Kontra-Revolution

5 12 2010

Das hat die Welt noch nicht gesehn!
Es macht, es tut die Politik,
rennt stur voran und bleibt nicht stehn
und klagt: Dagegen-Republik!
Was haben wir uns ausgedacht,
wie war’s doch schön, wenn man trotzdem
sich hämisch leis ins Fäustchen lacht –
wie wird das alles unbequem,
wenn jetzt das Volk verfügen will!
Was tun, wenn man nicht lügen will?
Das alles trägt doch keinen Segen?
    Dagegen!

Vergraben wird die halbe Stadt,
’s ist Herbst, entscheidet! Kopf? und Zahl?
sind einerlei. Wer hat, der hat.
Der andre zahlt. Es bleibt die Wahl.
Und dass sie schachern, schlecht um schlecht,
das muss so sein. Das ist nicht schlimm.
Das beugt und biegt und bricht. Gerecht?
Das sagt zur schiefen Summe: stimm!
Es bläht sich dem Konzern der Wanst,
die Kanzlerin denkt: Ach, Du kannst…
Und wird das Kinn in Falten legen –
    Dagegen!

Und Piccolöchen steht schon stramm:
Versicherungen, Bank, Hotel
verlangen sein Parteiprogramm
und pfeifen. Guido dienert schnell.
Zu mehr hat’s nie bei ihm gereicht.
Das nimmt den Armen und verteilt
den Obern, was er unten streicht,
wohin er spuckt und höhnt und keilt.
Der Gernegroß, er fürchtet wie
den Teufel die Demokratie –
so ohne Schirm, der Herr? im Regen?
    Dagegen!

Sie fürchten es. Es war doch schon.
Passt man nicht auf, ist es zu spät.
Sie nennen es: Revolution.
Hauptsache, dass das Feindbild steht!
Und wenn es Freiheit gälte? Recht?
und Menschenwürde? Und nicht Geld?
Und Zukunft? Ach, ein Scheingefecht.
Man weiß schon vorher, wer da fällt.
Wer ist denn hier der Herr im Haus?
Wer löffelt Eure Suppe aus?
Der fegt den Dreck auch selbst zur Tür –
    wir sind dafür!