In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXVI)

21 01 2017

Es nähte die Vroni in Mutten
den Mönchen bisweilen die Kutten.
Es dauert nicht lange,
man kauft von der Stange.
Jetzt näht sie nur noch die kaputten.

Giovanni tendierte in Lüsen
nach längeren Feinanalysen
mit Fleisch, Fisch und Broten
und Nahrungsverboten
zum strikten Verzehr von Gemüsen.

Es nervten Adele in Peist
die Kunden im Laden zumeist
mit dümmlichen Fragen.
Statt dies zu ertragen,
schrie sie: „Ihr geht mir auf den Geist!“

Als Linda am Bahnhof in Freienfeld,
da diesmal der Wagen im Freien hält,
nicht guckt auf die Treppen
wie allerhand Deppen,
sie prompt auf den Bahnsteig mit Schreien fällt.

Es gründet Irene in Grüsch
ein Waschinstitut nur für Plüsch.
Ob Teddy, ob Kissen,
die Kunden, sie wissen,
nach drei Tagen ist alles frisch.

Begab sich einst Tresl aus Natz
am Kücheneingang auf die Hatz,
merkt sie auch nach Stunden:
der Fang bleibt verschwunden.
So war alles stets für die Katz.

Es schmückt Elinore in Cunter
das Haus. Täglich wurde es bunter.
Den Nachbarn, die wähnten,
dass Augen schon tränten.
Sie nahm all den Schmuck dann herunter.





Siebzehn mal vier – halbwegs

20 01 2017

Freitagstexter

Östlich. Westlich. Uns umweht gerade heute ein Hauch von Geschichte und Weltgeist. Wo, wenn nicht im Reich der Bilder, und wie, wenn nicht beim längst legendären Freitagstexter, könnten wir alle noch einmal die Finger am Puls der Zeit haben, bevor sie epochal verrinnt, vergeht, verstreicht…

Hoppla, da habe ich fast zu melancholisch den Blick auf die goldene Trophäe gelenkt, die nach Evs aus dem südlichen Steppengebiet am Dnjepr – auch bekannt als Kosakenzipfel – geretteter Aufnahme einer Meisterin des Bartflechtens an mich ging. Es steht also ausnahmsweise ein Samowar auf dem Tischchen. Hildegard hat den restlichen Tee, eine furchtbare grusinische Mischung von Breschkes Tochter, zu einem Zeug verkocht, mit dem sie endlich ihre goldene Armbanduhr wieder sauber bekommen hat. Sie ist jetzt zwar silberfarben, aber dafür gibt es Rosenkonfitüre zum Tee.

Zeugen eines historischen Wechsels zu sein, der heute stattfindet, das soll sich auch in dieser Runde widerspiegeln, die mit einem besonderen Bild aufwartet. Auch hier gilt: alles geht. Die in der so treffend vom Wortmischer niedergeschriebenen Fassung ephemerer Regeln geltenden Grundzüge seien uns auch hier präsent. Es gibt nicht Gutes, außer man textet es. Kalauer und Knittelvers, Zweizeiler und Eindeutigkeiten, gerne auch mehrfache Versuche, alles erhellt. Und wenn dann am Dienstag, den 24. Januar um 23:59 Uhr alle Beiträge beisammen sind, drehe ich noch einmal am Hahn, dass es durchs Dachgeschoss dampft, und werfe ein Auge auf die nähere Zukunft des Wettbewerbs.

Und ja, er ist es. Aus der Offiziellen Fotosammlung des Weißen Hauses stammt dieses Bild von Pete Souza (Urheberrecht der US-Regierung). Klick macht, wie immer, groß.





