Mythologische Ansätze

19 11 2019

„… und den Wissenschaftsbegriff komplett neu diskutieren wolle. Die Grünen würden sich dann entscheiden, ob sie die Astrologie als eine…“

„… weise die Partei die Kritik an ihrem Beschluss entschieden zurück. Da sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger Vorteile vom Glauben an eine Wirkung der Gestirne auf ihr Leben versprächen, könne man diese Überzeugung nicht einfach als…“

„… sich letztlich wieder als Verbotspartei zeige, die nur das Astrologenhandwerk zerstören wolle. Die Union habe dabei auf zahlreiche Arbeitsplätze verwiesen, die nicht nur bei der Erstellung der täglichen Zeitungshoroskope oder für die in der Wirtschaft immer noch…“

„… auf mehreren Säulen ruhe. Sollte die individuelle Erfahrung des Klienten mit seinen Werten und Wünschen eine subjektiv evidente Veränderung seines Status ergeben, so sei dies genau so wichtig wie die nachweisbare…“

„… astrologische Beratungen nicht mehr von der Steuer absetzen könne. Dies verhindere langfristig den Erfolg des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Für Kramp-Karrenbauer gehöre in schwierigen Zeiten eine verlässliche…“

„… als Einschränkung der persönlichen Freiheit sehe. Die Freidemokraten sähen in einer möglichen Ausgrenzung freiberuflicher Esoteriker ein sozialistisches Berufsverbot, das direkt in die…“

„… dass Kramp-Karrenbauer viele Verträge zur Restrukturierung der Bundeswehr nicht nur mit Controllern und Organisationspsychologen, sondern auch mit zahlreichen…“

„… zeichne sich die Branche durch eine Vielzahl stark voneinander abweichender Angebote aus, die es zunächst einzuordnen gelte. Erst nach einem Überblick über astrologische Methodik und ihre Anwendungsbereiche sei eine Studie sinnvoll, wenn sie gleichzeitig eine Fallzahl von…“

„… sei der Beruf des Astrologen noch nicht gesetzlich geregelt. Die Grünen erwarteten daher von der Kommission zunächst eine analog zu anderen therapeutischen Berufen verfasste Ordnung, die die Kompetenzen der jeweiligen…“

„… vertrete die Astrologie nach heutigen Maßstäben ein vollkommen anderes, nicht mit den Grundsätzen der heutigen Physik zu vereinbarendes Weltbild. Daher könne sie gar nicht widerlegt werden, was sich andererseits auf ihre…“

„… mindestens fünfhundert Probanden und eine genauso große Kontrollgruppe zu befragen. Es sei der Kommission dabei wichtig, dass das subjektive Beratungserlebnis dabei im Vordergrund stehe, da sonst negative Einschätzungen von Gegnern der Astrologie ein verfälschtes Bild von der…“

„… gebe es innerparteiliche Kritik am Ansatz der Forschungskommission. So werde hier fast ausschließlich die aus der Spätantike überlieferte eurozentrierte Astrologie berücksichtigt, während mythologische Ansätze aus Asien oder Südamerika keine oder nur eine unbedeutende…“

„… werde sich eine Untergruppe der Forscher zunächst mit der Verbreitung und Verwendung von Astrologie im Nationalsozialismus beschäftigen. Dies sei noch keine Vorentscheidung, wie die Sprecherin betont habe, man wollte jedoch eine deutliche historische Zäsur im…“

„… dass es immer mehr konkrete Widersprüche zur Schulastronomie gebe, beispielsweise in der Anzahl der Planeten im Sonnensystem. Dies sei jedoch kein Hinderungsgrund für die Partei, einen zumindest theoretischen Konsens auf der Basis einer gemeinsamen…“

„… zahlreiche Sonderaspekte in die Studie eingebracht werden müssten. Die Diskussion drehe sich im Moment um die Frage, ob ein umstrittenes und nicht als authentisch zu wertendes keltisches Kekshoroskop denselben Stellenwert wie die üblichen zwölf…“

„… sich die gesamte Astrologie im Gegensatz zu anderen Wissenschaften in den vergangenen Jahrhunderten nicht weiterentwickelt oder wenigstens neue Erklärungsansätze vorgelegt habe, um rezente Forschungsergebnisse aus Natur- und Sozialwissenschaften zu erklären. Die Parteispitze sehe daher kaum Chancen, besondere Aspekte der Nachhaltigkeit in der…“

