Gernulf Olzheimer kommentiert (XXVII): Politiker

2 10 2009
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Das Leben ist nun mal ungerecht – nicht nur Aussehen und Körpergeruch erkaufen den sozialen Status des Bekloppten, auch sein Beruf ist ein treffsicherer Indikator dafür, ob, und wenn ja, wie sich jemand vom intellektuellen Niveau einer Schotterpiste unterscheidet. Vor allem kommt es zum Tragen, wenn die Beschäftigung selbst gewählt ist. Wer nach einer Adoleszenz voller Pressgekröse die Familienmetzgerei übernimmt, darf sich der Anerkennung ganzer Landstriche sicher sein. Kaum ein Vater aber haut dem Sprössling auf die Schulter und vermacht ihm den Sitz im Parlament zu treuen Händen. Der Beknackte, der sich in diese Scheiße reitet, gibt dem Gaul eigenhändig die Sporen.

Was diesen Entscheidungsprozess auslöst, ist bisher nicht wissenschaftlich erforscht. Manche sagen, es reicht, einem geistig minderbemittelten Profilneurotiker eine Axt in den Hohlschädel zu kloppen. Manche denken, man müsse nur viermal hintereinander bei der Aufnahmeprüfung zum Leichenwäscher durchfallen. Allerdings darf die Torfnase mit Wählerauftrag ihre Hüpfversuche über das geistige Mindesthaltbarkeitsdatum öffentlich vollführen, dass sich die durchschnittliche Made Finger wünscht, um sie in den Hals zu pfropfen. Der Behämmerte verbringt die trübselige Existenz damit, Minderheiten zum Abschuss freizugeben. Als Legitimation muss er täglich beweisen, dass er den Intelligenzquotienten eines Fischstäbchens unterschreitet. Und wenn er alles brav mitmacht, wird er irgendwann Ministerpräsident und darf der Kanzlerin ans Bein urinieren.

Heidegger umriss das Bild des handelsüblichen Schwiemelfritzen in seiner Geworfenheit; der Hominide war ihm nicht Widerbild einer Idee, er wird als Materialsammlung aus Synapsenkarneval und schlechtem Geschmack in die vorher noch einigermaßen balancierte Fauna gekotzt und hat bis zum sozial verträglichen Frühableben gefälligst die Füße still zu halten. Scharenweise beugen sich Schreiner, Kraftfahrer und Cellisten der Maxime, nur der Politiker muss aus der Reihe tanzen; auch ihm gilt die Tabula-rasa-Formel, dass der Mensch an sich mit Luft unter der Fontanelle den Planeten betritt, doch der Politiker erhebt es frühzeitig zum Lebensinhalt, das Zwischenohrvakuum einer sorgfältigen Hohlraumversiegelung zu unterziehen, um sich nicht in die Niederungen der Lernfähigkeit stürzen zu müssen. Dabei zögert er nicht, seine Ignoranz auch noch als Produktvorteil zu verkaufen; Unbestechlichkeit bedeutet ihm, nichts anzunehmen, vor allem keine Vernunft. So schnitzt sich der bürgernahe Schwatzbruder Feindbilder aus allem, was die Verfassung als negative Einkaufsliste des Ganglienprekariats hergibt.

Mit Hilfe dieser Serienausstattung markiert der Politiker sinnvolles Handeln – die Entdeckung von Haushaltslöchern, die er eine Legislaturperiode zuvor eigenhändig aufgerissen hat, oder epochale Umwälzungen wie das Dosenpfand – und lässt nur im periodisch wiederkehrenden Streichelzoo der Dämlichkeiten, vulgo: Wahlkampf, vage erkennen, dass er für seine geistigen Tiefflüge kaum noch haftbar gemacht werden kann. Mitleid mit ihnen wäre allerdings verfehlt. Sie haben sich die Suppe eingebrockt, ergo löffeln sie die Pampe auch aus. Sie greifen für das Absondern hirnrissig formulierter Binsenweisheiten, für die Leitung pseudowissenschaftlicher Institute, die lediglich zur Zementierung von Vorurteilen dienen, und für ihre verbalen Ausfallerscheinungen in Fernsehtalkshows ohnehin ordentlich Kohle ab, weil sie zwingend Wohneigentum brauchen; kein Normalbürger würde evolutionäre Ausschussware dieser Art unter seinem Dach beherbergen. Sie müssen Luxusklasse fliegen, weil der Wähler bei ihrem Anblick die Sozialpickel noch auf dem Bahnsteig unter den einfahrenden Zug prügeln würde. Sie müssen ihre Polyesteranzüge in Mehrzweckhallen beim jährlich grassierenden Parteitag auslüften, weil sie mit Klaustrophobie geschlagen sind; das Betreten einer Fahrstuhlkabine erinnert sie an die traumatischen Erlebnisse während des beruflichen Aufstiegs.

Immerhin muss man den poppig-postmodernen Politproleten einigen Respekt zollen; wer nach einem Studium der Rechtswissenschaft – das, was der Durchschnittsbeschränkte auch nach Verlust der Muttersprache noch locker wuppt – den freien Fall in die gesellschaftliche Gletscherspalte zum Inbegriff des Präferenzutilitarismus wählt, indem er eine pixelgenaue Kopie des reaktionär-sexistischen Castingshow-Aspiranten abliefert, der sich für ein paar Werbe-SMS die Klöten dick jodelt, um als Depp des Jahres die Hitparade anzuführen. Populismus ist nie verkehrt, sie reißen alles auf, und sei es nur der Lautstärkeregler.

Über kurz oder lang wird sich diese Spezies erledigt haben. Allerdings ist dies das Wunschbild einer Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung, denn jedes Stimmvieh bekommt die Politiker, die es proportional zum eigenen Temporallappen gerade noch ohne therapeutische Hilfe verträgt. Die Saurier hat’s mangels Hirn gerissen, doch die Kloakentiere kriechen noch immer über den Erdball. Und wer weiß, wozu sie noch gut sind.


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