Gernulf Olzheimer kommentiert (CCXCIII): Werte

3 07 2015
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Jede feucht-völkische Deppenansammlung kennt sie, jede religiös sich bepredigende Schar, und nicht nur die konservative Fraktion führ sie im Schild, mit dem sie verteidigt, was scheinbar ansonsten nicht laufen kann. Was jede Ideologie jeder Ideologie vorwirft, meist in Verkennung, selbst Ideologie zu sein, hier wird’s Ereignis, und sei das Eis auch noch so dünn: Werte zählen. Welche, das bestimmt oft nicht viel mehr als der Wetterbericht.

Jeder reklamiert die universalen Ansprüche, die die eigene Gesellschaft, die eigene Nation, den eigenen Schützenverein zu dem gemacht haben, die sie heute sind, für sich und nur für sich. Jeder Heckenpenner auf Sozialentzug hofft, es fiele außerhalb des Wahlkampfes nicht auf, dass ein komatöser Mob sich für die eigenen ethischen Fundamente interessiert wie für das Innere von Pickeln, und die Hoffnung fällt auf fruchtbaren Boden. Gilt es gegen andere, die uns die eigene Wurst streitig machen könnten, echt oder eingebildet oder von den Bannerträgern der eigenen Ordnung herbeifantasiert, dann plärrt der Führer von Werten, und das verseifte Gros stapelt sich hinter ihm.

Da man den größten subjektiven Wert Dingen zumisst, die relativ knapp sind, stehen die Werte in der soi-disant zivilisierten Welt eben ganz oben. Fast alles lässt sich mit dieser Seifenblase an den Haaren in die Mitte der Manege zerren, Wirtschaft und Sozialabbau, manchmal beides, und wenn es um die Verteidigungsbereitschaft geht gegen Hier-ein-Volk-nach-Wahl-einfügen-das-eigentlich-von-der-Herrenrasse-ausradiert-gehört, wer würde nicht Werte exportieren wollen? Natürlich exportiert die Seite des gerechten Krieges dann noch Werte, und wir nutzen dazu meist Flugkörper, die genug Minderjährige und Senioren unter den Zivilisten mit plattmachen, so dass sich die Demonstration westlicher Moral auch noch jahrlang lohnt.

Keiner spricht über den Wertewandel, es sei denn, man will als Regierungsdarmleuchter mal eben ein bisschen Remmidemmi mit religiotischer Schwungmasse veranstalten, wenn eine dieser degenerierten Versagerinnen der Öffentlichkeit ankündigt, bald nach der Gleichstellung werde sicher ein deutscher Volksgenosse seinen Staubsauger ehelichen wollen. Wertewandel, den man unbedingt negativ verstehen will, ist auch die Abgötterei mit dem Kapitalismus und Abkehr vom Ahlener Programm, das den ganzen Berufskatholen ja viel zu viel Jesuskacke enthielt. Im positiven Sinne wäre es überhaupt die konsequente Umsetzung der Zivilisation, der Abschied vom Auge-um-Auge-und-Zahn-um-Zahn-Prinzip. Aber was kümmert eine Gesellschaft die Versuchung, die eigenen Standpunkt kritisch zu hinterfragen – die Gartenzwerge beharren auf der Größe ihrer Schatten bei untergehender Sonne und lassen sich ihre Auffassung nicht zerreden.

Denn meist ist es nicht Glaube oder säkulares Sendungsbewusstsein, nicht einmal Leberwerte als Ausdruck der daseinserfüllten Weltsicht spielen eine Rolle, sondern schlicht die schwarze Zahl. Wer Wert preist, hat nur die Materie zum ideellen Prinzip erhoben, was mehr über den Grad seiner Zivilisiertheit aussagt, als es die Zivilisation je könnte.

