Lösungsorientierte Berichterstattung

11 02 2016

Siebels kaute gelangweilt auf seinem Zahnstocher. „Vermutlich sind sie inzwischen pleitegegangen.“ „Es sind erst zwei, höchstens drei…“ „Zu lange“, knurrte er. Da summte der Türöffner. Das also war die Redaktion, die bis jetzt keiner betreten hatte.

„Selbstverständlich arbeiten wir hier genauso hart wie in allen anderen Häusern.“ Wiedenbrücker schwitzte, er schwitzte so stark, dass man es nicht nur sehen konnte. „Das ist, weil wir unter einem sehr großen Erfolgsdruck stehen und mit unserem Konzept ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Medienmarkt haben, das wir keinesfalls gegen die anderen Medien verteidigen müssten, aber Sie wissen ja – das Business ist halt komplex.“ Gut drei Dutzend Redakteurinnen und Redakteure saßen im abgedunkelten Großraumbüro, sie starrten auf Monitore und hörten angestrengt in Telefonhörer hinein, als ob dort jemand viel zu leise und zu schnell zu ihnen spräche. „Unser Produkt ist ja, wie gesagt, sehr speziell, und…“ „Sie sind der weiße Kanal“, sagte Siebels trocken. „Warum auch nicht, einen schwarzen hatten wir ja schon.“

„Wir wollen natürlich zunächst einmal eine Ausgewogenheit herstellen auf dem Medienmarkt.“ Siebels verzog das Gesicht, als hätte er einen leisen, aber lästigen Zahnschmerz verspürt. „Sie liefern also ein Produkt“, fragte ich, „das anders ist als andere Produkte auf dem Markt, richtig?“ Er nickte verwirrt. „Wer“, bohrte ich weiter, „stellt denn dann die Ausgewogenheit her, Sie oder der Verbraucher? oder ist dafür etwa der Markt selbst zuständig?“ Wiedenbrücker schwitzte, wenn möglich, noch ein bisschen mehr. „Wir reagieren auf die vielen schlimmen Nachrichten, die im Moment auf die Menschen einstürmen, und gesellschaftlich sind wir dabei höchste sensibel: die Ja-Sager werden so oft abgelehnt, während…“ „… die kritischen Leser von Ihnen keinen Respekt zu erwarten haben“, schoss Siebels. Der Zahnstocher zuckte nur leise. „Aber wir müssen den Leser immer wieder für uns gewinnen und ihm Angst nehmen“, stammelte Wiedenbrücker. „ Ob wir mal in die Redaktion gehen?“

Sie tippten in erhöhter Geschwindigkeit; auf dem Schirm des Redakteurs sahen wir, dass die Zahl der Geisterfahrer beständig zurückginge. „Das ist hübsch“, nickte ich. „Und ob“, freute sich Wiedenbrücker, „eine hervorragende Entwicklung in diesem Land.“ Ich runzelte die Stirn. „Das wird jeden beglücken, der bei einer Kollision auf der Autobahn stirbt, und jeden, der die internationalen Vergleichszahlen zu Gesicht bekommt.“ Noch immer versuchte er, seinen Schweißausbruch unter Kontrolle zu bekommen. „Aber wie sollen wir es denn sonst positiv darstellen? Wir haben nicht viel, und das wird unser großer Politik-Aufmacher für die nächsten beiden Tage.“ Der Redakteur hatte immerhin einen Absatz des fünfspaltigen Artikels getippt, es war also noch nichts verloren.

„Nur als Frage“, hakte Siebels ein, „Wirtschaft hat bei Ihnen kein eigenes Ressort?“ „Ich verstehe nicht“, stammelte Wiedenbrücker. „Ach, ich wollte es bloß wissen.“ Siebels spuckte den Zahnstocher in einen Papierkorb. „Wenn Sie Ihren positiven Journalismus verkaufen, dann wäre es ja immerhin vorher gut zu wissen, für wen er positiv ist. Für Aktionäre, Steuerfahnder, Steuerzahler, Banken oder deren Kunden, für Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder Börsenspekulanten. Da wäre ja für Sie eine ganze Artikelserie drin, falls Sie nicht von vornherein objektiv berichten wollen. Und überhaupt, welche Meldungen erscheinen denn bei Ihnen?“ Wiedenbrücker schwitzte. „Wir haben alles, das müssen Sie mir glauben!“ Langsam zog Siebels einen neuen Zahnstocher aus der Jackentasche. „Dann wüsste ich gerne: welche Nachrichten erscheinen denn bei Ihnen nicht?“

Der Chefredakteur schluchzte, das heißt: ganz genau konnte man es hinter der Tür nicht hören, aber am ehesten war es Schluchzen, was man vernahm. „Lassen Sie sich nicht beeindrucken.“ Ich lächelte. „Wenn er jetzt ein bisschen weint, dann ist mir das doch vollkommen…“ Siebels winkte ab. „Das war mir klar, aber ich meine die Worthülsen. Lösungsorientierte Berichterstattung, oder wie Sie als objektiver Kritiker es nennen: Lügenpresse. Das ganze Zeug ist doch nicht viel mehr als billiger Hurratütenjournalismus.“ Auf dem Monitor neben mir erschien ein Text über die vielen wunderbaren Ergebnisse der letzten Klimakonferenzen – eine Folge großer Zugeständnisse an die wirtschaftliche Expansion der westlichen Industrienationen, ein Füllhorn riesiger Versprechen und tief empfundener Selbstbezichtigung, was wir in den vergangenen Jahrzehnten an Umweltsünden auf uns gehäuft haben. Die Konsequenz aus diesen internationalen Treffen war, dass wir sofort und konsequent in Richtung Klimaschutz umkehren, alle gemeinsam und als Menschheit, ohne uns in Arm und Reich, Ost oder West trennen zu lassen. Außerdem stand dort, dass wir den ganzen Dreck gemeinsam seit Jahrzehnten ignorieren, aber den Platz brauchten sie sicher für Reklame.

„Wir haben nächste Woche eine Kakteenausstellung“, rief Wiedenbrücker, „und ein Turnier im Schleuderball – es gibt Blasmusik und wir feiern, dass wir seit zehn Jahren keinen Anschlag auf ein…“ Da kam noch eine Meldung. „Aber immerhin haben wir Blasmusik! Das müssen Sie doch gut finden, jeder mag doch Blasmusik, oder? Oder?“ Aber Siebels hatte längst die Tür geschlossen.





Fonethische Verstöße

10 02 2016

Aschermittwoch. Der Tag, um die großen und die kleinen Sünden zu benennen, die wir in nachgerade karnevalistisch ausschweifender Fülle… nein, das ist nicht gut, ich gehe noch mal raus und komme noch mal rein. Der letzte Freitagstexter war ja in Wirklichkeit ein Dokument schlimmster Verfehlungen. Fon-ethische Verstöße. Das erste bekannte Dokument von Massentelefonhaltung. Erst jetzt können wir öffentlich darüber reden. Beispielsweise am mobilen Endgerät.

Tag für Tag, zuletzt Stunde für Stunde habe ich mit wilden Drohanrufen gerechnet für dieses Bild. Fernsprecher, angekabelt, ein Geräteguantanamo ohne Durchwahl – kein Anschluss unter keiner Nummer! Verbunden, ja, aber falsch!

Aber wir wollten ja über einen Preis sprechen. Einen Texterpokal mit Tradition, der hier und heute ein neues Zuhause findet. Und da sind wir auch schon mitten im Geschehen, im wahrsten Sinne des Wortes übrigens, wie uns das handelnde Subjekt sogleich zeigt. Und zwar bei bewitchedmind in einem Szenario, das uns achtlose Telefonverbraucher in einer stummen Anklage zurücklässt. Fassungslos, dies ist der Bronze-Platz.

Die Telefonschutzorganisation PETF hat erneut erschütternde Bilder von der Haltung ausgedienter Telefonmodelle veröffentlicht.