Bedeutungswandel

19 01 2017

„Dann ist die NPD jetzt also ungefährlich?“ „Ach wo – ganz gefährlich ist die, brandgefährlich!“ „Aber die haben…“ „Mordsgefährlich! da war die RAF ja direkt ein Kinderchor dagegen!“ „Das ist mir jetzt aber zu hoch.“ „Weil Karlsruhe erkannt hat, dass die Feinde unserer Demokratie nicht nur links stehen?“ „Was reden Sie denn da wieder für einen Blödsinn?“ „Also im Vergleich mit unseren Politikern ist das geradezu revolutionär!“

„Warum feiert man dieses Urteil als Sieg, wo es doch nur festgestellt hat, dass…“ „Das ist ja der Knackpunkt: das Bundesverfassungsgericht hat nach langer Prüfung mal etwas festgestellt.“ „Ist das nicht deren Aufgabe?“ „Hmnö. Bei den meisten Sicherheitsgesetzen, die die meisten Regierungen installiert haben, wusste man vorher, dass es sich um Sondermüll handelt. Da musste der Senat bloß noch eine Marke dranpappen.“ „Und jetzt?“ „Haben unsere Verfassungsrichter endlich ein glasklares Urteil über die politische Landschaft gesprochen. Das ist ein Maßstab!“ „Das Gericht hat eindeutig, da einstimmig gesprochen, dass ein Verbot dieser Partei nicht in Frage kommt.“ „Eben.“ „Und das feiert die deutsche Politik jetzt als Sieg?“ „Weil wir einen Maßstab haben.“ „Wofür denn, bitte?“ „Für Parteienverbote natürlich. Man kann sich doch als Rechtsstaat nicht alles bieten lassen.“

„Damit ich das richtig verstehe: die NPD wird als verfassungsfeindliche Organisation eingestuft, aber nicht verboten.“ „Das ist doch ein echter Sieg für unsere Demokratie, ach was – das sind neue Bewertungskriterien in Deutschland.“ „Was ist denn daran neu?“ „Dass man die NPD jetzt so wahrnimmt, wie sie ist, das ist in der aktuellen Lage geradezu ein Linksruck.“ „Wie bitte?“ „Wir haben es mit einem totalen Paradigmenwechsel zu tun. Jetzt steht endlich der Mensch im Mittelpunkt der politischen Bewertung.“ „Was reden Sie denn da die ganze Zeit für einen Unsinn? wo sehen Sie da den Menschen?“ „Bisher haben wir immer nur die Ideologien gesehen, jetzt wissen wir, es kommt auf die Menschen an, die sie verwirklichen. Das ist eine Art Bedeutungswandel.“

„Wenn die NPD also von ‚Volksgemeinschaft‘ spricht, dann…“ „… ist sie verfassungsfeindlich, da sie die Ideologie des Nationalsozialismus und dessen Sprache verharmlost, indem sie eine soziale Ordnung rechtfertigt, die auf dem Rassenwahn des Führerstaats aufbaut.“ „Und wenn Petry fordert, Begriffe wie ‚völkisch‘ ohne nationalsozialistischen Beiklang zu verwenden?“ „Das muss man ganz anders bewerten. Das ist ein klares Bekenntnis zur nationalsozialistischen Ideologie unter besonderer Berücksichtigung des Antisemitismus, der dann zum Völkermord geführt hat.“ „Oha.“ „Aber man darf da nicht so kritisch sein. Sie hat berücksichtigt, dass sie größtenteils zu geistig minderbemittelten Arschlöchern spricht, Soziopathen, arbeitsscheuem Gesindel, Schwerstalkoholikern, Kleinkriminellen, kurz: dem Abschaum.“ „Und was macht das?“ „Von denen geht keine Gefahr aus. Die müssen erst mal nüchtern werden und ihren Pfleger überreden, bevor sie eine Knarre in die Hand kriegen.“

„Dass Höcke jetzt in einer Sportpalastrede das Holocaust-Mahnmal als ‚Denkmal der Schande im Herzen der Hauptstadt‘ bezeichnet, ist doch auch ein Angriff auf die Verfassung.“ „Aber natürlich, so war das ja auch gemeint.“ „Und diese Knalltüte ist nicht in der NPD.“ „Stimmt, auch wenn man es erst gar nicht bemerkt.“ „Das ist Antisemitismus, eine Verharmlosung des Holocaust, eine Schuldumkehr, die für gewaltbereite Rechtsextremisten geradezu typisch ist.“ „Ich stimme Ihnen da vollkommen zu.“ „Und das ist jetzt ein Sieg für die Demokratie?“ „Immerhin hat dieses kleine Brülläffchen ja auch gesagt, die AfD ist die letzte evolutionäre Chance für sein Vaterland. Diese Partei sieht sich wohl ganz am Ende der Fahnenstange.“ „Und Sie nehmen das ernst?“ „Die AfD? selbstverständlich, das sind gewaltbereite Nationalsozialisten, die Deutschland in den nächsten Krieg führen wollen.“ „Dann geht von der Partei ein erhebliches Gefahrenpotenzial aus.“ „Aber sie sind noch nicht an der Regierung. Sehen Sie, das ist eben der Bedeutungswandel: ein Parteiverbot kann immer nur dann ausgesprochen werden, wenn diese Partei tatsächlich auch eine gewisse Bedeutung hat. Bei der NPD fehlt sie zum Beispiel.“

