In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXLIV)

27 05 2017

Es wundern Gerlinde in Gaas,
die abends im Garten noch las,
die Maiblumendüfte,
wie feucht sind die Lüfte –
es quaken die Frösche im Gras.

Sieht Genrich, der Spieß aus Arutsch,
die Hosen, so sind sie nun futsch.
Nur noch kurze Beine,
der Rest auf der Leine.
Jetzt wird’s erstmal nichts mit dem Putsch.

Es züchtet Hans in Oberdrosen
recht haltbare Sorten von Rosen,
die zwar auch verblühen,
doch scheut er nicht Mühen.
Er bietet sie an – auch in Dosen.

Dass Nixon macht in Kabarnet
beim Laufen den Rückstand oft wett,
bringt manche Sekunden.
Man hat rausgefunden,
er geht schon mit Schuhen ins Bett.

Es pflegte sich Joschi in Welten
im Frühling partout zu erkälten.
Die Ärzte, die stutzten,
was sie auch benutzten.
Er musste im März immer zelten.

Boughera verkauft in Boughouf
Skulpturen, die er auch erschuf.
Die waren aus Käse.
Das bringt kaum Erlöse,
doch hat keiner diesen Beruf.

Der Loisl, der schoss sich in Tadten
recht wunderlich Tiere zum Braten.
Die Gäste vertrauten
ihm nicht, was sie kauten.
Sie mussten es immer erraten.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXXIV): Krieg am Arbeitsplatz

26 05 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wahrscheinlich hatte es seinen Ursprung in der Stammesgesellschaft. Der große Mammutspieß musste gerade geführt werden und erforderte daher zwei Kräfte, Nggr und seinen Schwager. Jeder wollte einmal nach vorne. Damit fing das Elend an. In der Zeit, die die beiden Grützbirnen mit ihren sinnlosen Grundsatzdiskussionen verplemperten, hätte ein schlagkräftiges Duo aus wirtschaftlichen Interessen, zur Arbeitsplatzsicherung und zur Festigung des regionalen Absatzmarktes drei Arten auf dem Kontinent vollständig ausrotten können. Im Alleingang. Ohne Betriebsrat, Management und Mitarbeiterschulungen. Wie durch ein Wunder ist in diesen Jahren keiner von ihnen in den Staub der Steppe planiert worden, weil ihr dusseliges Gezänk jedes Mammut schon von Weitem in die Flucht geschlagen hat. Heute sind sie Anlagenmechaniker, Großhandelskaufleute oder Lohnbuchhalter, auf jeden Fall irgendetwas mit Bürostühlen, von denen der eine neuer und der andere bequemer ist, oder in einer Werkstatt, bei der eine Maschine näher am Fenster steht als die andere. Sie hätten genug Zeit für nobelpreistaugliche Erfindungen gehabt. Aber eben auch für einen Krieg am Arbeitsplatz.

In Phasen der ökonomischen Unsicherheit, in der Rezession oder größeren Umbrüchen, ist der beste Frühindikator das Betriebsklima. Hier und da ahnt man verdeckt getragene Schuss-, Hieb-, Stich- oder Massenvernichtungswaffen, die Kollegin hat ihr formschönes Halstuch nicht nur zum Tragen, der eine oder andere sägt aus Gewohnheit alles an, was nicht an der Decke verschraubt ist. Keiner soll dem Kapital nachsagen, es unterdrücke die Kreativität seiner Subjekte. Was allein in Schreibstuben und Warenlagern an schöpferischer Zerstörung entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht – und dabei möglichst viele kognitiv suboptimierte Knalltüten mit in den Orkus reißt, weil nur dies Platz schafft für eine Auferstehung aus hausgemachten Ruinen. Der Hominide, jene Talentdetonation am Rande der Zweckmäßigkeit, hat dafür Maßstäbe ersonnen, die für Generationen reichen, um sich und vor allem anderen den Tag zu versauen. Darf Uga an den Kaffeevollautomaten? Warum parkt Rrt seine Karre auf demselben Platz wie der Chef? Und wer bezahlt den ganzen Schmodder? Das sind die relevanten Fragen, hinter denen die Einfuhrzölle für Kakao aus Kasachstan zurücktreten müssen.

