Leck

30 11 2010

„… nicht absehbar, welche Bedrohung von der Internet-Plattform ausgehen könnte, doch kursieren bereits zahlreiche Gerüchte, welche unglaublichen Erkenntnisse die kommende Welle von Wikileaks-Veröffentlichungen über Deutschland…“

„… kaum verwunderlich, denn die Studie wurde nie publiziert – mit Werten um 99,6% rangierten Florian Silbereisen, Hansi Hinterseer und Dieter Bohlen nur knapp hinter Johannes B. Kerner und Reinhold Beckmann, die sich den Spitzenplatz im Klassement der überflüssigsten TV-Gesichter…“

„… auch in den vorangegangenen Berichten der Lebensmittelchemiker schon für Aufsehen gesorgt, welche Zutaten sich wirklich in den Fruchtsäften befanden, doch rief dieses Strategiepapier, das alle Zusätze zu den Getränken erstmals offenlegte, bei den Kontrollgremien für Übelkeit und…“

„… berichteten Mitarbeiter, dass die Darstellung de Maizières innerhalb des Ministeriums nur für höhnisches Gelächter…“

„… die deutschen Männer in Wahrheit schwer gestresst sind vom Autowaschen, was jedoch…“

„… ein bedeutender Anteil der psychischen Erkrankungen auf die Beutelchen zurückzuführen war, die den Möbeln beigelegt waren und nicht die korrekte Art und Anzahl von Schrauben, Nägeln, Dübeln, Unterlegscheiben und…“

„… brach der Umsatz im Weihnachtsgeschäft nur deshalb so stark ein, weil das Management sich standhaft geweigert hatte, die im Fallback eruierte Unfähigkeit von Mario Barth als Darsteller der Werbespots unverzüglich zu…“

„… die eingesparten Milliarden wenigstens zum Teil in eine groß angelegte Werbekampagne zu stecken, in der den Verbrauchern erklärt wird, warum die Energiepreise künftig pro Jahr um das Dreifache…“

„… inzwischen nicht mehr verheimlichen lässt, dass die Junge Union regelmäßig ihre als Studienfahrten deklarierten Alkoholexzesse aus Steuergeldern finanziert und die Teilnahme samt nachmaligem Drogenscreening als staatspolitisch sehr förderliche Maßnahme gegen Extremismus…“

„… weil es bisher als technisch unmöglicher Plan dargestellt worden war, ein Auto mit einem handelsüblichen Verbrennungsmotor auszustatten, der nicht mehr als einen Liter…“

„… die Grünen natürlich weiterhin gegen die Ausbeutung afrikanischer Kindersklaven sind, doch die Fraktion hat sich aufgrund parlamentarischer Zwänge anders…“

„… Mappus alles akzeptieren würde, sogar einen kompletten Rückbau des Bahnhofs inklusive einer Baumschule im Stuttgarter Schlossgarten, die nach Heiner Geißler getauft wird, wenn er nur als Juniorpartner an einer Landesregierung…“

„… die Kontrolle der Verträge ergab, dass das ZDF die Olympischen Winterspiele in Deutschland nur dann übertragen würde, wenn Dieter Althaus als Experte für Abfahrtslauf…“

„… schon mehr nur Gerüchte gegeben hatte, dass sich Altkanzler Schröder die Haare gefärbt…“

„… ging aus den Krankenakten eindeutig hervor, dass Westerwelle sich einbildet, er sei der Außenminister, und könne er als solcher…“

„… wollte auch keiner wahrhaben, dass sich eine große Mehrheit der Befragten vehement für die sofortige Absetzung der Lindenstraße entschied, die über fünfundzwanzig Jahre lang an den Nerven der Zuschauer gesägt…“

„… dass die meisten Kurt Beck für einen Neandertaler halten, während die meisten von ihm keine so gute Meinung…“

„… bezog Claudia Roth sofort Stellung gegen einen Verbotsantrag für Windräder, Biogasanlagen und Solarkraft, doch wurde sie aufgrund parlamentarischer Zwänge…“

„… keine große Bedeutung beigemessen, wer die Führungspositionen in der Regierungspartei einnimmt, da auf dem Parteitag, der vordergründig der Wiederwahl der Kanzlerin dienen sollte, einige inkompetente, salbadernde Populisten durch einige inkompetente, salbadernde Populisten ersetzt wurden, deren…“

„… wurde bekannt, dass Mappus seine taktische Vorbereitung auf die Landtagswahl 2011, besonders die Lektion, wie man sich als Versager im Amt festbeißt, nicht von Jürgen Rüttgers, sondern von Roland Koch…“

„… war Thilo Sarrazin trotz verzweifelter Bemühungen keine Erfolg beschieden, seinen kruden Thesen – die Juden haben Gene, die Türken verpacken Gemüse in Kopftücher, richtige Arier speicheln beim Sprechen – Gehör zu verschaffen, denn Wikileaks hatte durchaus noch mehr zu…“





Seitwärtsgang

29 11 2010

„Wir üben das jetzt noch mal. Ruhig kräftig einschlagen, dann vorsichtig, leicht die Richtung – und schon wieder. Einmal kurz geruckt, Kantstein mitgenommen, und die Karre steht schief. Was habe ich Ihnen gesagt, Gabriel? Was habe ich Ihnen gepredigt? Vorsichtig, nicht aufs Tempo drücken, und vor allem die Nerven behalten! Meine Güte, Sie werden doch wohl noch rückwärts einparken können, oder ist das zu viel verlangt?

Weil man inzwischen das Gefühl bekommt, es gäbe keine SPD mehr. Oder besser, die ganze Opposition habe sich gleich mit in Luft aufgelöst. Ist das denn derart schwierig? Schwindet Ihr Realitätsbewusstsein? Können Sie nicht einmal den Rückspiegel ordentlich einstellen? Gabriel, hören Sie auf mich? Kriegen Sie noch etwas mit? Ja, ich weiß, Sie haben nicht viel Platz, um sich zu entfalten. Die Zeiten sind schwer, die Finanzen sind instabil, das Sozialsystem wird gerade sturmreif geschossen. Alles nicht neu. Aber Sie sind nicht unschuldig daran. Wer hat das alles erfunden?

Vorsichtig, habe ich gesagt – Gabriel, das ist doch Kokolores, in die Lücke kommen Sie rein! Ich meine, Sie sind mit zwanzig Prozent unterwegs, die Zeiten, in denen Sie die dicken Straßenkreuzer unterm Hintern hatten, die sind doch längst vorbei. Was zieren Sie sich hier so? Ja, nun mal Schwung und hinein ins Vergnügen! Langsam zurück und dann… Gabriel, langsam – langsam! Herrgott, ich habe gesagt, Sie sollen langsam anfahren! Es ist doch vollkommen unrealistisch, wenn Sie jetzt die komplette Agenda 2010 als katastrophalen Fehler bezeichnen, und es ist glatter Selbstmord, wenn Sie sie gleichzeitig der Regierung in die Schuhe schieben wollen. Gleichzeitig! Gabriel, der Wähler ist dumm, der Wähler glaubt gerne, aber der Wähler leidet nicht unter Gedächtnisschwund! Es muss Ihnen doch klar sein, dass sich bei der nächsten Auflage von Rot-Grün die Leute am Kopf kratzen und sich fragen, wo sie den Mist schon mal gesehen haben. Dann haben Sie ein Problem.

Oder Grün-Rot, ja. Was wahrscheinlich eher der Fall wäre, und dann haben Sie das Problem erst Recht. Glauben Sie, dass eine liberal-konservative Partei wie die Grünen, kampferprobt im Umfallen, nicht aus schierem Machtwillen mit der CDU eine Bundesregierung auswürfeln könnte? Eben, Sie sollten sich nicht in Sicherheit wiegen. Die SPD ist noch nicht zurück. Sie ist noch nicht einmal auf Platz zwei angekommen, und sie… Vorsicht! Sie können doch nicht einfach so die Kurve schneiden, und dann den Blinker nicht mal setzen – rechtzeitig blinken, Gabriel, die Grünen wissen sonst nicht, wohin Sie abbiegen wollen!

