Aktionismusplan

23 01 2020

„… wolle die Bundesregierung mit dem Nationalen Aktionsplan Integration ein Maßnahmenpapier vorlegen, das ebenso wie die bisherigen Aktionen für mehr Steuergerechtigkeit, Arbeitnehmerschutz, Klimawahrung und eine gesamtgesellschaftlich gesehen verträgliche Einigung mit gewaltbereiten Rechtsextremisten, die sich für eine erneute…“

„… nicht erwünscht seien. Widmann-Mauz setze auf eine transparente Kampagne, damit die nach Deutschland vermittelten Fachkräfte bereits vor ihrer Ankunft wüssten, dass ihre Ausreise nach einem befristeten Aufenthalt nicht auf persönliches Verschulden, sondern auf die allgemeine…“

„… die Botschaftsangehörigen geschult werden müssten, um die Bundesrepublik als klassisches Einwandererland repräsentieren zu können. Nach dem Vorbild der USA wolle man jedoch eher auf den Transfer ausländischer Gelder für den Aufenthalt als auf die Einreise nach…“

„… werde auch der Wohnungsmarkt als wesentlicher Faktor bei der Integration in die deutsche Gesellschaft berücksichtigt. Wer drei Jahre lang vergeblich von seinem Heimatland in Afrika oder Ostasien aus versucht habe, ohne Kenntnisse der deutschen Sprache eine Wohnung für zwölf Personen kautionsfrei anzumieten, könne mit der Unterstützung der Behörden in der…“

„… wolle die Bundeswehr vor Ort mitwirken. Kramp-Karrenbauer unterstütze die Idee, dass Fachkräfte schon vor der Einreise erste Erfahrungen von Gewalt und Diskriminierung mit Staatsbürgern in deutschen Uniformen sammeln könnten, die für eine reibungslose…“

„… die Sozialgesetzgebung allerdings noch sehr deutlich angepasst werden müsse. So sei die Suche nach der geeigneten Stelle mit dem Auslandsdienst der Bundesagentur für Arbeit erheblich erschwert, da diese nur gesucht werden könne, wenn der Arbeitssuchende sich innerhalb weniger Stunden am Arbeitsplatz melde, was an den ostasiatischen Standorten nicht nur an der Datumsgrenze…“

„… den Aufenthaltsstatus wesentlich flexibler gestalten müssten. Die Bundesregierung erwarte den Arbeitnehmer, der dank einer Sonderregelung auch ohne gültigen Aufenthaltstitel sofort eine Berufstätigkeit aufnehmen könne, die allerdings bei einer Abschiebung auch umgehend wieder…“

„… würden die Fachkräfte im Aktionsplan von der Politik, von Arbeitgebern und Sozialverbänden ausdrücklich als Bereicherung bezeichnet. Für die Integrationsbeauftragte sei es nun nur noch die notwendige Eigenleistung der Einwanderer, sich selbst als Bereicherung für den…“

„… sich die Wirtschaftsverbände sehr zufrieden zeigten. Die Bahlsen GmbH & Co. KG habe mit einem neuen Unternehmenszweig für gehaltsfrei beschäftigte Arbeiter eine für den Standort sehr günstige Lösung geschaffen, die sich nachhaltig auf den gesamten…“

„… sich die sogenannten Engpassberufe nicht über die Quote der offenen Stellen definieren sollten, sondern über die Anzahl der deutschen Arbeitnehmer, die nicht mehr bereit seien, zu den gebotenen Löhnen und Gehältern in diesen Berufen zu arbeiten. Da beispielsweise in der Pflege eine dauerhafte Unterbesetzung drohe, könne eine quasi unbegrenzte Einwanderung für die…“

„… auch landestypische Werte wie etwa die Gleichstellung vermittelt werden. Für Altmaier reiche es allerdings aus, wenn die Bereitschaft vorhanden sei, seine Frau zu einem geringeren Gehalt auf einer Teilzeitstelle zu…“

„… auch Partikularinteressen betroffen seien. So habe sich Söder zusichern lassen, dass keine Arbeitsmigranten in Schützenvereinen oder Fußballmannschaften Mitglieder würden und auch nicht das Ziel hätten, in lokalen Kirchengemeinden zu ministrieren. Dies könne schnell zu einer nicht artgerechten Haltung der prekär Beschäftigen führen, die sich in ländlichen Gebieten nur als…“

