Arm dran

7 03 2013

„Das wird man in Deutschland doch wohl noch sagen dürfen!“ „Hören Sie mal, wenn Sie hier irgendeinen rechtspopulistischen Scheißdreck absondern wollen, dann halten Sie besser gleich die Klappe.“ „Nein, ich wollte ja nur über die FDP…“ „Sagen Sie mal, sitzen Sie auf Ihren Ohren!? Ich sagte: kein rechtspopulistischer Scheißdreck!“

„Aber es geht doch um den Armutsbericht.“ „Sie sagen das so ironisch?“ „Warum, was ist denn daran ironisch?“ „Naja, das Ding heißt doch: Armuts- und Reichtumsbericht.“ „Und?“ „Nach dem, was man gesichert weiß, scheint Armut gar nicht vorzukommen.“ „Das wollte ich doch gerade sagen: ich prangere an, dass hier eine ganze Reihe von Wahrheiten schlicht nicht mehr gesagt werden. Das darf doch nicht sein!“ „Natürlich dürfen Sie immer noch die Wahrheit sagen. Die Verfassung nimmt sie in Schutz. Nur die FDP eben nicht.“

„Warum hat eigentlich die von der Leyen so vehement widersprochen, als man ihr lückenlos die Komplizenschaft nachweisen konnte?“ „Sie konnte ausnahmsweise mal nicht jemand anderen für ihren Müll verantwortlich machen oder Forderungen stellen, dass die Sozialministerin jetzt aber sofort ein Auge auf die Verfehlungen der Sozialministerin zu werfen habe.“ „Sie sagt ja, der größte Teil sei drin.“ „Man hat nur kurzfristig die Vorzeichen gewechselt, die Milchmädchenrechnung ist immer noch erhalten.“ „Deshalb hat sie die komplette Redaktion, die größtenteils aus ersatzlosen Streichungen bestand, dem Wirtschaftsministerium überlassen.“ „Das war nicht schwer. Wichtigere Dinge lässt sie immer gerne von kompetenteren Kräften erledigen. Also eigentlich alles.“ „Und sie gibt sich dieser Vorstellung von Zensur einfach so hin?“ „Immerhin die einzige Sache, mit der sie sich einigermaßen auskennt.“

„Es war in der Originalfassung zu lesen von knapp über viel Millionen Menschen…“ „Wie bitte!? Sie können doch dieses Pack, das für seinen Lebensunterhalt arbeiten muss, nicht auch noch als Menschen bezeichnen.“ „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!“ „Lassen Sie das mit dem Populismus, letzte Warnung!“ „Gut, knapp über vier Millionen Wirtschaftssubjekte…“ „Schon besser.“ „… verdienen brutto weniger als sieben Euro.“ „Gut so.“ „Dass sie unter sieben Euro verdienen?“ „Die Bundesregierung sagt sich: Hauptsache Arbeit.“ „Und zahlt den Arbeitnehmern dann auch noch Stütze.“ „Es gibt halt immer noch Subjekte, die den Hals nicht voll kriegen.“ „Ich dachte, ich sollte nicht mehr von der FDP anfangen?“ „Pardon, aber so war das nicht gemeint. Wir können doch nicht jeden in Deutschland durchfüttern, der sich in Armut befindet.“ „Und was macht man damit?“ „Was man immer macht, wenn eine Behörde daran beteiligt ist. Die Armut wegdefinieren.“

„Im ursprünglichen Bericht hatte auch gestanden, dass die Lohnentwicklung im oberen Bereich positiv steigend gewesen sei, die unteren Löhne in den vergangenen zehn Jahren aber gesunken seien. Die Einkommensspreizung habe demnach zugenommen.“ „Das muss man doch rausnehmen, haben Sie etwa die Entschuldigung nicht gelesen?“ „Warum druckt man das nicht ab?“ „Dies verletze das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung…“ „Wie bitte!?“ „… und könne den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden.“ „Das darf doch nicht wahr sein! Sie verschweigen das, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet, weil die Einkommensspreizung immer mehr voranschreitet, und geben als Entschuldigung an, dass sie die Bürger die Nachrichten nicht verkraften!“ „Richtig. Neoliberalismus heißt ja nicht nur, dass man die Bürger für dumm verkauft. Man lässt es sie auch wissen.“ „Würde das nicht den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden?“ „Jedenfalls nicht so sehr wie die Spreizung der Einkommen.“

„Darf man denn überhaupt noch von der Einkommensspreizung reden, oder ist das auch schon verboten?“ „Sie haben recht, das muss man in Neusprech ausdrücken. Das heißt jetzt strukturelle Verbesserungen.“ „Wieso strukturell?“ „Erstens ist das ein großartiges Schwammwort, und zweitens drückt man damit alles aus, was man selbst nicht beeinflussen kann, weil man nicht kapiert, an welchen Faktoren es hängt.“ „Gut, und was ist mit Verbesserungen?“ „Das stimmt ja auch. Oder sind Sie anderer Meinung?“ „Seit wann ist es eine Verbesserung, wenn die unteren Einkommen immer weiter schrumpfen?“ „Strukturell, ja? die unteren sinken ja nicht, sie steigen nur strukturell anders als die Spitzengehälter.“ „Wie anders?“ „Naja, negativ halt. Ist alles eine Frage der Interpretation.“ „Wo sind die Verbesserungen?“ „Man hat im Niedriglohnsektor so viele Möglichkeiten, durch tätige Solidarität unserem Staat finanziell unter die Arme zu greifen.“ „Wo, verdammt noch mal, sind die Verbesserungen!?“ „Bei den Reichen natürlich, oder was dachten Sie?“

„Wir haben also einen Vizekanzler, der den Arbeitnehmer, die ihre Miete nicht zahlen können, ein eigenes Haus empfiehlt.“ „Der Mann ist zu bedauern, das hätte er so gerne in den Reichtumsbericht geschrieben.“ „Das ist für den also gesellschaftlicher Zusammenhalt?“ „In einer Gesellschaft, wie sie sich der Vizekanzler vorstellt, hätte man ein Stück Menschenmüll wie ihn in der Gosse von Saigon verrecken lassen.“ „Pardon, das ist mir nun doch zu populistisch.“ „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen?“





Armutszeugnis

29 11 2012

„… gebe der neue Bericht nun die Meinung der Bundesregierung wider und müsse daher nicht nochmals…“

„… halte bei Discountern der Trend an, Waren vor dem Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums in den Müll zu werfen. Dies sei zahlreichen Geringverdienern geschuldet, die bei der Auswahl ihrer Lebensmittel viel qualitätsbewusster…“

„… solidarischer Aktionen bis hin zum kompletten Lohnverzicht, damit mehr Steuergelder für notleidende Banken statt für Griechenland…“

„… habe laut Vizekanzler Rösler die bisherige Sicht die kausalen Zusammenhänge nicht exakt gewichtet. Vielmehr liege die gefühlte Armut in Deutschland nur daran, dass immer mehr Arme…“

„… legten Beschäftigte im Niedriglohnsektor vermehrt Wert auf Wohnkultur. Die Zahl der Umzüge in kleinere Altbauwohnungen mit Ofenheizung spreche für das Bedürfnis nach mehr Originalität, namentlich in den Slums von…“

„… gestiegenes Unrechtsbewusstsein. Da auf 1400 Euro Steuerhinterziehung inzwischen fast ein ganzer Euro unberechtigt gezahlter Sozialleistungen kämen, erwarte man durch ein a priori vermitteltes Schuldbewusstsein einen erheblichen Rückgang der Hartz-IV-Anträge. Die Bundesagentur zeige sich kompromissbereit, den Armen mit mehr Druck und Verachtung zu…“

„… begrüße der Einzelhandel Lohnkürzungen und harte Einschnitte bei den Sozialleistungen. Da Arme nun nicht mehr so viel konsumierten, könne sich das Personal nun intensiver um die Besserverdienenden…“

„… begeistere sich die Bevölkerung mehr und mehr für die Klimaziele der Kanzlerin, die schon immer eine entschiedene Gegnerin der Atomkraft gewesen sei. Eine Umwelt-Avantgarde aus Erwerbslosen versuche derzeit durch Stromsperren und Energieverzicht, die Forderungen ihres Idols Peter Altmaier bundesweit populär zu…“

„… sich die trendgerechte Mobilität der Hipster zum Vorbild nähmen. Immer mehr Berufsaussteiger seien heute obdachlos, um das Ideal der Freiheit, wie sie Bundespräsident Gauck und die FDP…“

„… Tendenz zu gemeinschaftlichen Aktivitäten, die sogar außerhalb der Arbeitszeit unternommen würden. So besuche ein Großteil mehrmals pro Woche die Tafeln, um mit Gleichgesinnten in fröhlicher Runde einen netten…“

„… eine kausale Verbindung von Erwerbsarmut und Bildungsdefiziten zu erkennen. Die meisten Jugendlichen seien inzwischen nicht mehr davon überzeugt, dass die Bildungsdefizite auf Seiten der Bundesregierung…“

„… gesundheitsbewusste Ernährungsweise in den unteren Dezilen. Man finde vor allem eine Reduktion um dreißig Prozent der Kosten für drei Monate, die sich als sogenannte Hartz-Diät größter Beliebtheit…“

„… direkten Unterstützung für Staatskonzerne. Da weniger Arme sich Mobilität leisten könnten, verkaufe die Deutsche Bahn AG weniger Tickets, müsse so noch weniger auf Unpünktlichkeit Rücksicht nehmen und konzentriere sich ganz auf defekte Klimaanlagen, Datenschutzlecks, den geplanten Börsengang sowie…“

„… für strukturelle Verbesserungen am Arbeitsmarkt. Rösler unterstütze die Meinung der Bevölkerung, durch sinkende Löhne könne insgesamt das Lohnniveau steigen, durch mehr Arbeitslose könne man Vollbeschäftigung erzeugen und durch Steuersenkungen gäbe es…“

„… sich die drohende Altersarmut immer mehr entschärfe. Von der Leyen habe dabei insbesondere Hartz IV als Trainingsprogramm gelobt, um im Alter trotz Mangelernährung möglichst lange überlebensfähig zu…“

„… sich Arbeitslose auch aus Rücksicht versteckten und nur noch in besonders abgeteilten und bewachten Arealen aufhielten. Die ALG-II-Bezieher hätten Sorge, ihr anstrengungsloser Wohlstand könne den Neid von Investmentbankern und anderen anständigen Staatsbürgern…“

„… gebe es im Gegensatz zum Bundeshaushalt kaum sinnlose Neuverschuldung. Die Niedriglöhner neigten nicht zur Anschaffung von Motorjachten, Oldtimern und Pelzmänteln, selten erworben würden auch Fußballvereine, Banken oder…“

„… sich für eine Vermögenssteuer aussprächen. Die zweckgebundene Abgabe solle nach dem Willen der Bürger für Vermögende in Not genutzt werden, etwa für Niebels Auslegeware oder die…“

„… die Neigung der Erwerbslosen zum Suizid ein Anzeichen von gestiegener Eigenverantwortung im Gesundheitssystem sei. Bahr führe die Welle an Selbsttötungen darauf zurück, dass Sterbehilfe bei unheilbaren Krankheiten nicht von den Kassen…“

„… Bruttostundenlöhne von weniger als sechs Euro gefordert. Nur konsequenter Lohnverzicht sei eine geeignete Solidarmaßnahme, um die Profite der Wirtschaft nicht zu gefährden. Viele Arbeiter und Angestellte sprächen sich inzwischen auch dafür aus, ganz auf Gehälter zu…“

„… müsse auch Bildung wieder eine Rolle spielen. Da immer mehr Jugendliche die Schule abbrächen, verzeichne man proportional auch weniger schlechte Abschlüsse, so dass von einer durchschnittlich höheren Qualifikation für den…“

„… ein größeres kulturelles Bewusstsein für deutsche Traditionen. Nicht nur ehemalige DDR-Bürger seien wieder an Zensur, Schnüffelei und…“

„… immer mehr Angehörige des Prekariats ein neues Lebensgefühl entwickelten. Vermehrt komme es nach Aussage von der Leyens zu Brotmangel, der aber durch Kuchen…“

„… sich Arbeitslose durch Eigeninitiative fit hielten. Sportarten wie Pfandflaschensammeln und Papierkorbtauchen seien Ausdruck der anhaltenden Daseinsfreude von jungen und alten…“

„… in den folgenden Legislaturperioden der besten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung nicht mehr zu erwarten sei. Das Kabinett verzichte künftig auf wirtschaftliche oder soziale Erwägungen, die Regierung kenne sich ohnehin nur mit geistiger Armut aus und wolle daher…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CLXXIV): Medienwandel

16 11 2012
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war Keilschrift, und Keilschrift zeugte Knoten, und Knoten zeugte Papyrus, und Papyrus zeugte die Schiefertafel, und die Schiefertafel zeugte Pergament, und Pergament zeugte Dünndruck, und Dünndruck zeugte Stereo, und Stereo zeugte DVD, und DVD zeugte Vierfarbkugelschreiber, und wenn sie nicht gestorben sind, dann haben es die meisten Dumpfschlümpfe auf diesem höchst zweifelhaft beleumundeten Rotationsellipsoiden wohl nur noch nicht bemerkt, weil sie mit Antiquitäten zu tun hatten, Loseblattsammlung von Tontäfelchen oder Tageszeitungen im Tischtennisplattenformat. Alle Lust will Ewigkeit, nur hat sich die Natur wieder nicht an die Hausordnung gehalten. Während der Intellekt da, wo er sich zu Hause fühlt, öfters mal neue Kommunikationsformen hervorbringt, kreischen die Bremsklötze, weil das ihre Aufgabe ist – mehr auch nicht. Es wäre zu viel von ihnen verlangt, den Medienwandel kritisch zu begleiten.

Nicht nur Gallien – ganz Gallien? falsche Frage – zerfällt in drei Teile, auch die Öffentlichkeit hat drei Möglichkeiten, sich zu Medien zu verhalten. Die einen nutzen sie mehr oder weniger, die anderen nutzen sie bewusst und eingedenk dessen, dass sie gerade ein Medium nutzen; die dritten veranstalten eine durchschnittliche Apokalypse, dass es Personen gibt, die nicht genau wie sie selbst Medien nutzen oder es sein lassen. Sie sind unterhaltsam wie ein Kürbis von hinten, gesegnet mit dem IQ einer mittelgroßen Tüte Streusand und ansonsten schon mit Bleistift und Papier geistig herausgefordert. Medien wandeln, werden gewandelt und wandeln sich selbst, aber das darf man ihnen nicht sagen.

Es ist der technische Fortschritt, der neue Medien und Neue Medien erfindet, entwickelt, verbreitet, popularisiert und schließlich in die Kanalisation der Kulturgeschichte schnippst. Eben noch haben sie in Wachswalzen geblökt, dann plärrten sie in Schellack, jodelten in Vinyl und wurden schließlich digital, bald mit, bald ohne Trägermedium. Hier und da werden noch die Nachrichten von gestern mühsam abgetippt, Bäume werden gefällt und geschreddert, damit Rollen von Papier die Ansicht der Redakteure im Gegensatz zum Fernsehprogramm des Vorabends aufsaugen können, mit benzinbetriebenen Autos in der Gegend ausgestreut und nach einmal Auffalten so überflüssig wie Niespulver beim Hochseilakt, hernach in die Container geschwiemelt, weil den Schrott schon beim Ausliegen am Kiosk die Wirklichkeit überrundet hatte, nutzlos wie eine Pferdekutsche im Salon der Hybridkarren.

Da gibt es borderlineintelligente Industrielle, hineingeboren in die Postkutschenbranche, wie sie uns mit jahrelangem Gelalle auf den Zeiger gehen: ohne Postkutsche sei das Leben ein Fehler, das Auto setze sich nicht durch und sei dem Pferd eh unterlegen, der Verbrennungsmotor sei unpatriotisch, gegen den Entwurf irgendwelcher Götter oder Ausdruck zu linker, rechter, liberaler oder gar keiner politischen Gesinnung, kriminell, zu teuer und erzeuge Syphilis, Dauerregen oder das Ende der Weltwirtschaft. Vorerst bestehen sie auf Strafsteuern, dann verlangen sie von Autokäufern den Erwerb einer Quotenkutsche, und sobald es im ganzen Land keine Kutschen mehr gibt, gründen sie eine Lobbyistenorganisation, die mit wüsten Verschwörungstheorien die Postkutsche als einzig legitimes Verkehrsmittel propagiert, ungeachtet der Tatsache, dass die Lobbyisten noch nie in einer Postkutsche gesessen haben noch je vorhätten, eine zu bauen, und dass sie ihr komplettes Vermögen in Autokonzerne stecken. Fortan heulen Hasstiraden durch die Landschaft. Keiner weiß, wozu. Aber wenigstens sind die Fronten geklärt.

Ähnlich sinnvoll wäre es, Textsorte und/oder Sprache via Gebrauchsanweisung im Lehm festzustampfen. Lässt sich der Normalbürger den Liebesbrief mit Federkiel und Galltinte aufdrücken, wo seine Message, die eh dem Medium entspricht, für eine SMS reicht? Kann eine Wandzeitung ihren revolutionären Impetus gegen Blogs in Überzahl verteidigen? Bleibt die Steuerung der Ausdrucksform nicht per se ephemer bis lächerlich und zum Scheitern verurteilt? Sind wir auch ohne Hieroglyphen noch knapp überlebensfähig? Werden wir ohne Reiseschreibmaschinen alle untergehen, und wenn ja, warum lassen wir dann die Diskettenlaufwerke aussterben?

Selten sterben Medien aus, wenn sich nicht bessere Möglichkeiten ergeben; die Höhlenmalerei wurde peu à peu durch Öl auf Leinwand ersetzt. Doch sie verlieren ihre Eigenschaften. Fernsehen killte den Radio Star nicht, er wurde nur zur Geräuschkulisse beim Fensterputzen (was inzwischen die Glotze mit galoppierendem Niveauverlust einzuholen trachtet) und gewann proportional Aktualität gegen das Format-TV. Die Tageszeitung hätte eine reelle Chance gehabt, wäre sie als regionales und reflektierendes Medium mit analysierenden Kommunikationsformen gegen die schnelllebigen Quasselstrippen im Funk angetreten, um den geistigen Tiefgang des gedruckten Wortes zu nutzen. Doch zugleich bleibt sie ein Umsonst-Ding, das sich zur Résistance der Verwertbarkeit aufplustert, während die Informationsgesellschaft längst weiterzieht. Welcher Idiot hatte auch beschlossen, sie mit der Postkutsche auszuliefern.





À la carte

29 10 2012

„Bitte nicht länger als eine halbe Minute, das wirkt sonst zu aufdringlich. Es reicht ja schon, wenn Sie die Frau Bundeskanzlerin in den entscheidenden Passagen zeigen, immer zweidrei Sekunden Rede, dann zehn Sekunden Applaus. Schneiden Sie am besten vom letzten Bundesparteitag rein. Liefern wir Ihnen, ja. Soll ja eine gute Nachrichtensendung werden.

Sie können nebenbei auch kleine Sequenzen von Schäuble reinschneiden, der kommt dann ja im nächsten – nicht? Warum kommt da im nächsten Beitrag nicht Schäuble? Wir hatten das doch so ausgemacht? War unser Regierungssprecher nicht deutlich? Wieso ist Schäuble nicht im nächsten Beitrag? Ach so, ja. Wirtschaft. Aber da müssen Sie dann auch darauf achten, dass die europäischen – China? Wer hat Ihnen erlaubt, über China zu berichten? Weil das alle machen? Das ist doch nicht relevant für Sie. In den deutschen Nachrichten wird gesagt, was die deutsche Regierung angeht. Und uns geht das an, was sich die Regierungsparteien wünschen. Was haben Sie daran nicht verstanden? Untergrundjournalismus machen Sie gefälligst in China, klar!?

Oder nein, nicht: Regierungsparteien. Bitte die Sendung nicht zu sehr mit der FDP belasten. Ja, ich weiß selbst, wo die in den Umfragen stehen, aber erstens sind das nicht unsere Umfragen, und wenn die FDP auch mal Fernsehnachrichten haben will, dann soll sie die selbst kaufen. Geld genug haben die ja. Nein, Sie machen mir den Wirtschaftsbeitrag nicht mit Brüderle – die Frau Bundeskanzlerin will das nicht. Warum nicht? Sie will das eben nicht, und das muss reichen. Es reicht, wenn einer die Wirtschaft erledigt, das brauchen Sie nicht auch noch zu zeigen.

Den Bericht über die Arbeitsmarktzahlen dürfen Sie so übernehmen. Ist egal. Ja, ist uns echt egal. Nein, nicht die Zahlen. Die Arbeitslosen. Ob wir da jetzt auch noch einen O-Ton von der Bundesuschi drankleben, das interessiert doch keinen Menschen. Senden Sie das ruhig. Danach die Präsidentenwahl in den USA, das hat ja auch keinen Einfluss auf die Bundesregierung.

Und dann nichts über den Schuldenschnitt für Griechenland. Sie haben da keine Information. Nein, Sie haben kein Information zu haben. Wir sagen Ihnen, was Sie zu wissen haben, verlassen Sie sich darauf. Die Troika hat sich noch nicht festgelegt, aber die Frau Bundeskanzlerin hat noch keine Ahnung, was sie denkt, bevor sie gehört hat, was sie dazu sagt. Deshalb wollen wir auf den Bericht vorerst verzichten. Sie müssen dann eben eine Güterabwägung vornehmen – wenn Sie nicht für uns sind, sind Sie gegen uns. Und das wollen wir doch nicht, oder?

Zwanzig Sekunden für die Klimakonferenz? Ist das nicht ein bisschen wenig? Wo doch die Frau Bundeskanzlerin sich ausdrücklich für die Ziele der proaktiven Klimapolitik ausspricht? Da wollen wir mehr Bilder. Interview. Schicken Sie da einen Korrespondenten hin, der soll vor Ort ein Interview mit dem deutschen Vertreter machen, und dann haben wir – Altmaier!? Sie sind wohl vom wilden Mann gebissen, Sie können doch nicht den Altmaier da interviewen! Der Mann redet doch Grütze, sobald er den – nein! Das senden Sie nicht, verstanden? Sie werden keine Sekunde davon senden. Wenn Sie unbedingt jemanden wollen, der von jeder Sachkenntnis ungetrübtes Gelaber absondert, dann fragen Sie Rösler irgendwas über Wirtschaft. Ja, weiß ich – aber hier dürfen Sie auch mal über die FDP berichten. Das stört die Frau Bundeskanzlerin nicht so. Hauptsache, Sie lassen uns in diesem Zusammenhang aus dem Spiel.