„… habe Palmer darauf hingewiesen, dass mit der Eroberung von Bagdad durch die Mongolen die als erste Zwangsislamisierung des christlichen Abendlandes zu betrachtende Kulturzersetzung durch volksfremde Astrologie und migrantisch verseuchte Mathematik vor allem den Deutschen einen schweren Schaden in ihrem…“

„… der Mond nach wie vor als Planet in der hellenistisch geprägten Horoskoperstellung gelte. Habeck habe versichert, dass dies unter der Berücksichtigung der Bildungshoheit der Länder nicht in den Unterricht der…“

„… auf Distanz zur EKD gehe. Göring-Eckardt empfehle ihrerseits weder den Gebrauch von Tageshoroskopen noch Methoden zur Weissagung, die nach Ansicht der Synode nicht geeignet seien, um sie im…“

„… andere rechtskonservative Kreise in der Partei ein Verbot der Flachwelt-Theorie fürchteten, da diese quasi als Zugeständnis an die Anerkennung der Astrologie geopfert werden müsse, auch wenn sich dadurch eine inkonsistente Erklärung des…“

„… nur nach dem aktuellen Kenntnisstand zu entscheiden habe. Die Bündnisgrünen würden im gesonderten Verfahren, das auf die Erkenntnisse der Kommission aufbauten, die spezifische Wirkung von Wahrsagerei und anderem…“





Alte Schläuche

18 11 2019

„Wir sollten jetzt entschieden vorwärts gehen.“ „Das heißt was?“ „Hartz IV abschaffen!“ „Richtig!“ „Weil wir sonst den sozialen Zusammenhalt in der Bevölkerung zerstören?“ „Ach Quatsch, weil wir sonst auch in Hartz IV landen.“

„Das heißt, wenn wir jetzt nicht den richtigen Vorsitzenden wählen, dann ist…“ „Die.“ „Wie, die?“ „Die Vorsitzenden. Es sind zwei.“ „Ja, gut. Die kriegt Scholz schon klein.“ „Und mit genau der Haltung haben wir es immer geschafft, uns selbst ins Knie zu schießen.“ „Richtig!“ „Was soll das denn bitte heißen?“ „Das meint er bestimmt nicht so.“ „Doch.“ „Aber irgendwo müssen wir mit dem Veränderungsprozess beginnen, das kann man nur an der Parteispitze.“ „Ich würde ja das Programm als verbesserungswürdig ansehen.“ „Das war bisher immer gut, also warum sollten wir es auf einmal verbessern wollen?“

„Es geht doch hier auch um Verwurzelung in der Bevölkerung.“ „Wie kann man das verstehen?“ „Ein Deutschland ohne die SPD ist doch gar nicht denkbar.“ „Das sehen einige offenbar anders.“ „Uns hat es doch schon immer gegeben, jedenfalls, so weit ich zurückdenken kann.“ „Das scheint mir Ihr Problem zu sein.“ „Dass es uns schon immer gegeben hat?“ „Dass Sie immer nur zurückdenken.“ „Hören Sie mal, Schmidt hat auch schon gesagt, dass man mit Visionen besser zum Arzt geht als in die Politik.“ „Das hat er ganz anders gemeint.“ „Sie haben also keine Perspektiven.“ „Als nächstes kommen Sie mir mit Sozialismus, was!?“ „Dann erklären Sie mir mal, wozu es die Partei überhaupt noch gibt, wenn nicht genau dafür.“ „Weil die anderen jemanden brauchen, der ihre politischen Ideen auch realistisch durchsetzen kann.“

