht so häufig, aber man fragt ja mal. Deshalb unser, sagen wir mal: Ordnungs- und Entrümpelungsdienst. Es gibt Leute, die finden Sachen, die haben andere nicht einmal gesucht. Journalisten. Staatsanwälte. Gelichter halt, so Zeugs ohne Regierungsnähe. Da muss man einschreiten, wenn die zu aktiv werden. Und deshalb schicken wir die alle in einen Raum, in dem wir einen Reißwolf aufgebaut haben. Was da drin passiert, ist uns vollkommen unbekannt, wir lassen uns nicht damit in Verbindung bringen und werden jeden verklagen, der behauptet, hier könne jeder für eine hübsche Summe belastende Akten gegen ihn in Papierschnee verwandeln. Das stimmt natürlich nicht. Für Parteifreunde machen wir das nämlich auch umsonst.

Sie haben belastendes Bildmaterial? Kinder? Wie alt? Das ist gut, wir sind immer froh, wenn wir mal neuen Stoff hier sehen – man kann sonst der Öffentlichkeit nicht mehr erzählen, dass wir wissen, was sich in der Szene tut. Wir schnipseln das gerne für Sie, aber zur Sicherheit machen wir vorher eine Kopie. Nur zur Sicherheit. Falls wir das mal brauchen sollten – natürlich ohne Zusammenhang zu Ihnen. Man ist ja kein Unmensch.

Entsorgung ist Vertrauenssache. Oder wissen Sie, wer da alles weiß, was Sie wissen, aber wovon Sie nicht wissen, wer das weiß, obwohl Sie das nicht wüssten? Wir bieten Ihnen deshalb den Rundumservice an. Alles bombensicher. Was wir in die Finger kriegen, wird zu Konfetti. Wenn es sein muss, vernichten wir komplette Archive. Oder auch Akten, die eigentlich noch für den Dienstgebrauch sind, aber sich derzeit so in Verkehr befinden, dass man sie da leicht rausziehen kann. Wir bieten Ihnen das Beste an. Stellen Sie uns auf die Zerreißprobe.

Referenzen? Gerne. Ich nehme an, die Frau Bundeskanzlerin wird ein gutes Wort für uns einlegen. Sie weiß schon, warum.“





Der trojanische Krieg findet doch statt

10 10 2011

06:44 – Angela Merkel ist spät dran. Während sie am Frühstückskaffee nippt, ruft sie die aktuellen Börsenkurse auf ihrem Netbook ab. Gerade noch rechtzeitig hatte BKA-Mitarbeiter Leo F. (36) die Zahlen ausgewürfelt – dank eines Programms befinden sie sich bereits auf dem kanzlerischen Klapprechner. Merkel ist informiert. Die Sicherheitsbehörden sind informiert, dass Merkel informiert ist. Der Tag kann beginnen.

07:25 – Annette Schavan sucht verzweifelt ihr Passwort. Nach den jüngsten Auseinandersetzungen um ihre Benutzung der Flugbereitschaft der Bundesluftwaffe hat sie beschlossen, ab sofort nur noch mit Alitalia in den Vatikan zu fliegen. Die Bundesbildungsministerin bucht einen Direktflug in der Business Class. Dank einer gefälschten Kreditkarte kann sie den Rechnungsbetrag gleich online abbuchen lassen – aus der Staatskasse.

08:01 – Raupkopiemörder24 überzieht die Facebook-Seite des CDU-Politikers Siegfried Kauder mit wilden Hasstiraden. Er fordert die Abschaffung des Urheberrechts, Steuererhöhungen für Leistungsträger und einen Angriffskrieg gegen Israel. Der Unionsmann weist die Hassbotschaften im sozialen Netzwerk empört zurück, vielmehr er versucht es. Versehentlich hatte er die Identität nicht gewechselt.

08:17 – Axel E. Fischer fordert artgerechte Haltung für trojanische Pferde.

08:24 – Brigitte Zypries, stellvertretendes Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, schlägt noch eben ein paar Fachwörter nach – was war noch mal ein Browser? – und macht sich dann auf in die Sitzung. Auf dem Programm steht heute Quake 4. Die ehemalige Justizministerin hat das ganze Wochenende über trainiert, um ihr miserables Abschneiden im Sauerbraten-Turnier wettzumachen.

09:06 – Wolfgang Kubicki ist angenehm überrascht, dass seine studentische Hilfskraft seine Netzsperre kurzfristig aufheben kann. Ohne Sportwetten fühlt sich der Liberale nicht richtig arbeitsfähig.

09:12 – Andrea Nahles schließt das Büro von innen ab, bevor sie ihre WLAN-Verbindung aufbaut. Aus gutem Grund, ist sie doch heute zum ersten Mal als Münte unterwegs. Nach einem halben Dutzend belanglosen Kommentaren in Internet-Foren – „Nur wer arbeitet, soll auch essen“ – bestellt sie kichernd eine aufblasbare Plastikpuppe. Für den Kollegen Edathy.

09:27 – Dirk Niebel schließt seinen neuen USB-Joystick an den Computer an. Damit wird es nun noch einfacher, die Überwachungskameras im Duschraum des katholischen Mädchenpensionats zu steuern. Der Kollege Huch hatte nicht zu viel versprochen.

09:48 – Unruhe im Kanzleramt. Staatsminister Eckart von Klaeden versagt nun schon zum dritten Mal hintereinander bei der Installation von bundesregierung.exe. Nach einem kurzen Telefonat mit den Koalitionspartnern einigt man sich auf einen Neustart. CSU und FDP verdächtigen sich gegenseitig der Sabotage.

10:03 – Siegfried Kauder ist sauer. Schon wieder ist das Netz so voll, dass der Download endlos dauert. Dabei wollte er den Andrea-Berg-Song Piraten wie wir ganz gemütlich während der Sitzung des Rechtsausschusses hören. Aufgebracht schließt er sein Filesharing-Programm.

10:31 – Ramsauers Drucker blinkt schon wieder – Papiermangel. Der Christsoziale hatte versehentlich alle Suchmaschinenergebnisse ausdrucken wollen, um sich ein genaues Bild machen zu können, ob sein zukünftiger Schwiegersohn zur Familie passt. Seufzend rollt er eine neue Schubkarre ins Büro. Ohne zwanzig neue Aktenordner wird das nichts.

10:47 – Die BKA-Beamten Lutz G. (45) und Maik T. (34) sehen zu, wie Ronald Pofalla eine Mail verfasst. Der Keylogger spuckt Satzfragmente wie „Scheißfresse“ aus. Der Kanzleramtsminister droht einen erneuten Angriff auf den Parteikollegen Bosbach an – doch schnell kommt Entwarnung. Es handelt sich nur um einen Nachbarschaftsstreit. Die Kriminalkommissare sind erleichtert und spielen wieder Tetris.

11:20 – Norbert Röttgen sucht das Netz ab. Zwar hatte er für sein Laptop ein komplettes Office-Paket auf der weißrussischen Warez-Seite gefunden, doch die Cracks funktionieren einfach nicht. Und bei Siegfried Kauder ist auch ständig besetzt.