Wo wir gerade beim Stichwort „Artgerechte Haltung“ waren: politisch ein hochaktuelles Thema, wie der Beitrag des Wortmischers unterstreicht. (Abgesehen von den fehlenden Steckdosen für mitgebrachte Apparate.) Für ein klares, tele-kommunikatives Statement der Silber-Rang.

Frau Merkel und Herr Altmaier fanden die Ausstattung der Flüchtlingsunterkunft eigentlich ganz kuschelig.

Jetzt und hier wurde die Wahl schwer. Sehr schwer. In die engere Auswahl kamen all die Anklagen gegen die furchtbaren Auswüchse der globalisierten Gesellschaft – merkwürdig, keinem fiel auf, dass diese Apparate in einem von Kunstlicht erhellten Raum ohne Fenster eingesperrt sind und gar nicht mehr bemerken, wann Schlafenszeit ist – und ein Beitrag, einer schließlich wurde doch mit Gold belohnt für die Tapferkeit, ein Grundübel der Gegenwart in schonungsloser Offenheit zu benennen. Ja, das tut weh. Aber g2 nennt unerschrocken den finstersten Ort der Welt.

Am anderen Ende der Baumarkthotline.

Herzlichen Glückwunsch! Wir haben es tatsächlich wieder einmal geschafft, den Wettstreit über die Texttrophäe zu einem außerordentlich kreativen und kurzweiligen Blogevent zu machen. Den nächsten Durchgang am 12. Februar erleben wir bei g2. Moment mal, das Telefon…





Sächsappeal

10 02 2016

„Aber wir schießen doch schon nicht mehr auf die Kinder!“ „Vielleicht ist ja das der Fehler?“ „Kann ich mir nicht vorstellen.“ „Frauen wollen doch immer, dass die eigenen Kinder zuerst…“ „Jetzt hören Sie doch mit Ihrer Küchenpsychologie auf, Frauen denken doch gar nicht so weit! Die können gar nicht denken, das sind bloß emotionsgeladene äääh…“ „Und deshalb brauchen wir viel mehr von denen in der AfD?“

„Meine Herren, Fakt ist ja doch, wir haben zu wenig Frauen in unseren Reihen.“ „Dafür gibt es bestimmt triftige Gründe.“ „Frauen interessieren sich halt generell nicht so für Politik.“ „Stimmt, für die ist das nicht attraktiv genug?“ „Attraktiv?“ „Wie Schuhe beispielsweise. Oder Kochen.“ „Dann hätten wir ja eine Möglichkeit, indem wir Politik attraktiver gestalten.“ „Wie wollen Sie das denn machen, Kochkurse auf dem Parteitag?“ „Oder einfach schönere Männer in der Politik.“ „Nein, das ist doch Unsinn!“ „Wie kommen Sie darauf?“ „Das würde mich jetzt auch mal interessieren.“ „Wir haben doch schon alles gesellschaftlich Mögliche getan, um Frauen für Führungspositionen in der Wirtschaft zu interessieren. Das finden die wohl auch nicht attraktiv.“

„Vielleicht sind wir nicht frauenspezifisch an das Problem herangegangen?“ „Ich sage doch, wenn wir mehr über Schuhe oder…“ „Das hatten wir schon, kommen Sie mir lieber mit konstruktiven Vorschlägen.“ „Wenn ich was mit konstruktiven Vorschlägen am Hut hätte, wäre ich ganz sicher nicht in unsere Partei eingetreten.“ „Aber wir müssen doch irgendwas machen, das…“ „Das ist doch ganz ganze Problem, wir müssen eben nicht irgendwas machen – wir sollten etwas ändern!“ „Wenn ich irgendwas ändern wollte, dann… ach, ist ja auch egal.“