Und wenn Sie da das Internet zensieren? Oder müssen wir das selber machen? Nein, das ist wegen Steinbrück. Der ist ja immer in den Medien, und wenn Sie nichts über ihn bringen, dann müssten wir uns mal überlegen, was Sie da unternehmen. Weil da ja im Internet immer alle alles machen können, und wenn wir da nichts machen, also Sie, wenn Sie nichts machen, dann sind da ja noch Informationen, und dann können die da alles nachgucken – ich meine, wie ist das technisch geregelt? Können Sie nur auf Ihrer eigenen Seite die Informationen rausnehmen, und können Sie das bei den anderen erst beantragen? Oder müssen wir uns da erst einen Vorwand für ein neues Gesetz ausdenken? Ich kläre das ab. Machen Sie erstmal nichts über die SPD.

Sie sehen, es hat auch seine Vorteile, wenn man die Regierungssprecher aus Ihrem Haus holt oder hinterher bei Springer entsorgt. Die Synergieeffekte sind nicht zu leugnen. Öffentlich-rechtliche Sender stehen in der Verantwortung der Gesellschaft und der Politik und werden sich davon auch nicht völlig lösen können. Jedenfalls nicht, solange wir nicht den Befehl dazu gegeben haben.

Mit der CSU seien Sie bitte vorsichtig, wenn Sie denen eine – nein, das war gar nicht als Drohung gemeint! Wir sind schließlich nicht die CSU. Aber da müssen Sie immer damit rechnen, dass da so komische, wie soll ich sagen – da sind Journalisten unterwegs. Investigative Journalisten. Die werden Sie so einfach wieder los wie Streptokokken.

Feindsender? Dann sorgen Sie eben dafür, dass das nicht bei den Privaten auftaucht. Und lassen Sie Ihre internationalen Kontakte spielen. Wofür bezahlen wir Sie überhaupt?

Ach ja, das Wetter. Müssen wir da einen Antrag stellen, dass die Vorhersage am Wahlsonntag gut ist, oder erledigen Sie das?“





Zerreißprobe

25 10 2012

„Und Sie haben noch einen ganzen Koffer voll Erinnerungen Ihres seligen Herrn Vaters an die große Zeit? Kein Problem. Wir haben das in fünf Minuten erledigt. Das Entsorgungsunternehmen de Maizière ist nicht unbedingt schnell, aber sehr gründlich. Wir schaffen das.

Man muss sich auch mal von alten Dingen trennen können. Oder bewahren Sie alles auf? Das kommt doch sonst auch bloß in falsche Hände. Und dann haben Sie plötzlich keine Karrierechancen mehr. Oder Ihre Promotion ist futsch. Oder Ihr Bundestagsmandat. Nein, man muss ab und zu mal entrümpeln. Alle Sorgen loswerden. Von Neuem anfangen, wenn man merkt, dass sich das Alte nicht mehr lohnt. Schlussstriche ziehen. Nicht jede Vergangenheit ist es auch wert, bewältigt zu werden, nicht wahr? Es gibt da manche, die will man lieber sofort vergessen. Und sehen Sie, genau dafür ist unser Unternehmen da.

Sie haben geerbt? Das ist doch nicht schlimm, das kann ja jedem mal passieren – Ihre Regierung sorgt schließlich dafür, dass das nur Sie etwas angeht und nicht auch noch Ihre Nachbarn. Oder den Fiskus. Biedermeiersekretär? Schöne Geldanlage, jedenfalls höher als der Brennwert. Unser Chef war nur sehr kurz Innenminister, der hat von Kultur so gut wie keine Ahnung. Da müssen Sie sich an den jetzigen – nein, lassen Sie’s besser. Also wie gesagt, das Geheimfach. Wir holen da rückstandsfrei sämtliche Informationen raus, speichern sie ab, und dann vernichten wir sämtliche Quellen. Natürlich vernichten wir die, das stand doch so im Prospekt. Quellenschutz ist bei uns nicht vorgesehen.

Wir können uns nicht beklagen. Kann sein, dass das mit der Gesinnungslage zusammenhängt, aber die Auftragsbücher sind bei uns seit Monaten nicht leer zu kriegen. Man hat schon den Eindruck, je mehr Transparenz da gefordert wird, desto mehr kommt auch ans Licht – oder könnte, wenn es das wäre, das noch nicht ans Licht gekommen ist, so ans Licht kommen, dass es besser wäre, es wäre eben besser nicht ans Licht gekommen. Und dann gibt’s ja auch so Sachen, wo man weiß, das wäre für Sie nicht unbedingt schlimm, Sie waren ja auch nur Parteigenosse, aber die durchführenden Organe, die waren natürlich in der Lage, Unrecht zu erkennen, und müssen deshalb heute mit der vollen Härte des Gesetzes – Celler Loch? Ich dachte eher an die Mauerschützen.

Wir setzen vor allem auf regionales Wachstum. Deshalb haben wir uns auch besonders stark gemacht, wo wir die besten Standortvorteile sehen. Beispielsweise in Thüringen. Das ist doch ein schmuckes Fleckchen Erde – ganz naturbelassen, keine Verfassungsschützer, da darf man noch offen gegen Neger und Türken demonstrieren, Reizklima, und unsere Freunde von der NPD haben ihre anfängliche Scheu längst abgelegt. Wir unsere übrigens auch, aber das nur nebenbei.

Kaderakten? Müssten wir mal schauen. Wir haben da schon eine ganze Menge vernichtet, aber es findet sich ja immer wieder etwas. Wir sind gründlich. Sagen Sie Ihrem Rechtsanwalt, dass wir nichts unversucht lassen – wir setzen Sie auch gerne von unseren Funden in Kenntnis. Immer vorausgesetzt, es betrifft nicht Sie.

Unsere Verbindungen zum Militär sind ja nicht zufällig. Wir brauchten tatkräftige Männer, gerne mit einschlägiger Erfahrung und blütenreiner Weste. Gut, ist jetzt nicht so häufig, aber man fragt ja mal. Deshalb unser, sagen wir mal: Ordnungs- und Entrümpelungsdienst. Es gibt Leute, die finden Sachen, die haben andere nicht einmal gesucht. Journalisten. Staatsanwälte. Gelichter halt, so Zeugs ohne Regierungsnähe. Da muss man einschreiten, wenn die zu aktiv werden. Und deshalb schicken wir die alle in einen Raum, in dem wir einen Reißwolf aufgebaut haben. Was da drin passiert, ist uns vollkommen unbekannt, wir lassen uns nicht damit in Verbindung bringen und werden jeden verklagen, der behauptet, hier könne jeder für eine hübsche Summe belastende Akten gegen ihn in Papierschnee verwandeln. Das stimmt natürlich nicht. Für Parteifreunde machen wir das nämlich auch umsonst.

Sie haben belastendes Bildmaterial? Kinder? Wie alt? Das ist gut, wir sind immer froh, wenn wir mal neuen Stoff hier sehen – man kann sonst der Öffentlichkeit nicht mehr erzählen, dass wir wissen, was sich in der Szene tut. Wir schnipseln das gerne für Sie, aber zur Sicherheit machen wir vorher eine Kopie. Nur zur Sicherheit. Falls wir das mal brauchen sollten – natürlich ohne Zusammenhang zu Ihnen. Man ist ja kein Unmensch.

