Codename: Tortilla Flat (III)

20 07 2009

Doktor Lawrence Sweetbay zog den Mundschutz ab. „Unser Marine wollte uns den entscheidenden Hinweis schon geben, er lag ihm sozusagen auf der Zunge. Dies, Jeremiah, ist der Calamus der Feder eines Raben.“ „Sehr gut, Lawreau“, lobte Tipps, „wir wissen jetzt, dass wir es mit einem echten Unglücksvogel zu tun haben.“ „Gute Arbeit braucht eben Sorgfalt und Zeit“, gab der Gerichtsmediziner geschmeichelt zurück. Sein Assistent Johnny Talker warf sich in die Brust. „Ich erledige meine Aufgaben immer so schnell wie möglich.“ Doktor Sweetbay grinste in sich hinein. „Wusstest Du, dass ‚Kalamität‘ eigentlich calamitas, also den Misswuchs von Getreide bedeutet? Vielleicht kein Zufall, wo doch Mais im Spiel ist.“

Special Agent Francesco DiNatro grübelte. „Auf der einen Seite wissen wir jetzt, dass wir nach einem Raben suchen müssen. Aber wenn hier kein Maisfeld mehr… Zina, was machst Du da?“ Officer Davidowa suchte das Ufer ab. „Ich suche diese Schnur. Wenn ich jetzt nichts finde, habe ich einen Beweis.“ „Lass das und komm her! Ich bin hier der Boss, Du bist weisungsgebunden!“ „Was mich an Dir stört, ist, dass es mich schon nicht mehr stört“, fauchte sie zurück. Da flog Frank in die Blümchen. „Was soll das werden?“ „Ich sichere Beweismittel“, knurrte DiNatro, „an diesem Faden muss etwas hängen.“ Und er watete in den See, der zu seiner Überraschung bis zur Mitte kaum knietief war. „Ich hab’s!“ An der Schnur baumelte ein Päckchen: ein flaches, metallenes Kästchen. Vakuumverpackt.

„Wie soll das ich in der kurzen Zeit via Satellit hierher kriegen“, stöhnte Charlie, „das ist technisch unmöglich.“ „Dann beeil Dich, McBoo.“ „Tipps, es sind gut ein Terabyte Daten auf der Platte. Ich kann nicht die Lichtgeschwindigkeit neu erfinden.“ Hermina Castafiore blickte besorgt. „Er weiß nicht genau, was ein Terabyte ist?“ „Schlimmer“, ächzte Charlie, „er hat keinen blassen Schimmer, was eine Festplatte ist.“

„Treffer! Treffer! Treffer!“ Minnie hüpfte wie ein Gummiball auf Speed durchs Labor. „Wir haben den Entschlüsselungsalgorithmus! Jetzt kommen wir an alle Daten ran!“ Frank betrachtete skeptisch den Laptop. „Was ist das? CAT ATTACCA AT TAG – das ergibt doch alles keinen Sinn!“ „Nicht, wenn man es nicht versteht“, gab McBoo genüsslich zurück, „aber wir wissen jetzt, wer unser Mann ist. Er heißt Cuthbert…“ „… Suyabaram und hat einen kanadischen Akzent?“ „Richtig. Allerdings besitzt er nach wie vor die indische Staatsbürgerschaft. Ein Ornithologe und ehemaliger Stipendiat der Edinburgh Medical School.“ „Er war Jahrgangsbester“, ergänzte Lawreau, „und hat ein Aufbaustudium in Mikrobiologie.“ „Was ist sein Plan?“ „Er nutzt den Genmais tatsächlich auf zwei Arten, wie wir angenommen hatten. Einerseits für die Spionage, andererseits lösen die von ihm erdachten Genmanipulationen spezifische Defekte aus. Unser unglücklicher Marine starb an einem Mokassinotterschock, jetzt baut er Sequenzen von Vögeln ein.“ „Wozu soll das gut sein?“ „Wir wissen es nicht. Vielleicht eine Massenvernichtungswaffe auf der Grundlage von Vogelgrippe.“

„Ich will Beweise. Frank, Tatortskizzen. Ich will wissen, wo es in Akureyri einen geeigneten Ort für dieses Verbrechen geben könnte.“ Zina war irritiert. „Aber wir haben doch jeden einzelnen Winkel hier fotografiert. Du musst die Fotos längst haben, Boss.“ „Ich habe schon bessere Bilder von einem Ufo gesehen“, knurrte Tipps, „sucht weiter.“

„Lass uns logisch vorgehen, Zina.“ Er sondierte das Gelände. „Das Orchideenhaus ist ungefährlich. Aber dieser Teich kommt mir irgendwie merkwürdig vor. Die Geschichte mit der Insel kann nicht stimmen, und Paddelboote hat es hier auch nie gegeben. Der Schlüssel muss hier liegen.“ „Aber was willst Du in dieser Pfütze verstecken“, entgegnete Zina, „sie ist viel zu flach.“ „Vielleicht unter der Cafeteria? Denk an die Polenta-Taler, wo es die gibt, ist auch Maismehl nicht weit.“

„Ich glaube, so könnte es gehen. Ja, das muss es einfach sein.“ Charlie blickte auf die Buchstaben, die kolonnenweise den Monitor herunter ratterten. „Ich habe einen heuristischen Suchalgorithmus geschrieben, mit dem wir die Schlüsselbegriffe aus dieser Datenhalde herausfiltern werden. Dann werden wir wissen, wonach wir gesucht haben.“ Talker verstand nichts. „Du willst diese ganze Festplatte durchsuchen?“ McBoo drehte genervt den Kopf. „Nein, nur zur Hälfte. Danach habe ich vermutlich keine Lust mehr.“ Genau in diesem Moment meldete sich Akureyrarkaupstaður. „Los, Spongebob! Sag uns, warum wir immer noch hier sind!“ „Es kommt gerade rein. Ihr sucht einen großen Raum mit einer Deckenhöhe von sieben Metern. Er heißt Tortilla Flat.“ „Aber das ist doch absurd, überall sind ein- und zweigeschossige Häuser. Nicht mal mit einem Keller wäre das Orchideenhaus so groß.“ „Sagtest Du: Keller?“ Zina war aufmerksam geworden. „Der Raum könnte doch unterirdisch liegen.“ „Dann müsste er hier in der Nähe des Sees sein.“ Sie umrundeten das Gewässer mehrmals in jeder Richtung. Plötzlich entdeckte Frank einen silbrigen Schatten auf dem Grund. „Das sieht nach einer Luke aus.“ Er sprang ins Wasser und watete zu der glänzenden Stelle. Auf einmal blieb er an einem Hebel hängen. Ein schlürfender, schmatzender Laut ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Verblüfft sahen die beiden Agents, wie sich Wirbel bildeten. Gurgelnd strudelte das Wasser in einen Abfluss. Zina gewann als erste die Fassung wieder. „Tipps? Frank hat den Stöpsel gezogen!“

Fortsetzung folgt.

Teil I

Teil II

Teil IV


Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.




%d Bloggern gefällt das: