Wie wir lernten, die Bombe zu lieben

11 01 2010

„Also bitte, meine Herren! Jetzt strengen Sie sich doch mal an! So kommen wir doch wirklich nicht voran!“ „Wenn man das jetzt von der politischen Seite aus betrachtet, da würde…“ „Ach Quatsch, was soll denn Politik – wir brauchen Ergebnisse! Fliegen muss wieder sicher werden! Wir können uns doch nicht mit Theoriegefasel aufhalten!“ „Herr Direktor, das ist aber…“ „Leißner, fangen Sie mir nicht wieder mit dem Unsinn an! Wir haben jetzt keine Zeit mehr zu verlieren. Vielleicht explodiert schon morgen die nächste Bombe, und dann stehen wir da. So geht das nicht!“

„Man könnte ja zunächst mal das Personal in den Flughäfen…“ „Hören Sie mir überhaupt zu? Was habe ich Ihnen gepredigt?“ „Aber Obama hat doch selbst gesagt, dass die amerikanischen…“ „Was Obama sagt, ist für uns nicht maßgeblich! Wir sind hier in Europa!“ „Aber wenn es für Europa nicht maßgeblich ist, was Obama sagt, warum müssen wir dann die Sicherheitskontrollen für die Interkontinentalflüge verstärken? Und warum überhaupt nur für die Interkontinentalflüge?“ „Weil es sich hier um ein Sicherheitsproblem der Vereinigten Staaten handelt.“ „Aber was haben wir denn damit zu tun? Gibt es in Europa nicht auch Terrorismus?“ „Das ist hier nebensächlich. Europa ist ein Kollateralschaden.“ „Aber warum müssen denn nur die europäischen Flughäfen die…“ „Leißner, Ihre Meinung interessiert hier nicht!“

„Wir könnten natürlich zu einer Radikallösung greifen, die Gepäckstücke generell durchsuchen und…“ „Schünemann, das ist nicht praktikabel. Wie soll das personell zu bewältigen sein?“ „Wir könnten das Gepäck auch vorab aufgeben lassen und dann mit einer Frachtmaschine schicken, die…“ „Nein, ein Frachtschiff! Dann haben wir auch sechs Wochen Zeit, um die Passagiere vor dem Flug erkennungsdienstlich zu behandeln.“ „Herr Direktor, Herr Direktor! Wir sammeln das Gepäck und bringen es in einen unterirdischen Atombunker und sprengen alles in die Luft!“ „Ja, Terwilliger, das ist der erste vernünftige Gedanke, den ich höre. Holen Sie Erkundigungen ein, wie wir das kostenneutral gestalten können, dann will ich mir das gerne durch den Kopf gehen lassen.“

„Man könnte doch diese 60-Minuten-Regel irgendwie ausweiten.“ „Welche 60-Minuten-Regel denn?“ „Sie wissen doch, dass die Passagiere 60 Minuten vor der Landung gefesselt oder eingesperrt oder…“ „Dann könnte man sie doch auch während des ganzen Fluges fesseln.“ „Oder sie werden alle in kleine Käfige gesperrt.“ „Wieso das denn, Leißner?“ „Falls sie auf die Toilette müssen, Herr Direktor.“ „Wieso muss man sie dann in Käfige sperren?“ „Damit sie auf dem Klo keine Sprengsätze zünden.“ „Und weshalb muss man sie dann in Käfige sperren?“ „Keine Ahnung. Aber ich finde, es hört sich irgendwie gut an.“ „Hm, ja. Da ist etwas dran. Guter Gedanke, Leißner.“

„Aber Herr Direktor, Sie sollten bedenken, dass das kein Weg ist, Attentate zu verhindern.“ „Wieso nicht, Schünemann?“ „Weil es Dutzende von Möglichkeiten gibt, mit Sprengstoffen…“ „Schünemann, wenn ich von Ihnen noch einmal dieses defätistische Gefasel höre, dann werde ich Sie, und zwar höchstpersönlich! darauf können Sie sich verlassen! Haben wir uns da verstanden?“ „… ein Flugzeug zu betreten, ohne dass es bei Kontrollen auffiele.“

„Lächerlich!“ „Herr Direktor, das ist…“ „Ich weigere mich, diese Ammenmärchen zu glauben! Nehmen Sie das weg!“ „Herr Direktor, es ist wirklich…“ „Dann erklären Sie mir mal, warum diese israelischen Sicherheitsbehörden die Methode noch nicht erwähnt haben? Na? Jetzt fehlen Ihnen die Argumente, was? Jetzt bricht Ihr Lügengebäude zusammen, wie? Jetzt habe ich Sie ertappt! Sie wollen mir weismachen, dass die israelischen Sicherheitsbehörden noch nie Sprengstoff in ihren Nacktscannern gefunden haben? Wollen Sie mich verarschen?“ „Herr Direktor, Israel benutzt keine Terahertzscanner.“ „Da ist ein Tippfehler in Ihrer Zusammenfassung, Leißner. Was bilden Sie sich eigentlich ein?“

„Das ist doch alles Kokolores. Schauen Sie mal, Herr Direktor, wenn einer Sprengstoff und Zünder herunterschluckt, dann…“ „Das ist doch technisch gar nicht möglich, Weber. Was erzählen Sie denn da für Schauergeschichten!“ „Herr Direktor, das geht. Das geht sehr gut sogar. Das ist alles kein Problem. Da schluckt einer Sprengstoff und Zünder, oder er lässt sich den Chip einpflanzen, absolut ungiftig, und dann wird er ferngezündet, und bums! geht das Flugzeug koppheister.“ „Weber, Sie faseln ja. Das macht doch kein normaler Mensch. Das wäre doch glatter Selbstmord.“ „Herr Direktor, Sie sollten…“ „Schluss! Ich will nichts mehr hören!“ „Aber es sind doch Selbstmordattentäter, was haben die denn zu…“ „Schnauze jetzt! Verdammt noch mal!“

„Herr Direktor, ich hätte da eine Idee.“ „Gut, dann legen Sie mal los, Terwilliger.“ „Wir teilen die Reisenden in drei Gruppen auf, und dann kriegt jedes Gepäckstück je nach Zufall einen roten oder einen grünen Punkt. Die muss man natürlich bezahlen. Und dann werden alle roten Gepäckstücke aussortiert und durchsucht, und dann kriegen die Passagiere ein Kärtchen, das müssen sie dann abstempeln, und dann müssen sie das abgestempelte Kärtchen im Flugzeug immer bereit halten, und wenn nicht alle das Kärtchen haben, kehrt das Flugzeug um.“ „Und was bringt das?“ „Nichts, aber…“ „Großartig! Hervorragend! Meine Herren, nehmen Sie sich daran ein Beispiel! So einfach kann effiziente Terrorbekämpfung sein!“