Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXXVI): Das Dankbarkeitssyndrom

19 10 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Danke für meine Arbeitsstelle, danke für jedes kleine Glück. Die Pest hat einen Namen und es braucht mehr als Schmirgelpapier, um sich diesen Schmodder aus der Hirnrinde zu schwiemeln. Die gesamte westlich-vegane Welt, das christliche Abendland samt kapitalistischer Anhängsel und Wurmfortsätze, aalt und suhlt sich in Ergebenheit, nicht dem Schicksal gegenüber, aber doch in quasi-esoterischer Selbstermächtigung, dass noch aus dem dümmlichsten Hirnquark ein Patentrezept wird, mit dem die intellektuelle Ausschussware sich ihr bisschen Stoffwechsel in ein erfüllendes Leben umbiegen kann. Der Murks hat Methode, und wer sie nicht mehr merkt, ist als unterwürfiges Rad im Getriebe gerade recht. Einmal mit dem Syndrom ewiger, vollumfänglicher Dankbarkeit für alles, jeden sowie den letzten Rotz infiziert, und die Sache läuft.

Es ist vordergründig die devote Grundhaltung, noch die ausweglose Hochglanztristesse eines gründlich versaubeutelten Systems als gegeben zu betrachten, sie hinzunehmen und – positiv denken, positiv denken! – sich die ganze Scheiße bunt zu lügen. Frisch geschieden? super, mehr Zeit für Überstunden! Danke, Chef! Umweltkatastrophe im Kongo? dufte, wir leben in Europa! Danke, Zufall! Erderwärmung? na urst, wenn der Meeresspiegel steigt, sind wir schon längst Biomasse! Danke, Generationenungerechtigkeit! Alles lässt sich so krempeln dass das Gute in den Vordergrund tritt, alles gibt jemandem die Gelegenheit, dankbar zu sein, und ist man es nicht selbst, dann danken wir aus Solidarität. Nazis zünden Flüchtlingsheime an? knorkomat, da hocken die Arschmaden wenigstens mal nicht auf der Straße! Danke, Faschismus!

Aber machen wird uns nichts vor, dankbar ist das neue achtsam, und es führt zu bestialischen Selbstzerfleischungen, nur um für andere attraktiv genug auszusehen. Die komplizierte Demut wird in ihrer geistigen Einfachheit demonstrativ vor sich hergetragen als Monstranz klinischer Beklopptheit. Aus dem Gekrümel bastelt sich die Zielgruppe einen eigenen Lifestyle, und es wäre keiner, wenn sie nicht peu à peu extremistisch würde, für alles danken würde, erst für schönes Wetter, dann für die momentane Gesundheit, irgendwann für die Gene, wahrscheinlich auch irgendwann für die Luft zum Atmen oder die kosmische Hintergrundstrahlung. Nach diesem Strickmuster sind Dummdeppen stolz, eine Nationalität zu besitzen, auch wenn sie am Zustandekommen der Nationalität nicht schuld sind und nichts dafür getan haben, mit ihr geboren zu werden.

Der Schmalz quillt nicht zufällig aus der neoliberalen Tüte, die dem narkotisierten Prekariat beibringt, die Krümel vom Tische des Herrn als ausreichend zu betrachten und nicht ständig nach mehr zu gieren, wie es angeblich leistungsstarken Besitzern von Aktien und Erbschaften zusteht. Man trichtert den Unterernährten ein, wie schlank sie durch liebevolles Hungern bleiben, erklärt ihre unterbezahlten Knochenjobs zur gesellschaftlich wichtigsten Wertschöpfung – was für die Chefs der Knochemühle ja auch stimmt – und feiert ihre eiserne Disziplin, mit der sie nicht nach der Sense greifen, um diesen komplett verseiften Schrunz der Elite zu beseitigen. Würde man sie stolz machen, ihnen Ehre und Würde einreden, den Pfleger zum Ritter schlagen, die Alleinerziehenden als Vorbild an sozialem Altruismus preisen, sie würden schnell wider den Stachel löcken.