Entsorgung ist Vertrauenssache. Oder wissen Sie, wer da alles weiß, was Sie wissen, aber wovon Sie nicht wissen, wer das weiß, obwohl Sie das nicht wüssten? Wir bieten Ihnen deshalb den Rundumservice an. Alles bombensicher. Was wir in die Finger kriegen, wird zu Konfetti. Wenn es sein muss, vernichten wir komplette Archive. Oder auch Akten, die eigentlich noch für den Dienstgebrauch sind, aber sich derzeit so in Verkehr befinden, dass man sie da leicht rausziehen kann. Wir bieten Ihnen das Beste an. Stellen Sie uns auf die Zerreißprobe.

Referenzen? Gerne. Ich nehme an, die Frau Bundeskanzlerin wird ein gutes Wort für uns einlegen. Sie weiß schon, warum.“





Allzweckwaffe

3 10 2012

„Und die haben mit Kastanien geschmissen? Das ist egal, wenn es Araber waren, können auch 4-Jährige durchaus eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen. Selbstmordattentate, die werden ja oft im Stadtpark geboren.

Wir müssen wachsam sein. Schon, weil die in der Zentrale nicht tun können, was sie wollen. Das funktioniert ja alles nicht. Die haben doch allen Ernstes Meldebuttons für terroristische Inhalte gefordert. Wie soll denn das funktionieren? Stellen Sie sich mal vor, Sie fahren mit der Straßenbahn, und da sitzt so ein langhaariger Student – diese Staatsfeinde, die uns zehn Jahre lang zum Narren gehalten haben, das sind alles langhaarige Hippies, die erkennt man sofort – und der liest auf seinem Computertablett linksradikalen Schund wie den Spiegel. Habe ich da etwa einen Notfallknopf in meinem Regenschirm, oder muss ich diesen stalinistischen Wirrkopf noch von Hand niederknüppeln? Die da oben machen sich eben viel zu wenig Gedanken.

Keine Vorkommnisse? Haustiere haben die auch keine? Das könnte verdächtig sein. Muss nicht, könnte aber. Man soll nicht vorschnell etwas ausschließen. Besuch, der nicht über Nacht bleibt? Das soll es geben, aber ich würde trotzdem – es sind Ausländer? Sie haben ausländisch gesprochen? Seien Sie auf der Hut. Notieren Sie auf jeden Fall, was Sie bemerken. Sollten Sie es nicht verstehen, das macht gar nichts. Notieren Sie es. Wir verstehen das dann auch nicht.

Wir müssen eben noch viel sensibler werden für die vielen terroristischen Bedrohungen. Man muss da mit gesundem Menschenverstand herangehen. Wenn Sie nicht genau wissen, ob Sie eine Erkältung oder einen Herzinfarkt haben, worauf lassen Sie sich denn behandeln? oder wollen Sie das etwa dem Arzt überlassen?

Nein, ich habe auch keine Ahnung, wie Schwedisch klingt. Vielleicht war es auch Dänisch? Solange es sich um – ja, ich weiß. Neger sagt man nicht, aber dann geht die Kommunikation mit unseren Sicherheitsexperten einfacher, wenn wir nicht immer alles erklären müssen.

Terrorismus ist doch eine Frage der Definition, oder? Ich frage für ein Bundesministerium des Innern. Weil die Kollegen da ja aktiv sind. Sehr aktiv. Und weil sie größtenteils gar nicht wissen, was sie da machen. Oder sie merken es erst hinterher. Da wäre es doch besser, sie würden wenigstens ab und zu wissen, worum es geht.

Am schlimmsten sind doch die, bei denen man schon vorher nicht weiß, was man hinterher nicht gewusst haben könnte. Wir können natürlich nicht für alles die Bürger verantwortlich machen, aber wir versuchen unser Bestes.

Chinesen? Sie müssen sich überhaupt keine Sorgen machen. Das sind größtenteils befreundete Ausländer, die zu Besuch sind. Die verhalten sich völlig unauffällig. Das sind die so gewohnt. Nein, es handelt sich um Gäste, die sind bald wieder – die leben hier? Dann wäre ich vorsichtig. An Ihrer Stelle würde ich auf meinen Hund aufpassen. Der Chinamann kennt da kein Pardon. Es soll da schon Leute gegeben haben, sie sich einfach der Kontrolle entziehen.

Verhältnismäßigkeit! Wenn ich das schon höre. Verhältnismäßigkeit – was ist verhältnismäßig? Ich bin verhältnismäßig sicher, dass für die Sicherheit nicht genug getan werden kann. Lassen Sie mich jetzt nicht mit dem Totschlagargument kommen, dass man da noch viel mehr Arbeitsplätze schaffen könnte. Das ist nun echt zu ausgelutscht, seitdem Schily gemerkt hat, dass er selbst Aufsichtsrat der Biometrie-Firma war, die den biometrischen Pass produziert. Der wird sich vielleicht erschrocken haben! Nein, kann man nicht machen. Geht nicht. Aber man sollte nicht unerwähnt lassen, dass die Sicherheitsbranche mit ihren stabilen Aktienkursen im Ausland einen guten Eindruck hinterlässt. Meinen Sie, die Araber würden sonst bei uns ihre Waffen kaufen, wenn sie nicht genau wüssten, wie leistungsfähig Deutschlands Wirtschaft ist? Wenn es Araber sind, die können wirtschaftlich durchaus einen Stabilitätsfaktor für die nationale Sicherheit darstellen. Wir sollten da ein bisschen Vorsicht walten lassen, verstehen Sie? Schließlich sind wir eine Exportnation.

Wir unterstützen die Wirtschaft. Wenn Sie versuchen, ein Sicherheitsunternehmen zu gründen, könnten wir Ihnen behilflich sein. Man kann ja nicht alles allein machen.

Das muss noch nichts heißen. Es gibt ja auch Terroristen, die man nicht als solche erkennt. Wenn Ihr Nachbar seit Jahren hier unauffällig lebt, könnte es sich auch um einen Schläfer handeln. Die terroristische oder extremistische Nutzung des normalen Lebens oder die Diskriminierung von anderen, die nicht auf rechtlicher Grundlage – also jedenfalls nicht eine offiziell durch die – das muss man unterbinden, falls es illegal werden könnte. Sie sind da als Bürger gefragt. Als wehrhafte Bürger, die unsere Vorstellung von Demokratie verteidigen gegen andere Auffassungen, die Sie möglicherweise nicht verstehen.

Natürlich könnte man den Begriff auch noch wesentlich weiter fassen, das ist schon richtig. Dann hätte man viel mehr Treffer im Suchraster, und es sollte sich – wir? Wie kommen Sie denn ausgerechnet auf uns?“





Suchprävention

12 09 2012

„… dass auch ehrverletzende Assoziationen nicht in den Ergebnissen von Suchmaschinen zu finden sein dürften. Es dürfe sich ausschließlich um die reine Wahrheit handeln, die den Internetnutzern…“

„… könne das Ende der Online-Werbung bedeuten. Gerade für Rabattangebote seien die…“

„… strenge der Verband der Kreationisten Hessen-Süd e. V. eine Klage an, um sämtliche Anzeichen der Evolutionstheorie aus dem Netz zu löschen. Diese sei eine Theorie, könne also nicht als wahr bezeichnet werden und müsse deshalb…“

„… seien Kombinationen wie schäuble sudoku oder schäuble schwarzgeld schreiber theoretisch legal, da sie sich auf leistungsschutzrechtlich relevante Inhalte von Qualitätsmedien bezögen, doch dürfe man diese Zusammenhänge dem Leser nicht mehr zumuten, da sie älter als…“

„… streite sich auch mit der Bundesagentur, ob eine durch Veränderung der Berechnungskriterien zustande gekommene verringerte Arbeitslosenquote wahrer als jene Zahl vor der Änderung der statistischen Berechnungsgrundlage…“

„… zu einem Missverständnis gekommen. Statt auf Geheiß des Metropoliten Rainer Maria Kardinal Woelki sämtliche Werbung für Homosexualität zu entfernen, habe das Gericht angeordnet, Putins Gesetzgebung zu verschweigen, die Werbung für Homosexualität als illegitim behandelt und aus der Öffentlichkeit…“

„… immer unter Vorbehalt zu sehen. Dennoch fielen Videos, die mit der Angabe Quelle: Internet gezeigt würden, nicht automatisch unter den Verdacht der…“

„… zu Schwierigkeiten, da das CDU-Präsidium übersehen habe, dass sich das Internet nicht in Deutschland befinde. Von der Leyen schlage ein Verzeichnis vor, das an öffentliche Einrichtungen ausgegeben würde. Die mit einer Sperre belegten Begriffe befänden sich auf der 54.122 Seiten langen Liste, die bequem per Faxabruf…“

„… eine schwere Schlappe, dass die FDP nicht mehr mit selbst erstellten Wirtschaftsprognosen in den Landtagswahlkampf ziehen könne. Es gebe, so das Landgericht Hamburg, einen Unterschied zwischen Wahrheit und Meinungsäußerung, deren letztere nach geltender Rechtslage nicht mehr im Internet…“

„… könne dabei von einer Sonderregelung für Verschwörungstheorien profitieren. Erlaubt seien populäre Irrtümer – Bielefeld existiere nicht, die Mondlandung habe nie stattgefunden, die SPD sei eine sozialdemokratische…“

„… klar widersprochen. Uhl wisse wohl, dass Deutschland nicht von Sicherheitsexperten regiert werde, deshalb müsse die schriftliche Form dieser Aussage auch weiterhin unterdrückt…“

„… aus Gründen der Vorsicht gleich sämtliche relevanten Suchbegriffe zum NSU aus der Suchmaschine zu entfernen, da es zu kompliziert sei, die jeweils tagesaktuelle Version der Wahrheit an die erforderlichen…“

„… möglicherweise durch jahrhundertelange Versäumnisse verursacht. Bereits in gedruckten Büchern sehe er viele bewusst wahrheitswidrige Aussagen, die den Anlass für ebenso viele im Internet publizierte Lügen gäben. IM Friedrich habe den Gesetzesentwurf zur präventiven Verbrennung aller Bücher in deutschen Bibliotheken daher…“

„… wolle die CSU politische Propaganda der Linken und Grünen im Internet verbieten, da diese durch ideologische Lügen gekennzeichnet seien. Dobrindt habe deutlich gemacht, dass nur Inhalte der CDU/CSU noch in den…“

„… damit die Fahndung nach Plagiaten strengstens verboten. Koch-Mehrin habe in diesem Zusammenhang ihre Kritik erneuert, dass man ihre Dissertation im Internet verarbeitet habe, obwohl ihre Einlassungen offensichtlich falsch und…“

„… dass dieser Tage ein besonders gutes Einvernehmen zwischen von der Leyen und der SPD herrsche. Neben dem Rentenkompromiss solle auf der überparteilichen Klausurtagung auch das Wahrheitserleichterungsgesetz mit den Stimmen aller Fraktionen schnell durch den Bundestag…“

„… seien die beiden nicht wegen des Zurverfügungstellens urheberrechtlich geschützter Inhalte verurteilt worden. Durch das Einstellen von Sarrazins Machwerk hätten sie im Internet eine zielgerichtete Irreführung durch erstunkene und erlogene…“

„… handele es sich keinesfalls um Zensur, vielmehr dürfe im Internet nichts mehr geschrieben werden, was nicht als potenziell unwahr bezeichnet werden könne, so dass endlich eine umfassende Rechtssicherheit für den mündigen Bürger…“

„… wolle IM Friedrich durch das Verbot der Behauptung, der Islam gehöre zu Deutschland, sämtliche Belege dafür aus dem Netz tilgen, so dass später nicht mehr behauptet werden dürfe, der Islam gehöre zu Deutschland, da sich dann im Internet keine Beweise finden würden für die Ansicht, der Islam gehöre…“

„… sei letztlich nicht eine Frage, was geäußert, sondern eine Grundsatzentscheidung, was gedacht werden dürfe. Das Bundesverfassungsgericht weise die Klage zurück, da sich nicht umfassend klären lasse, was als wahr und was als…“

„… gegen die Stimmen des niedersächsischen CDU-Landesverbandes verabschiedet habe. Das in Hannover ansässige Wahrheitsministerium sei als erste Maßnahme für einen…“





Zum Abschuss freigegeben

23 04 2012

„Wir bräuchten da halt auch so einen Problembären, hätten Sie so etwas auf Lager? so einen wie M13? Das wäre ganz wunderbar, dann könnten die einen furchtbare Angst haben vor dem Tier, die anderen finden den süß und knuddelig, beide hauen sich den Schädel ein und wir können in der Zwischenzeit den ESM über die Bühne bringen.

Das mit dem Rederecht ist nicht optimal gelaufen. Jetzt kommt die Vorratsdatenspeicherung, die Migrantenstudie war doch erst bei der BILD, ACTA war auch so ein Flop und wir haben dieses Jahr kein EHEC. Gottschalk ist weg, Schmidt war schon weg, Lanz ist noch nicht richtig da, Heesters ist richtig aus dem Programm, Til Schweiger ist nicht ganz richtig im – lieber mit Tieren, wenn’s geht. Mit Kindern ist das in letzter Zeit immer so etwas –

À propos Vatikan, haben Sie eine Rome… ich meine Homestory von Ratzingers Geburtstag? Das lesen die Leute doch auch immer gerne, dazu eine kleine Serie: was wir von unserem Papst noch alles lernen können, paar Bilder, fertig. Macht jeder? Ist mir noch nicht aufgefallen.

Das mit der Spritpreiserhöhung ist uns leider in die Hose gegangen. Muss man schon so sagen. So eine Spritpreiserhöhung, das ist wenigstens etwas Verlässliches. Wenngleich, man weiß ja schon, dass die kommt. Aber trotzdem, das dominiert eine Woche, zwei Wochen lang die Schlagzeilen, jeder redet darüber – und dann passiert so ein blöder Fehler. Nur, weil dann irgendeiner dachte, jetzt müsse man aber ganz schnell von den Spritpreisen ablenken. Lästig.

Haben Sie sonst noch etwas mit Tieren im Programm? Pinguine? Wale? Verstehen Sie, irgendetwas, das zum Abschuss freigegeben wird. Für den schnellen, hysterischen Effekt. Haben Sie da nicht irgendeine Sache? Nicht schon wieder Eisbären! Das klingt so nach Ersatzprogramm. Außerdem wollen die Leute auch mal einen neuen Aufmacher. Irgendetwas Peppiges. Den Leguan im Baggersee haben sie doch spätestens im August wieder an der Backe.

Es liegt nur am Zeitpunkt. Wenn wir jetzt dieses verdammte Betreuungsgeld nicht durch den Bundestag kriegen, dann haben wir auch ein Problem. Die einen werden sagen, wir hätten uns irgendetwas einfallen lassen sollen, um den Quark in der Diskussion besser zu verstecken, die anderen werden meinen, wir hätten etwas Besseres als ausgerechnet das Betreuungsgeld nehmen sollen, um den ESM zu retten. Oder die Regierung. Oder die Merkel. Oder so.

