Vorhandene Datenlage

25 09 2017

„Dann könnten wir vielleicht irgendwas über diesen Bürgermeister schreiben.“ „Welchen?“ „Der immer falsch parkt.“ „Das interessiert die Leute!“ „Aber ist das wichtig?“ „Könnte schwierig sein, da eine passende Werbung zu finden.“ „Können wir’s nicht erstmal im Printteil…“ „Nein, raus.“

„Also dann dieses Flugzeug.“ „Ah, gute Idee!“ „Das interessiert die Leute!“ „Kann man eine halbe Spalte mit Bildern…“ „Oder über zwei Spalten, und dann machen wir hier eine größere Headline.“ „Die Debatte wurde doch aber schon geführt?“ „Aber jetzt ist das Ding hier, und keiner fühlt sich dafür zuständig.“ „Es geht ja um Geldverschwendung.“ „Das ist bei Geschichte nun mal so.“ „Aber dann muss man das doch nicht so in den Fokus rücken.“ „Die Geschichte?“ „Nein, aber…“ „Jedenfalls sind die Bilder sehr schön.“ „Gut, eine halbe Seite.“

„Sind Sie schon fertig?“ „Wir haben erst die Seite hier, und da ist Werbung.“ „Ist das alles?“ „Wie, wir haben doch gerade erst…“ „Eine Anzeige ist doch nicht genug, hat da kein anderer Kunde inseriert?“ „Ach so.“ „Müssen Sie mal nachfragen.“ „Wir haben hier noch eine Story, wie ein Mann von einem Hund…“ „Wenn er den Hund beißt, nehmen Sie’s rein.“ „Also ist das…“ „Ich bin gleich wieder hier, legen Sie gefälligst einen Zahn zu.“

„Eier werden auch wieder zurückgerufen.“ „Ist das nicht schon Wirtschaftsteil?“ „Eigentlich ja.“ „Interessiert das die Leute?“ „Es betrifft sie doch schließlich alle.“ „Eben, und das ganz abgesehen von der sozialen Stellung.“ „Eigentlich eine gute Meldung.“ „Hoher Nachrichtenwert.“ „Ich finde, dass das die Menschen irgendwie sensibilisiert.“ „Schön, dass wir mal darüber gesprochen haben.“ „Also ja?“ „Haben Sie noch irgendwelche Fotos von Hühnern?“ „Die sind doch schnell besorgt.“ „Dann nehmen wir das in die linke Spalte.“

„Hier haben wir noch einen sehr schönen Unfall in Mecklenburg-Vorpommern.“ „Wie viele?“ „Was?“ „Na, Tote.“ „Wieso Tote?“ „Weil das die Leute sonst nicht interessiert.“ „Man muss doch auch mal etwas schreiben, was den Leuten…“ „Das lassen Sie mal nicht den Herausgeber mitkriegen.“ „Es war ein Laster mit Bauteilen für eine Windkraftanlage.“ „Sehen Sie? Nur, weil diese Ökospinner überall Windkraftanlagen in die Landschaft klatschen, haben wir schwerste Unfälle auf Deutschlands Autobahnen.“ „Das war auf einer Landstraße.“ „Noch schlimmer, da kriegen wir ja nicht mal gruselige Bilder.“ „Also die Leute interessiert das schon mal nicht.“ „Denke ich auch.“ „Haben wir sonst irgendwas mit Unfällen?“ „Nur lokal.“ „Keine Autobahnen.“ „Schlimm. Ich meine, man kann sich die Nachrichten doch nicht aus den Rippen schneiden, oder?“

„War da vor ein paar Tagen nicht mal was mit Nachtflugverbot?“ „Nicht, dass ich wüsste.“ „Das interessiert die Leute auch nicht.“ „Höchstens die, die da wohnen.“ „Aber das muss man doch nicht in der Zeitung schreiben?“ „Kommt darauf auf.“ „Auf was?“ „Wollen Sie eine Meinung präzise abbilden, oder wollen Sie ein…“ „Jetzt theoretisiert er wieder.“ „Meine Güte, wir wollen doch nur einen vernünftigen Artikel, halbe Spalte, gerne mit Bild und Infokasten!“ „Wir machen das mit den Eiern, aber größer.“ „Wirkt das?“ „Die Anzeigenabteilung ist ja auch noch nicht durch.“

„Hatten wir wenigstens schon eine Schlägerei auf dem Oktoberfest?“ „Heute?“ „Kann auch gestern gewesen sein.“ „Das ist auch Wirtschaft.“ „Sehr witzig!“ „Dann schreiben Sie es doch.“ „Wir haben ja gar keine Meldung.“ „Aber man kann doch davon ausgehen, dass die diesjährigen Besucher sich nicht anders verhalten als die Besucher vom vergangenen Jahr.“ „Voraussagender Journalismus? das wäre mir ja neu.“ „Wir können doch aus der vorhandenen Datenlage einiges extrapolieren und müssen nicht immer auf neue Nachrichten warten.“ „Hat das möglicherweise mit dem Interesse der Leute zu tun?“ „Mit Interessen schon, aber man weiß nicht immer so genau, mit wessen.“ „War da sonst irgendwas mit Fußball?“ „Sie wollen jetzt diesen anderen Flughafen in Berlin doch wieder.“ „Welchen anderen?“ „Den alten.“ „Das interessiert die Leute aber nicht.“ „Dann war da vielleicht doch irgendwas mit Fußball.“

„Der Chef ruft gerade durch, ob wir schon fertig sind.“ „Wir haben doch noch das mit dem Hund.“ „Wir haben da auch noch diese Frau, die Katzenkostüme näht.“ „Noch haben wir keinen Karneval.“ „Nein, Sie verstehen das falsch. Sie näht Kostüme für Katzen.“ „Das ist natürlich etwas anderes.“ „Haben Sie da Bilder?“ „Ich glaube…“ „Die Anzeigenabteilung hat auch schon etwas geschickt.“ „… das interessiert die Leute!“ „Und ich werde auf jeden Fall mal nachschauen, ob wir das nicht schon mal hatten.“ „Kann man aber noch mal bringen.“ „Gut, ich hätte auch nichts dagegen.“ „Wollen Sie es gleich rüberschicken?“ „Na, wie sieht’s aus?“ „Wir sind gleich fertig.“ „Alles, was seit gestern passiert ist? Haben wir nicht mehr?“ „Man muss auf die gesellschaftliche Relevanz achten.“ „Und ob es die Leute…“ „Außerdem den Aspekt der Transparenz nicht negieren.“ „Der Leser möchte heute Hintergründe, und die Geschichte soll trotzdem einen echten Nachrichtenwert haben.“ „Gut, und das haben Sie?“ „Wir sind sehr zufrieden, Chef.“ „Klare Aussagen. Alles, was man wissen muss, um unsere Welt zu verstehen. So soll unsere Zeitung sein. Weiter so!“

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Der Große Sprung

24 09 2017

für Bert Brecht

Vor vielen Jahren gab man jenen Leuten,
die sonst mit Fisch und Reis die andern nähren,
die Order, dass sie sich im Ungefähren
die Zukunft in der Stahlfabrik erbeuten.

Zunächst war’s so, dass sich die Massen freuten;
sie konnten noch vom Vorrat etwas zehren,
und dann begann sich alles zu verkehren.
Dann kam der Tag, wo sie es nur bereuten.

Sie hungerten; Fabriken gab es nicht,
denn keiner wusste, wie man diese baute,
schon gar nicht einer, der davon nur spricht.

Dann starben sie, denn der Versuch misslang,
und starb auch, worauf man bislang vertraute:
die Menschheit zieht, man weiß, an einem Strang.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCLXI)

23 09 2017

Zuerst zeigt sich damit in Geiger
beim Uhrenkauf mutig. Die Zeiger
sind schließlich doch teuer
und ihm nicht geheuer.
Beim Preis wird er nun immer feiger.

Da Geworg beim Schleifen in Artik
das Messer zunächst fand noch schartig,
so ließ er alleine
den Schleife am Steine.
„Zwei Stündchen noch, so lange wart ich.“

Man munkelte, Ante aus Kastern
sei nur bekannt wegen viel Lastern.
Doch riss bei dem Sünder
man bald auf die Münder,
er fährt Steine, alles zu pflastern.

Dass Olov am Flüsschen in Angelstad
zwar sitzt, doch mitnichten ’ne Angel hat,
wird manchen erstaunen,
doch hört man auch raunen,
dass dort quasi jeder ’nen Mangel hat.

Man hörte bei Stanko in Sgraden,
die Gäste, die stören beim Baden
nicht Frösche noch Fische,
des Nutzwassers Frische,
sie mögen im Teich keine Maden.

„Sobald ich“, sagt Žarko in Bar,
„am Morgen zum Arbeitsplatz fahr,
ist mir nicht geheuer,
ich sehe nur Schleier –
am Mittag bin ich nüchtern, klar.“

Dass Igor im Amt von Mumpadern
bei Auswahl und Einsatz von Kadern
nicht Leistung beachtet,
lässt diesen umnachtet.
Er muss nun dabei ständig hadern.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXXXVII): Alles gut

22 09 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Vermutlich hat es einen namenlosen Deppen getroffen, der mit dem Brezelkorb über den Markt gestolpert kam und nichts Besseres zu tun hatte, als den Prinzen vollzukrümeln. Der Brezelknecht war ein welterfahrener Mann, gediegen grobschlächtig und kaum mit bloßer Hand zu bändigen, der Typ mit den manikürten Griffeln jedoch standestypisch als Weichei sozialisiert, nicht mit der Ausübung von Macht vertraut und dementsprechend neben der Spur. Herr und Diener scheint’s tauschen die Rollen auf der Kampfbahn, der Fürst klaubt sich Brosamen aus dem Hermelin, während seine Knie wie Lurchlaich wabbern, und mit Bibber in der Stimme wanzt er die Mehlmütze an: alles gut. Alles, alles gut. Nie war eine Deeskalation beknackter, so fehl am Platz wie hier, so wertlos, kontraproduktiv und für die Tonne.

Nichts ist gut. Denn keiner würde im Ernst behaupten, diese kindische Sprachausstanzung sei auch nur ansatzweise Sympathieträger und nicht der Marker der drohende Katastrophe, kurz bevor der Stillstand der Dinge sich wieder in Wohlgefallen löst. Alles klar, alles paletti, kann man machen, aber gut war noch nie etwas, schon gar nicht im engeren Sinn, und mit scheinbar beschwörendem Gestus, dabei doch inwendig voller Schreckgespenstern windet sich das Ding eine prästabile Harmonie aus dem Hinterausgang, wo und wie auch immer sich die Gelegenheit dazu ergibt nach dem Urknall.

Die hündische Ergebenheitsformel, die aus den therapieverschwiemelten Schimmelhirnen schwappt, spiegelt die neoliberal konditionierte Not in den Köpfe der Mehrheit. Wer auf der Sonnenseite hockt, kann die Regeln bestimmen und seine schlechte Laune zum Maßstab der Bewertung machen; wer dagegen zur Renditensicherung täglich buckelt, der hat die Kröten zu schlucken, und nichts wird diesen Konsens der Knallfrösche je in Frage stellen. Gutsherrenmentalität bestimmt die zur Dienstleistung degenerierte Masse. Wer da an Häubchen oder Uniform, kurz: an schnöder Erwerbstätigkeit zu mutmaßlich spätrömischem Salär erkennbar ist, hat keine Ansprüche zu stellen, auch wenn ihm der Gast aus Langeweile in die Suppe haart.

Früher, als es noch eine Gesellschaft gab, die diesen Namen auch verdiente, erkannte man den echten Herren daran, dass er aus Verantwortung die Diener mit Achtung behandelte, heute, da nur mehr feucht-völkischer Sott und intellektuelle Pausenclowns die Freiräume besiedeln, besudeln ihre degenerierten Sprösslinge die Lücken. Joviales Gepopel lässt der Adel linker Hand auf die anderen nieder: alles gut, der Domestike soll sich nicht so haben, er stört unser ff. Dasein. Wie glitschig auch immer das über die echte Menschheit hinweggeht, es ist eine Waffe, die die Schnöselschicht erst an den Bediensteten ausprobiert hat, um sie dann wieder für sich zu reklamieren.

Von beiden Seiten also wird in restringiertem Code die deppenkompatible Losung in die Runde gekleckert, wenigstens die Hoffnung nicht gleich aufzugeben, nicht ganz, nicht nachhaltig. Was auch immer sich an Konflikt aus dem Dunst kristallisiert, ist per se falsch, denn es kann ja nicht alles gut sein, was sich entwickelt – das Bessere, weiß der Dialektiker, muss ein Feind des Guten sein, das wie in einer fatalen Kettenreaktion die esoterischen Selbstheiler auf den Plan ruft, sich mit planlosen Deeskalationen einen Trampelpfad durchs Dunkel zu schlagen. Wir denken wie die Säuglinge, deren zeitlich-räumliche Perspektive erfreulich eng an der Innenseite der Kalotte haftet, handeln entsprechend infantil und wundern uns über die Verbindlichkeit der verbalen Nullstellen, als würde die Realität gar nicht mehr zählen. Funfact: sie tut’s auch nicht.

Hat der durchschnittliche Sprechblasebalg der postfaktischen Gesellschaft den Zusammenhang zwischen Handlung und Konsequenz erst einmal erfolgreich verdrängt, dann geht es eigentlich. Dann, nur dann ist alles gut. Vorher aber ist die Multifunktionsworthülse aus der Ja-hallo-erstmal-Tube nichts als ein Schuldeingeständnis, dass die ganze existenzielle Auseinandersetzung nicht viel mehr ist als die Bewegung heißer Luft im Kreis um einen zwanghaft gedachten Mittelpunkt. Nichts ist gut, was ist, und ist etwas, wie soll einer überhaupt beurteilen, ob es für den anderen gut sein könnte? Schon während der billigen Alltagssituation braut sich hinter einer Verschwörung schon die nächste zusammen, möglicherweise ist es auch keine gute Wahl gewesen, gerade jetzt zu lesen, aber zack! ist alles Schicksal, und wer will das beurteilen?

Nein, das ist nicht der Flow, mit dem die ganze Welt in Richtung Flussabwärts murmelt, und mit etwas Glück wird es auch nie Dialekt. Dann befleißigte sich jeder einer offenen Sprache in gewaltfreier Kommunikation, hörte mit vier bis acht Ohren auf die Intentionen, hielte seine Klappe, wenn er nichts zu sagen hätte. Alles wäre gut.





Fossile Brennstoffe

21 09 2017

„… damit gerechnet habe, dass Schäuble sein Amt als Bundesfinanzminister nach Vollendung seines 75. Lebensjahres nicht mehr…“

„… damit rechnen müsse, dass sich jüngere Wähler von der Union abwenden würden. Die Altersgruppe der 60-Jährigen würde Ströbele und Gysi als wesentlich vitaler im Vergleich zu…“

„… sich nicht sicher sei, ob er nochmals den Parteivorsitz übernehmen wolle. Die CDU habe nach eigenen Aussagen zeitnah alle Spuren einer Beteiligung an den Spenden in den…“

„… einen Werbevertrag angeboten habe. Dass Schäuble den Zementhersteller in einer dreijährigen Dauerkampagne als Graue Eminenz verkörpern wolle, sei allgemein auf große…“

„… eine Zweitkarriere als Altersvorsitzender des Deutschen Bundestages ins Auge fasse. Sollte die AfD ab 2021 noch dem Parlament angehören, werde er durch kontinuierlichen Rechtsrutsch auch in den Bereich des…“

„… die Stiftung Deutsches Mittelalter nicht über die Antwort sprechen wolle, die ihnen der ehemalige Bundesinnenminister auf die Anfrage einer…“

