In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCLII)

22 07 2017

Wenn Adam zum Tee in Neuhütten
Biskuit sieht, lässt er sich nicht bitten.
Er lässt seinen Schmacht raus
wie mancher im Schlachthaus.
Er isst halt am Rande der Sitten.

Gunilla treibt Kühe in Strands
mit Hilfe des Bands, das am Schwanz
die Bullen anrühret
und sorgfältig führet.
Das hilft ihr am Sonntag beim Tanz.

Oktawia begann in Krupinnen
am Abend erquickend zu spinnen.
Anfänglich mit Sorgen
macht sie’s nun am Morgen
und ist im Textilgeschäft drinnen.

Chum hütete Vieh in Banlung.
Erfahrungsgemäß war der Dung,
schon kräftig am Rauchen,
fürs Feld zu gebrauchen.
Er schmiss ihn mit sportlichem Schwung.

Dass Bohdan im Saustall in Rhog
breitbeinig stand über dem Trog,
das soll ihn nicht hindern,
Gefahr zu vermindern,
trotz derer er doch hineinflog.

Gastón fährt in Curridabat
per Drahtesel oft in die Stadt.
Die Straße hat Mängel,
so radelt der Bengel
nur kurz: beide Reifen sind platt.

Joanna pflegt in Mikolaiken
auf Facebook fast alles zu liken.
Doch followt sie spärlich,
und das ist gefährlich:
sie sieht ihre Freunde nun streiken.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXXX): Das Mittelalter als Folie und Wunschvorstellung

21 07 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Ein Zeitalter wird besichtigt: Sightseeing in einer dunklen Epoche ohne Wasserspülung. Herr Hallmackenreuther kann gerade nicht kommen, er hat die Pest. Das aufreizende Fehlen bunt bemalter Knalltüten mit elektrischer Gitarre wird allerwärts als Kollateralschaden für das touristische Potenzial bemängelt. Kunibert der Ersetzbare bringt noch eben schnell seine Brüder um und erobert dann die Grafschaft Ziegenhain von seinem Schwager Botho von Sponberg, wobei letzterer unglücklich mit der Axt in der Birne von der Zugbrücke segelt. Gattin Irmintrudis sorgt für sein Spontanableben nach der Rückkehr, übernimmt die Burg, schenkt dem zukünftigen Ex-Bischof Alduin von Hinten sein neuntes bis dreizehntes Kind und wird dann zur Lokalheiligen. Das sollte normalerweise für eine Vorabendserie reichen, grausame Bilder, nackte Haut, Grillfleisch galore, Ströme von Schnaps und Blut, und irgendwo hinter der Säule saß sicher Karl der Große. Wie es halt im Mittelalter so war.

Die schlechte Nachricht zuerst: es gab keinen Schnaps, denn die Destillation wurde erst später auf eine vernünftige technologische Ebene gehoben. Das Volk stillte seinen Durst an Minderprozentigem und lutschte zermatschte Rüben aus dem Kessel, weil die Kartoffel erst ein halbes Jahrtausend später kommen sollte. Diese konservative Vorstellung von der guten alten Zeit, sie zeigt einen Abschnitt, der weder alt noch gut war.

Denn wie historische Romane – heute sind es die epischen TV-Narkotika – den Massen meist nur ein Bild der Entstehungszeit vermitteln, gespiegelt in den Ansichten des Autors, so ist ein Zeitalter der Haudegen nicht besonders repräsentativ für die Lebensentwürfe in einer Ständegesellschaft, die den meisten Menschen null soziale Mobilität, Freiheit oder Individualität bot, dafür aber genug bizarre Moralvorstellungen, Hilflosigkeit gegenüber der Fremdbestimmung, genug körperlichen Verfall sowie einen frühen Tod. Knechtschaft, religiöse Wahnvorstellungen und Dreck kommen in der metgeschwängerten Fieberfantasie nicht vor. Dafür aber waren alle in ihren Rückführungstherapien Päpste und keiner Bauer, Schmied, Knochenhauer. Der Pöbel vor den Flachbildschirmen weiß ja nichts von der Wirklichkeit, die hinter der Inszenierung lauert. Er war doch auch noch nie im Weltraum und guckt trotzdem die Filme mit dem Alienklops.

