Reise, Reise

15 03 2010

„Aber sicher, Sie können auch gerne Einzelzimmer bekommen – Meerblick, wenn’s beliebt? Ja, das ist im Programm mit drin. Wir wissen, was wir den deutschen Staatsbürgern schuldig sind, die sich um das Gemeinwohl verdient machen. Und natürlich gehen wir immer mit dem Trend.

Es soll doch schon ein bisschen exklusiver sein. Man möchte im Urlaub nicht immer mit denselben Leuten zu tun haben, die man hier zu Hause erträgt, nicht wahr? Deshalb müssen wir den Kundenkreis auch etwas überschaubar halten, Sie verstehen? Eben. Rechtsanwalt, Unternehmensberater, mehrere Vorstrafen, wissen Sie, das sagt ja gar nichts. Die Hauptsache ist doch, dass man zur Leistungselite… nein, also: dass man es sich leisten kann, zur Elite zu… also: sich leisten kann, zur Elite gehören zu wollen.

Nein, nicht mit dem Guidomobil. Wie wollen Sie denn damit bis nach Panama kommen? Der Chef fand es nur so hübsch, dass wir Mit Guido mobil als Slogan für unsere Kataloge verwenden. Ist ja nicht mein Geschmack, aber er will das so.

Sie können auch mit einer kleinen Summe schon aktiv die Demokratie fördern! Natürlich ist das ein wenig komfortabler, wenn Sie gleich mit einem größeren Beweis Ihrer Verbundenheit mit der hart arbeitenden Oberschicht einsteigen, Sie können ja mit einer vierstelligen Summe auch überhaupt nicht so richtig zeigen, dass Sie zu uns gehören. Sehen Sie? Wenn man hier ein bisschen – eben, das versteht sich. Sie können ja schwerlich mit Ihrer Yacht anreisen. Und so ein Sportwagen-Schlüssel, den hat ja heutzutage jeder Jura-Student.

Eigentlich nur Flugbereitschaft. Doch, das ist schon sehr gut. Der Service könnte vielleicht hier und da ein bisschen freundlicher sein, aber wir können über die Effizienz nicht klagen. Die Maschinen sind ja auch sicher und bequem, wir haben schließlich keine Finanzierungsprobleme. Beim Catering müssten Sie eventuell Abstriche machen – wissen Sie, dreizehn Zwischenlandungen zwischen Tegel und Madrid, weil Ihrer Frau Gemahlin sieben Sorten rosa Champagner nicht genug Auswahl sind, das… Hören Sie, das ist ein Flugzeug und kein Kreuzfahrtdampfer, und… das Bord-Entertainment werden wir sicher auch noch verbessern, ganz bestimmt, aber vor allem sollten Sie bedenken: Bundesluftwaffe! Wenn Sie das bei Ihren Kollegen sagen, so ganz lässig: ‚Wir fliegen ja Luftwaffe‘, meine Güte, die platzen doch vor Neid! Ja, nicht wahr? Das nenne ich exklusiv, dagegen ist doch selbst ein Privatjet Holzklasse!

Das wird flexibel gehandhabt. Normalerweise ist Haiti das Ressort von Herrn Niebel, aber wenn Sie den kleinen Umweg nicht scheuen, ist die Dominikanische Republik im Programm drin. Alles sehr gepflegt, schönes Hotel, fünf Sterne, Sie werden als Staatsgäste – also quasi als Staatsgäste, Sie wären natürlich offiziell Teil der Delegation. Ach, haben Sie nicht? Na, ist auch kein Problem. Sie müssten da einfach ein paar Mille in die Beteiligungsgesellschaft von dem Bekannten des Bruders des Herrn Außenminister einzahlen, dann werden Sie zum designierten Verwaltungsratschef ernannt und können sich das Kulturprogramm zu Gemüte führen. Sport? Ja, ich glaube, wir haben da jemanden, der sich damit auskennt. Ich müsste mal nachfragen. Wie wär’s denn in Dom-Rep mit Westerwellenreiten, haha! Kleiner Scherz. Ja.

Politik? Nein, durchaus nicht. Wir wollen uns doch die Urlaubsstimmung nicht zerstören lassen von diesem schmutzigen Geschäft.

Darauf müssen Sie gar nicht achten. Das sind natürlich wieder diese typischen Rachebewertungen interessierter Kreise, Sie verstehen? Wir gehen in Übereinstimmung mit den Regeln vor, und die Entscheidungen über die Auswahl von Hotels werden entsprechend vorgenommen. Wenn da möglicherweise eine Dusche mal schimmelt oder wenn es Ungeziefer im Wandschrank gibt, dann ist das eine infame Unterstellung moskaugesteuerter Kreise, die täglich in den linksfaschistoiden Medien der ARD ankündigen, wie sie alle deutschen Investmentbanker enteignen wollen. Glauben Sie diesen stalinistischen Propagandalügen nicht.

Familienhotels? Sehr gerne! Das ist gar kein Problem. Mit Familienangelegenheiten kennen wir uns prima aus. Die Mehrwertsteuer haben wir da schon abgezogen, Sie können also die Reisekosten, die Sie nicht ausgegeben haben, hinterher ganz einfach nochmals mit der Einkommenssteuer hinterziehen. Sehr komfortabel, nicht wahr?

Das äääh… ja. Wir können natürlich nichts für das lokale Angebot, denn wir verstehen uns ja bloß als Gewerbeförderung. Was das Gewerbe da macht, entzieht sich damit unserer Kontrolle. Langjährige Bekanntschaft ja, aber dass wir auch gleich Beteiligungen daran hielten, das ist nun doch nicht so. Zumindest nicht überall. Doch, alles ganz diskret. Ihre Frau Gemahlin würde das nie merken. Das geht alles ganz taktvoll über die Bühne, wir sind als Escort-Service für Industrie und Handel eine international anerkannte Größe. Bonuspunkte? Können Sie dann über unser Modell Miles & Mronz bekommen. Völlig umsonst.

Darf ich dann reservieren, zwei Einzelzimmer mit Meerblick? Da erleben Sie echt Westerwellness, haha! Kleiner Scherz. Reiserücktrittsversicherung geht extra. Doch, die ist nötig. Stellen Sie sich das mal vor: Sie im Hotel, und der Herr Außenminister muss zurücktreten – ganz plötzlich.“


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4 responses

15 03 2010
lamiacucina

Sarkozy verglüht, Merkel verblüht, Obama verpufft, Westerwelle, der letzte der Senkrechten, hmm, was macht der schon wieder ?

15 03 2010
bee

Er steht senkrecht – für einen Laiendarsteller, mit dem man (bei Windstille) einen Baum besetzen könnte, ist das schon eine enorme Leistung 😀

15 03 2010
Morla

„Nil nisi bene“ wäre mir aber lieber . . . auch wenn es weiter zum Himmel stinken würde – waagerecht statt „aufrecht mit Chuzpe“ – das wäre für ihn die bessere Lage.

15 03 2010
bee

Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben 😉

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