Dann eben noch mal gründlich, ja? Abbremsen, gut so, und die Kurve rein. Lenken, Gabriel! Jetzt lenken Sie doch – Mann, sehen Sie denn nicht, dass Sie nach links müssen? Was soll denn das, rechts vor links? Wenn es in der Kurve nun mal nur nach links geht? Gabriel, was reden Sie denn da für einen neoliberalen Quark? Noch mehr private Vorsorge, längere Lebensarbeitszeit, Abbau des Sozialstaates? Absenkung des Spitzensteuersatzes? Übernachten Sie häufiger mal bei Mövenpicks? Meine Güte, das nennen Sie den Kurs der Mitte? Nicht rechts gucken, nicht links gucken, und dann frontal gegen den einzigen Baum im weiten Umkreis? Toll! Das macht Ihnen so schnell auch keiner nach, Gabriel!

Dann wieder langsam kommen lassen. Gut so, jetzt in den zweiten Gang. Zweiter Gang, Gabriel. Zweiter Gang, Mann – haben Sie keine Ohren im Kopf? Hochschalten! Wie jetzt, das kann keiner mehr in der SPD hören? Es geht immer nur um die Interessen von Rentnern, Hartz-IV-Empfängern und Alleinerziehenden? Mit anderen Worten, Sie lassen die Leute verarmen und interessieren sich dann nicht mehr für sie? Gabriel, Sie machen hier ein Getöse – was beschweren Sie sich, dass das im Getriebe knirscht, höre ich selbst, darüber sollten Sie sich als letztes beschweren! Wann schalten Sie endlich mal? Ist da noch mal was von Ihnen zu erwarten, oder überlassen Sie das jetzt gleich der Linken, damit die nächste Große Koalition SDP und CDU ins Doppelgrab bringt?

So, ruhig jetzt. Fünfzig Kilometer in der Stunde, wir sind hier innerhalb geschlossener Ortschaft. Nicht drängeln, Gabriel. Nicht drängeln. Wieso Grundsatzdiskussion? Es fehlt die Richtung? Sie sehen doch, wohin die Straße führt, was brauchen Sie da eine Grundsatzdebatte? Die Arbeitslosen werden nicht dadurch weniger, dass Sie ihnen tolle neue Namen geben. Und wenn Sie den Sozialstaat kaputt machen, weil dann die Renditen der DAX-Unternehmen ein bisschen – um Gottes Willen! Sind Sie denn des Wahnsinns? Hat man Ihnen ins Hirn gehauen? ‚Fairness auf dem Arbeitsmarkt‘ nennen Sie das, wenn die Arbeitslosenversicherung ab jetzt nicht mehr als Versicherung arbeitet? Wie können Sie denn einfach so auf die Gegenfahrbahn steuern? Jawohl, Geisterfahrer! Gabriel, Sie haben wohl einen Triller unterm Pony? Die Leute zahlen in eine virtuelle Versicherung ein und werden nach drei Jahren spätestens rausgeschmissen, weil Ihnen die armen Multimillionäre so Leid tun? Geht es Ihnen gut, Gabriel? Meinen wir auch dieselbe SPD?

So, das reicht mir jetzt. Rechts ran. Na, das dachte ich mir, dass Sie damit keine Probleme haben. Kupplung treten. Gang raus. Zündschlüssel umdrehen. Motor aus. Handbremse. Gabriel, ich gebe Ihnen einen guten Rat: gehen Sie zu Fuß. Richtig, damit kommt man nicht weit. Aber es schont meine Nerven ungemein!“





Laufzeitverlängerung

28 11 2010

Etwas, das diese Bundesregierungsdarsteller bitter nötig haben. Sonst gehen da bald die Lichter aus. Und bitte jetzt nicht die Mehr-Brutto-vom-Netto-Nummer, die Atomkonzerne müssen auch erstmal mit mehr Netto vom Brutto fertig werden. Wir sind alle Teil eines großen Spiels. Alles, was sich noch außerhalb von Sinn und Verstand ereignet hat, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • wie repariere ich ein murmeltier mit jodel: Jodeltinktur bekommen Sie bestimmt beim Apotheker, das Murmeltier haben Sie wahrscheinlich vorrätig.
  • sarg selber bauen: Dass Sie die dreimonatige Testliegezeit selbst absolvieren, finde ich jetzt außerordentlich mutig.
  • glücksbärchi verkleidung selbst bastel: Denken Sie nicht, Ihre Nachbarn wären mit Ihnen schon gestraft genug?
  • königlich bayrischer hofmedikus herz: Die Gesundheitsreform treibt seltsame Blüten auf dem Arbeitsmarkt.
  • joseph beuys wer nicht denken will: Wenn Sie’s nicht so mit dem Denken haben, was wollen Sie dann mit Beuys?
  • welcher lurch lungert gelegentlich im hals herum: Seien Sie kein Frosch!
  • mal erwischt ich ein männchen egon schiele: Ihre Anatomiekenntnisse scheinen ausbaufähig.
  • suche beinprothese: War das jetzt noch Kassenreform oder bereiten Sie sich schon auf die Liberalisierung der Pflegekasse vor?
  • antike römisches haus ausmalbild: Fresken nach Zahlen?
  • doppelkorn visierung: Sie werfen die Flinte in den Doppelkorn?
  • lebenszeitverlängerung knut: Tiefgekühltes hält länger.
  • windhose in der kindersprache: Blähungswindel?
  • gummischürze bdm: Die Dienstpflicht wirft ihre Schatten voraus:
  • warzenschwein claudia roth: Es lässt sich auf die Handgelenke nieder und schiebt sich genüsslich durch den Dreck – gut, wir lassen das gelten.
  • beerdigung dritter klasse: Wenn Westerwelle versehentlich nach Neuwahlen riefe.
  • rollsplitt auf straße, wer reinigt?: Das Streugut ist rundgelutscht der Materialausgabe einzuhändigen.
  • welche seife eignet sich zum seifenschnitzen: Grüne.
  • mikrowellenwaffen bauanleitung: Das Innenministerium veröffentlicht solche Sachen aus Sicherheitsgründen nur noch in der Boulevardpresse.
  • verlobungsgeschenk basteln afghanisch: Stricken Sie eine Hindukuscheldecke.
  • torwart handschuhe stauballergie: Trainieren Sie öfter mal im Freien.
  • darf ich einen verurteilten ein päckchen ins gefängnis schicken: Nein, schicken Sie lieber gleich einen Realtestkoffer.
  • eishockey kleiderbügel: In den besseren Vereinen gibt’s inzwischen aber auch Schläger aus Holz.
  • spitzen für die zahnfleischentfernung: Angefeilte Pommes?
  • wird ratzinger ,wenn er kurz vor dem kratzen ist, an den füssen aufgehangen?: Hoffen wir’s.
  • mantelkragen nähen: St. Martin mit Versicherung?
  • schnelle bekanntschaft.de: Gehen Sie in Badeschlappen auf die Straße. Nur in Badeschlappen.
  • zungenpiercing aufsatz damit man es nicht sieht: Schnauze halten. Es wirkt.
  • steißprellung kühlen oder cremen: Panieren und braten.
  • „gebrauchte hähnchen“: Neue gibt’s in Niedersachsen sowieso keine mehr.
  • barabhebung meldepflicht: Machen die. China hat noch einiges auf dem Wunschzettel.
  • ist das opel zeichen drehsymmetrisch: Machen Sie die Probe, drehen Sie das Auto um 360 Grad.
  • polizeidiensttauglich hausstauballergie berlin: Lässt sich vermeiden, wenn Sie im richtigen Bezirk Dienst tun.
  • rostige nägel+essigessenz zyankali: Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, springen Sie doch einfach vom Dach.
  • gen deffekt: Sehr deffektvoll.
  • zweideutiges entengedicht: Mit Ihnen teilt meine Ente das Wasser nicht.
  • u-tube schwarze haare: Sie sind in einer Suchmaschine, kann ich Ihnen weiterhelfen?
  • hunde häkelpullover: Das klingt sinnvoll, manche lieben die Tiere aber wegen ihres fröhlichen Gebells.
  • kaffeefleck mit kondensmilch: Streichen Sie die Milch vorsichtig auf, am besten mit einem Kaffeelöffel.
  • verfrorener penis: Grünkohl mit Pinkel?
  • bloße füße reißnägel: Regelmäßiges Nachfeilen hilft.
  • weihnachtsmanagement: Bärtige Orientalen mit dicken Säcken sollte man in diesen Tagen mit Vorsicht betrachten.
  • glaskugel mit echter pusteblume: In echtem Kunstharz.
  • toupet kleberückstände waschbenzin: Wiefelspütz kriegen Sie nur mit mehreren Kanistern weg.
  • philologenverband: Beamtete Fußpfleger. Sie hören es aber nicht so gerne.
  • nachbrenner droge: Die Spice Girls kommen wieder.
  • wie mache ich meine grablaterne fest: Beerdigen Sie Ihren Onkel so, dass noch eine Hand rausguckt.
  • johannes heesters geburtshoroskop: Das muss noch die babylonische Variante gewesen sein.
  • böse katze tut einem knabe ins brot beißen in der küche: Da nahm er einen Löffel…
  • stalker persönlichkeitsprofil: Wollen Sie sich bewerben oder suchen Sie eine Fachkraft?
  • fahrradairbag: Man kippt zur Seite und bricht sich die Gräten, aber die Nase bleibt heil. Perfekt.
  • ein reissnagel ist schwer: Dafür treten Sie leicht rein.
  • wilmenrod rouladen sauerkraut: Vermutlich von arabischen Reitern im Spreewald erfunden.
  • eigenschaften dauerwellenflüssigkeit: Beginnen wir mal beim Aggregatzustand.
  • abbau wohnzimmerschrank seitenteil wo ist die befestigung: Der Scherbolzen für den Trulleberg ist in der Schublade.
  • chips zum einpflanzen für hunde um kastration vortäuschen: Sie lassen sich das mit den anatomischen Details noch mal erklären, ja?
  • bayrische fensterln: Bekommen Sie im Fachhandel als Windows KruCEfix.
  • dornauszieher: Klassische Requisiten finden Sie in Ihrem Baumarkt eher nicht.
  • barbie häkelanleitung funkemariechen: Mit Handgriff zum Wegschmeißen.
  • dna bastelanleitung: Wärmen Sie sich am besten an Ihrem Gummitwist-Zubehör auf.
  • darkroom für die erziehung: Die FDP besteht darauf, sich weiter öffentlich zu zerlegen.
  • „ernst fuhr“: Soll anrufen, wenn er angekommen ist.
  • weihnachtsmanagement: Früher war mehr Lametta.
  • darstellung und rechtliche würdigung eines verborgenen vorgehens: Sie klingen leicht unterbelichtet.
  • wiviel hiv positiv gibt es im westerwald: Was können Sie denn zahlen?
  • flatsch alkoholfreies bier: Das ist auch das einzige, was man mit dem Zeug machen kann.
  • puppenhaare häkeln: Die so genannten Deadlocks.
  • rippenprellung ganzheitlich: Lassen Sie sich von einem Reiki-Meister die Treppe runterschmeißen.
  • weihnachtsgesteck draußen: Ein gutes Mittel gegen Zimmerbrände.
  • ziegenbart schablone: Können Sie sich nicht mal freihändig rasieren?
  • jena scherzartikelladen: Etwas mehr Respekt könnten Sie Wolfgang Frank schon entgegenbringen.
  • göberitz – brandenburg: Alles nur aus Liebe.
  • bastelvorlage kinokarte: Sie sind seit dem Reinfall mit der BahnCard auch nicht klug geworden.
  • kann man jemanden wegen seeliger grausamkeit verklagen?: Fragen Sie Julia selbst.
  • religion wer es glaubt wird heilig: Erstmal werden Sie seelisch besprochen.
  • reinstoff fersehinterview: Die Schröder gibt auch immer so schöne Interview-Rohbauversionen zum Besten.
  • offenen pickel und dauerwellenflüssigkeit: Zwingt Sie ja keiner, sich die Nasenhaare einzudrehen.
  • geräuschvolles schlucken: Wenn die TA Lärm greift, sollten Sie mal zum HNO-Arzt.
  • rech lügt: Wahr?
  • tierschutzgesetz schleswig tätowier sedierung: Wenn’s Sie stört, gehen Sie nach Eckernförde.
  • paul breitner gehirnerschütterung: Die Frisur kann auch ein Unfall gewesen sein.
  • körpergröße hermann göring: Immerhin konnte er
  • grünes warzenschwein claudia roth: Braungrau. Sonst stimmt es aber.
  • ist hammerschlageffekt schädlich für vögel: Probieren Sie das gerne mal an einem Schwarm Krähen aus.
  • papierorden in der schule: Mehr werden Sie auch in Zukunft von der okönomilitärischen Sicherungstruppe nicht bekommen.
  • erziehungsberatungsstelle altötting: Für Minderjährige kein Zutritt.
  • mappus kaut fingernägel: Bald wird’s das Hungertuch sein.
  • hieb dachschaden: Wenn Sie’s schon wissen, warum dann noch die Frage?
  • nachbarschaftskrieg kiel ritter: Letztens haben sie Kunibert den Dosenöffner geklaut.
  • kollaps deutsch drahthaar: Vorsicht, wenn er einen Dackelblick macht.




Aus deutschen Landen. Limericks (XIX)

27 11 2010

Verliebt war ein Jüngling in Wedel
und harrte des Nachts auf sein Mädel.
Das nahm ihr die Ruhe,
drum schmiss sie ihm Schuhe
vom Fenster herab auf den Schädel.

Ein Gärtner zog Hopfen in Hopfen,
um ihn danach gleich umzutopfen.
Doch waren alleine
die Töpfe nur kleine,
drum musst er den Hopfen reinstopfen.

Ein Lotteriespieler aus Brünst,
der dachte sich: „Wenn Du gewinnst,
dann kaufst Du den Schafen
ein Schiff nur zum Schlafen.“
Sein Weib sagt dazu nur: „Du spinnst!“

Die Aussicht, dass Melchior in Grüb
ein großer Tenor wird, ist trüb.
Sein Lehrer (trotz Qualen)
beim Stundenbezahlen
bestärkt ihn: „Du schaffst es, nur: üb!“

Ein Kistchen fand Böhlmann in Bachern
mit Böllern, Raketen und Krachern.
Er wollt’s für Silvester
bewahrn bei der Schwester –
die Treulose tat es verschachern.

Ein Zimmerer suchte in Selk
ganzheitliches Holz fürs Gebälk,
denn Mondholz und Eiche
sind letztlich das gleiche,
nur fand er, das Zeug rieche welk.

Es zog der Barbier dort in Häder
ganz klassisch gewaltig vom Leder.
Er konnte nicht dienen
mit Bartschermaschinen,
rasieren ließ sich trotzdem jeder.





Gernulf Olzheimer kommentiert (LXXXIV): Adel

26 11 2010
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Jede Gesellschaftsordnung, und sei sie noch so nebensächlich wie das Konglomerat aus Feudalstaat und Sklavenhaltergesellschaft, das die aktuelle Demokratur hervorgebracht hat, muss sich im stillen Kämmerlein eingestehen, dass die Menschen größtenteils gleich sind; zwar haben einige von ihnen Qualitäten, die leichter erkannt werden können – sie sind dümmer, dicker, hässlicher und fallen durch eine Penetranz auf, die zwingend nach Materialkaltverformung im Gesichtsschädelbereich ruft – doch im Grunde ihres Wesens sind diese Hominiden überall gleich unerträglich und eine Landplage, die nicht einmal durch Zivilisation einzudämmen wäre. Und doch spielen einige von ihnen nicht mit, nicht aus Mutwillen oder Lust an der Gefahr, sondern aus reiner Gewohnheit. Dass die Gesellschaft sie gewähren lässt, die Adligen, ist schon ein Ärgernis für sich, vor allem da, wo es sich nicht um Tugendnobilität, Leistungselite oder die intellektuelle Oberschicht handelt.

Die erste Welle des Adels beruht auf Rittertum, und das war mitnichten die edle Gesinnung, die Herrschaft des Kaisers mit Blut und Eisen gegen unrechtmäßige Angreifer zu verteidigen. Sie waren seit jeher die Mafia der Gesellschaft, verlogen und Recht missachtend, sonst wären sie kaum so schnell an Grundbesitz gekommen, hätten nicht fahrendes Gut am Rande der Handelsadern abgeschöpft – zeitgenössische Termini der juristischen Würdigung wären „Bandenkriminalität“ oder „Raubmord“ – oder Witwen und Waisen, statt sie glaubensfest und gottgefällig zu beschützen vor dem altbösen Feind, schikaniert und ausgeplündert, dass es seine Art hatte. Pilger und Prälat, Bauers- und Bettelmann ließen ihre Taler im Säckel der Ganoven, die sich geräumige Burgen in die Landschaft klotzten. Kein Wunder, dass der Adel Stammsitze in bester Lage sein Eigen nennt, weshalb er im zunehmenden Verstädterungsprozess auch ansehnliche Adressen auf die Visitenkarten pinseln konnte; hört sich doch für ein bürgerliches Fräulein im heiratsfähigen Alter Kevin von Bröselfels viel potenter an als beispielsweise Jupp Müller.

Die zweite Welle nutzte bereits das Renommee der ersten. Nun kannte keine der Fachkräfte des ausgehenden Mittelalters die Ritterburgen aus eigener Anschauung, das Propagandageschwalle machte aus den begehbaren Bedürfnisanstalten mit fließend Wasser von den Innenwänden heroische Trutztempel der protominimalistischen Lebensart, angefüllt mit Fräuleins und Minnesängern, kühnem Reiterspiel und abendlichem Festgelage. Und so pochte der Ministeriale, der Bürokrat der Staufer und Welfen, statt Gehaltserhöhung und Sozialabgaben zu fordern, auf eine Erhöhung in den Adelsstand, um sich gleichfalls Üffes von Schälsick zu nennen, niedere Nobilität, die doch die Verpflichtung zum Kriegsdienst endlich von der Backe hatten, und das war der eigentliche Sinn: die anderen durften die Rübe hinhalten.

Genau so sieht es bis heute aus. Die Adelshäuser verfügen über nicht unerheblichen Grundbesitz, der selten gepfändet, versetzt oder mit Hypotheken bepflastert ward, wenngleich es mehr als einmal nötig gewesen wäre, und sie diktieren in höheren Höhen als Monarchen diverse Staaten. Noch im Absolutismus schwiemelten sich die Russen als Nachzügler der europäischen Systeme einen Adels-Ordo zurecht, der die Bodenpertinenz mitsamt Leibeigenschaft zementierte – die Ungleichheit des Volkes also festschrieb. Doch um welchen Preis?

Außer fürs Bettamüsement taugte der Plebs der Aristokratie ohnehin zu nichts, ihre evolutionäre Testreihe setzten sie untereinander fort. So paarte sich die Noblesse mit ihresgleichen, nota bene: aus politischen Gründen meist kastenweise hoher oder niederer Adel, protestantischer oder katholischer, vornapoleonischer oder nachnapoleonischer. Die Folgen sind ersichtlich, die erlauchten Herren leiden inzuchtbedingt unter hereditärer Hämophilie oder sind schlicht kognitiv naturbelassene Burschis mit der Zutatenliste für einen Dachschaden im Marschgepäck. Ob Foffi Ernst oder Gloria August macht, wir können auf den Adel verzichten.

Dennoch gibt es wohl genügend Brezelbieger, die den aufwendigen Namen mit den verklemmten Präpositionen nachseufzen, wo sie können – der anstrengungslose Wohlstand der Märchenwelt ist scheint’s noch attraktiver als der wenigstens durch Erwerbsarbeit finanzierte Lebensstil der Filmdiven, die fiskalisch inzwischen interessanter sein dürften als der heruntergekommene Brief- und Schwertadel mit anderthalb Morgen Wind ums Haus. Allein die Vorstellung, dass sich hinter einem Briefzusteller der legitime Nachfahre eines Polizisten aus dem 14. Jahrhundert verbirgt, fasziniert die Mehlmützen über Gebühr. Bis heute ist der Aristokrat in den Berufen zu finden, in denen er das bisschen Birne nicht groß gebrauchen muss, er lernt Diplomat und Offizier, wird Prälat oder Prolet, und wenn er zu gar nichts taugt, fernab jeglicher Eignung, sinnvoll wie rosa Schleifchen um den Müllsack, dann entsorgt man ihn da, wo er der Familie keine Schande mehr macht, wenn er über die eigenen Füße stolpert: im Ministeramt. Welch ein Traum für die Bekloppten.





Kriegserklärung

25 11 2010

„Stümperhafte Planung. Mehr kann man dazu kaum sagen.“ „Sie müssen aber berücksichtigen, dass die Sache durchaus langfristig organisiert ist.“ „Diese Regierung gibt sich trotzdem jede mögliche Blöße. Es sind Dummköpfe und Pfuscher. Keiner wird das als Gefahrenabwehr bezeichnen, der einmal realen Terror erlebt hat. Es ist so unendlich albern.“

„Sie gehen wie ihr Vorbild Bush vor. Sie suchen Ablenkungsmanöver von dem Dilettantismus, den sie Regierungsarbeit nennen.“ „Wenn es das nur wäre! Sie forcieren gerade den Umsturz in einen militarisierten Präventivstaat – an jeder Straßenecke bewaffnetes Personal, und trotzdem gibt es nichts als Sicherheitslücken. Überall Sicherheitslücken!“ „Wobei die darin bestehen, dass Innenminister wie Schünemann oder Herrmann sich eine Herde rosa Elefanten vorstellen und darüber räsonieren, wie man die durch Vorratsdatenspeicherung und Bundeswehr weghext.“ „Trotzdem: es ist laienhaft inszeniert. Die Dramaturgie könnte schlechter nicht sein. Sie lassen Wasserwerfer auf Schüler und Rentner los, so dass sie bei potenziell militanten Castor-Gegnern, die Straftaten in Kauf nehmen, nicht mehr von einer unvorhergesehenen Eskalation sprechen können. Sie fordern die Einschränkung der Pressefreiheit, bevor sie physische Bürgerrechte zur Personenkontrolle und Objektsicherheit beschneiden – sie haben nicht einmal treue Nachplapperer in den Redaktionen installiert. Nicht einmal als billige Provokation für ein paar Chaoten kann das herhalten.“ „Vermutlich setzen sie ganz auf die Armee als Problemlösung.“ „Bundeswehr im Inland – das alles ist lächerlich. Reden wir nicht über die Ausdünnung der Personaldecke in den vergangenen Jahren. Geschenkt!“ „Die wird nicht einmal hinterfragt, wenn es um die Aufklärungsrate von Verbrechen geht.“ „Es war vor allem ein grandioser Fehler, den Einsatz der Bundeswehr im Innern, diesen Schlussstein der faschistischen Renovierung, den man heimlich, still und leise dort anbringt, wo keiner sich bemüßigt fühlt, auf das Grundgesetz hinzuweisen, als Hauptforderung wie eine Monstranz vor sich herzutragen.“ „Immerhin hatte das Ministerium für Staatssicherheit keinen unmittelbaren Zugriff auf die Nationale Volksarmee zur Erledigung seiner Aufgaben. Die Vorstellungen des Herrn de Maizière sind da etwas dezidierter.“ „Diese Planungen sind und bleiben ein Haufen Schrott. Demnächst werden sie uns erzählen, man könnte aus bildungspolitischen Erwägungen keine neuen Polizisten einstellen und müsse auf die fertig konditionierten Soldaten zurückgreifen.“ „Also ein Fachkräftemangel? Das lässt sich doch immer per Einwanderung lösen. Die französische Aushilfe im Wendland hat doch schon bestens funktioniert.“