Die neoliberale Gesellschaft ist geboren aus Schutt und Asche einer totalitären Welt pervertierter Ideologien, die subjektiv für die eigene Größe, im historischen Rückblick für die Zerstörung der Zivilisation selbst standen. Der heutige Realitätsallergiker will die alte Größe, weiß jedoch, dass er sie mit schwerem Mangel erkaufen würde, und entscheidet sich instinktiv gegen die Unsicherheit der Verhältnisse. Dass er damit zugleich die postdemokratische Gesellschaft herbeireden will, ist sein Kreuz. Wie praktisch, dass man bei einer primitiven Masse auch mit Friedensgeschrei einen Krieg argumentativ durchdrücken kann.

Das Vordringen postmaterieller Bedürfnisse ist immer ein Einbruch durch das dünne Eis der gesellschaftlichen Verfasstheit, der Konservative hasst sich selbst dafür, dass er Stück für Stück die Individuen in seiner Population als Menschen wahrnehmen muss und ihre Werte ebenso als die seinen. Kurzfristig verteidigt der Berufskathole den Feminismus gegen die bösen Flüchtlinge, die aus einer patriarchalen Parallelwelt stammen, um ihn hernach im kruden Cocktail krustiger Vorurteile wieder fortzuspülen, als sei er eine in der Studentenrevolte aufgekommene Schnapsidee. Wert ist, was in Fettschrift auf ein Plakat passt, als rituelle Abwehrhandlung gegen das Andere. Solange es Dumme gibt, wird es diese Abziehbilder einer postulierbaren Ethik geben. Solange es diese Abziehbilder gibt, werden Menschen geboren und zu Dummen erzogen. Man wird ihnen sagen, ihr Verhalten sei irgendwie nachhaltig, und sie werden es als Wert verkaufen. Immerhin.





Misfits

2 07 2015

Gurken. Viele, viele Gurken. Kistenweise Gurken, eine krummer als die anderen. „Das hier“, erklärte Bartusziak nicht ohne einen Anflug von Stolz, „sind die Ernten, die wir täglich wegwerfen. Gleich auf dem Feld, in der Verarbeitung, und den ganzen Rest im Supermarkt.“ Wer weiß, wie viele Gurken er noch in den Lastern hatte. Diese Halle war jedenfalls imposant genug.

„Sie haben ja keine Ahnung, wie pingelig die Handelskonzerne sind.“ Eine Liste lag zufällig auf dem kleinen Wägelchen. „Die Sellerieknollen sollen nicht zu groß sein und nicht zu klein, es sei denn, sie werden extra groß bestellt oder extra klein. Und dann die Möhren erst – schrecklich!“ Die verwachsenen Rüben füllten einen ganzen Wagen, der zum Ausladen bereit an Tor B stand. „Alles komplett krumm, feinste Suppenqualität.“ Ich stutzte. „Nicht Super-, Suppenqualität. Mehr als das werden Sie damit nicht herstellen, aber selbst die Industrie war sich zu fein dafür. Wahrscheinlich sind die Schälmaschinen, die das Gemüse für einen automatischen Linseneintopf mit Suppengrün häckseln, motorisch nicht ganz so begabt wie zwei menschliche Hände.“ Ich drehte eine der wuchsindividuellen Dinger in den Fingern. „Sie bekommen beim Kauf einer Zwei-Kilo-Schale gleich noch eine praktische Arbeitshilfe mitgeliefert.“ „Ein Messer?“ Bartusziak schüttelte den Kopf. „Eine Packung Pflaster.“

Die Würste sahen nicht viel besser aus. Vermutlich hatte die Maschine, die sie füllte, öfters Aussetzer. „Teilweise stimmt das“, bestätigte er. „Sie werden jedoch auch in Handarbeit hergestellt. Und da geht viel daneben.“ Angesichts dieser Mengen an krummen, zu kurzen und ungleichmäßig dicken Wurstwaren fragte ich mich, wer sie alle verzehren würde. „Keine Sorge“, entgegnete Bartusziak, „wir haben eine langfristige Vereinbarung mit den Imbissbudenbetreibern.“ „Warum Imbissbuden und nicht der Einzelhandel.“ Er lächelte überlegen. „Wenn Sie sich im Laden die Wurst aussuchen können, nehmen Sie dann die krumme?“ Ich begriff.

