Fraktur

11 04 2010

für Erich Kästner

In großen Lettern tost und braust Reklame.
Man hämmert uns die Sprüche ins Gehirn.
Uns kümmert’s nicht. Uns schert auch nicht der Name.
Es kommt kein Bild bis hinter unsre Stirn.

Da wird gelogen und zu viel versprochen.
Die Kapitälchen: Kapitalverbrechen.
Und hält man nichts, hat man auch nichts verbrochen.
Sie sind vergesslich für ihre Versprechen.

Schon läuft es aus dem Rahmen – die Gedanken
verflattern rechts, und alles denkt kursiv.
Nur groß und größer! Fetter! Weg die Schranken!
Was nirgends Stützen findet, das wächst schief.

Die Sündenböcke haben sie erkoren.
Sie halten uns für kopflos, stumm und dumm.
Die Freiheit geht in Nonpareille verloren,
sie fällt, zieht man am Teppich, einfach um.

Wir haben es so satt. Das zieht die Fäden
und denkt dabei, es siegt doch allemal.
Sie lernen nie, mit uns Fraktur zu reden.
Es kommt der Tag, da sind sie marginal.