Traumfrauenfernsehen

30 01 2009

Die große neue Gameshow Wow! Die TraumFrau wurde schon vor der ersten Folge als Hit gehandelt. Durch den Abend führt eine seltsam entspannte Sonja Zietlow. Der Vorteil ist, dass sie kein Konzept hat. So kann sie auch nicht rauskommen.

Tabea (26) hat just ihr Studium abgeschlossen (Soziologie und Publizistik). Die schlanke Blondine stammt aus Fulda, sie hat in Mainz ein Praktikum angetreten. Das vierte. Sandy (25) hat mal Erzieherin gelernt. Was man der quirligen Brünetten nicht anmerkt. Nicht beim Sprechen. Chantal (24) sieht aus wie Gülcan Kamps in dick. Zu dick. Mehr muss man nicht wissen.

Runde eins nimmt eine völlig neue Perspektive ein: die inneren Werte der Frau. Das Publikum, 350 männliche Gestalten zwischen 25 und 45, darf per Knopfdruck abstimmen. Tabea findet Ehrlichkeit und Humor wichtig. Chantal kontert mit dicken Dingern (die Regieassistentin kann sie gerade noch davon abhalten, das Oberteil abzulegen) und Sandy denkt, man brauche Problembewusstsein. Werbepause, Sparwaschmittel mit Apfelkuchenduft, die neue Frauenzeitschrift, Rücksprung, tätäää: Punkt für Chantal. Geht doch.

Die Frisette liegt in Führung, da kommt die Bildungsrunde. Hauptstadt von Norwegen? Tabea drückt den Buzzer. Schwermetall mit vier Buchstaben? Eine von dreien hatte mal Chemie in der Schule. Sandy hält Jim Knopf für den Außenminister, macht aber nix, dafür denkt sie ja auch, dass alle Kühe lila sind. Chantal setzt aus, sie versteht die Fragen semantisch nicht. Kein Problem für Sonja Zietlow. Mit schlechten Kandidaten kennt sie sich gut aus.

Jetzt wird gekocht. Während das notblondierte Mädel aus Ruhpolding bei den Zucchini noch den Reißverschluss sucht, haben die Kitamaus und die Akademikerin schon Leckeres gezaubert. Punkt für Sandys Gulasch aus der Dose, Tabeas Kürbisquiche ist fleischlos. Schade. Die Zwischenrunde, bei der die drei Damen ihre Punkt verdoppeln können, verlangt Geschmack: einer Schaufensterpuppe das passende Outfit fürs Bewerbungsgespräch anziehen. Sandy entscheidet sich für lockeren Lagen-Look, Grün ist das neue Pink, Tabea für den Hosenanzug in konservativem Blau, kombiniert mit einer eierschalenfarbenen Seidenbluse. Chantal ist beim Öffnen der Kabine etwas verwirrt. Die Presswurst in Hüfthosen mit Specksichtzone kommt ohne fremde Hilfe nicht mehr aus dem Paillettenbolero. Nie war eine Werbeunterbrechung so sinnvoll.

Jetzt wird getanzt. Zu lautstarker Housemusik müssen die angehenden Traumfrauen Beine samt Zubehör bewegen. Hier macht sich Körperbewusstsein bezahlt, Sandys ehemaliger Nebenjob als Gogo-Girl bringt ihr den Punkt. Ein paar Ausfallerscheinungen im Saal – mehreren Zuschauern war beim Anblick der Diskoretten auf einmal gar nicht mehr so wohl in der Magengegend – werden medikamentös weggezaubert, the show must go on. Sonja Zietlow moderiert den Stargast an. Diskussionsrunde mit Barbara Salesch. Die Hochdruckreinigerin der Moralvorstellungen lässt sich vernehmen. Tabea schießt den Vogel ab mit ihren Fragen. „Erstens, was tun Sie für das Demokratieverständnis Ihrer Zuschauer? Zweitens, halten Sie Ihre Antwort für witzig?“ Heftiges Wortgefecht, Abstimmung, Punktsieg für Sandy. Frage in die Runde. Wer hat für Sandy gevotet? Zaghafte Zeigefinger. Ein junger Mann mit roten Ohren bekennt freimütig: „Okay, isch hätt da ooch nix gsacht gehabt.“ Ja, das leuchtet ein.

Jetzt aber erst mal wieder ein bisschen heitere Unterhaltung. Alexandra Neldel führt im Einspieler durch ihre Lisa-Plenske-Garderobe, kriecht noch einmal in den Fettpolsteranzug und gibt Tipps für schicke Mode bei kräftigen Knochen. Werbung. Die neue Schonmargarine für die Frau von heute.

Selbstdarstellung ist auch Thema im Halbfinale. Die Kandidatinnen müssen in dreißig Sekunden sagen, wo sie sich in zehn Jahren sehen. Chantal stottert etwas von eigenem Nagelstudio, oder doch lieber die Frittenstation auf Malle? Also jedenfalls will sie sich mal im Playboy ausziehen. (Sonja Zietlow verkneift sich Scherze mit Ausklappen und Querformat, ist auch besser so.) Tabea greift weiter aus. Wenn nicht aus dem Verlagspraktikum ein Job rausspringt, kellnert sie eben weiter im Café und macht nebenher ihren Doktor. Alternativ geht’s in die Bundespolitik. Der Gong verhindert weitere Ausführungen, Sandy bringt es auf den Punkt. Kurz und trocken. Heiraten. Pattsituation. Stechen ist sinnlos, so wird der Schaumstoffwürfel ausgepackt und Sandy hat erneut die Nase vorn. Kein Protest im Publikum.

Denn jetzt verfünffachen sich die Punkte: Ausziehen! Ausziehen! Tabea haut der Moderatorin den Mikrofonsender in die Hand. Die Tonregie verhindert geistesgegenwärtig, dass schlimme Worte wie Elende Chauvikacke und Scheiß Pimmelsender über den Äther gehen. Was nun? Im psychologisch richtigen Moment reißt Chantal sämtliche Knöpfe auf und ab und zieht blank. Kein Silikon, beteuert sie, und trägt einen Riesensieg davon. Als Preis bekommt sie 10.000 Euro und darf sich einen Mann aus dem Publikum mit nach Hause nehmen. Die Bühne wird gestürmt. Panik bricht aus, durch das Studio zieht sich eine Spur der Verwüstung. Es wird Tage dauern, Sonja Zietlow unter den Trümmern zu lokalisieren. Aber was macht man nicht alles für die Einschaltquoten. Sogar Frauenfernsehen.