„Ich finde, wir sollten uns überhaupt mal selbst hinterfragen.“ „Wer hinterfragt sich denn bitte, wenn nicht einer selbst?“ „Das ist ein guter Ansatz, den sollten wir verfolgen.“ „Und was kommt da raus?“ „Wir wollen doch wissen, was denkt diese Bevölkerung überhaupt von uns?“ „Das kann ich Ihnen sagen. Die fragen sich, wozu es unseren Scheißladen überhaupt noch gibt.“ „Ach.“ „Nix ach, können Sie mir das mal beantworten?“ „Ich muss hier gar nichts!“ „Und so reden Sie dann auch mit dem Wähler, ja?“ „Das geht den Wähler doch gar nichts an, was ich denke, dass der von mir denkt. Vielleicht denkt der ja gar nicht?“ „Vielleicht hat der auch nur mitgekriegt, dass Sie nicht mehr in der Lage sind für irgendeinen Gedanken.“ „Jetzt hören Sie aber mal auf mit der ständigen Stänkerei, wir sind hier doch nicht in der Union!“ „Wenn’s Ihnen hier nicht passt, dann gehen Sie doch nach drüben!“ „Mach ich auch!“ „Auf Wiedersehen!“

„So, und jetzt beruhigen wir uns alle mal wieder und werden konstruktiv.“ „Mit solchen Verrätern kann man aber nicht diskutieren! Die wollen doch die Partei nur kaputtmachen!“ „Ach was, das haben Sie schon viel besser geschafft.“ „Sie sind ein…“ „Bitte, jetzt beruhigen Sie sich doch, wir können alles ganz konstruktiv und…“ „Eben nicht!“ „Was erwarten Sie denn von einer Partei, die wesentliche Herausforderungen der Zukunft als zu kompliziert ansieht und sich vorsichtshalber gar nicht darum kümmert.“ „Das ist eine…“ „Oder aber halbherzig, weil sie weiß, dass die ganze Scheiße nicht uns, sondern erst der nächsten Generation um die Ohren fliegen wird.“ „Richtig!“ „Und dazu brauchen wir auch keine neuen Vorsitzenden, die alten Wein in alte Schläuche kippen, weil die Flaschen aus dem Keller befördert werden.“ „Wir haben viel mit den Gewerkschaften erreicht!“ „Die werden bestimmt zu unserer Beerdigung kommen.“ „Was erwarten Sie denn?“ „Dass die Partei sich, egal unter wem, als Sozialdemokratische Partei für in Deutschland lebende Menschen betrachtet und nicht als Organ der Verwaltungsklasse.“ „Sie sind doch selbst im öffentlichen Dienst!“ „Wahrscheinlich will er den auch noch abschaffen.“ „Ah, verstehe – Sie sind so ein marktradikales U-Boot, das die Partei von innen heraus zerstören soll.“ „Jetzt kriegen Sie sich mal ein, so kann man doch nicht…“ „Spalter!“

„À propos Markt, dann erklären Sie mir doch mal, warum die Partei Gestalten wie Sarrazin noch nicht vom Hof geprügelt hat.“ „Das muss eine Demokratie aushalten.“ „Richtig!“ „Wir haben Meinungsfreiheit in Deutschland, wollen Sie die abschaffen?“ „Wer die Partei erheblich beschädigt und ihre Wähler in Scharen zu den faschistischen Rattenfängern schickt, hat hier nichts zu suchen.“ „Das sehen andere glücklicherweise anders.“ „Wir sind eine moderne und weltoffene Partei, die sich nicht den Mund verbieten lässt!“ „Deshalb will sie auch unbedingt einen starken Mann an der Spitze, richtig?“ „Richtig!“

„Vielleicht sollten wir langsam mal damit anfangen, eine andere Politik zu machen.“ „Aber wo nehmen wir denn dazu die anderen Politiker her?“ „Wir können uns das gar nicht leisten.“ „Es geht Deutschland so gut wie nie zuvor!“ „Davon kriegen die Menschen nichts mit. Sie können alle Häuser so oft wie möglich luxussanieren, bis das ganze Land vor Schönheit stirbt, aber davon gehen die Mieten nicht runter und die Löhne nicht rauf.“ „Aber mit Polemik schaffen Sie das!“ „Klar, das hört sich auf dem Parteitag bestimmt klasse an.“ „Warum wird er nicht Vorsitzender?“ „Dann müsste er ja arbeiten.“ „Und das als Beamter!“ „Hähähä!“ „Nein, lassen Sie mal gut sein.“ „Richtig!“ „Die Sorgen der Geringverdiener und Armutsrentner werden Sie mit Ihrer Sozialismusattrappe nicht in den Griff bekommen.“ „Genau!“ „Das können wir nämlich ganz alleine.“ „Eben, denn wer hat’s erfunden?“





R.M.R. (Remix)

17 11 2019

Voller Apfel, Birne und Banane,
tanzt die Orange. Wer kann sie vergessen,
wider ihr Süßsein. Ihr habt sie besessen.
Tod und Leben in den Mund… Ich ahne…

Blumenmuskel, der der Anemone,
wenn sie den Morgen erproben, allein,
später, fällt nur ein Widerschein
bis in ihren Schoß, das Polyphone.

