In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCLVIII)

5 09 2015

Arulappan hat in Alang
zu teuren Gitarren ’nen Hang.
So kauft er nach Muster,
auf Gold hat oft Lust er,
jedoch kaum auf sehr guten Klang.

Wenn Melkam das Vieh zählt in Fiq,
so hilft ihr ein uralter Trick.
Das Vieh steht phlegmatisch,
jetzt wird’s mathematisch:
sie zählt jeden einzelnen Strick.

Dass Sikander sich jüngst in Dhrol
volllaufen ließ mit Alkohol,
war denen geschuldet,
die ihn nicht geduldet
im Dorfcafé beim Rock’n’Roll.

Fragiskos verlangt in Inousses
beim Krimi, das Lesen des Schlusses
gehöre verhindert.
Den Spaß er vermindert
durch Ausreißen: „Wirklich, man muss es!“

Wenn Fakhruddin sich in Indore
Gesänge anhört – meist Folklore –
schlürft er gute Weine
und sitzt ganz alleine
darüber auf seiner Empore.

Mathieu, Bäckerlehrling aus Lohn,
saß fluchend allein an der Fron,
zur Strafe fürs Gammeln
die Körnchen zu sammeln,
gar eins nach den andern vom Mohn.

Narendra, der kocht in Bharhut
und wirft viel Gewürz in den Sud.
Das Ganze riecht fruchtig,
doch wirkt es zu wuchtig.
Zum Kosten fehlt ihm nun der Mut.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCII): FKK

4 09 2015
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Allmählich lichtete sich bei ihnen der Pelz. Rrt gehörte bereits zur Generation derer, die von Kindesbeinen an Felle trugen und teilweise schon primitive Fußbekleidung, die sind von den Modellen deutscher Touristen auf den Balearen nicht sonderlich unterschieden. Ngg hatte sich aus einem Schaf und den Resten eines Säbelzahntigers den ersten Multifunktionsmehrteiler gefertigt, nicht elegant, aber zweckdienlich. Nur Uga, gemeinhin bekannt für seine etwas altmodischen Ansichten, blieb bei der Mode der Vorfahren und fror, wo sich das Frieren anbot, größtenteils bloß und nicht mit Hilfsmitteln ausgestattet. Auch im Pleistozän wurde Mode gemacht, und Uga verlor. Er rächte sich fürchterlich, denn ihm folgte der kollektive Nacktwahn, kurz: FKK.

Was frei und was Kultur ist an dem Drang, sich ohne Textilien in der halböffentlichen Sphäre zu zeigen, sei allenfalls als rhetorische Frage von Interesse, denn das Freie ist schon identifiziert als der Gegenbegriff zum bürgerlichen Muff, der in Anzug und Krawatte an den Strand ging, um sich keinen Hautkrebs zu angeln. Der Kernpunkt der Kritik, die Grenze der Ästhetik, wird so auch erst am Rande berührt, denn sofort ist die ideologische Unterfütterung zur Hand, die eine deutsche Auflehnung gegen den Uniformzwang via einer Pseudoindividualisierung durch Haut als die Errungenschaft der Moderne feiert, wo immer die Frage nach dem Sinn der Sache gestellt werden sollte. Denn – und noch immer sind die Grenzen der Ästhetik nicht das Thema – wozu zeigt der Mensch totaliter seine sterbliche Hülle? Aus soziologischen Überlegungen heraus, die Gebildete aufpfropfen, so sie keinen Widerstand riechen.

Die Hälfte der Bekloppten, die sich an einem Nacktbadestrand im Paniersand wälzen – auch sie verdienen eine Fußnote, und sei es die Differenz zwischen Fantasievorstellung und Realität – besteht aus Spannern, die für die Idee des nuden Ismus nicht besonders viel übrig haben. Die andere Hälfte verfolgt mit etlichem Ingrimm den Drang, sich zu zeigen, samt Ergebnissen der Änderungsfleischerei sowie der Tätowierindustrie. So findet eins, was das andere nicht zu hoffen wagte, und muss wohl auch aufeinander angewiesen sein.

