Aus dem Koffer

16 05 2009

für Kurt Tucholsky

Und endlich bist Du im Hotel.
Zwei Wochen werden’s. Halbpension.
Ins Bett nur. Also packst Du schnell
den Koffer aus. Es dämmert schon.

Und plötzlich bist Du noch nicht da,
wo Du jetzt bist. Du legst die Krägen
ins Schubfach. Der Rasierer war
ganz unten. Schon der Schuhe wegen.

Die Socken riechen nach zu Haus.
Das Hemd den Knitterwurf vergisst.
Du denkst bei Dir: jetzt pack ich aus,
    was Heimat ist.

Die Wochen ziehn. Die Reise lief
im Ganzen schön, bisweilen nett.
Dein Arm ist noch vom Tragen schief.
Der Koffer wartet auf dem Bett.

Die Hemden, Schlipse, Hosen ruhn
ganz kreuz und quer und schief geknüllt.
Die Socken, alt und knittrig nun,
sind in die Schuhe eingefüllt.

Und tief sich in die Kleider schmiegt
der Sand. Dann wird Dir sonderbar.
Du denkst bei Dir: darinnen liegt,
    was Heimat war.