Seit Jahrhunderten ruft uns dein Duft,
plötzlich liegt er wie Ruhm in der Luft.
Tänzerin: o du Verlegung,

der unerschöpflich Eines, Reines, spricht, –
du, vor des Wassers fließendem Gesicht,
und der Wirbel am Schluss, dieser Baum aus Bewegung.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLXIX)

16 11 2019

Es zäunt Kajetan in Babrosten
sein Grundstück ein mit alten Pfosten,
worauf er nun stolz ist,
weil alles aus Holz ist.
Es modert, doch kann es nicht rosten.

Guillermo kommt in Villa Allende
beim Hausbau nicht wirklich zum Ende.
Noch fehlen die Fenster,
das Dach, das ergänzt er,
und eigentlich fehlen auch Wände.

Mateusz will in Altenhagen
im Supermarkt niemanden fragen,
denn er ist vergesslich.
So bleibt’s unerlässlich,
er kauft alles, was er kann tragen.

Man kennt Naide in Benafim.
So mancher wär gerne intim
mit ihr. Auch ein Lehrer
wär gern ihr Verehrer.
Sie wär’s auch gern, nur nicht mit ihm.

Leokadia, die raucht in Westgönne
fortwährend. „Wenn ich nichts erkenne,
im Qualm, ist das richtig.
Im Haus ist nur wichtig,
wenn’s laut wird, dann ist es mein Männe.“

Masimba fehlt in Gokomere
am Schneidertisch wieder die Schere.
„Normal guckt die Frau hin,
jetzt schau ich genau hin,
bevor ich mich wieder beschwere.“

Hängt Włodzimierz Wäsche in Trockenhorn,
so sind bei ihm immer die Socken vorn.
Er liegt auf der Lauer,
genervt von der Dauer,
und füllt sie bis oben mit Trockenkorn.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXC): Selbstmanagement

15 11 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Vermutlich geschieht dies tausendfach in einer beliebigen Großstadt der westlich-kapitalistischen Welt, bevor Ersatzteile des mittleren Managements in ihre Polyesteranzüge schlüpfen und den ersten Angstschweiß des Tages aus dem angekrampften Gesicht wischen. Mancher murmelt sein Mantra, andere regulieren noch schnell ihre verbliebenen Emotionen auf ein Verträglichkeitslevel, das nicht mit der Vision des Arbeitgebers kollidiert. Ein paar Individualisten, geübt in praktischer Soziopathie, ballen die Faust vor dem Spiegel, bevor sie dem Feind eine reinzimmern. Die meisten setzen sich ein sinnvolles Ziel: den Tag überleben. Mit etwas Selbstmanagement könnte das realistisch sein.

Es beginnt ganz harmlos mit der To-Do-Liste, dem Einkaufszettel zwanghaft-ängstlicher Personen zur Bewältigung eines Alltags, der auf die stetige Vereinfachung setzt. So schwierig die Existenz sein mag, mit ein paar professionellen Tipps aus der Beraterkiste – immer absolut authentisch bleiben, immer den Plan umsetzen, immer das Erreichen der Ziele kontrollieren und dokumentieren – kriegt noch der unterbelichtete Honk es hin. Einfach ganz authentisch aus dem Haus gehen, ganz entschieden dokumentieren, ob man den Bus gekriegt hat, und dann erfolgsorientiert den Betrieb ausfeudeln, um die persönlichen Ziele zu fokussieren. Mega! Der Lerneffekt, damit sein Leben voll in den Griff zu bekommen, wird immens sein.