11:38 – Die Freidemokraten blicken auf eine gute Bilanz in der laufenden Legislatur zurück, vor allem in der Europapolitik. Allein in der letzten Woche verbesserte Silvana Koch-Mehrin die Quote ihrer Sitzungsteilnahmen auf 100 Prozent. Die Datenbank des Europäischen Parlaments lief unterdessen stabil weiter.

12:35 – Ursula von der Leyen hat Spaß. Die Kanzlerin kriegt einfach ihre Textverarbeitung nicht auf. Und alle wichtigen Notizen landen wie von Geisterhand immer wieder im Papierkorb. Schon toll, so eine Fernsteuerung.

12:47 – Das neue Internet-Quiz Wie gut kennen Sie das Grundgesetz macht de Maizière keinen Spaß. 45 Fragen, und alle falsch beantwortet.

13:06 – Bundesfinanzminister Schäuble schlägt zur exakteren Steuerschätzung in der Kabinettssitzung vor, die Buchhaltung von Freiberuflern genau zu überwachen; seine Ministerkollegin von der Leyen betont, man sollte zur Sicherheit betonen, dass derzeit keine Ausweitung der Überwachung über die Einkommensverhältnisse der Bürger hinaus geplant sei.

14:47 – CDU-Generalsekretär Gröhe schiebt Norbert Lammert das Kommunistische Manifest sowie einige Bombenbauanleitungen aus dem Hause al-Qaida auf den Computer. Man weiß ja nie, wozu man es noch mal gebrauchen kann.

15:20 – Hans-Peter Uhl ordert bei den Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestages ein Backup des Internets auf Disketten, um auch mal mitreden zu können. Doch die Mitarbeiter müssen den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Innenpolitik enttäuschen; es gibt gar keine Sicherungskopie vom Stand 1. Januar 1967.

16:08 – Auf dem Rechner des Erzbistums Paderborn gehen die Videos Achtjährige Nymphen und Guck mal, was der Papa macht ein. BKA-Mitarbeiter Christopher Sch. (48) löscht sie hektisch von der Festplatte. Die beiden Dateien hatten sicher bereits in der letzten Lieferung befunden.

16:31 – Familienministerin Schröder schließt sich mit ihrem iPad in der Toilette ein. Der Suchtdruck nimmt überhand, sie hat es nicht mehr unter Kontrolle. Nach vier Stunden Internet-Abstinenz chatten ihre beiden Profile KristinaCooler und Krischi77 mit sich selbst.

16:55 – Auf der Pressekonferenz des Bundeskriminalamtes widmet sich Friedrich der Frage, warum sich der Bundestrojaner selbst zerstört haben könnte. Der CSU-Innenminister gibt zu bedenken, dass eine Mitwirkung der FDP nicht auszuschließen sei.

17:58 – Ursula von der Leyen hat immer noch Spaß. Inzwischen schiebt sie Röslers Udo-Jürgens-MP3-Sammlung in den Gnutella-Ordner von Claudia Roths Bürorechner.

18:02 – Friedrich weist das Innenministerium an, die Sicherheitsempfehlungen im Internet so niedrig zu formulieren, dass auch die im BKA als Sicherheitsfachleute beschäftigten Praktikanten und Ein-Euro-Jobber barrierefreien Zugriff auf die Computer zufällig ausgewählter Bürger erlangen können.

18:42 – Mit freundlicher Unterstützung eines Internet-Providers bewerkstelligt ein kleiner Kreis parteiinterner Dissidenten um den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Koch den Zugriff auf Angela Merkels Daten in der Cloud. Ursprünglich haben sie vorgesehen, den Lebenslauf der Bundeskanzlerin in die Vita einer Stasi-Mitarbeiterin zu verwandeln. Guido Westerwelle war schneller gewesen.

19:19 – Regierungssprecher Steffen Seibert sitzt im Keller des Kanzleramtes und spielt gegen sich selbst Schach. In seinem Namen twittert Ronald Pofalla. Wie immer. Mit diesem Internet, da kennt die Bundesregierung sich nämlich aus.





… und Friede auf Erden

18 07 2011

„Schauen Sie, Sie machen sich da ein vollkommen falsches Bild von unserer Regierung. Sie sind der Ansicht, dass wir erst einmal nur die Interessen der Wirtschaft bedienen – das kann man so sehen, ja, aber Sie sollten das nicht so sehen. Schauen Sie, wir haben noch ganz andere Dinge im Auge. Unsere Rüstungsgeschäfte sind nicht wirtschaftlich – nicht primär wirtschaftlich orientiert. Nicht primär.

Es ist ja auch die geopolitische Lage, wenn wir beispielsweise die Saudis mit Panzern ausstatten. Die sitzen da in einem Krisenherd, und weil die so stabil sind, können sie von dort aus natürlich auch jeden sofort angreifen. Versteht sich ja. Deshalb müssen sie auch gut ausgerüstet sein, und dazu brauchen sie diese – nein, nicht zum Angreifen, sie brauchen die für die Stabilität. Sie machen sich da wieder ein völlig falsches Bild.

Schauen Sie, das ist eine sehr komplexe Region. Wenn Sie da auf die Landkarte schauen: überall Grenzen. Ein vollkommen untragbarer Zustand. Ja, das sagen ja unsere saudischen Freunde auch, und wenn die das schon sagen, dann wird’s doch wohl stimmen, oder? Also ich bitte Sie, würden Sie denn in einer solchen Situation leben wollen? Da geht es nach Bahrain, irgendwo in der Ecke soll ja auch die Türkei liegen, wenn wir nicht aufpassen, dann marschieren die ja in die EU ein – wollen Sie das denn wirklich? Ich meine, da laufen die Frauen alle mit einem Kartoffelsack überm Kopf herum, diese Araber, das sind doch gefährliche Extremisten!

Man muss diese Region wirklich stabilisieren, das haben Sie also verstanden? Gut. Und das machen unsere arabischen Freunde für uns. Gefährlich? Das sind religiöse Fundamentalisten. Der Araber ist nun mal so. Gewöhnen Sie sich an den Gedanken. Und ob das nun Extremisten sind, die irgendwelche Terroranschläge planen, das werden Sie sowieso nie erfahren. Wollen Sie bei denen Fingerabdrücke nehmen oder Telefondaten speichern? Selbst, wenn Sie das täten – glauben Sie, dass Sie damit irgendetwas ändern? Mit dem Aktionismus können Sie vielleicht eine Wahl in Deutschland gewinnen. Höchstens.

Das Problem ist doch, dass man in dieser Region nie weiß, wie sich ein Land entwickelt. Die einen jagen plötzlich ihren Schah in die Wüste, die anderen wollen am Ende solche Sachen wie Demokratie ausprobieren – ich meine, man kann doch nicht überall einmarschieren? Man muss diese Länder dann stabilisieren, und das macht man durch gewisse Hilfsangebote. Wie seinerzeit bei Sadddam oder bei den Taliban, verstehen Sie? Man schickt denen ein bisschen Geld und ein paar Panzer, und dann sorgen die so lange für Stabilität, bis wir sie nicht mehr – Sie machen sich da ein völlig falsches Bild, so schlimm ist das gar nicht. Die Irakis waren ja zum Schluss schon froh, dass sie den endlich los waren. Gut, kann auch daran gelegen haben, dass sie ihn nie haben wollten, aber so genau weiß man das im Nachhinein natürlich nie.

