Kehraus

31 08 2009

„Jetzt machen Sie mal langsam hin, Sie sind ja nicht zum Spaß hier. Meinetwegen, nehmen Sie die Topfpflanzen ruhig mit. Sind ja Ihre. Ja, auch den Teppich. Ist mir doch egal. Ihren Drehsessel? Sie haben wohl Nachtfrost abgekriegt! Sie können doch nicht einfach Ihren Drehsessel mitnehmen! Haben Sie denn gar nichts dazugelernt?

Ja, dann verabschieden Sie sich eben von allen. Ist mir doch wurst. Empfang? Und wer bezahlt das? Aus dem Landeshaushalt? Sind Sie noch ganz dicht? Was glauben Sie eigentlich, wo Sie hier sind? Aufbau Ost? Was hat das denn mit Aufbau Ost zu tun? Was der Ackermann kann, können Sie schon lange? Mein lieber Mann, jetzt geht’s hier aber los. Nix mit Staatsempfang, jetzt werden hier hübsch die Koffer gepackt und ab geht’s! Ich lasse mich doch von Ihnen nicht verarschen!

Jaja, die roten Socken… Haben Sie eigentlich noch eine andere Platte? Wer hat denn hier den Erhalt des Sozialismus gefordert? Wer hatte denn hier den festen Klassenstandpunkt gegen die westliche Vereinnahmung durch die Kapitalisten angemahnt? Das waren doch wohl Sie? Wie bitte? Soll aus Ihrer Kaderakte gestrichen werden? Bei Ihnen piept’s wohl! Wo, glauben Sie, sind wir hier eigentlich? In der DDR? Hä? Die Vorstrafe aus dem Bundeszentralregister rausnehmen? Sind Sie noch ganz dicht? Na, offensichtlich! Meine Güte…

Wahlsieg feiern? Sie wollen Ihren Wahlsieg feiern? Welchen Wahlsieg? Mann, haben Sie irgendwas geraucht? Wo sehen Sie hier einen Wahlsieg? Wie bitte? Sie haben zwar mehr verloren als die anderen zusammen gewonnen haben, aber die anderen haben nicht so viel gewonnen, wie sie hätten gewinnen können, wenn Sie noch mehr verloren hätten, als Sie tatsächlich verloren haben? Sind bei Ihnen noch alle Lampen am Brennen? Meine Fresse, Sie faseln sich vielleicht einen Stuss zusammen! Wahlsieg… Sie haben sich hier die Klatsche Ihres Lebens abgeholt und schwadronieren über einen Wahlsieg. Nicht zu fassen.

Ach was, Exklusiv-Interview. Die Schmonzette ist doch grandios nach hinten losgegangen. Wenn ich Sie wäre, würde ich das Zeug so schnell wie möglich einsammeln und schreddern lassen. Tolles Thüringen… Mann, das ist doch wohl die Höhe! Die Wähler schicken waschkörbeweise Briefe, um zu erfahren, wie es mit Opel weitergeht, die Arbeitslosenquote liegt in Eisenach gerade sauber über 13 Prozent, und Ihnen fällt nichts Besseres ein, als darüber zu schwadronieren, wie viele Schuhe Ihre Frau im Kleiderschrank… Herrgott, sind Sie eigentlich so begriffsstutzig, oder tun Sie nur so? Ja wie, illegale Parteienfinanzierung, natürlich ist das illegal. Ach was, nur, wenn das die anderen gemacht hätten? Na, das ist ja mal ein höchst interessanter Standpunkt. Wollen doch mal sehen, wie das der Bundestag beurteilen wird, wenn er den Kram auf dem Tisch hat.

Ob wir was? Die Rothe-Beinlich zurückpfeifen? Wie verstrahlt sind Sie eigentlich? Nee, das löffeln Sie mal hübsch alleine aus. Die Zustellzettel? Das ist mir doch egal. Ja, dann werden Sie eben alle Papierkörbe in Thüringen selbst durchwühlen müssen. Sie sollten sich aber beeilen, gut möglich, dass da jemand schneller ist als Sie.

Wer? Der Scherer? Hat man Sie eigentlich mit dem Weihwasserwedel verprügelt oder sind Sie nur gegen die Wand gelaufen? Sie haben jetzt hier Ihr Arbeitszimmer zu räumen, da wird nicht mal eben ein Bundesverdienstkreuz… was, wie? Ehrfurcht vor Gott, Nächstenliebe, Toleranz und Dialogfähigkeit auf der Grundlage Ihrer ethisch hohen christlichen Überzeugung, sagen Sie mal, hat man Ihnen irgendwas in den Tee gekippt? Eine Kreationismus-Konferenz? In der Schulbehörde? Ist Ihnen nicht gut? Haben Sie vielleicht doch einen leichten Schatten abgekriegt?

Fernsehauftritt? Welcher Fernsehauftritt? Meine Güte, es gibt für Sie keine Fernsehauftritte mehr! Wieso die Kanzlerin? Mutti soll’s richten? Was denn bitte richten? Ihre Wahlkampfrede? Sie wollen die Grundzüge Ihres Gestaltungsauftrags für die Fortführung der erfolgreichen Politik darlegen? Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich mitgekriegt, dass die Wahl schon gestern war?

Fotostrecke? Homestory? Wovon reden Sie da eigentlich die ganze Zeit? Hat Ihnen diese CDU-Zeitung noch nicht gereicht? Was wollen Sie? Einen Aufmacher in BILD? Eine Titelstory? Mit raschen, festen Schritten? Sie wollen was? Als Ihren Sprecher? Mein Gott, haben Sie den Schuss immer noch nicht gehört? Sie sind raus, Sie sind weg vom Fenster, Schluss mit lustig, Finito! Sie brauchen keinen Sprecher mehr, Sie haben hier nichts mehr zu sagen! Kapieren Sie es endlich: Sie haben es gehabt!

Jaja, körperlich und geistig sind Sie sicher wieder ganz der Alte. Auf welchem Niveau, das wollen wir dann mal nicht diskutieren.

Was wollen Sie machen? Ihren Dienstwagen mit gelben Streifen bekleben? Sonst ist aber alles fit im Schritt, oder was? Mann Gottes, es ist nicht mehr Ihr Dienstwagen! Nein, und jetzt kommen Sie endlich von diesem Drehsessel herunter, Sie sind ja schlimmer als ein Kleinkind! Heilige Scheiße, das darf doch wohl alles nicht mehr wahr sein… Sie kommen jetzt bitte mit. Sie kommen jetzt… Sie werden jetzt verdammt noch mal endlich mitkommen, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit! Jetzt packen Sie diese beschissenen Topfblumen und Ihre Skier ein, und dann raus hier, Herr Althaus!“





Merkwürdiges Erlebnis des Dichters, nachts in seiner Dachkammer

30 08 2009

für Wladimir Wladimirowitsch Majakowski

Stockfinster war’s, die Welt im Schlaf.
Es träumten im Geheimen
die Kinder wie ein sanftes Schaf.
Ich saß bei meinen Reimen.
Eh ich mich auf den Vers versah,
da floh er. Einfach weg.
Die Kerze flackert. Sonderbar
tanzt dort der Schattenfleck.
Die Feder kratzte das Papier,
der Tinte ganz entledigt.
Der Blei
entzwei
im Reimebrei.
Der Gänsekiel beschädigt.
Bald steil und spitz, dann weich und schräg,
bald klecksend wie ein Besen.
Der Worte Fluss floss trüb und träg,
schon konnt ich’s nicht mehr lesen.
Ich wollte in den Schlummerhort,
statt weiter mich zu schinden,
doch fehlt noch dort
dies eine Wort –
warum kann ich’s nicht finden?
Was tut das Laub? Was ist sein Laut?
Ist’s Zischeln, Rascheln, Blättern?
Sonst ist mir jedes Wort vertraut,
fern war ich nun den Lettern.
Noch einmal kratzte ich den Schopf,
noch einmal sank die Feder –
es tropfte mir nicht in den Kopf.
Da schwoll mein Stirngeäder.
Das Tintenfass ich von mir schob,
dass es am Boden rollte,
so grob ich schnob,
die Faust ich hob
und meinen Grimm rausgrollte.
„Du bist ein dummer Kleisterteig,
Du Wortgetüm, Du! Sprache,
sei nicht so feig,
dem Meister zeig
Dich, dass ich Dich verlache!
Dass Du mich in den Worten fängst,
das sollst Du noch bereuen!
Wie Du mich drängst,
die Worte zwängst –
sollst Du den Kampf gar scheuen?
Ja, wie Du höhnisch auf mich blickst
aus der Notizbuchfalte,
wenn Du mir in die Verse zwickst,
streich ich Dich aus, Du Alte!“
Oh weh, was war das? Tonnenschwer,
gigantisch ohne Enden,
es wurde mehr
und mehr als Meer,
es kam aus allen Wänden
die Sprache selbst wie ein Titan,
die Riesin, alt und faltig,
reckt sich und fing zu reden an
zu mir: „Hier mach mal Halt ich!
Jetzt muss ich endlich auch mal ruhn,
eil sonst von Zung zu Zunge.
Mal weg mit diesen Wanderschuhn!
Nun sag: wie geht’s denn, Junge?“
Die Stimme schütternd schotterte,
ein Felsgeknirsch von Brocken.
Ich schwitzte und ich stotterte,
die Worte wollten stocken.
Doch sie, sie sah den Stirnenschweiß
und mild herab sie lächelte.
„Dir ist gewiss vom Reimen heiß?“
Und Kühlung sie mir fächelte.
„Du darfst nicht böse sein. Ich schalt,
als Du Dich mir verschlossen.
Hat Dich, was Dir entgegen hallt,
nun etwa ganz verdrossen?“
„Du hattest Recht und Unrecht auch
beim Schimpfen und Beschweren.
Doch schmerzt mir selbst dabei der Bauch.
Ich werd es Dir erklären.
Ich bin mir selber eine Last,
die fast
unmäßig lästig!
Wem’s passt,
der prasst
mit Wortballast –
wie ist das alles pestig!
Ich trag an Worten immer viel,
ja viel zu viel, beschworen!
Das Tragen ist kein Kinderspiel,
es dient allein den Toren.
Denn viel zu viel trag ich herum,
an unnütz-tauben Dingen,
die um und um
nur leer und dumm,
wie Rost auf meinen Schwingen.
Ein jeder sagt: nun sprich und sprich,
kehr aus die letzten Ecken!
Bin ich die Zunge, möcht ich mich
mir selber gar rausstrecken!
Und jeder glaubt,
der an mir schraubt,
er hätte mich verstanden,
wenn er in meinen Worten klaubt.
Ach, wäre ich vorhanden!
Ach, hätte ich nicht den Verdruss,
der Versemacher Jaulen!
Wer’s kann,
hat dann
den eignen Schluss.
Die Faulen sind’s, die maulen!
Ich sprach zu Dir, denn ich erkannt,
was Dir bekannt
ist reichlich:
aus Deiner Hand
kam viel Verstand,
und Wort um Wort Dir reicht ich,
es lag in Deiner Feder drin,
und floss zurück beim Schreiben.
Du halfst mir Alter, die ich bin,
auf immer jung zu bleiben.
Ich sah so manche Nacht in Qual
der Worte Wahl
Dich schinden,
half mir das doch so manches Mal,
mich immer neu erfinden.
Hast nicht mit Herz
auf Schmerz
gereimt,
nicht mal zum Scherz,
was peinlich –
mein Wortemeer
je mehr
nun schäumt,
Dein Dichten hält es reinlich.
Der Versewoge Wagemut
macht’s Gischtgezisch mir frischer.
Wie tut
das gut!
Nun in die Flut
tauch ein, Du Wortemischer!“
Wohl es in ihren Knochen knackt,
doch ist sie dabei munter,
sie stößt den Becher an zum Pakt
und fasst mich traulich unter.
„Ich bin nur alt
an der Gestalt,
doch hältst Du mich lebendig,
dann geb ich Dir die Tausendfalt
und Kostbarkeit verwend ich –
ich schenk Dir gerne meine Gunst
zu wahrer Meisterschaft.
Dein sei das Wort! Dein sei die Kunst!
und mir, der Sprache, Kraft!“





Germanisches Café oder Das dicke Ende

29 08 2009

für Kurt Tucholsky

Nun sind die Teller abgeräumt.
Man hat gespeist, getrunken.
Mehr geht nicht rein. Der Schaumwein schäumt.
Dem Kellner wird gewunken.
Ein Solei. Eis. Forelle blau.
Kartoffeln. Schinken und Kakao.
Dazu Kaffee: zwei Schalen.
    „Zahlen!“

Was bleibt vom Lohn? was reicht fürs Brot?
Wie schnell ist das verflogen.
Dem Bürger wird schon vor dem Tod
das Hemd vom Leib gezogen.
Akzisen. Maut. Die Erbschaftssteuer.
Das Wasser: steigt. Der Strom: bleibt teuer.
Die Mühlen ewig mahlen.
    „Zahlen! Zahlen!“

Nur in Berlin, da geht’s noch an,
im Kanzlerinnenladen
sind Grafen, König, Ackermann
im Speck wie alle Maden.
Das frisst und feiert, prasst und schlemmt,
bedient sich selbst ganz ungehemmt.
Das Volk wird’s bei den Wahlen
    zahlen.





Gernulf Olzheimer kommentiert (XXII): Städter auf dem Land

28 08 2009
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Der urbanisierte Jetztzeitler hat sich nicht nur aus Versehen in die Kristallisationskerne der Abfall- und Krachproduktion verlaufen, er hat sich mit vollem Bewusstsein da angesiedelt, wo er vom gut sortierten Spirituosenfachhandel über horizontale Einkaufsmöglichkeiten bis zum Fußballplatz alle für seine Körperflüssigkeiten relevanten Zufuhr-, Austausch- und Entsorgungsmöglichkeiten ohne aufwändig erlernbare Wegstrecken erreicht. Die Gewohnheit gibt ihm Recht. Zwar weicht er gerne geistigen Herausforderungen aus, ist aber geistig nicht so herausgefordert, um wie der gemeine Bekloppte die sinkende Stadt zu verlassen und sich in Sichtweite des Jenseits eine Behausung ins Moos zu kloppen. Er hätte auch keine nennenswerte Chance mehr; das Moos ist voll.

Schon die Auswahl der Örtlichkeit wirft ein trübes Licht auf den Bescheuerten. Tritt er beruflich meist als Oberstudienrat oder Kreditsachbearbeiter einer Hypothekenbank für nachhaltiges Verhalten ein, so drückt er durch Erwerb eines Grundstücks innerhalb der Rufweite der Wildnis der Natur seinen nachhaltigen Stempel auf: gut anderthalb Autostunden bis zur Stadt legen die Insassen der sechsköpfigen Familie in drei Kraftfahrzeugen älteren Baujahrs zurück, täglich hin und zurück, abendliche Ausbruchsversuche ebenso wenig eingerechnet wie die Wochenendfluchten der pubertierenden Generation oder die regelmäßigen Besuche in der Videothek, um sich beim Billigriesling die bröckelnde Bude an der Biegung des dörflichen Abwasserkanals schön zu saufen. Denn das Landleben birgt nichts als Gefahren.

Kurz nach dem Exodus ins Flachland ahnt der Aussiedler, dass Whirlpool, Sauna und fließendes Wasser in originalgetreu erhaltenen Bauernkaten aus der Renaissance nicht zur Standardausstattung gehören; hingegen die ortsübliche Anwesenheit von Milchvieh in mittelgroßer Stückzahl vor der Garagenauffahrt wertet er als Zeichen der Bösartigkeit seitens der Ureinwohner, da sein Schuppen schon stand, noch bevor die Rinder aus dem Ei geschlüpft waren. Mit jeder Bemühung, die Rechtsschutzversicherung in Regress zu nehmen, steigt der Spaßfaktor der Dorfbevölkerung. Bald ist der Haufen Dummschädel auf dem Gemeindeamt bekannt und zählt viele der Alteingesessenen zum Bekanntenkreis, ohne jedoch zwanghaft mit ihnen Freundschaft schließen zu müssen. Man kennt sich, und dies prägt das Zusammenleben.

Statt dem Lockruf des Auerhahns lauscht der Siedler fortan der saisonal stark anschwellenden Fortpflanzungstätigkeit der Tiefpflüge auf der Futtermittelmonokultur, die unmittelbar hinter dem Grundstück beginnt. Durch Ausbringen von Jauche weiht der Heimatberechtigte den Neuzugang ins olfaktorische Koordinatensystem ein, das den Clash der Kulturen in Schwung bringt, denn in Anbetracht der rustikalen Umgebung lässt es sich die Dorfgemeinschaft nicht nehmen, altes Brauchtum wieder zu neuem Leben zu erwecken. Der Weckruf des Hahns auf dem Misthaufen, das koordinierte Abfackeln von Herbstlaub und ausgedienten Traktorenreifen durch sämtliche Höfe im Weichbild sensibilisieren die Zuzüglinge für die fremde Andersartigkeit dieser urwüchsig lebenden Rasse, der man fern ist und doch auf unbestimmte Zeit so nah sein wird. Der Versuch, Anschluss zu finden etwa durch grammatikalische Korrekturversuche des lokalen Dialekts von dem an Bühnenlautung gewöhnten Deutschlehrer wird gerne beantwortet, beispielsweise durch sanfte Fühlungsnahme der Limousine vermittelst mehrerer Mähdrescher.