Dazu kommt der anthropogene Vollschrott, der an seinen Folgen erkennbar die Absurdität dieser Welt zeitigt. Rüstungsproduktion, Getreideanbau zur Kraftstofferzeugung, Handelskriege, planmäßig betriebener Steuerbetrug, Mülltourismus, dazu der Sicherheitswahn und der Staatsterrorismus von Diktaturen, die aus politischem Opportunismus hofiert werden, alles das ballt sich zusammen zur übermächtigen Idee, dass diese Existenz ohne Sinn, ist, ungerecht und grenzwertig inszeniert. Mag man an der Vorstellung zweifeln, dass es jenes höhere Wesen, das wir verehren, tatsächlich gibt, hier ist wieder die Gewissheit – positiv denken, positiv denken! – dass alles gut ist, von oben kommt und es kein Scheißleben in diesem richtigen geben kann. Überhaupt, für Einsfuffzich in der Stunde arbeiten, in den Slums von Bangladesch wäre man damit der König der Reiskörner, könnte mit seiner Hartzknete locker Benz fahren und wäre nebbich so ein elend undankbares Geschöpf, dem man die Moralkeule durch die Zahnlücken ziehen könnte. Klar lässt sich das schönquatschen, klar kann man jeden, der von Dank durchspült wird, als bereits genug entlohnt abstempeln, denn wer jammert, hat zu viel Zeit, aber wer dankt, der mosert nicht. Wir haben uns in ein bezauberndes Gefängnis aus Emotionsglibber locken lassen, die kalte Schleimigkeit sieht man erst nach dem Betreten, wenn die Tür gerade knarzend sich zu schließen beginnt. Alles atmet Frieden, eine tiefe Selbstgerechtigkeit wabert über den Boden und vernebelt alles, was mit der Nase knapp über Null liegt. Alles ist gut, solange dieser Planet eine Population duldet, die sich mit der Abrissbirne artikuliert. Toll. Aber hier leben? Nein. Danke.

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Rechts, zwo, drei, vier

18 10 2018

„Jetzt kommen Sie mal wieder runter! Die Zahlen muss man doch auch richtig einordnen, oder wollen Sie hier wieder nur Hysterie verbreiten? Diese zweihundert Nazis, das war in den letzten zehn Jahren. Wir sind die Bundeswehr, nicht der Verfassungsschutz.

Warum wollen Sie unbedingt, dass wir ein Nazi-Problem haben? Wenn wir das jetzt öffentlich zugeben, dann sind wir doch erst recht attraktiv für Nazis, oder glauben Sie, die gehen nur in Verbände, die sie für Volk und Vaterland erobern können? Wir können doch nicht auch noch Köder auslegen, wenn wir eine anständige Armee aufbauen wollen, oder was stellen Sie sich unter der Bundeswehr vor?

Ja, auf der anderen Seite ist es schon so, dass wir einen gewissen Nachwuchsbedarf haben, und wir können den nicht einfach durch Zuwanderung befriedigen. Dann muss man sich auch mal zu einem Kompromiss durchringen und Bürger mit Besorgnishintergrund für die Verteidigung des Vaterlandes rekrutieren. Ab und zu haben wir ja auch normale Bewerber, und die dürfen wir auch nicht verprellen. Vielleicht besteht bei denen auch ein gewisser Entwicklungsbedarf, das kann man vorher nie wissen.

Natürlich ist das schon etwas kompliziert, wenn unsere Leute überhaupt noch kein Vorwissen mitbringen. Sie müssen zum Beispiel jemanden, der schon über eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Schusswaffen verfügt, nicht mehr unbedingt ins Anfängertraining schicken. Dem können Sie auch so ein G36 in die Hand drücken, und dann wissen Sie: da passiert nicht. Wenn Sie schon mal ein G36 in der Hand gehabt haben, dann wissen Sie auch, dass da wirklich nicht viel passiert.

Wir haben deshalb auch diese Nummer mit dem Moorbrand durchgezogen. Das war in Wirklichkeit ein pazifistisches Propagandamanöver – jeder, der das gesehen hat, muss doch jetzt davon ausgehen, dass die Truppe zu blöd ist, um ein Loch in den Schnee zu pinkeln. Oder meinen Sie jetzt, dass das gerade attraktiv wirkt auf nationale Bürger, die sich als Feuerwehrleute beweisen wollen? Das kann ich mir jetzt ja so gar nicht vorstellen. Die Nazis gehen ja auch nicht zur SPD, Sarrazin mal ausgenommen, die gehen gleich zu ihrer Partei. Also müssen wir als Bundeswehr zeigen, wir sind einsatzbereit, zwar momentan und für länger nicht unbedingt, aber wir merken uns das, und wenn wir irgendwann wieder am Ruder sind, dann erinnern wir uns.

