Geisterfahrer

13 10 2010

„Aber doch hier nicht einfach bremsen – warum bremsen Sie denn, Frau Merkel? Sie müssen doch hier gar nicht… jetzt langsam kommen lassen, ja, und dann den – abgewürgt. Ich habe es Ihnen schon so oft gesagt, Frau Merkel: was passiert, wenn man von unten heraus zu wenig Gas gibt? Richtig, gar nichts. Sie würgen die Karre ab. Stillstand. Ach, das Auto ist schuld, dass es nicht weiter geht? Na, das ist mir aber mal neu…

Was fragen Sie mich? Wollen Sie es nun lernen? Oder wollen Sie’s nicht? Man könnte schon fast den Eindruck bekommen, Sie wollten es nicht lernen, damit Sie hinterher den anderen die Schuld geben können. Ist das so? Und warum machen Sie dann nichts? Jetzt lenken Sie doch, Frau Merkel, lenken Sie doch endlich! Es ist doch nicht Gottes Wille, dass Sie den Kantstein rauf und runter fahren – Sie sitzen hinter dem Lenkrad, damit das gerade nicht passiert. Es liegt an der Straße? Warum liegt das an der Straße? Die Straße ist also so schmal, dass Sie unbedingt immer am Kantstein langfahren müssen, hatte ich das richtig verstanden? Was ist das für ein Unsinn, Frau Merkel – Sie beherrschen die Straße, nicht: die Straße beherrscht Sie. Oder hatte ich mich in den letzten Au8sführungen Ihrerseits da auch bloß wieder verhört? Na?

Und jetzt langsam kommen lassen, ja, so ist es recht! Gut, und wieder kuppeln, einen Gang höher schalten, Sie sind hier… Meine Güte, das kann doch nicht sein! Ja sicher, die Schilder hat man extra für Sie aufgestellt. Die stehen immer nur da, wenn Sie mal Fahrstunde haben, Frau Merkel. Mein Gott, jetzt tun Sie doch nicht dümmer, als Sie ohnehin sind – halt! Jetzt hätten Sie um ein Haar das Zeichen da überfahren, wissen Sie überhaupt, was das bedeutet? ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.‘ Wenn Sie das in der Prüfung nicht wissen, wozu wollen Sie dann überhaupt Ihren Führerschein machen?

Und jetzt langsam wieder anfahren – wenn es geht, bitte auch mal auf die Straße schauen, Frau Merkel, Sie hätten beinahe die ganze Verkehrsinsel mitgenommen. Und jetzt weichen wir dem Baum aus. Und das da ist ein Einbahnstraßenschild – nein, ich nehme meinen Fuß nicht von der Bremse, Frau Merkel. Wie käme ich dazu? Rein rechtlich sind Sie gar nicht Fahrzeugführerin, Sie üben hier lediglich. Wollen Sie jetzt etwa bockig werden? Natürlich ist es Ihre Entscheidung. Natürlich erwarte ich, dass Sie dazu stehen. Aber jetzt wäre es erstmal ganz nett, wenn Sie mir erklärten, warum Sie unbedingt in eine Einbahnstraße einfahren wollen. Weil das der einfachste Weg ist? Ja, die Erklärung leuchtet mir spontan ein. Das wird der Fahrprüfer sicher auch so sehen, Frau Merkel. Der ist bestimmt ganz scharf darauf, mit Ihnen als Geisterfahrer unterwegs zu sein. Das findet der gut. Jede Wette.

Dann machen Sie doch mal etwas Vernünftiges. Sie könnten hier mal anhalten und dann wieder anfahren. Ja, ich weiß schon, dass es hier aufwärts geht. Ist ja kein FDP-Parteitag, da geht’s höchstens abwärts, weil der Parteichef seitwärts – Sie wollen die Kiste wohl partout wieder abwürgen, was? Ja, die Handbremse. Ziehen Sie die Handbremse an und lassen Sie den ersten Gang langsam – ich sagte: Sie sollen Ihn langsam kommen lassen. Von Kupplung springen lassen hatte keiner etwas gesagt. Nein, das Ergebnis ist nicht dasselbe, und nein, Frau Merkel, wir entscheiden das auch nicht ergebnisoffen, ob wir die Straßenverkehrsordnung beherzigen, ja? Klar müssen Sie das. Sie haben sich entschlossen, Ihren Wagen hier auf einer Straße zu… nicht so weit, bitte. Nicht so weit, Frau Merkel. Verdammt, nicht nach rechts! Was soll denn der Unsinn? Nur weil die alle rechts stehen, fahren Sie an jeder verfügbaren Stelle rechts rein? Wollen Sie denn auf Biegen und Brechen eine Massenkarambolage?

Und dies ewige Geruckel, Frau Merkel, es ist doch nicht zu fassen. Da, schon wieder – abgewürgt im Kreisverkehr, großartige Leistung! Was meinen Sie denn damit? Sie denken doch nicht ernsthaft, nur weil Sie einmal auf die Autobahn wollen, um die Leitplanken zu besichtigen, ließe man sie die ganze Zeit auf der Standspur fahren? Was soll denn der Unfug? Den Motor? Die anderen? Was soll denn nun schon wieder dieser Unsinn, Frau Merkel – Sie können nicht ständig nach jedem kleinen Huster in der Maschinerie einen Neustart ins Auge fassen. Na, dann machen Sie sich mal auf die Rechnung gefasst, wenn Sie das versuchen sollten.

Sie werden da jetzt nicht anhalten, Frau Merkel. Das ist egal, ob Sie Trittbrettfahrer mitnehmen wollen. Und es ist auch absolut unnötig, wenn Sie den Menschen da draußen sagen, es sei sozial gerecht und ausgewogen, wenn die zu Fuß gingen, damit Sie weiter im Auto fahren könnten. Das ist absolut überflüssig, haben Sie mich verstanden? Haben Sie mich verstanden? Hallo, Frau Merkel! Hören Sie mir überhaupt zu? Vorsicht hier in der Kurve – Sie werden doch wohl nicht einfach die Ampel überfahren wollen? Sind Sie denn des Teufels? Es ist ja eh alles Grün? Sie sind doch nicht mehr ganz… Achtung! Vorsicht da, das ist die Mauer! Die Mauer, Frau Merkel, die Mauer! Vorsicht, Sie müssen aber jetzt… Obacht, es knallt gleich, ich kann den Wagen nicht mehr halten! Hilfe! – Na großartig! Jetzt haben Sie also die Karre ganz alleine an die Wand gesetzt. Ich bin wirklich beeindruckt! Lassen Sie es mich zusammenfassen: Sie können es nicht, Frau Merkel.“