Harakiri

6 04 2010

„Hatten Sie schon eine Vorstellung? Nichts konkret geplant, alles noch irgendwie so in der Schwebe? Kein Gedanke, überhaupt keine Idee? Tja, Herr Westerwelle, das hatte ich mir schon gedacht. Und um ehrlich zu sein, wir hatten von Ihnen auch gar nichts anderes erwartet. Genau deshalb sind Sie in unserem Institut auch so gut aufgehoben. Wir haben schließlich eine Menge Erfahrung damit und stellen Ihnen unser Wissen gerne zur Verfügung.

Bitte keine falsche Scheu, wir können das alles in Ruhe besprechen. Vom ethischen Standpunkt her spricht nichts gegen einen Schlussstrich, Sie sollten eben nur wissen, wie Sie das bewerkstelligen. Was die praktischen Dinge angeht, wissen wir ja spätestens seit Ihren Ausführungen zu Hartz IV, dass Sie es damit nicht so haben. Bitte, wenn Sie Schnee schaufeln wollen, bis Sie vor Entkräftung tot zusammenbrechen – glauben Sie, das nützt noch jemandem? Damit kommen Sie nicht einmal in die Abendnachrichten, damit kommen Sie höchstens ins Kreiskrankenhaus. Eben, eine Schnapsidee. Überlassen Sie solche untauglichen Versuche doch bitte Ihrem Generalsekretär, der weiß doch sowieso nicht, was hier gespielt wird. Bei dem fiele das also gar nicht großartig auf.

Nein, das ist doch unappetitlich – Erhängen hat immer so etwas Vulgäres, verstehen Sie? Gut, wenn’s Ihnen nichts ausmacht, dann können Sie gerne selbst den Kopf in die Schlinge legen, aber von der Symbolik her betrachtet wäre das sicherlich ein fatales Signal. Danach wäre die FDP mit Sicherheit für die Ewigkeit platt. Jawohl, platt. So platt wie Möllemann nach seinem Einzelstern. Ist das meine Entscheidung oder Ihre, Westerwelle? Wenn Sie der Ansicht sind, die Partei habe nach Ihrem Abdampfen eh keine Daseinsberechtigung mehr – kann man machen. Passen Sie nur auf, dass das keiner aus der FDP erfährt, bevor Sie abgetreten sind. Sonst könnte es sein, dass Sie dabei noch tatkräftige Unterstützung bekommen. Ersticken? Natürlich, das kann man sehr gut planen. Da Sie erfahrungsgemäß erstens den Rachen nicht voll genug und zweitens alles in den falschen Hals kriegen, sollte es Sie nichts kosten. Nicht mal große Überwindung. Jetzt meckern Sie hier nicht herum, Sie haben sich das selbst eingebrockt! Die Spende hat Sie ja nicht auf der Straße angesprungen, oder?

Klar. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Hat noch stets geklappt, siehe Möllemann. Fenster auf, raus, aus die Maus. So ab der dritten Etage können Sie sicher sein, dass Sie Scholle sind, wenn Sie auf den Beton klatschen. Garantiert. Nur, wenn Sie von dem Versuch zwischendrin oder aber auch ganz kurz vor Schluss noch zurücktreten wollen – nee, da haben Sie Recht. Sie und Rücktritt.

Dann allerdings würde ich sagen, Sie brauchen noch eine gute Lebensversicherung. Die meisten Konzerne nehmen ja heute niemanden mehr auf, der nicht mehr ganz schussecht ist. Oder depressiv. Aber Sie haben ja, wie man hört, einen ganz guten Draht zur Branche. Da geht sicher noch was, oder? Eben, darauf können Sie Gift nehmen.

À propos, hatten Sie das schon mal in Erwägung gezogen? Was heißt hier Mädchenmethode, wollen Sie mir erzählen, Sie seien Manns genug für einen Arsch in der Hose? An Ihrer Stelle, Westerwelle, würde ich mal aufhören, große Töne zu spucken.

Dabei ließe sich das sogar einigermaßen stilvoll arrangieren. Sie wollen ja schließlich nicht mit der großen Harakiri-Nummer aus dem Leben scheiden, oder? Den PR-Supergau haben Sie hinter sich, und das, was jetzt noch kommt, können Sie sich in die Haare schmieren, das bekommen Sie doch gar nicht mehr mit. Also, warum machen Sie es dann nicht tatsächlich mit einem Barbiturat? Eine gute Flasche Wein dazu, gemütlich in der Badewanne – Ihre Freunde aus der Hotelbranche machen Ihnen da doch sicher ein verlockendes Angebot, was? Und die Schlaftabletten, die kriegen Sie von Ihrem vietnamesischen Pillendreher verschrieben. Notfalls nehmen Sie Brüderle mit aufs Zimmer, der Mann labert Sie auch freihändig ins Koma.

Eine Schusswaffe würde ich Ihnen schon deshalb nicht in die Hand drücken, weil ich davon ausgehe, dass Sie mit dem Ding irgendwann vor der Presse herumposieren. Das ist eine Reflexhandlung bei Ihnen, die kriegen Sie nicht abgestellt. Und dann will ich nicht das Geschrei hören, das Sie hinterher wieder anstimmen. Dann sind nämlich wieder die anderen Schuld. Nur Sie nicht. Ach Gott, jetzt wird’s ja putzig – das meinen Sie ernst? Westerwelle, Sie Klassenclown, ich habe Ihre blödsinnigen Kapriolen langsam satt. Ihre Selbstverbrennung aus Protest gegen die Ablehnung der Kopfpauschale können Sie sich schenken, das Schmierentheater nimmt Ihnen doch sowieso keiner mehr ab! Da können Sie sich ja gleich nach Stammheim einliefern lassen und aus Solidarität mit den Aufstockern in den finalen Hungerstreik treten. Lächerlich!

Ich will Ihnen mal etwas sagen, Westerwelle: Sie wissen nicht, was Sie wollen. Heute hü, morgen hott, was kümmern Sie Ihre Aussagen von gestern – dies diffuse Geschwätz ist ja kompletter Unsinn. Wissen Sie was? Greifen Sie doch zur radikalen Lösung, einfach, praktikabel, idiotensicher. Rauf auf die Bahnschienen. Sie machen nichts selbst, Sie trifft keine Schuld, Sie sind das arme Opfer. Sie versauen einer Menge Leute den Tag, sie zerstören einigen von ihnen das Leben. Von Ihnen wird nicht viel übrigbleiben, aber jeder wird es richtig einschätzen: wer so abtritt, hat auch so gelebt. Also einmal das Komplettpaket Schienensuizid? Gute Wahl. Das passt zu Ihnen.“


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