Wenn es wenigstens schon Winter wäre, dann könnte man sich bei jeder Schneeflocke einzeln aufregen. Oder dass wir es diesmal erst so spät gemerkt haben. Oder sogar schon vorher hysterisch nachfragen, wann es denn nun schneit. Oder ob es überhaupt schneit, warum es nicht schneit und wer wieder das Streusalz vergessen hat. Das könnten wir sogar von der Bahn sponsern lassen – haben Sie eigentlich irgendwelche Kooperationen mit der Wirtschaft? Können wir das nicht präsentieren lassen, so kurz vor den Abendnachrichten? Oder die Sportschau? Katastrophen wären doch ein schönes Thema. Wie die Schweinegrippe. Da haben unsere Pharmahersteller ja auch ganz gut zugeschossen. Die haben bekommen? Das war mir neu.

Wie gesagt, es liegt am Zeitpunkt. Ist ja noch nicht Fußball. Oder Olympia. Wobei Fußball schon wichtiger ist. Das sind dann auch die schöneren Schlagzeilen. So richtig emotional – Deutschland in heroischer Pose, das kommt doch an! Man könnte das verbinden, meinen Sie nicht auch? nationale Katastrophe und ein wichtiges sportliches Ereignis? Meinen Sie, Ihnen fällt da etwas ein? Emotional und national und bisschen mit Angst, Angst ist ja die halbe Miete, das kommt immer hervorragend an in der – ach, der Ballack spielt gar nicht mehr in der Nationalelf? Na dann.

Oder doch irgendwie in Richtung Gesundheit. Schweinegrippe, Vogelpest, Hähnchenasthma. Kann man sich auch alles an Bären holen. Haben Sie wenigstens Vulkanausbrüche? ein Vulkanausbruch mit Aschewolken über Deutschland, so dass wir nicht mit der Nationalmannschaft nach Polen – da gibt’s eine Landbrücke? Das muss dieser Korridor sein. Ich muss mal nachfragen.

Irgendwas mit Dioxin – was, wie? Aigner hat Dioxin abgekriegt? Was die alles abkriegt, will ich gar nicht mehr wissen, aber das ist doch keine Schlagzeile! Hören Sie mal, wir haben da noch ein Vierteljahr, das wir bis zur Sommerpause – irgendetwas mit Pferden und – können Sie nicht wirklich noch einmal ganz schnell recherchieren, ob nicht ein Tsunami in der Nordsee – es gibt doch sicher irgendwo Vulkane in der Eifel, die muss man doch bloß von der Wahrscheinlichkeit her – also passen Sie auf, wir brauchen ein Gesprächsthema! Man kann doch nicht den ganzen Sommer über die ansteigenden Spritpreise –

Wie, Rösler? den Rösler!? Und Sie schaffen es auch garantiert, den jeden Tag in die Schlagzeilen zu kriegen? Bis er weg ist? Mit ESM und Vorratsdatenspeicherung? Ach so, wegen der Vorratsdatenspeicherung. Und wegen ESM. Und wenn Sie jetzt noch das Betreuungsgeld – perfekt! Ist gekauft! Wann können Sie liefern?“





Kinderspiel

17 04 2012

„… dass in der Presse Berichte über die Piraten mit Fotografien von Playmobilfiguren bebildert worden seien. Für unvorschriftsmäßig beklebte Teile sei keine rechtliche Einwilligung der…“

„… es für Pressefotografen nicht ersichtlich sei, welche Bestandteile von Parteitagen abgelichtet werden dürften. Aus markenrechtlichen Gründen weigerten sich inzwischen die Berichterstatter, die Veranstaltung der Sozialdemokraten zu besichtigen – eine Reihe von Geschmacksmustern zwischen Rot, Lila, Violett, Pink und…“

„… sich der Hersteller des koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks nicht negativ über die Partei äußere. Die Berichterstattung sei lediglich Teil der popkulturellen…“

„… monierte Alice Schwarzer, dass das Spielfigurensortiment per se sexistisch sei, da sich keinerlei Piratinnen in der…“

„… sich die SpVgg Greuther Fürth dazu entschlossen, das ehemalige Playmobil-Stadion ab sofort als Troll Arena…“

„… habe RTL II im letzten Moment reagieren können. Stephanie zu Guttenberg wolle in ihrer täglichen Crime-Show zur Warnung unschuldiger Kinder vorführen, wie leicht man sich in den Fallstricken des Urheberrechts strafbar…“

„… nach Auskunft des Familienanwalts noch mit Holzfiguren erzogen worden sein soll. Bis heute lege Brandstätter großen Wert darauf, dass der deutsche Staat nicht durch Plastikköpfe, sondern…“

„… sich die Zuschauer über den Dauereinsatz alberner, steifer Plastikpüppchen beschwerten, deren Standardposen lediglich die sinnlose und an jeder Wirklichkeit vorbeigehende Propaganda der Politikerkaste widerspiegelten. Insbesondere zeigte sich Rösler empört, dass man die FDP mit derart unbarmherzigen Vergleichen zur…“

„… seien die Hersteller von Play-BIG bereit, als offizieller Ausstatter der Piraten-Parteitage die Produktion schnell wieder…“

„… meldete die Polizei in Freiburg im Breisgau, dass das Holbeinpferd mehrmals im FDP-, Grünen- und Pippi-Langstrumpf-Look fotografiert und…“

„… sich die Brandstätter zwar ausgesprochen habe, diskriminierende Inhalte abzulehnen, dennoch die eindeutig klischeebehaftete Figur ‚Neger mit Ohrring‘ aus historischen Gründen weiterhin zu…“

„… auch zu Verwirrungen, als die 8. Klasse der Dem-Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihre-Gesamtschule im Deutschunterricht ein Gedicht von Günter Grass nachgespielt hätten. Das Brandstätter-Management beharrte auf der Auffassung, Inhalte zur politischen Meinungsäußerung seien mit den Figuren gemäß Kaufvertrag nicht…“

„… wolle sich eine Gruppierung deutscher Optiker an die Piraten wenden, ihre Produkte nicht mehr unter der Bezeichnung ‚Nerdbrille‘ zu tragen, da dies eine parteipolitische Implikation ohne finanzielle Gegenleistung…“

„… da die Brandstätter GmbH extremistische Inhalte nicht gestattet habe. Eine Hundertschaft der sächsischen Bereitschaftspolizei habe Adolf (4) und Wigalagundis (3) aus dem Kinderzimmer geholt und ihre individualisierten Spielwaren aus dem…“

„… an der Wand festgenagelt, mit Farbbeuteln beworfen und mit einer Lötlampe in Brand gesetzt worden. Die Strafanzeige des Spielwarenherstellers sei noch am selben Tag erfolgt. Der Beuys-Schüler verteidigte seine dynamische Installation temporäre systemverteidigung (Filz, Fett, schwarzer Kunstlederkoffer und Stützgerüst) mit der Freiheit der…“

„… laut Angaben der Brandstätter GmbH nicht kinderfreie Inhalte rechtlich nicht zulässig seien. Die meisten Spielfigurenverpackungen jedoch seien weder mit Kinderfiguren versehen, noch seien die gängigen Betätigungen (Rassendiskriminierung, Krieg, Wirtschaftspolitik, Tod) der westlichen Zivilisation ohne Einfluss auf minderjährige…“

„… habe eine Erweiterung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen vorgeschlagen, dass der 1. FC Glumpertsbach die Schuhe nur noch in Spielen tragen dürfe, die er siegreich für sich entscheide, da andernfalls eine empfindliche Vertragsstrafe…“

