Schlipse

9 05 2009

für Kurt Tucholsky

Der Himmel leuchtet blau und blank.
Es wird ein schöner Morgen.
Ich steh allein vorm Kleiderschrank
und kenne keine Sorgen.

Nehm ich roten? blau kariert?
den mit den gelben Streifen?
Getupft lässt mich heut ungerührt.
Soll ich zu Lila greifen?

Der grüne… ach, da klebt noch Ei!
Der weiße: Kaffeeschatten.
Es ist ja alles einerlei.
Wozu trägt man Krawatten?

Der aus Paris ist noch wie neu.
Passt leider nicht zum Braunen.
Dies Rosa macht selbst Pferde scheu –
man möchte manchmal staunen!

Den hat mir Onkel Paul vermacht.
Kann man gar nicht mehr tragen.
Der Graue? ach, du gute Nacht!
Heut geh ich nur im Kragen!

Der mit den Streifen, Gelb auf Blau,
der sieht heut zu galant aus.
Wenn ich so in die Schränke schau:
das Zeug taugt nur fürs Pfandhaus.

Was ich auch seh, bis obenhin,
ich kann heut gar nichts finden.
Die Frau, die hat nichts anzuziehn,
ein Mann nichts umzubinden.