„Sie müssen es so machen. Irland steht auf der Kippe, der Musterschüler des Turbokapitalismus hat der Logik folgend als erstes Land den Bankrott erreicht. Spanien wird folgen, Portugal wird folgen. Deutschland wird auch folgen. Deshalb brauchen wir das Militär, um in die Menge schießen zu können.“ „Es wird vermutlich schwierig, wenn die Herren feststellen, dass eine Panzerhaubitze nicht so zielsicher ist wie ein Wasserwerfer. Außerdem werden sie sich um die Gebäudeschäden kümmern müssen, die so ein Geschütz verursacht.“ „Das werden sie sich wiederholen von den Verursachern. Das Verursacherprinzip der Novemberpogrome bietet sich an: die Juden waren schuld.“ „Und warum soll man den Terror nur bis Ende des Monats auskosten? Oder nur bis zum Ende des Jahres? Man könnte Wahlen zusammenlegen am 27. März, die CDU weiß eh, dass sie chancenlos in die Herausforderung geht, und dann sind wir der Sache ledig. Ansonsten werden sie vermutlich bis zum Herbst 2013 die Bedrohungslage bis kurz vor die akute Paranoia ansteigen lassen, um dann im Bundestagswahlkampf zu verkünden, es habe sich weltweit kein Lüftchen geregt, weil die deutsche Polizei anlassunabhängig Hausdurchsuchungen bei Bürgern mit merkwürdigen Vornamen durchführt.“ „Und es fiele dann auch nicht mehr auf, dass die mittelfristig geplante Fusion der Geheimdienste mit dem Bundeskriminalamt genauso zufällig mit den Drohungen zusammentrifft wie eine seit Monaten geplante Protestdemonstration gegen das Sparpaket von ungefähr an dem Tag stattfindet, an dem der Reichstag in die Luft fliegen sollte.“ „Immerhin haben sie das richtige Abschreckungsmittel für die Terroristen. Wenn man ihnen schon die passenden Ziele in den Abendnachrichten präsentiert und die darauf abriegelt, welcher Terrorist würde da nicht versuchen, unerkannt mit einer Bombe durch die Reihen der Maschinenpistolen zu kommen?“

„Wenn sie auch nur ansatzweise wüssten, wie Terrorismus funktioniert, hätten sie diese krude Verschwörungstheorie nicht ins Zentrum ihres Handelns gestellt.“ „Sie haben sich einen virtuellen Feind erschaffen. Er sitzt im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan, kilometerweit entfernt von irgendeiner befestigten Straße in einem Erdloch ohne Strom, Wasser oder Satellitenempfang, und doch stellt er ständig perfekt geschnittene Videos ins Internet, Drohbotschaften, in denen der ganz große Knall angekündigt wird – das Attentat, das nicht die zwanzig mächtigsten Regierungschefs in die Luft jagt, sondern lieber fünfzig Passanten auf dem Weihnachtsmarkt. Sie kennen keine Probleme mit Nachschub und Koordination, für einen toten Gotteskrieger wachsen sofort drei neue nach.“ „Man könnte fast denken, sie hätten nie etwas von der RAF gehört.“

„Diese Regierung will eine Kriegserklärung.“ „Das sowieso, aber warum so umständlich?“ „Sie verstehen das falsch, diese Regierung braucht jemanden, der ihnen den Krieg erklärt. Jemanden, der ihnen erklärt, wie Krieg funktioniert. Für alle Seiten.“ „Also jemanden, der ihnen zunächst einmal beibringt, dass man keine Terrorwarnungen ausgibt, ohne von jetzt auf gleich sämtliche Atomkraftwerke herunterzufahren und schwer bewaffnete Trupps vor den Wasserwerken zu postieren.“ „Wenn ich Terrorist wäre: Rollkommando durch Deutschland, an jedem Weihnachtsmarkt zwei Heckenschützen.“ „Klar, die Polizisten fühlen sich ja sicher in ihren Schutzwesten.“ „Deshalb: Kopfschuss und die Waffen einsammeln.“ „Und dann mit einem Haufen Selbstmordattentäter, CSU-Wähler, Schützenverein, rein in den Kölner Dom und alles niedermähen.“ „Im Weihnachtsmann-Dress mit Wattebart.“ „Oder bei der Weihnachtsfeier eines Rüstungskonzerns.“ „Oder eines Bankvorstandes, der den Konzern mit Krediten für die Schmiergelder aushält, damit das Kriegswaffenkontrollgesetz nicht im Weg ist.“ „Oder nach Pullach.“ „Oder ein Tankwagen, der die Bahnschranken durchbricht, kurz bevor ein ICE ungebremst reinrast.“ „Und ein Überfall auf den Reichstag, bei dem die Abgeordneten als Geiseln genommen würden? Für 10 Millionen Euro Lösegeld?“ „Wenn die halbwegs anwesend sind und die Regierung sich darunter befindet, würden die Deutschen 100 Millionen sammeln. Falls die Terroristen sie dann auf alttestamentarische Art vor laufender Kamera um die Ecke bringen.“ „Gute Idee.“ „Sie sehen, man muss es nur professionell angehen.“





Völlig hinterm Mond

24 11 2010

Ächzend klapperte ich die Stufen bis ins dritte Stockwerk hoch. Die Glasflaschen klirrten in dem hölzernen Gestell. „Danke schön“, jubelte Sigune, „ich war schon so in Sorge, Pepilein würde verdursten.“ Mein Gesicht tanzte ein Fragezeichen. „Aha“, versucht ich aufs Geratewohl, „ich hatte zwar von einem Kleinhund nichts mitbekommen, aber wenn das Tier nun mal so anspruchsvoll ist…“ Sie runzelte die Stirn. „Pepi ist doch kein Hund!“ „Hamster? Meerschwein?“ Sie griff um die Ecke und hielt mir einen halb vertrockneten Blumentopf unter die Nase. „Pepi ist mein Alpenveilchen.“ Ich nickte; möglicherweise kam diese Müdigkeit auch nur vom Wetter. „Hätte ich mir denken können, der bajuwarische Name legt eine alpine Existenzform nahe.“ Doch das brachte Sigune erst recht auf die Palme. „Pepi war ein König, ein echter Pharao! Der hat 40 Jahre lang regiert – so einen Freund gieße ich doch nicht mit Leitungswasser! Pepi bekommt ausschließlich das gute Lebenswasser in Vollmond-Abfüllung, dass Sie’s nur wissen!“

