Maria 2.0

18 06 2019

„… bewusst nur Männer als Apostel berufen habe. Voderholzer sehe den Heiland daher als wichtigsten Zeugen im Kampf gegen Ansprüche von Frauen im kirchlichen…“

„… vehement entgegentrete. Zunächst seien es Jünger gewesen, der Regensburger Bischof stehe damit in krassem Widerspruch zur fundamentalen Lehre des Katholizismus. Darüber hinaus sei aber auch eine…“

„… abgemildert habe. Das Bistum habe damit nicht die konkrete weibliche Person gemeint, die sich zumindest in Zeiten der Demokratie immer noch auf weltliches Recht berufen dürfe. Es gehe dem Bischof um eine generelle Einstufung von Frauen als…“

„… durchaus verstehe. Kramp-Karrenbauer sehe die Kirche im Recht, da hier eine Mehrheit einzelner Frauen eine nicht mehr hinnehmbare Meinungsmache gegen den…“

„… viele Frauen ihre Ehrenämter in der römisch-katholischen Kirche ruhen ließen. Lindner habe dies als ‚scheißfeministische Feministenscheiße‘ bezeichnet, da der Protest am Sonntag und nicht, wie man es von leistungsbereiten Staatsbürgern erwarten könne, innerhalb der Arbeitswoche zu einem weniger wichtigen…“

„… würden Frauen, die kirchliche Ämter bekleideten, auch zu Inzest neigen, da sie genau wie ihre männlichen Kollegen Probleme mit der zölibatären…“

„… dürfe man nämlich alle Frauen als feminismusstalinistische Stalinistenfeministinnen bezeichnen, da sie keine Männer seien. Lindner habe angekündigt, wenn er demnächst in der Schlange vor dem Abendmahl auf eine Frau treffe, von der er annehmen müsse, dass sie sich illegal in der…“

„… habe der Protestantismus seinen Namen erhalten. Kramp-Karrenbauer warne eindringlich vor einem Abfall von der römisch-katholischen Lehre, da nämlich alles andere ein ideologischer…“

„… das grundsätzliche Infragestellen der Zweiheit von Mann und Frau nicht von Gott gewollt sein könne, da es sich nicht durch eine konkrete Bibelstelle belegen lasse. Voderholzer könne durch seine profunden Schriftkenntnisse den genderbezogenen Terrorismus gegen die göttliche Wahrheit mit ganz einfachen…“

„… sei es nicht ausgeschlossen, dass Frauen die Erderwärmung ausgelöst hätten. Weidel bestehe jedoch darauf, dass dies durch linke Hexen, Jüdinnen, schwarze Migrantinnen aus islamischen Kulturen und…“

„… betone die Deutsche Bischofskonferenz noch einmal, dass ihnen die Frauen sehr am Herzen lägen. Es gebe keine billigeren Arbeitskräfte, mit denen man die karitativen Aufgabe der Kirche, die zur Mehrung ihrer steuerfreien…“

„… seien Frauen viel zu emotional, impulsiv, rachsüchtig und im Durchschnitt viel dümmer als Männer. Kramp-Karrenbauer wisse aus eigener…“

„… gebe es für jedes Wesen im Reich Gottes einen Platz, an dem dieses ein gefälliges Leben führen dürfe. Die Kirchenprovinz München und Freising habe dies auch in angeschlossenen weltlichen Dienstleistungsbetrieben wie der CSU stets für alle Frauen im Sinne des…“

„… an die im Altertum verbreitete Prostitution in den Tempeln erinnere. Voderholzer könne daher keine Religion akzeptieren, in der Frauen nicht als untergeordnete…“

„… könne die Werteunion nicht ausschließen, dass jede Frau, die ein Priesteramt anstrebe und daher automatisch als transsexuelle Befürworterin von Inzest und Kindesmissbrauch gelten müsse, alle paar Tage ihr Geschlecht wechseln wolle, was in der Entgeltabrechnung der Kirchenämter schon steuerlich viel zu…“

„… vor modernistischen Irrwegen wie der Altkatholischen Kirche warne. Die Junge Union stehe für eine ungebrochene Tradition, wie sie in Deutschland bereits seit dem dreizehnten…“