Und damit wären wir dann wieder bei den Saudis, und die sind ja so stabil geworden, weil wir ihnen die vielen Panzer besorgt haben. Verstehen Sie jetzt? Es ist wegen der stabilisierenden Wirkung auf uns. Wir waren ja zuletzt auch nicht besonders überzeugend. Dieses Herumgeeiere im Weltsicherheitsrat hat zwar keinen überrascht, die meisten kannten den Außenminister schon vorher, aber jetzt wissen die Schutzmächte wenigstens, was Deutschlands Wort in sicherheitspolitischer Hinsicht überhaupt noch gilt. Nichts. Das ist doch angenehm, wenn erstmal Klarheit herrscht, oder? Und genau deshalb dürfen wir jetzt auch unter keinen Umständen den Deal wieder rückgängig machen. Was meinen Sie, was dann los wäre.

Was wollen Sie denn mit denen groß über Menschenrechte diskutieren? Wenn Sie da mit Menschenrechten ankommen, wissen Sie, was so ein Wüstenscheich Ihnen sagt? Na? Wissen Sie das? Der lacht Sie aus! Der kauft Ihnen vielleicht einen Panzer ab, okay, aber glauben Sie, der ändert da etwas in seinem Emirat? Da können Sie sich den Mund fusselig reden. Sinnlos. Und wenn Sie sich einmal im Tonfall vergreifen, mein lieber Scholli – der Araber als solcher ist schon ein empfindliches Völkchen. Der ist ja imstande und kauft sich seine Waffen woanders und greift dann einfach Libyen an oder Kuwait, und was ist dann mit dem Ölpreis? Diskutieren Sie mit diesen Leuten nicht über die Menschenrechte, das ist nicht gut für die Stabilität.

Die Saudis müssen doch gar keine Panzer von uns kaufen – nein, müssen Sie wirklich nicht. Es würde rein theoretisch natürlich schon eine Menge leichtes Gerät ausreichen. Aber wenn sie deutsche Qualitätsarbeit zum guten Preis bekommen, warum sollten sie dann nicht den Nachbarn zeigen, dass sie es sich leisten können? Das stärkt die Stabilität des internationalen Marktes! Ach was, Sie machen sich da ein ganz falsches Bild – da besteht keine Ansteckungsgefahr. Zumindest nicht, wenn wir uns mit ein paar Panzern davor schützen.

Das haben ja schon die alten Römer so gesagt: Si vis pacem, para bellum. Rüste zum Krieg, also vielmehr: wenn wir den anderen bei der Rüstung ein bisschen behilflich sind, dann lassen die uns vielleicht auch in Frieden. Unsere Rüstung dient dem Frieden – den wir von diesen ganzen Arabern dann vielleicht irgendwann mal haben werden.“





Bei Merkels unterm Sofa

21 02 2011

„Grau-en-haft! Sie machen sich keine Vorstellung, wie es da aussieht! Ich habe ja schon viel gesehen – eine Kellerwohnung mit tonnenweise Altpapier, eine Frau mit dreißig Hunden in der Bude, alles nur noch schrecklich – aber das war die Höhe. Das war nicht mehr mit anzusehen. Ich bin immer noch fix und fertig – ich sag’s Ihnen, ich setze keinen Schritt mehr in dieses Bundeskabinett!

Plunder, Müll und Abfall, kniehoch. Das war nicht mehr feierlich. Ein voll ausgeprägtes Messie-Syndrom, sämtliche psychiatrischen Anzeichen gut zu erkennen, oder um es kurz zu sagen: ein Dutzend Bekloppte sitzen bis zum Hals im Dreck. Wirklich, Sie würden das nicht glauben, wenn Sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hätten. Schauen Sie auf die Bilder: ein einziges Chaos. Stapelweise. Hier ragt der Atommüll raus, wenn Sie sich nicht vorsehen, treten Sie glatt rein. Da sind Löcher, versteckte Subventionen, hier ist ein Aktenkoffer, in dem man später 100.000 Mark in gebrauchten Scheinen fand, das Gesetz zur Sicherungsverwahrung und das Tagebuch von Roland Koch. Da treten Sie einfach so rein, und dann sind Sie eine Etage tiefer. Obwohl das vom Niveau her schon schwierig ist.

Zwanghaftes Sammeln, das ist der Punkt. Sehen Sie mal hier, Schäuble. Jeder vernünftige Mensch hätte den längst entsorgt, aber Merkel stapelt alle alten Reste auf, bis ihr der Krempel über den Kopf wächst. Oder hier, Westerwelle – wenn Sie einen Luftballon als Werbegeschenk bekommen, der ein bisschen Getröte von sich gibt und beim Aufblasen birst, was machen Sie? Richtig, wegschmeißen. Merkel schafft das einfach nicht. Hauptsache, der ganze Kehricht bleibt da liegen, wo er immer schon war. Das nennt man dann konservativ.

Sehen Sie die Trittspuren da am rechten Rand? Ja, genau da. Trampelpfade. Sie kommen gar nicht mehr heil durch den ganzen Ramsch durch, Sie müssen diesen vorgezeichneten Wegen folgen, weil woanders gar kein Platz mehr ist. Das nennt Merkel dann ihren Entscheidungsfreiraum, weil sie sich um sich selbst auf der Stelle drehen kann, wenn es ihr gerade Spaß macht. Richtig, sie geht eigentlich immer nur im Kreis zwischen den Bertelsmann-Müllsäcken und den INSM-Pappkartons. Immer in eine Richtung. Ich nenne das Kreislaufstörung. Sie nennt das alternativlosen Fortschritt.

Oder nehmen Sie die exekutiven Funktionen – Entscheidungsschwäche, Impulskontrolle, das ist doch eine Katastrophe! Pathologische Zustände! Die Bahn ächzt in allen Fugen, das Schienennetz verrottet, weil Geld für den Börsengang gebraucht wird für absurde Protzbauten, und was tut der Verkehrsminister? schwadroniert über Klapprechner und Streusalz! Oder diese Gedönsministerin, die Schröder. Statt mal für Bildungsangebote in Kitas zu sorgen, lamentiert dieses Magermilchmädchen, dass Deutsche in Berlin als Kartoffel beschimpft werden – und lässt sich auch noch dabei ertappen, dass sie sich den ganzen Zimt nur ausgedacht hat. Haben die denn alle nichts Besseres zu tun als Nägelkauen und Nasebohren? Gibt’s diese Nulpen vielleicht auch in erwachsen?