„Vollmond-Abfüllung!“ Ich schlug mir mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Diese Frau hat doch nicht alle Rillen auf der Erbse!“ Anne lächelte. „Das finde ich in der Tat auch ziemlich übertrieben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Blumentopf den Unterschied überhaupt bemerkt.“ Schon wollte ich sie fragen, welchen Unterschied sie denn sähe, da schnitt sie mir zu meinem Entsetzen das Wort ab. „Als Nahrungsergänzung kann man es empfehlen, aber bei Topfpflanzen ist Mondphasen-Wasser die reinste Verschwendung.“ „Sag mir bitte, dass Du das nicht ernst meinst.“ Doch Anne ließ sich nicht beirren. „Es gibt eben mehr zwischen Himmel und Erde, als Dein Schulwissen für möglich hält.“

Günstigerweise hatte Anne den Prospekt aus dem Ökosupermarkt mitgenommen – ein exquisiter Laden, der nur biologisch-dynamisch produzierte Salami in naturbelassenem Plastik verkauft – und zeigte mir gleich an Ort und Stelle die Auswüchse ihrer lunaren Anwandlungen. „Das ist Mondbrot mit Dinkel, und hier ist Mondkäse.“ Ich nahm ihr das Blättchen aus der Hand. „Dass der Mond aus grünem Käse besteht, war mir auch schon bekannt. Und da Du als Juristin ja sowieso vornehmlich das glaubst, was Du nicht beweisen kannst…“ Sie legte die Stirn in Falten. „Kann es sein, dass Du Dich über mich lustig machst?“ Da fegte sie auch schon die Kaffeetasse vom Tisch. Im letzten Augenblick bekam ich sie zu fassen.

„Du solltest das Hemd schnell einweichen, sonst bleiben die Flecken drin.“ Ich steckte es in die Maschine; Anne protestierte energisch. „Es mag ja sein, dass es ökologisch bedenklich ist“, gab ich zu, „aber ich habe jetzt keine Zeit für Handwäsche. „Aber Du musst!“ Sie durchwühlte ihre Handtasche und zog ein Büchlein hervor. „Der Mondkalender sagt, dass heute ein zunehmendes Drittel ist, und das auch noch bei Deinem Aszendenten.“ „Meinem Aszendenten geht es großartig“, grantelte ich, „er lässt mich größtenteils in Ruhe. Und ich weigere mich, an irgendwelche Mondphasen zu glauben, schon gar nicht, wenn sie nicht stimmen. Der Mond hat letzte Nacht voll ins Schlafzimmer geschienen, der nimmt nicht zu.“ Anne mopste sich. „Ach, auf einmal – ich dachte, es interessiert Dich nicht?“

„Die Monatstabelle sagt, Du kannst Dir morgen wieder die Haare schneiden lassen.“ Eifrig blätterte sie in dem Kalendarium, so unterbrach ich sie nicht damit, dass mein letzter Friseurbesuch gerade zwei Tage hinter mir lag. „Du könntest beispielsweise jetzt auch Holz fällen, das dann viel energiereicher ist.“ „Du meinst“, grübelte ich, „es hat tatsächlich einen höheren Brennwert? Schade, dass ich gar keinen Kamin habe.“ „Falls Du baust, Du Trottel!“ Ich klatschte in die Hände. „Großartige Idee, dass ich nicht gleich daran gedacht habe! Der Stutzflügel kommt auf den Balkon, und dann baue ich mir im Wohnzimmer eine Blockhütte – steht da, ob man sie nach den Mondphasen ausrichtet? Und fängt die mit den Gezeiten auch an zu schwanken?“ Sie biss die Zähne zusammen; vermutlich hatte sie nicht mit so viel Interesse von meiner Seite gerechnet. Ob ich sie in punkto Zu- und Abnehmen auch auf den Erdtrabanten ansprechen sollte?

Während ich mir ein neues Hemd zuknöpfte, durchwühlte Anne weiter ihr Jahrbüchlein. „Du solltest vielleicht auch mal Deinen Speiseplan nach dem Mond ausrichten.“ „Es reicht, wenn Deine Uhr nach dem Mond geht“, knurrte ich, „und ich habe nicht vor, dahinter zu leben. Verschon mich mit diesem Hokuspokus, sonst werde ich dafür sorgen, dass das Mondwasser gleich unter Gezeiteneinfluss in Deine Richtung schwappt!“ „Du willst es ja nur nicht wahrhaben!“ Ich schlug mit der Faust auf den Tisch.“ „Erzähl mir nichts von Ayurveda-Chakren und Tantra-Tarot, ich muss mir diesen Schrott schon ständig von Sigune anhören!“ Da blubberte es. Anne schaute um die Ecke in die Küche. „Wasser“, schrie sie, „Wasser – die Maschine läuft aus!“

Ich feudelte und wrang. Anne hievte den anderen Eimer in die Spüle und rückte die Brille zurecht. „Das hätte ich ja vorhersagen können“, meinte sie spitzig. „Wie soll ich das denn jetzt verstehen?“ Sie fingerte nach dem Mondkalender. „Wie Du siehst, ist hier der Schnittpunkt – der zunehmende Mond und die Aszendentenlinie, und da der Gezeitenkraftstrom, der eine negative…“ „Wie dem auch sei“, fiel ich ihr genüsslich ins Wort, „ich werde daran denken, wenn’s so weit ist. Du hast den Kalender vom nächsten Jahr dabei.“

Seitdem hat sie nie wieder ein Wort über den Mond verloren. Nicht einmal in homöopathisch wirksamer Verdünnung.





Survival

23 11 2010

„Jetzt malen Sie doch nicht gleich den Teufel an die Wand! Wo ein Problem ist, da ist auch eine Lösung – und es ist gut, dass Sie sich um Hilfe bemühen. Es wird vielleicht nicht ganz einfach, aber wenn wir gemeinsam…“ „Da dürfte ja das Problem liegen. Es ist nicht viel mit Gemeinsamkeit.“ „Sie wollen doch aus der Depression heraus?“ „Ja klar, aber das geht nicht gemeinsam.“ „Wie soll ich das verstehen?“ „Wir wissen ja schon, wie es gehen könnte. Aber es ist so gut wie unmöglich… Sie verstehen?“ „Nicht im Geringsten.“ „Er wird das nicht mitmachen.“ „Wer wird was nicht mitmachen?“ „Westerwelle. Wir können als FDP machen, was wir wollen, es ist egal, und es ist auch nicht das Problem, denn wir wissen sehr wohl, was gut ist für uns – es ist das Problem, dass… also Westerwelle.“ „Na, das nenne ich mal eine Selbsterkenntnis. Die FDP definiert ihr Problembewusstsein, indem sie weiß, wer ihr Parteivorsitzender ist.“

„Meinen Sie denn, Sie werden uns irgendwie helfen können?“ „Woran hatten Sie gedacht?“ „Es muss schon durchgreifend sein. Eine grundlegende Maßnahme. Also radikal – richtig eine Art Schock für die Öffentlichkeit, gerade für die Öffentlichkeit. Der Wähler muss ganz klar erkennen: die Liberalen sind wieder da, wir machen eine Politik für die ganze Bundesrepublik, jetzt packen wir Probleme an und…“ „Hatten Sie eher an eine inhaltliche Neuausrichtung gedacht oder könnten Sie sich auch mit dem Gedanken an einen personellen Neubeginn anfreunden?“ „Wo genau wäre der Unterschied?“ „Im letzteren Falle gäbe es Milliardenumsätze bei Schaumwein und Konfetti.“