Immer vorausgesetzt, es kippt kein Mehlsack um und der Bus kam pünktlich. Was auf eisenharter Planung basiert, und was im Controlling täte dies nicht, wird dem Leben nicht gerecht. Kann es auch gar nicht, da dies auf einer Verkettung reichlich unabhängiger Zufallsgrößen besteht, die sich ohne Rücksicht chaotisch ineinander schwiemeln. Vorab strikt durchorganisiertes Werk, das den Ansprüchen einer Betriebsführung genügen soll, kennt keine Konflikte, schon gar nicht die Interaktion mit der Störgröße Mensch, die ganz überraschend immer auch außerhalb des eigenen Körpers auftritt. Die sture Ichwelt betoniert ihre Flexibilität zu Boden und gibt damit das entscheidende Signal: die Theorie kann sich nicht irren, alles andere ist falsch, nur Verlierer setzen sich nicht durch. So entsteht die Frustration, die immerwährend das Verhältnis des zwanghaft motivierten Kämpfers zu seinem Peiniger bestimmt: zu sich selbst.

Dieser doppelte Selbstvorwurf, der in der Trennung von Subjekt und Objekt, Aktiv und Passiv liegt, ist die Waffe gegen den Menschen. Subjekt und Objekt der Führung, so lautet der Tadel aus der projizierten Außenwahrnehmung, haben sich beide nicht im Griff. Die Verantwortung wird also stets auf dieselbe Person geworfen, einmal als die führende, die sich nicht gegen die niederen Instinkte des kontraproduktiven Unterworfenen durchzusetzen vermag, einmal als die geführte, die gegen die Notwendigkeit und ihre Einsicht darin rebelliert. Unter der Maßgabe, in der Tretmühle der vollständigen Entfremdung nicht funktionsgerecht die Aufgabe zu übernehmen, die mit der Division in zwei Willenskräfte einhergeht, ist die Revolte als Todsünde der gegen die gesellschaftliche Ordnung das letzte Verbrechen. Der Mensch hat doppelt seinen Sinn und sein Ziel verfehlt, eigentlich ist er längst Ballast für den willigen Rest.

Überhöhte Kategorien, zum Beispiel Schicksal, sind nur noch in banalen Alltagsentscheidungen des sozialen Umgangs zu finden, denn die unfehlbare Planung lässt unvorbereitete Abweichungen nicht zu. Der scheinliberale Perfektionswahn bedient sich der einfacheren Mittel, etwa der Aufladung mit Schuld, die stets individuell bleibt: wenn der Bus nicht kommt, der Mehlsack kippt, muss es an schuldhaftem Handeln liegen, wie es die kausale Maschinerie verlangt. Schuldverlagerung ist der Schlüssel zum Abbau der zivilisatorischen Rechte des Individuums, das nach einem vordefinierten Modell zu funktionieren hat – oder sein Recht auf Funktion verwirkt.

So entsteht irgendwann beim Schwinden der Kräfte der endgültige Selbstvorwurf, die falsche Haltung eingenommen zu haben; wer aktiv war, hat noch immer nicht den Posten als Generaldirektor, Chefarzt oder Bundeskanzler erreicht, wer passiv blieb, ist so lange vor seinen Schwächen geflohen, bis sie ihn unter sich begraben. Die Krise ist absehbar, und sie ist selbst verschuldet.

Man kann auf sie verzichten, und damit verzichtet man auch auf die feindliche Übernahme des eigenen Lebens. Den Bus fahren und den Mehlsack liegen lassen, die Erkenntnis, dass der tiefere Sinn sich nicht daraus ergibt, was man mit markigen Worten auf einen Zettel schmieren kann, der morgens am Spiegel klebt. Konsequent dem Versuch widerstehen, ein paar Arschgeigen in Polyesteranzügen ernst zu nehmen, die Philosophie von der Stange verkaufen und in Wahrheit nur kämpfen, einen Tag lang nichts auf die Fresse zu kriegen. Sie geben lediglich ihre Defizite weiter, den Kinderglauben an esoterische Sprüche, billige Patentrezepte, Angst als Ratgeber und ihren elenden Mangel an Selbstmanagement.





