Mindestens haltbar bis

19 07 2010

„Falsch, Frau Merkel. Das geht so nicht. Falsches Modell, das läuft so nicht. Ich hatte Ihnen vorher gesagt, dass das technische Schwierigkeiten gibt, und Sie wollten mir nicht glauben. Mal wieder nicht glauben. Sie wussten doch, dass Sie diese Partei nach Gebrauchsanweisung führen sollten? Und was haben Sie die letzten zehn Jahre gemacht?

Aber ich bitte Sie, die Opposition ist doch nicht schuld! Die Opposition? Lachhaft, das können Sie Ihrem Vize erzählen, der glaubt ja selbst an solche Schauermärchen. Das Volk? Jetzt ist das Volk schon schuld, dass Sie die CDU nicht in den Griff kriegen und Ihr Personal aus der Reihe tanzt? Das Volk?

Es gibt keine Ersatzteile mehr für diese Partei. Außerdem bezahlt das die Versicherung nicht. Warum? Weil Sie die CDU selbst kaputt gemacht haben. Wer wollte denn das Besetzungsbüro auch noch nach Berlin haben? Eben. Was haben Sie sich herangezüchtet – eine kleine Clique von Provinzpatriarchen, die nicht mehr mitmachen wollen, wenn Sie sie zum Turnen zwingen. Was hatten Sie denn zu bieten? Althaus? Hat sich in der Luft zerlegt, er stand offenbar über dem Gesetz, und dann, ganz zum Schluss, mussten sie ihn mitsamt dem am Arsch festgewachsenen Stuhl vor die Tür schieben – dasselbe Theater in Düsseldorf, Herr Rüttgers sehen nicht ein, dass er raus ist, seine Majestät fordern einen Dienstwagen mit Sekretariat für die Zeit nach der Politik. Oettinger? Eine in allen Belangen unfähige Luftnummer, nach Brüssel entsorgt, bevor er mit seinem an den Zähnen schmerzenden Gestammel noch mehr Unheil anrichten konnte. Koch? Hat zehn Jahre lang ganz Hessen in einen rechtsfreien Raum verwandelt und betreibt offen Beihilfe zur Steuerhinterziehung, damit ihm die Millionäre ein paar Kröten in die private Tasche stopfen, dazu ein Rassist reinsten Kalibers – diese Type bezeichnen Sie als Ihre wichtigste Stütze der Partei im konservativen Lager, wir haben das nicht vergessen, Frau Merkel, wir werden das nicht vergessen, das nicht und nicht die jüdischen Vermächtnisse. Köhler ging Ihnen von der Fahne, weil er Sie nicht mehr ertragen konnte, und zum Ausgleich haben Sie Wulff nach Berlin verschoben, einen Sparkassendirektor für den anderen, mit dem Ergebnis, dass Sie den letzten Mann verloren haben, der das Volk noch nicht in Wut und Entsetzen gebracht hat.

Nein, das ist keine Option. Ole von Beust, gut, vielleicht eine nicht ganz einfache Figur – er hat sich ein bisschen so verhalten, wie Sie es tun würden, wenn Sie den Arsch in der Hose hätten. Er hat alles ankoaliert, was nicht bei Drei auf den Bäumen hockte. Erst Schill, dann die Alternativen, die zu verachten er sogar offen zugab. So muss man das machen, pragmatisch ohne hinderliche Moral. Nicht mit diesem Ideologiefirlefanz: elf Jahre lang mit dem neoliberalen Klüngel heimlich Händchen halten und sich nicht um Inhalte scheren. So geht das nicht. Sie haben mit dem Mann einen verloren, der noch viel schlimmer als Sie das Mäntelchen nach dem Wind gehängt hat, der einen üblen, einen wirklich widerlichen Populisten auf den Schild gehoben hat, um dann die Grünen am Nasenring durch die Manege zu ziehen. Und das Volk hält ihn für anständig. So macht man das. Und das verlieren Sie: einen, der diesen Schein wahrt, die Dehors, die Fassade. Machen Sie das mal Ihrem Carstensen klar, der eine ganze Stadt für dumm verkauft, und ihrer blassen Aushilfstruppe, die Tillich und Mappus und Böhmer und wie das da heißt.

Ihr Haltbarkeitsdatum ist überschritten. Sie haben die Routinereparaturen geschwänzt. Und Sie haben sich nie dafür interessiert, was an Nachwuchs in dieser Partei kommt. Schauen Sie sich die Junge Union an, verbohrt, rechtskonservativ und bis zum Anschlag autoritätshörig, vollkommen unfähig, eine Führungsrolle zu besetzen. Sie haben konsequent alles vernichtet, was da wuchs. Nur angepasste Speichellecker hatten überhaupt Chancen, wie Ihr köhlergläubiges Familien- und Extremismusmädel, das die Republik an den Fährnissen ihrer Pubertät teilhaben lässt. Ansonsten, was ist da noch? Der Ton macht die Musik, Frau Merkel. Sie haben genau wie die FDP nie nach Kompetenz, sondern nur nach Loyalität besetzt. Die größten Idioten sind um Sie geschart, Winzbirnen, damit Ihre flackernde Funzel nicht so blass und trübe aussieht. Und jeden, der weiß, wo Sie nur besserwissen, treten Sie weg. Kein großer Geist. Eine Schwachstromtype wie Pofalla reicht Ihnen als Notbeleuchtung aus.

Sie sind kein Vorbild. Sie sind keine Chefin. Sie regieren nicht, sie reagieren inzwischen ja nicht einmal mehr. Fordern Sie keine Achtung für das Gehampel, was Sie sich da leisten. Seinen geistig-moralischen Abbau öffentlich vorzuführen ist keine Leistung, die man großartig respektieren müsste.

Die Dämme brechen. Die Gesellschaft, Frau Merkel, ich weiß nicht, ob Sie sich ihrer noch erinnern, wir hatten einmal eine, jetzt haben wir mindestens zwei, diese Gesellschaft säuft langsam ab. Sie erwartet von Ihnen Stabilität und eine klare Führung. Währenddessen stopfen Sie hektisch die Löcher und faseln dabei, diese Gesellschaft habe über ihre Verhältnisse gelebt. Das ist keine Politik, Frau Merkel, das ist verzweifeltes Ringen um Macht, um eine Macht, die Sie nicht mehr besitzen.

Sie können es nicht. Lassen Sie es. Diese Partei ist zu kompliziert für Sie. Lassen Sie Ihren Vize alleine vor die Wand fahren, er hat es sich redlich verdient. Und räumen Sie den Sessel, bevor man auch Sie rauswirft. Wie das geht, haben Sie jetzt ja zur Genüge gesehen. Lassen Sie es. Es reicht.“