Der Versuch der alten Dame

24 10 2010

Was man so macht, wenn man nichts tut.
Die Sache holpert, stolpert, kippt
wie Aschenreste, Staub und Glut,
die man hinab zum Rinnstein schippt.
Berauscht von etwas Wichtigkeit,
da weiß sie plötzlich: ausgedient,
was bleibt, ist reine Nichtigkeit.
Ihr Guido greint. Das Karlchen grient.
Das Volk regiert. Das passt ihr nicht,
zumal’s ihr keine Kränze flicht,
es ist für sie, im Gegensatz,
fehl am Platz,
    fehl am Platz.

Mit Eimerchen und Pinsel malt
die Kanzlerin sich selbst ins Eck.
Da hockt sie. Alles unbezahlt.
Ihr Horst siegheilt und schmeißt mit Dreck.
Versprechen auf Versprechen gilt
nicht mehr das Blatt, auf dem man’s schrieb.
Ihr Guido, dem der Kamm schon schwillt,
balgt sich mit Lump und Eierdieb.
Schuld haben alle, nur nicht sie!
Ob sie regiert? Das ist perdü,
in Angelas Erfahrungsschatz
fehl am Platz,
    fehl am Platz.

Nur her mit einem Sündenbock!
Die Hunde kläffen durchs Revier.
Doch diesmal wird’s ein andrer Schmock,
man hat was Neues im Visier,
den Popanz aus der Unterschicht.
Man drischt. Man brüllt. Man pumpt ihn auf.
Man klagt und sitzt auch zu Gericht.
Die Dinge nehmen ihren Lauf,
das Lügenpack gibt Schuss um Schuss –
ja, achwarzbraun ist der Faselstuss,
der Stürmer stürmt und bläst zur Hatz:
fehl am Platz!
    Fehl am Platz!

Doch was ist sonst? Was tut die Frau?
Sie trötet für ihr Seelenheil
und predigt dort vom Himmelsblau
das Wischiwaschigegenteil.
Das sägt die Nerven, quält das Land,
denn eher fängt man Vögel ein
und nagelt Sülze an die Wand;
die Bonzen halten alles klein.
Was soll das noch. Das Spiel ist aus.
Das Licht verlischt. Rideau. Kehraus.
Du warst vergebens. Für die Katz.
Fehl am Platz.
  Fehl am Platz.
    Fehl am Platz.