„Wir haben doch schon den Parteivorstand viel weiblicher gemacht.“ „Als ob Höcke da die beste Wahl war, darüber ließe sich ja nun doch streiten.“ „Sie finden sich wohl witzig?“ „Nee, aber Höcke noch viel weniger.“ „Konzentrieren Sie sich bitte, wir haben hier ein enormes Problem.“ „Darum geht es ja gerade.“ „Können Sie endlich mal mit Ihrem gottverdammten Höcke aufhören!?“ „Wie ist der überhaupt so weit nach oben gekommen?“ „Hat die Partei am Ende schon heimlich eine Frauenquote eingeführt?“ „Ich möchte jetzt endlich…“ „Wenn der endlich zugeben würde, dass er heimlich in Damenunterwäsche in der Parteizentrale…“ „Meine Herren, jetzt ist aber bald mal…“ „Und mit einer Transe kriegen wir dann junge, konservative Frauen in die Landesverbände, oder wie haben Sie sich das vorgestellt?“ „Verdammt noch mal, ich will dieses dumme Gelaber hier nicht mehr hören! Wir haben ein Imageproblem, und ich erwarte von Ihnen, dass Sie es lösen!“

„Ich würde ja sagen, wir sollten eher unsere politische Arbeit ein bisschen überdenken.“ „So im Sinne von Betreuungsgeld?“ „Hören Sie mal, wir können doch nicht die CSU kopieren – das läuft doch andersherum!“ „Das Betreuungsgeld ist doch sowieso verfassungswidrig.“ „Wenn mich Sachen interessieren würden, die nicht verfassungswidrig sind, glauben Sie dann, ich wäre in die…“ „Ja, wir haben es jetzt kapiert!“ „Aber an der Idee ist was dran, das müsste man irgendwie weiterentwickeln.“ „Darf nur nichts kosten.“ „Mütterorden?“ „Aber nur für rassereine Mütter, die in der dritten Generation mehr als sechsmal…“ „Quatsch, dann müssten wir der von der Leyen ja das Mutterkreuz verleihen.“ „Hat die nicht eh schon eins?“ „Meine Herren, jetzt kommen wir doch bitte mal wieder zum Thema zurück.“ „Innere Sicherheit!“ „Was interessieren sich denn die Schlampen für innere Sicherheit? denen geht die Sicherheit doch komplett am…“ „Vielleicht muss man es etwas weniger aggressiv kommunizieren.“ „Aber gerne doch: die Damen sind nicht so geneigt, sich für diese Thematik hinreichend zu…“ „Mann, stellen Sie sich doch nicht blöder an, als Sie ohnehin sind! Wir müssen das Thema ohne diese ganze Kriegsrhetorik und die Angstmache und das rechtsnationale Geschrei in die Diskussion bringen.“ „Wohl plemplem?“ „Echt, dem haben sie doch ins Gehirn…“ „Wissen Sie eigentlich, was das heißt?“ „Wir könnten Frauen vermitteln, dass sie bei uns…“ „Und uns laufen die Männer in Scharen weg, weil sie auf einmal über Themen reden müssen. Reden! über Themen! Haben Sie sich was vom Kanaken an der Ecke weggeholt!?“

„Ich versteh’s nicht, auf Facebook geht das doch auch?“ „Ha, das ist es!“ „Wollen wir die Männer nicht mehr auf Facebook lassen?“ „Ach was, viel besser. Wie rekrutiert denn der Feind seinen Nachwuchs?“ „Auf Facebook?“ „Hä, wie jetzt!?“ „Was glauben Sie, woher die ganzen Mädels kommen, die zum Islam konvertieren und in den Dschihad ziehen.“ „Wir können doch die Frauen nicht nach Syrien schicken, wie stellen Sie sich das denn vor?“ „Quatsch, nicht nach Syrien – nationaler Einsatz in Dresden!“ „Oha, Sie chatten da die jungen Weiber an?“ „Mutig, mutig.“ „Fragen Sie mal den Bachmann, der hat doch bestimmt den richtigen Sächsappeal.“ „Der weiß, was Frauen wünschen.“ „Der ist doch gar kein Parteigenosse.“ „Na, schicken wir denen Fotos von unseren Jungs, dann beißen die schon an.“ „Sie wissen aber schon, was die in Syrien mit den Mädchen machen.“ „Da besteht bei uns keinerlei Gefahr, das haben wir alles komplett im Griff. Verbinden Sie mich mal eben?“ „Leitung steht.“ „Hallo? Herr Gauland, Sie sind doch auch in diesem Internet drin? Wir hätten da mal eine kleine Bitte an Sie.“