„… nicht geklärt worden sei, ob er sich als Bundesvorsitzender der Stiftung Demenz und Politik zur Verfügung stellen wolle. Die Institution habe er zwar mehrmals mit größeren Beträgen unterstützen wollen, es sei aber fast immer…“

„… aus verschiedenen Gründen für die fossilen Brennstoffe einsetzen könne, die er während ihrer Entstehung selbst noch…“

„… Rabatte der Bundestagsverwaltung nicht nach Erreichen einer jeweiligen Altersgrenze, sondern kumulativ gewährt würden. So würde der Geschäftsbereich bei Taxifahrten keine Gebühren erheben, sondern pro Kilometer noch drei Euro…“

„… Werbung für einen Hersteller von Büromöbeln machen könne. Die Produktserie mit einer extra großen Schreibtischschublade könne sich in den…“

„… zum Altersvorsitz im EU-Parlament machen wolle, da Geißler nun nicht mehr als…“

„… das deutsche Abhörwesen um eine Person erweitern könne, die damals noch die Ausläufer des Kalten Krieges…“

„… ursprünglich habe warten wollen, bis alle Urenkel sich durch ein Landtagsmandat in die…“

„… fühle sich Schäuble für das Amt des Bundespräsidenten nicht reif genug und wolle erst nach weiteren zehn Jahren Bedenkzeit in die…“

„… als politisches Lebenswerk die Rente mit 90 fertigstellen wolle, die er jedoch aus eigener Anschauung für mindestens…“

„… angesichts der starken Überalterung eine Fusionierung von SPD, CDU, CSU und Grünen für eine lohnenswerte Aufgabe halte, wenn dadurch die endgültige Entmachtung Seehofers…“

„… dass die schwarze Null in Gestalt von Spahn eine ganz andere Bedeutung erhalte als die bisher…“

„… sich zum Geburtstag gewünscht habe, noch einmal offiziell als Vizekanzler der…“

„… auch nach seinem Ableben im Bundestag aufbewahrt werden wolle, da sich seine Frau sonst beschwere, dass er ihr im Haushalt auf die…“

„… die FDP auf das Finanzministerium hoffe. Schäuble indes habe mehrere Aspiranten auf die Stellung des Parlamentarischen Staatssekretärs vor Jahrzehnten als geistig nicht besonders…“

„… das Wirtschaftswachstum in der Eurozone, das die CDU herbeirede, obwohl es der deutschen Politik nachhaltig schade, nachhaltig bekämpfen müsse. Es sei dem lang gedienten Unionisten bisher noch nicht gelungen, einen ebenso vehementen Verfechter des…“

„… die Transaktionssteuer verhindern müsse, die sonst Deutschland sofort an den Rand einer sozialistischen…“

„… öfter als jeder andere die Abschaffung der Verfassungsorgane, gerne auch unter Zuhilfenahme von Polizei, Bundeswehr und Volkssturm, gefordert habe. Höcke habe zur Zernichtung des verjudeten Merkelpacks, das die Deutschheit arischer Helden in die Blutschlacht gegen ein…“

„… mehrere Waffenhändler übereinstimmend ausgesagt hätten, dass sie seine Beschäftigung im Rahmen eines Beratervertrages nicht oder nicht wissentlich beauftragt oder durch vertraglich festgelegtes Entgelt, das in Deutschland versteuert oder steuerlich angegeben oder im Sinne des…“

„… im Falle einer Regierungsbeteiligung der Grünen einen Betrag von umgerechnet zehntausend Mark für den…“

„… eine zurückgehende Arbeitslosigkeit nicht dulde, da sie die Kapazitäten der Industrie nur in Hinblick auf das zu bekämpfende Allgemeinwohl in den…“

„… habe das Präsidium die Jubiläumsausgabe des Rechenschaftsberichts der Christdemokraten mit einer besonderen Widmung an den ehemaligen Vorsitzenden der…“

„… noch kein Einverständnis gegeben habe. Die Partei habe beschlossen, Schäuble als Vorsitzenden der Jungen Union mit einem besonderen…“