Der Beruf ersetzt in wesentlichen Teilen bereits heute die archaische Sippenstruktur. Der Treffpunkt am Wasserloch wurde elektrifiziert, kein Busch rollt mehr den Korridor entlang, aber die Aufteilung der Bude in Abteilungen, Referate, Standorte, gerne auch die intern zurechtgeschwiemelte Konkurrenz der Instanzen Ein- und Verkauf, wahlweise: Werk A und Werk B, alles bildet die Stammesgesellschaft so idealtypisch wie praktisch verwertbar ab. Wenn hier etwas wächst, dann sicher nicht an sich selbst.

Der Jäger trifft schmerzhaft auf den Sammler; der Kampfduzer stolpert jäh auf fortgeschrittene Schreibtischvermüllung, Holunderlimonadeflaschen im Gegenwert eines vergoldeten Flugzeugträgers, gut erhaltene Kalender aus der Zeit, als Nofretete noch Zähne hatte, und eine Teebeutelsammlung auf Weltniveau. Der Klassiker, die private Zufuhr von Nahrung im einsehbaren Nahbereich, wird flexibel von Elementen der psychologischen Kampfführung unterstützt, zu denen strategisches Lüften, heimlich verstellte Heizungsventile und Jalousien zählen. Kein Mitarbeiter, der in der Adventszeit durch Aufreißen eines Doppelfensters witterungsbedingte Schäden an einem Gesteck mit Kerzen verursacht, hat Anrecht auf Kranzschleifen bei der anderntags stattfindenden Gedenkfeier, so will es das Gesetz. Eher duldet der gemeine Vertriebssachbearbeiter, dass ihm der Hausmeister die Rosinen aus der Bio-Nussmischung wegkaut. In dieser Liga spielt nur das billige Parfüm, das der Juniorchef zielsicher vor dem Auftritt vor den Schreibkräften ausdieselt.

Honigtöpfe wie der Gemeinschaftskühlschrank hätten die großen Religionskonflikte des Planeten nicht besser anzetteln können, eine angebrochene Packung reicht für epische Schlachten, in denen die Hälfte der Seelen hinein in die finstere Nacht des Todes marschiert. Der schreiende Controller tut sein Bestes, um eine ganze Etage konstant auf Adrenalin zu halten. Ein einzelnes, hastig vernuscheltes Mahlzeit reicht dann, die Kernschmelze einzuleiten. Keine Weihnachtsfeier mit russischem Pinselreiniger als Longdrink kriegt diese nachhaltig verheerende Wirkung hin, Betriebsversammlungen vor der Werksschließung sind weit abgeschlagen. Man hasst, was man am besten kennt, denn erst hier wird die chronische Abneigung effektiv. Wie ganze Völkerscharen sich selbst hassen, den kollektiven Untergang durch implodierende Diktaturen ohne Zögern selbst organisieren, so manövrieren sich Unternehmen in einen aufreibenden, qualvoll sich selbst am Laufen haltenden Partisanenkampf gegen die eigene Existenz. Immerhin, jeder Depp kann dabei zu einiger Größe kommen. Das ist doch schon genug Fortschritt für die Menschheit.