„… werde seitens der Hersteller die eigenmächtige Veränderung von Playmobil-Figuren durch Harald Schmidt nicht deswegen toleriert, weil dessen Rechtsabteilung sich den Umständen entsprechend geäußert habe. Der Produzent betrachte Schmidt als einen der bedeutendsten Kulturträger der abendländischen…“

„… lehne der Figurenproduzent kriegerische und aggressive Inhalte der Darstellung kategorisch ab. Ziercke betonte, aus Umweltschutzgründen könne man die strategischen Planungen der Polizeieinsätze in Stuttgart nicht mehr mit den traditionellen Zinnsoldaten durchführen, sondern müsse auf die…“

„… sei das Video der Kunstaktion bereits vor der documenta ins Internet gestellt worden. Die Brandstätter GmbH strenge derweil ein Verbot an, da das klappernde Geräusch der Kunststoffpüppchen eindeutig eine Verletzung des Urheberrechts…“

„… da Schmidts Fernsehsendungen nicht mit Schwerpunkt auf Kinder gerichtet seien. Im Gegensatz dazu zielten die Piraten vorwiegend auf Nichtwähler, die potenziell minderjährig und bis vor wenigen Jahrzehnten noch Kinder gewesen sein könnten, so dass eine Veröffentlichung der Fotos in Zeitschriften und Zeitungen nur vormittags…“

„… werde Dr. Harry Martin aus Solidarität solange nicht mehr mit Lego spielen, bis die Piraten sich…“

„… forderte Bundesinnenminister Friedrich ein sofortiges Verbot von Killerspielen, wozu auch die in NATO-fremden Uniformen gekleideten Soldaten der Playmobil-Armee und die…“





Sauber und ordentlich

16 04 2012

„Dass das hier alles reibungslos läuft. Dafür sind wir hier da. Sonst würde das hier ja nicht so laufen. Hier im Bundestag. Das muss alles seine Ordnung haben hier, sonst läuft das nicht.

Denn wir sind hier ja richtig am Arbeiten. Hier im Bundestag. Weil das ja einer hier tun muss. Das Arbeiten. Da darf einem nicht immer etwas in die Quere kommen. Feiertage. Oder Glühbirnen, die im unpassenden Augenblick – na, ist ja eigentlich nie der passende Augenblick, dass eine kaputtgeht. Das bringt einen dann völlig durcheinander. Wie die Feiertage. Oder diese Abgeordneten.

Dass das hier dann immer so voll ist. Da kann man gar nicht staubsaugen. Denn das muss ja auch immer alles sauber sein. Sauber und ordentlich. Und wenn die Leute, diese Parlamentarier, wenn die immer hier herumlaufen, dann kommt man nie in Ruhe zum Staubsaugen. Oder nass durchwischen auf dem Boden. Das muss man ja manchmal, auch im Bundestag. Hier setzt sich im Laufe der Jahre ja einiges ab. Der sogenannte Ausschuss. Da muss man dann von Zeit zu Zeit durchwischen, dass das wieder in Ordnung kommt. Nass durchwischen.

Wie sie den Gauck gewählt haben. Schlimm. Alles so voll hier. Wir mussten da direkt noch mal durchgehen, weil hier so betriebsfremde Personen im Bundestag waren. Private Bürgerinnen und Bürger. Ohne Befugnisse. Teilweise ohne Amt. Kommt nicht häufig vor, aber soll es noch geben. Das ist auch immer sehr störend, wenn die hier im Bundestag anwesend sind. Die Würde des Amtes wird gestört. Diese Privatbürger. Die haben sich normal benommen. Ganz normal. Die haben auch so geredet. Unfassbar. Das muss doch alles hier seine Ordnung haben. Da musste ich gleich noch mal durchwischen lassen. Feucht.

Die meisten sonst hier verhalten sich ja doch eher ganz vernünftig. Weil die das einsehen. Dass das seine Ordnung haben muss. Die stören hier auch nicht den Betriebsablauf. Das ist ja schon sehr angenehm. Die sind gar nicht mehr da. Die sind dann bei ihren Nebenjobs. Diese marktkonforme Demokratie, die macht das hier einfach. Dann kann man viel einfacher alles mal durchwischen.

Jetzt wollen sie hier zu allen Entscheidungen der Regierung noch etwas sagen. Die sitzen alle nur noch im Bundestag. Die reden da. Die lassen ihre Papiere fallen, die Stühle werden schmutzig, wir können tagsüber nicht staubsaugen, und die reden da. Man kann nicht mal Glühbirnen auswechseln. Die reden da einfach. Warum müssen die sich in alles einmischen? Haben die keine Arbeit? Ist das noch Demokratie?

Ich frage mal, wenn das hier die Volksvertretung sein soll, warum ist denn das Volk nicht hier? Soll denn das auch Rederecht bekommen? Das ist doch nicht mehr logistisch zu lösen. Hier jeden Tag ein paar Millionen Bundesbürger durch den Saal, und alle wollen sie mal, weil das Rederecht, das ist jetzt hier – das geht doch nicht. Da kann doch der Saal noch so leer sein. Das ist doch nicht vernünftig.

Demokratie ist ganz einfach. Das heißt doch, dass das Volk, also das wählt die Regierung, und dann kann der Bundestag sagen, wir machen das so, wie das Volk das will. Dann müssen sie das so machen, wie die Regierung das beschlossen hat. Dass das mit der Basisdemokratie funktioniert, das ist in Ordnung. Dann wissen die anderen, dass auf den Bundestag Verlass ist. Das braucht man doch auch in diesen schwierigen Zeiten. Dass man sich auf die Politik verlassen kann. Dass das immer alles mit rechten Dingen zugeht. Und das macht es auch gleich viel leichter für die Wähler. Und für die Regierung. Wenn man vorher weiß, dass da einer immer im Bundestag sitzt, statt zu arbeiten, dann ist man gewarnt. Dass der am Ende ein politischer Abweichler ist. Ein Diversant. Den braucht man beim nächsten Mal gar nicht mehr aufzustellen.

Dass wir wettbewerbsfähig bleiben müssen. Das sollten wir auch mal international sehen. Weil ja die Regierung, die ist in Deutschland ja alternativlos – gibt ja nur die eine. Aber so global, da sollten dann jetzt mal die Experten aus der Wirtschaft gefragt werden. Dass da mal wieder Ordnung reinkommt. Dann brauchen wir auch nicht immer die hier im Bundestag. Weil die ja den ganzen Tag woanders arbeiten. Jetzt sollten das mal die machen, die sich mit der Krise besser auskennen. Die Banken und so.

Es dient doch auch der Hygiene. Man muss das mit der Sauberkeit ja auch mal seelisch betrachten. So als Regierung. Da will man doch auch nicht immer mit Schmutz beworfen werden. Schon gar nicht von eigenen Leuten. Oder von der Opposition. Oder von denen, mit denen man bald mal in der Regierung sein könnte. Das hält doch auf Dauer die beste Demokratie nicht aus.

Das hat doch die Merkel mal gesagt, das mit der Demokratie. Dass wir kein Recht haben auf das mit der Marktwirtschaft und so. Stimmt ja auch. Hat sie ganz recht. Wenn man die Demokratie überhaupt nicht braucht, dann hält die viel länger. Hat man ja bei ihr gesehen. Vierzig Jahre lang hat die gehalten, diese demokratische Republik.

Und am Schluss wird das sowieso alles wieder durchgewischt. Feucht.“








Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 4.821 Followern an