Das können die auch? Ja, mag sein. Jedenfalls sind wir als Konservative durchaus in einer guten Traditionslinie und werden und von denen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Meine Güte, dann meckern Sie halt, weil Sie keine Rommel-Kaserne wollen, aber wenn sogar ein abgehalfterter CDU-Clown den als Vorlage nehmen kann, dann muss man doch auf die Befindlichkeit der demokratisch gewählten, nein: der demokratisch wählenden, wieder daneben: auf die Befindlichkeit derer, die in einer Demokratie irgendwas Wählenden, auf die muss man Rücksicht nehmen. Sonst wählen die am Ende nie wieder.

Gut, wie es jetzt aussieht – es könnte das Ende sein, und dann wählen die tatsächlich nie wieder, aber so weit sind wir noch nicht. Es würde ihnen möglicherweise sehr entgegenkommen, wir leben ja auch in einer Dienstleistungsgesellschaft, aber man muss es ja nicht übertreiben. Wir gehen hier mit demokratischem Vorbild voran, alle Verdachtsfälle werden von uns selbstverständlich als unschuldig angesehen. Man kann doch jemandem nicht eine Handgranate in die Hand drücken, nur weil man ihn für einen Nazi hält. Oder weil ihm schon mal eine abhanden gekommen ist.

Die Gefahr ist doch, dass sich der Militärische Abschirmdienst in unsere Angelegenheiten mischt. Wir müssen dies auch als Repräsentanten der deutschen Gesellschaft scharf kritisieren. Diese Gesellschaft macht nun mal gerade einen starken Rechtsruck durch, und wir sehen uns als eine Wehrmacht, Bundeswehr wollte ich sagen, Bundeswehr natürlich, die sich als Abbild der Deutschen sieht. Das können Sie uns nicht auch noch zum Vorwurf machen, dass wir uns auch ein bisschen sozial engagieren. Und mal ehrlich, wenn wir an den Ernstfall denken, der ja schneller kommt als erwartet, wollen Sie da mit der Strichliste die Front abfahren und abhaken, wer den Hitlergruß gezeigt hat? Also wenn wir unsere Wehrfähigkeit erhalten, so jedenfalls nicht.

Und jetzt kommen Sie mir nicht mit der Dunkelziffer. Die können Sie nicht beweisen, also müssen wir uns über die auch nicht unterhalten. Oder wollen Sie jetzt jeden, der aus einer rechten Organisation kommt, in die Armee aufgenommen wird und unsere integrativen Kräfte auf sich wirken lässt, wollen Sie jetzt jeden als potenziellen Nazi behandeln und wieder rausschmeißen? Wollen Sie auf die Art die nationale Volkswehr desavouieren?

Nee, das können Sie vergessen. Kommen Sie wieder, wenn Sie Beweise haben, sonst passiert hier gar nichts. Wir sind schließlich in Deutschland, da hat alles seine Ordnung. Und wenn Sie der Ansicht sind, Sie müssten sich über uns beschweren, gehen Sie gerne zum Verfassungsschutz.“





Goldes Wert

17 10 2018

„Wieder so ein neumodischer Schrott!“ Herr Breschke stopfte den Blumenstrauß in die Vase, und er tat es mit einer Wucht, dass man fürchten musste, sie kämen unten wieder heraus. Aber das wäre zu verschmerzen gewesen, von ihrem ansehnlichen Gewinn hätte sich das Pensionärspaar leicht ein Dutzend neue Vasen leisten können. Es war von der Einbauküche noch ein ganz hübsches Sümmchen übriggeblieben.

„Ich wäre ja lieber an den Gardasee gefahren“, klagte der Hausherr, „aber meine Frau wollte es unbedingt.“ „Sie müssen zugebene, dass die ganze Einrichtung einige Jahrzehnte lang nicht mehr renoviert wurde.“ Er schien meinen Einwand gar nicht zu hören. „Der Herd war doch noch wie neu.“ Dass man eine der vier Kochmulden nur mehr zum Warmhalten nutzen konnte und dass er sich, außer zur Bedienung der Kaffeemaschine, größtenteils aus der Küche heraushielt, tat hier nichts zur Sache. Der ehemalige Finanzbeamte blickte sich hilflos um und legte das Blumenpapier auf den Küchentisch. „Ich sehe ja ein, dass man mit der Zeit gehen muss, aber warum muss sie so ein modernes Zeug anschaffen?“

