In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCLXXVIII)

6 02 2016

Als Emma sich anzog in Cessnock,
murrt sie: „Als hätt’ ich auf den Dress Bock!
Ich kann ihn nicht leiden
und muss mich verkleiden,
weil ich wieder mal im Kongress hock!“

Es bügelt Frau Hsu in Wulai
(sie ist Leutnant der Polizei)
sich Hosen mit Falten.
Die sind zu gestalten
recht einfach, doch nie knitterfrei.

Es geht Berrick um in Blue Cow
und sagt: „Was ich an Wäsche klau,
meist grobe, mal feine,
entscheid ich alleine,
nur Größen – da frag ich die Frau.“

Der Sepp sprach beim Waschen in Augst:
„Wenn Du dieses Laken stets laugst,
kann ich keine Flecken
hernach mehr entdecken.
Mir scheint, dass zum Waschen Du taugst.“

Es suchte sich Darren aus Wee Waa
den Urlaub aus, wo er noch nie war.
„Das Land viele Stunden
beim Wandern erkunden
ist besser, als wenn ich nur Ski fahr.“

Sekou mietet sich Oumé
ein Häuschen mit Blick auf den See.
Er muss, statt zu wohnen,
die Zimmer nun schonen,
denn leer ist jetzt sein Portemonnaie.

Beständig kaut Colin in Yass.
„Wenn ich mal das Frühstück vergess,
den Sinn darauf lenken
und stets daran denken,
damit ich am Mittag auch ess.“





Fünf²

5 02 2016

Freitagstexter

Der Freitagstexter springt heute sozusagen zum fünften Mal ins Quadrat (Quadrant? Darthulatur des Kreises?), weil Lady Stardust mit Hilfe schwarzer Musik bewiesen hat, dass es die dunkle Saite der Macht wirklich gibt. Wieder einmal herzlich willkommen!

Und damit sind wir auch beim Thema: das Bild an und für sich unter besonderer Berücksichtigung seiner Beschreibung. Allen, die das erste Mal an diesem traditionellen Wettstreit teilnehmen – oder auch nur gerne mal ebenfalls aus Traditionsgründen nachlesen wollen, warum sie das hier eigentlich mitmachen – weise ich gerne den Weg zu den längst legendären Freitagstexterregeln des Wortmischers. Die Teilnahme verpflichtet jedoch nicht zum vorherigen Lesen, wobei andererseits das Lesen auch nicht zur Teilnahme verpflichtet!

Pünktlich zum Ende der diesjährigen Festspiele im Alkoholika-Schnellvernichten mit obligatem optischem Totalausfall und begleitender Zivilisationsabstinenz, also am Dienstag, den 9. Februar 2016 um 23:59 Uhr, drohen erstens der akute Absturz in die Nüchternheit mit sämtlichen Nachwirkungen einer Fuselvergiftung, zweitens sieben Wochen Presspappe in Fertigtunke – vegetarisches Kantinenessen hat noch nie Gefangene gemacht – und drittens Hildegard, die auf dem Weg zum Kühlschrank fragt, wie lange ich denn noch brauche. Sie wird warten. Der Pokal aber auch.

Den reichen wir weiter für den treffendsten Beitrag zu einem Dokument aus dem Jahr 1972. Der von mir bevorzugte Sammler und Jäger James Vaughan hat etwas entdeckt, das Ezra Stoller vor die Linse gekommen war (CC BY-NC-SA 4.0). Wer Assoziationen hat, findet hier sicherlich Raum. Viel Raum. Klick macht groß.





Personalarbeit

4 02 2016

„… und bitte Nichtraucherbusse, ja? Wir müssen ein bisschen auf die Gesundheit achten, sonst gehen uns noch die besten Fachkräfte von der Fahne! Ach, Entschuldigung, dass ich Sie habe warten lassen, aber Sie sehen ja, was hier wieder los ist. Vor den Einsätzen ist immer jede Menge zu tun, und wir sind sowieso gerade personell unterbesetzt. Die Antifa Nord kann jede Hilfe gebrauchen.

Das wäre dann hier Ihr Arbeitsplatz, wir haben Einzelbüros, weil man sich bei dem Lärmpegel sonst nicht konzentrieren kann. Beste Lauflage, Panflötenindios unten in der Fußgängerzone, Sie kriegen dies Haus einfach nicht schallisoliert. Aber die Glastüren dämmen schon ein bisschen.

Also die wesentlichen Sachen sind einmal das Personal – Sozialversicherungen, gegebenenfalls auch Disposition, wenn Ihnen das liegt, wir haben ja ständig mehrere Einsätze laufen – und dann das gesamte Abrechnungswesen. Lassen Sie sich nicht täuschen, dass wir als Antifa e. V. einen privilegierten Rechtsstatus haben, hier sind echte Spezialisten gefragt. Es geht ja um Zulagen, Schlechtwettergeld, Zulage für Böller, Zulagen für Pflasterung und Schotter, Flaschengeld, Schusswaffennutzungspauschale, da kommt schon einiges zusammen. Das muss je nach Demonstrationseinsatz korrekt abgerechnet werden, sonst bekommen wir keine Subventionen mehr vom Staat. Wie Sie sehen, Sie erwartet hier ein sehr verantwortungsvoller Posten bei der Antifa Nord.