Fauna und Flora des Feuchtbiotops leisten ihren Solidarbeitrag dazu. Körperlich geschwächt vom Dauerquaken der Frösche nach Einbruch der Dunkelheit, brüderlich unterstützt von den Schnabelkerfen während der Beleuchtungsphasen, holt sich der entnervte Strohkopf an den Gestaden des Tümpels seine Mononukleose oder Meningitis, die sich je nach Höhe der Gewinnausschüttung kurz oder längerfristig aufs allgemeine Wohlbefinden auswirken. Jetzt reicht ein einziger Weberknecht an den Designerküchenfliesen, um die Hausfrau beim Entsorgen der Psychopharmakapackungen im Wertstoffsack in den endgültigen Hirnfreilauf zu entlassen. Die dem Städter innewohnende Beklopptheit bricht mit voller Sollstärke durch. Bereits am Monatsende markiert das artistisch brillante Einparken des Möbellasters in der Lücke der Obstvollernterkolonne einen Endpunkt in der Geschichte des beschaulichen Fleckchens Erde, das nun ohne die liebgewonnene Familie auskommen muss und dem Abschiedsschmerz mit dem mehrtägigen Einsatz von Blaskapelle und Freibier beredten Ausdruck verleiht. Kurz wird der Leerstand der Landwirtschaftsimmobilie am Stammtisch diskutiert, dann trottet das Leben wie ein müdes Mastrind weiter, ohne sich an Schnaken, Städtern und Spekulationen mit dem aufgelassenen Gebäude zu kehren. Bis der Makler, im Marktflecken ein jährlich wiederkehrendes Gesicht, wieder einmal vorbeikommt und Frischfleisch für die kommende Gaudi mitbringt. So schließt sich der grausame Kreislauf der Natur.





Das Schwarze Loch

27 08 2009

„Das hängt irgendwie mit den Vakuumlösungen der Feldgleichungen zusammen oder so.“ Kester zeigte mir höchst komplizierte Formeln, die ich nicht verstand – aber ich studierte ja im Gegensatz zu ihm auch nicht Physik, sondern borgte ihm nur meinen Akkuschrauber aus. Trotzdem hörte ich dem jüngsten Enkel von Tante Elsbeth geduldig zu, wie er vom Skalarprodukt des Tangentialraums erzählte und mir den Ereignishorizont der Schwarzschild-Metrik erklärte; es reicht ja, wenn einer in der Familie die Weltformel entdeckt.

Kaum war Kester fort, klingelte das Telefon. Horst Kümselkorn, Versicherungsvertreter und eine Nervensäge vor dem Herrn. „Ja guten Tach, wir haben uns ja lange nich gesprochen, waswas?“, schwabberte er los. Ich teilte ihm mit, es knapp überlebt zu haben. Doch das hielt ihn nicht zurück, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. „Also weil Sie ja in den letzten zehn Jahren gar keinen Schadenfall hatten, und da dachte ich, dass Sie eine Hausratversicherung…“ „Habe ich“, teilte ich ihm mit, „Danke der Nachfrage, kein Bedarf. Auf Wiederhören.“ Doch Kümselkorn ließ nicht locker. „Nein, kann nicht sein. Ich sehe hier nur Glasbruch, Hochwasser, Sturmschaden, Herzinfarkt…“ Kurz spielte ich mit dem Gedanken, ob Schnappatmung und Gebäudehaftpflicht preislich ähnlich lägen, doch dann machte ich die Schotten dicht. „Kümselkorn, ich habe eine Hausratversicherung. Seit zweiundzwanzig Jahren. Schönen Tag noch.“ „Nein, hammse nich“, widersprach umgehend der Telefonhausierer, „ich seh hier nix, kann gar nich sein!“ Doch ich hatte bereits eingehängt.

Da fiel mir das Papier auf. Es musste Kester aus der Mappe gerutscht sein. Mehrfach umgeschlagen schimmerte etwas Dunkles von der Innenseite. Ich entfaltete den Bogen und blickte in eine kreisrunde, tiefschwarze Fläche hinein, die sich vor meinen Augen zu bewegen schien. Wie eine weiche, gallertartige Masse waberte es hin und her. Es lauert etwas in diesem Rund. Mir wurde schwindelig. Wer weiß, wie lange ich so gestanden und in die Tiefe gestarrt hätte, wenn nicht das melodiöse Schnarren der Türglocke mich aufgeweckt hätte – Sigune, die leicht verschattete Nachbarin, bestand darauf, mir ein Ei zurückzugeben, mit dem ich ihr tags zuvor ausgeholfen hatte. Da polterte es auch schon dumpf und das kleine, verschwitzte Männchen tobte die Treppe empor. „Dass ich Sie doch noch treffe“, keuchte Kümselkorn, „das sind nämlich Top-Konditionen! Lassen Sie mich mal nur eben kurz.“

Schon hatte sich der Aufdränger an mir vorbei in die Wohnung gequetscht und beäugte nun die Küche, wo er seine braunlederne Aktentasche auf die Schleiflackanrichte setzte. „Ja also die Hausrat, da können wir ja gleich…“ „Herr Kümselkorn“, unterbrach ich ihn mit einiger Schärfe, „ich habe eine Hausratversicherung, wie Sie inzwischen wissen, und ersuche Sie nun, schleunigst zu gehen. Guten Tag!“ „Aber nicht bei uns!“ „Stimmt auch wieder. Adieu, zur Tür geht’s immer Nase nach.“ Und ich baute mich drohend vor ihm auf. „Passt es Ihnen denn jetzt etwa nicht?“ Offenbar arbeitete sein Gehirn mechanisch; ich meinte, ein leises Knacksen in seinem Kopf zu vernehmen. „Es ist Geschäftszeit“, sagte ich ruhig, aber deutlich, „und Sie befinden sich in meinen Geschäftsräumen. Wenn Sie dann bitte jetzt…“ „Wissense was, ich komme am Wochenende“, schwafelte Kümselkorn unbekümmert, „dann könnense so ganz in Ruhe…“

Unterdessen hatte er bereits das Wohnzimmer betreten. Sämtliche Einwände von meiner Seite prallten an ihm ab wie ein Gummiball von einer Hauswand. „Wenn Sie jetzt nämlich wechseln würden, dann können Sie… öm-teröm-töm-töm… also das wären im Quartal… äääh…“ Er suchte den Taschenrechner; zwecks dessen wieselte er wieder in die Küche zurück, apportierte die Tasche und lief damit gleich bis ans Hoffenster zurück, wo er die Nase an die Scheibe presste. „Hach, schön isses hier“, juchzte er und öffnete das Fenster. Ein kräftiger Sommerwind fegte den kompletten Tisch leer. „Kümselkorn“, fauchte ich, „ich will Sie hier nicht mehr sehen!“ „Kommt Ihnen mein Besuch etwa momentan nicht gelegen? Dann könnten wir… ich muss mal morgen…“ Er stellte die Tasche neben das vom Winde Verwehte und fingerte seinen Kalender aus der Rocktasche. „Herr Kümselkorn, ich erwarte gerade einen Rückruf von Partner Partner Friends & Partner. Zum Mitmeißeln: Raus!“ „Ich kann Ihnen ohne Wohnungsbesichtigung gar kein individuelles Angebot…“ Kümselkorn hielt ein und stutzte. Wo war die Aktentasche? Gerade hatte sie noch neben ihm auf dem Boden gestanden.

Schon lief der Propagandist ins Arbeitszimmer. Ob ich nicht gleich eine neue Rechtsschutz-Police abschließen sollte, um diesen Quälgeist mit Hilfe seiner eigenen Waffen aus dem Verkehr zu ziehen? Er stolperte über einen Bücherstapel und hielt sich an der Schreibtischkante fest. Bleistifte, eine Lupe und der große Kristallascher flogen durch die Luft; letzterer traf Kümselkorn an der Schläfe. Er rappelte sich hoch. „Ich brauche ein Pflaster“, stammelte er, „ich hatte doch in der Tasche…“

Wo blieb er bloß? Längst war der Schreibtisch wieder aufgeräumt, der Aschenbecher hatte den Sturz und die Kollision mit Kümselkorns Schädel unbeschadet überstanden. Doch der Insekuranzler hatte das Wohnzimmer noch nicht verlassen. Ich folgte ihm in den Raum. Wen ich nicht fand, war Kümselkorn.