Am beliebtesten ist bis heute der Herbst des Mittelalters, jene Epoche, die mit dem Verfall der Kaiseridee und dem Niedergang der Gesellschaft die überschaubare Welt in ein unüberschaubares Chaos kippte. Beim modernen Ignoranten, der in einer geordneten Welt mit Zahnersatz und Rechtsschutzversicherung vor sich hin vegetiert, kommen nur die Heldentaten imaginärer Ritter an, die in Wirklichkeit schmarotzende Berufskriminelle mit locker sitzenden Hieb- und Stichwaffen waren, materiell eingestellte Söldner, mit denen sich jeder beliebige Bürger- und Nachbarschaftskrieg vom Zaun brechen ließ, als könne man mit Zeitarbeit seine Mordbuben aufstocken. Kriegerische Gewalt plus dürftige Quellenlage, dies ist nicht mehr als das Paradies der Romantiker, auch solcher, die im national verschwiemelten Delir hollywoodesken Monumentaltalmi aus dem Hirn häkeln. Feucht-völkisch wanzt sich eine brägenbewölkte Schicht an den historischen Befund, schreckt aber schon beim Menschenbild jäh zurück. Aus gutem Grund trug man seinerzeit nur Vornamen, damit der Exitus eines Sippenkaspers nicht die ganze Ordnung in Unordnung brachte. Natürlich gab es ein Leben vor dem Tod, es interessierte aber keinen.

Wer dem Minnegeträller folgt, kommt alsbald in der grausamen Realität an, wo Kinderehe samt Vergewaltigung Schutzbefohlener – für die Retter des christlichen Abendlandes bekanntlich nur im Nahen Osten als Exportschlager entwickelt – an der Tagesordnung waren, ebenso die regelmäßige Zerstörung abhängiger Landleute, wo man doch durch Zehnten und illegale Strafsteuern den Wirt viel besser am Leben hätte halten können. Die Leute klotzten sich Dome in den Vorgärten, aber keine Untertaneninitiativen demonstrierten wegen der anhaltenden Geräuschbelästigung durch Krane und Geläut. Aber die Welt war einfacher ohne diese ständig geforderte Individualität. Es gab keinen Staat, und wenn, war er bloß eine nette Idee ohne Konsequenzen. Jeden Moment konnte in der von Geister- und Dämonenglaube grundierten Welt doch ein Monster aus finsteren Gassen eines verwinkelt in den Wald wuchernden Metropölchens knurren und alle Albträume Wirklichkeit werden lassen. Wir wissen es heute besser, und es tut uns nicht mehr gut. Die tollkühnen Reiter in ihren scheppernden Blechbüchsen erledigten sich endgültig mit dem Feudalsystem, das bis heute seine Anwesenheit in den Raum stellt. Die Postmoderne hat da nicht viel zu bieten. Bis auf den Schnaps.





Chancenkonto

20 07 2017

„Vor allem ist der Stimmungsumschwung wichtig.“ „Sehr gut!“ „Sie meinen, dass der Schulz-Hype endlich weg ist?“ „Sie sind hier in der SPD, Mann!“ „Na und?“

„Der Wähler will endlich etwas Neues!“ „Sehe ich auch so.“ „Das alte Konzept ist ausgelutscht, das Land braucht frische Ideen!“ „Und mehr Mut für Veränderungen!“ „Aber gleichzeitig auch eine stabile und verlässliche…“ „Man muss doch aber auch mal etwas Neues wagen?“ „… Regierung, die sich von diesen linken Chaoten nicht auf ihrem Weg beirren lässt.“ „Ja, da haben Sie allerdings recht. Das kann Merkel nur mit den Grünen liefern.“