Oder, ganz schlimm: Zeitmanagement! Meine Güte, das ist doch nicht zu fassen! Unsereins hat einen Wecker, eine Armbanduhr, das muss doch reichen – aber die? Es muss eine Entscheidung her für die Euro-Rettung, was passiert? Nichts. Es muss die Berechnung der Hartz-IV-Sätze auf den Tisch, was geschieht? Nichts. Inzwischen stehen die Dumpinglöhne der Arbeitnehmerfreizügigkeit zur Debatte, die Luft brennt, was kommt? Nichts und wieder nichts! Es ist denen nicht klarzumachen, dass eine Rechnung vom Herumliegen nicht vom Erdboden verschwindet. Sie nehmen sich alles Mögliche vor, gackern laut über ihre ungelegten Eier, und wenn es keine Eier gibt, dann werden sie wirklich aktiv und finden einen Grund, warum sie es ja gleich gewusst haben wollen.

Sie, das stellen Sie sich das nicht lustig vor. Sie kommen in dies unbeschreibliche Gerümpel, es stinkt wie auf dem Fischdosenfriedhof, Ungeziefer, wohin das Auge blickt, und dann hocken diese Figuren da. Antriebslos, apathisch, abgestumpft, die sind nicht mehr in der Lage, die Realität um sie herum zu bemerken. Sie haben sich in eine völlig abgespaltene Traumwelt eingeschlossen und wollen auch nicht mehr heraus. Glauben Sie, dass die überhaupt noch in der Lage wären, Alltagsaufgaben zu meistern? Ein Päckchen Butter im Supermarkt kaufen oder eine Dissertation schreiben? Wenn Sie die fragen, was fünf Euro sind, werden sie Ihnen vermutlich erzählen, davon bekäme man drei Flaschen Champagner.

Merkel ist doch selbst schuld. Rösler sitzt in der Ecke und spielt mit Pillenschachteln – Mutti guckt zu. Aigner lässt verlautbaren, dass sie bald etwas ankündigt – Mutti guckt weg. Brüderle stolpert im Vollsuff über de Maizière, der nichts Besseres zu tun hat, als ausgekratzte Joghurtbecher und benutzte Papiertaschentücher maschinenlesbar zu beschriften – Hauptsache, Mutti kann auf ihrem Stühlchen sitzen, sonntags wippt sie sogar und alle halten das für den Gipfel ihrer Aktivität. Dann stürzt sie sich plötzlich mit großem Getöse in irgendwelche Aufgaben, Herbst der Entscheidungen und so, aber was bleibt? Sie setzt sich wieder hin, wartet ab, bis der Anfall vorbei ist, und gibt den anderen die Schuld, dass es wieder nicht geklappt hat.

Aber das Schlimmste – nein, ich gehe da nicht mehr rein! Keine zehn Pferde bringen mich da hin! Das Schlimmste, wissen Sie, in diesem Unrat, wenn Sie darin herumlaufen… wenn Sie nicht wissen, wo die Leichen liegen…“





Die Achse der Blöden

16 02 2011

Der Instruktor hielt das Anschauungsmaterial in die Höhe. „Das“, verkündete er den Schülern, „ist ein Hühnerei.“ Einer der Zöglinge kratzte sich mit großem Umstand am Kinn. „Kann ich das noch mal sehen“, nuschelte er und griff danach – da lag das Ei schon am Boden. „So ungefähr dürfen Sie sich dann die praktische Arbeit vorstellen“, konstatierte Sübenkotte. „Es läuft wie am Schnürchen hier im Amt für Nahrungsmittelsicherheit.“

Oberregierungsrat Doktor Sübenkotte entfaltete umständlich den Lageplan seiner Behörde. „Hier unten“, erklärte er, „haben wir die Schulungsräume, siebenunddreißig an der Zahl, hier ist der Osttrakt, und dort befindet sich das Labor.“ Ich pfiff durch die Zähne. „So viele Räume? Sie müssen ja einen enormen Bedarf haben.“ Er nickte. „Das kann man so sehen. Schauen Sie, seitdem wir unsere Arbeit aufgenommen haben, ist der gesamte Bereich der Lebensmittelkontrolle auf ein komplett neues Fundament gestellt worden. Endlich haben wir eine vollumfängliche Sicherheit, die auch dem einfachen Verbraucher – entschuldigen Sie, was wollten Sie doch gleich wissen?“ „Die Anzahl der Räume“, half ich ihm ein. Sübenkotte nickte. „Das kann man so sehen. Wir haben das überschüssige Personal des Verfassungsschutzes und des Innenministeriums übernommen.“ „Und wie viele?“ „Alle, die für die Belange des Innern vollkommen überflüssig sind. Also schätzungsweise drei Viertel.“

Wir hatten einen anderen Ausbildungsraum betreten. In einem nachgebauten Hühnerstall gackerte vereinzeltes Federvieh umher, während in groteske Gummihosen gewandete Schüler im Sand herumstolperten. Einer schrie entsetzt auf – eine Henne hatte nach ihm gehackt. „Frau Lammbeck, die Ausbildungsleiterin für den Bereich Veterinär- und Zuchtwesen.“ Ich deutete eine Verbeugung an, doch die Lehrerin war sichtlich genervt und griff unvermittelt zu einem Huhn, das sie dem Eleven neben ihr unter die Nase hielt. Der junge Mann nahm allen Mut zusammen und begann, das Tier zu löchern: „Los, gesteh endlich! Willst du wohl? Du sollst endlich gestehen! Los jetzt!“ „Er hat doch dem armen Gickerl noch gar nicht gesagt, was es eigentlich gestehen soll?“ Triumphierend blickte der Hühnerschrecker mich an. „Jahaa, das denken Sie! Das ist aber ganz ausgebuffte Verhörtaktik!“

Während sich drinnen das Huhn auf den wehrlosen Lehrling stürzte – man hörte es noch lange gackern – führte mich Doktor Sübenkotte zum Osttrakt. „Das ist ja einigermaßen erstaunlich“, begann ich, „viele stellen sich am Beginn ihrer Ausbildung etwas an, aber dies hier?“ Er wehrte ab. „Aber nein, das sind durchaus keine Anfänger! Sie haben hier eben die Abschlussklasse gesehen, die Leute bereiten sich auf ihr Examen kommende Woche vor.“ Ich war verwirrt. „Aber der Mann war doch mit einem einzelnen Huhn völlig überfordert – wie soll der einen ganzen Geflügelzuchtbetrieb untersuchen, besser gesagt: wie soll dieser Typ die Kontrolle lebend überstehen?“ „Klar“, verteidigte sich der Behördenchef, „Sie haben da einen ganz anderen Zugang, aber Sie müssen berücksichtigen, dass das Personal im Innenministerium immer auf dem Stand des jeweiligen Innenministers sein muss. Zur besseren Kommunikation und für einen reibungslosen Ablauf der Terrorprävention.“ Nein, ich verstand kein Wort. Was hatten denn diese Hühner mit Terrorismus zu tun? „Wir nehmen die größten Idioten, die das Amt zu bieten hat, und bilden sie mehrere Semester lang zurück, bis sie auf dem Niveau von – verstehen Sie?“ Ja, ich verstand.