„… sei die Genderideologie ein Quell von Hass und Intoleranz, da sie die moralischen Prinzipien der katholischen Kirche in keinster Weise…“

„… erhebliche anthropologische Folgen habe. Die CDU könne nicht ein Grundsatzprogramm verabschieden, in dem klar zum Ausdruck komme, dass der Mann aus einer Rippe der Frau entstanden sei, sondern müsse dies in Rücksicht auf die …“

„… zu einer Diskussion gekommen sei. Obwohl die Mehrheit der Abgeordneten derzeit keinen rechtlich durchsetzbaren Weg zur Abschaffung der Verfassung sehe, wolle Söder durch ein Gesetz, dass in jedem Raum jeden Hauses im Freistaat ein Kruzifix hängen müsse, die Staatsgewalt der kirchlichen…“

„… drei Viertel aller Messen ausgefallen seien. Die Deutsche Bischofskonferenz sehe es als nicht hinnehmbaren Affront, dass alle Haushälterinnen in einer konzertierten Aktion keine liturgischen Gewänder mehr rechtzeitig zum…“

„… sich aus der Tatsache ableite, dass Gott selbst ein Mann sei. Voderholzer wolle sich auf weitere Fake News linker Atheisten nicht weiter einlassen und fordere staatliche Unterstützung bei der…“

„… sich geehrt fühle, das Wort zum Sonntag zu sprechen. Es sei ihr Anliegen, eine von Drogen, Homosexualität und Klimahysterie verstörte Jugend wieder auf den Pfad der Wahrheit zu führen. Sobald Kramp-Karrenbauer eine Sendezeit im Internet beantragt habe, werde sie sofort die…“

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Die Wahl der Mittel

17 06 2019

„Das ist doch ein Mann!“ „Geht gar nicht!“ „Warum soll das denn nicht gehen?“ „Also jetzt bleiben Sie mal auf dem Teppich, die…“ „Außerdem hat er noch nicht zugesagt.“ „Weil er sich nicht traut!“ „Aber warum soll er denn nicht den…“ „Ein Mann als Bundeskanzlerin, wie soll denn das funktionieren?“

„Ich weiß gar nicht, was Sie gegen den Habeck haben, der macht doch gar nichts.“ „Er will Kanzler werden, das muss man doch verhindern.“ „Aber das ist doch erst eine Prognose.“ „Eben, und wonach regieren wir seit Jahren?“ „Er ist noch nicht so lange dabei.“ „Es gibt auch Prognosen, nach denen der Klimawechsel die europäische Wirtschaft durch den ansteigenden Meeresspiegel zerstört.“ „Sie müssen eben zu unterscheiden lernen.“ „Was?“ „Welche Prognosen eine Parteivorsitzende lesen will und welche nicht.“ „Das ändert doch nichts daran, dass die Zustimmung für die Partei seit Jahren zurückgeht.“ „Wen interessiert das? solange wir an der Regierung sind, können wir machen, was wir wollen. Dazu brauchen wir die Zustimmung der Leute nicht.“

„Man müsste überhaupt mal nachgucken, ob der in seiner Vergangenheit nichts Kommunistisches von sich gegeben hat.“ „Vielleicht war er sogar bei der Jungen Union.“ „Wie kommen Sie darauf?“ „Sonst hätte er nicht so komische Ideen.“ „Auch wieder wahr.“ „Aber der macht jetzt halt wieder was mit Genderwahnsinn.“ „Wie kommen Sie auf das schmale Brett?“ „Naja, als Mann Kanzlerin zu werden, auf so eine Schnapsidee muss man erst mal kommen!“ „Das ist wahrscheinlich gar kein Mann, der hat sich nur umoperieren lassen.“ „Hähähä!“ „Den Fusselbart hat er von Claudia Roth geerbt.“ „Hähähä!“ „Finden Sie das witzig?“ „Man kann in der Wahl seiner Mittel nicht immer wählerisch sein, wenn man sie für eine Wahl braucht. Merken Sie sich das.“

„Überhaupt, siebenundzwanzig Prozent. Das ist doch total unrealistisch!“ „Außerdem reicht es überhaupt nicht aus.“ „Eben, wenn ich da an unsere Erfolge denke!“ „Vierzig Prozent!“ „Das kriegen wir mit den Hackfressen Scheuer und Seehofer im Handumdrehen wieder hin!“ „Naja, achtund…“ „Das sind immer noch zehn mehr als diese schwule Ökostalinistendrecksau!“ „… zwanzig. Also mit etwas Glück.“ „Wieso schwul?“ „Die lassen sich doch alle umoperieren, und dabei wird man halt schwul. Meine Güte, das weiß man doch!“ „Ihnen ist aber schon klar, dass wir so einen Bockmist im Wahlkampf nicht einmal im Bierzelt vor besoffenen Vollidioten als von der Meinungsfreiheit gedeckte Polemik durchkriegen?“ „Ja, weil diese verdammte Verbortspartei uns den Staatsanwalt auf den Hals hetzen wird!“ „Aggressive Meinungsmache vor der Wahl, mehr können die doch nicht!“ „Und Sie denken, die Wahl Ihrer Mittel bekommen Sie bei den Menschen draußen im Land verargumentiert?“ „Ich verargumentiere hier nicht, dieses Scheißpack soll gefälligst uns wählen und dann die Fresse halten, klar!?“

„Wen sollen wir denn statt Habeck aufstellen?“ „Naja, das müsste dann einer sein, der sehr hohe Fachkompetenz hat.“ „Und ein ganz klares Profil, damit wir einen Wiedererkennungswert haben.“ „Klasse, das ist doch ein tolle Kombination!“ „Das ist der Vorteil an unserer Partei, wir haben so viel Erfahrung, wir können jede politische Entscheidung aus Erfahrung treffen.“ „Und wir haben so viel Kompetenz, bei uns ist alles kompetent.“ „Und auf wen trifft das zu?“ „Was soll diese bescheuerte Frage?“ „Wir können doch jeden nehmen, den grünen Affen putzen wir einfach weg!“ „Okay, und mit wem genau?“ „Das ist doch nicht sein Ernst!?“ „Ich sage ja, Leute mit weniger als zehn Jahren Führungserfahrung haben im Wahlkampf nichts zu suchen.“ „Er soll aber sehr gut sein.“ „Sagt wer?“ „Also quasi jeder.“ „Hm.“ „Und, wer wird jetzt der Gegenkandidat?“ „Das haben wir doch neulich erst geklärt: unser Fraktionsvorsitzender hat die Große Vorsitzende nominiert und dafür richtig eins aufs Maul gekriegt, und damit ist die Sache gegessen.“ „Und, macht sie es jetzt?“ „Haben Sie noch alle Latten am Zaun!?“ „Wie gesagt: zehn Jahre.“ „Vermutlich wird er aus München bezahlt, anders ist nicht zu erklären, dass sie uns so ein altkluges Arschloch schicken.“

„Wir müssen viel mehr mobilisieren, sonst ist Deutschland bald ein KZ für anständige Bürger, die ganz normal mit dem SUV zur Arbeit fahren und abends ein Schnitzel essen!“ „Das kann doch keiner wollen!“ „Eben, und deshalb brauchen wir auch deutliche Worte!“ „Die wollen unsere Demokratie zerstören!“ „Alle sofort ins Arbeitslager!“ „Und damit wollen Sie die Bürger zurückgewinnen?“ „Wir werden und den Affenzirkus nicht mehr bieten lassen!“ „Diese verdammten Ökoterroristen!“ „Alle sofort ins…“ „Geht gar nicht!“ „Irgendwen müssen wir doch aufstellen, und wenn Sie meinen, wir hätten überhaupt nur Superspitzenkandidaten, dann sagen Sie mir: wen nehmen wir?“ „Das Mittel der Wahl.“ „Rufen Sie an?“ „Moment noch.“ „Wir brauchen einen echten Herausforderer, einen mit Kompetenz und Sachverstand, einen, der Rückhalt findet in der ganzen Partei und viel Anerkennung im Volk.“ „Hallo?“ „Und das ist wer?“ „Ist er da?“ „Hallo?“ „Jetzt sagen Sie schon!“ „Hallo, Herr Merz? Wir hätten da ein lukratives Angebot.“





Das Experiment

16 06 2019

Es waren böse Männer, beide schuldig
des Todes, und der Henker war bestellt.
Das Volk, es wartete schon ungeduldig,
dass je ein Kopf herab in Späne fällt.