„… analog der üblichen EU-Regeln gelte. Ein Fremdarbeiter, der wie von der Bundesregierung die Union zuerst über deutschen Boden betrete, verwirke damit automatisch sein Recht auf einen Arbeitsplatz in einem anderen Staat und könne auch bis auf Weiteres nicht mehr die Freizügigkeit für sich in Anspruch nehmen. Auch dies diene der Stärkung des Standorts, da die EU-Nachbarn bisher nicht in der Lage gewesen seien, die Migranten mit ausreichend finanziellen…“

„… die Integration auf Bewährung erfolge. Seehofer halte die lebenslange Kontrolle einer Eindeutschung im Abstand von zwei bis drei Jahren für eine gute Maßnahme, um die Schläfer, die keinen Schweinebraten zubereiten und in eine Gewerkschaft eintreten wollten, für einen notwendigen Schritt, den er bis zur letzten Patrone…“

„… keine ausländischen Abschlüsse anerkennen wolle. Die deutschen Handwerkskammern hätten große Bedenken, wenn etwa Gebäudereinigung oder Müllsortierung nach nicht in Deutschland geltenden Standards vorgenommen würden, da dadurch mittelfristig ein Ende der christlich-abendländischen Kultur und sowie aller damit verbundenen…“





Dorfdeppen

22 01 2020

„Julia Klöckner sollte den Behindertenparkplatz nutzen dürfen.“ „Da sind wir mit Ihnen ganz einer Meinung.“ „Doch, ja.“ „Aber trotzdem ist die Idee gut.“ „Warum?“ „Haben Sie eine bessere?“ „Was ist an der Idee gut, die Bevölkerung zu polarisieren und dann feindliche Lager aufeinander zu hetzen?“ „Macht es denn die Regierung anders?“

„Diese ganze Kampagne ist schon deshalb total destruktiv, weil es das Ziel der Bundesregierung sein muss, für einheitliche Lebensbedingungen in der ganzen Republik zu sorgen.“ „Wir sind da ganz bei Ihnen.“ „Echt.“ „Aber man muss da auch mal die Konsequenzen in Betracht ziehen.“ „Wenn wir jetzt hier im Westen Bedingungen schaffen würden, in denen man nicht mehr so tun müsste, als seien die Flüchtlinge eine Bereicherung für unser Land, dann können wir einpacken.“ „Es geht nicht darum, sie als Bereicherung anzusehen, wir sollten sie wie Menschen behandeln.“ „Das wäre noch schlimmer.“ „Bevor Sie uns mit dem Grundgesetz kommen…“ „Sie meinen also, ich soll nach drüben gehen?“ „Schade.“ „Was?“ „Ich hatte mich so gefreut, das einmal in meinem Leben zu jemandem nach 1990 zu sagen.“ „Aber nehmen Sie es nicht persönlich.“

„Schauen Sie, das ist ein sehr beispielhafter Fall. Das zeigt die unterschiedlichen Standpunkte, und wenn Sie sich für einen entscheiden müssen, dann wählen Sie am besten den, der Ihnen auch eine Abgrenzung von anderen erlaubt.“ „Also ist die Entscheidung, als Arbeitnehmer vom Staat benachteiligt zu werden, auch eine Entscheidung gegen die Arbeitgeber?“ „Wieso werden Sie denn als Arbeitnehmer vom Staat benachteiligt?“ „Weil die Arbeitsmarktpolitik die Lohnentwicklung nicht begünstigt.“ „Natürlich, weil ja auf der anderen Seite die Arbeitgeber unterstützt werden müssen.“ „Damit die Löhne stabil bleiben?“ „Ich glaube, Sie haben es noch nicht so ganz begriffen.“ „Die sollen schon stabil bleiben, aber sich nicht unbedingt auch nach oben entwickeln.“ „Verstehe, und weil es in meinem Betrieb dadurch auch nicht mehr genug Fachkräfte gibt, ist es gut, wenn durch diese Politik mein eigener Arbeitsplatz gefährdet ist, obwohl mein Arbeitgeber…“ „Jetzt nerven Sie uns nicht mit komplizierten Denkmodellen, das hilft uns im Wahlkampf nicht weiter.“ „Eben.“ „Vor allem nicht im Lagerwahlkampf.“ „Sehr richtig.“