Die Schizophrenie der ideologischen Art, sich bekleidungsfrei zu zeigen, ist noch immer im fröhlichen Spiel ersichtlich, wie es der FKK-Klan praktiziert: oben Pullover, unten freie Sicht aufs Arschgeweih. Der Genitalsozialismus macht alle Genossen gleich. Und die Grenzen der Ästhetik sind nicht einmal hier tangiert.

Wozu und zu welchem Ende entkleidet sich der Bürger und schockiert den Bourgeois? Der FKK-Feind galt und gilt als verklemmt, spieß- statt spaßbürgerlich und nicht eben ein Gegner der Dehors. Wahrscheinlich verwechselt nun der Kunstbeflissene die nackte Skulptur der Antike mit dem Zustand, den er als Ideal im Betrieb vorzufinden wünscht. Der Nudismus als Grenze der Ästhetik – hier ist sie wieder – ist nun mal kein Wunschkonzert, auch hier wird die Schwerkraft Ereignis. In der Sauna ist der Zustand der Nacktheit aus physiologischen Gründen geboten, im sandigen Gelände durchaus nicht; parallel zum körperlichen Wuchs ließ Mutter Evolution auch intellektuelles Volumen heranwachsen, und selten schwiemelte es sich eine lebensfremdere Regieanweisung hin als die physische Interaktion am Strand. Hormone waren und sind doch noch immer die besten Mittel, um ein Denkzentrum auszuknipsen.

Oder aber die Betrachtung der sozialen Folgen. Im Vollbewusstsein der Eigenpelle begeben sich entkleidete Personen ins Gesellschaftsleben und schütteln ihre Körperteile in die Gegend – sie haben es wohl nicht besser verdient. Doch jäh wankt der Normalbürger, wo ihm Nackerte im deutschen Wald entgegenstapfen. Aliens, direkt aus dem trüben Dunst einer Lichtung, machen keinen anderen Effekt und fordern im Schnitt weniger Opfer. Doch Nacktradeln und Nacktspazieren, Nacktreiten und der Einsatz in beliebiger bürgerlicher Wohnsituation, der störrische Urmensch mit seinen wenig reflektierten Erscheinungen in der angeblich liberal orientierten Gemeinschaft – wo sie denkerisch versanden, tummelt sich, was die Grenzen der Ästhetik markiert. Da sind sie. Unverkennbar.





Feindesliebe

3 09 2015

„Wie bitte, Sie wollen was!?“ „Küssen.“ „Das ist doch krank! Das ist doch absolut…“ „Haben Sie einen besseren Vorschlag?“ „Nein, aber das ist doch trotzdem total bescheuert!“ „Das weiß man immer erst hinterher. Sie können mich gerne widerlegen, aber dazu müssen wir die Tatsachen abwarten.“ „Und wenn Ihnen einer von denen gefährlich wird?“ „Wollen wir jetzt echt die komplette Ethik ausdiskutieren, die uns hier im zivilisierten Westen zur Verfügung steht?“

„Noch mal ganz langsam: Sie umarmen Nazis.“ „Das sagte ich bereits.“ „Das ist total krank.“ „Das sagten Sie bereits.“ „Und aus welcher Motivation heraus machen Sie diesen Unsinn? Feindesliebe?“ „So weit würde ich gar nicht mal gehen wollen. Aber wir können auch keine Möglichkeit auslassen, um dieser rechtsterroristischen Bedrohung zu begegnen. Man kann ja den Schulen und den Sportvereinen auch nicht alles überlassen.“ „Das leuchtet mir nicht ein.“ „Ich hatte so etwas in der Art erwartet. Wir zeigen den Nazis einfach, wie Integration funktioniert. Vielleicht lassen sie sich davon beeindrucken und revidieren ihre Einstellung zu den Flüchtlingen.“ „Wozu müssen Sie Nazis denn integrieren? Die sind doch schon Deutsche.“ „Dann hat einer von uns beiden das Konzept Integration nicht verstanden, jedenfalls hat es nur wenig mit der Staatsbürgerschaft zu tun als viel mehr mit der Stellung in der Gesellschaft.“ „Und die wollen Sie mit Liebe erzwingen?“ „Sie verstehen wirklich nichts von Integration, richtig?“