Allein, es amüsierte ihren König –
Gustav der Dritte, dessen eingedenk –
zu spielen mit dem Leben nur ein wenig,
und macht das Leben ihnen zum Geschenk.

Er hieß sie, statt dass sie Köpfe ließen,
gefangen setzen hinter Schloss und Stein
und ihnen täglich Tränke aufzugießen,
und also schenkte er den beiden ein.

Gefährlich, meinte er, sind Kaffeebohnen,
darum trinkt einer davon reichlich Sud,
den anderen will er davon verschonen
und brüht ihm Tee. So steht das Schicksal gut,

dass einer von den beiden schwer erkranke
an Leib und Seele, Herz und Kopf und Bein,
der andere jedoch dann sonder Wanke
die Jahre übersteht und gießt sich ein.

Zwei Medici, die dieses überwachten,
notierten säuberlich, was man dort sah,
auch wenn sie oftmals über alles lachten.
Sie kamen dem Ergebnis niemals nah.

Erst starb der eine, dann der andre Leiter.
Das schuf dem König allerhand Verdruss.
Die beiden Buben tranken munter weiter,
sie tranken unentwegt und bis zum Schluss.

So mussten sie wohl keinen Henker leiden,
nur den Monarchen, der nach Wissen strebt.
Wohl achtzig Jahre alt waren die beiden
und haben ihren König überlebt.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXLVII)

15 06 2019

Zur Hochzeit trägt György in Sankt Veit
ein weißes, recht üppiges Kleid,
das hinten viel länger.
Der Anzug ist enger,
darum trägt ihn die holde Maid.

Alfredo, der züchtet in Guarne
im Garten sich tropische Farne,
um schließlich zum Spinnen
daraus zu gewinnen
die Fasern für pflanzliche Garne.

Was Csilla tagsüber in Wieb
mit Hilfe des Tippgeräts schrieb,
ward dann mit der Feder
notiert in mit Leder
bezogene Büchlein, wo’s blieb.

Renata, die schrie in Gigante,
weil es schon im Erdgeschoss brannte.
Es nahm dann den Gießer
der Neffe, und ließ er
es regnen herab auf die Tante.

Mit Eszters Hotel in Tubaken
gab’s Ärger. Es hat einen Haken,
der Gäste verprellte –
wie sich herausstellte,
hat Betten sie, doch keine Laken.

Es köchelt sich Max in Kleinguschelmuth
bisweilen ein Süppchen aus Muschelsud.
„Das ist, auch am Abend,
recht schmackhaft und labend,
wonach man ins Bettchen sich kuschel gut.“

Kauft Elemér Möbel in Kiek,
besteht er nicht selten auf Teak.
„Man sieht gut als Leiche
auf Teak aus und Eiche,
weshalb ich mich schon mal drauf schmieg.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXVIII): Sozialer Funktionalismus

14 06 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Nein, einfach war es nie. Bürger betrinken sich, kaufen auf Kredit große Autos, um den Nachbarn zu imponieren – oft ist es auch nur die Nachbarin, die aber überhaupt nichts mit der Größe des Kfz zu tun hat und allenfalls als Randfigur einer aus dem Ruder gelaufenen Korrelation erscheint – oder fliegen im Ganzkörpersegelanzug mit Schmackes gegen Felswände. Sie tragen ästhetisch fragwürdige Kleider und flamboyantes Schuhwerk, und solange sie noch jugendlich sind, bewegen sie sich zu nicht minder problematischer Musik oder dem, was sie für solche halten. Nicht einmal für den nötigen Nachwuchs sorgen sie, entweder zu früh oder nicht mit dem korrekten Verantwortungsbewusstsein, dass die Frucht ihres Leibes komplett ungebenedeit werde ohne je einen Kita- und Studienplatz. Sie sind einfach nicht zu steuern, und genau das sehen sie als großen Vorteil, das macht sie zu Menschen. Und genau das nervt jeden, der den sozialen Funktionalismus propagiert.