Irrwisch

25 05 2017

„… sehr hart daran arbeiten werde, ein Wahlprogramm vorzustellen, das die Inhalte einer neuen sozialdemokratischen Politik für die…“

„… die Inhalte der Agenda 2010 ausnahmslos auf den Prüfstand stellen wolle. Da die Generalsekretärin angekündigt habe, dass daraus keinerlei inhaltliche Änderung der Parteiarbeit resultieren werde, habe das Präsidium mit einer unverhohlenen…“

„… vor allem die soziale Gerechtigkeit als dominantes Thema ausmache, das die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land umtreibe und in ihren existenziellen Sorgen und Nöten angreife. Schulz sehe dies bereits bei der Union in ausreichendem Maß bearbeitet und wolle daher seinen Wahlkampf auf einen ganz anderen…“

„… die letzten Landtagswahlen möglicherweise nur verloren habe, weil sich die Partei zu sehr auf bundespolitische Themen fokussiert habe. Die SPD wolle stattdessen im Bundestagswahlkampf ihre Position ganz auf die hart arbeitenden…“

„… 76 Prozent geantwortet hätten, sie könnten die Sozialdemokraten derzeit nicht mit sozialer Gerechtigkeit in Verbindung bringen. Der Kanzler der Kandidaten habe dies zum Anlass genommen, einen neuen Aufbruch zu verkünden; eine überwältigende Mehrheit der Wähler sei der Meinung, man könne der SPD auch Themen zutrauen, die nichts mit ihren klassischen…“

„… eine Mitgliederbefragung ansetzen wolle, um festzustellen, welche Themen sich nicht für die bundespolitische…“

„… stehe die Partei nicht unter Druck. Sie könne sich im Gegensatz zu anderen Parteien auf noch nicht abgearbeitete Programmpunkte aus dem späten 19. Jahrhundert beziehen und genieße daher unter den politischen Mitbewerbern eine große…“

„… sich die SPD dagegen entschieden habe, die Inhalte ihres Programms vor der Wahl bekannt zu geben, um nicht von anderen Parteien inhaltlich…“

„… wolle Schwesig die Familienförderung der Sozialdemokratie nicht aus den Augen verlieren. Schon jetzt, so die designierte Arbeitsministerin, werde ein Großteil der Familien großzügig gefördert, auch wenn der Hartz-IV-Bezug immer noch eine große Last für die steuerfinanzierte…“

„… die Reaktionsgeschwindigkeit der SPD nur wegen des Parteialters so gering sei. Man rechne frühestens um die Weihnachtszeit mit einem…“

„… immerhin Projekte wie ‚Ehe für alle‘, ‚Mietpreisbremse‘ oder ‚Rückkehr zur Vollbeschäftigung‘ im Sinne der Koalition…“

„… tatsächlich ein Programm existiere. Es sei zwar noch von keinem gelesen worden, führende Mitglieder der Sozialdemokraten seien sich jedoch sicher, dass wenigstens ein Exemplar des…“

„… mit der Wahlankündigung auch politische Kritiker integrieren wolle. Zunächst habe die SPD den Wunsch, ihre potenziellen Regierungspartner aus dem turbokapitalistischen Lager durch ein entgegenkommendes…“

„… erste Beobachter das Manuskript als Irrwisch bezeichnet hätten. Die Parteizentrale sei sich sicher, dass die Erfolge der Bundestagswahlen unter Steinmeier, Steinbrück und…“

„… die rostrote Mappe mit der Aufschrift 2017 in einer Sitzung des Koalitionsausschusses unter dem Tisch weitergereicht worden sei. Oppermann habe dieses weder dementieren noch…“

„… das Kernprogramm ganz auf den Kandidaten Schulz zugeschnitten werde. Die SPD habe sich diese Aussage verbeten, man werde nicht mit derart inhaltsleeren…“

„… wieder aus dem Willy-Brandt-Haus abgerückt seien. Das Räumkommando habe in der Zentrale nicht den erhofften sozialen Sprengstoff in Form einer…“

„… auf 35-Stunden-Woche, Mindestlohn und Frauenwahlrecht beschränken wolle. Alle anderen Errungenschaften der sozialdemokratischen Arbeit befänden sich auf dem Prüfstand und müssten sich einer klaren…“

„… ein Rentenkonzept in der Programmvorlage vorkämen. Nach Aussage des regierungsnahen Flügels seien weder ein Konzept noch die Beschäftigung mit Renten in der…“