„Warum machen Sie das eigentlich?“ „Aus Angst.“ „Aha, und warum verkriechen Sie sich dann nicht und warten auf die Polizei?“ „Weil die zweitens nicht kommt und erstens mit den Nazis gerne mal befreundet ist, und ansonsten brauchen wir einfach keine Behörden, um unsere staatsbürgerlichen Pflichten zu erledigen. Das kriegen wir schon so hin.“ „Und Sie finden es einen guten Weg, dass Sie denen Ihre Angst zeigen?“ „Einer muss ja den ersten Schritt tun. Logischer wäre natürlich, die andere Seite würde anfangen und sich Gedanken machen, was sie dazu bringt, immer von Überfremdung oder Schmarotzern zu reden.“ „Das sind doch reale Ängste.“ „Deshalb verteidigt man sich gegen sie auch mit Gewalt, das klingt sinnvoll. Wenn man nicht weiß, wie stark ein Gegner ist, oder wenn man sich öffentlich als Opfer eines übermächtigen Widersachers darstellen will – immer erst mal angreifen. Eine narrensichere Methode.“

„Sie laufen dabei Gefahr, als Gutmenschen bezeichnet zu werden.“ „Das passiert auch, wenn wir eine Gegendemonstration veranstalteten und mit Mitgabeln auf Nazis losgingen. Genau deshalb wollen wir auch nicht die Haltung ändern, weil wir das gar nicht können oder wollen. Sondern nur das Verhalten.“ „Und das führt zur Verhaltensänderung auf der Gegenseite?“ „Genau das werden wir herausfinden.“

„Nach allem, was Sie hier erzählen, müssten Sie die Nazis eher auf die Therapiecouch legen.“ „Gerne, wenn Sie mir verraten, wie man das gegen ihren Willen bewerkstelligt.“ „Sie wollen Ängste auflösen, und das macht man am besten mit therapeutischen Mitteln.“ „Wir könnten natürlich auch den öffentlichen Alkoholausschank in die Hand nehmen und sie so lange unter Bier setzen, bis sie kampfunfähig sind.“ „Die Angst vor Veränderung nehmen Sie denen aber damit nicht.“ „Aber wir können ihnen zeigen, dass sie mit ihren Ängsten nicht alleine sind. Einem kleinen Kind werden Sie auch nicht sofort beibringen können, dass in Wirklichkeit gar keine Monster unter dem Bett sind, aber Sie können ihm vermitteln, dass es mit seinen Ängsten nicht alleine ist. Im Gegensatz zu den Nazis kapieren es Kinder irgendwann, weil bei ihnen ein Reifeprozess einsetzt, der rationale von den irrationalen Ängsten unterscheiden lässt.“

„Ich glaube nicht, dass sich das machen lässt.“ „Sie bezeichnen sich ja inzwischen auch schon als das, als was sie in der Öffentlichkeit hingestellt werden: als Pack. Höchste Zeit für integrative Maßnahmen.“ „Wenn sie sich als Pack bezeichnen, dann ist doch bereits jeder Hoffnung auf Integration vergebens.“ „Das würde ich nicht sagen. Wir dürfen uns nur nicht mehr so viel Zeit nehmen, über immer neue Lösungswege und Strategien nachzudenken, sondern wir müssen jetzt endlich tätig werden.“ „Indem Sie Faschisten küssen, wo Sie sie treffen.“ „Sonst ändert sich ja nie etwas.“ „Und dieser Überrumpelungstaktik schreiben Sie Erfolg zu?“ „Das werden wir sehen. Seine Feinde zu umarmen ist immer noch eins der probatesten Mittel, um sie kampfunfähig zu machen.“ „Gut, dann wünsche ich Ihnen einen erfolgreichen… – Was ist das denn, ein Baseballschläger?“ „Man weiß ja nie.“





Negerl

2 09 2015

„Schwarzer. Schwar-zer! Fein, und jetzt noch mal im ganzen Satz: Dies ist ein Schwarzer. Sehr gut, Herr Innenminister! Jetzt lesen wir uns noch mal die Presseerklärung durch, und dann spielen wir zusammen Interview, gell?

Ja, Sie lachen – aber an uns bleibt das regelmäßig hängen. Bei dem Terminkalender, bei der Häufung von Talkshows und Pressekonferenzen und Podiumsdiskussionen, da würden Ihnen auch die Ohren qualmen. Er hat ja schon früher was am Kopf gehabt, aber seitdem er damals mit dem Bagger umgekippt ist, Herrschaftszeiten! Schlimm!