Berliner Luft

9 02 2016

„… den Anschlag auf den Alexanderplatz in letzter Minute habe verhindern können. Der Innenminister sei davon überzeugt, dass es dennoch viele weitere geplante Terroranschläge und eine erhöhte…“

„… nach Aussage der Staatsanwaltschaft keinen Beweis geliefert, dass der Alexanderplatz als Ziel der Tatausführung vorgesehen war. Dies sei lediglich von nicht an den Ermittlungen beteiligten Personen in der Boulevardpresse…“

„… und keine Waffen bei den Verdächtigen hätten sicherstellen können. Es handele sich nach bisherigen Erkenntnissen möglicherweise um radikale Islamisten, die nur noch nicht genau wüssten, was genau sie eigentlich…“

„… bei einem der mutmaßlichen Terroristen Computer und Smartphones beschlagnahmt. Da diese Geräte geeignet seien, Straftaten zu planen und teilweise auch durchzuführen, seien sie als Tatwerkzeuge der Beweis, dass Taten, die nur noch nicht ermittelt worden seien, damit theoretisch auch…“

„… wieder auf freien Fuß gesetzt habe. Eine Beteiligung an Terroranschlägen habe die Staatsanwaltschaft dem Verdächtigen nicht…“

„… weitere Beweise vorlegen wolle, dass der Alexanderplatz der Ort des geplanten Anschlags hätte sein sollen. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörde sei das Brandenburger Tor wegen des hohen Touristenaufkommens zu unübersichtlich, dazu hätten Selbstmordattentäter hier nicht unbeobachtet…“

„… sei es das Ziel der Sicherheitsbehörden, Anschläge so früh wie möglich zu verhindern, oft schon, bevor diese überhaupt geplant oder…“

„… die Gemeinsamkeiten staatsfeindlicher Aktionen nicht leichtfertig durch zu hohen Einsatz von Ämterbürokratie verkennen zu wollen. Das Bundesinnenministerium sehe gerade jetzt in der gezielten Informationsgewinnung bei Linken durch Hausdurchsuchungen und Observationen einen zusätzlichen Schutz vor staatsgefährdendem…“

„… von einem Berliner Taxifahrer mehrmals beobachtet worden sei, wie er freundlich gegrüßt habe. Dies sei den verdeckten Ermittlern sofort verdächtig vorgekommen, worauf sie ein SEK…“

„… ein Anschlag auf dem Potsdamer Platz ausgeschlossen sei, da dieser Ort zu den für Terroristen erwünschten Anschlagszeiten verkehrstechnisch nur sehr schwierig…“

„… lehne es die Innenministerkonferenz derzeit ab, über andere Anschlagsorte, teilweise sogar außerhalb von Berlin, auch nur zu…“

„… auch richtig sei, dass die Verdächtigen bereits seit mehreren Jahren in Deutschland lebten. Daher sehe es der Bundesinnenminister als absolut notwendig an, Flüchtlinge jetzt für mehrere Jahre mit der ganzen Härte des deutschen Rechtsstaates zu verfolgen, damit sie in mehreren Jahren, wenn sie sich radikalisiert haben sollten, sofort in den…“

„… in der Wohnung eines Verdächtigen große Mengen an Orangensaft aus Saftkonzentrat gefunden habe. Bisher habe sich ein konkreter Zusammenhang mit geplanten oder bereits durchgeführten Terroranschlägen nicht konstruieren lassen, so dass das Bundesministerium des Innern die Anwendung robuster Befragungsmethoden in besonders begründeten Einzelfällen durchaus…“

„… beispielsweise die Sauerland-Gruppe ebenfalls Terroranschläge in Deutschland geplant haben solle, was nach den Erfahrungen seit 2001 überwiegend in den Hauptstädten zum Tragen komme und daher nur in…“