Er schien nachhaltig verstört, denn nicht einmal der unerwartete Lottotreffer brachte seine Laune zum Überschäumen. Im Gegenteil. „Achtundvierzig Jahre lang war hier der Geschirrschrank“, knurrte er, „und dann haben sie hier den Geschirrspüler eingebaut.“ Horst Breschke kratzte sich an der Stirn und schnaufte gewaltig. „Soll ich denn jetzt mein Geschirr direkt aus dem Spüler holen?“ „Das wäre mal eine Idee“, sinnierte ich, „nur bräuchte man dazu zwei Spüler.“ Er blickte mich verständnislos an. „Sie holen das saubere Geschirr aus dem einen Spüler“, erklärte ich, „und wenn es benutzt ist, stellen Sie es in den zweiten. Dann waschen Sie ab und wiederholen die Prozedur, nur umgekehrt.“ Das leuchtete ihm ein.

Dennoch hatte er sich noch nicht mit dem Interieur angefreundet. „Ich wollte Ihnen ja schon einen Tee machen, aber ich muss warten, bis nachher die Handwerker noch einmal kommen.“ Vielleicht hatten die das Teedöschen aus Versehen in eine der noch nicht erschlossenen Schubladen geräumt? Breschke schüttelte den Kopf. „Nein, aber Sie kommen sicherlich selbst darauf. Setzen Sie doch schon mal das Teewasser auf.“ Statt eines Kochers, wie er in fast jeder halbwegs zeitgemäßen Küche zu finden gewesen wäre, stand ein Kessel auf dem Herd, blau emailliert, auf der Tülle die vorschriftsmäßig sitzende Pfeife. „Sehen Sie es?“ Mir fiel nichts auf. Vielleicht hatte ich den Kessel auf das falsche Feld gestellt? „Sie haben vergessen, die Knöpfe anzubringen“, schimpfte er. „Wie soll man denn den Herd anstellen, wenn…“ Ein paar Sekunden später begriff Herr Breschke, dass sich das Gerät leicht mit dem Finger bedienen ließ, wenn man auf die dazu angebrachten Symbole drückte. „Sehen Sie“, erklärte ich, „das ist rechts hinten, und damit stellen Sie die Stufe ein.“ Ein leichtes Glühen färbte das Kochfeld rot. „Dazu haben die Geld“, ereiferte sich der Alte, „Kochen mit Beleuchtung!“

Ansonsten hatte sich wenig verändert. Der alte Kunststofffußboden war ebenso geblieben wie die wackeligen Stühle. „Wenn ich das gewusst hätte“, jammerte Breschke. „Wir hätten doch einen ganz normalen Herd nehmen können, nicht einen mit neun Stufen!“ Langsam erhitzte sich das Wasser. „Das geht jetzt allerdings auch schnell – wenn wir jetzt auf Stufe Neun kochen und nicht mehr wie vorher mit der Drei, kann man dann die Kochzeit eventuell verkürzen?“ Er grübelte; bevor ich noch eine Antwort geben konnte, fiel es ihm ein. „Ich werde das morgen früh mal versuchen. Wenn man nämlich die Kochzeit für die Frühstückseier zu zwei Dritteln spart, dann ist dieser neue Herd ja doch zu etwas gut. Der spart ja nicht nur Zeit, der spart dann auch Energie, nicht wahr?“

Wie gut, dass sie sich nicht auch noch eine neue Waschmaschine gekauft haben. Da knirschte auch schon der Schlüssel im Haustürschloss: Frau Breschke kam rechtzeitig. Rasch huschte sie über den Flur, bevor sie die Einkäufe die Kellertreppe hinabtrug. „Wenn wir tatsächlich so viel Strom sparen“, sinnierte der Hausmann, „dann könnten wir uns in einem Jahr neue Stühle anschaffen, oder nein, warten Sie mal – wir haben doch auf dem Dachboden noch einen Schnellkochtopf!“ Breschke machte Anstalten, das Ding sofort in die Küche zu schleppen. „Wenn wir damit die Eier doppelt so schnell kochen können, dann hieße das ja, dass wir nur noch maximal zwei Minuten, und das ist ja so gut wie nichts, wenn man bedenkt, dass wir vorher immer eine Viertelstunde auf die Eier warten mussten!“