„Sie wollen also erst abwarten, bis eine Partei sich im Bundestag etabliert und ihre erinnerungspolitische Wende um 180 Grad vollzogen hat, bevor Sie in Erwägung ziehen, ob es sich um Rechtsextremisten handelt.“ „Nein, bei der AfD weiß man das jetzt schon.“ „Und wenn diese Partei doch plötzlich an der Regierung ist?“ „Dann haben die Deutschen ja immer noch ihr verfassungsmäßig garantiertes Widerstandsrecht.“ „Das nützt ihnen dann bloß nichts mehr.“ „Also niemand hat behauptet, dass Demokratie leicht ist.“ „Und dies Gekuschel mit gewaltbereiten Faschisten bezeichnen Sie auch noch als Linksruck?“ „Jetzt sehen Sie es doch mal positiv: selbst überzeugte Nationalsozialisten halten sich an die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts – ist das nicht eine gute Nachricht?“





Vollrausch

18 01 2017

Luzie zeigte mit dem Daumen ins Sprechzimmer. Der Mandant war außerordentlich laut und schlug mit der Faust auf den Tisch – Annes Schreibtisch, wohlbemerkt, und sie hasste wenig so sehr wie das.

„Es geht mir hier ums Prinzip“, erläuterte Herr Jensen. „Ich habe erstens klare Ansichten von der Erziehung meines Sohnes, zweitens kann ich als Teil der Rechtspflege ein solches Verhalten nicht einfach durchgehen lassen.“ Der Mann, dessen Kragen um eine kleine Idee zu eng geknöpft schien, trommelte nervös mit den Fingern auf dem Tisch. „Und Sie werden meinem Herrn Filius beibringen, dass es in diesem Gemeinwesen einige Regeln gibt, an die auch er sich zu halten hat, ungeachtet seines Vaters.“ Annes Gesicht war kurz davor, sich zu einer Grimasse zusammenzuballen. Dennoch behielt sie mit einiger Mühe die Beherrschung. „Wenn ich es richtig verstehe“, rekapitulierte sie, „hat Ihr Sohn in der Silvesternacht die Badewanne beschädigt, und Sie wollen ihn deshalb wegen §303 des Strafgesetzbuches anzeigen?“ „Sehr richtig“, gab er zurück. „Ich würde hier sogar von einer Zerstörung reden wollen, schließlich ist die Wanne so nicht mehr zum Gebrauch geeignet.“

Ein kurzer Blick in die Akte brachte mich auf den Sachstand: der Sohn des Strafrichters – daher nämlich kannte er Anne – hatte den Übergang ins neue Jahr derart feucht und fröhlich begangen, dass er im Zustand verminderter Einsichtsfähigkeit einen Eimer Streusand von der Terrasse geholt und zum Gaudium für die Gäste damit durch das elterliche Haus gestolpert war. Schließlich hatte er die Reste der erklecklichen Sandmenge in der luxuriösen Badewanne zu entsorgen versucht und dabei einen Schwamm zu Hilfe genommen, so dass die Emaillierung erhebliche Kratzer davontrug. „Einen Vorsatz muss man hier annehmen dürfen“, schloss Jensen, „der Junge ist selbst angehender Jurist, wenn auch im ersten Semester. Ein durchaus kluges Kind, nur manchmal sehr eigenwillig. Das hat er von der Mutter.“ Anne rümpfte die Nase.