„… man auch die Annexion Lummerlands oder die Einführung von Hammer und Sichel als neues Bundeswappen versprechen könne. Da Oppermann mit einer Koalition unter Unionsführung rechne, sei ein Wahlprogramm so überflüssig wie eine…“

„… seien Bundestagsthemen eher eine Gefahr, im politischen Tagesgeschäft abgewertet zu werden. Schulz wolle daher bis zum Herbst noch ca. zehn Milliarden Wählerinnen und Wähler kennenlernen, um sich damit proportional zum…“

„… sich der Markenkern der Sozialdemokraten vor allem in deren sozialpolitischer Reichweite zeige. So zeige die parteiinterne Hoffnung, dass die Deutschen wieder hart arbeiten müssten, um überhaupt einen…“





Demokratisierungshelfer

24 05 2017

„Also kriegt man die nicht ab Werk?“ „Haben wir denn da Herstellerhaftung?“ „Die Musels packen das doch sowieso nicht.“ „Wäre aber preiswerter.“ „Je mehr es die Steuerzahler kostet, desto mehr sind die empört!“ „Das kostet doch nichts.“ „Das ist ja das Empörende!“

„Deutschland schafft sich ab!“ „Immer mehr Flüchtlinge…“ „… den Deutschen!“ „… integrieren sich und finden…“ „Sieg Heil!“ „… Arbeit.“ „Krieg geil!“ „Das sind apokalyptische Zustände! Wenn man davon ausgeht, dass wir bis ’39 ein völkisches Interesse daran bekunden konnten, die Polacken aus dem Reich zu bomben, dann können wir diese Zustände nicht dulden!“ „Am Ende ist das noch, und die wollen alle Deutsche werden!“ „Das können die vergessen, zu viele Neger!“ „Sind denn die Polen nicht alle rot?“ „Poggenburg!“ „Ja, ich mein doch bloß.“ „Wir müssen wieder viel mehr den Brennpunkt…“ „Das ist wieder Aufforderung zu Straftaten.“ „Dann sollte man vielleicht eher die sozialverträgliche Schnellentfernung von Heimen für volksfremde Parasitärexistenzen fordern?“ „Ja, das klingt verfassungskonform.“ „Nein, jetzt hören Sie mir doch mal zu!“ „Zensur!“ „Lügenpresse! Lügenpresse!“ „Was habt Ihr denn geraucht, der gehört doch zur Partei?“ „Egal, der hat eine eigene Meinung! Lügenpresse! Lügenpresse!“

„Wenn jetzt die USA sich für eine etwa andere Konstellation einkaufen…“ „Heißt das nicht, die engagieren sich für Friedensverhandlungen?“ „Guter Witz!“ „Jedenfalls sieht das ganz einfach aus.“ „Die Flossen auf eine Nachttischlampe legen und mich fotografieren lassen, das kriege ich auch noch hin.“ „Aber wenn der einen Deal mit den Islamikern macht, ist der Islam nicht politisch tot?“ „Warum machen wir dann keinen Deal mit den Islamikern?“ „Weil wir dann politisch tot wären.“ „Sind wir doch jetzt schon.“ „Das kann man so nicht sagen.“ „Das ist doch schon wieder typisch Lügenpresse!“

„Unser Problem ist doch, dass die Menschen sich nicht mehr für die wirklichen Probleme interessieren.“ „Also für die drängend Probleme wie Bildung, Infrastruktur und…“ „Unsere Probleme.“ „Ist denn Bildung unser Problem?“ „Ja, aber nicht so.“ „Unser Problem ist, dass das nicht unser Problem ist.“ „Deshalb interessieren sich die Menschen auch nicht dafür.“ „Alles Volksverräter! Lügenpresse!“ „Und unser Problem ist dann was?“ „Dass sich die Leute nicht für unsere Probleme interessieren.“ „Dabei haben wir doch aber welche!“ „Das interessiert nur die Leute nicht.“ „Und wenn wir unsere Probleme zu den Problemen der Leute machen?“ „Ja, wir könnten sagen, dass wir mehr Geld brauchen.“ „Poggenburg!“ „Ich hab nichts gesagt.“ „Genau das ist doch das Problem.“