Ein schriller Schrei hielt ihn davon ab, die Treppe zu erklimmen; im Nu war er in der Küche. „Das Blumenpapier!“ Frau Breschke ließ die halben Wasservorräte der Stadt über den leicht bräunlichen Bogen rinnen. „Du hast das Blumenpapier auf die heiße Herdplatte gelegt!“ „Die war doch nicht an“, schrie er zurück. „Die hat nur geleuchtet.“ Es roch ein bisschen kokelig, ansonsten war nicht viel passiert. „Sehen Sie“, knurrte er. „Das kommt dabei raus, wenn man so neumodisches Zeug anschafft, das nicht zwischen einem Teekessel und einem Blumeneinwickelpapier unterscheiden kann!“ Er warf den klatschnassen Papierklumpen in den Müll. „Kommen Sie mit.“ Breschke griff nach dem Haustürschlüssel. „Ich kaufe jetzt eine Kochplatte. Sicher ist sicher!“





Schauprozess

16 10 2018

„Aber jetzt müssten wir mal die…“ „Wir!?“ „Also wir alle.“ „Das können wir ohne den Vorstand gar nicht beschließen.“ „Wenn wir nicht jetzt die…“ „Ich würde ja sagen, es ist schon viel zu spät.“ „Dann ist es doch auch egal, was wir machen.“

„Wir könnten erst mal die nächst Wahl abwarten und dann eine Strategie für die…“ „Strategie?“ „Er meint so Sachen, bei denen man sich vorher überlegt, was man sagt.“ „Dann ist Nahles schon mal raus.“ „Mhm.“ „Das finde ich aber sehr gut, so actionmäßig und so.“ „Dass wir jetzt strategisch vorgehen?“ „Dass wir erst mal abwarten. So was kommt bei den jungen Leuten dufte an, die nennen das Prokrastination.“ „Was ist ‚dufte‘?“ „Das war cool, bevor es mega wurde.“ Aha.“ „Aber selbst wenn wir bis nach der nächsten Wahl warten, wir können uns doch jetzt nicht einfach hinsetzen und nichts tun.“ „Ohne den Vorstand würde ich da jetzt keine Prognose wagen.“ „Es muss doch irgendwas passieren!“ „Wir könnten ja aus der Regierung gehen.“ „Meinen sie denn, dass die Pensionen für unsere Minister bisher ausreichen?“ „Und dann sind da natürlich auch jede Menge Staatssekretäre.“ „Die wissenschaftlichen Mitarbeiter im Bundestag nicht zu vergessen.“ „Die Fahrer.“ „Referenten!“ „Und das sage ich Ihnen gleich, ohne den Vorstand…“

„Kann man denn nicht mal eine ordentliche Politik machen?“ „Wir haben leider nicht das Verkehrsministerium, sonst hätten wir es der Autoindustrie schon gezeigt.“ „Alter, hätten wir es denen gezeigt!“ „Wenn man nur Ressorts wie Justiz und Umwelt hat, was soll man denn groß machen? Das ist doch ein Fehler, den der Koalitionspartner macht!“ „Dann muss sich die Partei auch mal zu einer konsequenten Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit…“ „Na, ob Sie das beim Vorstand durchkriegen?“ „Wir müssten bei der Rente viel weiter sein!“ „Vielleicht ist das Parteiprogramm ja auch zu alt.“ „Immerhin sind wir eine sehr alte Partei.“ „Dann müssten wir von der Rente doch mehr verstehen.“ „Bei uns heißt das Pension.“ „Wo ist da der Unterschied?“ „Sie sind noch nicht so lange in der Partei, oder?“ „Lassen Sie ihn, das ist unser Quotenarbeiter. Den brauchen wir noch für den Wahlkampf.“

„Wir könnten doch wenigstens mal vor die Presse gehen und sagen: tut uns leid, aber da haben wir mal Mist gebaut.“ „Sie sind Ossi?“ „Nein, warum?“ „Ich dachte nur. Erst die öffentliche Selbstkritik, danach kommen wieder Ehrungen der Partei.“ „Genossen wie Sie sind daran schuld, dass wir die…“ „Nennen Sie mich nicht ‚Genosse‘!“ „Jetzt hören Sie mal!“ „Gehen Sie doch nach drüben, wenn es Ihnen hier nicht passt!“ „Was soll er denn in der CDU?“ „Wie kommen Sie jetzt darauf?“ „Naja, wo soll man denn heute noch hin. Also als Sozialdemokrat.“

„Bleiben wir doch mal beim Thema.“ „Sie wollen ernsthaft ein Schuldeingeständnis der SPD, damit wir sauber aus der Sache rauskommen?“ „An diesem Hartzscheiß waren die Grünen aber auch beteiligt.“ „Und wir haben Nahles wirklich immer zurückgehalten, wenn sie es noch bescheuerter machen wollte.“ „Das stimmt.“ „Dann würde es doch reichen, dass sie sich aus der Parteispitze zurückzieht, nicht wahr?“ „Mhm.“ „Wenn das der Vorstand wüsste!“ „Ich finde die Idee gar nicht mal so schlecht.“ „Richtig, wenn man bedenkt, auf was für bescheuerte Ideen sie bisher gekommen ist.“ „In jedem Ressort.“ „Und unter jeder Regierung.“ „Ich würde so einen gut inszenierten Schauprozess ganz gut finden.“ „Das ist doch nicht Ihr Ernst!?“ „Wann ist das eigentlich in Mode gekommen, dass man alles an die Wand fährt und immer ohne Rücktritt aus der Nummer rauskommt?“ „Also jetzt doch Neuwahlen?“

„Da bleibt uns jetzt nur noch, die Mitglieder zu befragen.“ „Das macht der Vorstand nicht mit.“ „Verdammt noch mal, gerade darum geht es doch! die Flitzpiepen wissen doch gar nicht mehr, was da in den Niederungen der Politik vor sich geht!“ „Vielleicht könnte man das mal analysieren.“ „Also das ist mal ein guter Plan.“ „Ich will ja nicht unken, aber wenn wir das vor der Wahl machen, dann versauen wir uns möglicherweise die Chancen auf ein besseres Ergebnis.“ „Also doch erst abwarten?“ „Wir können doch nicht nach Antworten suchen, wenn wir nicht wissen, was aktuell gefragt wird!“ „Auch wieder wahr.“ „Meine Güte, es ist doch schon zweimal so gewesen: die Merkel-CDU macht uns kaputt, wir müssen da raus!“ „Dann müssten wir aber irgendwann auch wieder regieren.“ „Das kann doch keiner wollen.“ „Zum Glück ist da auch der Wähler davor.“ „Sehen Sie, auf den stabilen Rechtsstaat ist eben Verlass.“ „Naja, wer weiß, wie lange dieser Segen hält.“ „Wir sollten uns diese Option auf jeden Fall weiterhin offen halten, und dann sehen wir auch, was wir in der Zukunft an Gestaltungsmöglichkeiten finden.“ „Und bis dahin?“ „Konzentrieren wir uns selbstverständlich auf die Sacharbeit.“ „Und in den letzten Monaten?“ „Haben wir uns auch auf Sacharbeit konzentriert. Es kam nur nichts davon in den Medien.“ „Mhm.“ „Das heißt, wir sollten jetzt wieder so eine BILD-BamS-Glotze-Schiene fahren?“ „Solange wir nicht den geeigneten Kanzler haben, müssen wir’s eben auf die harte Tour…“ „Ach was, Sie haben doch alle die Hosen gestrichen voll – harte Tour? Ich gebe Ihnen harte Tour! Ein Grundsatzparteitag muss her, das ganze Präsidium gehört in die Tonne, das neue wird per Urwahl eingesetzt, und dann machen wir vollkommen unabhängig von der Regierung ein komplett neues Programm für eine Zukunft! So muss man das machen, so und eben nicht anders, Genossinnen und Genossen!“ „Das klingt gut!“ „Jawoll!“ „Brüder, zur Sonne, zur…“ „Genau so!“ „Ich bin damit einverstanden.“ „Sie auch?“ „Immer vorausgesetzt, Sie haben das schon dem Vorstand vorgelegt.“





Prinzregentenbunker

15 10 2018

„… erst kommentieren werde, wenn die Partei ihn zur Bildung einer Alleinregierung ohne störende Beisitzer auffordere. Söder habe im Moment die…“

„… das Wahlergebnis von 33,0 Prozent näher an der Fünfzig-Prozent-Marke als am Nullpunkt liege und die CSU daher die gefühlte absolute…“

„… es auch für ein Bündnis ohne Beteiligung der Christsozialen reiche. Aus der Staatskanzlei habe man noch in der Nacht einen Verbotsantrag für alle systemkritischen Parteien außer der…“