Das Zimmer war leer. Am Boden gähnte das Dunkel. Panik befiel mich. Mit fliegenden Fingern knickte ich den Bogen zusammen und trug ihn mit spitzen Fingern zum Schreibtisch. Ein Griff zur Schere, längs und quer, und das Papier lag in Schnipseln vor mir, die ich zur Sicherheit mit der Reißschiene in den Kristallaschenbecher fegte. Ein Handgriff, und das Feuerzeug flammte auf. Zitternd setzte ich mich auf den Boden und betrachtete, wie die Fetzen langsam in Rauch aufgingen. Ich tastete in der Schreibtischschublade nach dem silbernen Fläschchen, drehte am Schraubverschluss und nahm einen großen Schluck. Würde das meinen Ereignishorizont wieder gerade rücken? Besser, ich fragte Kester nicht danach.





Dinner for One

26 08 2009

Die Presse stand nicht still. Längst war alles abgeklärt, längst mussten auch die bösartigsten Schmierfinken resignieren und zugeben, dass Ulla Schmidt einfach nicht am Zeug zu flicken war. Doch einige von ihnen versuchten es immer noch. War da nicht noch ein Dienstflug? Die Redaktion raunte.

In der Chefetage bemühte man sich um ausgewogene Berichterstattung. Auf der einen Seite war der 60. Geburtstag Josef Ackermanns, den Angela Merkel mit dem Jubilar gemeinsam auf Kosten des Steuerzahlers begangen hatte, ein Privatereignis und von geringem Nachrichtenwert, auf der anderen Seite durfte man dem Chef der Deutschen Bank, der seit der Verfahrenseinstellung gegen eine Millionensumme ohnehin nicht mehr mit der Geldvermehrung, sondern vielmehr mit dem Kapitalverheizen beschäftigt war, nicht die milden Freuden des beginnenden Alters trüben. Man einigte sich darauf, die Fakten ganz objektiv zu unterschlagen. Dies war nach Mehrheitsmeinung des Chefredakteurs allemal rechtens.

Während die Reporter eifrig recherchierten, ob die Alarmanlage auf dem Grundstück der Bundesgesundheitsministerin scharf geschaltet war, telefonierte der Chefradakteur hektisch nach Bildern. „Bringt mir die Alte“, röhrte er ins Gerät, „ich schlachte sie ab morgen drei Tage lang! Kommt mir nicht ohne Bilder wieder!“ Zu gerne hätte er das Menü aus dem Kanzleramt auf die Klatschseite gepackt – das Geburtstagskind hatte mit 30 geladenen Gästen aus dem Kreis langjähriger Freunde ein exquisites Dinner genossen – aber die Staatsraison siegte. Wenn man Hans und Franz lesen ließe, womit die Bänker den Untergang ihrer angesägten Schlachtschiffe gefeiert hatten, würde am Ende das ganze Pack die öffentliche Hand für einen Partyservice halten und noch vor der Bundestagswahl Hummer ordern. Ob die Demokratie in diesem unserem Lande das aushielte, stand denn doch zu fragen.

Die Schnüffler blieben dran. Aber es gelang ihnen nicht, durch noch so abgefeimtes Fragen den Nachbarn ein falsches Wort zu entlocken. Der Schnappschuss einer Passantin, die gerade ein Schuhgeschäft verließ und nur von hinten zu sehen war, gab einige Hoffnung; doch stellte sich schnell heraus, dass die Frau, die da in einen Kleinwagen einstieg, nicht das Zielobjekt sein konnte. Die weißblonden Haare würde man photoshoppen können, doch die Dame trug einen Bolzenschneider in der Hand. Nichts zu machen.

Aus dem Kanzleramt drang durch, dass allein die Kellner 2100 Euro gekostet hatten. Man konnte sich in der Verwaltung diese Summe zunächst kaum erklären, fand dann aber einen schlüssigen Grund: wahrscheinlich hatten die Schaumweinschlepper erheblich unterhalb des von der Union angepeilten Mindestlohns gearbeitet. Der Chefredakteur pfiff durch die Zähne. Ja, auf Merkel war Verlass. Nur mit solcher Unerschrockenheit war Deutschland überhaupt noch zu wuppen.

Die kritischen Stimmen wurden lauter. Der eine oder andere Ressortchef meinte, man könne doch wenigstens die Privateinladung der CDU-Chefin als Besuch eines ausländischen Spitzenmanagers in die wahlkampftaugliche Richtung biegen. Doch er biss beim Chefredakteur auf Granit. Gerade jetzt, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen sich jeder selbst der Nächste sei, dürfe man auf keinen Fall gegen Ausländer hetzen. Überdies war er viel zu beschäftigt, um sich der Sache anzunehmen; der Werbetext für das neue Volks-Handy wollte redaktionell abgeschliffen sein, und der Schlagzeile Prügelt die Terror-Schlampe blutig! über dem Artikel von der jungen Frau, die das Berliner Kammergericht wegen Mangels an Beweisen in Haft genommen hatte, fehlte noch der richtige Biss.

Der Politik-Chef nervte. Schon wieder kam er mit der Süssmuth-Story an. Hatte nicht der Ältestenrat die Bundestagspräsidentin entlastet, als man ihr vorhielt, sie habe die Flugbereitschaft der Bundeswehr missbraucht? Der Chefredakteur hielt dagegen, dies seien private Flüge gewesen – ein ganz anderes Kaliber; Ulla Schmidt aber stehe in Verdacht, sogar für öffentliche Termine den Flieger benutzt zu haben. Außerdem wolle man diese alte Geschichte von 1996 nicht mehr aufrühren, wie leicht geriete da das Gesundheitsministerium als Ganzes unter Generalverdacht. Und es ginge schon wieder gegen die Schweiz. Gerade im Wahlkampf aber könne man den Bürger nur durch gezielte Informationen zu den Personen des politischen Lebens aufklären. Die Akte Süssmuth ging auf dem Weg vom Archiv in die Redaktion ohnehin verloren. So hatte sich auch dies erledigt.

Verwirrt stellte die Redaktion fest, dass eine Presseagentur meldete, Merkel richte regelmäßig Geburtstagsgesellschaften aus. Volker Kauder zeigte sich außerordentlich verschnupft, er sei noch gar nicht gefragt worden. G. G. Anderson verbat sich eine Party im Kanzleramt. Ob es an der Gastgeberin lag, konnte nicht eruiert werden.

Das Kanzleramt gab indes die Rechnung für die Bänkerfete nicht heraus. Der Chefredakteur verteidigte das. Datenschutz, so mahnte er, sei ein hohes Gebot. Man habe deshalb schon bei Ursula von der Leyen auf eine präzise Berichterstattung wegen ihrer beiden Dienstwagen verzichtet. Zudem seien die Schmidt-Fotos immer noch nicht da. So könne das nicht weitergehen – solch eine Schlamperei mitten im Wahlkampf!





Angst nach Plan

25 08 2009

Wohlleben telefonierte noch, als ich den Raum betrat. Mit einer ausholenden Geste lud er mich ein, Platz zu nehmen. „Ja, und Gasmasken. Auf jeden Fall Gasmasken! Wir ziehen dann die Summe von den Einmalhandschuhen ab, verstanden?“ Offenbar handelte es sich um eine dringliche Sache, denn er sprach schnell und notierte nebenbei eifrig Zahlen. „Und vergessen Sie mir bloß nicht die Klebepunkte. Ja, rote und grüne. Oder Gelb, wenn Sie Rot nicht bekommen, das ist unwichtig. Hauptsache, es ist irgendwie rund, bunt und klebt zuverlässig.“

Das Gespräch war beendet und Wohlleben goss Kaffee in meine Tasse. „Wir haben alle Hände voll zu tun, die nächsten Tage werden bestimmt noch anstrengend für uns alle, bis die Schweinegrippe in Sack und Tüten ist.“ Ich fragte ihn, ob er mit der medizinischen Versorgung einigermaßen zurecht käme, doch er schüttelte den Kopf. „Medizinische Versorgung? Nein, das geht mich alles nichts an. Wir koordinieren nur.“ „Also Sie sorgen für einen geordneten Ablauf der Impfungen? Sie kümmern sich um die Logistik?“ „Aber nein“, lachte Wohlleben, „im Gegenteil! Ganz im Gegenteil, wir sind für Panik, Angst und irrationale Reaktionen zuständig.“ „Sie gehören zum Katastrophenschutz, der im Seuchenfall…“ „Ach Gott, nein doch! Wir richten uns nicht auf Panik ein. Wir schüren sie.“