„Wir bräuchten zum Beispiel mehr Polizei.“ „Also bei dem, was wir vorhaben, kann ich mir eher weniger Polizei vorstellen.“ „Das ist doch jetzt schon ein Problem.“ „Es wird überall eingebrochen, und was macht die Polizei?“ „Die haben doch neulich erst so eine Bande ausgehoben.“ „Das waren aber alles Ausländer!“ „Abschieben! alle abschieben!“ „Die waren doch schon im Ausland.“ „Dann eben noch mal abschieben!“ „Lügenpresse!“ „Können wir denn jetzt behaupten, dass die Polizei nichts tut?“ „Das Problem ist doch eher, dass die Polizei mit diesen fremdländischen Tätern aufräumt und uns die Themen für den Wahlkampf stiehlt.“ „Dann bräuchten wir weniger Polizei?“ „Und wo kriegen wir die her?“ „Mann, denken Sie doch mal nach!“ „’tschuldigung.“

„Der Bedarf an Demokratisierungshelfern ist ungebrochen.“ „Was!?“ „Demokratisierungshelfer. Sie nennen die nur nicht so.“ „Wer soll das denn bitte sein?“ „Lügenpresse!“ „Das sind fremdvölkische Kostgänger, die die derzeitige kommunistische Regierung ins Land holt.“ „Also alle abschieben?“ „Nee, er will doch noch mehr von denen, oder?“ „Volksverräter! Volksverräter!“ „Wieso Demokratisierungshelfer?“ „Je mehr von denen ins Land kommen, desto mehr werden wir gewählt.“ „Wir soll das denn funktionieren?“ „Ohne die wären wir schon vor zwei Jahren nicht mehr da.“ „Und das würde der Demokratie dienen.“ „Nein, die dienen der Demokratisierung, weil wir die Partei sind, die die Demokrate bringt.“ „Das habe ich jetzt nicht verstanden.“ „Lügenpresse!“ „Jetzt hören Sie doch mal mit diesem dämlichen Gebrüll auf!“ „Volksverräter!“ „Das liegt alles an diesen Altparteien, die machen einen linkslinken Wahlkampf, und das ist unfair!“ „Die bieten Lösungen an!“ „Könnten wir mit unseren Problemen nicht mal bei denen…“ „Poggenburg!“ „War nur so eine Idee.“ „Wir könnten auch die Regierung übernehmen, dann bombardieren wir irgendwas, und dann kommen Flüchtlingen, dann haben wir wieder ein Thema für den Wahlkampf, und dann werden wir in den Bundestag…“ „Haben Sie das jetzt genau durchdacht?“ „Müsste klappen.“ „Also mir leuchtet das ein.“ „Okay, dann machen wir das so. Hauptsache, es sieht demokratisch aus.“





Recht auf Arbeit

23 05 2017

„… ein Recht auf Arbeit als Grundrecht in der Verfassung verankern wolle. Der Bundestag habe diesen Vorstoß als nicht…“

„… bereits in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte erscheine. Die SPD sehe daher keine Chance, dies auch in Deutschland zu…“

„… jedem Deutschen das Recht auf Arbeit zugestehe. Eine freie Berufswahl sei dagegen mit den verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen der Agenda 2010 nicht mehr zu…“

„… sich die Bundesregierung vehement gegen die Einschätzung wehre, sie habe bisher auch nur eine einzige verfassungswidrige…“

„… anders konstruiert werden müsse. Zwar gebe es ein Recht auf Arbeit, die Bürger müssten aber, wenn sie dieses Grundrecht nicht wahrnehmen wollten, sofort mit Sanktionen dazu…“