Der Durchschnitt lebt, und sein Gesicht ist das der neokonservativen Trockenschwimmer, für die die Bevölkerung nur ein verschiebbares Potenzial störrischer Wähler ist. Das mahnt mit schneidender Stimme zu Vernunft und Verzicht und hat damit bereits der inneren Dialektik das Schnippchen in die Fresse geschlagen, den Verzicht nämlich auf jegliche Vernunft. Man darf es nicht verwechseln mit dem Homo oeconomicus, jenem alten Nutzenmaximierer, der zwanzig Jahre lang dünne Margarine in sein Knäcke kratzt, um sich vom Erlös die Mutter aller Kreuzfahrten zu gönnen. Der konsumiert mit idealer Rationalität und feiert sich selbst für seine Schmerzfreiheit. Allenfalls gerät er ins Grübeln, ob der Mensch rauchen sollte, aber er löst das pragmatisch, rettet Arbeitsplätze in der Tabakindustrie und Arbeitsplätze in der Medizin, wobei er so zeitig verstirbt, dass er auch wieder für freien Wohnraum sorgt, für einen freien Job oder einen unbelegten Heimplatz und einen vakanten Sessel im Lichtspielhaus. Leben ist für ihn stetes Entscheiden unter Risiko, und dem gemäß wählt er, womit er bisher immer gut fuhr, die Vernunft.

Doch die ist dem Funktionalismus wumpe, hier zählt allein Moral oder das, was er dafür ausgibt, in Form sogenannter Werte, gerne verbrämt mit dem Anspruch stabilisierenden Verhaltens, denn wenn das – was? das andere, was sich freie Menschen in ihrer wahnhaften Wahlfreiheit einbilden – jeder täte, dann täte das ja bald jeder, und das geht nicht. Für den Funktionalisten zählt nicht die Mitte, als die er sich selbst definiert, sondern die quasi nicht erscheinende Standardabweichung. Gleichförmig hat der Existenzteilnehmer zu sein, nicht eine Summe seiner Individualismen, und höchstens da, wo er sich die Sinnhaftigkeit seines eigenen Moralanspruchs zusammenschwiemelt, frönt er der verbotenen Lust oder doch nur dem, was sein gründlich Todestrieb davon gelassen hat. Viel ist es nicht, das meiste entschieden analfixiert. Und genau das kommt auch dabei raus.

Denn nicht eine Gesellschaft, die ihre Gärten als orthogonale Zwangshandlung gestaltet und rituell nachharkt, eine gänzlich im Habitus ubiquitärer Ordentlichkeit verstumpfte Masse nationaler Bullen ist das Ziel. Ihre Aggression richtet sich wenigstens scheinbar nach außen, denn jeder darf kontrollieren, ob der Nachbar auch brav den Rasen trimmt, wenn das am Samstag alle tun, und im Gruppendruck geriert sich eine seltsame Solidarität, als wären sie alle immer schon gerne KZ-Aufseher geworden und leben ihr kleines bisschen erlaubten Realsadismus dann wenigstens an denen aus, die sie als schwach vorgesetzt bekommen: als Randgruppen markierte Personen, die an ihrer Situation selbst schuld sind, weil sie sich nicht fest genug vorgenommen haben, als weiße Deutsche mit Facharbeiterbrief in eine heteronormative Familie mit arisiertem Grundbesitz geboren zu werden. So erhält ein Opfervolk von oben Generalabsolution, wenn es zur Tat gegen die devianten Ausreißer schreitet.

Für diese Zwangshandlungsgehilfen ist auch die Entscheidung zur Ehe für alle ein Angriff auf das Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts und eine Ansage zum Kampf gegen schleichende Erosion. Wo Macht ist, keilt das nach unten, in aller Not selbst mit dem Verweis auf religiöse Tradition als Letztbegründung für Werte, die man eben dieser Religion kleinteilig abgetrotzt hat. Aller Groll auf die eigene Kleinbürgerlichkeit bläht sich dabei zu Stolz, Stolz auf die eigene Borniertheit, Stolz auf das reaktionäre Fundament, als hätte man es noch selbst gegossen. Frösche hocken im eigenen Sumpf und halten die eigene Perspektive für den Blick auf das ganze Universum, der Ereignishorizont ist knapp unter der Tümpelkante, aber sie sind alle kleine Herrscher, weil sie gerade keinen Fressfeind sehen. Im Grunde sollten sie genau jetzt aus Vernunft den Klapperstorch leugnen, der doch auf natürliche Weise für Bewegung sorgen würde. Und sie schaffen es auch, denn das Wasserloch gehört ihnen. Alles, was da draußen noch sein könnte, ist böse und muss notfalls bekriegt werden. Auch der eigene Glaube, auch dessen Ethik. Auch die Vernunft. Wo kämen wir denn sonst hin.





