Gernulf Olzheimer kommentiert (LIV): Betaisierte Männer

23 04 2010
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Von außen betrachtet zeigt sich die Sache als labil: während der Höhlenbewohner Mammut in transportable Portionen zerlegt, statt selbst von dem Tier aus dem Genpool entfernt zu werden, besucht die Gattin das Fußbekleidungsdepot und langweilt sich zum Sonnenuntergang, weil der Fernseher noch nicht erfunden wurde. Folglich bekommt der Mann neue Pflichten, er erobert goldadernhaltige Kontinente, überwindet reißende Ströme zur Sicherung des Papayanachschubs und darf, in Ermangelung von Stymphaliden, Weberknechte von der Schlafzimmerdecke sammeln. Obwohl diploid, wird der Oberlippenbartträger in seinem Tatendrang zum tragischen Affen, der sich vom Alphawesen in den Hauptdarsteller eines Hieronymus-Bosch-Gemäldes verwandelt – das Leben ein Scheißspiel, die Balance längst gekippt, und je mehr der Mann sich abstrampelt, desto eher wird der betaisiert. Der Underdog wird aus der eigenen Hütte verjagt.

Schon in der Natur sieht der Beknackte, dass sich das Verhältnis zwischen dem schönen und dem unterworfenen Teil der humanoiden Population auf groteske Art fehlentwickelt, wo das Männchen sich breitschlagen lässt, um nicht raumkrümmendem Stress mit der Y-losen Bauform zu erliegen – was in aller Beklopptheit sonst nur die Werbeindustrie dem Jetztzeitler als modisch notwendigen Firlefanz ins Hirn ätzt, hier wird’s lächerliches Ereignis in den schrägen Spielarten des Geschlechtsdimorphismus. Ewigweibliches, das die Alphaposition anstrebt, ist nur der Einstieg zu den Irrwegen einer aus dem Leim geratenen Evolution. Rutenangler schwiemeln sich durch die Tiefsee, das Männchen von marginaler Größe und dem Weibchen am nährenden Bauch festgewachsen, zur Untätigkeit verdammt – kein Kerl, der Flaschenöffner und Glotze bedienen kann, hielte diese entwürdigende Lebensweise einen Tag lang aus. Die Fangschrecke pfeift sich schon während der Nachzucht das Männchen rein. Watvögel und Spinnentiere neigen dazu, ihren Unterleib drastisch zu vergrößern – nicht aus ästhetischen oder bautechnischen Gründen, wie der Gas-Wasser-Installateur vermuten würde, der des Weibchens Bedürfnis kennt, die Nasszelle unter großzügiger Verwendung von Marmor und edlen Metallen zum Zentralpunkt der Plattenbaubutze aufzumotzen, sondern schlicht, um mehr Eier in der Wampe bunkern zu können; ein Verhalten, das der weibliche Humanoide vorwiegend dann zeigt, wenn Balz und Reproduktion eh abgehakt sind und für Monsieur der schwache Trost bleibt, dem anderen Geschlecht allenfalls in der Inkarnation von Bill Kaulitz gründlich ins Gehege kommen zu können.

Der betaisierte Mann wird nicht allein um die Früchte der Phylogenese gebracht, denn diese sind, das Weibchen weiß es ja, zeitweise zu gebrauchen; doch der grunzende Halbprimat, der eben noch gut genug war, tragende Wände mit der bloßen Faust zu beseitigen, darf sich seine neue Rolle als Held ohne Geschäftsbereich im soziologischen Untergeschoss einrichten: als nützlicher Idiot. Als solcher darf er zwar noch ungestraft mit Schlagbohrmaschine, Schwingschleifer und Akkuschrauber umgehen, hat aber ansonsten keine Aktien an der Domina. Egal, wie tapfer er hinfort die Oberfräse schwingt, zur Horizontalgymnastik ist der Tennislehrer zur Stelle, die Blaupause aller Kalkhirne, aber dessen Begehr, bei der Gelegenheit auch gleich seine genetische Konstellation weiterzureichen, erweist sich als frommer Wunsch, den er sich auch in die Haare schmieren kann; dazu ist er nicht privilegiert.

Die letzte Stufe, noch unterhalb des Drohn, der die Bälger bis zur Scheidung aufpäppelt und danach lediglich für sie bezahlen darf, ist schließlich der Frauenversteher, ein gehirngewaschener Knalldepp, der der Maid das triste Dasein durch pure Blödheit verschönert. Er hört sich ihr guantanamotaugliches Gefasel an, berät sie bei Auswahl und Erwerb von Unterwäsche, ohne sie am lebenden Objekt erleben zu dürfen, begleitet sie auf Kulturveranstaltungen, die ohne kulturelles Beiwerk auskommen, kurz: sie verschafft dem Mustermuttersöhnchen die beste Gelegenheit, sich permanent zum Vollhorst zu machen, ohne die Schattenseite seiner verklemmten Psyche mit dem Winkelschleifer an ihrer Garagenauffahrt abzureagieren. Früher oder später ist sie ihn los, weil er depressiv oder, nach dem Durchbrennen der Sicherung, Selbstmordattentäter wird, während sie einen jugendlichen Vorstand-Rambo bereits in seine Nachfolge betaisiert – die Evolution frisst ihre Kinder. Es gibt also nur einen Ausweg, der Mann beharrt auf der angestammten Position und überlässt es Tüpfelhyänen und Kattas, sich als von Alpha-Weibchen geführte Rudeltiere durch die Vegetation kommandieren zu lassen, statt die Wildnis auf eigene Faust zu erkunden. Leider schert er bei dieser Lösung aus dem Masterplan der Population aus, doppelt unschön, da er durch das Absägen des eigenen Astes ja bereits den Fitnesszustand seines Genotyps bewiesen hat – aber da dieser kleine, geschmacklose Planet in ein paar Millionen Jahren sich eh erledigt haben dürfte, kann man es genauso gut vernachlässigen. Als der Mann fürs Grobe tut man es sowieso.