Der grau lackierte Schrank knirschte, als Bartusziak die Schublade herauszog. Vermutlich auch ein Produktionsfehler, dachte ich. Er hing voller Akten. „Eine unserer Dienstleistungen besteht darin, ungeeignetes Personal zu vermitteln.“ „Sie meinen: geeignetes“, unterbrach ich. „Nein“, beharrte er, „ungeeignetes. Und wir gehen sehr sorgfältig auf die Suche. Vollkommen inkompetent zu sein, das reicht schon nicht mehr. Wir erwarten auch charakterliche Defekte, erhebliche Dummheit sowie…“ Er schlug eine Akte auf. Ich begriff. „Sie beliefern ganze Parteivorstände?“ Er nickte. „Und Unternehmensvorstände, Gewerkschaften, den Deutschen Bundestag – was Sie wollen.“

Schnittblumen, Schuhe, Oberhemden, offenbar gab es nichts, was die Qualitätskriterien sämtlich unterlief. „Haben Sie schon einmal ein Hemd angezogen, das auf der Brust so ein kleines bisschen spannte, und dann gingen nach dem zweiten Tragen alle Knöpfe ab?“ Bartusziak schien genau zu wissen, was Hildegard mir regelmäßig mitbrachte. „Die werden, wie gesagt, oft einfach weggeworfen, aber wir haben noch vielfältige Verwendungsmöglichkeiten dafür. Beispielsweise die Altkleidercontainer – haben Sie sich schon einmal gefragt, wer die alle befüllt? und womit?“ „Sie ruinieren also die Textilwirtschaft in Afrika“, knurrte ich. „Indem Sie tonnenweise Stoffe in die Entwicklungsländer schicken, nehmen Sie jedem Fabrikanten seinen Markt weg, weil man so preiswert einfach nicht neu produzieren kann, wie man den Ausschuss verkauft.“ Merkwürdigerweise nickte er, und auch das nicht ohne einen gewissen Stolz. „Mit Erdbeeren könnten wir es nicht, denn die Afrikaner essen zu wenig Erdbeeren, und sie würden den Transport auch nicht unbeschadet überstehen. Also die Erdbeeren.“ Ich wollte gerade etwas antworten, doch er ließ sich gar nicht unterbrechen. „Und so sehen Sie, dass unsere Wirtschaft längst auf einem globalen Level angekommen ist – unsere Produktionsfehler sind ein Exportschlager geworden.“ „Und was sind daran vielfältige Verwendungsmöglichkeiten?“ Er faltete eines dieser grauen Hemden auf. Die Brusttasche saß leicht schräg und ein bisschen zu tief, außerdem waren die Manschetten viel zu breit für die schmalen Ärmchen. „Haben Sie schon einmal vor einem Kassenschalter gestanden und sich gefragt, woher so ein Kassierer schon am frühen Morgen diesen verkniffenen Gesichtsausdruck hat?“

Objektiv betrachtet ging es Bartusziak gut; die Gurken wuchsen nach, die Würste ebenso. Welche Perspektiven hat man da noch? Er öffnete einen Karton mit Tonträgern. „Feinster deutscher Schlager“, erklärte er. „Das entspricht genau unseren Sortimentsrichtlinien. Und es wird wirklich Zeit, dass die Mongolei Helene Fischer kennenlernt.“





Vaterlands Verräter

1 07 2015

„Es heißt nämlich Es-Pe-Deeee! wie deutsches Vaterland, verstandez-vous? Nix Multikulti, wir sind jetzt auch national bis ins Mark. Das heißt, Gabriel will das so, Genosse. Volksgenosse, wollte ich sagen! Volksgenosse!