„Es ist Ihnen also wichtig, dass wir als Wähler grundsätzlich gespalten sind.“ „Naja, nicht gerade grundsätzlich, aber im Prinzip schon.“ „Das ist eine Frage der Maxime.“ „Wir müssen dafür sorgen, dass die Wähler sich im Recht fühlen, die wandern sonst noch zu einer anderen Partei ab.“ „Also zum Beispiel die Mieter oder die Vermieter.“ „Oder die Bürger und die äääh…“ „Also alle anderen, Sie verstehen schon.“ „Und wenn man jetzt die Position der anderen nachvollziehen kann und das trotzdem nicht gutheißt?“ „Dann sind Sie innerparteiliche Opposition, das können wir uns nicht leisten.“ „Da können Sie ja gleich zu den anderen gehen.“ „Bei uns herrscht jedenfalls Geschlossenheit.“ „Also vor den Wahlen.“ „Oder wenn die Vorsitzende das so anordnet.“ „Und wenn alle mitmachen.“

„Und wenn ich nun als Stadtbewohner nicht einsehe, dass sich diese Partei mit Dorfdeppen gemein macht, um irgendwelche Klischees über die soziale Entwicklung in Deutschland breitzutreten?“ „Dann ist das auch innerparteiliche Opposition.“ „Aber diesmal finden wir die gut.“ „Weil wir ja als Volkspartei auch eine gewisse Bandbreite abbilden müssen.“ „Und solche Spannungen halten wir dann aus.“ „Immer vorausgesetzt, dass wir bei der Besetzung wichtiger Mandate Prioritäten setzen können.“ „Stellen Sie sich mal vor, wir würden so einen Hinterwäldler in die Parteispitze…“ „Oder als Vorsitzende!“ „Nee, das können Sie sich dann mal abschminken.“ „Falls das Ihre Absicht gewesen sein sollte.“ „Eben.“ „Also nur so als Frage.“

„Dann haben Sie meine Frage ja erschöpfend beantwortet.“ „Ach, ist doch selbstverständlich.“ „Welche Frage?“ „Dass Ihre Partei einfach nur eine beschissene Hetzkampagne raushaut, weil an den entscheidenden Stellen für Krisenkommunikation geistig minderbemittelte Arschlöcher hocken.“ „Das wollen wir zunächst einmal nicht abstreiten.“ „Ja, man kann das so ausdrücken.“ „Ich würde sogar sagen, Sie haben hier eine wichtige Sache sehr schön auf den Punkt gebracht.“ „Wirklich!“ „Und, was folgt daraus jetzt?“ „Dann würde ich Ihnen empfehlen, wählen Sie unsere Partei.“ „Was!?“ „Im ersten Schritt ist das natürlich schon ausreichend.“ „Sie können sich ja dann immer noch überlegen, ob Sie sich nicht zu einer Mitgliedschaft entschließen.“ „Das wäre langfristig bestimmt der bessere Weg.“ „So können Sie auch die innerparteilichen Gegner von Ihren Standpunkten überzeugen.“ „Und da wird es sicher sehr viele geben, die Sie bisher noch gar nicht kennen gelernt haben.“ „Was soll ich in Ihrem Laden!?“ „Zunächst wäre es gut, sich auf einen offenen Dialog einzulassen.“ „Und dann können wir Schritt für Schritt die Krisenkommunikation verbessern.“ „Oder auch andere kommunikative Dinge.“ „Oder irgendwann auch die Partei.“ „Sie müssen nur wollen.“ „Es ist ja gar nicht so schwer, wie Sie sich das vorstellen.“ „Denken Sie nur an den Fachkräftemangel, der uns alle betrifft.“ „Sie könnten hier wirklich ein Zeichen setzen.“ „Und was wollen Sie von mir?“ „In den ersten Tagen verschaffen Sie sich einfach einen Überblick.“ „Nach zwei Wochen sind Sie in der Fraktion wie zu Hause.“ „Man lernt sich so schnell kennen!“ „Sie werden sehen, nächstes Jahr sind Sie schon auf dem Bundesparteitag.“ „Da werden immer Delegierte gesucht.“ „Und dann?“ „Überlegen Sie mal: wären Sie nicht auch gerne Bundesminister? Zum Beispiel für Landwirtschaft?“