Ich glaubte, mich verhört zu haben. Was war das für eine Dienststelle? „Nennen wir es Hysterie-Management“, erklärte Wohlleben ruhig, „wir rationalisieren Irrationales.“ Hysterie-Management? „Das braucht’s durchaus. Schließlich will Panik gut organisiert sein. Sie ahnen gar nicht, was sonst alles aus dem Ruder laufen könnte.“ Ich wand mich, doch es schien ihn nicht zu beeindrucken. „Unsere Aufgaben sind vorwiegend psychologischer Natur.“ „Massenpsychologie?“ „Ja“, nickte er, „zum großen Teil. Wir steuern Affekte.“ Das verstand ich wieder nicht. „Schauen Sie, es ist doch so: wenn Sie in den Medien täglich mit der Schweinegrippe konfrontiert werden, stürmen ungeheuer viele Affekte auf Sie ein. Angst, Wut, Schuldgefühle, das Gefühl der eigenen Minderwertigkeit – nehmen Sie das nicht auf die leichte Schulter, das macht etwas mit Ihnen. Jetzt müssen Sie darauf reagieren.“ Er nippte an seinem Kaffee. „Sie dämmen die Überreaktionen ein, richtig?“ Wohlleben schüttelte energisch den Kopf. „Wir putschen sie auf, bevor sie von alleine entstehen können. Durch Deprivation.“

Unter Deprivation hatte ich bislang immer eine Reaktion auf Entzug verstanden. „Das ist ja auch völlig korrekt“, bestätigte Wohlleben, „nur müssen wir eine relative Deprivation da erzeugen, wo wir sie als sozialtherapeutisches Mittel auch nutzen können.“ Sozialpädagogik? „Wenn Sie so wollen. Schauen Sie, es ist doch heute alles so enorm schwierig. Ist Ihr Arbeitsplatz sicher? Denken Sie, dass Sie in den nächsten Tagen das Opfer eines Terroranschlags werden könnten? Fürchten Sie sich davor, dass ein durchgedrehter Richter Sie in Haft nehmen könnte, weil Ihre Schuld nicht zu beweisen ist?“ „Sie treiben den Teufel mit dem Beelzebub aus.“ „Ja, das ist richtig. Es herrscht Angst – das allein wäre noch nicht so gravierend, die ist ja auch durchaus gewünscht – und wir sorgen dafür, dass sich die Angsthasen an der richtigen Stelle in die Hose machen.“

„Was bringt uns denn diese Deprivation? Wir werden angeleitet, uns schlecht zu fühlen?“ „Exakt. Wir trichtern Ihnen ein, dass die Schweinegrippe eine Bedrohung für die ganze Menschheit ist – Sie reagieren mit Panik. Dass sich die Wirtschaft in ihre Einzelteile zerlegt, dass die Umweltzerstörung in einem Riesentempo voranschreitet, dass wir von einem Haufen neoliberaler Arschlöcher für eine außenpolitische Profilneurose verheizt werden – das wäre sozialer Sprengstoff, verstehen Sie? Wenn Sie unbedingt durchdrehen wollen, halten Sie sich an die Spielregeln. Drehen Sie durch, weil die Grippe kommt. Das nimmt Ihnen keiner krumm.“

Ich tupfte mir den Schweiß von der Stirn. „Das wird aufkippen, glauben Sie nicht?“ „Möglich“, gab er zurück, „aber so schnell geben wir nicht auf.“ „Sie müssen damit rechnen, dass jemand die richtigen Fakten zur Hand hat und denken kann.“ Wohlleben lächelte sanft. „Das sehe ich nicht. Gut, wenn – ich sage: wenn – wenn wir die Schweinegrippe bekämpfen wollten und nicht das Volk, würden wir den Leuten einfach empfehlen, sich öfter die Hände zu waschen. Mit einem Mundschutz und einem Dutzend Latexhandschuhen pro Tag wäre die Infektionsgefahr sofort minimiert. Wir könnten den Leuten auch reinen Wein einschenken.“ Also vor den wirklichen Gefahren warnen? „Wirkliche Gefahren…“ Wohlleben schmunzelte. „Schauen Sie, es ist wahrscheinlicher, dass Sie sich in einer Kantine oder im Krankenhaus an Salmonellen infizieren und daran versterben, wenn Sie zu der Schweinegrippe-Risikogruppe gehören. Fordert vielleicht deshalb jemand, alle Grillhähnchen-Stationen niederzubrennen? Oder nehmen Sie AIDS.“ Der Kragen wurde mir eng. „Sie blenden die realen Gefahren aus. Wozu brauchen Sie dann bunte Klebepunkte?“ „Wir könnten den Leuten auch sagen: lackiert Euch die Fußnägel rosa. Völlig egal. Wenn man ihnen sagt, was sie zu tun haben, drehen sie kontrolliert durch. Und wir müssen uns nicht mit einer realen Panik das Leben schwer machen.“

„Das klingt mir alles ziemlich nach einem Notfallplan für einen ABC-Angriff. Ich kenne diese Dinger.“ „Ja, was waren das damals noch Zeiten“, schwärmte Wohlleben, „die Aktentasche über den Kopf ziehen, wenn’s rummst, dann in der Sammeldusche abseifen – aber das war gestern. Es gibt keine Parallele zur biologischen Kriegführung – hier bekämpft die Politik das eigene Volk, was doch immerhin ein Unterschied ist.“ „Sie züchten den Verfolgungswahn“, sagte ich hart, „und verkaufen dann die Medikamente dagegen.“ Er verzog nicht einmal das Gesicht. „Richtig. Und da wir beide Seiten kontrollieren, verlieren wir auch nie die Kontrolle.“ „Das ist menschenverachtend!“ „Menschenverachtend“, replizierte er kalt, „wäre es, der Bevölkerung die nackte Wahrheit zu sagen. Dass diese ganzen Impfungen Unsinn sind, weil die Medikamente über die Kanalisation in Gewässer einfließen, so dass die Wasservögel zu Wirten für resistente Virenstämme werden. Dass diese Stämme fortwährend mutieren und jede Impfung Kokolores ist, weil man schließlich keinen Impfstoff entwickeln kann für Krankheitserreger, die erst in der Zukunft existieren. Menschenverachtend wäre es, den Leuten zu sagen, dass die Immunologen in Bezug auf Grippe vor einem Rätsel stehen, weil sie die Krankheit nicht einmal ansatzweise begreifen, geschweige denn die Therapie. Warum bekommt man die Grippe im Herbst und Winter, wo doch die Viren auch im Sommer herumschwirren? Wollen Sie die Leute damit panisch machen?“

Ich setzte die Kaffeetasse ab. „Immerhin werden Sie dies Spiel nicht ewig so treiben können.“ Er seufzte. „Sie haben Recht. Alle bisherigen Vorhersagen haben sich nicht bewahrheitet, also müssen neue immer drastischer ausfallen. Sonst kriegen Sie doch die Leute nie mehr in eine ordentliche Hysterie rein. Sie reagieren wie der Hamster im Laufrad: wenn sie nicht immer schneller werden, merken sie bald gar nicht mehr, dass das Rad sich dreht.“ „Mit welchem Erfolg?“ „Normalerweise kratzt so ein Hamster kurz und schmerzlos ab. Herzinfarkt aus Blödheit.“ Das Telefon klingelte und Wohlleben nahm den Hörer ab. „So? Wann können wir mit einer Entscheidung rechnen? Ziert sich General Motors noch? Keine Zusage für die Arbeitsplätze? Das ist schlecht. Wir gehen dann nicht mehr von 100.000 Toten aus, sondern von einer halben Million. Sicher ist sicher. Wir können ja immer noch schauen, wie sich der DAX entwickelt.“





Spurenelemente

24 08 2009

„Nehmen Sie Platz. Was genau führt Sie denn zu mir?“ „Wie ich am Telefon schon sagte, es gibt da immer noch Spuren.“ „Irgendwelche anzüglichen Bilder?“ „Nein, nicht direkt.“ „Haben Sie gegen Ihren Chef gepöbelt?“ „Nicht direkt.“ „Was nun, haben Sie oder haben Sie nicht?“ „Das kann man so einfach nicht sagen.“ „Meine Güte, machen Sie es doch nicht so wahnsinnig kompliziert!“ „Es ist aber kompliziert. Deshalb bin ich doch hier.“

„Also von vorne. Gehen wir mal chronologisch vor. Welche Spuren sind am ältesten?“ „Das dürfte das mit dem Namen sein.“ „Haben Sie etwa mit einem falschen Namen unterschrieben?“ „Nicht direkt.“ „Herrgott, können Sie eigentlich auch mal irgendetwas anderes sagen?“ „Nicht…“ „Reißen Sie sich am Riemen, Mann!“ „Da war ein falscher Vorname.“ „Gut, und was sollte Ihren Arbeitgeber daran stören?“ „Willi.“ „Was Willi?“ „Ja, ich weiß ja auch nicht.“ „Meine Güte, es wird doch wohl seine Bewandtnis damit haben, sonst würden Sie nicht in unsere Agentur kommen.“ „Also sie haben da…“ „Wer ist sie? Hat derjenige vielleicht auch einen Namen?“ „Nicht direkt…“ „Ich warne Sie!“ „Pardon! Das wird nicht wieder vorkommen. Also irgendwer hat mir da den falschen Vornamen untergejubelt.“ „Gehen wir’s mal methodisch an. Wer hatte ein Motiv?“ „Das ist es ja, ich kann es mir beim besten Willen nicht erklären. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte.“ „Das weiß man hinterher ja meistens nicht. Aber egal. Wer weiß davon?“ „Jeder.“ „Etwas präziser werden Sie es ja wohl formulieren können.“ „Jeder, der BILD liest.“ „Also eine verschwindend geringe Anzahl von Bundesbürgern.“ „Ich war auf der Titelseite.“ „Ach du Scheiße, sagen Sie das doch gleich! Was haben Sie unternommen?“ „Ja nichts. Glauben Sie, ich will mich mit dieser Dreckschleuder anlegen?“ „Auch wieder wahr. Aber schauen wir mal weiter. Am Telefon hatten Sie angedeutet, dass Ihr Lebenslauf einige, sagen wir mal, Lücken hat.“ „Nicht direkt, das…“ „So, und jetzt nochmals zum Auswendiglernen: ich will diese dämliche Phrase aus Ihrem Mund nicht mehr hören! Haben wir uns verstanden?“ „Ja, natürlich. Also der Lebenslauf, das war so: ich hatte da gesagt, dass ich schon Berufserfahrung habe. Einschlägige nämlich.“

„Tja, einschlägige Berufserfahrung, das ist doch heutzutage der Knackpunkt. Sie werden ja schon nicht mehr als Praktikant beschäftigt, wenn Sie noch nicht gearbeitet haben.“ „Da war dann wohl etwas schief gelaufen.“ „Inwiefern?“ „Also… ich habe… also es war jetzt nicht… nicht direkt eine…“ „Was hatte ich Ihnen gesagt?“ „Doch, das ist nicht direkt als Berufserfahrung zu bezeichnen.“ „Meine Güte, jetzt lassen Sie die Hosen runter! Wir sind doch hier nicht im Fernsehquiz!“ „Also ich habe gar nicht in einem mittelständischen Unternehmen gearbeitet.“ „Und alle glauben es?“ „Ja.“ „Sondern?“ „Sondern was?“ „Ja meine Güte, die Wahrheit!“ „Es waren drei…“ „Berufe?“ „Mitarbeiter.“ „Wie jetzt?“ „Die Firma hatte drei Mitarbeiter.“ „Na, tolles mittelständisches Unternehmen! Und was haben Sie da gemacht?“ „Das Familienvermögen verwaltet.“ „Jaja, der Mittelstand.“ „Sie brauchen gar nicht so ironisch zu werden. Ich kann auch ganz anders!“ „Wenn ich Sie wäre, mein Freund, würde ich jetzt einfach mal meine große Klappe halten. Sie haben die Öffentlichkeit hinters Licht geführt.“ „Nein, damit nicht! Erst als ich…“ „Ach, da kam noch etwas nach?“ „Die Zeitungen und das Fernsehen haben alle gebracht, dass ich Geschäftsführer in diesem Unternehmen war, das zufällig denselben Namen hat wie ich.“ „Und, waren Sie?“ „Nein.“ „Haben Sie das sofort aufgeklärt?“ „Nein.“ „Na, was für ein Glück! Die Leute glauben das heute noch, daran wollen wir mal nicht rühren.“ „Das geht nicht.“ „Und warum nicht, wenn ich fragen darf?“ „Die Baustofffirma… also die haben auf ihrer Homepage geschrieben, dass ich… also vielmehr, dass ich eben nicht…“ „Mein Gott, geht’s vielleicht noch dämlicher? Sie haben das alles abgewartet, Sie haben mit keinem Wort dementiert und sich fröhlich mit fremden Federn geschmückt, damit man einem Vollhonk wie Ihnen das bisschen Kompetenz abnimmt? Sind Sie des Wahnsinns?“ „Ich weiß, das war nicht besonders klug.“ „Nicht besonders klug? Zum Einstand einfach mal dem Arbeitgeber dreist ins Gesicht lügen und das nennen Sie nicht besonders klug? Ich glaube, mein Schwein pfeift!“

„Aber ich habe das mit den Mitteln doch gar nicht veröffentlicht im Internet!“ „Mit was für Mitteln?“ „Ja also, diese… Mittel halt.“ „Wovon reden Sie da?“ „Es ging um die Subventionen, und da gab es doch diese Liste, wo die draufstanden, die Geld kriegen. Ich hatte das ja äääh… nicht direkt…“ „Letzte Warnung!“ „Also ich wollte das nicht veröffentlichen. Ist auch nicht. Alles paletti.“ „Mein Gott, Sie machen alles nur noch schlimmer! Wenn diese Liste nicht erscheint, weiß doch jeder sofort, dass Sie das zurückgehalten haben!“ „Ich hätte ja auch ein Stoppschild davor gestellt, aber…“ „Jetzt werden Sie mal nicht kindisch. Was war das eigentlich mit dem Grundgesetz?“ „Wieso, was war da mit dem Grundgesetz?“ „Sie haben behauptet, dass diejenigen, die sich an die Verfassung halten, pädophil sind.“ „Also bitte, das habe ich nie und nimmer direkt…“ „Heilige Scheiße!“ „Also das habe ich so nie gesagt.“ „Ich darf Sie da mal wörtlich zitieren: ‚Es macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben.‘ Haben Sie das gesagt?“ „Aber ich bitte Sie, das hat doch mit dem Grundgesetz überhaupt nichts zu tun, wenn da ein paar Chaoten…“ „Mein lieber Mann, das Petitionsrecht ist in Artikel 17 des Grundgesetzes verankert, und wer es wahrnimmt, beruft sich auf die Verfassung. War Ihnen das etwa nicht bewusst?“ „Also… äääh… nicht so… also…“ „Und jetzt kommen Sie mir nicht noch mit so einem Killefit wie diesen dämlichen Bildern! Nur, weil Ihnen mal in der Oper die Fliege schief sitzt, bitten Sie um einen Extratermin! Wenn Sie das aus dem Internet raushaben wollen, sorgen Sie gefälligst selbst dafür. Ich sehe hier keinen Grund, für Sie tätig zu werden. Gehaben Sie sich wohl. Da ist die Tür.“ „Aber was soll denn jetzt aus mir werden? Sie müssen mir helfen, sonst bin ich bald arbeitslos! Ich habe doch nichts Anständiges gelernt und noch nie wirklich gearbeitet! Glauben Sie, dass ich nach der Bundestagswahl noch Chancen habe, einen Job zu bekommen?“ „Nicht direkt.“





Wussten Sie eigentlich…

23 08 2009

… dass Mombasa vor dem Vierten Laterankonzil gegründet wurde? Gut, man überlebt auch ohne den Quell unnützer Bildung. Dann nimmt man eben die Suchmaschine. Und landet da, wo sich sowieso alles trifft. In diesem Blog. Die schönsten Suchmaschinentreffer der vergangenen zwei Wochen.

  • zahnstatus aufkleber muster: Ihre ZMFA geht Ihnen gerne auf die Plomben.
  • wagenknecht sahra: Ach, noch so eine, die Fidel Castro für neoliberal hält…
  • salesch glatze dicke: Geben Sie’s doch zu, Sie gucken das nur wegen der Frisuren.
  • burrito kassel: Pizza Napoli?
  • die deutschen sterben aus: Dann tun Sie mal was für Ihre Akademikerinnenwurfprämie.
  • nachbarn nacktbilder: Liefert Ihnen das BKA bald auch. Garantiert.
  • papierfahnen: Werden in Kabul demnächst gehisst. Als Fahnenabzüge.
  • bastelanleitung ritter: Vergessen Sie nicht, Arme und Beine gründlich zu befestigen!
  • hefeextrakt zittrig: Das spart den Teigquirl.
  • k.backus ich hexe mir einen mann: Bei der nächsten Hexe wird sowieso alles anders.
  • ohrlöcher tante: Ihre Tante ist nicht gepierct? In welchem Jahrhundert leben Sie?
  • masochismus vogelspinne: Weil das Tier sich ständig auf die Füße tritt?
  • das gute in kirschen inhaltsstoffe: Aus den Steinen können Sie beispielsweise hübsche Kissen klöppeln.
  • verlagspraktikum+kassel: Probieren Sie’s mal mit einer Burrito-Bude.
  • rücksichtsloses parken lustige hinweise: Das nennt man Lackschaden.
  • autositzreparaturen gießen: Kein Glück gehabt in Starnberg?
  • küchenhilfe stellen köln: Kassel, ich sage nur: Kassel.
  • katzen kalziumschock: Mehr als eine Katze pro Tag sollte auch nicht sein.
  • billige grillz zahnschmuck: Besprühen Sie Ihre Außenspange mit Goldlamé, das sieht auch sehr hübsch aus.
  • fremdleuchtend: Glück gehabt. Andere sind armleuchtend.
  • ddr kuchenrezepte.de: Aus dem VEB Plaste und Elaste Schkopau.
  • mundart+schöbel+braten: Ein Kessel Buntes?
  • kindergartensymbole: Wenn CDU draufsteht, haben Sie gute Karten.
  • güldner weggetwittert: Er sich? Schön wär’s.
  • wollt ich zum augenblicke sagen, verweil: Fast-Faust.
  • ich bin auf der suche nach freien dating: Herzliches Beileid.
  • hallo taxi bremen videoÜberwachung augus: Kriegen wir auch hin, sobald Güldner bei den Republikanern ist.
  • job odenwald: Als Waldtroll ware noch etwas frei für die kommende Saison.
  • schwan häkeln anleitung: Bei der Frisur machen Sie schlapp, ich schwör’s Ihnen!
  • „see gibt nichts zurück“: Von Dünnsäure und Holzfrachtern mal abgesehen.
  • barbara salesch penner mit einkaufswagen: Das war die Episode mit dem Kontaktbereichsbeamten?
  • fledermausanzug extrem sport: Go, Guido, go!
  • pappsarg bauen: Knicken, lochen, abheften.
  • schwanz messen story trainingslager: Lassen Sie doch mal den Kahn in Ruhe, der Mann wird’s auch nicht leicht haben.
  • rätselhafte geräusch im haus: Das Abschalten einer elektrischen Zahnbürste sorgt für Gemütlichkeit und spart viel Strom.
  • kois vergiften: Wenn Sie hinterher von den Chinesen wie ein Koi behandelt werden wollen, okay.
  • grüne telefonzelle: Dank Sonnenkollektoren heute schon problemlos möglich.
  • auf der suche nach der verlorenen zeit s: Die Version von Graham Chapman ist äußerst sehenswert.
  • seltene viruserkrankungen: Wenn Sie es richtig anstellen, bleiben es keine.
  • beschwerde wegen umtausch falscher größe: Sie haben also umgetauscht, sich die falsche Größe genommen und wollen sich jetzt noch beschweren?
  • freundschafts eiht: Konsultieren Sie einen Eid-Genossen.
  • zwiebel hilft echthaare wurzeln: Wurzel hilft Echthaare zwiebeln.
  • barbie diamantschloss songtext: die auge: Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf. Das hilft.
  • ulf blecker konkurrenz: Die Kuh kriegt er schon vom Eis.
  • Österreichische richtfestreden: Wird da schon wieder gebaut oder schachten die noch aus?
  • wo ist der ausgang dieser bekloppten welt: Sie stehen direkt davor.
  • godzilla gerÄusch: Wenn Sie es hören, sollten Sie Sushi griffbereit haben. Viel Sushi.
  • pjotr nossow: Jungs, ich habe Das Bächlein auch nicht. Geht in den Fachhandel.
  • „ist leer wie ein“: Es gibt nichtabzählbar unendlich viele Mächtigkeiten, da stimmen Sie mir doch sofort zu, oder?
  • essigessenz manneskraft: Ich glaube, sie haben das mit den blauen Zipfeln gründlich missverstanden.
  • katharina saalfrank strumpfhose: Spricht das jetzt für oder gegen sie?
  • revolver kaufen in tschechien: In der Ukraine bekommen Sie auch gleich das Personal dazu mitgeliefert.
  • grenzen des fortschritts: Bei der FDP derzeit sehr anschaulich zu beobachten.
  • motivationssprüche: Tschakka.
  • hanni nackt: Und Nanni?
  • beinprothese high heels: Würde ich dann am Stück bestellen.
  • fuss gestossen , zeh blau?: Hoffen wir’s.
  • loferl anleitung: Waagerecht zur Laufrichtung abschneiden.
  • das sparkochbuch: Demnächst bei Wirtschaftsminister Pofalla erhältlich.
  • gummilippen: Machen Scheiben einfacher sauber als Schaumstoff.
  • big brother zahnspange: Siehe oben, aber hier reicht Silberlamé.
  • wie kann man einen pappsarg basteln: Erwerb und Bereitstellung von Pappe wären schon mal ein guter Anfang
  • ist pofalla vorbestraft: Wenn, wird er es am 28. September verraten.
  • länder ohne jugendwahn: Bedaure. Selbst in Taka-Tuka-Land wird man nicht erwachsen.
  • lustige hausordnung richtfest: Um 22 Uhr ist das Dach dicht.
  • dramaturgie kasperle: Frau von der Leyen hat da bestimmt noch ein paar Tricks auf Lager.
  • entscheidung flaschenpfand für spirituos: Und davon finanzieren Sie dann Ihr Frühstücksbier?
  • stell dich mal um punkt 12 uhr nachts vo: Unnötig, ich verkehre in Lokalitäten, wo ich auch zu dieser Tageszeit den Damen vorgestellt werde.
  • haarbürsten nürtingen: Hat eventuell Hölderlin ein paar schöne Strähnchen in Nürtingen hinterlassen wie weiland Schiller in Marbach?
  • big brother/nacktduscher: Dass dort Körperpflege überhaupt betrieben wird, ist doch schon mal ein guter Anfang.
  • die junge nation lag am boden und suhlte: Das Wunder von Bern?
  • elektrische teigwalze: Bedaure, auch die muss manuell bedient werden.
  • elektrobohrer: Verstehe, Sie wollen Löcher in die Tortellini bohren.
  • spiral dauerwelle in köln porz: Oder doch die Bohrmaschine?
  • kokain strecken puderzucker: Und hinterher eine Runde Schwimmen in Betonschuhen.
  • sch50 er jahre: Die Schachtziger waren viel schlimmer.
  • überraschungseier wert: Wenn Sie den Kunststoff rausrechnen, nicht besonders hoch.
  • einkaufschip cabinet: Ich fahre ja auch immer meilenweit für einen Einkaufswagen.
  • batik mit papiertaschentücher: Mein Tipp: Makramee mit kariertem Stopfgarn.
  • bei horst lichter, messer, barbie und ke: Auch keine Lösung.
  • versaute schlampen: Auf den Küchenboden!
  • fein akkuschrauber: Ob Sie mit 1,5 Volt schon Löcher in die Tortellini kriegen??
  • plasteflachen giftig: Immer noch gesünder, als Glas zu kauen.
  • „knoblauchöl“ herstellen hautpilz: Ich würde auf den Hautpilz verzichten. Aus Geschmacksgründen.
  • trachtenhosen: Passen Sie besonders auf, dass Sie da keinen vor den Latz bekommen!
  • steingrill gebrochen: Mit Knackern sollte man eben vorsichtig umgehen.
  • stefan mross vermögen: Ob er zu tröten vermag, entzieht sich meiner Kenntnis.
  • reparatur auto anleitung: Keine Einzelheiten. Welche Farbe?
  • benzinpreis in tschechien im august 2009: Haben Sie keinen Panzer geleast bekommen?
  • steghose blog: Es gibt so Sachen, denen ich mich einfach nicht schwerpunktmäßig widmen möchte.
  • preise der rundstuecks in deutschland: Sie suchen also einen Rundstücksmakler?
  • pulli bund leiert aus weichspüler: Da wird der Herr Kompanieführer aber gar nicht entzückt sein, wenn Sie den Kampfanzug so strapazieren!
  • meniskusoperation bei hunden: Ich bin Bierdeckelsammler und kein Tierarzt.
  • paranoia+kabel: Der Umstieg auf eine Satellitenschüssel lindert die Symptome schnell.
  • aktfotos korsika: Ich hätte da welche von Tante Elsbeth. Allerdings war die seinerzeit auch schon 67.
  • chlor in blondem kinderhaar: Es grünt so grün…
  • lärmpegel disco: Wie bitte!?
  • damen-catchen: Warum nicht? Wenn Sie eine abkriegen?
  • na also sprach zahnarzt thustra: Er hörte gerade Tod durch Erkältung.
  • steghose+tragen: In der rechten Hand?
  • sprechpuppen: Im guten Fachhandel als FDP erhältlich.
  • loferl stricken: Für Hüttenschuhe bestimmt ein Hit.
  • scheibenwelt troll verkauf hemd spruch: Als Marketingstrategie sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber versuchen Sie’s gerne.
  • billig kochen mit küchenfee sonya: Besorgen Sie sich einen P-38 und Sie bleiben weitgehend überlebensfähig.
  • motorradunfälle 2009: Irgendein Unterschichten-Sender wird Sie schon mit einer Hitliste beglücken.
  • schwarzwurzel salbe gegen meniskus: Wenn Ihr Meniskus stört, tauschen Sie ihn am besten gegen einen gebrauchten Blinddarm ein.
  • verena stricken herb 2009 st: Jetzt ist erst mal Sommer, die paar Tage bis zu den Strickwochen werden Sie ja wohl noch abwarten können.
  • gas intim beileid: Drosseln Sie den Bohnenkonsum, Ihr/e Partner/in wird’s Ihren danken.
  • alte nervende nachbarn loswerden mikrowe: Gerade dafür wurde doch der Steingrill erfunden.
  • hermann eva eimer: Wenn eine deutsche Autobahn in die Talkshow kommt, will sie jetzt Hermann Eimer heißen?
  • statement ephraim kishon: Solange er noch verstorben ist, dürfte es schwierig werden, seine Meinung zu diesem Blog zu erfahren.
  • integrationskindergarten technik: Ja, das Bundeswirtschaftsministerium gibt es noch.
  • hocker der ochse in seinem lauf hält wed: Honnecker, Sie sind raus!
  • belehrung arbeitsschutzschuhe muster: Ich würde das Schuhwerk anlegen, bevor Sie lustige Muster in die Sohlen eingebrannt bekommen.
  • frau schmitt und herr: Wohl eher umgekehrt.
  • vor gebrauch schütteln: Nach dem Schütteln nicht mehr zu gebrauchen.
  • schweinenacken de test stein rock 15: Sind Sie auch so einer von den Grillkaputtfummlern?
  • weißer anzug – liedertext: Der Roy-Black-Fanclub nimmt Ihre Anfrage gerne entgegen.
  • handwerker lustige bilder: Diese Woche im Angebot: Schlöppke setzt die von Hüpenbecker angebohrte Wasserleitung unter Strom.
  • selleriecremesuppe in dosen: Wurftechnisch anzuraten.
  • steingrill reparieren: Erst mal heben Sie hier gefälligst mal den ganzen Schweinenacken auf!
  • tektonik frisuren männer: Sie verwechseln das entweder mit Statik oder Ihr Haarlack ist zu flüssig.
  • tatoobilder erinnerung an einen verstorb: Rechtzeitiges Ausstanzen der Epidermis sorgt für schöne Souvenirs, allerdings dürfte das Ihre Erbwürdigkeit leicht einschränken.
  • intimuntersuchungsvideo: Steinbrück war doch schon Donnerstag dran?
  • fussfetisch in gerichtsshow: Ob hier § 183a StGB oder § 118 OWiG greift, sollten Sie mit Ihrem Rechtsbeistand klären.
  • aluminium sichtschutz: Sind Ihre Nachbarn noch nicht in der Mikrowelle?
  • rattelschneck kleiderbügel: „Zu groß, zu groß, auch zu groß, alles viel zu groß!“
  • maler loosen ulmer münster: Maler Nolten? Aber das war bestimmt der mit dem Kölner Dom.
  • autositzreparatur in leipzig: Nehmen Sie mein Telefonbuch, und dann fahren Sie bitte endlich nach Rosenheim!
  • mit pantoletten hinterm steuer: Macht je nach Körpertemperatur drei bis sechs Punkte.
  • musterungsfragebogen: Husten Sie mal.
  • edelpapageien: Mit Fremdsprachenkenntnissen?
  • schwan intimtattoo: Fragen Sie die SPD, ob das der Grund für ihre Nominierung war.
  • wasserbett betablocker: Wenn Sie das Wasser regelmäßig wechseln, dürfte Ihre Matratze ohne Medikamente auskommen.
  • theater viel lärm um nichts -premiere-mo: Schöne kognitive Dissonanz, wenn es richtig inszeniert ist.
  • quatsch hauptspeise: Haben Sie schon mal Fruchtquatsch probiert?
  • schrank sarg bauplan: Der Trend geht jetzt zur Schuhurne.
  • haarschneidemaschine für tiere: Für Bartagamen?
  • ulla schmidt lied nach der melodie im wa: Jaja. BILD wirkt.
  • zwangssterilisation von kindern zwecks f: Bringen Sie den Schäuble nicht auf solche Ideen!
  • latexpuppen: Nehmen Sie faltbare, die passen in den Geschirrspüler.
  • sarg aus pappe zuhause selber bauen: Dann haben wir’s ja jetzt endlich. Wann ist mit Ihrem Ableben zu rechnen?
  • kalle bratfolie gebrauchsanweisung: Knoten Sie Kalle gut zu, bevor Sie ihn in den Ofen schieben.
  • sirene hupe: Verstößt gegen die StVO.
  • hawaii kostüme aus müllsäcken selber bas: Und ich wundere mich schon, dass Mailand dieses Jahr so billig rüberkommt.
  • stromreklame: RWE soll jetzt ja den Münchhausen auftreten lassen.
  • food: Yo, man.
  • paletti malspass mit wasser: Wenn’s nicht mit Öl ist, würde ich das Paletti möglichst gerade halten.
  • gedicht die haarbürste: Heißt Die Haarbeutel und kommt auch nicht von Schiller.
  • beuys leuchtreklame: City-Lights als soziale Plastik? Gute Idee!
  • diebstahlsicherung bei deichmann: Das Theater bei C&A hat Ihnen wohl noch nicht gereicht?
  • bauplan schützenvogel: Hauptsache, Sie haben was zum Ballern.
  • frank rennicke griffe: Ja, da fiele mit sofort etwas Schmerzhaftes ein…
  • saufen in bad salzdetfurth: Auch in Niedersachsen ist die CDU immer wieder für eine Überraschung gut.
  • geschichte der deutschen banane: Bis 1989 nicht weiter erwähnenswert.
  • beste werbespots joghurt schütteln: Im Mixer verschollen. Alle.
  • gesetz geheimhaltung: Manche Gesetze sind ja inzwischen so geheim, dass die Abgeordneten gar nicht mehr wissen, was sie da verabschieden.
  • wie kann man verfärbten und kaputten haa: Mit viel Geduld und einer Heckenschere.
  • kleinprimaten zu kaufen: Versuchen Sie’s vorher noch mal mit konventioneller Familienplanung. Dann können Sie immer noch aufforsten.
  • notstromagregate 12volt: Wenn Sie noch rechtzeitig kommen, kriegen Sie für Ihre Abwrackprämie einen Zigarettenanzünder.
  • zefix band programm: Die Regensburger Domspatzen sind aber heuer gar nicht auf Tour.
  • vorlage für hausordnung: Mit dem CSU-Wahlprogramm kommen Sie schon relativ weit in die Richtung.
  • großkaliberwaffen gebraucht: Das BKA versteigert bestimmt das eine oder andere Fundstück.
  • slätthult anleitung: Kleben. Der Arzt kommt von alleine.
  • bilder von chantal häkel: Ist gerade mit Jacqueline in der Patchwork-Familie unterwegs.
  • esst mehr südfrüchte: Und vergesst mir die deutsche Banane nicht!




Nachtfahrt und böses Erwachen

22 08 2009

Wer fährt da so spät noch durchs flackernde Licht?
Man ahnt es und fürchtet, doch sieht man es nicht.
Und ist es das Dunkel, das selbst sich verbirgt,
und ist’s gar das Böse, das martert und würgt?
Mitnichten, Ihr Knaben, die Angst ist verfehlt –
es rauscht ja und brauset, es säuselt so sacht
und lullt jeden ein, der noch glaubt, was er wählt:
    im Schlafwagen zur Macht.

Es bricht nicht der Wagen. Die Achse, sie hält.
Der eiserne Heinrich zählt rastlos das Geld.
Und eh man den Namen des Kutschers noch nennt,
da kichert der Alte: die Mühle, sie brennt.
Der Tross der Verfolger, er bleibt weit hintan,
es splittert das Rad und die Deichsel, sie kracht.
So zockelt der Wagen gemütlich voran
    im Schlafwagen zur Macht.

„Ihr Kinder, Ihr Kinder, was kann ich dafür?
Was immer ich sagte, Ihr spielt nicht mit mir!
Was kümmern mich Blumen? was schert mich der Strand?
Mich plagt nur dies schwarz, rot und gülden Gewand.“
Von Fern tönt die Glocke. Der Donner ergrollt.
Die Leute erzittern, der König nur lacht
und weiter er stolpert und strauchelt und rollt
    im Schlafwagen zur Macht.

Die Hähne, sie krähen. Der Vollmondschein weicht.
Fast hat jener Wagen die Schlucht schon erreicht.
Sie nahen mit Grausen, sie sehn das Gebein,
doch klingt noch sein Sprüchlein und schläfert sie ein.
Da stehn sie am Abgrund. Sie stieren hinab.
Da unten ist alles getan und vollbracht.
So fährt auch die Freiheit lebendig ins Grab,
dieweil sich das Volk nun erhebt und erwacht.
„Wir haben’s gesehen. Es fuhr Niedertracht
    im Schlafwagen zur Macht.“