Auch im Freien fand der Unterricht statt. Aus dem Fenster beobachteten wir, wie plötzlich eine Horde von Männern in Trenchcoat und Schlapphut aus dem Gebüsch hervorbrach und sich johlend auf eine Palette Eier stürzte; müßig zu sagen, dass außer einer gewaltigen Menge Rührei auf dem Rasen nicht viel zurückblieb. „Der Angriff aus dem Hinterhalt ist eine der probatesten Strategien zur Überraschung des Feindes“, dozierte Sübenkotte. „Die Herren haben das doch schon recht hübsch demonstriert.“ Am anderen Ende des Gartens stampfte ein Trupp in ähnlicher Aufmachung durch etliche Stiegen mit Tomaten. „Wir kümmern uns im Amt für Nahrungsmittelsicherheit eben nicht nur um Eier, sondern eben auch um Obst und Gemüse. Eine rundum kompetente Behörde, die Sie als Verbraucher mit viel mehr Sicherheit ausstatten wird.“ Einer der Tomatenmänner, über und über mit rotbraunem Matsch bedeckt, zog einen Aufkleber aus der Manteltasche, den er an einer Holzkiste befestigte. „Damit“, informierte mich Sübenkotte, „haben die Tomaten die Einfuhrkontrolle bestanden und können ohne Bedenken für die Sicherheit der deutschen Verbraucher in den Handel kommen. Die Frau Aigner, die wäre wirklich stolz auf uns.“ „Moment einmal“, unterbrach ich ihn verwirrt, „was hat denn jetzt die Aigner mit Ihrem Schlapphutverein zu schaffen?“ Er lächelte. „Die sind ja nur Personal. In Wirklichkeit geht es uns doch hier um eins: richtig durchgreifen. Eine Kontrolle, die so richtig – was war jetzt doch gleich Ihre Frage gewesen?“ „Warum Sie das mit diesen Terrorverfassungsschützern machen.“ „Weil das bei denen ja auch alles so toll klappt, auch wenn die gar nichts dafür tun müssen – da fühlt sich der Bürger nämlich richtig sicher! Und dann ist das ja auch noch die Industrie da. Die wollen natürlich auch eine ganz scharfe Kontrolle, nur eben eine, bei der man nie Gammelfleisch oder Dioxin findet. Und das ist doch für einen echten V-Mann kein Problem. Die waren jahrelang Mitglieder in der NPD, ohne auch nur einen einzigen Nazi zu treffen, die kann man doch auf Gammelfleisch loslassen?“ Ich war konsterniert. „Und den ganzen Zauber verantwortet das Verbraucherschutzministerium?“ Sübenkotte protestierte heftig. „Wo denken Sie hin? Nein, wir lassen uns doch unsere Kompetenzen nicht streitig machen! Die Aigner hat einen klar umrissenen Aufgabenbereich, die darf das machen, was sie am besten kann: ankündigen. Mehr kann sie eh nicht.“ „Aber die Verbrauchersicherheit? Auf was soll ich mich denn jetzt verlassen, etwa auf Ihr Siegel?“ Er legte mir wohlwollenden die Hand auf die Schulter. „Das können Sie“, sprach der Oberregierungsrat im Brustton der Überzeugung. „Das können Sie – wenn Sie unser Qualitätssiegel sehen: Hände weg! Dann steht Ihrer gesunden Ernährung nichts mehr im Wege.“





Heiter bis bedrohlich

25 01 2011

„Gehen Sie davon aus, dass sich nichts verändert hat: Deutschland ist im Fadenkreuz der Terroristen und kann quasi jeden Tag angegriffen werden. Daher haben wir uns entschlossen, die Polizei nun nicht mehr… also nicht mehr so sehr wie vorher, als Deutschland ja noch im Fadenkreuz der Terroristen stand und… jetzt begreifen Sie es doch endlich, es ist schwierig hier, wir sind alle entsetzlich bedroht, da können wir nicht auch noch etwas ändern!

Es ist ja doch so, dass die Terroristen quasi jetzt überall schon sind, weil sie theoretisch auch schon überall sein könnten – theoretisch! Und das müssen Sie auch mal begreifen, sehen Sie? das begreift der Bundesinnenminister schon nicht, wie sollen Sie das dann – verstehen Sie? Wenn es nämlich jetzt so ein mutmaßliches Anschlagsvorhaben gibt, so ein Vorhaben, wo mutmaßlich auch Terroristen daran beteiligt sind, die theoretisch auch einen Anschlag vorhaben könnten, mutmaßlich! und dann auch noch theoretisch! Ich sage Ihnen, das eröffnet ja wieder Möglichkeiten, das eröffnet ja auch wieder theoretische Möglichkeiten für Mutmaßungen über solche Anschläge! Da kann man dann doch nicht von einer einschätzbaren Gefahr sprechen?

Zuerst war es ja auch nur eine Warnung, also eine mutmaßliche Warnung, dass theoretisch bis Ende November etwas passieren könnte. Was da passieren könnte? Das weiß man noch nicht, das kann man theoretisch jetzt nur mutmaßen, weil man ja weiß, was da hätte passieren können – also bis Ende November. Deshalb haben wir ja dann auch ab Dezember die Weihnachtsmärkte alle so gut abgesichert, weil wir theoretisch schon Vorhaben hätten haben können, die dann mutmaßlich nach Ende November hätten passieren können – das muss man sich mal vorstellen! Das wäre ja dann eine mutmaßliche Planvorhabensdurchkreuzung im Dezember, weil die Anschlagsvorhabenspläne, die theoretisch schon im November hätten passieren können, nicht erst im Dezember nicht passiert sind. Da mussten wir doch sofort handeln!

Wir haben ja dann auch sofort gehandelt, als wir Ende November gemutmaßt, nein: gemerkt, wir haben das ja gemerkt, dass wir nichts gemerkt hatten bis Dezember, deshalb mussten wir auf diese Vorhabensgefahr natürlich sofort reagieren und haben überall Präsenz gezeigt. Überall da, wo die Gefährdung theoretisch hätte präsent sein können. Auf Flughäfen, Bahnhöfen und Weihnachtsmärkten. Was lachen Sie, das war ernst gemeint! Also von unserer Seite aus! Das wollen Sie jetzt nur wieder nicht wahrhaben, aber wo man Schweinswurst und Alkohol verkauft, da ist doch der Muslimist nicht weit, und am Ende bringt er noch Islamiker mit!

Ist ja dann auch sehr gut gelaufen. Wir waren da alle sehr präsent, vor allem deshalb, weil wir die Terroristen, die theoretisch ja wohl da gewesen sein dürften, abgeschreckt haben von den mutmaßlichen Anschlagsvorhaben. Die hatten das, was sie da theoretisch hätten tun können, also mutmaßlich gar nicht erst vor – das ist doch ein Erfolg, oder?