Also ursprünglich war das nur die Hamburger Geschäftsstelle, wir hatten unser altes Büro noch im Schanzenviertel, da konnten wir direkt nachgucken, wie der Krawall am Maifeiertag lief. Ein paar von damals sind heute immer noch hier, ein paar haben die Seiten gewechselt und sind jetzt bei der SPD. Naja, wie das Leben so spielt. Aber dann wurden wir von der Bundesgeschäftsführung mit der Filiale Hannover zusammengelegt, weil die ihre Chaostage nicht mehr in den Griff bekamen. Man kann ja kein jährliches Treffen veranstalten, wenn zehn Monate später die Hälfte der Rechnungen immer noch offen sind, Sie verstehen? Chaos, schön und gut – aber die Leute haben halt auch Familie. Also wie gesagt, wir sind hier bis einschließlich Niedersachsen im Einsatz, außer dem östlichen Teil Mecklenburg-Vorpommerns. Die verwaltet Berlin selbst. Bei dem Anteil an professionellen Nazis kommen Sie ja sonst zu gar nichts mehr.

Aber wie gesagt, die Personalarbeit. Wir haben hier ausschließlich sozialversicherungspflichtig beschäftigte Berufsdemonstranten – mit Ausnahme von G7, G8 oder G20, da weichen wir dann auch schon mal auf Arbeitnehmerüberlassung aus, aber solche Schweinereien wie Werkverträge, das kann der Klassenfeind dann gerne ohne uns machen, das sind ja eh asoziale Methoden – hauptberuflich, wie gesagt, und die verursachen schon mal einen gewissen Overhead. Der wechselt mal die Krankenkasse, die ist im Mutterschutz, dann gibt es Elternzeit, Pflegezeit, Teilzeitregelungen, Sie kennen das, und dann die Rentenansprüche, also kurz: sehr, sehr viel Papierkram. Aber nur so kann man verhindern, dass Vollzeitbeschäftigte nach dem Renteneintritt plötzlich in eine Schieflage rutschen und sich einen Nebenverdienst suchen müssen. Wir haben daran gedacht. Die RAF nicht.

Haben Sie denn den Bereich Disposition auch mal kennengelernt? Ach, Sie waren seinerzeit bei der Staatssicherheit? Großartig! da werden die Kollegen sich aber freuen, wer so akribisch arbeitet, der ist bei uns sehr wohlgelitten.

Sie können ja spaßeshalber eine Personalakte zur Hand nehmen. Hier, die. Beschäftigt seit Anfang des Monats, also erste Gehaltszahlung, und da müssen Sie dann genau achten, wie viel sie an Lohn bekommt. Üblich sind 45 Euro, aber wir haben dreieinhalb Prozent Abzug in der Probezeit, das entspricht den Tarifbestimmungen, also 43 und ein paar Zerquetschte. Hier haben Sie die Tabelle mit den Einsätzen, größtenteils waren es Demos in Dresden, da werden die Anfahrtzeiten im Bus zu je einem Drittel als Einsatz gerechnet, plus Nacht- oder Wochenendzuschlag – achten Sie darauf, wenn sich beides überschneiden sollte, dann wird immer nur der höhere Prozentsatz aufgeschlagen – und da sind dann auch die Sollvorgaben. Eine Hälfte wird ausgezahlt, die andere wird aufs Stundenkonto angerechnet.

Bonuspunkte kriegt sie erst nach bestandener Probezeit, ist ja klar. Also verbilligter Flug nach Kuba, solche Sachen halt. Wir verhandeln noch mit der Hausbank, dass wir eine Antifa Card Gold und eine in Platin anbieten können. Kriegt nicht jeder. Dafür muss man schon den Theaterplatz schottern, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Aber Sie müssen sich keine Sorgen machen, hier sind Sie gut aufgehoben. Wir arbeiten ja nur auf Staatsquote, unsere Gelder werden von der öffentlichen Hand beantragt, bewilligt und dann ausgezahlt – meist mit einer gewissen Steigerung zwischen den einzelnen Schritten – und wir werden auf absehbare Zeit nicht auf dem Trockenen sitzen. Die Politik hat damals den Popanz mit dem linken Terror erfunden, um das Volk zu kujonieren und die Bürgerrechte sukzessive wieder auf den Stand von 1944 zu bringen, und wir haben uns revanchiert, indem wir das mit PEGIDA eingefädelt haben. Eine Hand wäscht die andere, und alles ist ganz ausgewogen.

