Haftpflicht

20 09 2010

„Machen Sie sich mal keine Sorgen, das wird schon werden. Ja, ich bin mir da ganz sicher. Wissen Sie, der hat so das gewisse Etwas, das man für den Job braucht. Schwiegermutterfresse. Dem kauft man jede Lebensversicherung ab. Einfach perfekt so.

Gut, das muss auch so. Sonst sehe ich für den mittlerweile schwarz, und das will etwas heißen in dieser Partei, wenn Sie verstehen, was ich meine. Lernfähig? Gott, sind sie doch mehr oder weniger alle nicht. Die kommen so, wie sie eben kommen, da kann man nichts mehr machen. Manche sind ein bisschen blöd, manche etwas störrisch, und der ist so durchschnittlich, der würde nicht mal auffallen, wenn er plötzlich weg wäre. Dieses gewisse Etwas. Den können Sie vor eine weiße Wand stellen, gucken den an, und wenn Sie den Kopf wegdrehen, dann erinnern Sie sich nur noch an die Wand. Überall einsetzbar. Macht zwar nichts so richtig gut und durchschlagend erfolgreich, aber was soll’s – er ist halt die formbare Masse der Partei.

Doch, immer schon. Wundert Sie das? Alles abgenickt, alles mitgemacht, alles durchgesungen. Deshalb hat man den auf diesen Posten gehebelt. Da fällt der nicht auf. Der ist eben eine Marionette derer, die selbst Marionetten sind. Ziehen Sie an den Strippen, dann macht der, was Sie wollen. Ja, gute Schule. Strukturvertrieb hat der auch gelernt. Maschmeyers Stall. Kann auch als Klinkenputzer eingesetzt werden. Haben Sie den gesehen, wie er seine Arbeitsprobe abgegeben hat? Südafrika? Wie der nach der Amtsübernahme gleich nach Südafrika gedüst ist, damit man weiß: der ist in Südafrika? Das war ganz groß. Diese Klinkenputzerei bei Jogi Löw, ich muss schon sagen. Besser hätte ich das nicht hingekriegt. Jeder hat gewusst, Hauptsache, der ist selbst im Bild, und immer schön anmeiern.

Sie könnten den gut für Außeneinsätze nehmen. Als Propagandist ist er großartig. Der verspricht den Leuten das Blaue vom Himmel, einfach toll. Wie die aufatmen, wenn man ihnen Sonntagsreden vorkaut! Endlich mal wieder positive Perspektiven! Alles wird gut! Natürlich, der soll etwas verkaufen, was er selbst nicht leisten muss. Der ist bloß die Flüstertüte fürs Marketing, die dreckigen Geschäfte machen andere hinter den Kulissen. Der passt ganz ausgezeichnet in Ihren Versicherungskonzern. Machen Sie sich keine Sorgen. Das wird schon.

Ja, Peanuts. Das ist eben die einzige Gefahr. Das mit dem, wie sage ich mal – der will seine eigenen Akzente setzen. Etwas machen. Gestalten, regieren, eine eigene Handschrift sehen lassen. Das ist es ja auch. Nein, normalerweise völlig unauffällig. Dem drücken Sie das Paket mit Hinterbliebenenschutz und Hundehalterhaftpflicht aufs Auge, da kommen gute Ergebnisse rein. Der macht Umsatz.

Sie meinen, die eigenen Geschäfte? Unauffällig, völlig unauffällig. Wenn der mal aufgefallen ist, dann höchstens durch Inkompetenz. Flugtickets nach Florida, Wahlkampfhilfe in Wolfsburg. Ach ja, und diese Jungministerin, die einige sehr ulkige Interpretationsansätze zum Grundgesetz hatte, aber das ist nicht seine Schuld. Es ist in dieser Partei seit dem Vorsitz der Bundeskanzlerin üblich, dass man sein Personal von der dritten Klasse abwärts wählt. Wer etwas kann, der hat hier keine Chance.

Aber Sie haben Recht, die eigene Handschrift. Das müssen Sie dem noch abgewöhnen. Der ist da etwas störrisch, vor allem: der begreift einfach nicht, dass es Spielregeln gibt, die er nicht selbst bestimmen kann. Da sehe ich Nachholbedarf. Der hat bis heute nichts verstanden. Sitzt da in Bellevue und hat nicht kapiert, dass das nicht viel mehr ist als die Hausmeisterwohnung der Republik. Sie sollten den gut umerziehen. Gewöhnen Sie den an den Gedanken, ein Unterschriftenautomat zu sein, der höchstens bei verfassungsrechtlichen Bedenken noch Kopfschmerzen bekommen darf. Das ist ein Parteisoldat, es sollte also keine großen Probleme damit geben. Der hat nichts mehr zu entscheiden. Der soll verkaufen und ansonsten seine Klappe halten. Wir haben ein paar Spielregeln, an die hat man sich zu halten. Keine Diskussion, hören Sie?

Der hat verhandelt. In wessen Auftrag auch immer, hier wird aber nicht verhandelt. Hier wird ernannt und entlassen, aber nicht verhandelt. Das ist nicht die Regierung. Das ist gar nichts. Das ist eine Unterschriftenstelle ohne eigenen Verfassungsrang. Sie sollten dem auch schnell verklickern, dass eine Versetzung nicht unbedingt mit einer Verbesserung verbunden sein muss. Es sei denn, es kommt dem nur darauf an, dauerhaft versorgt zu sein; das soll ja vorkommen in diesen Kreisen. Da kriegt man ja auch Gehalt, wenn man die Brocken hinschmeißt. Und das soll da auch vorkommen. Sagt man.

Seien Sie vorsichtig mit dem. Der hält sich für wichtig. Der hat verhandelt. Eine Rücknahme des Vorwurfs, Sarrazin habe Ausländer diskriminiert? Eine substanzielle und sachliche Debatte über Integration? Sie sollten mit dem eine sachliche Debatte führen, wie er für Sarrazins Juristen eine Altersvorsorge maßschneidert, ein Kuhhandel mit Steuergeld. Der setzt die Bundesbank indirekt unter Druck und leistet sich dann ein derart elendes Geschacher. Norden Sie den ein, wenn Sie ihn als Außendienstmitarbeiter haben wollen. Sonst wird der Sie mit seinen Extratouren manches Sümmchen kosten – und Ihren untadeligen Ruf. Lernen Sie den an und entscheiden Sie sich, ob Sie ihn behalten wollen. Der ist besser als sein Vorgänger, bei dem wissen Sie schon vorher, dass der nichts taugt. Und Sie können den auch jederzeit wieder hinaustun. Mit sofortiger Wirkung natürlich. Falls Sie merken, dass der dem Amt Schaden zufügt.“


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