Ausgewogene Kost

21 01 2020

Die rote Linie an der Wand lief schnurgerade an der Wand entlang. Es roch muffig, wie nach feuchter Wäsche, und genau das hätte man hier unterhalb des Gebäudekomplexes auch erwarten können. „Nur noch ein paar Schritte“, ächzte Fritzchen mit angehaltenem Atem. „Wir sind gleich da.“ Ich blickt auf die blaue Linie. „Sie sind sich sicher, dass wir nicht aus Versehen in der Pathologie landen?“ Er grinste gequält. „Das riecht hier immer so.“

Und Gustav Fritzchen, der Abteilungsleiter der Verpflegung, sollte natürlich recht behalten. Hier im Bauch der städtischen Klinik waren es nur wenige Meter bis zur Küche; kurz danach kamen wir am Lieferanteneingang an. „Legen Sie den Kittel an“, riet mir Herr Fritzchen. „Selbstverständlich“, antwortete ich. „So ist es gut“, lobte er. „Wenn Sie sich hier schmutzig machen, müssten wir am Ende noch die Reinigung bezahlen.“ Ich gehorchte und sah mich um. An der Schmalseite des Eingangs stand eine Beiköchin und wendete Wurstscheiben auf einem großen Teller um. „Aha“, merkte ich anerkennend auf. „Sie lassen die Salami für die Beilagen etwas Temperatur bekommen.“ Er guckte reflexartig nach unten, und ich weiß nicht mehr, ob er auch den Kopf schüttelte. „Das ist Jagdwurst“, erklärte Fritzchen. „Unsere Patienten sind einen gewissen Standard gewohnt, deshalb müssen wir den produktseitigen Feuchtigkeitsgehalt an die hier üblichen Verhältnisse anpassen.“ Ich war erstaunt. „Sie meinen, Sie trocknen die Wurst für morgen aus?“ Er sah sich erstaunt im Raum um. „Das ist so nicht ganz korrekt. Die Wurst ist selbstverständlich für übermorgen.“

Es war nicht zu leugnen, man hatte mich hierhin geschickt, die Qualität der Krankenhausverpflegung zu beurteilen. Mehrere Versuche, eine schwere Magenerkrankung zu simulieren, einen Beinbruch vorzutäuschen oder mich für Napoleon auszugeben – seit den Wahlergebnissen in Sachsen und Thüringen waren die geschlossenen Abteilungen sowieso bis auf Weiteres ausgebucht – waren dann doch fruchtlos geblieben, also musste ich mich in diese unliebsame Rolle begeben. „Wir versorgen hier etwa dreitausend Betten mit drei Mahlzeiten pro Tag“, informierte mich Herr Fritzchen. „Da muss man einen strikten Plan einhalten, sonst ist die Versorgung gefährdet. Und Sie müssen dabei immer berücksichtigen, wir arbeiten nicht für eine normale Kantine, dies ist die Verpflegung für ein Klinikum.“ Er blickte auf den Plan der Wand. „Die Zeiten in einer Betriebskantine habe ich lange hinter mir. Zehntausend Essen. Das ist zum Glück vorbei.“

Der Küchenhelfer zerlegte mit Hilfe eines offensichtlich stumpfen Messers grüne Gurken in unregelmäßige Scheiben. „Wir lassen moderne Einflüsse in unserer Küche zu“, schwärmte Herr Fritzchen. „Aber mit einem Gurkenhobel ginge das doch viel schneller?“ Er lächelte milde. „Einerseits setzen wir auf Individualität, andererseits ist dies auch ein gutes Mittel der betriebswirtschaftlichen Performance. Sehen Sie?“ Ein dienstbarer Geist sortierte je drei unregelmäßige Gurkenscheiben mit der Pinzette in ein Glasschälchen. „Wir achten sehr genau darauf, dass eine der Scheiben besonders dick ist, so haben wir immer eine Diskussion unter den Patienten.“ Ich begriff. „Es gibt also eine Art vertreibende Verpflegung.“ Er lächelte wieder. „Die Verköstigung ist als eine durchaus aktivierende Maßnahme zu verstehen.“