Die Basis hat sich natürlich sofort gegen den Vorsitzenden gestellt. Was denken Sie denn? Wenn Sie wüssten! Nazidrecksau, das war ja noch das Harmloseste. Scheißfaschist. Hier, das habe ich mir aufgeschrieben: Kotschlürfer des Korporatismus. Die haben gespuckt, als Gabriel vom Podium kam. Furchtbar. Naja, ist halt die Basis. Hinterher haben sie zu achtundneunzig Prozent zugestimmt und es gab neununddreißig Minuten Applaus. Man rechnet ja bei Gabriel niemals mit neununddreißig. Dreiunddreißig, das kriegt er hin. Aber das hat die SPD auch vorher schon geschafft.

Der Teufel steckt oft im Detail, da haben Sie durchaus recht. Eine patriotische SPD, das ist nicht ganz ohne. Und Gabriel? Manche meinen ja, er wollte Sarrazin überholen, aber ich weiß nicht, auf welcher Seite. Deshalb wird dieses Impulspapier auch die Partei komplett umkrempeln. Die werden nachdenken. Worüber? Fragen Sie mich das hinterher. Gabriel weiß auch nicht, woran er gedacht hat, bevor er hört, was er sagt.

Zum Beispiel Hartz IV. Ist ja nicht schlecht, dass das auch Ausländer kriegen, aber warum? Das Positionspapier geht jetzt davon aus, dass das eine Erniedrigung der – natürlich war das so gedacht, es sind schließlich Arbeitslose, und das ist man laut neoliberaler Doktrin immer nur, wenn man sich nicht genug angestrengt hat, dass man das richtige Schicksal erwischt – also wie gesagt hat man damit den Flüchtlingen genau so in die Fresse wie den richtigen Menschen. Die mit deutschem Pass meine ich jetzt. Aber wenn da einer aus Ouagadougou kommt, der ist das doch gewohnt. Dem tun wir ja direkt noch einen Gefallen, wenn wir ihm zeigen, dass er hier sogar noch unterhalb eines normalen Sozialschmarotzers steht. Die können noch so gut qualifiziert sein, die suchen sich doch nie einen ordentlichen Job als Manager oder Ingenieur oder Chefarzt! Okay, wir wollen das auch gar nicht, aber ist das ein Argument?

Diesen rhetorischen Ansatz finde ich ja nicht mal ganz uninteressant. Wenn Gabriel schon Ängste schüren muss, damit die Tatsache, zufällig als Deutscher geboren zu werden, zu einem Privileg wird, das einen über die Sorgen dieser verfehlten Politik hinwegtrösten kann – wenn Sie diesen Roboklops da vorne auf der Bühne einen runtergoebbeln hören, da wird Ihnen aber existenziell zumute! Gut, wenn Sie lange genug dabei sind, dann sind Sie nicht gleich in Testamentsstimmung. Da rutschen Sie auf eine Backe, bei Gabriel immer gerne rechts, dann warten Sie, bis die Pillen wieder wirken, und fertig ist die Laube. Wir haben Müntefering überlebt, Clement, wir zählen schon rückwärts, bis einer Maas von unserem Leiden an ihm erlöst, wir sind die Generation, die Schröder überstanden hat. Wovor sollten wir Angst haben? Abgesehen von Gabriel?

Oder die Vorratsdatenspeicherung. Dass die Amis da französische Firmen abhören – Skandal! Das ist nicht mit uns abgesprochen, und wenn wir als Regierung rausfinden, dass der BND uns da hintergangen hat: ich kann mir sehr gut vorstellen, dass da ein paar Mitarbeiter durchaus etwas verärgert reagieren könnten. Das ist noch nicht raus, aber vorstellbar. Und mehr überfordert die Innenpolitiker der SPD intellektuell ja ohnehin.