„Ich möchte dennoch zu bedenken geben, dass wir Gerechtigkeit als eine…“ „Hören Sie sich auch mal selbst zu?“ „Eigentlich ständig, warum?“ „Er meint, jemand anders würde das nicht aushalten.“ „Aber…“ „Gerechtigkeit ist kein Thema für die Sozialdemokraten.“ „War es in den vergangenen zwanzig Jahren eh nie.“ „Ja, nur hatten wir da noch eine Mittelschicht, der wir den Angst auf dem Weg nach unten machen konnten. Das ist heute futsch.“ „Die Angst?“ „Nee, der Weg nach unten.“ „Aha, verstehe.“ „Sehr gut!“ „Und letztlich brauchen wird auch mehr Zeit für unsere Politik, die die Gerechtigkeit… nee, ich komme noch mal rein.“

„Diese Beitragsbemessungsgrenze muss endlich abgeschafft werden.“ „Sehr gut!“ „Hervorragende Idee!“ „Jawoll, das hätte die Merkel längst fordern müssen!“ „Wieso Merkel?“ „Und warum fordern?“ „Weil das ein SPD-geführtes Ministerium war.“ „Waren wir etwa mit Fördern dran?“ „Die ist als Kanzlerin einfach nicht durchsetzungsfähig gewesen, daran sieht man’s doch mal wieder.“ „Moment, da muss ich doch noch mal nachfragen: weil Nahles das nicht umgesetzt hat, war die Kanzlerin…“ „Jetzt bringen Sie uns nicht aus dem Konzept!“ „… überfördert?“ „Überfordert, meinen Sie.“ „Nein!“ „Aber für mehr Gerechtigkeit, da kann man doch die Beitragsbemessungsgrenze…“ „Wir müssen schließlich auch an unsere Zielgruppe denken.“ „Aber Deutschland besteht doch nicht nur aus Beamten.“ „Wie jetzt, das haben wir immer noch nicht geschafft!?“

„Der ganze Themenbereich Hartz IV…“ „Was ist damit?“ „Könnte man das nicht irgendwie nur auf die SPD münzen?“ „Sehr…“ „Sie sind wohl verrückt geblieben!?“ „Das ist glatter Selbstmord!“ „Die Verschärfungen kamen doch größtenteils aus der Union, oder habe ich das falsch in Erinnerung?“ „Aber insgesamt kann man das als großen Erfolg für die deutsche Wirtschaft sehen.“ „Man kann’s auch lassen.“ „Wenn wir als Wirtschaftspartei diesen Erfolg für unser Image nutzen könnten…“ „Sie meinen als Kümmererpartei?“ „Haben Sie noch alle Tassen im Schrank!?“ „Mein Gott, Milliardäre sind halt auch nur Menschen!“ „Sehr richtig!“ „Aber es gibt nun mal so wenige davon.“

„Und die innere Sicherheit?“ „Wir sind immer noch besser als die Grünen!“ „Sehr gut!“ „Aber das wird doch nicht gewählt, der Wähler will jetzt eine neue Politik!“ „Wer sagt das denn?“ „Schulz, oder?“ „Hat er das gesagt?“ „Hatten wir doch so gesagt.“ „Wegen Wechsel?“ „Wir brauchen doch einen Grund, weshalb man uns wählen sollte.“ „Aber wenn Gabriel schon die Kanzlerin verteidigt, weil sie die innere Sicherheit vor der SPD…“ „Das zeigt doch, dass die Kanzlerin weg muss!“ „Weil Gabriel das fordert?“ „Weil Sicherheitsprobleme Sache der SPD sind.“ „Das verstehe ich jetzt nicht ganz.“ „Vielleicht meint er, sie muss sich damit gar nicht mehr abgeben.“ „Oder dass sie so sicher ist, dass sie damit keine Probleme mehr hat.“ „Sehr gut!“ „Jetzt überlegen Sie doch mal, wenn die Union sich schon einen Innenminister wie diesen hier leistet, dann…“ „… hat sie gar nichts mehr zu verlieren, wollten Sie sagen?“ „Oder eher, dass sie sich höchst sicher fühlt.“ „Auf jeden Fall sicher vor der SPD.“ „Das zeigt doch aber auch, dass der Wechsel dringend erforderlich ist.“ „Soll ich das jetzt so ins Programm reinschreiben?“ „Dass der Innenminister ein Sicherheitsproblem ist?“

„Und wenn die Wähler jetzt Obergrenzen wollen?“ „Für die Einkommensteuer?“ „Für Ausländer.“ „Sie meinen Flüchtlinge?“ „Nein.“ „Das können wir mit unserer Geschichte als große deutsche Volkspartei nicht vereinbaren.“ „Sehr gut, damit fliegen Sie glatt aus der…“ „Nächster Punkt.“ „Aber…“

„Das Chancenkonto muss doch noch mehr in den Vordergrund gestellt werden.“ „Sie meinen das von Schulz?“ „Nahles wäre eher dran.“ „Die hat noch nicht so viele Punkte wie von der Leyen.“ „Die hat halt keine Chance mehr.“ „Ich dachte, das sei irgendwas für den Bürger?“ „Ist das von uns?“ „Ja, wieso?“ „Weil es da um den Bürger geht. Ich wusste gar nicht, dass wir solche Sachen im Programm haben.“ „Man muss sich immer mal ein paar innovative Ansätze einfallen lassen, die man für den Paradigmenwechsel auf dem Weg in die postindustrielle Gesellschaft sozialplanerisch nutzen kann, damit man das Narrativ der Partei ideologisch nachschärfen kann.“ „Sie meinen jetzt das Chancenkonto?“ „Nee, dass die SPD irgendwas für Bürger macht.“ „Ach so.“ „Aber gerade hier könnte man in Hinblick auf den Wechsel mal schauen, dass wir konkrete Potenziale für eine Umsetzung der…“ „Hä?“ „Denken Sie denn gar nicht an die Wahl.“ „Ja, schon. Aber wieso denn auch noch: umsetzen!?“





Führungsfragen

19 07 2017

„… sich Petry für eine Doppelspitze nicht eigne. Meuthen werde daher alleiniger Spitzenkandidat, um die Partei in den…“

„… nichts mit der drohenden Verurteilung der Vorsitzenden zu einer Freiheitsstrafe zu tun habe. Auch Hitler sei von der zionistischen Weltregierung zu Festungshaft verurteilt worden und habe das Joch seiner bolschewistischen Vergewaltiger mit der heldenhaftesten Brutalität…“

„… sich sehr wohl eigne, da man von einer völkischen Parteichefin nicht mehr als eine klare Opferrolle im…“

„… werde Meuthen seine zwei Gehälter nur dann akzeptieren, wenn er ein drittes als Fraktionsführer, Reichskanzler und…“

„… beklage Höcke, dass man die AfD nicht mehr als rechtsextrem bezeichnen dürfe. Unter Petry habe die Partei selbst ihren Markenkern so stark verwässert, dass nun der Untergang der Herrenrasse unmittelbar…“

„… die deutsche Frau, die sich nicht auf ihre Rolle als Gebärerin blonder, blauäugiger Soldaten für den Endsieg über dräuende Polackenhorden beschränke, dem trutzigen Manne Untertanin zu sein sich verpflichte, da dies der wahre Sinn ihres Lebens sei, wie es der Christengott seinem eigenen Volke befohlen habe. Auch sonst sei Steinbach mit Frauen, die ihre Zugehörigkeit zum…“

„… bisher keine antisemitische Äußerung getätigt, den Holocaust nicht geleugnet oder zu Gewalttaten gegenüber Juden in Deutschland aufgerufen habe. Ihr fehle daher die Kompetenz, die AfD in eine erfolgreiche Zukunft als neue politische Kraft zu einer bleibenden…“

„… den Brandanschlag auf Petrys Dienstwagen nicht zu verantworten habe. Meuthen sei davon überzeugt, dass dies eine Tat linkslinker Islamisten sei, die aus Hass auf die deutsche Ehre einen…“

