Gernulf Olzheimer kommentiert (XXV): Öffentliche Schwangerschaften

18 09 2009
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Früher gab es Umstandskleidung – sackartiges Gezuppel, das sich wie schlecht geliftete Wurstpelle über die Schwellung der Schwangeren zog und den Blick automatisch in eine andere Richtung lenkte. Im Äon der Nabelpiercings, Arschgeweihe und Tube-Tops lässt die Trächtige, sollte sie wenigstens zur D-Prominenz gehören, die Umwelt zwanghaft an ihrer Embryonalblähung teilhaben. Alles schiebt Bauch, als gäb’s keine Titten mehr.

Man kann die Uhr danach stellen. Kaum ist die Bekloppte im Aufmerksamkeitstief bruchgelandet, muss das Guckervolk beim Robben über Boulevard und Schmadder dreidimensionale Poppresultate aus den Augen popeln – Pardon wird nicht gegeben, nach Heidi Klum wölbt Lilly Becker die Titel, und wenn Christina Aguilera nichts zu tun hat, quetscht auch sie ihren Leibesfruchtsalat wieder in die Linse. Die Bekloppten erheben ihre Reproduktion zur Kunstform, so sie sich zur Hysterie hochtoupieren lässt und Beweihräucherung erzeugt. Schwanger ist das neue hip, könnte man meinen.

Dabei ist es nur eine abgefeimte Strategie, um die Zugehörigkeit zur Spackenelite bildtechnisch zu zementieren. Wenn man schon sonst nichts auf die Reihe kriegt, wird halt die Fruchtblase aufgepumpt – Existenzgrund gewuppt, Caroline Beil muss nicht mehr die Rübe in die Kamera halten und Silvana Koch-Mehrin langweilt sich nicht mehr mit Arbeit. Jede Blödblunze, die unter der Bettdecke heimlich Eva Hermans Mutterkuchenrezepte durchgekaut hat, fühlt sich geborgen im hormonellen Karneval und rollt ihren Austragungsort mit Verve und Dämlichkeit in den Blickwinkel der Beknackten, die sich alsbald bestätigt fühlen: ich werfe, also bin ich. Und schon ergibt sich eine tiefe Solidarität von Promiplauze und Prekariatsabdomen, denn was wäre ein schmackiger Fleischtitel ohne das perfekt konditionierte Glotzpersonal.

Lässt sich die Unterschicht vorwiegend für Kindergeld ans Mutterkreuz nageln, so nimmt die Society die Gebärgroschen der Bundesmutti eher als Nice-to-have mit. Anders als das befruchtete Proletenweibchen tut sie’s nicht primär für die Kohle, sondern als prägnantes Alibi im Kampf um soziale Chartplätze. Lässt sich der finanzpolitische Überbau ansonsten von Boni und Dividenden die Körperöffnungen zukleistern, hier schwiemelt sich die Oberschichtmammi ihre Entschuldigung hin, um auch künftig ihre Rolle als Arschloch passgenau auszuspielen. Sie hat sich fortgepflanzt und damit ihren Stellenwert in der Hackordnung unter Beweis gestellt – ist Bambino erst mal abgenabelt, soll es sich gefälligst selbst um seine Psychosen kümmern.

Denn hat die Alte wenigstens einmal ihre schadhaften Gene zu Markte getragen, so hat sie nicht nur demografisch das Vaterland vor dem Untergang gerettet – getreu im Glauben, dass nur der obere Massenanteil die BRD vor dem Fallbeil Entvölkerung bewahren könne – sondern auch noch abgrenzungstechnisch gut in Richtung Mittelschicht ausgekeilt. Dort wird, wenn überhaupt, mit Gummi gearbeitet, um sich die soziale Mobilität nicht zu versauen, und die Kinderlosigkeit ist die letzte Rettung, um nicht sofort Tuchfühlung mit dem gesellschaftlichen Untergeschoss aufzunehmen. Der Schoß, aus dem das kroch, ist höchstens furchtbar.

So haben alle etwas davon. Die Bekloppten aus der Glamoursippe suhlen sich in selbstreferenzieller Nabelschau, wohlwissend, dass man ihnen die Niederungen des Windelwechsels intellektuell ohnehin nicht zutrauen würde; die Gucker aus der Riege der geistig Vereinfachten haben ein Vorbild und gleichzeitig eine passable Ausrede, wenn das Herdenverhalten auf die Unfähigkeit trifft, Beipackzettel von Kontrazeptiva zu entziffern. Von Ovulationshämmern durchgeknallt spielen die Torfschädel die Fertilität ihrer Idole nach und wälzen widerliche Wammen unter Polyester in Pink durch den öffentlichen Raum, das Ultraschallbild stets im Anschlag, um die Freuden von Mutterglück und unbekümmertem Exhibitionismus letzthinnig auszukosten. Vermutlich werden sie dabei von populistischen Politpredigern angeheizt, die stramm deutsche Säuglinge fordern, damit dermaleinst, wenn sich die Erwerbsarbeit längst aus dem real existierenden Leben verkrümelt haben wird, die Stütze prozentual nicht zu oft an gebärfreudige Fremdvölker abgelascht wird. So wird der nationale Uterus zum Nistkasten für allerlei braune Evas, auch wenn bei näherem Nachdenken die eine oder andere auf den Trichter kommen könnte, dass nach ordnungsgemäßer Anwendung der Pille neue geburtenschwache Jahrgänge die völkische Balance retten: schrumpft die Zahl der Bescheuerten, haben alle wieder Vollzeitjobs als Schiffschaukelbremser.

Allein die Spirale dreht sich weiter, und es bleibt nur zu ahnen, welche Nachgeburten die kollektive Profilneurose der Mutantenmafia noch raushaut. Bald droht die Schalte in den Kreißsaal, um der Fernsehnation live zu zeigen, wie sich eine Schmuckdesignerin das Balg rausmöllert. Möglich, dass die eine oder andere Gebärmutti schon am Presswehen-Timing probt, damit die Babybrei-Commercials nicht in die Tonne gehen. Obwohl Kondomwerbung hier deutlich sinnvoller wäre.


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