Berichterstattung

20 09 2017

Es war laut, aber schließlich standen wir auch im Eingang zum News Room. „Zweiköpfige Ziege“, schrie der Redakteur, „direkt aus Ankara!“ Eifrig rannte ein Praktikant durch die Schreibtische. „Die Außerirdischen sind in Bad Salzuflen gelandet“, keuchte er. Siebels grinste. „Ich habe Ihnen wohl nicht zu viel versprochen.“

Die Chefredakteurin ließ sich in den Chefsessel fallen. „Wir haben das beste Angebot“, erklärte sie. „Und irgendeiner muss es doch machen.“ „Und wenn Sie es einfach nicht machen würden?“ Sie blickte uns an wie ein waidwundes Wild, seufzte – es sollte so peinlich und aufgesetzt klingen, dass man es für niedlich halten musste, war dann aber nur aufgesetzt und peinlich – und richtete sich ein wenig unbeholfen auf. „Der Leser hat es sich in seiner eigenen Welt gemütlich gemacht, und das werden wir nicht mehr ändern. Wir können es dann nur noch beobachten – höchstens.“ „Indem Sie den Kassen beim Klingeln zuhören.“ Sie verzog den Mund. „Wie gesagt, einer muss es machen.“

Währenddessen hatte das Telefon beständig geklingelt. Sie nahm ein Gespräch an. Offenbar ging es um chinesische Raketeneinschläge, vielleicht waren es aber auch Raketeneinschläge in China – Genaueres würde man erst wissen, wenn sich herausgestellt haben würde, welche der beiden Schlagzeilen sich besser verkaufen würde. „Aber wir machen das nicht für uns“, verteidigte sie sich. „Wir arbeiten mit sehr vielen anderen Häusern zusammen, darum schreiben wir auch nur die Meldungen, statt eine eigene Zeitung herauszubringen.“ „Und es bewahrt einen vor einer Flut von Klagen“, gab Siebels ungerührt zurück. Er spuckte sein Streichholz nicht unelegant in den Papierkorb der Redaktionsleiterin. „Alles andere wäre sicher auch eine gewaltige Bremse für Ihre Kreativität.“

Auf dem großen Konferenztisch wurden derweil Meldungen sortiert. Offenbar stand die russische Invasion auf zahlreichen Saturnmonden unmittelbar bevor, aber das konnte man erst nach dem ersten von Steuergeldern finanzierten Kamelrennen im Kölner Dom mit Sicherheit sagen. Eine Meldung des Wetterdienstes verkündete, der vergangene Sommer sei einer der wärmsten und trockensten aller Zeiten gewesen. „Manchmal“, grinste Siebels, „manchmal wissen sie einfach nicht, bis wohin sie zu weit gehen dürfen.“ Auf einer Seite Text verlor der FC Barcelona gegen die C-Jugend von Rapid Konolfingen. Wahrscheinlich störte es keinen, denn die Redakteure hielten ihre Börsenspekulationen für echt.

„Wir brauchen einen guten Aufmacher für die führenden Kunden“, entschied die Chefin. „Wir könnten etwas über ein Atomkraftwerk bringen, oder fällt Ihnen zum Thema Terrorismus nicht auch etwas ein?“ „Warum nicht beides?“ Das pfiffige Nachwuchstalent erntete sofort Anerkennung. Man hätte die Konsumenten nicht besser verunsichern können als mit dieser Verbindung von Angst, grobem Unverständnis und Zweifel an den eigenen Überzeugungen.

„Im Grunde ist schon viel damit gesagt, dass sie es nicht selbst veröffentlichen.“ Siebels hatte sich ein neues Streichholz zwischen die Zähne gesteckt. „Das Medium ist die Botschaft. Bei Bedarf könnten sie sicher schon einmal richtige Meldungen mit ins Sortiment nehmen und darauf hoffen, dass keiner sie für bare Münze nimmt.“ Am großen Tisch hatten die Russen die Invasion auf den Jupiter ausgedehnt. Chinesische Schleuser beförderten koreanische Afrikaner übers Mittelmeer in die Antarktis. Die Butter wurde teurer, nachdem eine ausländischen Organisation enthüllt hatte, dass sie größtenteils aus Erdöl besteht. „Aber wer soll das glauben?“ „Die meisten glauben es gar nicht“, sagte Siebels. „Sie können nur das Gegenteil nicht ausmachen und halten es daher für noch viel unwahrscheinlicher.“

Die Chefredakteurin hatte endlich den Entwurf des Titels einer großen deutschen Tageszeitung ergattert. Nach übereinstimmenden Polizeiberichten waren drei Dutzend Jugendliche in eine Bank eingebrochen, hatten den Kassierer erheblich verletzt, den Tresor mit einem Sprengsatz geöffnet und darauf die Innenstadt von Göttingen verwüstet. „Der Bankeinbruch war in Celle“, merkte ich an. Siebels nickte. „Ihnen fällt das natürlich auf, aber sind Sie denn ein Maßstab für diese Art von Berichterstattung?“ Ich las weiter. In den frühen Morgenstunden war es zu einem Schusswechsel gekommen – „Dem Geräusch nach muss man von einer Panzerhaubitze ausgehen, mindestens aber von einem kompletten Grenadierbataillon!“ – und die Bundespolizei, die auch sonst alle Straftaten landfremder Schwerverbrecher unter den Teppich zu kehren hilft, hatte in einer hastigen Aktion alle Spuren des stundenlangen Kugelhagels unkenntlich gemacht. „Wenn man Anwohnern glaubt“, grinste er, „dann haben die sogar auf sämtlichen neuen Verkehrsschildern die Rostspuren aufgebracht, die schon vor dem Attentat da waren.“ „Es klingt zu realistisch“, grübelte ich. „Müssen wir jetzt wegen solcher Botschaften schon dem ganzen Medium glauben?“ Siebels schüttelte den Kopf. „Schauen Sie noch mal hin. Noch mal. Noch.“ Mit fiel nichts auf, erst als Siebels den Finger darauf legte, stellte ich fest, der nächtliche Angriff würde erst in der kommenden Woche stattfinden. „Die Botschaft“, erläuterte Siebels, „ist größtenteils der Leser.“





Gefühle der Verbundenheit

19 09 2017

„Wir leugnen ja gar nicht, dass es diese Netzwerke gibt. Das sind Rechtsradikale, in der Presse sagen sie auch oft, das seien Neonazis, wenn Sie mich fragen, mit dem Begriff können wir leben. Ist ja im Kern nicht wirklich etwas anderes. Und mal ganz ehrlich, wenn sich Reservisten in ihrer Freizeit noch ein bisschen politisch engagieren, ist das nicht auch ein Zeichen von Volksnähe?

Jedenfalls können Sie nicht behaupten, die seien irgendwie abgehoben wie damals die RAF. Die hatten überhaupt keine Verbindung mehr zum Volk, deshalb konnten sie deren Sorgen und Nöte auch gar nicht mehr nachvollziehen. Beim NSU war das freilich ganz anders, aber das ist ja nun leider nicht mehr, da müssen wir wieder auf uns selbst aufpassen. Und da setzt unsere Sicherheitspolitik jetzt an, dass wir gegen diesen unseligen Spartrend der vergangenen Jahre anarbeiten, gegen diese Stellenstreichungen, gegen Videoüberwachung und Bindung der Kräfte in sinnlosen Beobachtungen. Sicherheit gibt es nur, wenn die rechten Leute sich dafür einsetzen.

Wenn wir Arbeitsplätze schaffen wollen, dann müssen wir einfach für die passenden Rahmenbedingungen sorgen. Als Polizist fühlt man sich heutzutage ja so leicht diskriminiert – überall Linke und Demokraten, da braucht man schon ein bisschen Sicherheit, dass wenigstens im Jobumfeld ein einigermaßen rechtes Biotop vorhanden ist. Die nationalistische Gesinnung, vernünftiger Umgang mit Staatsanwälten und Richtern verfolgten Tätern aus völkischer Notwehr, das macht viel aus. Da ist man froh, wenn sich ein paar von den Kameraden als Stabilitätsanker zur Verfügung stellen.