„… fordere die Führungsspitze der AfD mehr Harmonie. Diese könne etwa darin bestehen, dass alle anderen Mitglieder bereits vorab sämtliche Äußerungen von Meuthen als einzig richtige Entscheidungen zum…“

„… man den Eindruck gewinnen müsse, Petry wolle mit der Partei tatsächlich Politik machen. Dies sei ein Affront gegen eine Basis, die aus Idealismus und Heimatliebe Brandanschläge gegen Asylbetrügerheime, Synagogen oder…“

„… falsch verstanden habe. Dass die Bewegung mit demokratischen Mitteln an die Macht kommen wolle, sei nicht damit zu vereinbaren, dass sie den Weg über eine Regierungsbeteiligung auf…“

„… keine Erklärung, warum Meuthen dies in der Pressemitteilung geäußert habe. Offenbar sei ihm nicht bekannt gewesen, dass das Fahrzeug von Petry überhaupt nicht beschädigt worden sei, da er sich aber auf die Vorsitzende als einzige Quelle berufen habe, müsse man nun von einem…“

„… mute Petry den potenziellen Mitgliedern des Deutschen Bundestages zu, sich zivilisiert zu benehmen, sich mit Sachfragen zu beschäftigen, nicht angetrunken während der…“

„… einem Blankoscheck für Führungsfragen im Prinzip wohlwollend gegenüberstehe. Allerdings werde Höcke diesem Verfahren nur zustimmen, wenn er selbst die…“

„… den IQ einer Tüte Kieselsteine nicht übersteige. Damit sei Poggenburg nach eigener Aussage am besten geeignet für ein Amt als deutschländischer König, wenn er gleichzeitig den Anschluss von Arien an Sachsen und die…“

„… es Gauland eigentlich egal sei, wer unter ihm den Vorsitz der…“

„… eventuell nach dem Gewinn der absoluten Mehrheit wieder zurücktreten werde, wenn er nur das Gehalt des…“

„… es nach Ansicht des Verfassungsexperten Maier möglich sei, die Ämter von Präsident, Kanzler, Parteiführer, Fraktionsvorsitzendem, Armeechef, Außenminister, Leiter des…“

„… nicht an der Spitze der Partei dulden könne, solange sich das Gerücht seiner homosexuellen Neigungen nicht eindeutig widerlegen lasse. Weidel werden den Vorstand noch in dieser Woche vom…“

„… sich mit dem Plan einer Bildungsreform als Volksverräterin zu erkennen gegeben habe. Sollte Petry das Ziel der nationalen Elite torpedieren, die Deutschen zu geistig Minderbemittelten zu erziehen, um die Vorherrschaft der AfD für die nächsten tausend Jahre zu verhindern, so müsse man mit einer standrechtlichen…“

„… nicht ausgeschlossen sei, dass die Chefin nach der Bundestagswahl mit einer eigenen Partei in die Auseinandersetzung um politische Mehrheiten gehe. Die AfD sehe es angesichts ihrer aktuellen Umfragewerte inzwischen als vernünftig an, unter Meuthen noch vor der Bundestagswahl mit einer…“





Einstiegsdrogen

18 07 2017

„Falls in Ihrer Familie mal Fälle von Keuchhusten aufgetreten sind, oder Autodiebstahl, oder einer Ihrer Schwestern im Kloster ist. Autodiebstahl? Wann war das? 1978? Ach so, nur passiv. Aber ich notiere das mal, man kann ja nie wissen.

Das ist ein ziemlich umfangreicher Katalog, da haben Sie recht. Aber der Bundesinnenminister hat sich nun mal dazu entschieden, einen Teil der Verbrechensbekämpfung bereits vor den Planungen der entsprechenden Straftaten zu erledigen. Dazu braucht man die Frühindikatoren beziehungsweise die Kombinationsmöglichkeiten, die wir aus den Datenbeständen extrapolieren. Das ist Wissenschaft und sehr kompliziert, das muss man verstehen, der Bundesinnenminister jedenfalls nicht, und deshalb führen wir jetzt die Einzelgespräche mit den Bürgern. Es muss ja umfassend dokumentiert sein.

Wenn Sie jetzt die Kombination Masern – zwei Jahre Arbeitslosigkeit – Brillenträgerin hätten, dann wären Sie schon eine Kategorie höher. Das wären in der Sektion 38 zwei Punkte mehr, aber nur wegen der Vergleichbarkeit von Brillen mit einem, warten Sie, Mofaführerschein. Oder nein, Motorrad. Das ist kompliziert, wir machen da auch manchmal Fehler, aber die meisten können noch innerhalb der Untersuchungshaft geklärt werden.

Gut, das mit der Brille ist auch nicht so wild, Sie haben ja eine Berufsausbildung. Ihr Vater war Trockenbaumonteur? Dann ist das völlig okay, dass Ihr Bruder Sozialversicherungsfachangestellter ist, ein Aufstieg pro Haushalt ist nicht unerwünscht. Sie haben es ja auch bloß bis zur Gesundheits- und Krankenschwesterin geschafft, aber für eine Frau mit Ihrem Aussehen ist das sicher schon mehr, als Sie erwartet hatten, oder? Dann kommen hier noch drei Punkte ab, Singen im Kirchenchor, wir merken eben alles, und hier sind verkürzte Speicherfristen für die Teilnahme an Friedensdemonstrationen mit dem durchgeknallten Prälaten. Nach dreißig Jahren sind die Einträge weg. Dann könnten Sie auf dem zweiten Bildungsweg sogar Ihr Abitur nachholen.

Das ist mir schon klar, dass Sie das nicht verstehen, aber darum geht’s auch nicht: wir haben hier unsere Daten, und dann stellen wir halt fest, dass sich einzelne Personen vom Staat abwenden und in die Kriminalität abrutschen. Ihr Sohn hat letztes Jahr öfter Freunde besucht, neben deren Haus ein Ausländer einen Gemüseladen eröffnet hat, korrekt? Ich frage nur nach. Noch haben wir da keine Beanstandungen bekommen, aber wenn wir schon mal beim Sammeln sind, könnte das irgendwann relevant werden. Man muss für alles gerüstet sein.

Die Bürger regen sich immer so auf, dass wir sie ausforschen und ihre Daten speichern, aber Sie müssen sich bloß mal die Polizeistatistik ansehen. Wir sind bei vielen Delikten überhaupt nicht mehr in der Lage, vernünftige Ermittlungsarbeit zu leisten, und deshalb müssen wir nun unsere Taktik ändern. Wir ermitteln jetzt so, dass der Erfolg ein Stück weit wahrscheinlicher wird. Doch, das geht, und dazu machen wir ja hier den ganzen Aufwand. Je mehr Heu man anhäuft, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man etwas findet, das mit viel Fantasie so aussehen könnte wie eine Nadel.

Wenn Sie jetzt beispielsweise Veganerin sind, überdurchschnittlich oft Rad fahren, obwohl Sie sich aufgrund Ihres sozialen Status sowieso kein Auto leisten können, mit hoher Wahrscheinlichkeit als Kind eine… – ’tschuldigung, Keuchhusten war schon raus, ich hatte da Windpocken aus Routine angekreuzt, das hätte jetzt fast Berufsverbot ab 50 bedeuten können. Wie gut, dass uns das noch aufgefallen ist, nicht wahr?

Das ist wie mit verbotenen Drogen. Wir können anhand der Einstiegsdrogen relativ sicher sagen, wie eine kriminelle Karriere sich entwickelt. So gut wie alle Opiatsüchtigen hat man früher wegen des Cannabiskonsums verfolgt, aber das ist Schnee von gestern, haha, Schnee! Wortspiel, haha, verstehen Sie? egal, jetzt wissen wir, dass man vorher auch geraucht haben muss, zumindest war die Mehrzahl der Drogensüchtigen vorher schon Raucher. Manche haben auch Alkohol getrunken, aber das ist eine andere Zielgruppe. Wenn wir jetzt rausfinden, dass jemand in einem Haushalt aufwächst, in dem zeitweise Personen Zugang haben, die in einem Haushalt wohnen, wo zeitweise Personen Zugang haben, die rauchen – da kommen Sie mit einer Karriere als Ministrant und dann Beamter auf Lebenszeit auch nicht mehr gegenan.