Wir müssen uns als SPD auch von diesem ganzen Gerechtigkeitsfimmel verabschieden, den die letzten Grundsatzpapiere überstrapaziert haben. Ist denn noch einer gerecht zu uns Deutschen? Dann müssen wir das auch nicht, und als Zeichen unserer globalen Einstellung werden wir Patrioten noch mehr für Sicherheit sein. Die ist nicht immer gerecht, aber dafür sicher, also deutsch, und damit haben wir dann als Sozialdemokraten – bringen Sie mich jetzt nicht aus dem Konzept! – jedenfalls als Deutsche gerecht, und damit auch sicher, und das ist ja wohl die Hauptsache. Wir können endlich wieder Kriminalitätsbekämpfung, und in diesem Land kann sich jeder beruflich selbstständig machen. Das ist unsere Definition von Sicherheit.

Schon, aber wenn Sie halt einen Beruf haben, der so unsicher ist, dass Sie sich selbstständig machen müssen, ist das dann ungerecht? Denken Sie doch nicht immer an sich, denken Sie auch mal ans Vaterland. Oder haben Sie ein Problem damit, Deutscher zu sein? Und wenn ja, was machen Sie dann noch hier?

Sehen Sie mal, der zukünftige Kanzler hat uns als Partei der klugen Veränderungsprozesse charakterisiert. Ostpolitik, Agenda 2010, alles so Sachen, die von den Deutschen vielleicht im ersten Augenblick bekämpft werden, aber wenn man weiß, dass ein großer Staatsmann dahintersteckt, dann kann die Idee doch nur gut sein. Patriotismus, das Bekenntnis zum Primat der absoluten Sicherheit als prägendes Verständnis unseres Staates, und dann der unbedingte Glaube, dass wir alles schaffen, wenn wir die Wirtschaft unseres Staates mit immer neuen Ideen, einem planvollen Handeln für die Zukunft und einer –

Wieso DDR? Wie kommen Sie denn darauf?“





Blümchenkaffee

30 06 2015

„… keine rechtliche Handhabe. Der Angriff auf die als Flüchtlingsunterkunft geplante Immobilie sei noch nicht hinreichend qualifiziert, um als fremdenfeindliche…“

„… zunächst als Volksverräter bezeichnet habe, dem man seine asoziale Judenfresse eintrete, wenn er es wage, weiterhin die Belange einer national gesinnten Oberschicht der arisch-christlichen Herrenrasse im Reichsgau Sachsen zu beflecken. Die Polizeidienststelle habe weiterhin…“

„… Aufatmen in der Bevölkerung. Die Geruchsbelästigung durch den Brandanschlag von Meißen sei wesentlich weniger als…“

„… genau zu prüfen. Im Zuge einer vereinfachten Ermittlungsarbeit gehe die Polizeibehörde von der generellen Lebensführungsschuld der fremdländischen Immigranten aus und verlange von ihnen im Zuge eines humanitären Willkommensbrimboriums nur den juristisch einwandfreien Nachweis, dass die als mutmaßliche Straftäter auch in Zukunft überhaupt nicht in…“

„… könne man einen angekündigten Brandanschlag auf eine für parasitäre Elemente geplante Unterkunft nicht strafrechtlich verfolgen, solange nicht ein rassereiner Volksgenosse durch Schaden an Leib und Leben durch landfremde…“

„… sei es wesentlich verfrüht, von einem ausländerfeindlichen Attentat zu sprechen, wenn die Unterkunft noch von keinem Bewohner aus…“

„… habe der Besitzer der Immobilie die Ankündigung eines Brandanschlages zur Anzeige bringen wollen. Der Verdacht liege nahe, dass es sich um einen geplanten Versicherungsbetrug in Tateinheit mit der Vortäuschung einer terroristischen…“

„… werde die Polizei angesichts der vielen Fälle von Terrorismus, Einbrüchen und staatlicher Kriminalität keine Kapazitäten freihaben, um einen einfachen Schadenfall an einer nur für Ausländer genutzten Immobilie zu…“

„… könne die Polizei einen Anschlag erst aufklären, wenn die terroristische Beteiligung aller Lagerinsassen von vornherein ausgeschlossen sei. Da drei Mitglieder des Wohnbereichs zum Zeitpunkt des Anschlags noch in einem Übergangslager in Niedersachsen eingesessen hätten, könne man eine generelle Straffreiheit erst in Rücksprache mit dem zuständigen…“

