Good Bye, Lenin!

20 04 2010

„Und Sie wissen das auch aus sicherer Quelle?“ „Absolut sicher.“ „Das wäre ja – also ich würde das schon nicht mehr als Sozialismus bezeichnen, das wäre ja direkt Zwangsarbeit.“ „Man muss eben manchmal ungewöhnliche Wege gehen, wenn man ungewöhnliche Ziele verfolgt.“ „Ja, der Zweck heiligt ja manchmal die Mittel, aber dass er nun solche Maßnahmen – also, ich finde das, ehrlich gesagt, etwas merkwürdig.“ „Dass Westerwelle jetzt jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz gibt?“ „Nein, dass er das überhaupt überblickt. So wirtschaftlich und so, nicht wahr.“

„Schauen Sie mal, der Rösler hat doch schon mal angetestet, ob das funktioniert.“ „Dass sich die Leute die Lehrstellen nicht mehr selbst suchen müssen?“ „Nein, dass die Studenten, die heute mit dem Medizinstudium beginnen, sich nicht mehr aussuchen können, was sie später mal machen.“ „Werden die nicht mehr Arzt?“ „Das schon, aber doch eben nicht alle haben eine Facharztpraxis in der Großstadt – wer nicht gut genug ist, der wird eben nur Allgemeinarzt in Ostdeutschland.“ „Und wenn ich, sagen wir mal, nur für den Landarzt zugelassen werde, muss ich dann überhaupt noch Medizin studieren?“ „Wieso müssen?“ „Ich hatte das so verstanden, dass man dann gekürzt wird.“ „Gekürzt wird?“ „Ja, man kann dann beispielsweise nicht mehr Betriebswirtschaft oder Theologie studieren, wenn man nicht Landarzt werden will.“ „Das wäre mir neu. Das kann ich mir auch nicht vorstellen.“ „Weil das bei Akademikern gegen die Verfassung verstieße?“ „Nein, weil man bei den Studenten keine Leistungen kürzen könnte, um die Steuersenkungen zu finanzieren.“ „Ach so.“

„Aber wie gesagt, wir haben hier eine genaue Aufschlüsselung, was in den kommenden drei Monaten so alles bereitgehalten wird.“ „Das ist ja vorwiegend Baugewerbe.“ „Nicht nur, aber auch.“ „Bauhilfsgewerbe, Landschaftsgärtner – sagen Sie mal, wie kommt es eigentlich, dass Westerwelle so genau weiß, wo die Wirtschaft in den kommenden Monaten neue Ausbildungsangebote schaffen wird? Er ist doch gar nicht Wirtschaftsminister?“ „Er nicht, aber er hat da gute Verbindungen. Und das ist auch nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, dass die Politik die entscheidenden Impulse für mehr Wirtschaftswachstum gibt. Dass sie die richtigen Rahmenbedingungen schafft.“ „Und das kann der Außenminister so gut?“ „Das sehen Sie doch schon daran, wie er seine Delegationen zusammenstellt.“

„Dass die FDP jetzt den Sozialismus einführt, das glaube ich einfach nicht.“ „Das sollte doch ein Blinder mit Krückstock sehen.“ „Sie meinen, weil sie jetzt die Arzthonorare beschränken und das Volk auf eine Einheitsrente einschwören?“ „Einfacher.“ „Weil sie der Pharmaindustrie befehlen, die Pillen zum staatlich festgesetzten Preis zu verkaufen?“ „Viel einfacher.“ „Noch einfacher? Ich komme jetzt nicht darauf, helfen Sie mir.“ „Weil sie es vehement abstreiten. Ein absolut sicheres Zeichen dafür, dass sie die Diktatur einführen wollen.“ „Diktatur des Proletariats?“ „Offiziell ja. Aber das gleicht sich dadurch wieder aus, dass Sozialismus eigentlich Diktatur gegen das Proletariat ist.“ „Ich hatte mich schon die ganze Zeit gewundert.“ „Worüber?“ „Dass sich die Merkel mit ihrem Vize so prima versteht.“ „Sehen Sie mal, jetzt wissen Sie auch, woher das kommt.“

„Aber jetzt gucken Sie sich das mal an. Ein Grundstück in der Wuhlheide haben die gekauft, und dann Feldbahn-Verlängerung.“ „Schmalspur.“ „Logisch, ist ja dem Westerwelle seine.“ „Und die Strecke geht jetzt direkt am Pionierpalast vorbei. Merken Sie etwas?“ „Moment mal, das da ist ja Ausschachtungsarbeit, hier werden Fremdenführer gesucht als Halbtagskräfte – soll das etwa… Nein! Ich weigere mich, das zu glauben!“ „Doch, das ist seine Absicht.“ „Der ist doch größenwahnsinnig!“ „Das hat niemand bisher bestritten.“ „Aber ein Mausoleum zu Lebzeiten bauen zu wollen mit einer überlebensgroßen Statue, das ist doch megaloman!“ „Im Sozialismus gehört das eben zum guten Ton. Gewöhnen Sie sich daran. Personenkult gehört nun mal dazu.“ „Das ist doch widerlich!“ „Ich widerspreche Ihnen da durchaus nicht. Aber Sie müssen bedenken, dass es Arbeitsplätze schaffen wird.“ „Wenn die Baubranche mitspielt.“ „Na, die werden doch froh sein, wenn sie ihn los sind! Auf Dauer kann sich doch eine moderne Industrienation so einen Kasper als Vizekanzler nicht leisten.“ „Und deshalb muss nun dieser Aushilfspharao seinen Personality-Tempel in die Landschaft gestellt bekommen? Deshalb müssen wir jetzt für Zwanzig Jahre die Baubranche für ein völlig sinnloses Projekt einspannen? Die Leute stellt doch hinterher keiner ein!“ „Keine Frage, es werden ja auch größtenteils Billiglöhner sein, aber warum gehen Sie von zwanzig Jahren Bauzeit aus?“ „War das nicht immer so, dass die Pharaonen ihre Grabanlagen über Jahre und Jahrzehnte hinweg in die Gegend haben klotzen lassen?“ „Das lag aber nur an den antiken Baubedingungen. Damals gab’s eben noch keinen Plattenbau.“ „Plattenbau? Ein Monumentales Grabmal aus Fertigteilen?“ „Sicher, das entspräche ganz dem Stil und der inhaltlichen Ausrichtung der schwarz-gelben Koalition. Es wäre außerdem doch sehr sozialistisch in der Gestaltung. Und Sie können davon ausgehen, dass das Teil schneller steht, als die FDP ihre Steuerreform durchbekäme.“ „2011? Warum schon 2011?“ „Weil es benötigt wird. Baubeginn ist am 10. Mai.“