„… in der Presse kolportierte Fotos von angeblichen Waffenarsenalen nicht um Funde bei den Verdächtigen, sondern – wie an den Hakenkreuzfahnen unschwer zu erkennen sei – um das Ergebnis einer Razzia bei der von den jüngsten PEGIDA-Krawallen bekannten…“

„… müsse man in mindestens einem Fall von einer Verdunkelung ausgehen. Es seien bei dem mutmaßlichen Täter keine Hinweise auf Waffen oder Sprengstoff gefunden worden, er müsse sie also in ein besonders geheimes Geheimversteck…“

„… sich die mutmaßlichen Täter nur über die Bundesrepublik verstreut aufgehalten hätten, weil ihnen Mieten und Lebenshaltungskosten in Baden-Württemberg viel zu…“

„… mit der Aufklärung des Falles zu schnell vorangekommen sei und die mutmaßlichen Täter gut ein Jahr vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Terrorfachkraft…“

„… auch der Fund eines Schnellkochtopfes und eines Rucksacks noch keinen hinreichenden Tatverdacht ergäben, wenn es sich um insgesamt fünfzig Schnellkochtöpfe und mehrere hundert Rucksäcke, die alle im Flüchtlingsheim in…“

„… auch um eine Kommunikationspanne der Sicherheitsbehörden gehandelt habe, die ‚möglicherweise existierende Hinweise zur Existenz einer sich unter Umständen in Planung befindlichen Planung von Hinweisen‘ nicht mit der notwendigen Sorgfalt an die zuständigen…“

„… ein Anschlag beispielsweise in Köln auch während des Karnevals so gut wie ausgeschlossen sei, da die Stadt eine erhöhte Quote türkischer Einwanderer aufweise. Da islamistische Terroristen nie andere Muslime gefährdeten, könne man die Sicherheitsmaßnahmen wie geplant weiterhin auf den Schutz von blonden Frauen und…“

„… erst einige Jahre in Berlin gelebt und sich dennoch gut in ihrem Bezirk ausgekannt hätten. Dies deute nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz darauf hin, dass er sich als Schläfer gezielt in eine…“

„… hingegen als nicht bewiesenes Gerücht gewertet werden müsse, dass der Anschlag nur durch die verspätete Waffenlieferung durch den Bundesnachrichtendienst nicht mehr rechtzeitig…“





Stock im Arsch

8 02 2016

„Wir wollen die aber nicht!“ „Jetzt seien Sie doch vernünftig, es sind maximal zweihundert, vielleicht auch nur zweihundertfünfzig…“ „Verdammt, wir wollen die nicht! Die Leute sollen gerne irgendwo leben, aber nicht in unserer Nachbarschaft! Wir haben dieses Dreckspack…“ „Jetzt wahren wir mal bitte die Form ja?“ „… gründlich satt! Die gehören nicht zu uns, und die werden nie zu uns gehören! Schmeißen Sie diese Leute raus!“ „Und wohin?“ „Wo sie herkommen, nach Deutschland!“

„Sie wissen genau, wir leben momentan in einer Art Rechtsstaat, der letzte Präsident ist noch nicht rechtskräftig verurteilt, der jetzige ist noch nicht sicher im Amt, und der nächste könnte schon wieder der vorige sein. Das heißt, wir müssen an unsere staatlichen Handlungen gewisse Maßstäbe anlegen.“ „Mit anderen Worten, hier herrscht genau dasselbe Affentheater wie in Europa.“ „So weit würde ich nicht gehen.“ „Trotzdem wollen wir diese Asylanten nicht bei uns. Das sind Deutsche, die haben hier nichts zu suchen.“ „Es hat da eine Atomkatastrophe gegeben, deshalb…“ „Haben die uns je aufgenommen, wenn sie mit ihrem scheiß Kapitalismus unsere Natur und die Landwirtschaft zerstört haben? Außerdem könnten wir auch nicht alle so mir nichts, dir nichts nach Europa abhauen – wer bestellt denn dann unsere Felder? wer sorgt für die Kinder und die Tiere?“ „Aber bei denen…“ „Meine Güte, das ist doch nicht unser Problem! Wir jagen diese verdammten Deutschen einfach alle zurück nach Deutschland. Andere können ihr Land nach Katastrophen und Kriegen auch wieder aufbauen. Und die Deutschen haben sogar jede Menge Erfahrung darin.“

