Gernulf Olzheimer kommentiert (XXXIX): Frauenzeitschriften

8 01 2010
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wenn auch manches im 20. Jahrhundert für die Tonne war, eine Sache hat an Fahrt gewonnen: die Frauenbewegung. Vorbei die Zeiten, in denen das Weib nur Windeln wrang und dem Gatten hinterher putzte. Die postmoderne Frau verwirklicht die egalitären Ideen der Revolution, sie fordert Bildung ein, Teilhabe an der Gesellschaft, freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, und lässt sich dabei höchstens durch die Inkarnationen der Beknacktheit an sich schrecken, so diese im Gewand des natürlichen Feindes auftreten, etwa als Katholizismus, Mario Barth oder Frauenzeitschriften.

Doch lassen sich die Chromosomenkrüppel ignorieren respektive auf dem Marmor flachlegen, die periodisch am Kiosk lauernden Illustrierten sind gefährlich, denn sie verfolgen hartnäckig ihr Ziel, ihr unschuldiges Publikum auf intellektuelle Nulllösungen umzustellen. Frauenzeitschriften sind der von Druckfehlern und verschwiemeltem Layout aufgelockerte Versuch des Beelzebub, die Spuren des Feminismus auszulöschen. Wo immer Girlie-Gazetten in Wartezimmern, Frisiersalons und Scheidungsanwaltskanzleien Hausstaub bündeln, sie sind nur ein weiterer Teil der breit angelegten Strategie, mit leckeren Nudeldiäten, Psychotests und Klamottenwerbung Frauen rückzuwandeln in eine Herde Hohlrabi, die ihre Bestimmung darin sieht, sich zur Fleischbeschau die Figur auf aerodynamisches Nichts zu hungern und die Fresse bunt anzutuschen. Lebenshilfe verspricht der zu Heftchen gequollene Schmodder, allein die Primatenpostille führt in die Verblödung durch Abhängigkeit von einem demolierten Verstand.

Egal, ob Trulla, Angina oder Frigitte das Regiment übernommen haben, die fortan beste Freundin der Beknackten seiert dem Opfer in sämtliche relevanten Alltagsfragen rein. Sollte der Kindsvater das dünn angerührte Partnerschaftsgewäsch überleben, so darf er eine Doppelseite später die stetig frisch aufgejuckten Konsumwünsche seiner Bettwurst befriedigen: neue Nietenhosen, neues Designermobiliar, Kinderlätzchen, Kinkerlitzchen. Zum Schluss ätzt die gehässige Inquisition unter der Headline Ist er wirklich der richtige Mann? in Kotzpfröpfchens Ganglien, dass die Story mit dem Prinzen auf dem weißen Ross doch stimmt, wenn man nur fest genug daran glaubt. Hat sich Mandy Mustermann erst einmal damit abgefunden, dass der Look des Jahres und das Liebeshoroskop in der akuten Raumkrümmung wichtiger sind als die Frage, ob nachwachsende Rohstoffe den Welthunger eindämmen, dann wird auch alles gut. Sobald der Schmerz nachlässt.

Überhaupt gibt der Krempel neben der Dressur auf Rauschkauf vor allem den Äußerlichkeiten Vorrang; die Zeitschriftenfrau sei edel, bildreich, und gut so. Längst hat sich die Bürgerin, deren Synapsen mit Bauchatmung und Schluckreflex noch nicht ausgelastet sind, mit Würgen abgewandt, weil sie das übrige Volk der Behämmerten sieht. Scharen durchschnittlicher Frauen lassen sich Woche für Woche freiwillig zu Vorher-Models degradieren, um den Papiervernichtungskonzernen die Kohle in den Enddarm zu pfropfen. Als hätte es je eines krachenderen Beweises bedurft, dass der Großteil des Damenflors dem Hochbeinhamster an der Fangleine vom Intelligenzfüllstand her weit unterlegen ist.

