Lob der Stille

19 12 2010

für Kurt Tucholsky

Man spricht zu viel, man spricht zu laut.
Ach, könnten nicht wie Augenlider,
die uns verbergen, was man schaut,
die Ohren deckeln? hin und wieder?
Was tönt und jodelt, plärrt und gellt,
wenn das, was uns so lästig fällt,
nur endlich seine Klappe hält!

Es schwafelt weiter, plaudert, schreit.
Es lärmt, als ob es selbst schon wüsste,
dass man die halbe Lebenszeit
verzweifelnd überhören müsste.
Wie viel, was uns doch nur verdummt,
das uns im Schädel summt und brummt,
wär vor der Weisheit längst verstummt…

Doch jeder Laut muss irgendwann
vergehen und zu Luft verwehen.
Er stirbt. Man lässt ihn los, um dann
sich weiter mit der Welt zu drehen,
bis man in jene Tiefen steigt,
wo alle Zeit sich schließlich neigt
und stille schweigt.