„Ich verstehe Ihre Sorge“, setzte ich vorsichtig an, „sicher hat Ihr Sohn im Weinkeller geräubert oder sonstige Schandtaten vollbracht, aber…“ Er sah mich mit höchster Missbilligung an, ja beinahe mit Abscheu. „Er hat von mir die nötigen Mittel zur Durchführung dieses Festes erhalten, die Getränke ausgewählt und liefern lassen. Wir sind doch nicht bei armen Leuten!“ „Das habe ich nicht gesagt“, gab ich bissig zurück. „Und es besteht auch kein kausaler Zusammenhang, dass er möglicherweise schuldunfähig wegen eines Vollrausches gewesen sein könnte – eine in der Ursache freie Handlung, da er sich der Wirkung der geistigen Getränke ja intellektuell durchaus bewusst war. Das hat er vom Vater.“ Jensen schnappte zurück. „Mein Sohn war zurechnungsfähig“, schrie er und hämmerte auf den Schreibtisch ein. „Das werde ich als Strafrichter ja wohl besser beurteilen können als Sie!“

Anne griff gefährlich langsam nach der großen Papierschere. „Warum wollen Sie eigentlich gerade mich mit der Strafanzeige beauftragen?“ Da biss sich Jensen auf die Lippe. „Sie können doch als Strafrichter auch besser als andere eine Anzeige formulieren?“ „Es ist so“, presste er hervor, „Sie sind mir als durchaus… also Herr Oberstaatsanwalt Husenkirchen hält große Stücke auf Sie, da dachte ich mir…“ Anne ließ die Schere geräuschvoll auf den Aktenstapel fallen. „Ich bin Strafverteidigerin, wozu sollte ich Ihren Sohn hinter Schloss und Riegel bringen.“ Jensen transpirierte. „Es ist nicht das, wonach es aussieht! Sie müssen mir glauben, ich führe wirklich nichts Böses im Schilde!“ Mit zitternden Fingern reichte er ihr eine Visitenkarte, die Anne aufmerksam las. „Ein junger Kollege, er wird die Verteidigung übernehmen, natürlich noch sehr unerfahren, aber Sie werden sich mit ihm ins Benehmen setzen, und es wird sicher nur eine milde Strafe für ihn herauskommen.“ Anne schnappte nach Luft. „Sie wollen, dass ich für den Knaben eine pädagogische Maßnahme inszeniere?“ Er nickte. „Es wird ihm eine Lehre sein.“

Ich konnte sie gerade noch davon abhalten, die Tür aufzureißen und Richter Jensen am Kragen zu packen. „Wir beruhigen uns“, sprach ich auf Anne ein, „alle beide werden wir jetzt ganz ruhig, und dann unterhalten wir uns über eine Zivilklage, nicht wahr? Was halten Sie denn davon?“ Er schnappte heftig zurück. „Absolut unmöglich! Der Junge wird es nie lernen, wenn er nicht endlich einmal von der Anklagebank aus seine Verfehlungen betrachtet!“ Ich blickte zur Tür. Anne nahm wieder Platz. „Es entzieht sich meiner Kenntnis, wer Ihr Mandat annimmt, ich bin es jedenfalls nicht.“ „Einer muss es doch tun“, schrie Jensen. „Er braucht vermutlich eine Schocktherapie, sonst wird sich nie etwas an seiner Widerspenstigkeit ändern!“ „Und wie wäre es, wenn Sie ihm die Klage nur androhten?“ Er sah mich verständnislos an. „Fordern Sie die Kosten der Instandsetzung, ansonsten setzen Sie den Bengel vor die Tür.“ Ganz langsam regte sich seine Miene. „Brillant“, schrie Jensen, „hervorragende Lösung, Herr Kollege! Dass ich auch nicht gleich darauf gekommen bin!“ Er entließ mich aus der hitzigen Umarmung, stürmte zur Tür, drehte sich noch einmal um: „Aber erzählen Sie nichts meiner Frau!“

Nach und nach kam Anne wieder zu sich. „Was war denn das jetzt? und warum?“ „Ich hatte gleich so ein Gefühl“, bekannte ich. Sie sah mich fragend an. „Ich kann mich irren“, überlegte ich, „aber ich glaube, der Mann ist Jurist.“





Staatstheater

17 01 2017

„Haben Sie diesmal alle Unterlagen zusammen oder müssen wir da wieder hinterherlaufen? Ich frage ja nur, weil Sie schon dreimal keine ordentlichen Finanzpläne eingereicht haben, und ohne einen ordentlichen Finanzplan kriegt man nun mal keinen gescheiten Terroranschlag auf die Reihe, oder?

