Der Welten Lohn

17 01 2010

für Erasmus Desiderius von Rotterdam

Ein guter Mensch zu sein, voll Tugendeifer
gibt man den Armen Obdach, Kleid und Speise,
auf dass man wohlgeachtet sei im Kreise
der Bürger; so gilt man für sie als Reifer.

Doch immer bleibt der Eine, dessen Kneifer
die Fehler sucht und auch ohne Beweise
den Tadel spricht, so hinterrücks und leise,
als sei man selbst ein Bettler oder Pfeifer.

Nun allen zu gefallen ist unmöglich,
schon der Versuch ist tumb und endet kläglich.
Mit seiner Güte bleibt der Mensch allein.

Ist’s nicht der Eselstritt derer, die neiden,
so freut’s den Bösen, Mängel anzukreiden.
Der Welten Lohn wird immer Undank sein.