Machen wir die Übung mit den christsozialen Vokabeln zur Sicherheit noch mal, Herr Minister: Arbeitslose. Ar-beits-lo-se! Fein, und jetzt im… Herr Minister, was habe ich Ihnen beigebracht? Das sind keine Schmarotzer, das sind Ar-beits-lo-se, und in der sozialen Hängematte liegt auch keiner, ja? Das ist mir jetzt völlig egal, das trainieren wir noch mal: Ar-beits-lo-se! Ar-beits-lo-se! Ich will das im ganzen Satz hören, und bitte: In Deutschland gibt es mehr Arbeitslose als Arbeitsplätze. Das ist jetzt im Moment egal, ob Sie diesen Satz irgendwann mal öffentlich äußern werden, vermutlich gleich nach der nächsten Landtagswahl und unmittelbar vor dem Ende Ihrer Karriere, Herr Minister, aber deshalb sprechen Sie den jetzt trotzdem noch mal nach: In Deutschland gibt es mehr Arbeitslose als Arbeitsplätze. Na also, geht doch!

Die meisten von uns hier haben einen sozialpädagogischen Hintergrund – wir kümmern uns gezielt bei den Integrationsmaßnahmen, die er braucht, um in einer bürgerlichen Gesellschaft Fuß zu fassen. Von der Herkunft her ist das ja eher so ein archaischer Volksstamm, der säuft und sich prügelt und von der Leiter fällt. Und dann kommen da auf einmal chinesische Investoren, sehen unser schönes Bayernland, und dann hören sie, wie einer aus der Regierung sie öffentlich als Schlitzaugen bezeichnet. Da wäre ich auch nicht begeistert.

Jetzt habe ich ihn wieder getriggert – aus, Herr Minister, aus! Das sind keine Schlitzaugen, das sind Chinesen. Chi-ne-sen! Und Ja-pa-ner! Ko-re-a-ner! Nein, das sind keine Schlitzaugen, das will ich ab sofort nicht mehr hören! Und die sehen auch nicht alle gleich aus! Zefix noch mal!

Gut, dass es keinen bayerischen Außenminister gibt, das würde er ja zu gerne auch noch machen. Aber allein diese lettische Wirtschaftsdelegation neulich – alle als Russkis angepöbelt, und dann hat er irgendwann nicht mehr die Kurve gekriegt, und dann hat er gebrüllt, diese Polackenschweine sollten mal sehen, und der nächste Krieg käme bestimmt, und so weiter. Wir haben die gerade noch so beruhigen können, weil sie ja wüssten, unter vier Promille ist der Mann nicht zurechnungsfähig, und darüber eigentlich auch nicht, aber das merkt meistens keiner mehr. Äußerste schwierig. Bevor die Delegationsleiterin fliehen konnte, hat er sie noch als Bolschewikenschlampe tituliert, aber das hat außer mir hoffentlich keiner gehört.

Inzwischen haben wir für ihn sogar ein Kriseninterventionsteam eingerichtet. Das ist auch Teil der Schadensbegrenzungskommission, aber die arbeiten halt noch spezifischer auf einzelne Anlässe hin. Neulich hatten wir zum Beispiel einen neuen Abteilungsleiter. Schon sehr speziell, würde ich sagen. Sein Sohn ist schwul, er selbst Protestant. Das ist jetzt für eine dörfliche Struktur mit sechs bis acht Jahrhunderten Inzucht, wo man Abtreibung in Tateinheit mit Verbrennung der Mutter ausdrücklich befürwortet, wenn die Leibesfrucht ein Mädchen und rothaarig zu werden droht, also für solche Verhältnisse ist das nicht ganz unproblematisch. Wir haben vierzehn Tage lang jede frei Minute mit ihm herumtherapiert, und das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen. Mit Tourette hat man sich zwar besser im Griff, aber wenn man jetzt mit Kügelchen aus Silberpapier auf ihn wirft, ist er schlagartig ruhig. Interessant, nicht wahr?

