Killerspiele

21 05 2009

„Schreibfehler? Nein, wieso? Ach, das meinen Sie. Das ist schon richtig so. Gun Tours. Mit G. Gustav. Genau. Mit Fun hat das schon zu tun, ja. Wir setzen da die Akzente ein wenig anders.

Also diese Erlebnisreisen, Abenteuerurlaub und so, das hatten wir ja alles schon. Wollen die Leute nicht mehr. Wir hatten auch schon mit solchen Sachen herumexperimentiert. Luxuskreuzfahrt mit garantierter Geiselnahme durch täuschend echte Piraten, Original-Entführung in den Dschungel von hochprima Rebellen-Darstellern, das lief anfangs auch richtig gut. Aber damit können Sie heute kein Huhn mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Das ist nicht authentisch genug. Die Leute wollen es echt.

Das kam damals mit der sanften Welle. Sanfter Tourismus, wenn Sie sich erinnern. Alles sanft, keine Konflikte, keine unschönen Bilder nachher im Album, alles immer nur schön. Der Deutsche an sich, der blendet ja gerne mal die Konflikte aus, und damit er das besser kann, fährt er nach Afrika. Da kann er dann schön am Hotelpool liegen, all inclusive natürlich, und macht mal einen Ausflug an den Privatstrand. Den Afrikaner, den sieht er nicht. Ein paar von denen servieren ihm die Cocktails am Liegestuhl, und wenn Folkloreabend ist, kriegt er die als Bongoneger zu sehen in Baströckchen aus buntem Plastik. Aber das langt dann auch. Mehr will er nicht. Dass da ein paar Kilometer weiter die Leute an AIDS krepieren, weil die Pharmakonzerne noch nicht genügend Dividende gemacht haben, das interessiert den gar nicht. Das ist doch kein Urlaub für echte Männer! Das geht ja gar nicht mehr!

Also das Authentische kriegen Sie eben nur direkt in den Krisengebieten. Darfur, Tibet, was Sie wollen. Oder Irak. Afghanistan ist uns jetzt noch zu kostspielig, aber wir arbeiten daran.

Wissen Sie eigentlich, wie viele aktive Schützen es in Deutschland gibt? Ja Gott, die haben es halt auch nicht leicht. Immer dieser öffentliche Druck, Waffen kontrollieren, Waffen einschließen, Waffen abgeben, das machen die doch auf die Dauer nicht mit. Das ist doch sozialer Sprengstoff! Wie wollen Sie das alles deckeln? Und alle in die Bürgerwehr stecken und die Straßenzäune verteidigen lassen, wissen Sie: so groß ist Bayern auch wieder nicht.

Lifestyle-Sektor? Wenn Sie wollen, können Sie auch Los Angeles buchen oder die Bronx. Täglich drei Schusswaffeneinsätze garantiert, sonst Geld zurück. Aber wir haben noch nie gezahlt.

Das ist eine Frage der Definition. Ich jedenfalls habe kein Problem mit der Bundeswehr. Mal davon abgesehen, dass Sie da inzwischen einen Antrag mit drei Durchschlägen einreichen können, bevor der erste Schuss fällt. Disziplin, ja, Demokratie, innere Führung – aber Action? Gibt’s nicht mehr. Die Truppe übt sich in Konfliktverwaltung. Mehr ist das nicht. Wenn Sie da frisch aus dem Schützenverein kommen, Gewehr im Anschlag, immer Munition im Nachtschränkchen, die lachen Sie doch aus. Die nehmen Sie gar nicht. Viel zu undiszipliniert. Da werden Sie nichts. Keine Chance.

Im Gegensatz zur Bundesregierung reden wir aber nicht nur darüber, wir lösen das Problem aktiv. Als Reiseveranstalter führen wir keinen Wahlkampf – eine Lüge, eine Schutzbehauptung, und schon haben wir die ganzen Verbraucherschützer am Hals. Das ist kein Spaß, das kann ich Ihnen flüstern!

Wir setzen ja auch auf Aufklärung. Eignungstest ist bei uns Vorschrift, bevor Sie die Reise antreten dürfen. Da fliegen ja schon die meisten raus, bevor Sie durchgeladen haben. Killerspiele? Können Sie vergessen. Völliger Blödsinn. Haben wir immer wieder. Haben mal einen Ego-Shooter gezockt und wissen gar nicht, wie man mit Großkalibermunition umgeht. Das lernen Sie nicht am Computer. Das kriegen Sie nur in einem anständigen deutschen Schützenverein beigebracht.

Unser Renner aktuell ist das Westjordanland. Sehr angenehm gelegen, Reizklima, Sie sind in wenigen Stunden am Mittelmeer, die Verpflegung beruht natürlich immer auf Eigeninitiative. Auf welcher Seite Sie da kämpfen? Wissen Sie, da mischen wir uns nicht ein. Das entscheiden Sie je nach Situation. Sie sehen doch selbst, von welcher Seite die Kugeln kommen. In den völkerrechtlichen Status redet Ihnen sowieso niemand rein. Eben, Freischärler sind eine schöne deutsche Tradition.

Psychopathen? Gut, manchmal ist der Übergang wirklich sehr schwer auszumachen. Nehmen Sie diesen alten Mann da, diesen Zucht-und-Ordnungs-Fetischisten, der plötzlich durchdreht und drei Nachbarn mit dem Knüppel platt macht. Das wäre so zu sagen in etwa unsere Kernzielgruppe. Der Bundesinnenminister? Nicht, dass ich wüsste. Der macht ja auch ganz selten Urlaub. Immer im Dienst.

Gut, manchmal muss man schon nachhelfen. Als Inszenierung würde ich das jetzt aber nicht gleich bezeichnen. Wir pflegen unsere Kontakte zu den Freiheitskämpfern – Terroristen, sagten Sie? Das ist immer eine Frage des Standpunktes. Für die Taliban sind die Amerikaner die Terroristen.

Unsere Auslastung? Fabelhaft, wir haben keinen Anlass zum Klagen. Besser als Bundeswehr und Blauhelme zusammen. Unsere Rückführungsquote liegt bei knapp zehn Prozent. Nein, nicht die, die wieder nach Hause kommen. Die anderen eben. Ja, machen wir alles. Das ganze Programm. Was Sie wollen, wir arbeiten da mit kompetenten Partnern. Deshalb schließen Sie auch vor Reiseantritt gleich eine Bestattungsvorsorge ab. Alles automatisch.

Na, neugierig geworden? Was darf’s denn sein? Einmal Sri Lanka? Gute Wahl! Na, dann viel Spaß an Himmelfahrt!“