„… sich die bayerische AfD bereit erklärt habe, Söder sofort zu einem ordentlichen Mitglied zu ernennen, so dass die Regierungsgewalt schnell von der CSU zur…“

„… dass wenige getreuer Diener von einem Untergeschoss berichtet hätten, dass mit besonders gesicherten Räumen für den Fall der terroristischen Bedrohung oder der feindlichen Übernahme durch demokratische…“

„… eine Leibgarde bestellen werde. Ein Parteigenosse habe auf dem Stachus die Jrüne Strüsscher angesprochen, die sich derzeit in touristischer Absicht im…“

„… die Koalitionsverhandlungen noch nicht aufgenommen worden seien, da die FDP bereits jetzt ihren Ausstieg angekündigt habe und nur noch über den Termin des…“

„… habe Stoiber die Lage analysiert und in der vom Sozialismus erfundenen Erderwärmung den entscheidenden Hinweis gefunden, warum das Wahlergebnis nicht wie bisher im…“

„… nicht identisch sei mit dem Keller, in dem Seehofer seine Modelleisenbahn aufgebaut habe. So habe es in der Staatskanzlei einen bombensicheren Raum, der auch durch sozialistische Propaganda, Chemtrails und die Lügenpresse nicht…“

„… sich getäuscht fühlen würden, da sie nur die Absicht gehabt hätten, als Karnevalstruppe in München zu bleiben. Söder andererseits halte es für nicht möglich, sich von den preußischen…“

„… in den Gängen nur durch chiffrierte Zeichen erkennbar sei. Neben einer Wendeltreppe sei jedoch das Schild Prinzregentenbunker als Hinweis auf die dahinter liegenden…“

„… sich noch im Amt befinde. Daher habe Söder den Befehl gegeben, in jedes bayerische Haus, einschließlich Garagen, Geräteschuppen, Telefonzellen und Trafostationen, ein Kruzifix zu hängen, das von einer noch zu gründenden Schutzstaffel mit regelmäßigen Kontrollen im…“

„… dass viele ausländische Infiltranten mit multipler Persönlichkeit sich in Bayern aufgehalten haben könnten, was bis zu hundert Stimmen für die linksradikalen Parteien wie die SPD gebracht habe. Stoiber habe noch keine Beweise, halte dies aber bei einer Beteiligung von psychisch schwer gestörten Personen nicht erforderlich, um den…“

„… nur metaphorisch gemeint sein könne. Dass Söder einen Erlass mit Ich, Markus, Ministerpräsident und Gott zeichne, sei ein deutlicher Hinweis auf eine nachhaltige…“

„… fordere der soeben ernannte Leiter des Freistaatssicherheitshauptamtes IM Friedrich die präventive Internierung von Mitgliedern der linksfaschistischen Feindrasse. Die Gebirgsjäger seien ab sofort als Blau-Weiß-Helme befugt, auch verdachtsunabhängige Erschießungen an…“

„… und angedroht habe, einen unterhalb der Staatskanzlei gelagerten Atomsprengkopf zu zünden. Söder sei bereits in der Gefechtsstation gesichtet worden, wie er den…“

„… es laut Stoiber an der massiven Politisierung der bayerischen Frau durch vaterlandslose Mächte gelegen habe. Die CSU habe immer gewusst, dass Frauen rein gefühlsbetont seien, außer Abtreibung, Dirndl und Veganismus keine Interessen hätten und daher zerstörerisch für jede…“

„… sehe IM Friedrich ein Zusammenwirken von Islam, linkem Terror und Demokraten, die mit der Verhinderung eines neuen Polizeigesetzes dem Freistaat die Möglichkeit genommen hätten, eine Verteidigung aus Staatsnotwehr auch dann zu beginnen, wenn es keine Anzeichen für einen Angriff gebe. Die GeBayPo werde daher nach gefühltem Recht für die Wiederherstellung der…“

„… im Freistaat teilweise Deutsch gesprochen werde, was durch die vielen nicht volkszugehörigen Touristen noch verstärkt werde. Erst eine in der Landesverfassung verankerte Amtssprache, die aus dem jeweils ortstypischen Dialekt bestehe, könne für Stoiber eine Wiederherstellung der…“

„… jede Hilfe zu spät gekommen sei. Nachdem Friedrich die sofortige Umbenennung der Partei in CSSU gegen den Widerstand aller anderen Bunkerinsassen nicht habe verteidigen können, habe er eine im Nachttisch gefundene Gelatinekapsel…“