Doch, das ist alles legal. Sagt jedenfalls der Bundesinnenminister, und der hat zur Vorsicht einen gefragt, der einen kennt, der fast mal Jura studiert hätte – Sie sehen, wir arbeiten nach unseren eigenen Regeln, das dürfte Sie wohl beruhigen. Und da wir jetzt ja herausgefunden haben, dass Sie nichts zu verbergen haben – das mit der Mallorca-Reise muss ja Ihre Bank nicht erfahren, und wir beide haben uns da hoffentlich auch schon geeinigt – müssen Sie auch nichts mehr befürchten. Wir haben für Sie einen ganz individuelle Algorithmen, da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Das übernehmen wir schon. Wir sind da nämlich Profis, und wissen, wie gefährlich das alles ist, für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt, manchmal auch für die Menschenrechte und so ein Zeug. Dieselben Algorithmen könnte man beispielweise auch im Internet nutzen, wenn man herausfinden will, ob Sie für einen Kredit überhaupt geeignet sind. Aber das machen wir auf gar keinen Fall, wissen Sie? Das ist strengstens verboten!“





Linksverkehr

17 07 2017

„… eine Extremistendatei angelegt werden solle. Das Bundeskriminalamt wolle sich dabei auf die vom Verfassungsschutz und der Polizei erstellten Listen aller deutschen…“

„… dürfe eine Datenbank nur deutsche Täter enthalten. Dies erleichtere zusätzlich die Arbeit des BKA, da die Beamten sich dann nicht mit…“

„… zwischen Links- und Rechtsextremismus klar unterschieden werden müsse. Autos, wie sie die von Nordkorea gesteuerten Stalinisten immer wieder in Brand steckten, seien in einem Deutschland, in dem das Volk gut und gerne lebe, ein dem Vorankommen der nationalen Wirtschaft verpflichtetes und dem individuellen Wohlstand zu verdankendes Gut, Heime für Einwanderer aber, deren Insassen stets geneigt seien, Menschenrechte zu missbrauchen, gehörten immer Personen, die schon durch das gesunde Volksempfinden vor der Gefahr einer Heimatliebe mit…“

„… ein mächtiges Instrument wie die EU-Gefährderdatei auch für Deutschland brauche, das sonst als rechtsfreier…“

„… ausweiten müsse. So sei nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts die institutionelle Zerstörung des Grundgesetzes einen nicht weniger rechtsfeindliche Handlung, der mit der vollen Härte des deutschen…“

„… dass das Mitführen von Handgranaten, automatischen Schusswaffen oder Streichhölzern zunächst noch keinen Eintrag in die Datei nach sich ziehe. Beim Unterschreiten der Bannmeile von zehn Kilometern zu einem Parkplatz sei der Besitz eines Feuerzeugs, auch wenn dieses nicht mitgeführt, nachweislich irgendwann benutzt, besessen, erworben, ent- oder verliehen oder zum Zweck einer nicht widerrechtlichen, dem Anschein der Handlung, die weder strafbar noch…“

„… die EU-Gefährderdatei bereits bei der Einreise angeblich deutscher Linksradikaler vor dem Hamburger Gipfel versagt habe. Das BKA sei derzeit nicht in der Lage, die vorgehaltenen Daten zu nutzen, da diese bisher nicht…“

„… nicht in der Datei führe, obwohl er die Kanzlerin als ‚Judenhure‘ bezeichnet habe. De Maizière beharre darauf, dass die Datei lediglich potenzielle Gefährder, nicht aber rechtskräftig verurteilte und vom Verfassungsschutz daher als ab sofort als harmlos zu…“