Über den Nudeln in Kessel IV stand ein laut piepender Zeitmesser. „Damit wir die nämlich nicht vergessen“, strahlte Hotte, Chefkoch der Etage. „Die kochen normal bis hier, irgendwie – und dann noch zehn Minuten extra.“ „Was steht denn auf der Verpackung?“ Fritzchens Gesicht verfinsterte sich schlagartig, aber das machte mir gar nichts aus. „Sie haben Ihre Richtlinien.“ Er riss unbewusst die Knochen zusammen. „Teigwaren werden auf der gastroenterologischen Station verabreicht, sonst nur die normale Kost.“ „Interessant.“ Er rührte sich. „Die essen es zwar, aber wenn sie es nicht bei sich behalten können, hören wir nie eine Beschwerde.“

Ich hatte zwar schon genug gesehen, aber mein Küchenaufseher schien noch nicht recht zufrieden. „Wir haben auch noch Speisepläne für Sonntage, Magenkranke und wenig interessante Fälle.“ Ich blätterte in meiner Liste. „Es fehlt hier aber auch ein Gericht mit Vitamin B9 und eine Speise mit…“ „Großartig!“ Fritzchen strahlte. „Sie sehen, die Ärzte werden unsere Patienten wieder in unser Klinikum einweisen, wo sie mit genau derselben Diät dieselben Ergebnisse…“ Ich drehte mich abrupt um.

„Moment“, keuchte Herr Fritzchen. Die rote Linie war schon zur Hälfte am Ende, der allgemeine Versorgungstrakt fast gewonnen. „So ist das ja nicht, wir haben eine besondere kulinarische Linie für Sie eingeplant.“ Zögernd blätterte er in seinem Ordner die Fischstäbchen auf. „Sie werden doch wohl einsehen, dass wir diesen Luxus nicht jedem Patienten angedeihen lassen können, oder?“ In der Tat, die Petersiliendekoration ließ mich zweifeln. „Wir sollten das nicht an die große Glocke hängen.“ „Ach, ich würde Ihnen so gerne ein paar frische Brötchen mitgeben“, sagte er. „Kommen Sie einfach übermorgen noch mal vorbei.“





Blitzableiter

20 01 2020

„Das ist eine organisatorische Frage. Der Papst ist für die ganzen fundamentaltheologischen Sachen da und für die Priesteraufgaben und für die Besuche im Ausland, und der Ratzinger labert halt Scheiße. Also quasi den heiligen Stuhl.

Klar, der Vatikan polarisiert. Deshalb ist es in dieser Zeit gerade so gut, dass wir nicht nur einen äußerst kontroversen Papst haben, sondern auch noch diesen ausgedienten Bayern im Schuppen. Das wirkt erst mal sehr merkwürdig, weil das im ganzen Reformprozess, der sich seit langer Zeit, also quasi seit der Gründung angestaut hat, weil das jetzt eben so enorm kontraproduktiv wirkt. Das ist nicht ganz ungefährlich, vor allem in Situationen, wo man in der Öffentlichkeit zeigen muss, dass man sich mit den Forderungen seiner zahlenden Kunden auseinandersetzt. Oder sie überhaupt erst mal zur Kenntnis genommen und dann auch kapiert hat. Und gerade dann ist da dieser eine Typ, dieser Hemmschuh, der im Grunde alles verhindert, was nach Modernisierung und Nachhaltigkeit aussieht. Siemens ist doch immer noch Konzern von Weltruf, trotzdem beschäftigen die Joe Kaeser. Oder hier, die SPD – Olaf Scholz.