„… habe Stoiber dem Ministerpräsidenten dazu geraten, sofort das Amt des Parteivorsitzenden für sich zu beanspruchen, um danach wenigstens von diesem zurücktreten zu können. So bleibe er sicher Ministerpräsident und könne sich gegen die…“

„… das Shrek- sowie das Homer-Simpson-Kostüm in der Garderobe aufbewahrt habe. Die Zyankalikapsel habe jedoch nicht zum Fundus der Laienspieltruppe gehört und stamme noch aus den letzten Tagen des…“

„… es den Fluchtweg bis zum Bürgerbräukeller zwar noch gebe, dieser aber wegen des Abrisses im Jahr 1979 nur noch in den Fundamenten des…“

„… wolle Söder in seiner Verkleidung als Luitpold von Bayern auf den Balkon hinaustreten, um die Huldigung des Volkes entgegenzunehmen. Nach einem Wutanfall, da es dreizehn Meter unter der Erde keinen Balkon gebe, sei er mitsamt der Kostümierung in den…“

„… von zwei Pflegern in Krachlederner und Gamsbart vor die Tür verbracht worden sei. Die Karosse habe den Regenten in sein Prinzenpalais rechts der Isar gefahren, wo er ein eigenes Zimmer mit…“





Muddagottes

14 10 2018

Da hat er mal wieder allen gezeigt, wie diese christliche Barmherzigkeit geht. Papst Franziskus, immer für eine menschenfeindliche Widerlichkeit gut, vergleicht einen Schwangerschaftsabbruch mit einem Auftragsmord. Genau der Franziskus, der in seiner säuseligen Humanität verkündet hatte, wer seine Mutter beleidige, dem würde er die Fresse polieren. Vermutlich handelte es sich dabei um die Muttergottes. Ansonsten wüssten wir gerne, womit der Chef des weltweit agierenden Pädophilenrings die Verfehlungen seiner Angestellten umschreibt. Vermutlich denkt er darüber gar nicht nach, weil er mehrmals am Tag auf dem vatikanischen Klo einen Genozid erledigt. Alle weiteren Anzeichen dafür, dass die Trennung von Staat und Kirche mit der Axt vollzogen werden sollte, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • e zigaretten mönchengladbach: Hat Amazon da schon eine Filiale?
  • dönermörder: Glauben Sie mir, das Zeug war schon tot.
  • abgepappt: Diese rechts abgeklebten Brillen wurden inzwischen alle vom Verfassungsschutz aufgekauft.
  • lorem ipsum bla bla: Die perfekte Glosse.
  • bayern wahl: Bayer Sturzflug.
  • bayern spd: Man kann auch verfassungskonforme Splitterparteien wählen.
  • gauland alkoholiker: Dafür gibt es zehn Jahre, allerdings wegen Geheimnisverrats.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXIV)

13 10 2018

Es stiftete Ernő in Bailand
der Kirche viel Goldzierrat weiland
vom prächtigen Erbe.
Aus Kitschkunstgewerbe
spendiert er ihr nun einen Heiland.

Modibo geht in Adjelhoc
im Dunklen mitsamt sein Stock.
Er bleibt bei den Wänden
und fühlt mit den Händen
und bleibt stets in dem Häuserblock.

Der Ballkönig Sándor in Maisch
fragt sich: „Welche Dame ich heisch,
ist nicht von Belang, wenn
mit schrecklichem Klang, denn
es endet zumeist im Gekreisch.“

Renata, die gab in Ipís
dem Sohn eine Zeitung. „Nun lies,
so kann man sich bilden.“
Der fand nur die wilden
und bunten Cartoons. „Doch nicht dies!“

Hat Gyula sich in Duschigwehrend,
die Jugend zum Glauben bekehrend,
zum Zielpunkt des Spottes
gemacht, seines Gottes,
stellt er sich vor, dieses entbehrend.

Sitzt Hatem im Boot in Houmt Souk,
so lehnt er sich über den Bug,
das achtern sich bäumte
und Wellen aufschäumte.
Man sagt, dass das Boot ihn nicht trug.

Gar wütend ist Lajos in Eikau.
„Noch bin ich zu jung, dass ich Brei kau
und bin ich erschüttert,
dass man mich schon füttert,
gleichwohl im am meisten vorbei kau!“