Dann legen Sie mal los, wir brauchen vorerst zehn Busse, Hamburg – Dresden und retour für nächsten Montag. Und wie gesagt, Nichtraucher!“





Mein Kampf

3 02 2016

„… und das sind heute Abend meine Gäste.“ „Ich möchte aber nicht neben dem…“ „Jetzt zieht er auch noch eine…“ „Bitte, meine Damen und…“ „Aber das ist eine Reichskriegsflagge!“

„So, wir haben ja eine hochinteressante Runde heute, deshalb gleich meine erste Frage: Deutschland, ja oder nein?“ „Wie oft fährt nicht unser Bürgertum in aller moralischen Entrüstung empor, wenn es aus dem Mund irgendeines jämmerlichen Landstreichers die Äußerung vernimmt, dass es sich ihm gleich bleibe, Deutscher zu sein oder auch nicht, dass er sich überall gleich wohl fühle, soferne er nur sein nötiges Auskommen habe.“ „Das ist so widerlich, dass…“ „Also noch mal ganz klar, es ist für Sie nicht denkbar, dass andere keine Deutschen sein wollen?“ „Dieser Mangel an Nationalstolz wird dann auf das Tiefste beklagt und dem Abscheu vor einer solchen Gesinnung kräftig Ausdruck gegeben.“ „Ich höre mir das nicht mehr…“ „Wie viele haben sich aber schon die Frage vorgelegt, was denn nun eigentlich bei ihnen selber die Ursache ihrer besseren Gesinnung bildet? Wie viele begreifen denn die Anzahl einzelner Erinnerungen an die Größe des Vaterlandes, der Nation, auf allen Gebieten des kulturellen und künstlerischen Lebens, die ihnen als Sammelergebnis eben den berechtigten Stolz vermitteln, Angehörige eines so begnadeten Volkes sein zu dürfen?“

„Also fürs Protokoll, das sind ja alles auch bloß Einzelmeinungen, und…“ „Können wir nicht mal eine sachliche…“ „Eine Debatte, Klammer auf: sachlich, Klammer zu, da muss man auch nach den Werten, die dieses Abendland…“ „Wer sein Volk liebt, beweist es einzig durch die Opfer, die er für dieses zu bringen bereit ist. Nationalgefühl, das nur auf Gewinn ausgeht, gibt es nicht. Nationalismus, der nur Klassen umschließt, gibt es ebenso wenig.“ „Dann ist Ihnen also die Integration von, ich sage es mal so, wie ich es verstehe, diese Menschen, die Sie ja in unserer abendländischen – Ihre Worte, ich will das nur mal zitieren, die Sie…“ „Wie grenzenlos die heutige Menschheit in dieser Richtung sündigt, mag noch ein Beispiel zeigen. Von Zeit zu Zeit wird in illustrierten Blättern dem deutschen Spießer vor Augen geführt, dass da oder dort zum ersten Mal ein Neger Advokat, Lehrer, gar Pastor, ja Heldentenor oder dergleichen geworden ist.“ „Ich finde das zum…“ „Ich frage nach, meine Mutter hat das eventuell noch nicht verstanden: das ist doch auch ein Statement, dass wir bereit sind, uns für neue Fachkräfte zu…“ „Merken Sie eigentlich noch was!?“ „Unerhört!“ „Meine Damen und Herren, liebe Zuschauer – eine hochemotionale Runde!“

„Fragen Sie den doch lieber mal nach seinen Hetzreden auf dem…“ „Das Stichwort ist gefallen, Sie sind mehrfach auch in Dresden in Erscheinung getreten, und seit hat der Protest auch nicht mehr…“ „Das konnten wir schon damals, am ersten Tage unseres öffentlichen Auftretens, erfahren. Wir haben wahrlich nicht um die Gunst der Massen gebuhlt, sondern sind dem Wahnsinn dieses Volkes entgegengetreten, überall.“ „Das meinen Sie doch nicht ernst!“ „Jetzt kommt gleich wieder die Nummer mit der Meinungsfreiheit und dass man angeblich in Deutschland nicht…“ „Also zum Verständnis, wir haben hier auch schon gehört, dass Sie sehr kontrovers…“ „Ich habe damals in kurzer Zeit etwas Wichtiges gelernt, nämlich dem Feinde die Waffe seiner Entgegnung gleich selber aus der Hand zu schlagen. Man merkte bald, dass unsere Gegner, besonders in Gestalt ihrer Diskussionsredner, mit einem ganz bestimmten Repertoire auftraten, in welchem immer wiederkehrende Einwände gegen unsere Behauptungen erhoben wurden, so dass die Gleichartigkeit dieses Vorgangs auf eine zielbewusste einheitliche Schulung hinwies. Und so war es ja auch.“ „Unglaublich!“

„Ihre Ausführungen hatten bis jetzt ja schon viel Rasse, hahaha, da will ich auch mal juristisch fragen. Integration, das heißt im Idealfall auch irgendwann Einbürgerung. Können wir Menschen mit Migrationshintergrund besser in die…“ „Ein einfacher Federwisch, und aus einem mongolischen Wenzel ist plötzlich ein richtiger Deutscher geworden.“ „Widerlich!“ „Ich höre mir das nicht mehr länger mit an! Ich…“ „Aber nicht nur, dass man sich um die Rasse eines solchen neuen Staatsbürgers nicht kümmert, man beachtet nicht einmal seine körperliche Gesundheit. Es mag so ein Kerl syphilitisch zerfressen sein wie er will, für den heutigen Staat ist er dennoch als Bürger hochwillkommen.“ „Das ist ja genug Material für einen Shitstorm, wie man das jetzt auf Neudeutsch nennt, ich würde aber…“ „Merken Sie eigentlich noch irgendwas!?“

„Im Nachgang der Silvester-Ereignisse, da müssen wir aber auch mal kritisch werden. Haben wir die, ich sage mal: Frauenrechte zu lange nicht…“ „Das deutsche Mädchen ist Staatsangehörige und wird mit ihrer Verheiratung erst Bürgerin. Doch kann auch den im Erwerbsleben stehenden weiblichen deutschen Staatsangehörigen das Bürgerrecht verliehen werden.“ „Empörend!“ „Es ist doch schon mal ein Denkansatz, dass sich die Positionen in punkto Frauenrechte gar nicht so sehr unterscheiden.“ „Ich werde mir das nun keinesfalls länger…“ „Das ist ja eine hochinteressante Entwicklung, und da wären wir auch bei einem zentralen Punkt. Reden wir doch mal über Autobahnen.“





Sekt oder Selters

2 02 2016

05:45 – Durch das kriegsverdunkelte Schlafzimmer im Haus Frühlingsstraße 26 schmettert schmackig das Horst-Wessel-Lied. Ruckartig reißt Beate Zschäpe die verquollenen Augen auf. „Ich bin unschuldig“, murmelt sie, hebt den rechten Arm und tastet nach dem Wecker. Ab morgen, das schwört sie sich, wird sie aber so was von zurückschießen.

05:50 – Nach einer kurzen Selbstfindungsphase, zu der sie das Glas auf ihrem Nachttisch leert, schlurft Zschäpe ins Bad. Sie findet die Tür verschlossen vor. Der Mitbewohner Uwe Mundlos stylt seinen Oberlippenbartwuchs. Aus dem Nebenraum ertönt eine Reichsparteitagsrede.

06:01 – Etwas hastig, da leicht verspätet, erscheint auch Uwe Böhnhardt zum Morgenappell in der Küche. Zschäpe rügt ihn, da er sein Braunhemd wieder nicht ordentlich in die Jogginghose gestopft hat. Sie spuckt auf ihr Taschentuch und reibt ihm einen Zahnpastafleck aus dem Gesicht.

06:23 – Während Böhnhardt schon wieder an der Playstation hockt und Hitleropoly spielt, räumt die gute Hausfrau die Utensilien des deutschen Frühstücks zurück. Verärgert bemerkt sie, dass in der Besteckschublade schon wieder ein Schalldämpfer liegt.

06:46 – Ein Krachen zerreißt die morgendliche Stille in der nationalen Notgemeinschaft. Mundlos wirft sich mannhaft unter den Küchentisch. Zschäpe entnimmt dem Eimer unter der Küchenspüle einen Feudel. Zwanzig Minuten Kühlschrank sind für deutschen Schaumwein offenbar nicht genug.

07:12 – Es klingelt. Die beiden Uwes ziehen sich rasch Sturmhauben über den Kopf, während Beate mit Sonnenbrille, Skimütze und falschem Bart getarnt zur Tür geht. Sie stellt sich als Arthur Zulu N’Dongibele vor. Während ihr der Bart verrutscht, drückt der Paketbote ihr wortlos einen Karton in die Hand. Endlich Frühstücksbrötchen.

07:29 – Zschäpe schmiert sich zum zweiten Frühstück ein Schrippchen mit Maurermarmelade. Erfreut stellt sie fest, der Senderido-Bote hat noch ein paar Schachteln Senf der Marke 7,65 mm Browning beigelegt. Das muss sie gleich den Uwes zeigen.

08:19 – Die vaterländische Gesinnung des Volksgenossen scheint zu schwinden. Mit Eifer notiert Böhnhardt die Standorte rassefremder Imbisskaschemmen und misst auf der Karte des besetzten Reiches in den Grenzen von 1949 die erforderlichen Einsatzradien ab. Jegliche Hilfe wird von ihm zurückgewiesen. So kümmert sich die Mitbewohnerin wieder um das Mädelmagazin mit den identitären Stricktipps.

08:35 – Mundlos hat wieder ein bisschen an seinem selbst gebauten Computer gesessen. Stolz zeigt er den anderen, dass Paulchen Panther jetzt den Hitlergruß machen und mit sächsischem Akzent „Sieg Heil!“ sagen kann. Darauf muss Beate erstmal einen Magenbitter kippen.

08:58 – Die beiden Uwes eröffnen ihrer Freundin, dass sie mal eben zur Sparkasse müssten. Hastig packen sie schwarze Sturmhauben, fabrikneue Kunstlederjacken und Handschuhe in eine Tasche. Sie schärfen ihr ein, dass sie beide nur zu einer längeren Landpartie aufgebrochen seien. Für den Fall, dass sie innerhalb von zwölf Stunden nicht wieder zu Hause zurückkehren, weisen sie Zschäpe an, nach Leipzig zu fahren. Sie ist verwirrt und weist die beiden nicht einmal darauf hin, dass sie ihre Schreckschusspistolen auf dem Küchentisch vergessen haben.

09:00 – Mundlos hat wieder kein Bier mitgebracht. Dann eben Kirschwasser.

09:13 – Ein Anruf schreckt die zurückgelassene Frau in der Küche auf. Eine männliche Stimme stellt sich als Kommando Kanakentod vor und gibt eine geheime Botschaft durch: Der Döner explodiert um Mitternacht. Sie notiert die Nachricht zur Vorsicht auf einem Zettel, solange die Feinmotorik noch zum Schreiben reicht.

09:45 – Die Vormittagsseifenoper fängt an. Zschäpe steht vor einer existenziellen Entscheidung: Sekt oder Selters? Zum Glück muss sie nicht an den Kühlschrank, auf dem Wohnzimmertisch steht noch eine angebrochene Flasche Pfefferminzlikör.

10:11 – Kater Dolfi erbricht sich auf den Teppich vor dem Fernseher. Gut, dass in der Küche noch ein Rest Wodka lagert, um den unangenehmen Geruch zu überlagern. Beate holt bei der Gelegenheit gleich Spülmittel gegen die Hinterlassenschaft des Haustiers.

10:40 – In der Wohnungstür wird der Schlüssel umgedreht. Sofort ist die züchtige Hausfrau zur Stelle und schimpft ihre Männer aus, weil sie schon wieder nicht ihre Schuhe vor der Tür ausgezogen haben. Sie schwingt den Schrubber. In ihrer Wohnung soll es ja nicht aussehen wie bei Türken.

10:53 – Die Uwes sind verdrossen. Erst beim Betreten der Sparkasse fiel ihnen auf, dass die Hälfte der Ausrüstung noch zu Hause lag. Sie sind sich jedoch sicher, dass ihre Ausrede mit dem Sonnenbrand auf der Nase gezogen hat – schließlich mussten sie mit Masken im Gesicht ihre Miete einzahlen.

11:11 – Böhnhardt zieht sich in sein Zimmer zurück, um ein bisschen zu meditieren. Die beiden anderen bekommen allmählich Hunger. Mundlos schaut in sein Adressbuch: der nächste Gemüsehändler ist zu weit weg. Sie einigen sich auf Pizza. Das passt auch zu der angebrochenen Flasche Rotwein, die neben Zschäpes Bett steht.

11:55 – Der Pizzabote kommt. Es gibt enorme Schwierigkeiten, als Beate die Lieferung nur mit einem 500-Euro-Schein aus ihrem Portemonnaie bezahlen kann. Sie einigen sich darauf, dass die Pizza im nächsten Monat umsonst kommt.

12:04 – Auf Böhnhardts Mobiltelefon geht eine SMS ein. Das Landesamt für Verfassungsschutz stellt fest, dass die beiden maskierten Täter am Vormittag sehr auffällige Schuhe getragen hätten. Der Referatsleiter ordnet deren umgehende Entsorgung auf einer Mülldeponie an.

12:29 – Eine Tonbandkassette war hinter die Küchensitzbank gerutscht. Mundlos schien sich mit italienischer Musik auszukennen. Jedenfalls beschließt Zschäpe, bei Gelegenheit auch mal ein paar Lieder von diesem Corelli zu hören.

12:38 – Die Rumrosinenschokolade aus dem Supermarkt war der richtige Nachtisch, auch wenn der Ouzo darauf ein bisschen stark kontrastiert.

12:53 – Der Modekatalog mit den neuen Sportklamotten war in der Post. Beate guckt, ob es diese Kapuzenshirts mit den einen Meter langen Zipfelmützen auch in braun gibt. Weiß wird bei ihr immer so schnell fleckig.

13:08 – Uwe B. ist fertig mit den Vorbereitungen für den – wie er selbst sagt – nächsten Wochenendausflug. Er hat ein schwarzes Pulver zusammengemischt, das er am Wohnzimmertisch in kleine Kunststoffbeutel abfüllt. Aus Versehen hat er die Sporttasche im Auto vergessen. Unter dem Sofa findet er noch eine unbenutzte Blechdose mit der Aufschrift Dresdner Butter-Stollen. Das sollte erstmal reichen.

13:19 – Jetzt muss Zschäpe doch in den Keller: der Sektnachschub fehlt. Sie steckt den Schlüssel ein und nimmt die Taschenlampe aus dem Flurschrank mit. Das Leuchtgerät summt beim Einschalten, bleibt ansonsten aber dunkel. Kein Wunder, dass diese beiden Männer im Leben noch nichts Großes auf die Beine gestellt haben.

13:23 – Als Zschäpe die Kellertreppe hinaufsteigt, bemerkt sie einen Mann mit Schlapphut, der sich unauffällig vor den Briefkästen aufhält. Er drückt ihr wortlos einen Einkaufsbeutel mit mehreren Granaten in die Hand. Sie wundert sich nicht darüber. Gefährliche Dinge hätte sie zur Sicherheit auch nicht mit der Paketpost verschickt.

13:24 – Kaum ist sie wieder in der Wohnung, muss sie sich Vorhaltungen von Uwe M. anhören. Sie hat, wie schon öfter, den Gasherd nicht abgestellt. Der Wohn- und Volksgenosse ist wütend. Er wirft ihr vor, sie werde irgendwann noch das ganze Haus in die Luft sprengen.

13:29 – Böhnhardt gehen die lauten Streitereien auf den Geist. Er möchte in Ruhe eine Dokumentation über Hitlers Topfpflanzen sehen. Mundlos schreit ihn an, er werde ihn bei nächster Gelegenheit abknallen.

14:02 – Das Telefon klingelt. Zschäpe ist zunächst etwas perplex, da sich die ältere Dame am anderen Ende als RAF-Mitglied vorstellt, verspricht dann aber, ihr behilflich zu sein. Sie gibt ihr einige Adressen von Banken durch, die die beiden Uwes noch nicht besucht haben.

14:40 – Der Sekt ist jetzt angenehm kühl. Beate stellt ihren Cognacschwenker auf die Spüle und hebelt den Korken aus der Flasche.

14:56 – Mundlos erkundigt sich telefonisch beim Fundbüro, wann die nächste Versteigerung stattfinden wird. Er zeigt sich außerordentlich zufrieden, dass Fahrräder ohne Mengenbegrenzung abgegeben werden. Schnell ruft er noch seinen Kumpel an, ob dieser ihm für den Transport sein Wohnmobil leiht.

15:15 – Langsam wird es Kaffeezeit. Zschäpe gießt sich schon mal Marillenlikör ein.

15:44 – Beate Z. fällt es wie Schuppen von den Augen: sie hat den ganzen Tag noch nicht daran gedacht, Kater Dolfi zu füttern. Sie erinnert sich dunkel daran, dass auch Katze Eva irgendwo in der Wohnung sein muss. Sie fühlt sich in diesem Augenblick zu unschuldig und schwach, um die Küche zu verlassen.

16:12 – Kumpel Ralf ruft an und lädt die drei zu einem Kameraden ein, der neu nach Thüringen gezogen ist und seine Haftentlassung feiert. Bei einem weiteren Glas Schaumwein sprechen sich die drei kurz ab, ob Zschäpe diesmal die Schwester des einen Uwes ist und die Verlobte des anderen, oder aber andersherum. Sie können sich nicht einigen. Mundlos kramt drei Granatensicherungsstifte aus dem Besteckkasten. Böhnhardt zieht den Kürzeren.

16:35 – Es gibt Probleme mit Uwe B.s Freundin Mandy, und diesmal ist es endgültig. Eine Trennung lässt sich nicht mehr vermeiden, denn neben Mandys Ventil ist ein Loch. Eine von Uwe M. mit dem Fahrradflickzeug improvisierte Notoperation bringt nicht den gewünschten Erfolg.

17:20 – Beate hat den Trennungsprozess bei einer dreiviertel Flasche Weinbrand verkraftet; jetzt wird sie aktiv. Sie verstaut die löcherigen Überreste der Freizeitpartnerin in einen Schuhkarton und will sie in der Mülltonne entsorgen, doch Böhnhardt rät davon ab. Leiche sei Leiche, sagt er, und will auf Nummer sicher gehen.

17:28 – Gemeinsam mit dem Karton sowie einer Luftpumpe verlassen M. und B. die gemeinsame Wohnung. Sie haben sich zuvor kurz abgesprochen, eine Autobahnbrücke an der A4 auf der Karte ausfindig gemacht und beschlossen, die Puppe von einer Brücke abzuseilen. Es wird ein langer Abend.

18:00 – Die Abendnachrichten beginnen. Bei einem Gläschen Erdbeerwein vernimmt Zschäpe, dass am Vormittag die Zwickauer Sparkasse Ziel eines versuchten Raubüberfalls geworden war. Sie macht sich Vorwürfe, dass sie ihre beiden Freunde einfach so in die Gefahr geschickt hat – was da alles hätte passieren können!

18:19 – Jetzt fällt ihr auf, dass sie den ganzen Tag noch nicht dazu gekommen war, die Post zu erledigen. Zwölf Briefumschläge müssen mit Schwarzpulver präpariert, an diverse Redaktionen der Lügenpresse adressiert und abgeschickt werden. Beate Z. ist so deprimiert, dass sie die Briefe in die Umschläge steckt, ohne sie vorher zu lesen. Die beiden Uwes werden schon das Rechte geschrieben haben, denkt sie sich.

19:08 – Ein rhythmisches Würgen verrät es: Eva ist im Wohnzimmer. Jetzt erbricht sich das braune Tier auf den Teppich. Zeit für einen Himbeergeist.

19:26 – In der Tüte mit den Handgranaten befindet sich ein Schreiben. Der Verfassungsschutz fragt an, ob sie im Falle eines gewaltsamen Umsturzes gemeinsam mit der Polizei gegen die Bundesregierung vorgehen würden. Sie trennt die untere Hälfte ab, füllt das Antwortformular aus und steckt es ebenfalls in einen Briefumschlag.

19:33 – Z. überlegt einen kurzen Moment, ob sie das Schreiben in der Küchenspüle verbrennen soll. Sie sucht eine Kunststoffflasche mit Benzin, die üblicherweise unter der Spüle steht, doch sie findet nur mehrere Metallrohre, die an beiden Enden mit Draht versehen sind.

19:45 – Der deutsche Whisky ist auch schon fast leer. Zeit für eine neue Flasche Sekt.

20:08 – Die Tagesschau verläuft für Zschäpe enttäuschend. Den ganzen Tag lag wurden keine Ausländer erschossen, es gab nirgends in Deutschland Bombenangriffe, nur zwei Idioten wurden gesichtet, die den Verkehr auf der A4 mit einer herabhängenden Puppe für mehr als eine Stunde lahmgelegt haben.

20:35 – Müde und verschwitzt kehren die beiden Männer zurück. Sie haben auf dem Weg noch schnell einen Supermarkt besucht, um ein paar Kleinigkeiten (zehn Flaschen Sekt, eine Tüte Kartoffelchips, einen Beutel Feinschnitt, 20.000 Euro in kleinen Scheinen) zu besorgen.

20:38 – Nach einer längeren Diskussion willigt Zschäpe ein, noch eine Flasche Sekt zu öffnen. Sie sagt, sie wolle nicht von den Aktionen der beiden Männer profitieren, worauf sie ihr zu verstehen geben, sie solle sich dann doch bitte in Zukunft aus ihren Angelegenheiten auch komplett raushalten.

21:55 – Es ist spät geworden. Beate kriegt den Korken nicht mehr in die Flasche, andererseits lohnt es sich auch nicht mehr, das bisschen Sekt aufzuheben. Mundlos liegt bereits im Bett, Böhnhardt putzt noch eben schnell die Fingerabdrücke von der Česká und deponiert sie im Brotkasten.

22:13 – Von einem gewaltigen Knall geweckt fährt Mundlos im Bett hoch – es war nur Zschäpe, die mit der Kornflasche gegen die Tür gepoltert war. Nur noch wenige Augenblicke, dann liegt auch sie auf der Matratze. Ein sonores Schnarchen verkündet, dass auch sie eingeschlafen ist. Eva und Dolfi blicken sich stumm an. Gemessenen Schrittes gehen sie ins Wohnzimmer. Endlich Ruhe.





Pannenstatistik

1 02 2016

„Haben Sie eine Ahnung, wie viele Leute mit Namen Białocheński allein in Detmold herumlaufen? Sie sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Man kann nicht einfach jemanden observieren, wenn man sich nicht sicher ist, ob da nicht auch rein theoretisch eine Namensgleichheit vorliegen könnte. Mit diesen unbedachten Aktionen gefährden wir den Kampf gegen Rechtsradikale ja noch mehr.

Sie müssen jetzt nicht übertreiben, es handelt sich nicht immer um schwere staatsgefährdende Delikte. Ein paar waren zum Beispiel nur Mörder, haben Banken ausgeraubt oder haben schwere oder gefährliche Körperverletzung begangen, manchmal sogar nicht gegen Vollstreckungsbeamte. Also fast normale Straftäter. Leute wie Sie und ich. Nur eben rechtsradikal, da fängt der Interpretationsspielraum an. Es sind 372 Täter, also wenn Sie das mal so hochrechnen auf, sagen wir mal, die gesamte Einwohnerzahl der EU – damit muss man doch leben können? Diese Neonazis, wie Sie sie nennen, die wollen doch bloß, dass wir unser ganzes Leben ihretwegen zur Disposition stellen. Alles aufgeben, alle Polizeikräfte auf sie konzentrieren. Aber das können wir doch als demokratische Staatsbürger nur ablehnen, oder? Die paar Verbrecher, und wir lassen uns von denen die Sicherheitsgesetze diktieren? Wo gibt’s denn so etwas?

Es soll vereinzelt Lecks gegeben haben bei uns, das ist richtig. Der Kollege Matzigkeit hat da aus Versehen – er meint, es sei ein Versehen gewesen, und wir können ihm nicht das Gegenteil beweisen, weil wir ihm glauben, weil er uns ja gesagt hat, dass es ein Versehen gewesen ist, und außerdem ist er ja unser Kollege – er hat da aus Versehen mehrere Seiten mit einem Haftbefehl und der Liste der observierenden Kontaktbereichsbeamten an den einen Mann gefaxt, der den Sprengstoff bestellt hat. Das ist suboptimal. Gut, die Sache war nicht so sehr im Fokus, er hat ja auch keine Lieferungen mehr gekriegt, letzte Woche noch einmal Zünder von einem Typen, der kürzlich einen Pizzadienst gegründet hatte, aber sonst gab es da keine Vorkommnisse. Ich frage Sie, wenn man so eine Spur schon halb verloren hat, muss man sie dann unbedingt weiter verfolgen?

Oder hier, der Kollege Kussmaul. Nach der Observation von diesem NPD-Mann hat er ihn ordnungsgemäß auf dem Gehsteig angesprochen: ‚Verzeihen Sie bitte, sind Sie der polizeilich gesuchte Straftäter Herr Soundso?‘ Der dreht sich auf dem Absatz um, rein in den Hauseingang, und da muss er dann irgendwie verschwunden sein, in dem Viertel soll es ja Gartenhäuser mit mehr als einem Hintereingang geben. Sie regen sich jetzt natürlich auf, klar. Aber ich möchte daran erinnern, dass wir in einem Rechtsstaat leben, und da kann man nicht einfach so jemanden auf offener Straße verhaften. Da muss man vorher erstmal klären, ob es sich überhaupt um die korrekte Zielperson handelt, sonst ist das am Ende noch rufschädigend für einen unbescholtenen Bürger. Sicher, man kann in dem Fall auch mal darauf verzichten, sich ein amtliches Dokument zeigen zu lassen – unsere Beamten sind ja durchaus vertrauenswürdig, und das heißt im Umkehrschluss eben auch, dass sie sehr gerne auf die Kooperationsbereitschaft unserer Mitmenschen mit und ohne kriminelle Energie vertrauen. Aber jemanden einfach verhaften, nur weil man ihn für einen gesuchten Bankräuber und Mörder handelt? Der Kollege Kussmaul hat unter Umständen etwas langsam reagiert, aber er hat keine Straftaten im Amt begangen, das möchte ich hier doch mal ausdrücklich betonen.

Bei der Kollegin Hürtinger kann man schon eher diskutieren, ob das den Dienstvorschriften entsprach. Die Dame kommt aus der gehobenen Laufbahn, da muss man Abstriche machen. Zunächst mal ist es ja nicht grundsätzlich falsch, dass man einer Person, die in mehrere Delikte mit illegalen Schusswaffen verwickelt war, eine solche illegale Schusswaffe erst einmal wegnimmt. Aber dass man dann nach der Hausdurchsuchung den Keller mit sehr vielen anderen Schusswaffen, auch alle illegal, dass man den zusperrt – da hätte die Kollegin doch mal nachdenken müssen. Den sperrt man doch nicht zu, den Keller! So ein Täter kommt doch sofort auf dumme Gedanken, der bricht den Keller auf, schon hat er wieder eine Straftat mehr auf dem Konto, und zack! ist er erneut abgängig. Da muss man doch mal schauen, dass man sich in den Täter hineinversetzt. Die Kollegin Hürtinger ist jetzt auch wieder bei den Eigentumsdelikten.

Sie dürfen uns jetzt aber keine Untätigkeit vorwerfen, das wäre nicht gerechtfertigt. Wir haben alles unternommen, was bei der Durchsetzung rechtsstaatlicher Mittel behilflich sein könnte. Wir haben sogar eine Pannenstatistik erstellt. Mehr Transparenz geht ja nun wirklich nicht!

Außerdem verstehe ich diese ganze Aufregung nicht. Wir wissen doch, dass es sich um Neonazis handelt, wir wissen nur nicht, wo sie sich aufhalten. Bei islamistischen Attentätern wissen wir auch das, und wir wissen genau, was sie tun und mit wem, und dann sehen wir, wie das ausgeht. Da regt sich jeder auf, obwohl wir die ständig auf dem Schirm haben. Und bei den paar Rechtsradikalen? Na!?

Ihr Engagement in allen Ehren, aber man muss doch mal Realist bleiben: die Zschäpe sitzt noch, die beiden anderen sind weg, mal ohne Scheiß: was soll denn da noch passieren?“





Friedliche Expansion

31 01 2016

Es stehen, wie um es zu schützen,
vor jedem Hause Zipfelmützen
auf jenem bunten Wunderwerk,
dem treuen, braven Gartenzwerg.

Allein darin erschöpft sich nicht
sein Daseinszweck, denn jener Wicht
lebt nicht nur friedlich in der Mitte
der Heimat, vielmehr: jeder dritte

erobert ferner Länder Gärten.
Dort stehen sie mit Schippen, Bärten
und leben einen deutschen Traum:
ihr Volk ist nicht mehr ohne Raum.

Dahin hat uns der Zwerg geführt,
dass er beharrlich expandiert,
weil er auf dieser schönen Welt
herumsteht. Und die Klappe hält.








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