Gut, Sie sind neu in dem Business, das passiert einem bei Selbstmordanschlägen ja berufsbedingt öfter mal, aber ein paar Basics müssen Sie schon mitbringen, wenn Sie uns als Sponsor auf Ihre Seite ziehen wollen. Sie müssen immer bedenken, wir bündeln alle Dienstleistungen, also eigentlich tun wir das gar nicht, aber vertrauen Sie uns trotzdem – wir bieten die beste Supervision über alle Bereiche, technischer Support bis zum dritten Level, Logistik, wir haben eine 24/7-Hotline für religiöse Zweifel, all inclusive, Rechtsabteilung, Social Media Team mit besten Kontakten zur internationalen Presse. Da können Sie unbesorgt selbst Hand anlegen, mehr als unsere Beratung werden Sie nicht brauchen.

Natürlich brauchen Sie die. Jetzt gibt es in Frankreich schon ein Gesetz, dass man Sie für den Besuch islamistischer Websites in den Knast steckt. Klar ist das schlimm – stellen Sie sich mal vor, wie viele Attentate damit im Keim erstickt werden, nur weil sich Tatwillige leichtsinnig aus dem Verkehr ziehen lassen. Da muss man etwas unternehmen. Rechtsstaatliche Mittel, um westliche Rechtsstaaten zu zerstören, dürfen nicht einfach eingeschränkt werden. Aber kriegen Sie das mal hin, wenn Sie als einfacher Bürger gegen ein ganzes von jeder Moral unberührtes Staatssystem ankämpfen wollen. Ohne uns an Ihrer Seite.

Sie müssen uns da eher als Player in einer öffentlich-privaten Partnerschaft betrachten. Sie holen sich mit unserer Unterstützung selbst die finanziellen Mittel für den Anschlag, den Sie auch selbst planen und selbst vorbereiten und selbst durchführen dürfen – wir bekennen uns hinterher dazu. Als Qualitätssiegel, wenn Sie so wollen. Das setzt natürlich voraus, dass wir wirklich über alle Fakten und Umstände des geplanten Attentats in Kenntnis gesetzt werden. Nichts ist so peinlich wie ein Anschlag, der komplett aus dem Ruder läuft und dann mit unserem Namen assoziiert wird. Damit versauen wir uns mittelfristig jede Reputation, und als Islamischer Staat, der wir ja nun mal für die Weltöffentlichkeit sind, dürfen wir uns solche Schnitzer einfach nicht erlauben. Das sieht doch am Ende nur aus wie Staatstheater – wer würde mit so einem ideologischen Partner denn gerne weiterhin gemeinsame Projekte erarbeiten?

Unsere Qualitätskontrolle geht vielschichtig vor, uns interessiert auch scheinbar Nebensächliches. Ob Sie aus einem klassisch islamistischen Staat kommen, ob Sie Wirtschaftsflüchtling sind, ob Sie eventuell erst in Europa radikalisiert wurden, im Internet oder in der Moschee, ob das eine offizielle Vertragsmoschee war – Customer Relationship Management brauchen Sie da einfach, Bonussystem und solche Sachen halt, sonst springen einem die Imame ab, wenn sie nicht regelmäßig ihren Scheck kriegen – solche Sachen halt, die über Erfolg und Misserfolg der Operation entscheiden können. Alles kein Hokuspokus, sondern geballte Erfahrungen. Anders kommt man einfach nicht an die Spitze.

Ich sehe, Sie sind wirklich ganz neu in dieser Branche, anders ist Ihre Reaktion nicht zu erklären. Stellen Sie sich mal vor, wir räumen unsere Konten leer oder statten irgendwelche Amateure aus mit Empfehlungsschreiben für finanzkräftige Investoren in den westlichen Faschismus, und dann kommt am Ende nicht außer Tischfeuerwerk oder Terrorzellen, die im Spätstadium von der Polizei hochgenommen werden, weil sie ihre ganzen Anschlagspläne unter den Augen der Geheimdienste vorbereitet haben. Das geht doch nicht.