Wieder Vereinigung

13 06 2019

„Das machen Sie doch nur, weil Sie immer recht behalten wollen!“ „Das machen wir, weil wir in diesem Fall tatsächlich recht behalten haben.“ „Aber die Deutschen wollen eine konservative Mehrheit!“ „Und deshalb stellen Sie Ihren Vize als Kanzler auf?“ „Und Sie sind nämlich rassistisch!“

„Ich verstehe nicht, warum Sie so in Rage geraten, es war ein Angebot, mehr nicht.“ „Aber ein vergiftetes, das weiß doch jeder!“ „Naja, Sie müssen es nicht annehmen.“ „Sie wollen aber, dass wir das annehmen!“ „Das ist nun mal eben der Sinn eines Angebots.“ „Ich kenne die Art Angebote, die man nicht ablehnen kann! Sie wollen sich selbst und uns Schaden zufügen!“ „Wenn Sie damit so ein Problem haben, warum sind Sie dann immer noch in der Großen Koalition?“ „Sie und Ihre verdammten rhetorischen Taschenspielertricks, Sie werden uns jedenfalls nicht in die Enge treiben!“ „Wozu auch. Sie stehen doch mit dem Rücken schon halb in der Wand drin.“

„Außerdem, erklären Sie mir doch bitte mal, wozu brauchen wir zwei sozialdemokratische Parteien?“ „Weil es derzeit nicht einmal eine gibt.“ „Das beantwortet meine Frage nicht. Wozu zwei?“ „Weil eine in diesem Land nun mal dringend gebraucht wird.“ „Meine Güte, dann noch mal schriftlich: wozu zwei!?“ „Weil es dann nur noch eine gibt, und die hat ein ausreichendes Potenzial an Wählern, um politisch wieder Boden gutzumachen. Offenbar kommt Ihnen das nach den letzten Jahren am Glockenseil gar nicht mehr in den Sinn?“ „Was?“ „Dass man bei Wahlen antritt, um etwas zu verändern.“ „Wir liefern doch, merkt man das nicht draußen im Land?“ „Allein die Tatsache, dass das für Sie draußen im Land ist, zeigt doch schon, in welchem Elfenbeinturm Sie es sich gemütlich gemacht haben.“ „Tun Sie doch nicht so, als wäre die Wiederwahl für Sie unwichtig!“

„Jedenfalls werden Sie sich dazu ganz kräftig bewegen müssen.“ „Wieso denn wir?“ „Weil wir schon auf dem richtigen Weg sind.“ „Das sieht man ja auch an Ihren Wahlerfolgen.“ „Sie meinen also, eine Partei sei nur dann gut, wenn sie auch gewählt wird?“ „Dann verstehe ich Ihre Kritik an der SPD jedenfalls nicht mehr.“ „Weil Sie sich von Ihrer politischen Idee viel zu weit entfernt haben.“ „Ach, und Sie können ja nur Sozialismus!“ „Sich können ja nicht mal den.“ „Das muss ich mir von Ihnen nicht vorwerfen lassen!“ „Doch.“ „Warum denn?“ „Weil Sie gerade alles über Bord werfen, was an die Ideale Ihrer Partei zu erinnern droht.“ „Man muss sich auch mal von historischen Irrläufern trennen.“ „Also von den Grünen, meinen Sie?“ „Wir werden uns mit denen schon verständigen, dass wir eine vernünftige Bundesregierung unter der Führung der SPD auf die…“ „Das hat in den letzten Koalitionen ja auch ganz prima geklappt.“ „Was?“ „Naja, diese Minderheitsregierung der SPD, ohne dass es die anderen merken.“