„… führe ein Recht auf Arbeit dazu, dass alle Menschen dasselbe Recht auf eine selbstbestimmte Erwerbstätigkeit bekämen. Lindner habe diese von sozialistischen Parasiten inszenierte Neiddebatte als schlimmsten Angriff auf die Menschenwürde seit der Einziehung des NSDAP-Vermögens im…“

„… zunehmend wahrgenommen werde, obwohl es nicht den eigentlichen Absichten entspreche. Der Gesetzgeber könne gegen das Recht, ohne einer Gewerkschaft anzugehören, in Deutschland…“

„… ende die Einführung eines derartigen Rechts nur damit, dass niemand mehr arbeiten wolle. Nahles fordere daher ein bedingungsloses Recht auf Leistungsbereitschaft, das nicht in der…“

„… in der DDR auch praktiziert worden sei. Dort habe man unqualifizierte Arbeitskräfte im Politbüro des…“

„… nicht die Mindestkörpergröße von Beamten im Polizeidienst berühre, die für den…“

„… die Hälfte in Finanzdienstleistungen sowie in der allgemeinen Verwaltung tätig sei. Für diese Beruf gelte höchstens das Recht auf Beschäftigung, was im Gegensatz zum…“

„… sich ein Recht auf Arbeit bereits in der staatlichen Finanzierung der Arbeitslosigkeit verwirkliche. Da es kein Recht auf Arbeit geben könne, wolle Nahles auch die Arbeitslosigkeit nicht mehr staatlich…“

„… die Bundesvereinigung Ehemaliger Deutscher Schreibmaschinenmechaniker sich entschieden für eine verfassungskonforme…“

„… staatsrechtlich nicht möglich sei. Sobald alle Bürger ein Recht auf Arbeit besäßen, hätten die Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit kein derartiges Recht mehr, was sich wiederum als…“

„… man auf der anderen Seite Politiker mit einer Arbeitspflicht belegen könne. Dies sei jedoch nicht als allgemeine…“

„… die FDP nur dann einer verfassungsrechtlich bindenden Regelung zustimmen würden, wenn es ein Recht auf Erbschaft, Steuerhinterziehung und betriebswirtschaftlichen…“

„… es einen anhaltenden Fachkräftemangel im Postkutschenbau gebe, der durch das Recht auf Arbeit sofort…“

„… ad hoc im Grundgesetz verankern könne. Im Gegenzug sei ein Recht auf Lohn natürlich kein verfassungsrelevanter…“

„… zustimmen würde. Lindner halte eine Aufnahme ins Grundgesetz für sinnvoll, wenn im Gegensatz das aus der DDR-Justiz bekannte asoziale Verhalten wieder im…“

„… eine Arbeitsrechtsschutzversicherung vorschlage, die zur Hälfte von den Arbeitnehmern finanziert werden solle. Sie schütze zwar Bürger ohne Arbeit nicht vor der Willkür der JobCenter, sei jedoch ein guter Weg, mehr sozialdemokratische Politik in die…“

„… nicht direkt mit den Freidemokraten in Verbindung gebracht habe. Asoziales Verhalten sei zwar Wesenskern der Partei, beziehe sich aber weder auf den Arbeitsmarkt noch…“

„… nur Deutschen einräumen könne. Da das Grundgesetz nach Ansicht der Christsozialen ohnehin nur für Staatsbürger gelte, könne man mit einer Obergrenze das Recht bis zur letzten Patrone…“

„… dass kein Recht auf Vollbeschäftigung gelte. Man könne die geleisteten Arbeitsstunden daher proportional auf die verfügbare Bevölkerung umschlagen und von einem bereits vollumfänglich gültigen…“

„… für alle gelte. Von Storch wolle das Kinderrecht auf Arbeit vorerst allerdings nur für rassefremde Invasoren und…“

