Gernulf Olzheimer kommentiert (VII): Denglisch

15 05 2009

Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer


Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Nach jüngeren historischen Forschungen hat der Babylonier den seinerzeit einsetzenden Trend, sich unverständlich auszudrücken, vergleichsweise gut weggesteckt. Mit den Schildern, die Tempo 10 in siebzig Sprachen geboten, kam er nach einer kurzen Übergangsphase zurecht: neunundsechzig Sprachen blendete er aus, da er sie nicht verstand, eine ignorierte er und bretterte mit dem Ochsenkarren wie ehedem auf der Überholspur gen Abendsonne. Kommunikationsschwierigkeiten kannte er nicht; was sich nicht mit argumentativen Mitteln beheben ließ, löste er durch Hinzufügen etwaiger Laberer zum kompostierbaren Teil der Biomasse.

Wenige Jahrtausende später übernahmen die Behämmerten das Regiment und rotzten neben der akustischen Überforderung ihrer Zeitgenossen das All-in-one-Device in die geplagte Umwelt. Je nach Windrichtung versteht der Überforderte darunter ein Shampoo, das auch als Bratfett die Pfanne zu Sondermüll verwandelt, oder den freundschaftlich gesonnenen Menschen, der den langweiligen Lohnsteuerjahresausgleich erledigt und mit den Blagen auf den Spielplatz torkelt, während man selbst mit einer Dose Bier auf dem speckigen Sofa den Griff in den Schritt zur Kunstform entwickelt. Bei näherem Hinsehen entdeckt man jedoch den Schwindel und begreift das All-in-one-Device als Vorform zukünftigen Weltraumschrotts: ein Gerät, mit dem man auch nicht mehr faxen und kopieren kann, wenn der Drucker mal im Arsch ist.

Dazu verscherbelt eine Armee Schwachsinniger munter Underwear und Body Bags und Minicooler und propagiert als Slogan für das neue Zeitalter der Dummschwätzerei die Hymne der vom Hirnriss Übermannten: Come in and find out. Was in der Muttersprache der Normalen bedeutet, dass man, einmal ins Laberinth der Verblödeten gekippt, gefälligst selbst ins Freie finden solle. Aber wer spricht heute schon noch so. Denglisch ersetzt spielend die meisten etablierten Geisteskrankheiten.

Um mit dieser vernunftbefreiten Heißluft allen zügig auf die Plomben zu gehen, braucht der Bekloppte keine Englischkenntnisse; des Deutschen mächtig zu sein, stellt sich als hinderlich heraus. Der Denglischmensch erfüllt sich durch Gelalle zwei Herzenswünsche auf einmal. Einmal vertuscht er seinen eklatanten Intelligenzmangel, um den IQ eines sprachgestörten Fadenwurms anzutäuschen. Daneben spiegelt er Sachverstand vor, wo sich der Prototyp gähnender Leere breit macht.

Fortwährend sabbern die Schwachmachten ihr virulentes Geschwätz in unschuldige Ohren, bis Qualzüchtungen wie Sinn machen sich in den Cortex gefräst haben und der Widerstand gegenüber der allgemeinen Verblödung erlahmt. Die Apostrophdeppen haben sie am Girl’s Day in einem Aufwasch gleich mit assimiliert und jagen ferngesteuerte Consultants aus dem Info-Point, bis das letzte reflektierende Individuum schluchzend in die Parole der Faselmacht einstimmt: Brain to go – Hirnzellen, weg von hier! Es handelt sich um die weltumspannende Verschwörung der Mondkälbern, die regelmäßig im Think Tank vor sich hin blöken, bis ihnen wieder genug Unsinn eingefallen ist.

Durchschlagende Erfolge des Flächenbrandes zum Update des verzerrten Weltbildes entnimmt der Gefügige inzwischen dem offiziellen Lexikon, das ihm Fun und Show und Snacks und News und Kids vor den Latz knallt. Hat uns der Bekloppte erst einmal nachhaltig klar gemacht, dass das Zeug abwasch- und austauschbar, in Krankenhausmengen geliefert und schnell wieder vergessen ist, holt er zum nächsten Schlag aus und impft weiter wehrlose Hirnareale, um den Lochfraß für mehr Anpassung zu steigern. Spätestens dann kapiert der bis dato noch altmodischerweise selbst Denkende, dass er nicht in der wahren Welt, sondern in der Warenwelt zu vegetieren hat. Der also Behandelte stumpft ab und nimmt sogar Powerpreise im Gift-Shop hin, wenn sie im Eck einer nicht von der Strukturreform weggebombten Apotheke lauern.

Die Gegenmaßnahmen sind rasch abgehandelt. Wer sich erdreistet, beim Briefing keine stylishen Casuals zu tragen, wird als Nazifresse im sozialen Abgrund endgelagert. Die frühe Prägungsphase des multikulturellen Gutmenschentums ist noch nicht umfassend erforscht; es gilt jedoch als gesichert, dass das gezielte Veröden kompletter Hirnareale bei den Beschränkten ein komplexes Störungsbündel auslöst. Bis in die Niederungen des Staates ist das vorgedrungen. Power for Peace – Power for Unity – Power for Understanding greift der Hauptstädter kraftvoll daneben und legt mit der sinnamputierten Floskel Be Berlin noch eins nach, damit auch der letzte Besucher es rafft: ein Besuch in diesem Land ist so gesund wie Barfußlaufen im Mangrovensumpf. Deutschland ist und bleibt ein Land der gelebten Tradition. Der Dumpftümler, der statt eigenen Kopfinhalts den Nachhall aus der Kalotte nachsummt, erfreut sich bester Gesundheit und infiziert gerne vor sich hin.

Irgendwann wird man es ihnen allen mit dem Grabstichel seitenverkehrt in die Brillengläser kratzen: How up, do high knee. Irgendwann.


Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.




%d Bloggern gefällt das: