Letzte Hilfe

17 09 2009

„Also ob das jetzt wirklich so viel bringt? Ich weiß ja nicht.“ „Sie werden um eine Rosskur nicht mehr herumkommen. Wer jahrelang alles schleifen lässt, der muss sich halt nicht wundern, wenn er am Ende die Rechnung präsentiert bekommt. Dieser Schlendrian hat jetzt ein für allemal ein Ende! Wenn Sie so weitermachen, sehe ich nämlich ganz schwarz für Ihre Zukunft. Selbstkritik ist angesagt.“

„Selbstkritik?“ „Natürlich. Oder haben Sie gedacht, man würde dieses stromlinienförmige Gefasel einfach so hinnehmen und dann weiter brav Ihren Laden wählen, weil Sie noch nicht die Schlimmsten sind? Selbstkritik! Endlich mal kapieren, dass Sie mit dem Rücken an der Wand stehen und von einer Blamage in die andere gehen! Wie war das denn damals mit Schröder? Grandios verloren, und Sie haben sich für diesen Reinfall auch noch selbst gefeiert! Was für eine Farce!“ „Immerhin waren wir vier weitere Jahre…“ „… damit beschäftigt, Angela Merkel als Kühlerfigur des Kohlismus nicht beim Aussitzen zu stören. Reife Leistung, mein Freund. Und dafür dieses Tamtam?“ „Eben deshalb – die Bundeskanzlerin hat doch vier Jahre lang nichts auf die Reihe gekriegt, das sieht man doch.“ „Weil sie genauso kopflos in der Gegend herumregiert hat, wie es nur einer noch schlimmer hätte anstellen können: Sie und Ihr Sozi-Haufen. Wobei ich mir das Etikett Sozialdemokratie ja wohl langsam sparen sollte.“ „Was erwarten Sie denn von uns? Wir als Partei der Neuen Mitte…“ „Die können ja nicht auch noch sozialdemokratisch sein. Gibt’s das schon bei Ihnen? Sozialdemokraten in der SPD?“ „Wir sind im Kern Sozialdemokraten! Das reden Sie mir nicht aus!“ „Jaja, im Kern. Und die Hülle streichen Sie an, wie es gerade passt.“

„Aber Sie müssen mir doch zugeben, das mit dem Lafontaine ging doch wirklich nicht mehr. Der Mann hat doch alle Grundsätze verraten.“ „Wenn Sie unter Grundsätzen Ihre Neoliberalismus-Kopie à la Rot-Kohl meinen und das Abwracken des Sozialstaates: gut, so gesehen haben Sie Recht. Da muss man politische Gegner aus dem eigenen Lager ja rausschmeißen.“ „Richtig! Parteidisziplin…“ „… wäre es gewesen, wenn Sie seinerzeit den Clement achtkantig rausgeschmissen hätten. Oder wenn Sie Leute wie Wiefelspütz vor die Tür setzen würden. Dass der Mann verfassungsrechtlich freidreht und mit seinem Geschwafel jeden beleidigt, der denken kann, ist Ihnen wohl nicht klar?“ „Also bitte, jetzt übertreiben Sie! Wir müssen als Volkspartei…“ „Volkspartei? Dass ich nicht lache!“ „… doch gerade im Umgang mit unseren Kritikern…“ „Das nennen Sie Kritik? dies parteischädigende Verhalten nennen Sie Kritik? Der Mann sorgt dafür, dass Sie eine komplette Generation verlieren, nämlich alle unter 30. Die Rentner und das Prekariat sind Sie schon erfolgreich losgeworden, jetzt wollen Sie auch noch die Jungen verprellen – na, das nenne ich mal neue Mitte!“ „Wir müssen die unbequemen Leute in der Partei auch dulden.“ „Oh, ich verstehe. Da ist es ja sicher auch nur Zufall, dass Sie den Juso-Nachwuchs einebnen, auf Parteikurs trimmen und ihnen zum Dank dafür einen Chef vorsetzen, der nach der Pfälzer-Saumagen-Nummer mit einem echten Kunststückchen abtritt: der Partei in den Hintern treten und gleichzeitig den Schwanz einkneifen. Herrgott, das verkaufen Sie als Stil?“ „Es kommt darauf an, was hinten rauskommt.“

„Arbeiten Sie an Ihrem Politikstil, vor allem: arbeiten Sie endlich mal an Ihrem Timing! Das ist ja alles nicht mit anzusehen!“ „Am Timing? Was gibt es denn da schon wieder auszusetzen?“ „Ich sage nur: Deutschland-Plan. Alles gut und schön, man kann darüber reden, vieles ist sinnvoll, aber wann kommen Sie damit an? Im Wahlkampf! Im Wahlkampf – wo doch jeder Idiot weiß, dass die Leute einem im Wahlkampf nicht einmal glauben, wenn man ihnen sagt, die Woche hat sieben Tage! Meine Güte, so dumm muss man doch erst einmal sein – im Wahlkampf! Wären Sie zwei Jahre früher damit gekommen, als gezielter Schuss aus der zweiten Reihe, die Kanzlerin hätte sich unter dem Jubel der CDU öffentlich umgebracht!“ „Also bei allem Respekt, aber jetzt übertreiben Sie wirklich. Wir können doch nicht so einfach heiße Luft…“ „Ah nein, natürlich nicht. Deshalb erledigen Sie das ja auch im Wahlkampf.“

„Das wird mir jetzt zu bunt! Die SPD ist bereit, in der Regierung…“ „Eben! Das ist ja das Problem! Sie haben da nichts zu suchen, kapieren Sie das endlich!“ „Aber die Menschen…“ „… wollen es nicht! Nehmen Sie doch Thüringen – Althaus hat abgewirtschaftet, wird abgewählt, die CDU kapiert wie immer nicht, dass zehn Prozentpunkte Minus kein Sieg sind, stellt sich mannhaft hinter ihren Versager, und was machen Sie? Salbadern in der Gegend herum, dass Sie am Wähler vorbei den Ministerpräsidenten stellen wollen und spielen dann Steigbügelhalter für die Schwarzen!“ „Man muss ja auch mal Kompromisse…“ „Das nennen Sie Kompromiss? Sie haben ja nicht mehr alle Tassen im Schrank! Eine Sicherheit haben Sie zu bieten: wer Sie wählt, weiß vorher, dass er verraten und verkauft ist! Mehrheitsbeschaffer für eine Schmierenkomödie – sind Sie die Filiale der FDP?“ „Und was sollen wir jetzt tun?“ „Sie haben die Wahl. Verordnen Sie Ihrer Partei Sterbehilfe, damit dies Elend rasch vorbei ist, Herr Müntefering. Oder…“ „Oder?“ „… fangen Sie endlich an, sich als Sozialdemokraten zu benehmen.“ „Und damit können wir dann den nächsten Kanzler stellen?“ „Kanzler? Hören Sie mir überhaupt zu? Ich bin dazu da, dass Sie sich 2013 die Fünf-Prozent-Hürde nicht von unten ansehen!“