Stachelschwein und Igel

10 04 2010

Der Igel und das Stachelschwein,
die hatten einen Zwist:
wer wohl von beiden Tieren ein
Bemerkenswertres ist.

„Ich habe“, sprach der Igel spitz,
„ja Stacheln – Sie bloß Haar.“
„Und damit schieß ich wie der Blitz
bei jeglicher Gefahr“,

entgegnete das Stachelschwein.
Doch statt darob zu schmollen,
warf selbstbewusst der Igel ein:
„Ich aber kann mich rollen.“

„Ich kann mit meiner Stachelzier
ganz ausgezeichnet rasseln!“
So leicht ließ sich das Nagetier
die Tour ja nicht vermasseln.

Das war dem Igel gar nicht lieb.
Er sprach: „Das weiß der Kenner,
ich bin, man sieht’s am Heckantrieb,
ein exzellenter Renner!“

So stänkerten die beiden fort
und sorgten mit dem Streit
im ganzen Tierreich, hier wie dort,
nur für Verdrossenheit.

Es hielt die ganze Welt auf Trab.
Und also kam die Gans
und musterte die beiden ab
der Nase bis zum Schwanz.

„Nun also“, sprach das Federviech,
„Ihr: Igel und Schweinigel,
belästigt Ihr um Stacheln mich –
gut, zeigt zunächst die Flügel!“

Und weil hier niemand nichts gewann,
sie mussten stumm abschieben;
die Antwort sind die beiden dann
der Gans schuldig geblieben.

Wie Eimer passt hier aufs Gesäß
die Lehre: wer gut piekt,
nicht unbedingt naturgemäß
auch ganz vorzüglich fliegt.


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6 responses

10 04 2010
lamiacucina

wieder was gelernt fürs Leben: Aus seiner Haut kommt man nicht raus.

10 04 2010
bee

Das birgt den Vorteil, aus Selbsterkenntnis nie Unmögliches anzustreben 😉

10 04 2010
Morla

Was ist möglich, was unmöglich?

Können wir dies überhaupt erkennen?
Im Wort „möglich“ steckt wohl „mögen“. Mein Umkehrschluß: wir sehen nur, was wir selbst „sehen möchten“ – oder?

10 04 2010
bee

Wir sehen vor allem uns selbst – entscheidend ist, ob man nur sich selbst sieht und nur sieht, was man sehen möchte. So wird der Maulwurf unnötig depressiv, wenn er meint, jeder könne fliegen, nur er nicht. Oder um es mit Wilhelm Busch zu sagen:

Wenn einer, der mit Mühe kaum
gekrochen ist auf einen Baum,
schon meint, dass er ein Vogel wär,
so irrt sich der.

11 04 2010
Morla

Sagen wir so – der Baum irrt, denn er ist ja auch nicht das, was er von sich denkt.

Es ist so beruhigend, dass uns die Quantentheoretiker gezeigt haben, dass eigentlich nichts so ist wie wir es zu sehen wähnen.

11 04 2010
bee

Was, genau genommen, auch nicht ganz sicher ist 😉

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