Letztlich müssen wir uns ja auch mit den Folgen der Tat identifizieren. Geradestehen tun Sie dafür, das ist nun mal die Aufgabenverteilung, aber uns wird das angerechnet, positiv wie negativ. Da muss man natürlich die Kontrolle behalten. Wenn Ihre Familie erstmal die vertraglich vereinbarte Summe auf dem Konto hat, wird doch kein Mensch mehr einen Terroranschlag durchziehen. Und das sind Erfahrungswerte, keine Spinnerei. Man kann es ja bis zu einem gewissen Grad auch nachvollziehen, aber ich bitte Sie: so idealistisch sind wir nun auch wieder nicht.

Sicher haben wir auch unsere eigene Kontrolle, da gibt es nichts. Irgendwie muss man das ja auf die Reihe kriegen, und unsere Lösung ist immer noch die beste. Andere Organisationen würden jetzt schon mit Killerkommandos arbeiten, aber mal ehrlich: bei Selbstmordattentätern? Wir lassen uns da lieber von ein paar Verfassungsschützern gezielt infiltrieren, die uns unzuverlässige Partner aus dem Weg räumen. Das ist im Zweifel immer noch das beste Mittel und dazu verhältnismäßig preiswert. Vernetztes Denken, Sie verstehen? Auf intelligente Business-Lösungen können wir nicht verzichten, das gehört im internationalen Geschäft ja längst zur Grundausstattung.

Lassen Sie mal sehen. Das Einsteigermodell für unter 100.000 Euro ist natürlich genauso gut für Sie konfigurierbar, setzt aber einen gewissen Eigenanteil von Ihrer Seite voraus. Fahren, Sprengen, Abwicklung. Wo sehen Sie denn da Ihre Rolle?“





Falschfahrer

16 01 2017

„… gesetzlich gegen die Verbreitung von Falschnachrichten vorgehen müsse. Ein Bundesamt sei jedoch wegen verfassungsrechtlicher Bedenken noch nicht als eine geeignete…“

„… keinesfalls als Zensurbehörde zu verstehen sei. Vielmehr müsse man die einzurichtende Stelle als Körperschaft gegen den Missbrauch von freier Meinung, freier Presse und freiem…“

„… die Schlagzeile Mörder-Mutter schlägt fremdes Kind beanstandet habe. Die einer Straftat Beschuldigte könne als mutmaßliche Mörder-Mutter bezeichnet werden, sobald sich in den Ermittlungen ein hinreichender Verdacht…“

„… es keinen Online-Journalismus geben könne, falls die Behörde eine Vorabkontrolle der zu publizierenden Inhalte plane. Dies sei insbesondere für die Veröffentlichung regierungskritischer Inhalte eine nicht hinzunehmende…“

„… der Minister für Landwirtschaft sich mit der Kritik an der deutschen Wurst nicht widerrechtlich in die Amtsgeschäfte des Verbraucherschützers aus dem sozialdemokratischen…“

„… sei der Internet-Journalismus nur ein Mittel, um die Verbreitung falscher Nachrichten zu fördern. Die Bundesregierung müsse daher zum Schutz einer freien Presse auch verfassungsrechtlich bedenkliche Maßnahmen zur Durchsetzung des…“

„… habe der Deutsche Presserat auch die Mutmaßliche Mörder-Mutter moniert, da die Beschuldigte, auch wenn ein eindeutiges Fremdverschulden vorliege, vor der Rechtskraft des Urteils nicht als Mörderin…“

„… sich der Springer-Konzern in einer Protestnote gegen die Vaterlandsverräter gewandt habe. Die Publikation völkischer…“

„… die Unschuldsvermutung annehmen müsse. Schmidt sei als langjähriges CSU-Mitglied geistig nicht mehr in der Lage, empirisch nachprüfbare Wirklichkeit und von Lobbyisten bezahlten Scheißdreck trennscharf zu…“

„… habe de Maizière eine bewusst gefälschte Statistik über Flüchtlinge in Deutschland veröffentlicht. Eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung sei deshalb so gut wie…“

„… liege nach Aussage des AfD-Landesverbandes Saarland kein Beweis vor, dass es sich bei dem von der mutmaßlichen Mörder-Mutter geschlagenen Kind um ein fremdes gehandelt haben könne. Das Kind stamme vielmehr in der vierten Generation von reinblütig deutschen…“