„Ich verstehe ja Ihre Besorgnis.“ „Nein, das tun Sie eben nicht.“ „Doch, wir nehmen Ihre Sorgen durchaus ernst, deshalb siedeln wir auch nur drei bis vier Familien am Dorfrand an.“ „Drei bis vier? Europäer vermehren sich doch wie die Karnickel, das weiß man doch, dass die aus einer absolut übersexualisierten Kultur kommen – haben Sie mal deutsches Fernsehen gesehen? deutsche Werbung? Was für ein jämmerlicher Abschaum!“ „Also bitte, das sind ja alles nur Vorurteile. Sie müssen diese Leute erst einmal kennenlernen, dann werden Sie schon sehen, dass…“ „So weit kommt’s noch – diese Bleichgesichter sollen schön da bleiben, wo sie sind!“ „Das wird ihnen ganz bestimmt nicht helfen, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren.“ „Machen Sie sich doch nicht lächerlich! Was gibt’s denn bei diesen Leuten groß zu integrieren? Die treten hier auf, als ob sie der liebe Gott persönlich wären, sie haben alles erfunden, sie wissen alles und können alles, und sie bauen die besten Autos und spielen am besten Fußball, und vor allem haben sie eins.“ „Nämlich?“ „Recht! sie haben immer und überall recht!“ „Also mit Klischees kommen wir ja nun auch nicht weiter, das sehen Sie hoffentlich selbst ein.“ „Schauen Sie sich das doch bitte in unseren dörflichen Strukturen an – die sind definitiv integrationsunfähig!“ „Wie gesagt, Klischees.“ „Schauen Sie sich das doch bitte an! Die essen Schweine!“ „Das soll’s in manchen Ländern geben, ja. Das müssen wir respektieren. Es nennt sich interkulturelle Kompetenz.“ „Schweine zu fressen nennen Sie Kultur!? Geistig zurechnungsfähige Bürgerinnen und Bürger ernähren sich von Maniok und Termitenlarven, aber doch nicht von diesem Dreck!“ „Man kann doch über alles…“ „Und diese verdammte Arroganz! Wir leben hier seit ungefähr zehntausend Jahren, und jetzt kommen diese scheiß Deutschen und erklären uns, dass wir unseren Müll ordentlich trennen müssen!“ „Ja, das ist natürlich ein bisschen kompliziert mit denen, das gebe ich ja gerne zu.“ „Mülltrennung! Haben die eigentlich noch alle Tassen in Schrank!?“

„Lassen Sie es uns doch mit einer friedlichen Koexistenz versuchen, in der beide Kulturen einander begegnen.“ „Sie wollen diesen Unsinn doch wohl nicht ernsthaft als Kultur bezeichnen?“ „Sie diskriminieren die Deutschen, obwohl sie sich mit ihnen noch nie ernsthaft auseinandergesetzt haben.“ „Wozu denn auch? Wenn das, was sie am besten können, Bombenattentate sind, wozu sollen wir dann eine deutsche Leitkultur anerkennen?“ „Die Menschen sind nicht weniger wert als…“ „Das ist mir völlig egal, oder würden Sie etwa zulassen, dass sich eine ihrer Töchter mit diesen Typen einlässt?“ „Ich habe gar keine Tochter.“ „Jetzt lenken Sie nicht ab, das sind Ihre typischen Argumente, um sich dies Multikulti schönzureden. Aber damit kommen Sie nicht mehr durch, das sage ich Ihnen! Demnächst lassen wir die auch noch in die Disco rein, damit sie da mit ihrem Stock im Arsch die Stimmung kaputt machen!?“ „Ihnen ist ja wirklich nicht mehr zu helfen.“ „Haben Sie eigentlich auf dem Schirm, dass nicht einmal alle, die zu uns kommen, auch echte Deutsche sind?“ „Was soll denn das jetzt wieder heißen?“ „Da kommt irgendeiner an, weist sich mit Papieren aus dem Freistaat Bayern aus, und dann stellt sich plötzlich heraus: der ist Österreicher.“ „Wo ist denn da das Problem?“ „Haben Sie eine Ahnung, was Österreicher anrichten können? Dann fragen Sie die Deutschen mal in einer stillen Stunde.“