„… sehr schnell zurückgerudert. Der Polizeipräsident befleißige sich der alleruntertänigsten Bitte um Entsühnung, da es sich nur um eine Sachbeschädigung gehandelt habe, die vom Bundesministerium des Innern als schwerste Straftat gegen die verfassungsmäßige…“

„… sei ein Eingreifen der Polizei in die Auseinandersetzungen nicht legitim, da es sich um einen Freistaat…“

„… noch gar nicht ermittelt worden sei, ob die Angriffe von Freital und Meißen von derselben Tätergruppe hätten verübt werden können. Aus Gründen der Personalstärke, vielmehr aber aus ermittlungstaktischen Gründen wolle die Staatsanwaltschaft erst einige Zeit abwarten, um dann ein Gesamtbild des…“

„… die Einmischung der Polizei in ein schwebendes Verfahren möglicherweise zur Verfälschung der öffentlichen Meinung über die…“

„… nicht auszuschließen gewesen sei, dass neben den Ausländern auch richtige Bürgerinnen und Bürger durch die Flammen hätten bedroht werden können. De Maizière habe schnelle und unbürokratische Hilfe versprochen; so solle innerhalb weniger Wochen jedes umliegende deutsche Wohnhaus mit einem kostenfreien Schaumlöscher ausgestattet werden, um ein Übergreifen des Volkszorns auf die…“

„… staatliche Angriffe auf einen mutmaßlichen Brandanschlag geeignet seien, das Image eines als Ferienregion und für den Blümchenkaffee bekannten Landstrichs empfindlich in seiner Glaubwürdigkeit zu…“

„… die Landespolizei davon ausgehen müsse, dass es keine ausländerfeindlichen Terroranschläge gäbe, wenn man konsequent auf die Ansiedlung fremdländischer…“

„… dass die eindeutig den Nationalsozialismus verherrlichenden Parolen in Freital geschrien worden seien. Einen politischen Hintergrund für den Brandanschlag auf das Flüchtlingsheim von Meißen abzuleiten sei daher eine typisch linke Spitzfindigkeit, die Wirtschaftsflüchtlinge – obwohl keiner von ihnen auch nur lebensbedrohlich verletzt worden sei – in eine Opferrolle zu drängen, die eigentlich den von der Überfremdung in ihrer Existenz bedrohten Bürgern von…“

„… lieber erst auf die Teilnahme des Ministerpräsidenten und des Innenministers warten wolle, bevor man sich zu einer eindeutig fremdenfeindlichen Position…“





Schleierfahndung

29 06 2015

„Und das hilft?“ „Keine Ahnung, aber das ist nicht mein Problem.“ „Wir müssen doch aber…“ „Jaja, Ergebnisse. Die wollen immer Ergebnisse, aber ich kann mir diese ganzen Instrumente aus den Rippen leiern. Das bringt doch nichts!“ „Das ist doch in sicherheitspolitischer Hinsicht schon mal ein Fortschritt. Wenn es nichts bringt, hat es auch keine negativen Nebenwirkungen.“

„Laut Innenministerkonferenz brauchen wir nur die Vorratsdatenspeicherung, und schon nehmen die Einbruchdiebstähle ab.“ „Ist doch vernünftig – wer sich am Tatort aufgehalten hat, ist meistens der Täter.“ „Und wir führen ein Fahndungsinstrument ein, obwohl wir nicht einmal wissen, ob das Gesetz das Bundesverfassungsgericht passiert. Wäre ich Einbrecher, ich würde ab sofort mein Telefon zu Hause lassen oder einem Komplizen in die Hand drücken, der damit eine Stadtrundfahrt macht.“ „Auf die Idee kommt doch keiner.“ „Sie halten Einbrecher für dümmer als Innenminister? dann stellen Sie sich mal die Frage, warum es jede Menge erfolgreicher Einbrecher gibt.“