„Wir hatten ein neues Vorgehen beschlossen im Zusammenhang mit Steuersenkungen.“ „Ach, das schon wieder. Wie weit sind Sie gekommen?“ „Es ist noch nichts passiert.“ „Wundert mich nicht.“ „Dass wir noch kein Konzept haben für eine neue Steuergerechtigkeit, die…“ „Dass die FDP noch immer über Steuersenkungen herumlamentiert, dass sie völlig planlos Beschlüsse fasst und verwirft und dass sie nichts auf die Reihe kriegt.“ „Wir haben uns jetzt immerhin ganz klar positioniert.“ „Aha. Wenn ich erfahren dürfte, wo und wie?“ „Wir sind für die Senkung der Steuern, damit der Mittelstand entlastet wird.“ „Warum machen Sie dann das Gegenteil?“ „Warum denn das Gegenteil?“ „Die Krankenversicherung wird teurer, die Pflege bald auch, die Zigaretten werden teurer, damit das Fliegen nicht so teuer wird, und deshalb wird auch das Fliegen teurer – das soll die Entlastung des Mittelstandes sein?“ „Wir müssen die Entlastung des Mittelstandes eben dafür nutzen können, dass wir die Versicherungskonzerne besser finanzieren können. Die Aktionäre sind auch nur Menschen, oder sehe ich das falsch?“ „Wie die Hoteliers?“ „Was haben die mit den aktuellen Steuerplänen der FDP zu tun?“ „Sie wollen lieber die Gewerbesteuer abschaffen, das hat auch nichts mit den mittleren Einkommen zu tun, nur mit den Großkonzernen, und wenn dann die Kommunen pleite sind, holen sie es sich bei den mittleren Einkommen wieder.“ „Da sehen Sie mal, dass wir uns zum mitfühlenden Liberalismus bekennen: die Arbeitslosen gehen wir schon gar nicht mehr an.“

„Wir hatten eventuell daran gedacht, jetzt gar nichts mehr zu machen.“ „Also so wie immer?“ „Nur vorübergehend. Nichts mehr entscheiden, keine neuen Steuerpläne, keine Aussagen über den Koalitionspartner, und nach Möglichkeit die großen Themen verschieben auf unbestimmte Zeit.“ „Ja, das wird bestimmt ganz neu sein für die Leute. Das wird ihn an die Zeit vor der NRW-Wahl erinnern, da fühlt er sich ernst genommen und reagiert sicher mit überschäumendem Enthusiasmus.“ „Wir haben uns im Mai ja auch behauptet, das war eine großer Sieg für uns als FDP!“ „Ach…“ „Und dann wollten wir vielleicht über die Weihnachtsfeiertage erstmal in Klausur gehen, und danach eine Anzeige, doppelseitig, Hochglanz, mit Guido Westerwelle und Birgit Homburger.“ „Die Brandsätze auf Ihre Geschäftsstellen zählen Sie dann aber selbst?“

„Meinen Sie denn, dass Sie es irgendwie schaffen, die FDP wieder in die Schlagzeilen zu bringen?“ „Das Problem dürfte eher sein, dass sie bisher nicht aus den Schlagzeilen herauskam.“ „Aber das muss doch gehen. Sie kennen doch sicher einen PR-Fachmann, der das organisieren kann.“ „Sie denken ernsthaft, das hier sei in erster Linie ein Kommunikationsproblem, das man mit Reklame hinbiegen könnte?“ „Sollen wir mitten in der Legislatur noch anfangen, ein neues Programm zu erfinden?“ „Sie könnten sich mit Liberalismus befassen. Mit Bildung, sozialer Gerechtigkeit, Bürgerrechten und dem Abbau mittelalterlicher Berufsschranken.“ „Das wird die Wähler aber ganz schön irritieren.“ „Warum? Schließlich hatten Sie das in Ihrem Wahlprogramm versprochen.“ „Eben.“

„Also jetzt sagen Sie schon: was sollen wir machen? Das Guidomobil wieder rausholen? Einen Gleichschaltungsparteitag wie in der CDU? Noch mehr Aufschwungspropaganda mit Brüderle?“ „Sie wollen eine ernsthafte Antwort? Für Ihre Partei, die im Herbst der Entscheidungen weniger hinkriegt als eine halbe Legislaturperiode Aussitzen unter Kohl? Mit dieser FDP, die nicht viel mehr darstellen kann als die Salatbeilage neben Westerwelle?“ „Jetzt sagen Sie schon!“ „Das wird ein langer, harter Weg, und ich bin mir nicht sicher, ob es bis 2013…“ „Wieso 2013? Wir brauchen einen Durchbruch bis zum nächsten März!“ „Dann habe ich die Lösung.“ „Los, her damit! Sagen Sie schon – spannen Sie mich doch nicht auf die Folter!“ „Erschießen Sie Westerwelle. Das kann gar nicht schiefgehen.“





Das Ende des Abendlandes

22 11 2010

„… aber noch oberhalb des Gefrierpunktes. Die Terroristen, die für den heutigen Tag angekündigt sind, brauchen keinerlei Rutschgefahr zu fürchten, Deutschland zeigt sich als gastfreundlich und…“

„… sich die Talfahrt des DAX fortsetzte, was nach Angabe der Börsenanalysten jedoch keinerlei außen- oder sicherheitspolitisch motivierte Gründe hatte, sondern an der erfolgreichen Fusion der Unternehmensberatungen…“

„… hatte sich der Frachtdienstleiter beschwert, dass die vom Bundesnachrichtendienst angegebene Nummer auf dem Paketschein nicht korrekt übertragen worden war. Die Sendung, die entgegen den Abmachungen keine Holzwolle, sondern eine Schachtel Kekse enthalten habe, löste nicht wie vorgesehen den Terrormöglichkeitsverdachtsalarm aus, auch kam es aus Namibia und nicht wie vereinbart aus dem Jemen, so dass das vorsorglich bestellte Kamerateam gar keine Bilder mehr…“

„… sehr wohl einen terroristischen Hintergrund, nicht zu sagen eine internationale Verschwörung von größerem Ausmaß, da das Gesetzesvorhaben allein auf Wunsch der Atomkonzerne…“

„… so auch nicht vorherzusehen. Die Polizei in Hannover betonte, man habe die Polizisten unter schwerer Bewaffnung ausrücken lassen, da der hiermit verbundene Abschreckungseffekt sicher stark auf potenzielle Attentäter wirke – angesichts eines zu erwartenden derart starken Resultates sei es nicht erforderlich gewesen, die Polizisten auch noch mit Munition auszurüsten, so dass versehentliche Tötungen von unbeteiligten oder unschuldigen Bürgern nahezu ausgeschlossen…“

„… hatten die knapp 4.000 Sicherheitskräfte keine Auswirkungen auf den Schienenverkehr. Bahnchef Grube ließ verlautbaren, dass im Schnitt drei Stunden Verspätung bei Vorortzügen völlig normal seien, und dass von einer…“

„… sich einfach verhört. Statt eines Attentats mit Explosivstoffen fand die Hundertschaft auf dem Sportplatz von TuS Rot-Weiß Krömelingsfelde den völlig verstörten Hausmeister Gustav Petzereit, der sich wie nach jedem Wochenende mit Heimspiel an den Rasensprengeinsatz machte und die dem Verein gehörende Sprinkleranlage…“

„… auch möglich, dass die Kopfschmerzen nicht der Terrorgefahr geschuldet sind, sondern dem billigen Glühwein, der auf dem Weihnachtsmarkt becherweise ausgegeben…“

„… sich Wolfgang Bosbach nicht dazu äußern wollte, inwieweit man seine Medienpräsenz schon als Terror…“

„… während das Rundfunkstudio vom SEK gestürmt wurde. Tatsächlich handelte es sich bei dem Musikwunsch Ich hab noch einen Koffer in Berlin nicht um eine versteckte Botschaft an muslimische Terroristen, sich in die…“

