Ruhige Kugel

10 05 2010

„Schallalalala, ho-ho-ho! Jetzt geht’s lo-hos, jetzt geht’s…“ „Meine Güte, Briesback! Reißen Sie sich am Riemen, wenn das die Frau Bundeskanzlerin sieht, die wird uns alle…“ „Schallali, schallalala-la! Mensch, kriegen Sie mal den Stock aus dem Hintern, Ludolfsen – die Merkel ist doch längst im Haus. Hören Sie das von oben? Na?“ „Der Krach aus dem zweiten Stock? Das soll die Kanzlerin sein?“ „Eben!“ „Diese Bumsmusik?“ „Logisch, wir haben doch allen Grund zum Feiern. Und ich sage Ihnen, die Merkel hat heute richtig gute Laune!“

„Mal unter uns, was haben Sie intus?“ „Gar nichts! Auf Ehre und Gewissen – ich saß da ganz harmlos, da kam doch die Kanzlerin rein und knuddelte mich! ‚Briesbäckchen‘, sagte sie, ‚Briesbäckchen, jetzt haben wir’s endlich geschafft! Jetzt brechen hier goldene Zeiten an!‘ Und dann hat sie sich sofort ein Piccolöchen aus der Kantine kommen lassen.“ „Echt?“ „Wenn ich’s Ihnen sage! Und dann hat sie sich ganz entspannt erst mal den Schäuble reinrollen lassen und ihm gesagt, wenn er noch einmal Unsinn redet, dann kippt sie ihn in die Spree, und zu Westerwelle hat sie gesagt, wenn er nicht aufhört, ihre Euro-Stütze wegzuziehen, tritt sie ihm die Pickel einzeln nach innen. Und dann ist sie ganz aufgekratzt nach oben und hat die Luftschlangen von Silvester rausgeholt und das Tischfeuerwerk von Ackermanns Geburtstag.“ „Also irgendwas ist da im Busch. So ist sie doch sonst nicht.“ „Ludolfsen, alles im grünen Bereich – ich meine, man kann sich doch nach so einem Sieg mal ordentlich freuen, oder nicht?“

„Haben Sie Fieber, Briesback? Hat die Merkel Sie mit irgendwas angesteckt? Schweinegrippe oder galoppierender Hirnpilz oder sonst was?“ „Mein Gott, kapieren Sie doch mal: sie freut sich, weil sie jetzt für den Rest der Legislaturperiode aus dem Schneider ist.“ „Aus dem Schneider? Bei dem Wahlergebnis in NRW? Hat ihr Therapeut ihr zu viele Glückskekse gegeben?“ „Mensch Ludolfsen, sie hat’s hinter sich! Sie muss nichts mehr machen. Es ist vorbei. Ab sofort ist sie die Präsidialkanzlerin und aus die Maus. Regieren war gestern. Rüttgers hat ihr den Arsch gerettet.“ „Briesback!“ „Ist doch wahr – jetzt sind alle Befürchtungen zunichte.“

„Erklären Sie mir das doch einmal genauer. Die CDU ist gewaltig baden gegangen, Rüttgers kann seine Lebensplanung abhaken, Schwarz-Gelb ist in NRW Geschichte, und die Merkel feiert?“ „Weil sie damit den Rüttgers von der Backe hat. Der Mann hatte doch immer vor, sie zu beerben – notfalls mit dem Messer in ihren Rücken.“ „Und das ist damit grandios gescheitert. Wenngleich nicht ohne eine gewisse Tragik.“ „Sie meinen, weil er schon zweimal versagt hat?“ „Ja, beim ersten Mal wollte er schon in die Bundespolitik, da hat ihn Steinbrück zum Wahlsieg gezwungen; er wurde Bundesminister, Rüttgers hat in Nordrhein-Westfalen die Arschkarte auf dem Silbertablett serviert bekommen. Und jetzt – naja, reden wir nicht darüber. Er kann es eben nicht.“

„Schauen Sie, das ist das Gute an der Schlappe. Er ist mit Pauken und Trompeten durchgefallen, da er sich gegen die offizielle CDU-Linie gewandt hat.“ „Es gibt ein Profil in der CDU? Das wäre mir allerdings neu.“ „Es gibt keins, aber das ist doch der Trick: wenn es keine offizielle Linie gibt, kann sie alle als Abweichler verurteilen.“ „Donnerwetter, so habe ich das noch gar nicht gesehen!“ „Tja, die Merkel war ja nicht umsonst FDJ-Kader.“ „Und jetzt kann sie Rüttgers kaltstellen?“ „Jetzt schiebt sie Rüttgers aufs Abstellgleis.“ „Dann hat sie ein Problem weniger.“ „Und gleichzeitig ein tolles Druckmittel.“ „Für wen?“ „Gegen Mappus, Wulff und Koch. Wer immer noch an ihrem Präsidialstil herumkritisieren will, kann hier schon mal sehen, wie seine Hinrichtung später aussehen dürfte.“

„Ach, wo Sie den Präsidialstil ansprechen – meinen Sie, dass sie den trotz der schlechten Ergebnisse beibehält?“ „Nein.“ „Sie behält ihn nicht bei? Und was dann?“ „Unterbrechen Sie mich nicht. Sie behält ihn nicht bei, sie baut ihn konsequent aus.“ „Wie bitte?“ „Der Präsidialstil ist ihr Markenzeichen. Regieren, ohne zu regieren. Sie schiebt eine ruhige Kugel. Keine Entscheidung, keine Führung, keine Verantwortung, aber enorme Popularität. Sie hat ideale Bedingungen geschaffen, um jetzt erst recht nichts mehr zu tun.“ „Wie bitte? Sie tut nichts mehr? Aber das wäre ja unverantwortlich!“ „Das war das, was sie bisher getan hat, auch.“ „Aber da wird doch wohl jemand… ich meine… sie kann doch nicht… oder etwa doch?“ „Keiner wird sie hindern. Die FDP mit Sicherheit nicht; nochmals wird dieser Deppenhaufen wohl nicht mit dem Bruch der Koalition drohen, sonst wirft sie sie raus und macht wieder mit den Sozen weiter. Die CDU wird sich schon intern zerstreiten, und sollte doch noch jemand auf die Idee kommen, sie unter Druck zu setzen, dann hetzt sie ihre Pinscher los. Pofalla, de Maizière, Kauder, die subalternen Kriecher. Machen kann sie nichts, schließlich ist die Mehrheit im Bundesrat weg. Das wird auch die Opposition verstehen. Und sie werden es ausnutzen und Merkel am Boden festnageln, damit sie sagen können: diese Regierung tut ja gar nichts.“ „Wenn sie aber doch, ich meine, um der Sache willen – Sie verstehen?“ „Als Neuauflage der Großen Koalition? Nie und nimmer! Da müssten sie doch mitregieren. Und das scheut die SPD wie der Teufel das Weihwasser.“ „Dann haben Sie wohl Recht, Briesback. Da hat sie Glück gehabt.“ „Dann können wir uns hier bis 2013 die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Na, das werden Zeiten! Auch ein Piccolöchen, Ludolfsen?“


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