So, Herr Minister, dann haben wir hier noch die vorbereiteten Pressestatements, Sie können gerne mal gegenlesen. Roma, ja? Ich habe es Ihnen zur Vorsicht noch einmal unterstrichen. Ro-ma. Und jetzt reißen Sie sich bitte mal am Riemen, ich möchte nicht wieder so ein Theater haben wie neulich, als wir zum Botschafter mussten wegen der Sache mit den Kümmeltürken. Das lernen Sie jetzt Wort für Wort auswendig, und wenn wir damit fertig sind, kriegen Sie den nächsten Job vorgelegt.

Wir machen das ja auch gerne, wissen Sie, man möchte sich doch für sein Land einsetzen, und in diesen Tagen ist es um so wichtiger, dass wir die zwischenmenschlichen Konflikte gleich im Ansatz lösen und friedlich miteinander umgehen, um eine Verständigung auf Augenhöhe zu erreichen. Man kann ja ruhig unterschiedlicher Meinung sein, das gebe ich gerne zu, aber wir brauchen doch eine Gesprächsgrundlage, auf der wir alle vernünftig miteinander umgehen können, nicht wahr? Wenn wir eins aus unserer Geschichte gelernt haben sollten, dann doch wohl das. Die Einigkeit macht uns stark, und wenn man auf Geschlossenheit vertrauen kann, dann kann man sich auch den großen Herausforderungen der Zukunft stellen.

Nächste Woche muss er nach Berlin, zur Kanzlerin. Da steht’s Knopf auf Spitz. Wenn er da wieder mit den Saupreußen anfängt – nicht auszudenken!“





Rustikale Folklore

1 09 2015

„… immer mehr Städte von Anschlägen betroffen seien. Die Ausschreitungen könnten zwar einzeln als besorgniserregend betrachtet werden, so de Maizière, dürften allerdings in ihrer Gesamtheit nicht mehr als eine kleinere…“

„… es sich nicht in allen Fällen um Brandsätze gehandelt habe. So sei im Fall der Synagoge Koblenz lediglich ein Schweinekopf…“

„… wolle das Land Sachsen nicht wegen eines knappen Dutzend Mordanschlägen polizeiliche Maßnahmen ergreifen, dazu seien nicht genug…“

„… auch im Falle des Münchener Brandanschlags mit der vollen Härte des Rechtsstaates gegen die Straftäter vorgehen. Derzeit sei aber noch nicht geklärt, ob es sich bei den Tätern um rechtsradikale oder islamistische Personenkreise handle, weshalb eine Ermittlung in alle Richtungen auch als nicht sinnvoll…“

„… bereits jetzt die Kanzlerin zu Wort gemeldet habe. Merkel habe die Brandanschläge als schändlich und schlecht für Deutschland bezeichnet, wolle aber in Zukunft nicht weniger intensiv für den Euro…“

„… keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit den PEGIDA-Demonstrationen, da diese an den letzten Anschlagsorten überhaupt keine…“

„… ein vorwiegend ostdeutsches Phänomen. Die Brandanschläge von Duisburg, Bremen, Mainz, Ulm, Paderborn und Bad Nauheim könne man lediglich als Einzelfälle…“

„… den Bundespräsidenten schwer erschüttert habe. Dies, so Gauck, sei nicht sein Deutschland; seine Landsleute zündeten Asylbewerberheime an, möglicherweise auch Häuser, die sie dafür hielten, aber doch niemals würden sie…“

„… den Brandanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum angesichts der deutschen Geschichte nur als die Tat von geistig Verwirrten betrachten könne. De Maizière sehe daher keine Veranlassung, bei Straftaten offenbar mental geschädigter Personen gleich einen politischen Hintergrund zu…“

„… auch keinen zeitlichen Zusammenhang mit PEGIDA herstellen wolle, da die Protestmärsche schon seit Monaten keinerlei Resonanz in der Normalbevölkerung…“

„… bei einem Brandanschlag auf das Jüdische Krankenhaus einen Hilfsarbeiter lebensgefährlich verletzt hätten. Da es sich um einen aus Syrien stammenden Flüchtling gehandelt habe, könne man von einem geringen Schaden für die…“

„… die auf frischer Tat ertappten Brandstifter als ‚Faschistenbande‘ bezeichnet habe. Leider sei dadurch viel Vertrauen zwischen den verirrten Bundesbürgern und der Regierung zerstört worden, das auch durch intensiven Dialog nicht mehr…“