„Gut, dann müssen wir diese Deutschen alle in eine Sammelunterkunft stecken, im Nachbardorf soll es noch einen ehemaligen Ziegenstall geben und eine alte Lagerhalle.“ „Gute Idee.“ „Das stört sie nicht? ein halbes Dutzend Familien auf einem Haufen, eine Art Ghetto am Ortsrand, und im Nachbardorf fließt der Bach, der fast tausend Haushalte mit Wasser versorgt?“ „Nö, ist ja das Nachbardorf. Sagen Sie mal, Sie halten mich doch nicht etwa für einen Nationalisten?“





Schussfahrt

7 02 2016

Der verbale Schusswaffengebrauch hat sich für die rechte Rotte gelohnt, nach dem Wunsch mancher Koalitionäre soll die AfD vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Ein gute Nachricht für die chronisch klammen Hasardeure, die ihr korruptes Finanzgebaren mit dem obligaten Griff in die Parteikasse ausschließlich den Systemparteien unterstellen – nach Gold und Glühbirnen könnte das endlich mal ein lukratives Geschäftsmodell werden. Andere Naziparteien haben sich ihr Überleben so recht komfortabel gesichert. Von den Schusswaffen mal ganz abgesehen. Alle weiteren Gründe, warum man vor allem die Grenzen des Rechtstaats mit der Knarre in der Hand verteidigen sollte, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • quarksprech gibt es heute noch: Sonst warten Sie bis zur nächsten Seehofer-Rede.
  • sonja zietlow tryptophan: Ist die Dame aus rohem Schweinefleisch geschnitzt?
  • sind kupferarmbaender zu empfehlen: Dichtet nicht ab, wärmt nicht, essen kann man’s auch nicht, daher: nein.
  • gernulf olzheimer buch: Er schmeißt, womit Sie wollen.
  • kostenloser klingelton brüllaffe: Im AfD-Shop unter „Höcke“ nachschauen.
  • schrippchen: Heißen woanders Bemme, macht aber nichts.
  • gefährdungslage ostern: Sie könnten was auf die Eier kriegen.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCLXXVIII)

6 02 2016

Als Emma sich anzog in Cessnock,
murrt sie: „Als hätt’ ich auf den Dress Bock!
Ich kann ihn nicht leiden
und muss mich verkleiden,
weil ich wieder mal im Kongress hock!“

Es bügelt Frau Hsu in Wulai
(sie ist Leutnant der Polizei)
sich Hosen mit Falten.
Die sind zu gestalten
recht einfach, doch nie knitterfrei.

Es geht Berrick um in Blue Cow
und sagt: „Was ich an Wäsche klau,
meist grobe, mal feine,
entscheid ich alleine,
nur Größen – da frag ich die Frau.“

Der Sepp sprach beim Waschen in Augst:
„Wenn Du dieses Laken stets laugst,
kann ich keine Flecken
hernach mehr entdecken.
Mir scheint, dass zum Waschen Du taugst.“

Es suchte sich Darren aus Wee Waa
den Urlaub aus, wo er noch nie war.
„Das Land viele Stunden
beim Wandern erkunden
ist besser, als wenn ich nur Ski fahr.“

Sekou mietet sich Oumé
ein Häuschen mit Blick auf den See.
Er muss, statt zu wohnen,
die Zimmer nun schonen,
denn leer ist jetzt sein Portemonnaie.

Beständig kaut Colin in Yass.
„Wenn ich mal das Frühstück vergess,
den Sinn darauf lenken
und stets daran denken,
damit ich am Mittag auch ess.“








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