„Und wenn wir uns regional aufstellen?“ „Wie hatten Sie sich das gedacht?“ „Nach dem Vorbild der Union.“ „Also nach dem Vorbild, nach dem Sie gerade alles an die Wand fahren.“ „Versuchen Sie nicht, witzig zu werden.“ „Sie wollen also eine Art Doppellösung wie mit der CSU?“ „Ja, und wir dachten an Ihren Part als den einer regionalen Ost-SPD.“ „Damit die Nazis in den neuen Ländern besser durchregieren können.“ „Also in Thüringen geht’s doch.“ „In Sachsen auch, da stellen die Nazis inzwischen den CDU-Kandidaten.“ „Jedenfalls könnte ich mir gut vorstellen, dass Sie da die eine oder andere Koalition hinkriegen, weil Sie die bessere regionale Verwurzelung haben.“ „Das liegt daran, dass Sie da Ihre eigenen Wurzeln mit Anlauf ausgerissen haben.“ „Aber da brauchen Sie dann auch keine Konkurrenz zu fürchten.“ „Konkurrenz von der SPD? und Sie denken, Ihre Witze seien besser!?“ „Da können Sie dann ein eigenes Profil erarbeiten, gerne auch rechtssozialistisch, und dann treffen wir uns auf Bundesebene wieder in der Mitte, weil da ja die Wahlen gewonnen werden.“ „In der Mitte?“ „Auf Bundesebene. Jedenfalls von uns, wenn wir uns wieder vereinigen.“ „Sie wollen eine Wiedervereinigung? Also eine Vereinigung wider besseren Wissen?“ „Nein, wir würden das natürlich getrennt schreiben.“ „Aha, einer unserer rhetorischen Taschenspielertricks, der ist nur gut, weil Sie ihn diesmal kopieren.“ „Hätten Sie wieder etwas gegen die Vereinigung?“ „Wir wären dann eher für getrenntes Marschieren.“ „So kann man aber nicht gemeinsam siegen.“ „Mit Ihnen zu siegen ist immer noch schlimmer, als sich selbst eine Niederlage einzuhandeln.“ „Genau dieser linke Separatismus ist es, der unser Land in Gefahr bringt, immer wieder!“ „Richtig, und in Gestalt der Grünen übernimmt dieser linke Separatismus gerade die politische Mehrheit, und das auch noch ganz demokratisch.“ „Das soll für die ja auch wie Demokratie aussehen.“ „Ich glaube, wir sind echt noch nicht so weit.“ „Richtig, da werden Sie sich als Linke doch noch ein ganzes Stück in Richtung Mitte bewegen müssen, bevor wir ein Angebot von Ihnen zur Kenntnis nehmen.“ „Wir können warten.“ „Und genau diese Arroganz ist es, warum ich mich frage, ob diese ganze Diskussion nicht sowieso überflüssig ist!“ „Oder noch sehr viel mehr.“ „Das können Sie als populistische Klientelpartei doch gar nicht beurteilen!“ „Ach, ich hätte da mal eine Frage.“ „Schießen Sie los.“ „Kann ich die Mauer noch mal sehen?“





Untauglicher Versuch

12 06 2019

„… widerspreche. Die Konversionstherapie sei laut vatikanischer Theologen eine der am meisten notwendigen Maßnahmen, um den Nachschub für die katholische Kirche zu…“

„… nur als Nebenerfolg der Therapie gelte. Die moralische Indoktrination, wie sie beispielsweise auch in ethisch durchaus verheerender Folge für die Gläubigen erfolge, werde durch die Kirche sehr viel nachhaltiger und gesellschaftlich durchaus im akzeptablen…“

„… solle eine Konversion zur glaubensfesten Homosexualität durch psychotherapeutisch mehr oder weniger geregelte Mittel durchaus machbar sein. Die Deutsche Bischofskonferenz werde in einer…“

„… dass sich die AfD von der christlich-abendländischen Kultur lossage und nach der Machtergreifung eine umgehende Gleichschaltung des kirchlichen…“

