strasseguck

18 08 2010

„Nein, eben nicht! Sie können nicht einfach so bei StreetView rein und dann nachschauen, ob die Garage auch ordentlich verschlossen ist. Das geht nicht. Nein, hören Sie doch, das ist technisch gar nicht möglich, das geht nicht! Sie müssen doch erst mal nachschauen, ob da jemand Ihr Haus überhaupt reingestellt hat!

Das ist doch alles unausgegorenes Zeug, diese amerikanische Firma da mit ihrem Google. Das kann doch nichts werden! Da muss man ordentlich arbeiten, da braucht’s eine deutsche Firma, die das richtig aufzieht, ja? Nicht dieses Chaos, das einem alle Gesetze kaputt macht, oder umgekehrt, aber auf jeden Fall müssen wir doch als Deutsche hier mal ordentlich arbeiten. Diese Ausländer, die können alle nichts. Das sieht man doch schon im Internet.

Ich sag’s Ihnen, die Qualität von unseren Inhalten werden Sie so schnell nicht erreichen. Da möchte ich mal den Politiker sehen, der dagegen ist. Da wird die Aigner und da wird der Westerwelle aber stolz sein, dass wir sie da zeigen. Ja, bei uns ist das gut – strasseguck, verstehen Sie? Das müssen Sie mal ansehen, strasseguck heißt das. Wir gehen da nämlich noch mit richtigem Gerät hin. Unsere Kollegen haben einen richtigen Fotoapparat, von der letzten Materialausrüstung, 24×36, und auch ein Stativ, so ein echtes mit drei Beinen. Das macht viel bessere Bilder als dies amerikanische Zeugs!

Weil man je eben wissen muss, wer sich da aus dem Bild rausnehmen lassen will. Und darum muss bei uns auch jeder einen Antrag stellen, mit vollem Namen und Fingerabdrücken und so. Polizeiliches Führungszeugnis? Nein, das besorgen wir uns schon, der Herr Dimpflinger kennt da einen, der im Verein ist. Schufa auch. Und Führerschein.

Aber klar, wir sind schließlich ein Rechtsstaat darf sich doch von seinen Bürgern nichts gefallen lassen. Sonst wäre er ja auch nicht rechts, oder?

Weil Sie nämlich wissen müssen, wer da etwa Gebrauch machen will, diese Bande – kommt hier mit Bürgerrecht und so. Manche von denen direkt mit Anwalt, Sie! ich sag’s Ihnen, das ist doch die Definition von kriminelle Vereinigung, wenn da einer mit Anwalt, oder? Oder schon organisierte Kriminalität? Das frage ich Sie, ja! Sind doch immer dieselben, die da kommen. Vor allem, wenn man mal sich ansieht. Ist zwar nicht jeder wie Westerwelle, manche auch ehrliche Leute, aber ich frage Sie: wenn da doch mal einer von denen sein sollte, so ein Islamiker? Die sind doch alle hier, man weiß das doch nicht von denen, die sehen ja aus wie alle anderen. Gibt’s hier. Vereinzelt auch Protestanten, beim letzten Mal haben wir ja nur die Juden wegbekommen. Ich sag’s Ihnen.

Ach, das mit der virtuellen Streife – ja, ich hab’s ja auch gelesen. Das ist doch auch so ein Unsinn, und ausgerechnet der Wendt wieder. Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft! Der soll sich doch erst mal schlau machen, bevor er so ein Zeug vom Stapel lässt! Das kann man doch nicht so ausposaunen, die Ganoven hacken doch die Computer der Polizei, und dann sieht man überall, wie die Polizei ihre Streifenfahrt macht – und dann gaukeln sie einem einfach so ein Standbild vor oder, das habe ich mal gelesen, das geht, wirklich! da werden sie die Fahrtrouten von zwei virtuellen Polizeiwagen so manipulieren, dass die frontal zusammenbumsen. Glauben Sie’s nur, das stimmt! Ich war doch dabei, als ich das gelesen habe! Na, rechnen Sie sich das aus, was da alles passieren könnte. Direkt zusammengestoßen, da sind die Computer natürlich hin, man nennt das Headcrash oder so, und dann die Gefahr für die Polizisten! Das muss man doch viel besser ahnden! Ich frage Sie, was passiert da? Da muss man doch mal fragen, ob man nicht die Strafen viel höher macht?

Auch das, wir brauchen dringend etwas gegen diese Netzneutralität. Also Netzneutralität ist schon gut, aber nur für uns – man muss schnell da sein, wenn man gerufen wird, und unsere Internetleitung ist ja auch nicht die schnellste. Was meinen Sie, was für einen Vorteil wir dann haben!

Datenschutz? Nein, ich habe schon verstanden. Bin ja nicht doof! Das ist eine Datenschutzfrage, da muss man ganz genau rechtlich aufklären, was da so geht und was da nicht so einfach – Sie verstehen mich doch, oder? Also: wenn Sie jetzt mal bedenken, dass die virtuellen Streifenwagen in dem Bild so einfach mal zu orten sind, was wird dann, und das frage ich Sie! was wird dann aus dem Recht auf Privatsphäre? Ja wenn Sie einfach da so die Polizisten so zeigen, da weiß doch gleich jeder, wo die sind? Das kann aber nicht sein – da sehen Sie, es gibt noch viele rechtliche, und teilweise sind es wohl sogar juristische, und das meine ich ernst!

Aber wenn Sie sich das mal genau überlegen, das gibt doch so logistische Probleme. Jetzt stellen Sie sich einmal vor, dass da so ein Bürger, ich nenne den mal so, es gibt ja welche – vielleicht ist das dann ein Neger oder bloß so eine Frau. Die rufen die Feuerwehr an sagen, es brennt, und dann schauen Sie auf die Karte und stellen fest, das brennt da gar nicht. Wie wollen Sie das denn betrafen?`Das ist doch aber mindestens so schlimm wie Polizistenmord. Oder grober Unfug sogar.

Ich verstehe es wirklich nicht mehr. Ich meine, wir lesen deren Kontobewegungen aus, wir lesen ihre Mail, wir wissen, mit wem sie telefonieren. Warum sind die Leute so misstrauisch, wenn wir ihren Vorgarten gegen Terror schützen wollen?“


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3 responses

18 08 2010
Zwitscherfrau

SUPER!!!

18 08 2010
bee

Merci 🙂

22 08 2010
Google vs. My Estate – Part 1 | _n1Ls_

[…] Google Street View macht ja derzeit nicht nur die Runden durch die (gesamte) Blogosphäre, sondern auch durch allgemeinen Medien wie Fernsehen, Rundfunk und TV. Grund genug für mich die Thematik auch mal zu behandeln. Im wesentlich geht es derzeit darum, dass sich laut einer Umfrage 52% der Deutschen dagegen aussprechen, dass ihr Haus im Internet aus der Straßenperspektive sichtbar wird. Hinzu kommt natürlich die berichtigte negative Einstellung gegenüber Google was den Datenschutzfirlefanz angeht. Der Konzern wird ja des Öfteren gerne mal als die Datenkrake überhaupt bezeichnet. Teilweise sicherlich nicht zu unrecht. […]

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