Gernulf Olzheimer kommentiert (V): Mütter im öffentlichen Raum

1 05 2009

Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer


Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Während intelligente Arten, Schnaken etwa oder Schmeißfliegen, nach dem unerlässlichen Akt der Reproduktion ihr Gelege fresstechnisch günstig in der Landschaft verstauen, um sich angenehmeren Dingen ihrer Existenz zu widmen, reißt eine Spezies gewaltige Lücken in die ansonsten gültige Annahme, dass die Natur planvoll auf ihr Ziel zusteuere. Es ist der gemeine Bekloppte, vor allem das weibliche Exemplar, sobald es im unbedachten Moment aus der kotzrosa bis babybleu beflaggen Blagenhöhle entwischt und mit neurotischen Getue die unschuldige Umwelt in den Wahnsinn treibt.

Frühere Epochen gingen davon aus, dass sich die Gebärmutter bei akuter Unterversorgung mit männlichen Sekreten aus dem Staub machte, einen Trip durch die Innenseite der Fettzellen anträte und schließlich sich im Hirn festbisse. Die moderne Definition der hysterischen Persönlichkeitsstörung liegt davon nur mäßig weit entfernt, im Ergebnis läuft es allerdings auf dasselbe hinaus: affektiver Firlefanz, der sich im öffentlichen Raum ausbreitet wie Fliegenlarven in einem Stück Schlachtabfall nach mehrwöchigem Kontakt mit der Grasnabe. Medikamentös ist da nichts mehr zu wollen.

Schon aus durchschnittlicher Auffahrentfernung sieht man ans Wagenheck genietete Warnhinweise wie Noée-Luana an Bord, die zweierlei Informationen expressis verbis ans Brechzentrum des Betrachters vermitteln. Erstens sind die Kleber einer temporären Sauerstoffunterversorgung der Denkmasse zum Opfer gefallen und nur noch knapp in der Lage, lallend zu artikulieren; schwierige Lautkombinationen müssen sie grundsätzlich mit Bindestrich schreiben, den Verlust der zuvor möglicherweise intakten Muttersprache haben sie en passant abgehakt. Zweitens outen sich die Aufzuchtsberechtigten als gewissenlose Volleulen, die mit demselben Exhibitionismus Atommüll im Handschuhfach auf ihre Ladeklappe löten würden, wenn’s das Schild für Geld zu kaufen gäbe. Sie sind behämmert, und jeder soll es wissen.

Ihre gefährlichste Allzweckwaffe ist der Kinderwagen. Jeder durchtrainierte Terrorist sähe es mit feuchten Augen, wie sie die Balgbeschleuniger am Wegschmeißbügel zielsicher allen arg- und wehrlosen Supermarktbesuchern in die Hacken knallen, um eine halbe Millisekunde früher an hochgewürgten Bananenexkrementen mit Spinat und angewestem Karottenspeichel mit Bienenkotze im umweltneutralen Schraubgläschen zu sein. Ohne Hemmung fegen sie Rentner samt Rollatoren aus der Kampfbahn, schubsen Rollstuhlfahrer auf abschüssig angelegte Verladerampen und schlenzen Singles in den Tiefkühlkostfriedhof. Widerrede ist zwecklos, wer sich beschwert, ist politisch unkorrekt und als asoziale Drecksau abgestempelt; einmal im Frühjahr hat Vati ihn hoch gekriegt, jetzt finanziert das hormonelle Sperrfeuer mit den dicken Beinen die Rente der anderen. Es kommt ihnen nicht auf die Versorgung ihrer genetischen Nachhut an. Sie schieben auch am Königstigergehege die Kinderkarren bis unmittelbar vor die brusthohe Mauer, scheißegal, ob sich der Rotzlöffel zusätzlich zum täglichen Fallrückzieher vom Wickeltisch das Nasenbein einebnet. Es zählt nur, dass ihre Brut nach vorn kommt. Wenn tot, dann eben auch tot.

Ab einem gewissen Zustand – der Säugling krabbelt zwar schon selbsttätig, hat aber seinen Schließmuskel noch nicht unter Kontrolle – entlässt das Muttertier sein Geschlüpftes in die Freiheit. Es durchrobbt autonom gastronomische Einrichtungen, Ladenlokale, Zahnarztpraxen, Baustellen und Gleisbetten, ist nach Ansicht der zugehörigen Mutter herzallerliebst dabei anzuschauen und zieht die unterste Dose eine Konservenpyramide nur deshalb heraus, um Frühreife zu demonstrieren: das kluge Kind studiert die praktische Wirkung der Fallgesetze. In Wirklichkeit übt es die Inszenierung einer Massenpsychose, weil es das Fehlverhalten seiner Erzeuger millimetergenau kopiert.

Der einzige Weg, das Aggressionspotenzial der Mütter im öffentlichen Raum in Schach zu halten, ist das Mitführen einer Schwangeren. Nicht aus gebärfreudiger Frauensolidarität, weil die Trächtige ihren Embryo noch nicht geworfen hat, sondern aus tief empfundener Beißhemmung, die zur Erkenntnis führt, noch nicht das absolut untere Ende der Sozialskala darzustellen. Schwangere empfinden naturgemäß reziprok, so dass etwaige Anfälle von Stutenbiss und anderen psychosomatischen Frauenerkrankungen durch sofortiges Ausschalten größerer Hirnareale minimiert wird, die bei normal Reagierenden verhindern, kontinuierlich einkotende Kleinprimaten als den Gipfel von Niedlichkeit zu empfinden. Vati hat hier nichts zu suchen, er kommt in der Matrix der Bekackten nicht einmal vor und darf sich freuen, wenn seine Erektion im nächsten Frühjahr von der Schnepfe im Kinderzimmer überhaupt zur Kenntnis genommen wird.

Die einzig befriedigende Lösung wäre das Wegsperren in verkehrsberuhigte Zonen, in denen sie ungestört ihre Säuglinge über Buckelpisten schieben können. Sollte sich der Nachwuchs über kurz oder lang erledigt haben – kein Hosenmatz überlebt den Aufenthalt im Mamaghetto auf Dauer – darf Vati wieder ran und neuen Laich freisetzen. Zwar wäre durch Vollversorgung mit Schwangeren die Sache für ihn kaum angenehmer, es würde aber den Rest der Umgebung von den Müttern befreien. Dauerhaft.