„… die übergroße Mehrheit der Deutschen sich gegen jede Art von Brandanschlägen ausspreche. Seehofer vertrete daher die Meinung, dass es sich um eine Minderheit handeln müsse, die man einfach nicht zur Kenntnis…“

„… habe man beim Anschlag auf das Offenbacher Haus versehentlich einen Schaden durch spontane Selbstentzündung angenommen und keine Korrelation mit den Hakenkreuzen gesehen, da diese sich in einer Nebenstraße des…“

„… sich de Maizière dafür einsetzen wolle, dass nur noch Personen aus dem christlich-jüdischen Kulturkreis einwandern dürften, um die deutsche Leitkultur nicht über Gebühr zu…“

„… mehrheitlich bestätigt hätten, sie seien keine Nazis. Man dürfe sie deshalb auch nicht als Rechtsradikale behandeln, sondern müsse sich intensiv mit ihnen…“

„… habe Vizekanzler Gabriel im Brennpunkt bekannt gegeben, er werde den Ort des nächsten, spätestens des übernächsten Anschlags zeitnah…“

„… nicht überbewerten dürfe. Es habe über weite Strecken der vergangenen Jahrtausende ein friedliches Einvernehmen gegeben, dennoch seien die Auseinandersetzungen letztlich nie mehr als eine Art von rustikaler Folklore, wie sie zum Beispiel Halbstarke am Vorabend des…“

„… ein Ende des unwürdigen Spektakels fordere. Als Lobbyist mehrerer deutscher Versicherungskonzerne könne Westerwelle der fortwährenden Sachbeschädigung, die Leistungsgewährung in Millionenhöhe nach sich zögen, auf keinen Fall mehr die…“

„… sich Ortszirkel der Kleinpartei Die Rechte in allen von Synagogenbränden betroffenen Gemeinden befänden. Da der Generalbundesanwalt bisher allerdings nicht wisse, ob die Parteigründung vor oder nach den Anschlägen…“





Eigenleistung

31 08 2015

„Dann müssten Sie aber noch Chemieklos mit anliefern. Wir hatten ja gar nichts. Also bis heute. Kein Wasseranschluss, kein Strom, Türschlösser lohnen noch nicht, Sie wissen es doch – das soll hier zwar irgendwann mal der Hauptstadtflughafen gewesen geworden sein, aber für Flüchtlinge!? No way!

Das wird nicht nur extrem schwierig, das ist total unmöglich. Einerseits ist das hier noch Monate entfernt von etwas, das man Rohbau nennen kann, und dann müssen Sie sich klarmachen, die Leute sind nicht nach Europa geflohen, um hier gleich den nächsten Bürgerkrieg auszubaden. Das geht doch gar nicht. Die Heizungen stehen irgendwo im Zwischengeschoss, dafür sind die Heizkörper gar nicht erst angeliefert worden. Okay, Thermostate hängen schon an den Wänden, die Schächte für die Leitungen sind verputzt, und irgendwann werden die Leitungen dann auch mal gelegt. Muss nur noch mal alles aufgestemmt werden, Kabel in die Schlitze, und dann kann der Winter kommen. Alles paletti, oder?

Wie stellen Sie sich das vor? Ach so, Zelte. Ja, kann man schon machen. Aber auch nur bis Ende September, dann soll’s ja wieder kälter werden in der Lobby, und dann regnet es möglicherweise durchs Dach, und ab November kann es in Berlin-Brandenburg auch schneien – wussten Sie nicht? hatte den Architekten auch nicht interessiert – und dann müssten wir hier das Dach mit Planen abdichten, natürlich von innen, weil von außen wär’s ja sinnvoll und zu bezahlen, deshalb machen wir das nur provisorisch und wundern uns dann, dass die Folie unter dem Wasserdruck reißt. Doch, das muss wirklich so. Logische Konsequenzen und sinnvolles Handeln würden sich klar dem Ensemble widersetzen, meint unsere Bauingenieurin, da können wir nichts machen. Nichts Wirksames.