„… könne auch der Verfassungsschutz nicht auf den Datenabgleich der EU-Gefährderdatei zugreifen. Es handle sich um eine aus Datenschutzgründen ausgedruckte Sammlung von gut 30 Millionen Seiten, die zur Wahrung der Menschenrechte alle rechtlich relevanten…“

„… noch vor der Sommerpause umgesetzt werden müsse. Karlsruhe habe darauf bestanden, das geplante Einbringen eines verfassungswidrigen Gesetzes in den Bundestag ebenfalls als eine dem Extremismus Vorschub leistende…“

„… ein AfD-Stand in demselben Stadtteil umgefallen sei, in dem seit Jahren mehrmals jährlich Skater beobachtet worden seien. Auch wenn kein konkreter Anlass für Fremdverschulden nachweisbar sei, müsse man bei der Vermutung, ob eine schwere terroristische Straftat rein theoretisch hätte ermöglicht werden können, sämtliche auch nicht-kausalen Konstruktionen denkbarer Zusammenhänge als unter Umständen…“

„… nicht beobachtet werden könnten. Da sich rechtsradikale Täter meist nur zum Bürgerkrieg um die Wahrung der nationalistischen Interessen eines einzigen, statistisch sehr wahrscheinlich nicht bundesdeutschen Staates entschlossen hätten, könne man sie in Deutschland nicht wegen der Planung einer Straftat zum Nachteil des in der Bundesrepublik Deutschland gültigen…“

„… die Geschäftsstelle der rechtspopulistischen Partei durch Starkregen beschädigt worden sei, da das Dach bereits seit mehreren Jahren einer Ausbesserung bedurft habe. Poggenburg habe Strafanzeige gegen die Zionistische Verschwörung GmbH erstattet, da nur diese durch antideutschen Regenzauber die Vernichtung des…“

„… durch die im Links- oder Rechtsverkehr übliche Sorgfalt vor Dritten geschützt werden müssten, wobei die Beamten Ausnahmen immer nach persönlichem…“

„… siebzig nachgewiesene Lügen eingetragen habe. Der Bundesinnenminister bleibe zwar bis zur Verhandlung auf freiem Fuß, sei aber als Extremist nicht mehr in der Lage, Grundrechte ohne vorherige Anmeldung außerhalb des Kontaktbereichs zu…“

„… eine Sachbeschädigung durch Regenzauber nicht in die Gefährderdatenbank aufgenommen werden könne, da die entsprechende Kategorie nicht eingerichtet worden sei. Der Referatsleiter habe angekündigt, die betreffenden Personen hilfsweise als Volksschädlinge, die durch schweren Landfriedensbruch in Tateinheit mit gottloser Zauberei und blutschänderischem…“

„… sehr genau differenzieren, ob man rechte und linke Gewalttäter in eine gemeinsame Datei aufnehmen dürfe. Dies sei juristisch eine offene Diskriminierung besorgter Bürger, die nur ihre Überzeugung durch…“

„… bestehende Gesetze einfach angewandt werden müssten. Das BKA habe diesen Vorschlag als technisch nicht durchführbar bezeichnet, da es dafür im Deutschen Bundestag keine…“

„… zur Vereinfachung sämtliche potenziellen Straftäter als rechtsextremistische Terroristen gekennzeichnet worden seien, die wegen schwerster staatsgefährdender Verbrechen gesucht würden und von der Schusswaffe sofort Gebrauch machten. Dies enthebe die Polizei von jeder Verantwortung, da sie keinen der…“





Murkelmanns Erlebnisse (I)

16 07 2017

Murkelmann hat einen Hund,
schwarz gelockt und kugelrund,
der, was ihn am meisten stört,
niemals auf Kommando hört.

Jetzt fragt er sich – Murkelmann –
ob er dafür etwas kann,
denn wenn er zum Hunde spricht,
so antwortet der ihm nicht,

dass man seine Sprache lernt,
während er sich flugs entfernt.
Doch verliert er nicht den Mut:
nicht zuhören kann er gut.