„… gebe es nun offiziell keine Arbeitslosen mehr, da die Bezeichnungen arbeitslos und erwerbslos in der Statistik als Synonyme geführt würden. Damit sei das Recht auf Arbeit nun endlich auch auf verfassungsrechtlicher Ebene…“





Zielalter

22 05 2017

„Die Rüben sind von, warten Sie mal, gestern war Donnerstag? nee, dann sind die doch schon älter. Aber Hauptsache weich. Dann brauchen die nicht so lange zu kochen, einmal durchpürieren, und schon haben wir eine wunderbare Suppe für gut drei Tage. Besser als diese Frischware, ich verstehe das auch nicht, können diese Leute denn nicht lesen? Wer soll denn die kauen?

Das ist der Unterschied zwischen den Tafeln und unserem Selbsthilfeprogramm: wir wollen die Leute nicht einfach nur satt kriegen. Wir geben ihnen etwas mit, das ihre individuelle Lebensperspektive vollkommen ersetzt. Wenn die dann irgendwann in der Altersarmut angekommen sind, dann haben sie gut und gerne fünf bis zehn Jahre Training hinter sich. Dann sitzen die Prozesse und das Leben wird relativ schön – relativ im Vergleich beispielsweise zum Tod, man kann ja alles mit allem vergleichen, wenn man will. Gucken Sie sich das ruhig mal an, wir arbeiten mit absolut realistischen Methoden, da bekommen Sie mal einen kleinen Eindruck, links bitte. So, hier.

Das ist eine Kleiderkammer, absolut realistisch nachgebaut, hatte ich Ihnen ja gesagt. Wir legen größten Wert darauf, dass Sie original abgelegte Kleidung aus bürgerlichen Haushalten bekommen, und zwar zu weit Dritteln in Beige und Grau, das da ist irgendwas dazwischen, und immer eine Größe zu groß. Da wächst man rein, oder eben auch nicht. Bedenken Sie den Vorteil, wenn Sie das Zielalter erreicht haben, haben Sie schon körperlich keine Chance mehr, in den Container zu kriechen. Da nehmen Sie, was Sie kriegen können. Außerdem kriegen Sie unter die Jacke zwei Pullover. Wir haben hier ja ganz gemütlich geheizt, die Halle wird nachts etwas klamm und ich kann meinem Personal die Kälte nicht zumuten, aber wenn Sie dann die Heizkosten nicht mehr werden bezahlen können, dann sind Sie glücklich über zwei Pullover. Und einen Schal. Und die Jacke. Und die Mütze. Man kann ja nicht immer nur draußen herumlaufen.

Natürlich muss man da anstehen. Guter Mann, wir sind hier in einem der reichsten Länder der Welt, wir können uns den Verwaltungsaufwand doch locker leisten. Ja, die Dame steht jetzt hier seit einer halben Stunde, die Jacke, die sie beantragt hat, die hängt auch schon abholbereit, die Mitarbeiterin wird jeden Augenblick da sein, um ihr zu sagen, dass die Papiere tatsächlich vollständig sind, und dann haben wir auch schon Dienstschluss, und dann darf die Dame gerne, warten Sie mal, gestern war Mittwoch? nee, dann erst übermorgen. Wir müssen den ganzen Administrationskram auch irgendwann erledigen, das macht sich nicht von alleine, und die paar Tage wird sie ja wohl auf ihre Jacke warten können. Es sei denn, sie erkältet sich. Dann kriegt die Jacke eben jemand anders.

Früher konnten die Rentner ihr Gemüse noch im Schrebergarten ziehen, und statt Fernsehen gab’s dann eben Kirchenchor. Aber die Gebühren, wenn man sich das mal anschaut, der soziale Kahlschlag, wo gibt es denn heute noch Kirchenchöre, das ist schon eine komische Sache – eigentlich gut, denn wo kriegen wir sonst unsere Geschäftsmodelle her? Man ist ja als Dienstleister immer nur so gut wie die Gesellschaft, die einen Bedarf entdeckt. Ganz einfaches betriebswirtschaftliches Denken. Wenn unten keine schwarze Zahl rauskommt, hat man etwas falsch gemacht. Aber wir wollen nicht immer nur von den Sozialversicherungen reden, hier geht’s ja noch weiter hinter der Tür. Vorsicht, Stufe!