In der Hinsicht sind wir wie die Industrie, die sich gegen den Klimawandel wehrt. Erst wehren wir uns gegen die, die nachweisen, dass wir Mist gebaut haben und weiter Mist bauen, dann leugnen wir, dass wir überhaupt Mist bauen können, dann bezeichnen wir alle als Lügner, die behaupten, dass Mist überhaupt existiert, und dann geben wir den Opfern die Schuld. Das kann man beliebig lange so weitermachen, uns kommt nur unangenehmerweise dieses metaphysische Zeugs dazwischen, das die Leute glauben, weil es in der Bibel steht. Man muss da schon eine sehr straffe Unternehmensführung haben, sonst kann man sich die Rendite in die Haare schmieren. Wir können nicht ewig warten mit der Reform des Pflichtzölibats, die Frauen, die wir uns als Arbeitstiere halten, wachsen leider auch nicht so schnell nach, wir müssen uns überlegen, wie wir das langfristig geregelt kriegen. Deshalb leisten wir uns für die Kundenbindung der rechten Kräfte auch einen zusätzlichen Aufsichtsrat. Für die unangenehmen Zwischenfälle. Wenn Sie sich auf den Glauben verlassen, sind Sie verloren. Deshalb ist auf jeder Kirche ja auch ein Blitzableiter.

Wir haben das jetzt auch in unsere offizielle Kommunikationsstrategie aufgenommen, damit die beiden ihre Erklärungen abwechselnd an die Presse schicken. Gute Bulle, böse Bulle. Dass Ratzinger da jetzt plötzlich einen Fallrückzieher macht, das war so nicht geplant, aber letztlich ist es für das Profil ganz gut, wenn sich der Papst jetzt von dieser Seite angegriffen sieht. Das erspart uns, dass wir nach fünfhundert Jahren die nächste Spaltung riskieren, und das wäre nicht nur marketingtechnisch eine Katastrophe. Diversifikation ist zwar praktisch, um möglichst den kompletten Markt abzudecken, aber bei unserem Produkt wird das kompliziert. Es wäre schon eine Herausforderung, sich einen neuen Markennamen auszudenken. Altkatholiken gibt’s schon, und die sind auch noch viel progressiver als der Marktführer.

Im Normalfall macht man interne Kritiker ja schnell mundtot. Oder man schiebt sie irgendwo in eine eigene Sparte ab, wo sie nicht mehr viel zu melden haben. Als Großinquisitor hat der Alte einen ganz guten Job gemacht, das muss man ihm lassen. Immerhin hat das mittlere Management vor ihm immer noch Angst. Aber ich sehe es noch nicht, dass wir eine feindliche Übernahme zu befürchten haben. Dazu fehlen ihm dann doch die Mittel. Der Laden ist ihm über den Kopf gewachsen.

Möglicherweise ist der Ratzinger auch schon dementer, als es vorher den Anschein hatte. Die Vorgänger waren ja auch nicht mehr alle ganz dicht – was erwarten Sie auch bei einem Berufsbild, in dem man Anweisungen von einem unsichtbaren Mann bekommt, den man erst nach seinem Tod kennen lernt. Natürlich gibt es da auch einige, die den Ratzinger als ein ausgekochtes Schlitzohr sehen und meinen, dem sei es völlig egal, wer unter ihm Papst ist. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte. Gegenpäpste hat es ja schon immer gegeben, und wenn Franziskus ihn jetzt als Ketzer an die frische Luft setzt, dann denken Sie daran, dass auch schon genügend Päpste plötzlich Visite beim Chef hatten.

Für dieses Jahr werden wir noch einen bis zwei Durchgänge erwarten können, ich tippe man auf das Thema Frauenordination. Da wird der Ratzinger irgendeinen antifeministischen Scheißdreck vom Stapel lassen, dann gibt es einen Aufschrei, die Deutsche Bischofskonferenz wird sich von dem alten Sack distanzieren, und der Papst lenkt mit viel harmoniesüchtigem Gelaber vom Konflikt ab. Falls seiner Heiligkeit nicht plötzlich der Hals platzt, er hat ja gesagt, wer seine Mutter beleidigt, kriegt aufs Maul. Dann wird er halt lernen müssen, wie wir das mit den Führungsaufgaben schon seit unserer Gründung gelöst haben. Es kann nur einen geben.“