„Aber Deutschland ist doch noch immer in einer potenziellen Anschlagsgefahr.“ „Das merkt man vor allem daran, dass so gut wie nie Attentäter verhaftet und vor Gericht gestellt werden.“ „Vielleicht erledigen das die Amerikaner für uns?“ „Stellen Sie sich nicht dümmer, als Sie sind. Sie sind schließlich kein Innenminister.“ „Und wir können gar nichts dagegen tun? Haben Sie denn für die Innenmister gar keine Präventionsstrategie entwickelt?“ „Wir sollen den mutmaßlichen Attentätern die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen.“ „Das ist ungeheuer praktisch.“ „Fanden die Nazis auch.“ „Dann können Sie die Attentäter doch auch schneller abschieben.“ „Abgesehen davon, dass es keine Attentäter sind, sondern nur mutmaßliche Straftäter…“ „Das ist doch für die Innenminister dasselbe.“ „… verhindern diese Innenminister nach Kräften die doppelte Staatsbürgerschaft.“ „Dann haben wir auch wenige deutsche Straftäter.“ „Und wir haben weniger Straftäter, denen man überhaupt eine deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen könnte.“ „Die Innenminister verhindern also, dass ihr Wunschvorschlag überhaupt umgesetzt werden könnte?“ „Richtig.“ „Und warum?“ „Aus Gewohnheit. Wenn Innenminister irgendwo stehen, dann dem Rechtsstaat im Weg.“

„Warum probieren Sie es dann nicht mit der Schleierfahndung?“ „Weil der Bund da nichts zu sagen hat.“ „Deshalb kann man sie doch trotzdem überall…“ „Berlin hat diesen Mist schon vor über zehn Jahren wieder abgeschafft, weil er nichts bringt.“ „Und jetzt?“ „Warten sie darauf, dass sie dasselbe mit der Vorratsdatenspeicherung machen dürfen.“

„Dabei war das doch eigentlich mal ein Mittel der Grenzkontrolle.“ „Die Innenminister erwarten eben, dass wir jetzt für die Kriegseinsätze im Innern planen, deshalb diese leichte Haltungsänderung.“ „Sie sind nicht mehr gegen den Rechtsstaat?“ „Doch, aber EU-weit.“

„Wie wäre es mit mehr Polizisten?“ „Sehe ich etwa aus, als wäre ich lebensmüde?“ „Muss man das sein, wenn man für die Innenminister arbeitet?“ „Nur wenn man solche Forderungen stellt. Für mehr Personal ist kein Geld da.“ „Was macht man denn mit dem Geld, das überhaupt noch da ist?“ „Vermutlich noch eine Vorratsdatenspeicherung. Und noch eine. Und noch eine.“ „Und das hilft?“ „Ja, gegen das Geld.“

„Was ist eigentlich aus dem Bundestrojaner geworden?“ „Keine Ahnung, ich arbeite nicht mehr daran.“ „Keine Fahndungserfolge?“ „Das Ding war wie eine deutsche Aufklärungsdrohne. Theoretisch voll funktionsfähig, keiner hat es jemals in Aktion gesehen, aber das macht nichts, denn als wir rausgekriegt haben, dass wir damit nichts anfangen können, musste das Zeug auch schon wieder von der Bildfläche verschwinden.“ „Das Geld war weg.“ „Und die staatsrechtliche Grundlage.“ „Müssen Sie denn für alle Ermittlungswerkzeuge erst die Verfassung ändern?“ „Als Innenminister wollen Sie das vielleicht. Dummerweise gibt es Artikel in der Verfassung, die Sie einfach nicht geändert kriegen. Artikel 1 zum Beispiel.“ „Und warum wird es dann trotzdem immer wieder versucht?“ „Sie haben das System nicht kapiert?“ „Welches System?“ „Dann haben Sie es nicht verstanden.“