Also Sie mieten das ganze Areal? langfristig? Dann müssten Sie der Bundesregierung aber bitte mitteilen, dass sie ihre Außenpolitik ein bisschen modifiziert. Waffenlieferungen in Krisengebiete sind zwar gut für die Exportwirtschaft, und wir würden uns der daraus resultierenden Flüchtlinge auch sehr gerne annehmen, aber Ihnen muss auch klar sein, bis 2030 oder so muss die Lage geklärt sein. Ein paar Monate könnte man den Start des Flughafens hier noch verzögern – dann suchen wir die Bedienungsanleitungen für die Rauchmelder oder uns fällt ganz plötzlich ein, dass die Versorgungsgänge drei Zentimeter zu eng sind für die Reinigungsmaschinen, dann bauen wir das Tiefgeschoss halt doch noch mal ganz neu, für die fünfundzwanzig Milliarden hatte Dobrindt extra die Autobahnmaut erfunden – aber irgendwann muss man auch mal an die eigentliche Bestimmung des Flughafens denken. Als Bauruine? Das sagen Sie!

Ich würde Ihnen vorschlagen, dass Sie erstmal drei- bis viertausend Personen vorbeibringen, so als Probedurchlauf, und dann gucken wir mal, wie wir das Ding an besten füllen. Fläche gibt’s ja genug. Verpflegung kriegen wir hin, das wird meistens als erstes gebaut – man will sich als Bauleiter auch nicht immer Stulle mitbringen, da ist so eine warme Suppe zwischendurch ganz angenehm. Das mit der Beleuchtung, vielleicht könnten wir da Hilfe zur Selbsthilfe anwenden. Ein paar von den Leuten haben doch in ihrer Heimat bestimmt als Elektriker gearbeitet, denen drücken Sie eine Zange und einen Schraubendreher in die Hand, Kabel werden angeliefert, und dann machen die Jungs sich das hier gemütlich. Der Steuerzahler wird bestimmt nichts dagegen haben, dass unsere Gäste sich mit Eigenleistung an ihren Kosten beteiligen.

Ach, der Brandschutz? Das entzog sich bisher meiner Kenntnis, ich muss mal eben – das war in den Nachrichten? Und deshalb ist der Flughafen überhaupt auch noch nicht… Ja, wir haben keinen. Das heißt, wir haben einen, aber wenn der funktionieren würde, wäre er für den Flughafen zu klein. Oder der Flughafen für den Brandschutz zu groß. Aber gucken Sie, es wird doch nicht gleich alles brennen hier, malen Sie doch den Teufel nicht an die Wand. Sie könnten doch eine Hundertschaft hier einquartieren. Oder zwei. Wenn hier wieder kriminelle Inländer irgendwas anzünden wollen, dann ist die Polizei gleich zur Stelle und kann sofort mit der Strafverfolgung beginnen. Haben Sie nicht? keine Hundertschaft? Wie wär’s denn dann mit ein paar Videokameras? Wenn man der Innenpolitik der vergangenen Jahre glauben darf, dann machen die Dinger doch alles absolut sicher.

Wenn alles nach Plan läuft, schaffen wir hier auch ein paar Arbeitsplätze für Deutsche. Einige Jobs für Unqualifizierte sollten sich doch finden lassen, das entlastet dann auch den sächsischen Sozialhaushalt. Aber schicken Sie uns gerne ein paar besorgte Bürger vorbei. Die können hier demonstrieren, bis sie schwarz werden. Wir haben genug Platz, und ein paar mehr oder weniger fallen hier auch nicht auf.“





Merkwürdige Nachricht von einem abscheulichen Drachen

30 08 2015

Die Stadt erwacht. Was tut sich dort am Himmel?
Jäh schreit das Volk, erblickt den wilden Drachen,
will sich in Angst und Aufruhr fort schon machen
und lauscht der Glocken kärglichem Gebimmel.

Nur manche merken nichts von dem Getümmel.
Ob Feuer gleich in ihre Häuser krachen,
sie sehen’s nicht. Man will den Rest verlachen,
der kopflos irrt durch Nacht, Rauch und Gewimmel.

Der eine sieht, der andre lässt sich täuschen,
weiß mehr und wenig, wie in tiefen Räuschen
das Wahrheit wird, das ganz aus Phänomenen.

Man nimmt nur wahr, das Wahre bleibt verborgen.
Wir schauen heute nicht, was dann schon morgen
geschieht, und doch: allein, wer sieht, kann wähnen.








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