Organspende

19 01 2020

Oft wird philosophiert, ob Katzen tatsächlich den Menschen lieben oder doch die Annehmlichkeiten, welche das Dasein als Heimtier mit sich bringt. Im Journal of Forensic Sciences haben nun Sara Garcia et. al. nachgewiesen, dass offen liegende Leichen, deren Verfallsprozess die Forscher studieren, nicht nur von den üblichen Wildtieren angefressen werden, sondern auch von streunenden Katzen. Immerhin blieben die Tiere ihrem Ruf als Feinschmecker treu und nagten an den delikatesten Stellen der Arme, an Haut und zartem Fettgewebe. Katzenfutter mit Mausaroma ist damit endgültig aus dem Rennen, man sieht ja, sie haben uns zum Fressen gern. Vielleicht setzt sich der Gedanke durch, Organe nicht nur an seine Mitmenschen zu spenden. Alle weiteren Anzeichen, dass der große Kreislauf der Natur viele innovative Lösungen birgt, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • nazis in deutschland: Was für eine Überraschung!
  • deutschland nazis: Ach was, seit 1945 nicht mehr!
  • namen im internet: Außerhalb scheint es keine zu geben.
  • erkältung rezepte: Ich kriege meine immer ohne hin.
  • rassismus polizei rufen: Das garantiert meist den Erfolg.
  • afrika urlaub billig: Wir hätten die Kolonien doch nicht aufgeben sollen.
  • ministerium kaputt: Eins!?




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLXXVI)

18 01 2020

Es restauriert Jan in Mykutten
viel kirchliche Kunst, meistens Putten.
Dem Pfarrer zuliebe
(wohl wegen der Triebe)
hüllt er sie dann ein ganz in Kutten.

Damián wienert in Tultepec
den Boden. Noch sieht man den Dreck.
Er reibt noch und nöcher –
schon sieht man die Löcher.
Doch immerhin ist der Fleck weg.

Von Grażyna kennt man in Leisten
die Gänse. Sie züchtet die meisten
der Tiere schon lange
nach Klang im Gesange.
Verkaufen kann sie nur die feisten.

Kittikachorn macht in Bang Khen
viel Schnäpse. „Wenn ich etwas brenn,
zähl ich beim Herstellen
nicht so zu den Schnellen.
Den kriegt auch nur, wen ich schon kenn.“

Es kauft Tomasz sich in Lucknaien
den Besen neu. Bald wird es schneien.
Es nieselt. Die Sonne
scheint kurz, doch voll Wonne.
Er wird sich dies niemals verzeihen.

Haroldo in Quetzaltenango
plagt Rückenschmerz, oft auch beim Tango.
Man rät ihm, zum Tanzen
das Beste sind Pflanzen.
Er schwört seitdem nur noch auf Mango.

Mathias betreut in Lakellen
zwei Seehunde. Dass die nicht bellen,
betrübt ihn. Er baute
in ihre vertraute
Umgebung die Lösung für Wellen.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXCVII): Geocaching

17 01 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Früher waren es noch schnaufende Troglodyten, die durch den Knick strauchelten. Ab und zu latschten sie knacksend über Schnecken und Eier, aber das hielt sie nicht von ihrem Tun ab. Heute findet man sie in rustikale Polyesterhüllen gepfropft in den Rückzugsgebieten des Buntspechts, wie sie geräuschinvasiv ins Gelände einfallen, Höhenzüge erledigen und die Fauna verstört zurücklassen. Jeder erkennt sie, wie sie ihr technisches Gerät in der Sonne schwenken, wochenendliche Hasardeure der fröhlichen Zerstörung. Wer hat sich diesen Unfug nur ausgedacht, und vor allem: warum? Die Antwort, so werden die Freunde des Geocaching sagen, liegt irgendwo auf der Streuobstwiese in einer nicht grundwasserneutralen PVC-Kapsel.

Normale Menschen, die zumindest aufrechten Gang und zügige Atmung souverän miteinander zu verbinden wissen, kanalisieren ihre überschüssige Energie in normalen Freizeitbeschäftigungen wie Pistolenschießen, Insektenzucht oder Bierkonsum. Wer das nicht unfallfrei auf die Kette zu kriegen droht, muss sich in Übergangsjacke und Helm im Naturschutzgebiet herumtreiben, größtenteils in der Zone, die den Hominiden als Störfaktor so gut gebrauchen kann wie ein Reisebusfahrer die Schlafkrankheit. Bunte Plastebömmel lagern hier und da in der Kohlenstoffwelt, darin ein Stückchen Papier, beschrieben mit Namen der Knalltüten, die auf der Jagd nach Schnitzeln ihr eigenes Kürzel dazuschwiemeln, als sei ihre geistige Müllabladung ein Abenteuer. Dabei ist das Auffinden der Dinger im Feld ähnlich komplex wie Wanderungen in einer beliebigen Innenstadt unter Benutzung eines aus amtlichem Kartenmaterial erstellten Faltplans. Der postmoderne Schatzsucher bedient sich seines satellitengesteuerten GPS-Geräts, tapert durch Saat und Frucht schnurstracks auf die Koordinate und lokalisiert die einzige als biotopfremd erkennbare Kiste, die eher nicht auf dem Kunststoffbaum gewachsen ist. Was kann schöner sein.