Das ist jetzt aber nicht ganz richtig. Ob diese theoretischen Anschlagsvorhaben nun mutmaßlich ausgeblieben sind, weil die Sicherheitsbehörden wegen der vielen Polizeipräsenz gar nichts tun mussten, oder ob die nun nichts getan haben, weil wegen der vielen nur theoretischen Vorhaben ein Anschlag gar nicht passiert ist, das weiß man nicht. Schauen Sie mal, das ist wie mit dem Schirm und dem Regen. Sie wissen nicht, ob es noch regnet, sondern nur, dass Sie einen Schirm haben. Und dann können Sie den mitnehmen oder nicht, und dann regnet es oder es bleibt trocken. Jetzt ist es natürlich so, dass wir Ende November, als von den mutmaßlichen Anschlagsvorhaben noch immer keins wirklich zu einem Anschlag geführt hatte, dass wir da diese Präsenz, die wir ja wegen der Nichtpräsenz der mutmaßlichen Terroristen auch überall zeigen mussten, wegen der theoretischen Gefahr, dass da wirklich gar keine Terroristen da sind, dass wir in dem Fall ja davon ausgehen müssen, dass die da erst recht Anschlagsvorhaben vorhaben, verstehen Sie? Wenn man schon weiß, dass es die vielleicht geben könnte, und man stellt da überall Polizisten hin, und es passiert rein gar nichts, dann muss man doch diese Präsenz auch weiterführen, wenn man sieht, dass man nichts mehr sieht, weil man ja weiß, dass das schon vorher gar nicht da gewesen sein könnte? Mutmaßlich? Da müssen Sie dann doch diese Präsenz, die dann auf den Weihnachtsmärkten überflüssig wird, weil es da keine Weihnachtsmärkte mehr gibt, verstehen Sie, diese Präsenz muss doch da, wenn Sie wissen, dass es diese Bedrohung, die mutmaßlich schon vorher nicht da war, dass die jetzt weg ist, dann müssen Sie doch diese Bedrohung durch die Polizei, nein halt: die Polizeipräsenz gegen die Bedrohungsvorhaben müssen Sie dann doch auch unsichtbar machen, damit dann ein mutmaßlicher Bedrohungsvorhaber sich denkt: jetzt ist die Polizei weg, also nicht mehr präsent, das heißt, präsent ist sie ja immer noch, aber eben nicht mehr so, dass man sie noch sieht, weil sie nicht mehr da ist, und deshalb ist die Bedrohung weg für die Anschlagssvorhaber, die in der Nichtbedrohung jetzt den schleichenden Prozess der Normalisierung sehen und bedrohlich werden, so dass man jederzeit wieder von mutmaßlichen Anschlagsbedrohungen ausgehen können muss, da theoretisch immer wieder Vorhaben geplant werden. Wie mit dem Schirm, wenn Sie den mitnehmen, kann’s gar nicht mehr regnen. Der de Maizière? Ach, der. Wissen Sie, der weiß gar nicht, was Regen ist, deshalb unser guter Rat für alle Bundesbürger: bleiben Sie am besten gleich zu Hause.“





Kriegserklärung

25 11 2010

„Stümperhafte Planung. Mehr kann man dazu kaum sagen.“ „Sie müssen aber berücksichtigen, dass die Sache durchaus langfristig organisiert ist.“ „Diese Regierung gibt sich trotzdem jede mögliche Blöße. Es sind Dummköpfe und Pfuscher. Keiner wird das als Gefahrenabwehr bezeichnen, der einmal realen Terror erlebt hat. Es ist so unendlich albern.“

„Sie gehen wie ihr Vorbild Bush vor. Sie suchen Ablenkungsmanöver von dem Dilettantismus, den sie Regierungsarbeit nennen.“ „Wenn es das nur wäre! Sie forcieren gerade den Umsturz in einen militarisierten Präventivstaat – an jeder Straßenecke bewaffnetes Personal, und trotzdem gibt es nichts als Sicherheitslücken. Überall Sicherheitslücken!“ „Wobei die darin bestehen, dass Innenminister wie Schünemann oder Herrmann sich eine Herde rosa Elefanten vorstellen und darüber räsonieren, wie man die durch Vorratsdatenspeicherung und Bundeswehr weghext.“ „Trotzdem: es ist laienhaft inszeniert. Die Dramaturgie könnte schlechter nicht sein. Sie lassen Wasserwerfer auf Schüler und Rentner los, so dass sie bei potenziell militanten Castor-Gegnern, die Straftaten in Kauf nehmen, nicht mehr von einer unvorhergesehenen Eskalation sprechen können. Sie fordern die Einschränkung der Pressefreiheit, bevor sie physische Bürgerrechte zur Personenkontrolle und Objektsicherheit beschneiden – sie haben nicht einmal treue Nachplapperer in den Redaktionen installiert. Nicht einmal als billige Provokation für ein paar Chaoten kann das herhalten.“ „Vermutlich setzen sie ganz auf die Armee als Problemlösung.“ „Bundeswehr im Inland – das alles ist lächerlich. Reden wir nicht über die Ausdünnung der Personaldecke in den vergangenen Jahren. Geschenkt!“ „Die wird nicht einmal hinterfragt, wenn es um die Aufklärungsrate von Verbrechen geht.“ „Es war vor allem ein grandioser Fehler, den Einsatz der Bundeswehr im Innern, diesen Schlussstein der faschistischen Renovierung, den man heimlich, still und leise dort anbringt, wo keiner sich bemüßigt fühlt, auf das Grundgesetz hinzuweisen, als Hauptforderung wie eine Monstranz vor sich herzutragen.“ „Immerhin hatte das Ministerium für Staatssicherheit keinen unmittelbaren Zugriff auf die Nationale Volksarmee zur Erledigung seiner Aufgaben. Die Vorstellungen des Herrn de Maizière sind da etwas dezidierter.“ „Diese Planungen sind und bleiben ein Haufen Schrott. Demnächst werden sie uns erzählen, man könnte aus bildungspolitischen Erwägungen keine neuen Polizisten einstellen und müsse auf die fertig konditionierten Soldaten zurückgreifen.“ „Also ein Fachkräftemangel? Das lässt sich doch immer per Einwanderung lösen. Die französische Aushilfe im Wendland hat doch schon bestens funktioniert.“