„… aufgrund eines Missverständnisses den Koffer von Ali Tabatabai mit Großkalibermunition beschoss. Der Iraner hatte das Gepäckstück aus der Heckklappe seines Wagens gehoben und länger als anderthalb Sekunden auf dem Gehweg stehen lassen, was den Argwohn der Scharfschützen erregt hatte. Prof. Dr. Tabatabai, der seit drei Jahren die Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie der Universität Leipzig leitet, kündigte an, einem Ruf nach Kopenhagen sehr gerne…“

„… befand in einem TV-Interview, dass es noch immer erhebliche Defizite bei der Sicherheit gebe. So seien die Bundesbürger noch nicht ausreichend auf die Folgen eines Anschlags vorbereitet. Sogar sechs- bis achtjährige Schüler besäßen noch keine Erfahrung mit Splitterbomben, hätten noch nie Blut spritzen oder abgetrennte Körperteile durch die Luft fliegen sehen – damit sei Deutschland auch im internationalen Vergleich sehr weit hinten, und es sei mehr als fraglich, ob afrikanische Kinder, die mit Unterstützung deutscher Rüstungskonzerne Opfer von Landminen geworden waren, als eine Art erwünschter Facharbeiter einwandern und…“

„… sich die Römisch-Katholische Kirche sehr erfreut zeigte und einen eigenen Feiertag für die christliche Bundesregierung in Aussicht stellte. In Anbetracht der Vorsicht gegenüber Fremden, die möglicherweise ungetauft oder sogar Lutheraner sein könnten, nannte der Essener Bischof Franz Overbeck Maria Denunziata, blieb aber auch offen für Mariä Hausdurchsuchung und Maria im Gefängnis, die man später…“

„… wollte Pullach nicht ausschließen, dass sich beim diesjährigen Tag der offenen Tür eventuell Terroristen in die Räume des Geheimdienstes begeben hatten; um die Sicherheitsstufe zu erhöhen, würden sensible Informationen, die auf keinen Fall die Landesgrenzen überschreiten dürften, nicht mehr in den ARD-Nachrichten gezeigt, sondern nur noch über den Spartenkanal RTL II verbreitet, dessen Programm für die intellektuelle Elite…“

„… die Volkshochschule stürmten, zahlreiche Kursteilnehmer sowie den Dozenten zu Boden warfen und den Raum verwüsteten: Pappe, Kleber und Luftpolsterfolien in rauen Mengen wurden noch an Ort und Stelle zerstört, wenn sie nicht sichergestellt werden konnten, und wenn auch rasch klar wurde, dass sich hinter der Lektion Kreative Weihnachtspäckchen gestalten für Anfänger und Fortgeschrittene wirklich nichts als adventlicher Bastelspaß verbarg, so begrüßte die Bundespolizei doch den raschen Zugriff als wirklich gut geplante…“

„… dass die Terroristen einen bereits geplanten Anschlag auch absagen könnten. Dies sei eine aus der Luft gegriffene, nicht belegte Einzelmeinung, er selbst würde den Umbau des Stuttgarter City auch nicht aus irgendwelchen Gründen verwerfen, empörte sich Mappus, dazu sei viel zu viel…“

„… über erhebliche Umsatzeinbußen im diesjährigen Weihnachtsgeschäft zu klagen. Das Bundeswirtschaftsministerium stellte klar, dass die Binnenkonjunktur sich im Freudentaumel befinde seit der Erhöhung der Hartz-IV-Sätze, nur die Angst vor al-Qaida hindere die Bürgerinnen und Bürger, in diesem Jahr diamantbesetzte Segeljachten zu…“

„… dass jährlich mehrere tausend Patienten in deutschen Krankenhäusern wegen falscher oder mangelhaft dosierter Medikamente versterben, was Innenminister de Maizière strikt von sich wies, da es so viele muslimische Ärzte zum Glück nicht…“

„… verteidigte sich energisch gegen Vorwürfe, er wolle nur für billige Aufmerksamkeit sorgen. Der Innenminister habe ausdrücklich dazu aufgefordert, beim Anblick seltsam aussehender Personen bei der Bundespolizei Meldung zu machen, und kann dies angesichts der Erscheinung von Claudia Roth nur als ganz normale Reaktion auf einen…“

„… das Bundesinnenministerium zwar nicht, wie ein erster Pressebericht verlauten ließ, für drei Stunden gesperrt war, wohl aber von der GSG 9 durchsucht wurde, nachdem einer der beamteten Mitarbeiter auf dem Korridor gehört haben wollte, wie eine nicht zu identifizierende Frauenstimme am Telefon gesagt haben solle, sie würde jemandem ‚eins vor den Koffer geben‘, worauf er voller Sorge, aber völlig frei von Hysterie die…“

„… zu einer gänzlich überstürzten Festnahme im Berliner Hauptbahnhof kam, da die verdächtige Person sich nicht an die Spielregeln hielt. Der Mann (es handelte sich, wie später festgestellt wurde, um einen Taxifahrer spanischer Nationalität) hatte nicht den durch 40 schwer bewaffnete Polizisten bewachten Vordereingang benutzt, sondern war mit der Schnellbahn in den Bahnhof eingefahren, um sich danach in die…“

„… dass das Stehenlassen eines leeren Koffers in einem von Menschen besiedelten Bereich generell als grobe Fahrlässigkeit zu werten sei – es sei nicht erheblich, ob der Koffer tatsächlich eine Bombe enthalte oder ob eine Putativgefahr vorliege – und daher mit schwersten Strafen geahndet werden müsse. Polizeisprecher Zörrgiebel betonte, dass besonders Koffer, die leer aussähen, so dass man sie für voll hielte, während der Anschein auf einen leeren Koffer schließen ließe, der sich dann aber, da er ja voll ist, wenigstens von außen betrachtet, als leer herausstellte, da…“

„…dem angeschlagenen Auto-Konzern einfach sämtliche Subventionen strich. Es nützte nichts, dass Wirtschaftsminister Brüderle bockig betonte, nicht mehr den Aufschwung in die goldenen Jahre des Exports zu bejubeln, das Gesetz verbietet jetzt, den Kofferraum auch für Koffer zu…“

„… in der ARD-Talkshow Beckmann, wo Sarrazin zuletzt als Stammgast behandelt wurde, vor leichtsinnigem Umgang mit nichtarischen Bevölkerungsteilen warnte. Es seien perfekt integrierte Muslime, von denen permanent die größte Gefahr ausginge, da sie über Generationen mit Bildung und sozialem Status über ihre genetisch verankerte Minderwertigkeit hinwegzutäuschen versuchten, um dann mit der ihnen arteigenen Verschlagenheit plötzlich gar keine Terroranschläge zu verüben – nur harte Strafen, so Sarrazin, könnten diese Perfidie…“

„… nach Auskunft der Sicherheitsbehörden nur um einen Schwelbrand, der jedoch rasch um sich gegriffen haben solle. In den frühen Abendstunden hatten die Flammen den Reichstag…“





In Gottes Namen

21 11 2010

für Erich Kästner

Wenn einer von Euch plötzlich fiele,
zum Beispiel: weil er sich verschätzt,
lässt man ihn liegen im Gewühle?
Ihr wisst es. Darum schweigt Ihr jetzt.

Dass Glaube, Liebe, Hoffnung zählen,
am Ende noch Gerechtigkeit –
steht locker. Statt Euch selbst zu quälen,
bekennt Euch doch zu Schlechtigkeit.

Was seid Ihr? Schweine. Euch verraten
nicht Worte, sondern der Gestank,
und wer das roch, riecht auch den Braten:
Barmherzigkeit bleibt ohne Dank.

Es kommt der Tag, da wird es trübe.
Das Leid zerbricht. Euch bleibt der Wahn.
Vielleicht hofft Ihr auf Nächstenliebe?
Was Gott tut, das sei wohlgetan.