Im Dutzend williger

13 12 2010

„Nehmen Sie doch noch ein paar Neger mit bei. Der Neger an sich ist ja gelehrsam und bei guter Anleitung zur Sauberkeit für den Publikumsverkehr geeignet. Ab zehn Stück machen wir Ihnen auch einen besonders guten Preis. Oder nehmen Sie gleich ein Dutzend aus dem gemischten Sortiment. Nigeria, Ghana, alles dabei. Brauchen Sie da was?

Für uns ist das Entsendegesetz schon eine große Erleichterung. Da haben die mal richtig gute Arbeit geleistet, wenn Sie mich fragen. Da werden sich jetzt viele einen Polen halten können, die das vorher – ach so, das meinen Sie. Nein, wir haben alles im Angebot. Wir sortieren da nur sehr gründlich. Der Pole beispielsweise, der ist gut geeignet für die Pflege. Stundenlöhne von zwei Euro und abwärts. Ja, da werden die sich auch umgewöhnen müssen, die fetten Jahre sind vorbei, in denen die noch für fünf Euro Spargel stechen konnten, die Konkurrenz ist jetzt da. Wenn Sie jetzt Rumänen sehen, die klauen Ihnen nicht mehr den Traktor, die fahren ihn. Hätte sich der Rüttgers auch nicht träumen lassen.

Für drei Euro? Da kriegen Sie eine examinierte Krankenschwester aus der Ukraine, die macht Ihnen die Pflege, aber tipptopp! Da werden sich die anderen warm anziehen müssen. So an die 130.000 pro Jahr werden es sein. Und alles neue Jobs, warten Sie nur ab, was die von der Leyen Ihnen vorbeten wird. Ein Loblied auf die fleißigen Ostler, die auch für einen Euro vierzig brutto noch arbeiten und nicht nach Feiertagszulage fragen. Da kommt’s ja gerade recht, dass die Ein-Euo-Jobs abgeschafft werden, die würden sonst das ganze Lohngefüge durcheinanderbringen. Oder können Sie sich etwa noch vorstellen, dass Sie sich von einer deutschen Hilfskraft pflegen lassen? Ich hätte da ständig das Gefühl, mit den Lohnkosten würde man der Mittelschicht etwas wegnehmen, die finanziert das ja schließlich.

Oder hier, Baugewerbe – da kriegen Sie jetzt von mir das volle Programm. Sie, ich sag’s Ihnen, das ist aber prima Ware! Hochbau, Tiefbau, Polier, alles inbegriffen. Ganzer Trupp, kostet die Stunde drei Euro sechzig. Aber brutto! Und gute russische Fachkräfte, alles erste Qualität! Nicht so ein tschetschenischer Schund wie bei den Vermittlern aus Weißrussland! Verlangen Sie nur erste Wahl, das lohnt sich. Das zahlt sich aus, wenn Sie zwanzig Cent mehr zahlen pro Stunde. Dafür ziehen die Ihnen in sechs Wochen einen kompletten Gebäudekomplex hoch, keine Schlechtwetterzulage und Wohnen im Zelt ohne Heizung und fließend Wasser. Was sagen Sie nun?

Sie sollten sortenrein einkaufen, verstehen Sie – die Neger sind im Hochbau ganz gut, Filipinos können Sie auch nehmen, oder sonst irgendwelche Fidschis. Papiere? Wenn wir erstmal das Gesetz haben, dann kriegen Sie die auch als Slowaken über die Grenze. Nur sortenrein, versteht sich. Das ist ganz wichtig für das Qualitätsmanagement. Stellen Sie sich mal vor, ein russischer Bautrupp und dann haben Sie da Portugiesen drunter, oder noch schlimmer: Polen. Da können Sie Ihre Hütte auch gleich abfackeln.

Richtig, die Arbeitssprache. Vorarbeiter müssen natürlich schon etwas Deutsch können. So was wie ‚Beweg Deinen Arsch‘ oder ‚Schneller‘, das sollten die schon verstehen. Geht ja nicht anders. Und was die ansonsten machen, ist egal. Die werden ja nicht fürs Reden bezahlt. Aber das ist eben gute deutsche Tradition: wenn wir Fremdarbeiter haben, dann immer gleich im Großgebinde. Es ist eine Frage der Motivation. Im Dutzend sind sie williger. Man kann sie besser lenken. Sie werden das merken.

Natürlich ist die Zeitarbeitsbranche unter Druck. Ist ja auch nicht mehr so einfach, plötzlich massiv unterboten zu werden. Das System mit staatlicher Hilfe war jetzt irgendwie auch zu störanfällig, nicht wahr. Gewerkschaften? Nichts mitgekriegt, die sind kaum in Erscheinung getreten. Nur mal so ganz verhalten im Wahlkampf. Aber sonst? Sie werden das bei den Arbeitslosenzahlen merken.

Betrachten Sie das als klassische Win-Win-Situation. Bisher haben sie bloß die prekär Beschäftigten gegen die Arbeitslosen ausgespielt und den unteren Mittelstand gegen die prekär Beschäftigten. Und alle zusammen gegen die Migranten. Jetzt können Sie sogar die Ausländer, die in Deutschland wohnen, gegen den die hetzen, die nur zum Arbeiten herkommen. Genial, oder? Ich finde das genial. Da können die gleich eine ganz andere Linie fahren, von wegen Freibiermentalität oder gesinnungsloser Wohlstand – nee, halt mal, das war doch das mit der Leistungselite. Sorry, war mein Fehler. Na egal, werden wir sowieso alles ganz anders hören, wenn die sich wählen lassen.

Gehen wir mal aus davon, ja. Jedenfalls sieht alles danach aus, dass die neue Rechtspartei nicht stattfindet. Das macht diese Regierung, also die jetzigen, die so tun, als ob sie – machen die dann mit. Dann sind sie nämlich auch für die Integration der Migranten in die Mehrheitsgesellschaft wieder zuständig, und dann gibt’s wieder Konfrontation. Wie bei Rüttgers. Das schweißt zusammen, so als Volkskörper, verstehen Sie? Schon ein geschickter Schachzug, muss ich sagen.

Und was planen Sie, wenn ich fragen dürfte? Einen Pizza-Service? Na große Klasse, Mann! Volltreffer! Wenn die in Berlusconi-Land weiter so ihren Euro kaputt machen, dann kriegen Sie bald Original-Italiener im Sonderangebot – da sollen Sie mal sehen!“