„Wollen Sie damit andeuten, dass Sie nur dazu da sind, sich Ermittlungswerkzeuge auszudenken, die gegen geltendes Recht verstoßen?“ „Das ist nicht falsch, aber ungenau. Meine Abteilung sucht nach technischen Möglichkeiten und Verfahren, die die Abschaffung gewisser Grundrechte zur vollen Funktionsfähigkeit voraussetzt.“ „Aber dann bringen Ihre Fahndungsinstrumente doch meistens gar nichts.“ „Na und? die Grundrechte sind dauerhaft weg, was interessiert einen Innenminister da ein kaputtes Spielzeug mehr oder weniger?“ „Und was macht man damit? Terroristen jagen? oder Einbrecher?“ „Wofür würden Sie es denn nehmen?“ „Vielleicht sind da islamistische Muslime unter den Asylflüchtlingen?“ „Sehen Sie, und genau dazu gibt’s dann die Schleierfahndung.“





Grabmal der unbekannten Knalltüte

28 06 2015

„Das Europaparlament vertritt die Auffassung, dass die gewerbliche Nutzung von Fotografien, Videomaterial oder anderen Abbildungen von Werken, die dauerhaft an physischen öffentlichen Orten platziert sind, immer an die vorherige Einwilligung der Urheber oder sonstigen Bevollmächtigten geknüpft sein sollte.“ Oder einfacher ausgedrückt, die Leistungsschutzlobby hat ein neues Spielzeug. Diesmal sind es öffentliche Gebäude, für die die Öffentlichkeit zahlen soll. Vermutlich wollen sie nur den Architekten des Kölner Doms vor dem Verhungern bewahren. Der EU-Terrorist, der diese Subventionsmaßnahme für Abmahnanwälte in die Maschinerie geschoben hat, wird sicher zeitnah – öffentliche – Verehrung genießen, und wir werden darauf verzichten, das Grabmal der unbekannten Knalltüte auch noch zu fotografieren. Alle weiteren Gründe, warum man dieses Pack, das Europa zerstört, mit dem Gewehrkolben voran aus dem Parlament prügeln sollte, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • vulgärpsychologie: Wir nennen es sonst immer Innenministerkonferenz.
  • pflaumenpfingsten: Der Tag, an dem die Politik nicht jede wackelige Korrelation für eine kausale Beweiskette hält.
  • anbieterbindung telekommunikationsfirmen oettinger: Die Telekom kriegt ihr intellektuelles Hohlmantelgeschoss nicht von der Backe.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCXLVIII)

27 06 2015

Dass Farah, die kürzlich in Pınarkent
im Dirndl erschien, dass der Senner rennt,
fand dieses zwar reizend,
mit Reizen doch geizend
war sie, die deshalb doch die Männer kennt.

Freund Simjon war in Negotino
ein Stammgast im örtlichen Kino.
Er trug feinen Zwirn, doch
sein einfältig Hirn noch
befand, er sei wie Valentino.

Abdülkadir ritt einst in Kapı
um Gold. Er erlitt eine Schlappe,
das Pferd riss die Stangen.
Was sollt er anfangen,
das Tier nahm’s nicht auf seine Kappe.

Marisa aus A Ver-o-Mar
erkannte: es droht ihr Gefahr.
Sie hatte zwölf Truhen
Mit sämtlichen Schuhen,
von gelben besaß sie kein Paar.

Dass Aykut sich jüngst in Pozantı
des Onkels annahm und der Tante,
war sachlich begründet.
Die Tochter, die findet
er dort, da er sie länger kannte.

Fulgencio sagt man in Cabure,
er soll von der Post eine Fuhre
Pakete ausfahren.
Die liegt dort seit Jahren
herum. Meist ist dies jetzt Retoure.

Dass Burak beim Lauschen in Sur
gehört, seine Frau tut ’nen Schwur,
das hat ihn erschüttert.
Gefahr er nun wittert,
da er, was sie schwor, nie erfuhr.








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