Draußen

15 08 2010

für Kurt Tucholsky

Wenn sich ihr Gatte gehen lässt,
das kann Madame nicht leiden.
Sie blickt ihn an und sagt dann fest:
„Lass Dir die Haare schneiden!“
Er weiß, ein Streit hat keinen Zweck,
so geht er zum Barbier ums Eck
und steht davor und liest verdrossen:
    „Montags geschlossen!“

Es ist wohl im Museum schön,
für Kunst und Renommage.
Herr Knopps beschließt, dorthin zu gehn
an seinem freien Tage.
Doch wie er vor dem Tore steht,
alleine an der Klingel dreht,
die heit’ren Stunden flossen…
    „Sonntags geschlossen.“

Ja lerne nur! Sei arbeitsam!
Nur dienern, kriechen, buckeln!
Sei strebsam, fromm, wie nur ein Lamm,
das Bildung hat zum Nuckeln.
Beiß weg den andern, kneif und schlag,
Du stehst an einem schönen Tag
ganz vorn. Dann wird geschossen…
    „Heute geschlossen.“

Der Michel hat die Sache satt.
Man will ihn nicht regieren,
stopft sich nur voll und lächelt matt.
Wer soll die abservieren?
So fährt er mutig nach Berlin.
Und wartet. Stunden ziehn sich hin.
Dann gibt’s was auf die Flossen.
    „Werktags geschlossen!“

Die Jahre gehen hin. Es reicht.
Du bist auch schon ermattet.
Erst schaut man, wie die Zeit verstreicht,
und schon wirst Du bestattet.
Dann steigst Du auf. Steigst immer weiter,
bis ganz hinauf zur Himmelsleiter
erklimmst die letzten Sprossen –
    „Geschlossen.“