„… man den Nachwuchs in den Pfarreien nicht mehr gewährleisten könne. Zwar sei die Öffnung des Priesteramtes für externe Sachverständige auch eine akzeptable Lösung, der Vatikan wolle allerdings keine Existenzen, die knapp unter einem Haustier stünden, für die liturgische…“

„… grundgesetzlich verboten sei. Kein Mensch dürfe in Deutschland zu einer sexuellen Identität gezwungen werden, es sei denn, er arbeite für RTL, CDU oder die…“

„… sich nur falsch ausgedrückt habe. Die meisten Novizen seien homophil, hätten aber mit Haustieren nur seltene, meistens gar keine…“

„… nicht geklärt worden sei, ob der Einsatz homöopathischer Präparate gegen die sexuelle Orientierung unter Strafe gestellt werde. Sie sei strafrechtlich als untauglicher Versuch zu werten und dürfe nicht durch die…“

„… wolle sich die CDU erst eindeutig äußern, wenn die EU eine Rahmenrichtlinie für ein Gesetz verfasst habe. Kramp-Karrenbauer habe dies mit der Schwierigkeit der Präsidiumsmitglieder zu unterscheiden, die nicht zwischen Merkel und dem…“

„… es der Deutschen Bischofskonferenz auch darum gehe, ein Zeichen für mehr Toleranz und gesellschaftliche Offenheit zu setzen. Jeder dürfe sich nach Meinung der Kirche für eine eigene Orientierung entscheiden und seinen…“

„… es keinen wissenschaftlichen Beweis für die Nachhaltigkeit der Therapie gebe. Das Bundesgesundheitsministerium sehe hier in erster Linie Angebote, die mehr Schaden als…“

„… Kramp-Karrenbauer eine Förderung von Therapieangeboten strikt abgelehnt habe. Es sei für sie nicht auszuschließen, dass viele Menschen mit Absicht homosexuell würden, um keine Kinder adoptieren zu müssen, was sich sehr negativ auf den…“

„… habe der Vatikan der Bundesregierung ein geradezu mittelalterliches Menschenbild attestiert, das die Durchsetzung rudimentärer Rechte nicht im Geringsten zur…“

„… auch die EKD zustimme. Sobald sich Erwachsene in eine Konversionstherapie begeben würden, sei dies eine selbstbestimmte Handlung und dürfe nicht durch rechtlich fragwürdige…“

„… verbieten lassen wolle. Der Mensch sei als heterosexuelles Wesen geschaffen und könne durch die sogar im Schulunterricht angewandten Maßnahmen gar nicht umgepolt werden, so Meuthen. Seine Partei werde daher eine gesetzlich verankerte…“

„… bedrohe die Anerkennung der Konversionstherapie im Kern die Existenz einer stabilen Mehrheitsgesellschaft. Wenn immer mehr Deutsche sich entscheiden würden, einer sozial nicht anerkannten Minderheit angehören zu wollen, so Kramp-Karrenbauer, werde der Fortbestand der Gesellschaft als wirtschaftlich und politisches…“

„… trete die FDP für eine Liberalisierung ein und wolle die Therapie grundsätzlich freigeben, falls sich im Gegenzug Steuersenkungen für…“

„… die Kirche selbst als Therapieanbieter fungieren könne. Zugleich sehe die EKD hier ein wirksames Mittel gegen Homophobie, da mit den modernen psychologischen Ansätzen eine recht erfolgreiche…“

„… ein Werbeverbot für Homosexualisierung fordere. Gauland habe sich während seiner letzten Konsultationen mit der deutsch-russischen Gesandtschaft ein Bild verschafft und wolle so schnell wie möglich eine Umsetzung der…“

„… empfehle die Deutsche Bischofskonferenz der Bundesregierung eine Therapie gegen religiösen Fanatismus, um weitere Auswüchse in der Frage strikt zu…“

„… habe das deutsche Volk ein Recht auf ein traditionell gewachsenes Feindbild. Meuthen akzeptiere nicht, dass sich die Kirche mit…“

„… von Karlsruhe höchstrichterlich klären lassen wolle, ob es einen Rechtsanspruch auf eine Therapie gebe. Im widrigen Falle wolle die CSU ein sofortiges Verbot der…“