Ringelpiez

6 10 2009

„Und wenn sie jetzt wirklich das Finanz- und das Wirtschaftsministerium zusammenlegen würden?“ „Gar nicht mal so verkehrt. Da könnte man doch gleich sehen, wie viel reinkommt und was man davon wieder ausgeben kann. Stellen Sie sich das doch einmal vor – eine Regierung mit Controlling!“ „Ja, stimmt. Das geht natürlich überhaupt nicht. Tut mir Leid, hatte ich nicht bedacht.“

„Ach, jetzt seien Sie mal nicht so mutlos! In Krisenzeiten muss man eben auch mal neue Sachen ausprobieren. Da hat die Kanzlerin schon genug Kraft, um äääh… also auf jeden Fall ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass sich irgendetwas ändert.“ „Und wenn man vielleicht das Arbeitsministerium mit dem Finanzressort zusammenlegt?“ „Wieso das, wäre nicht eher Wirtschaft plus Arbeit sinnvoll?“ „Seit wann kümmert sich die Wirtschaft um Arbeitsplätze?“ „Auch wieder wahr.“ „Und da das Ministerium Arbeit und Soziales verwaltet, hätte man für die nächste Hartz-IV-Schraube auch gleich den Kostenrahmen für die Steuergeschenke.“ „Klingt logisch. Zumal ich mir nicht vorstellen kann, dass die Wirtschaft jetzt plötzlich soziale Interessen entwickeln könnte.“ „Eben.“

„Aber Wirtschaft mit dem Innenministerium, das müsste doch passen.“ „Was haben die denn miteinander zu tun?“ „Na, denken Sie mal weiter. Wenn wir weiter so viele Polizisten einsparen und durch die Sicherheitsgesetze den Standort Deutschland immer weniger attraktiv machen, dann kann das Wirtschaftsministerium…“ „Moment, Sie haben da den Außenminister vergessen.“ „Na, das wird ja sowieso ein Posten. Außen und Innen kann man leicht zusammenlegen, das fällt gar nicht auf. Wäre ja auch besser so.“ „Wozu denn?“ „Dann müssten wir nicht dies Verfassungsgehampel wegen der Bundeswehreinsätze im Inneren machen, und dann kann das Außenministerium, also ich meine das Innenministerium…“ „Oder Verteidigung gleich mit zu Innen, wegen der inneren Sicherheit.“ „Und zu Außen, weil wir ja jetzt im Kriegszustand sind.“ „Und dann macht Außen gleich Innen ja auch wieder Sinn.“ „Genialer Plan!“

„Jetzt müsste man aber auch noch den Minister für Ernährung und das andere Zeugs irgendwie unterbringen.“ „Also bei Landwirtschaft und Verbraucherschutz oder so?“ „Das ist ja sowieso schon eins.“ „Wenn man Verbraucherschutz und Landwirtschaft sowieso schon als erweiterten Umweltschutz oder Naturschutz oder sonst was definiert, könnte man die gleich zusammenlegen.“ „Und damit sind sie wieder bei Innen, wegen der Reaktorsicherheit.“ „Weswegen?“ „Die wird jetzt ja von der Bundeswehr im Inneren verteidigt, also ist das Verbraucherschutz gekoppelt mit Sicherheit.“ „Und da Finanz jetzt auch Wirtschaft ist, können wir gleich sehen, ob wir uns den Atomausstieg noch leisten können.“ „Und die Atomindustrie weiß genau, was sie vom Verteidigungs-, also ich meine natürlich: Innenministerium bekommt.“ „Und die Arbeitsplätze?“ „Die sind untere Etage. Wirtschaft und Finanzen und Sozial-Arbeit“ „Bitte?“ „Also die obere Etage ist Wirtschaftsfinanz, die macht die Steuererleichterungen, und unten ist Sozialarbeit für Hartz IV, Bildung und Forschung und Gesundheit und meinetwegen auch der ganze Familienmist.“

„Wobei das Familienministerium ja auch einen Ableger bei Innen braucht. Zensur und so.“ „Ich dachte, wir könnten dabei gleich die Justiz neu aufteilen. Die Hälfte ist EU-Kram, das macht Außen jetzt mit…“ „Also Verteidigung?“ „Nee, das ist ja Innen hier, die machen die Sicherheitsgesetze gegen Atomkraft und für die Arbeitnehmer… ach Quatsch! Umgekehrt natürlich!“ „Hehe, Sie kleiner Schelm!“ „Also jetzt für die Atomkraft in der Wirtschaftstechnologie und gegen die Bevölkerung bei Sozialarbeitsjustiz. Richtig?“ „Jetzt stimmt’s.“

„Verkehr und Bau haben wir da natürlich noch vergessen.“ „Sind das nicht eigentlich klassische Arbeitsthemen?“ „Dann macht die Sozial.“ „Klar. Und Stadtentwicklung macht Innen.“ „Wieso Innen?“ „Man muss doch die Stadtentwicklung an die Sicherheitsgesetze anpassen, schon wegen der Bundeswehreinsätze von Sozial-Justiz.“ „Und wenn Familie und Jugend da reinreden will?“ „Dann kommt das Zeug zu Finanznaturschutz und wir haben kein Geld mehr für Bildung und Forschung.“

„Jetzt kommt aber noch der größte Brocken.“ „Nämlich?“ „Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatten wir überhaupt noch nicht bedacht.“ „Müssen wir das denn überhaupt haben?“ „Das ist ja nicht das Problem. Es ist nur nicht klar, was die da eigentlich machen und wofür es gut sein soll.“ „Also um den Marshallplan geht es ja nicht mehr, und wirtschaftliche Entwicklung, hm – die EU-Sachen zu Innen?“ „Oder Justiz.“ „Also Soziales.“ „Und die bilateralen Maßnahmen, Menschenrechte und so?“ „Macht Außen.“ „Mit Verteidigung?“ „Dann wär’s ja wieder Innen.“ „Also doch Außen.“ „Und damit Naturschutz.“ „Sehen Sie, geht doch!“

„Besondere Aufgaben haben wir keine?“ „Ist doch sowieso Kanzleramt. Da müssen wir nicht groß einen Krisenminister mit Pensionsanspruch ins Amt heben.“ „Kanzleramt macht jetzt auch Innen?“ „Ja, von wegen Verteidigung.“ „Der Sicherheit?“ „Der Kanzlerin.“ „Muss die Sicherheit der Kanzlerin denn…“ „Nein, aber sie selbst.“ „Hm. Ja, dann geht das natürlich.“ „Na, dann rufe ich gleich mal durch. Hallo, Kanzleramt? Verbinden Sie mich bitte. Guten Abend, Frau Merkel, Kleinschmidt hier. Alles in Sack und Tüten, Frau Merkel. Sie machen einfach den Westerwelle zum Vize, und Koalitionsverhandlungen finden nicht statt.“


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4 responses

6 10 2009
Svenja-and-the-City

< Wenn wir weiter so viele Polizisten einsparen …

Oh, das hast du schön gesagt. Wir wissen vor Arbeit kaum noch, wo uns der Kopf steht, aber anstatt neue Stellen zu schaffen, sollen allein in Schleswig-Holstein noch einmal 120 Stellen eingespart werden. Ich kann das partout nicht verstehen.

Ein sehr interessanter Blog. Danke für die neue Stammlektüre 🙂

6 10 2009
bee

So langsam treffen sich alle Nordlichter hier in der kleinen literarischen Cafeteria 😀

Es scheint mir tatsächlich ein Trend zu sein, die Polizeiarbeit zu industrialisieren; aber Überwachungsmechanismen helfen uns nicht weiter und schaffen keine Sicherheit, sie leisten keine Ermittlungsarbeit und verhindern keine Straftaten. Wenn dann noch in städtischen Ballungsräumen die Personaldecke immer weiter ausgedünnt wird, frage ich mich, woher eigentlich das Vertrauen der Bürger in eine funktionierende Polizei herkommen soll. Da hilft auch kein Lamentieren, solange sich jemand wie Roland Koch regelmäßig für seine Einsparungen bei den Personalkosten feiern lässt.

Das Geld, das für Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und Internetsperren verbraten wird, gehört in den Polizeiapparat gesteckt, um überhaupt erst mal eine vernünftige Arbeit zu ermöglichen (allein der Polizeifunk in Deutschland ist ja vorsintflutlich), und wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Polizisten, gut ausgebildet, besser bezahlt, mehr respektiert. Denn Sicherheit ist subjektiv.

6 10 2009
lamiacucina

wozu denn die vielen Ministerien, Minister und Ministerialräte ? Eine Kanzlerin und besorgte Landesmutter sollte doch ausreichen, die Bedürfnisse eines Volkes zu übersehen und es allen recht zu machen.

6 10 2009
bee

Das Problem ist, dass sie genau das seit vier Jahren versucht. Allerdings eher im Ausland; hier bekommt man von der Kanzlerinnenschaft der Dame ja immer nur durch Zeitungsausschnitte etwas mit…

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