Männerballett

14 11 2019

„… wolle Scholz an seinem Entschluss festhalten, ausschließlich mit Männern besetzte Vereine von Steuervorteilen auszuschließen. Eine Änderung der Gesetze könne sich nur noch um wenige…“

„… zahlreiche Vereine davon betroffen seien. Die Brauchtumspflege sei nach dem Vorstoß akut bedroht, da der Vizekanzler nur Mehreinnahmen aus der Körperschaftssteuer generieren wolle, um die Grundrente zu…“

„… dass auch der Kölner Verein Die Nussknacker davon betroffen sei. Das seit 1978 bestehende Ensemble gehöre als feste Größe zum Karneval und spende seine Einnahmen aus mehr als fünfzig Auftritten pro Saison regelmäßig für soziale und karitative…“

„… die meisten Vereine wie Wirtschaftsbetriebe geführt würden. Für den Finanzminister sei eine Erwerbstätigkeit aber zielgerichtet besser im Arbeitsleben zu leisten, um den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht durch Freizeitaktivitäten zu…“

„… es Sonderregelungen für kirchliche Vereine geben müsse, die nicht gezwungen werden dürften, sich gemischtgeschlechtlich zu organisieren. Die Bundesregierung habe unterstrichen, dass sie nicht Absicht habe, eine andere steuerrechtliche…“

„… könnten die Nussknacker ihren Auftritt zur Ballettmusik von Tschaikowsky im Gürzenich nicht mehr durchführen, da die Kosten für Kostüme, Bühnentechnik, Licht und…“

„… stehe es jedem bisher noch gemeinnützigen Verein selbstverständlich jederzeit frei, sich als haftungsbeschränkte Gesellschaft wirtschaftlich zu betätigen. Auch forstwirtschaftliche Vereine seien für die aktuelle Rechtslage keine…“

„… auch in ehrenamtliche Strukturen eingreife. Scholz sehe hier keine Gefahr, da die meisten karitativen Organisationen keine größeren Steuerzahlungen leisteten, die sich nachteilig auf den Bundeshaushalt und seine…“

„… besonders empörend sei, da es sich bei dem Männerballett um ein kölsches Traditionsensemble handele, das durch den Erlass des Finanzministers ohne Vorwarnung keine steuerlichen…“

„… durchaus möglich sei, dass Scholz den Vorschlag lediglich aus taktischen Gründen geäußert habe, um ein besseres Ergebnis bei der Wahl zum SPD-Vorsitzenden zu erreichen. Durch eine frauenfreundliche Aktion sei seine…“

„… die Demonstration vor dem Ministerium keinen Erfolg gehabt habe. In einem amtlichen Schreiben habe ein Abteilungsleiter den Jecken zuvor mitgeteilt, dass nur durch die Aufnahme von Frauen der Status der Gemeinnützigkeit und die damit verbundenen…“

„… habe der Finanzminister die Vorwürfe als völlig substanzlos zurückgewiesen. Es gebe eine breite Auswahl an rechtlichen Einzelfallregelungen, die sich mit einem jeweiligen Antrag ausschöpfen ließen. So werde Scholz beispielsweise den Bankensektor schonen, um die gewachsenen Strukturen in der Finanzwelt nicht unnötig…“

„… es nicht durch satzungsbedingte Umstände erklärt werden könne, dass ein Männerballett den Anspruch habe, ausschließlich Männer als Mitglieder zu akzeptieren, da die meisten Ballette von Frauen getanzt würden. Sowohl die Änderung der Satzung als auch die sofortige…“

„… sehe das Bundesfinanzministerium sich hier in der Pflicht, die Menschenrechte in Deutschland zu wahren. Wenn es Frauen auf Dauer verwehrt werde, den durch die verfassungsmäßig garantierte Koalitionsfreiheit ermöglichten Vereinen beizutreten, könne sich eine Gleichberechtigung nicht wie beabsichtigt…“

„… dass der Vorstoß von genderfixierten Feministinnen geplant werde, um die deutschen Männer zu homosexualisieren. Höcke werde jede sozialistische Spalterin, die einen echten deutschen Männerverein mit ihrem unreinen Blut in die…“

„… sei die Aufnahme einer Frau in den Männerballettverein zwingend vorgeschrieben, um die Gemeinnützigkeit der Nussknacker zu erhalten. Die Rücknahme des Verwaltungsaktes könne sich durch den bisherigen Verlauf allerdings verzögern, so dass ein Auftreten in der laufenden Saison eher nicht im Rahmen des…“

„… es keinerlei Ausnahmen geben dürfe, auch nicht durch Minderjährigkeit der Vereinsmitglieder. Kirchliche Knabenchöre sollten allerdings von den Nebenabsprachen mit dem Ministerium profitieren, wie sie bereits im Vorfeld des…“

„… empfehle das Bundesfinanzministerium die Auflösung und Neugründung der Nussknacker, um nicht durch den Ausfall in den kommenden Jahren Einbußen zu erleiden. Scholz habe dem Vereinsvorstand versprochen, sich um eine beschleunigte…“

„… sich zahlreiche Bürgerinitiativen in den östlichen Bundesländern gegründet hätten, die die Zugehörigkeit zum christlichen Abendland als Voraussetzung für eine Vereinsmitgliedschaft nannten. So wolle die CDU Thüringen nicht dulden, das muslimische Männer sich in den…“

„… dass es nicht ausreiche, wenn sich eine Sozialdezernentin als Quotenfrau zur Verfügung stelle. Das Vereinsrecht sehe vor, dass die Frau auch tatsächlich am Vereinsleben und allen Aktivitäten teilnehmen müsse, um die Gemeinnützigkeit des Vereins zu…“

„… werde die Dorfjugend in Untergröllmoos erst dann Frauen aufnehmen, wenn diese ohne männliche Hilfe in der Lage sei, einen Maibaum zu transportieren und aufzustellen. Bios dahin werde der Bürgermeister jeden Versuch einer…“

„… die Satzung der Nussknacker nicht hergebe, dass eine Frau im Männerballett die Rolle eines Funkenmariechens übernehmen solle. Dies werde als Diskriminierung gewertet und könne die steuerlichen Vorteile des Vereins nicht…“

„… seien die steuerlichen Vorteile von Attac oder der Deutschen Umwelthilfe vermutlich wegen des zu geringen Anteils an Männern in der…“

„… dass nicht erheblich sei, was die Kölner zu den Auftritten des Männerballetts zu sagen hätten. Vereinsrechtlich zwingend sei für Scholz, dass eine Frau sich als Mann zu kostümieren habe, der dann in Frauenkleidern auf der…“

„… und mit einer Mistgabel erheblich im Genitalbereich verletzt worden sei. Scholz sei nach einer Notoperation ins künstliche Koma versetzt worden; für die SPD sei demnach kein größerer Schaden entstanden. Der LandFrauenverband Südbaden nehme es nicht hin, dass er nur unter männlicher Leitung weiterhin die rechtlichen Vorteile eines…“





Alles auf Zucker

13 11 2019

„Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiund… heiliger Bimbam, jetzt kann ich mit dem ganzen Mist noch mal von vorne anfangen! Wie oft habe ich der Klinikleitung gesagt, bei Lungenentzündung nur bis zu zehn mal C20, sonst muss ich meine Brille aufsetzen!

Sie müssen gar nicht so gucken, wir sind eine ordentliche Klinik, mal abgesehen von meinem Schreibtisch, aber sonst ja. Die Landesregierung hat uns die Zulassung gegeben, und jetzt machen wir hier einen Langzeitversuch. Ursprünglich sollten die homöopathischen Mittel nur als Alternative zu Antibiotika getestet werden, jetzt haben wir uns entschlossen, grundsätzlich auf schulmedizinische Medikamente zu verzichten. Das ist nicht ganz so einfach, wie es sich kompliziert anhört.

Zunächst finden Sie mal die richtigen Ärzte dafür. Also nicht, weil es nicht genügend Ärzte geben würde, die an Homöopathie glauben. Es gibt ja auch Leute, die haben einen Schulabschluss und können sich die Schuhe zubinden und wählen dann trotzdem Nazis. Aber wenn Sie im Studium gelernt haben, dass man einem Patienten in der Klinik die richtigen Tabletten gibt mit Wirkstoffen und so weiter, und dann müssen die hier auf Globuli umsteigen, dann wird das schon schwierig. Wir sind hier nicht beim Allgemeinarzt, wo man den Leuten gegen 11.000 Symptome Schwefel geben kann und dann einfach nur warten muss, ob sie es halbwegs überleben oder gleich zum richtigen Mediziner gehen. Wenn hier ein Patient mit Herzinfarkt eingeliefert wird, müssen Sie erst mal überlegen, ob Sie den adäquat versorgen können. Vor allem bei akuten Schmerzen wird das schon mal komplex. Da kommt nicht nur der Patient an seine Grenzen. Und wenn Sie den hinterher noch operieren sollen, dann haben Sie ein Problem. Nicht, was Sie jetzt denken, OP-Säle haben wir hier, genug Personal vorhanden, alles gut. Aber wie kriegen Sie so eine Narkose mit Zuckerkügelchen hin?