„… mit dem Schild Ich verdiene feste Hiebe, weil ich nicht mein Deutschland liebe durch Berlin getragen habe. Koch hinterlasse…“

„… dürfe man derzeit die linkslinksgrüne Meinungsherrschaft, nach der nur die Zernichtung der Deutschheit der verjüdelten Siegerjustiz gelte, als alleinigen Maßstab für den Holocaust an der deutsch-deutschdeutschen christlichen Herrenrasse betrachten, die die linkslinke Verniggerung des Menschengeschlechts nach sich ziehe. Die AfD- Vorsitzende Höcke habe während ihrer öffentlichen Montagsmasturbation die deutsch-arische…“

„… die Nachrichtenlage mit einem paritätisch besetzten Zentrum für Volksaufklärung zu besetzen. Es sei erklärtes Ziel des Gremiums, eine stabile Verfasstheit des Volkskörpers durch die in Print, Rundfunk und Fernsehen verbreiteten…“

„… die Zusammensetzung der deutschen Wurst einem nationalen Abwehrzentrum gegen gezielte Falschinformationen unterzogen werden solle. Die Kritik der Verbraucher müsse gegen russische…“

„… dahin gehend korrigiert werden müsse, dass die mutmaßliche Mörder-Mutter – zunächst unter dem Vorbehalt einer Mordanklage – ein Kind geschlagen haben solle, das nicht ihr eigenes sei. Man müsse also von einem Kind sprechen, dessen Erziehungsberechtigte jeweils andere…“

„… die Online-Redaktionen ermächtigt werde sollten, Print-Nachrichten und entsprechend der Kooperationsverträge geprüfte Agenturmeldungen auch ohne behördliche Korrekturen übernehmen zu können, falls diese nicht durch sinnentstellende oder tendenziöse…“

„… die mutmaßliche Körperverletzung bereits vor dem Kapitaldelikt am Kind der mutmaßlichen Mörder-Mutter geschehen sei. Es sei also fraglich, ob die mutmaßliche Täterin, die zu diesem Zeitpunkt eine Straftat gegen ihr eigenes Kind noch gar verübt habe, auch bei einer tatsächlichen Täterschaft schon als mutmaßliche…“

„… sich die bisherige Asylrechtsdebatte wegen eklatanter Verstöße gegen die statistisch messbaren Zahlen nicht mehr für eine gesetzgeberische…“

„… dass die Staatsanwaltschaft von einer psychischen Störung der mutmaßlichen Mörder-Mutter ausgehe, die daher nicht als Mörder-Mutter bezeichnet werden dürfe. Es sei jedoch in der Presse nicht zu beanstanden, wenn etwa im Zuge einer Gegendarstellung die Bezeichnung Mörder-Mutter, die sich nur auf die mutmaßliche Straftäterin beziehe, verwendet werde, um eine Verwechslung mit einem anderen Fall aus dem…“

„… das Verbraucherschutzministerium nur noch um Fälle einer bewussten Falschberichterstattung kümmern wolle, wenn diese mit ebenso bewusster Falschberichterstattungsabsicht in die…“

„… presserechtlich geklärt werden müsse, ob die Überschrift Mutmaßliche Körperverletzung-mit-Todesfolge-Mutter nicht den Rahmen der Berichterstattung…“

„… die AfD-Vorsitzende Petry nicht verurteilt werden könne, solange Seehofer auf jedem CSU-Parteitag wahrheitswidrig einen hirnrissigen…“





Zum Lutherjahr

15 01 2017

Da sitzt er, dem die Angst am Herzen nagt,
und starrt in dunkler Nacht voll Pein und Schrecken
auf eine Wand und einen schwarzen Flecken,
der ihn bedroht, dass er vor sich verzagt.

Der Schatten, den er vor den Augen fand,
ist für den Kleinmut wie des Teufels Finte,
die allem innewohnt, und mit der Tinte
wirft er die Furcht hinaus und an die Wand.

Die reine Unvernunft beherrscht das Denken,
wo sich die Macht behauptet von Dämonen,
die nur den Blick in Finsternisse lenken.

Bald blickt man deutlich, bald als Unbewusster
hinab, wo Sorge, Not und Lähmung wohnen.
Was man in Ängsten sieht, ist nur ein Muster.