„Sie müssen es so machen. Irland steht auf der Kippe, der Musterschüler des Turbokapitalismus hat der Logik folgend als erstes Land den Bankrott erreicht. Spanien wird folgen, Portugal wird folgen. Deutschland wird auch folgen. Deshalb brauchen wir das Militär, um in die Menge schießen zu können.“ „Es wird vermutlich schwierig, wenn die Herren feststellen, dass eine Panzerhaubitze nicht so zielsicher ist wie ein Wasserwerfer. Außerdem werden sie sich um die Gebäudeschäden kümmern müssen, die so ein Geschütz verursacht.“ „Das werden sie sich wiederholen von den Verursachern. Das Verursacherprinzip der Novemberpogrome bietet sich an: die Juden waren schuld.“ „Und warum soll man den Terror nur bis Ende des Monats auskosten? Oder nur bis zum Ende des Jahres? Man könnte Wahlen zusammenlegen am 27. März, die CDU weiß eh, dass sie chancenlos in die Herausforderung geht, und dann sind wir der Sache ledig. Ansonsten werden sie vermutlich bis zum Herbst 2013 die Bedrohungslage bis kurz vor die akute Paranoia ansteigen lassen, um dann im Bundestagswahlkampf zu verkünden, es habe sich weltweit kein Lüftchen geregt, weil die deutsche Polizei anlassunabhängig Hausdurchsuchungen bei Bürgern mit merkwürdigen Vornamen durchführt.“ „Und es fiele dann auch nicht mehr auf, dass die mittelfristig geplante Fusion der Geheimdienste mit dem Bundeskriminalamt genauso zufällig mit den Drohungen zusammentrifft wie eine seit Monaten geplante Protestdemonstration gegen das Sparpaket von ungefähr an dem Tag stattfindet, an dem der Reichstag in die Luft fliegen sollte.“ „Immerhin haben sie das richtige Abschreckungsmittel für die Terroristen. Wenn man ihnen schon die passenden Ziele in den Abendnachrichten präsentiert und die darauf abriegelt, welcher Terrorist würde da nicht versuchen, unerkannt mit einer Bombe durch die Reihen der Maschinenpistolen zu kommen?“

„Wenn sie auch nur ansatzweise wüssten, wie Terrorismus funktioniert, hätten sie diese krude Verschwörungstheorie nicht ins Zentrum ihres Handelns gestellt.“ „Sie haben sich einen virtuellen Feind erschaffen. Er sitzt im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan, kilometerweit entfernt von irgendeiner befestigten Straße in einem Erdloch ohne Strom, Wasser oder Satellitenempfang, und doch stellt er ständig perfekt geschnittene Videos ins Internet, Drohbotschaften, in denen der ganz große Knall angekündigt wird – das Attentat, das nicht die zwanzig mächtigsten Regierungschefs in die Luft jagt, sondern lieber fünfzig Passanten auf dem Weihnachtsmarkt. Sie kennen keine Probleme mit Nachschub und Koordination, für einen toten Gotteskrieger wachsen sofort drei neue nach.“ „Man könnte fast denken, sie hätten nie etwas von der RAF gehört.“

„Diese Regierung will eine Kriegserklärung.“ „Das sowieso, aber warum so umständlich?“ „Sie verstehen das falsch, diese Regierung braucht jemanden, der ihnen den Krieg erklärt. Jemanden, der ihnen erklärt, wie Krieg funktioniert. Für alle Seiten.“ „Also jemanden, der ihnen zunächst einmal beibringt, dass man keine Terrorwarnungen ausgibt, ohne von jetzt auf gleich sämtliche Atomkraftwerke herunterzufahren und schwer bewaffnete Trupps vor den Wasserwerken zu postieren.“ „Wenn ich Terrorist wäre: Rollkommando durch Deutschland, an jedem Weihnachtsmarkt zwei Heckenschützen.“ „Klar, die Polizisten fühlen sich ja sicher in ihren Schutzwesten.“ „Deshalb: Kopfschuss und die Waffen einsammeln.“ „Und dann mit einem Haufen Selbstmordattentäter, CSU-Wähler, Schützenverein, rein in den Kölner Dom und alles niedermähen.“ „Im Weihnachtsmann-Dress mit Wattebart.“ „Oder bei der Weihnachtsfeier eines Rüstungskonzerns.“ „Oder eines Bankvorstandes, der den Konzern mit Krediten für die Schmiergelder aushält, damit das Kriegswaffenkontrollgesetz nicht im Weg ist.“ „Oder nach Pullach.“ „Oder ein Tankwagen, der die Bahnschranken durchbricht, kurz bevor ein ICE ungebremst reinrast.“ „Und ein Überfall auf den Reichstag, bei dem die Abgeordneten als Geiseln genommen würden? Für 10 Millionen Euro Lösegeld?“ „Wenn die halbwegs anwesend sind und die Regierung sich darunter befindet, würden die Deutschen 100 Millionen sammeln. Falls die Terroristen sie dann auf alttestamentarische Art vor laufender Kamera um die Ecke bringen.“ „Gute Idee.“ „Sie sehen, man muss es nur professionell angehen.“





Das Ende des Abendlandes

22 11 2010

„… aber noch oberhalb des Gefrierpunktes. Die Terroristen, die für den heutigen Tag angekündigt sind, brauchen keinerlei Rutschgefahr zu fürchten, Deutschland zeigt sich als gastfreundlich und…“

„… sich die Talfahrt des DAX fortsetzte, was nach Angabe der Börsenanalysten jedoch keinerlei außen- oder sicherheitspolitisch motivierte Gründe hatte, sondern an der erfolgreichen Fusion der Unternehmensberatungen…“

„… hatte sich der Frachtdienstleiter beschwert, dass die vom Bundesnachrichtendienst angegebene Nummer auf dem Paketschein nicht korrekt übertragen worden war. Die Sendung, die entgegen den Abmachungen keine Holzwolle, sondern eine Schachtel Kekse enthalten habe, löste nicht wie vorgesehen den Terrormöglichkeitsverdachtsalarm aus, auch kam es aus Namibia und nicht wie vereinbart aus dem Jemen, so dass das vorsorglich bestellte Kamerateam gar keine Bilder mehr…“

„… sehr wohl einen terroristischen Hintergrund, nicht zu sagen eine internationale Verschwörung von größerem Ausmaß, da das Gesetzesvorhaben allein auf Wunsch der Atomkonzerne…“

„… so auch nicht vorherzusehen. Die Polizei in Hannover betonte, man habe die Polizisten unter schwerer Bewaffnung ausrücken lassen, da der hiermit verbundene Abschreckungseffekt sicher stark auf potenzielle Attentäter wirke – angesichts eines zu erwartenden derart starken Resultates sei es nicht erforderlich gewesen, die Polizisten auch noch mit Munition auszurüsten, so dass versehentliche Tötungen von unbeteiligten oder unschuldigen Bürgern nahezu ausgeschlossen…“

„… hatten die knapp 4.000 Sicherheitskräfte keine Auswirkungen auf den Schienenverkehr. Bahnchef Grube ließ verlautbaren, dass im Schnitt drei Stunden Verspätung bei Vorortzügen völlig normal seien, und dass von einer…“

„… sich einfach verhört. Statt eines Attentats mit Explosivstoffen fand die Hundertschaft auf dem Sportplatz von TuS Rot-Weiß Krömelingsfelde den völlig verstörten Hausmeister Gustav Petzereit, der sich wie nach jedem Wochenende mit Heimspiel an den Rasensprengeinsatz machte und die dem Verein gehörende Sprinkleranlage…“

„… auch möglich, dass die Kopfschmerzen nicht der Terrorgefahr geschuldet sind, sondern dem billigen Glühwein, der auf dem Weihnachtsmarkt becherweise ausgegeben…“

„… sich Wolfgang Bosbach nicht dazu äußern wollte, inwieweit man seine Medienpräsenz schon als Terror…“

„… während das Rundfunkstudio vom SEK gestürmt wurde. Tatsächlich handelte es sich bei dem Musikwunsch Ich hab noch einen Koffer in Berlin nicht um eine versteckte Botschaft an muslimische Terroristen, sich in die…“