Wir haben da bei der Wehrmacht – heute heißt der Laden ja Bundeswehr, aber die Erfahrungen sind dieselben. Jedenfalls klappt die Integration wesentlich besser, wenn man ein paar Personen an den Schlüsselstellen positioniert. Da weiß man dann beim Erstkontakt am Standort sofort, hier ist man richtig. Du siehst eine Reichskriegsflagge, das gute alte Hakenkreuz, da kommen spontan Gefühle der Verbundenheit auf, mit denen man sich in der Truppe wohlfühlt. Es sind manchmal die kleinen Dinge, verstehen Sie – da hat einer aus Versehen den Stahlhelm zu Hause liegen lassen, und dann hilft man sich eben.

Wenn sich jetzt Rechtsanwälte in diese national engagierten Kreise einklinken, dann ist das für uns durchaus positiv zu sehen. Sie kriegen doch kaum noch einen vernünftigen Strafverteidiger, wenn Sie als Polizeibeamter mal aus Heimatliebe so einen Asylantenschuppen anzünden mussten. Manchmal passiert das schon aus Fahrlässigkeit, aber auf jeden Fall sollte man den Tätern immer eine Chance geben. Oder noch eine. Denn wenn die Gesellschaft es nicht mehr hinkriegt, diese Menschen vor dem Zugriff volksverräterischer Kräfte zu schützen, wer macht das denn dann? Hier müssen wir ansetzen, dafür sollte sich die Politik viel mehr interessieren. Aber das macht die AfD ja demnächst.

Aber um noch mal auf die Personalausstattung der Sicherheitskräfte zurückzukommen, wir haben so viele Personen schon in den Asylantenläden, die ein menschenunwürdiges Arbeitsumfeld erdulden müssen. Da sind ja manche schon, die sagen zu ihren Vorgesetzten, ob man sie nicht wegen guter Führung auch nach Afghanistan abschieben könne, da sei es besser als in diesem Restdeutschland. Lauter kriminelle Ausländer, man hat als deutscher Mann schon Angst, dass die einen vergewaltigen, weil sie ihre Frauen da am Hindukusch gelassen haben zum Kopftuchmädchen machen. Die sind größtenteils einschlägig ausgebildet, manche noch ohne Einblick in den Justizvollzug, aber die meisten sind doch sehr anständige Landsleute, die eine Chance mehr verdient haben als die anderen. Da haben wir den Praxisbezug, die meisten haben Familie und könnten nicht mal eben mit der Truppe in den Busch fahren, und da bietet sich die Polizei wirklich an. Wir müssen da einfach nur wollen.

Vor allem frage ich Sie, wenn diese Leute sich jetzt schon eine Qualifikation nach der anderen draufschaffen, Schießen und Überlebenstraining, das braucht man ja, sobald hier der Bürgerkrieg endlich ausbricht, da haben wir quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Über die Kosten muss man reden können, aber sehen Sie es mal so: wenn wieder ein internationaler Gipfel in einer deutschen Metropole stattfinden sollte, dann sind wir gegen das linke Pack bestens gerüstet. Wenn Sie die Leute alle in Bürgerwehren schieben, können Sie die nur auf kommunaler Ebene nutzen.

Etwas Schwund gibt’s halt immer, der eine steigt aus, der andere tarnt sich als Flüchtling und besorgt sich Sprengsätze, aber sehen wir die Sache doch mal pragmatisch: die Waffen, die hier aus den Kasernen verschwinden, die werden definitiv nicht in Drittweltländer verschoben, Deutschland gilt noch nicht als Krisengebiet, und für jeden Musel, dem wir hier die Birne wegpusten, kommen zehn andere gar nicht erst. Das ist volkswirtschaftlich gut angelegtes Geld, mal ganz davon abgesehen, dass keine Waffe ohne Munition schießt – ein astreiner Vertriebskanal, wenn Sie mich fragen. Wie gesagt, wir sichern nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch unser Heimatland. Meinen Sie, das täte jemand anderes für uns?“