So, und da hätten wir dann unsere neue Flaschensammelanlage. Sieht natürlich erstmal aus wie normale Mülleimer, die werden auch täglich mit Frischmüll beschickt, damit die Teilnehmer ein möglichst authentisches Geruchserlebnis haben, der haptische Reiz erfordert ja doch etwas Gewöhnung, und dann können unsere Teilnehmer hier die notwendigen Übungen machen. Das heißt, zunächst unterscheidet man die pfandpflichtigen von den nicht pfandpflichtigen Behältnissen, und wenn man dann die pfandpflichtigen rausgesucht hat, kann man sich eindecken. Dann muss man natürlich noch eine gewisse kombinatorische Schulung und die anschließenden Übungen durchlaufen – so eine Rucksackaufgabe, verstehen Sie? Manche Flaschen sind ja mehr wert, manche sind auch nicht in allen Automaten abzugeben, da braucht es eine genaue Planung, wie man seine Transportkapazitäten nutzt. Sie sehen, wir vermitteln hier durchaus höhere Bildung im Auftrage der sozialen Idee.

Also unser Konzept ist ja als Lizenzgeschäft zu verstehen, Sie dürfen gegen Schutzgebühr ein eigenes Lebenshilfe-Lager betreiben. Funktioniert so ähnlich wie Bewerbungstraining oder Ein-Euro-Jobs, die Verwaltung beschickt sie regelmäßig mit der vereinbarten Teilnehmermenge, Sie kriegen die Kohle garantiert, und was Sie hier machen, gilt von vornherein als zertifiziert. Stempel drauf, danach fragt Sie niemand mehr, was Sie hier machen. Dreißig bis vierzig Leutchen schleusen Sie hier immer so durch, für den Nachschub legen Sie eine Warteliste an, dann sieht das für die Verwaltung automatisch nach erhöhter Nachfrage aus – so ist unter anderem der Fachkräftemangel entstanden, wenn Sie wissen, was ich meine – und ab da läuft das Business eigentlich auch schon von alleine. Ab und zu mal die Gebühren erhöhen, fertig. Das kriegt man auch ohne staatliche Hilfe hin, oder?“





Ende statt Schrecken

21 05 2017

Brönnheim grummelt. Geld ist Geld.
Da gibt’s nichts zu schönen.
Wer die Ware auch bestellt,
der hat dann zu löhnen,
und Vertrag bleibt dann Vertrag,
ganz nach Vätersitten.
Wer’s nicht halten will, der mag
nicht um Aufschub bitten.
Schließlich ist der Lieferant
wohlgelitten und kulant,
doch ist dies ein Geldverleih?
  Schulz!
    und vorbei!

Lorchen mistet richtig aus,
was ihr Gotthold brachte,
Plüsch und Briefe, alles raus,
woran sie einst dachte,
konnte nachts schon nicht mehr ruhn.
Da er sie betrogen,
kommt der ganze Plunder nun
aus der Tür geflogen.
Wer die Ehe ihr verspricht
und den Schwur mit Dämchen bricht,
lernt sie kennen! frank und frei,
  Schulz!
    und vorbei!

Horch, was humpelt dort durchs Land?
stöhnt und ächzt in Qualen?
Manchen ist das wohl bekannt,
pünktlich zu den Wahlen
gräbt der Onkel tief im Schrank –
alle solln was kriegen! –
und verspricht für etwas Dank
egalweg zu siegen.
Lasst es. Die Geschichte lehrt,
Ihr habt diesen Mist beschert
Euch. Und uns. Was es auch sei.
  Schulz?
    –