Doch Rettung scheint zu nahen, die ersten Print-Produzenten hausieren mit der Schreckensbotschaft, ein Großteil der Dämchen, die die Haut unter wirr zusammengenagelten Stoffschrecken zu Markte trägt, sei nicht aus dem Modelcontainer gekramt, sondern aus dem Heer der Bekloppten gefischt. Warum auch nicht. Das alles ist weder neu noch originell, gibt aber dem bescheuerten Medienopfer das angenehme Gefühl, genauso doof zu sein wie die Geschlechtsgenossinnen, die in Größe 32 absaufen, während die Redaktösen im Ressort Schönheit und Gesundheit Dermatitis-Tünche für Anorektikerinnen preisen. Zudem ist es wesentlich preiswerter, Nebenerwerbskräfte aus dem Business des organisierten Erbrechens mit einem BMI unter 16 zu ordern, und warum sollte man gerade bei der Rendite anfangen, moralisch zu werden. Da hilft nur Ausweichen ins Billighuber-Sortiment, mit dem die durchschnittliche Prekariatsschlampe sich trotz mangelhafter Konsumteilnahme wenigstens über die ästhetischen Verfehlungen der oberen Etagen informiert zeigen darf. Der Content – hier wie da der Nerven zerfetzende Versuch, Wortbeiträge über ein Dutzend Nudelsalatvariationen als ernst gemeint und lesbar durchzuschmuggeln, bis die Ische das Geld auf den Tresen gelegt hat – kommt so oder so aus dem großen Eimer und ist weniger wert als die Hochglanzanzeigen, die nicht mehr so gut darüber hinwegtäuschen können, dass sich Totholzmedien glücklicherweise im freien Fall befinden und den rapider Bodenkontakt anstreben – immerhin hat der Papst es bemerkt. Die Reaktion dürfte interessant sein, denn ohne Hirnprothese muss frau wieder selbst denken. Fragt sich, was sie dazu liest. Sicher Migräne aktuell. Mindestens.


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6 responses

8 01 2010
Morla

Also alles wie gehabt. Die „Journale“ haben sich in den vergangenen 30 Jahren, wenn nicht noch länger, überhaupt nicht verändert. Da lobe ich mir hier unsere „östliche“ Abgeschiedenheit, denn „Dank“ der Überalterunglohnt es sich für die Verlage kaum noch hier ihre Printsachen auszubreiten – die „älteren“ Damen koofen das nun mal nich.

Dank für die „neuen“ Geschichten. Freue mich auf viele in 2010!

8 01 2010
bee

Es gab tatsächlich bessere Zeitschriften – aber das war in einer Zeit, als man den Leser noch nicht wie einen Deppen behandelte. Interessant, dass gerade manche Titel aus der Ex-DDR heute als vorbildhaft gelten, gerade die nicht angepassten. Das, was es heute zu lesen gibt, ist ja nur mehr aus Sekundärrohstoffen zusammengebastelt.

8 01 2010
Donkys Freund

Also Frauen sehen in den Magazinen viel selbstbewusster aus. Schon von der Frisur her. Und die Nudelgerichte sind für sich selbst und nicht für den Gatten gedacht (ein Glück) In den Küchentipps wird auf den Hochglanz-Bildern nicht mehr ein Kartoffelsüppchen gekocht, sondern in Abendgarderobe nach dem Theater noch ein Sekt geschlürft. Also, wenn das nicht Emanzipation ist, weiß ich auch nicht.

8 01 2010
bee

Inzwischen hat der Anteil an Strickmustern abgenommen (die sind seit den 80er-Ökos eher in die Alternativenszene abgedriftet und haben den Special-Interest-Markt erobert), aber der Dreiklang Kinder – Küche – Konsum ist gleich geblieben. Als gesellschaftliches oder gar politisches Wesen findet die Frau in der Zeitschrift nicht statt.

9 01 2010
Mathies

Da kommt man gar nicht mehr aus dem Tränenwegwischen heraus. Allein „Frigitte“ … Und überhaupt sind viele der Redewendungen nicht selten geistreich und treffend (und äh, ziemlich abwertend, aber egal). Ein ausgezeichneter Start ins neue Jahr für den Herrn Olzheimer!
Aber mal am Rande: Ist der Herr Olzheimer Berufscholeriker oder wird er eines Tages ein tödliches Bluthochdruckproblem bekommen?

9 01 2010
bee

Herr Olzheimer ist hauptberuflich Kulturkritiker. Manche würden ihn einen überzeugten Misanthropen nennen, andere einen chronischen Nörgler. Ich denke, man darf ihn als etwas empfindlich bezeichnen 😉

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