Freundschafts-Bande

29 04 2010

„Und heizen Sie dem richtig ein! Ja, immer in die ganz fiese Nummer – hacken Sie richtig auf dem Mann herum. Unterste Schublade. Unmoralisch? Warum soll das unmoralisch sein, wenn Sie ihn als paranoiden Krüppel bezeichnen? Das hat sich Schäuble doch selbst zuzuschreiben. Hätte er sich halt nicht anschießen lassen sollen. Geben Sie ihm ruhig ordentlich Zunder, der ist das nicht anders gewohnt. Immer fest druff!

Klar, das geht. ‚Schuldenwahnsinn‘, das ist gut! Haben Sie noch mehr auf Lager? ‚Der Rollgangster schaufelt die deutsche Ehre in den Gulli‘ – hmja, geht so, haben Sie das eventuell noch eine Nummer gröber? Gott, das ist doch keine Volksverhetzung, das muss der Mann aushalten, er ist schließlich der Bundesfinanzminister. Da machen wir nicht auf Mädchenpensionat. Immer reinhauen, gut so! Haben Sie vielleicht noch etwas zu Griechenland? Och ja, ‚Versager-Kindermädchen‘ ist hübsch, aber auch ziemlich kompliziert. Das versteht dann am Ende wieder keiner so richtig. Hm. Gut, ich denke noch mal darüber nach. Weiter!

Das weiß ich jetzt nicht. Der ‚kriegsgeile Pomadenlackaffe‘ hat mich spontan angesprochen, aber ‚dümmlicher Schleimscheißer‘ hat natürlich auch etwas für sich. Kann man das nicht irgendwie kombinieren? in der Mitte fusionieren? Ja, ich weiß, Sie sind der Ghostwriter. Müssen Sie mir nicht sagen. Aber wir haben den Guttenberg auch schon ein bisschen länger auf dem Radar, das fällt auf fruchtbaren Boden. ‚Der Lügenbaron und sein zwangsengagiertes Zensur-Weibchen‘, hähähä, das ist gut! Breitseite, Mann! Sie sind Ihr Geld wirklich wert! Nee, Dementi und Demenz, das Wortspiel ist doch zu schwierig für die meisten Leute. Das muss man dann auch wieder dem ganzen Präsidium erklären, damit die an der richtigen Stelle lachen, das würde ich dann lieber weglassen. Kleben Sie da noch ein paar diffuse Vorwürfe rein. Dass er zu viel Geld für die Bundeswehr ausgibt. Dass er nicht genug Mittel für die Afghanistan-Mission locker gemacht hat. Dass er keine Berufsarmee will. Ja, ist doch egal, wenn da Widersprüche sind. Die werden alle brav klatschen, und gut.

So zwischendurch kann man das ja mal machen. Die von der Leyen ist jetzt ja gar nicht mehr für das Kindergeld zuständig, deshalb müssen wir uns da trotzdem nicht zurückhalten. ‚Der Mutterkomplex‘, das finde ich gut. ‚Das Celler Loch‘ – ich sag’s doch, Sie setzen zu viel voraus beim Publikum. Sie können denen nicht jede Pointe vorkauen, das geht auf Dauer nicht gut. ‚Evangelikalfaschismus‘ – ja, das hat sehr viel Schönes. Das nehmen wir. Dafür würde ich aber gerne die ‚BDM-Puffmutter‘ in einer entschärften Variante verwenden – nein, das ist mir nicht klar genug, da sind wir wieder zu dicht am Thema Kindesmissbrauch, und das kann man mit der Frau einfach nicht machen. Schon deshalb nicht, weil sie im letzten Wahlkampf gezeigt hat, dass ihr das völlig egal ist.

Meinetwegen den Ramsauer. Ja. So, haben sie? Die Bürger fanden das mit dem Eyjafjallajökull total gut? Also nicht die Asche, sondern das Flugverbot? Kann man den Mann den überhaupt nicht mehr stoppen? Dann eben den Seehofer, diesen – jetzt seien Sie nicht zimperlich, für sein Privatleben wird man sich doch wohl interessieren dürfen? Hatten die in Schleswig-Holstein doch auch schon vorgeschlagen. Na klar, ‚notgeiler Vollhorst‘ geht immer. ‚Weißwurstseppel‘, ich weiß ja nicht. Zu regional, und damit würden wir möglicherweise die bayerischen Parteifreunde auch ungerechtfertigt angehen. Kann ich die Formulierung noch einmal bekommen – ‚Sandkastensozialist‘, das finde ich gelungen. Gut, man könnte es jetzt auch noch etwas schärfer artikulieren, so linksruckmäßig, aber das ist ja auch wieder sehr schwierig, oder? Halt, ich hab’s: wir unterstellen ihm, dass er etwas mit Sahra Wagenknecht hat! Das ist doch der Knaller! Mitfühlender Liberalismus, hähähä – wir wissen nämlich genau, wie weh so etwas tut!

Und dann natürlich die Kanzlerin – nein, schreiben Sie: ‚Die Dame, die sich einbildet, sie sei Frau Doktor Merkel.‘ Bis die das gerafft haben, ist die Wahl im Sack! Das ist doch eine ungeheure Brüskierung, wenn diese Regierungschefin sich vor ihre Minister stellt. Das wird sie bereuen! Wir werden jetzt nämlich sie bloßstellen, indem wir auch dann an der Steuerreform festhalten werden, wenn sie es nicht will! Jawohl! Und wir werden ein ganz böses Gesicht machen, wenn die Merkel als Kanzlerin sagt, dass ihr das völlig egal sei.

Wieso Sparvorschläge? Das war doch vor der Wahl, damit können Sie heute keinen Blumentopf mehr gewinnen – eben, das steht ja auch nicht im Koalitionsvertrag, deshalb kann uns darauf keiner festnageln. Und wenn die Merkel das versuchen sollte, dann werden wir ihr mit dem Bruch der Koalition drohen. Einfach so! Da wird die aber vielleicht geschockt sein, mein lieber Scholli. Das wird ein Heulen und Zähneklappern, wenn sie merkt, dass wir nicht nur nicht regieren, sondern dass wir jetzt gar nicht mehr regieren wollen! Schreiben Sie das mal so, geht das?

Wie immer an die Parteizentrale, ja? Gut, wir erwarten es dann übermorgen, heute ist Herr Doktor Westerwelle sowieso nicht im Haus. Er ist zu einem Freundschaftsbesuch in Berlin, Johannisbeerkuchen essen mit Angie und Horst.“