Wie gesagt, der Wald. Dem Bekloppten ist es zumeist wumpe, dass er in Schutzgebiete eindringt und dort fröhlich marodiert. Es sind sinnigerweise dieselben Flusenlutscher, die beim Anblick eines angeblichen Wolfs in Geweimer ausbrechen und lautstark den Abschuss des bösen Tiers fordern, das nicht in die Natur gehört, wie sie der eventbekiffte Turnschuhtourist vorzufinden wünscht. Hausrecht ist den Nudelbiegern sowieso egal, und wo sie ihren Schritt verklappen. Kommt es auf unwegsamer Strecke, am Hang oder in der Höhe, zum Unfall, zahlt der Grundstückseigner für die klinische Doofheit seiner ungebetenen Gäste, sofern er deren Anwesenheit nicht zuvor verboten hat. Da es dem Zeitgeist der Zielgruppe entspricht, immer extremer gelagerte Fundorte zu wählen, die naturgemäß zum Rückzugsort zahlreicher Arten gehören, auch in temporärer Brut und Brunft, gehört das Verlassen des gesicherten Weges längst zum guten Ton. Ebenso lässt sich die Schnitzeljagdgesellschaft nichts anmerken, wenn sie von Unbeteiligten auf frischer Tat ertappt wird; Geheimniskrämerei in ridiküler Pose scheint sich da mehr zu ziemen.

Die geistige Herausforderung, nicht mehr nach den Sternen, nach Landmarken oder notfalls dem Kompass durch die Pampa zu streifen, sondern die elektronische Trulla zu verwenden, stempelt diese Tätigkeit denn auch hinlänglich zum Instant-Spaß für mit allem überforderte Yuppies ab, die zwar ein bisschen Adventure im Outdoor-Bereich haben wollen, aber mehr so Fun, nicht wirklich wirklich. Wie muss man sich das vorstellen? Hackt der hippe Wurstverkäufer am Wochenende aus dem Netz das Navi voll und hakt dann mit seiner Nachbarina als Kapselkasper die Überraschungseier im Grünen ab? Hört man alle zehn Minuten, wie die Kursleiterin Sie haben Ihr Ziel erreicht durch die Hecke knödelt? Wahrscheinlich war das alles nur ein Missverständnis, als am Rande eines gründlich aus dem Ruder gelaufenen Marketing-Kongresses ein Vertriebsleiter für GPS-Spielzeug bei mehr als genug billigem Alkohol mit dem Chefstrategen eines Herstellers von Funktionskleidung für ästhetisch sonderbegabte Zwangsgestörte beschloss, den ganzen Schmodder im Doppelpack als Lifestyle anzupreisen und an alle zu verkaufen, die sich ab Samstag außerhalb der Zivilisation aufhalten, weil es keinen gibt, der sie innerhalb vermissen würde. Dass man damit inzwischen eine Menge Kohle machen kann, ist nur folgerichtig.

Warten wir darauf, dass der erste Depp sein Gebamsel in einer belebten Fußgängerzone oder an einem Verkehrsknotenpunkt deponiert und darauf von ein paar freundlichen, aber maskierten Herren mit halbautomatischem Gewehr im Anschlag aufs Pflaster befördert wird, weil das SEK Semtex oder Heroin im Container vermutet. Vielleicht ruft auch ein Revierförster vergeblich den Hobbykletterer an, bevor er ihn per Großkaliber aus der Föhre klaubt. Es trüge doch maßgeblich zu mehr Achtsamkeit bei, wenn der Mensch wieder mehr Respekt dadurch bekäme für die majestätische Ruhe des Anorganischen. Er hätte sein Ziel erreicht.