„… aufgrund eines Missverständnisses den Koffer von Ali Tabatabai mit Großkalibermunition beschoss. Der Iraner hatte das Gepäckstück aus der Heckklappe seines Wagens gehoben und länger als anderthalb Sekunden auf dem Gehweg stehen lassen, was den Argwohn der Scharfschützen erregt hatte. Prof. Dr. Tabatabai, der seit drei Jahren die Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie der Universität Leipzig leitet, kündigte an, einem Ruf nach Kopenhagen sehr gerne…“

„… befand in einem TV-Interview, dass es noch immer erhebliche Defizite bei der Sicherheit gebe. So seien die Bundesbürger noch nicht ausreichend auf die Folgen eines Anschlags vorbereitet. Sogar sechs- bis achtjährige Schüler besäßen noch keine Erfahrung mit Splitterbomben, hätten noch nie Blut spritzen oder abgetrennte Körperteile durch die Luft fliegen sehen – damit sei Deutschland auch im internationalen Vergleich sehr weit hinten, und es sei mehr als fraglich, ob afrikanische Kinder, die mit Unterstützung deutscher Rüstungskonzerne Opfer von Landminen geworden waren, als eine Art erwünschter Facharbeiter einwandern und…“

„… sich die Römisch-Katholische Kirche sehr erfreut zeigte und einen eigenen Feiertag für die christliche Bundesregierung in Aussicht stellte. In Anbetracht der Vorsicht gegenüber Fremden, die möglicherweise ungetauft oder sogar Lutheraner sein könnten, nannte der Essener Bischof Franz Overbeck Maria Denunziata, blieb aber auch offen für Mariä Hausdurchsuchung und Maria im Gefängnis, die man später…“

„… wollte Pullach nicht ausschließen, dass sich beim diesjährigen Tag der offenen Tür eventuell Terroristen in die Räume des Geheimdienstes begeben hatten; um die Sicherheitsstufe zu erhöhen, würden sensible Informationen, die auf keinen Fall die Landesgrenzen überschreiten dürften, nicht mehr in den ARD-Nachrichten gezeigt, sondern nur noch über den Spartenkanal RTL II verbreitet, dessen Programm für die intellektuelle Elite…“

„… die Volkshochschule stürmten, zahlreiche Kursteilnehmer sowie den Dozenten zu Boden warfen und den Raum verwüsteten: Pappe, Kleber und Luftpolsterfolien in rauen Mengen wurden noch an Ort und Stelle zerstört, wenn sie nicht sichergestellt werden konnten, und wenn auch rasch klar wurde, dass sich hinter der Lektion Kreative Weihnachtspäckchen gestalten für Anfänger und Fortgeschrittene wirklich nichts als adventlicher Bastelspaß verbarg, so begrüßte die Bundespolizei doch den raschen Zugriff als wirklich gut geplante…“

„… dass die Terroristen einen bereits geplanten Anschlag auch absagen könnten. Dies sei eine aus der Luft gegriffene, nicht belegte Einzelmeinung, er selbst würde den Umbau des Stuttgarter City auch nicht aus irgendwelchen Gründen verwerfen, empörte sich Mappus, dazu sei viel zu viel…“

„… über erhebliche Umsatzeinbußen im diesjährigen Weihnachtsgeschäft zu klagen. Das Bundeswirtschaftsministerium stellte klar, dass die Binnenkonjunktur sich im Freudentaumel befinde seit der Erhöhung der Hartz-IV-Sätze, nur die Angst vor al-Qaida hindere die Bürgerinnen und Bürger, in diesem Jahr diamantbesetzte Segeljachten zu…“

„… dass jährlich mehrere tausend Patienten in deutschen Krankenhäusern wegen falscher oder mangelhaft dosierter Medikamente versterben, was Innenminister de Maizière strikt von sich wies, da es so viele muslimische Ärzte zum Glück nicht…“

„… verteidigte sich energisch gegen Vorwürfe, er wolle nur für billige Aufmerksamkeit sorgen. Der Innenminister habe ausdrücklich dazu aufgefordert, beim Anblick seltsam aussehender Personen bei der Bundespolizei Meldung zu machen, und kann dies angesichts der Erscheinung von Claudia Roth nur als ganz normale Reaktion auf einen…“

„… das Bundesinnenministerium zwar nicht, wie ein erster Pressebericht verlauten ließ, für drei Stunden gesperrt war, wohl aber von der GSG 9 durchsucht wurde, nachdem einer der beamteten Mitarbeiter auf dem Korridor gehört haben wollte, wie eine nicht zu identifizierende Frauenstimme am Telefon gesagt haben solle, sie würde jemandem ‚eins vor den Koffer geben‘, worauf er voller Sorge, aber völlig frei von Hysterie die…“

„… zu einer gänzlich überstürzten Festnahme im Berliner Hauptbahnhof kam, da die verdächtige Person sich nicht an die Spielregeln hielt. Der Mann (es handelte sich, wie später festgestellt wurde, um einen Taxifahrer spanischer Nationalität) hatte nicht den durch 40 schwer bewaffnete Polizisten bewachten Vordereingang benutzt, sondern war mit der Schnellbahn in den Bahnhof eingefahren, um sich danach in die…“

„… dass das Stehenlassen eines leeren Koffers in einem von Menschen besiedelten Bereich generell als grobe Fahrlässigkeit zu werten sei – es sei nicht erheblich, ob der Koffer tatsächlich eine Bombe enthalte oder ob eine Putativgefahr vorliege – und daher mit schwersten Strafen geahndet werden müsse. Polizeisprecher Zörrgiebel betonte, dass besonders Koffer, die leer aussähen, so dass man sie für voll hielte, während der Anschein auf einen leeren Koffer schließen ließe, der sich dann aber, da er ja voll ist, wenigstens von außen betrachtet, als leer herausstellte, da…“

„…dem angeschlagenen Auto-Konzern einfach sämtliche Subventionen strich. Es nützte nichts, dass Wirtschaftsminister Brüderle bockig betonte, nicht mehr den Aufschwung in die goldenen Jahre des Exports zu bejubeln, das Gesetz verbietet jetzt, den Kofferraum auch für Koffer zu…“

„… in der ARD-Talkshow Beckmann, wo Sarrazin zuletzt als Stammgast behandelt wurde, vor leichtsinnigem Umgang mit nichtarischen Bevölkerungsteilen warnte. Es seien perfekt integrierte Muslime, von denen permanent die größte Gefahr ausginge, da sie über Generationen mit Bildung und sozialem Status über ihre genetisch verankerte Minderwertigkeit hinwegzutäuschen versuchten, um dann mit der ihnen arteigenen Verschlagenheit plötzlich gar keine Terroranschläge zu verüben – nur harte Strafen, so Sarrazin, könnten diese Perfidie…“

„… nach Auskunft der Sicherheitsbehörden nur um einen Schwelbrand, der jedoch rasch um sich gegriffen haben solle. In den frühen Abendstunden hatten die Flammen den Reichstag…“








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