Noch eine Schwierigkeit haben wir bei der Anamnese. Um das richtige Mittel und die korrekte Dosierung zu finden, müssen Sie ein paar Fragen an den Patienten stellen, also Senkfüße, Nachtschweiß, Ernährungsgewohnheiten. Und dann kriegen Sie einen Notfall rein, der sich beide Beine an der Kettensäge abgetrennt hat. Senkfüße können Sie da schon mal ausschließen, aber dann wird es richtig kompliziert. Sie müssen den ja irgendwie richtig therapieren. Dass er garantiert nicht zwischendurch zum richtigen Mediziner läuft und sich eine zweite Meinung einholt, ist auch nur ein schwacher Trost. Irgendwas müssen Sie da machen, also geben Sie nach Möglichkeit eins von diesen Allheilmitteln. Schwefel, Sepia, Kochsalz. Brechnuss ist auch sehr beliebt, Faustregel: wer kotzt, ist noch nicht tot. Also alles auf Zucker.

Was die Theorie angeht, wir sind da heute schon viel weiter als noch vor ein paar Jahrhunderten. Die haben damals noch geglaubt, dass man sich eine Infektion holt, wenn man an sich herumspielt. Das ist natürlich Unsinn. Wir wissen heute aus der anthroposophischen Literatur, dass man nach einer Impfung die Lebensenergie schädigt und dann ein paar Inkarnationen später hinkt. Oder zum Lispeln neigt. Oder Schwindsucht bekommt.

Das nächste Problem sind die Beschriftungen. Wir hatten neulich den Fall, dass wir dem Patienten mit chronischem Magengeschwür die Globuli von seinem Zimmernachbarn gegeben haben. Der war wegen eingewachsener Fußnägel hier. Gut, gewirkt hat beides nicht, also kann es ja so schlimm nicht gewesen sein, und die Fußnägel sind ihm auch nicht spontan eingewachsen. Aber was soll’s, wir hatten die Unterschrift, und das war’s.

Wenn es schief läuft, können wir das mit der richtigen Dosierung von Brechnuss auch wieder rückgängig machen. Dabei wird eine fehlerhafte Gabe von Schwefel oder Kochsalz einfach aus dem Körper entfernt. Da war zwar vorher auch nichts drin, aber sicher ist sicher. Wenn so ein Patient vom richtigen Arzt wiederkommt und aus Versehen die richtigen schulmedizinischen Medikamente in der richtigen Dosierung eingenommen hat, dann wird der hier kurz geblitzdingst, und dann machen wir da weiter, wo wir vorher aufgehört haben. Falls wir den wiederkriegen.

Das macht ja auch unsere Studie so schwierig, wir können nicht genug Fälle zu Ende behandeln. Die meisten gehen uns zwischendurch verloren, ein paar haben irgendwann eine Fehldosierung oder wir kriegen die Globuli durcheinander und dann wissen wir am Ende nicht, ob die Ergebnisse stimmen. Dass die Patienten dabei zufällig überleben, das ist ja ganz schön, aber das wussten wir vorher halt auch schon.

Sagen Sie es nicht weiter, aber wir arbeiten hier heimlich an neuen Wirkstoffen. Es werden ja immer mal wieder Krankheiten entdeckt, die sich nicht mit den alten Mitteln kurieren lassen, deshalb müssen wir uns neue Wirkstoffe überlegen und probieren die dann an unseren Patienten aus. Das darf aber natürlich niemand wissen, weil die Medikamente noch nicht zugelassen sind. Offiziell sind in den Globuli Quecksilber oder Petroleum, also nur ganz harmlose Sachen, aber manchmal fällt aus Versehen schon mal eine Kopfschmerztablette in den Tiegel. Also nur, wenn es passen könnte. Zum Beispiel bei Patienten mit Kopfschmerztablettenvergiftung. Ein paar Antibiotika haben wir auch im Kühlschrank, falls es mal zu Zwischenfällen kommen sollte. Aber das haben Sie nicht von mir!

Oh, ein Notfall. Entschuldigen Sie mich bitte, ich muss den Würfelzucker suchen.“