Wie Du mir…

2 02 2011

„Fünf Euro mehr gegen den Mindestlohn.“ „Die fünf Euro waren doch sowieso unser Angebot, was kommen Sie mir denn da noch mit Mindestlohn?“ „Wollten Sie denn überhaupt erhöhen?“ „Nein, aber wir wollen doch den Mindestlohn auch. Also nicht jetzt. Aber schon irgendwann.“ „Dann können Sie doch jetzt schon mal zustimmen.“ „Wozu denn, der Mindestlohn kommt doch noch nicht.“ „Aber Sie könnten doch jetzt schon mal gegen die fünf Euro zustimmen, dann stimmen wir auch zu, wenn Sie den Mindestlohn haben wollen. Deal?“

„Nein, das schlagen Sie sich mal alles aus dem Kopf. Das machen wir nicht mit.“ „Jetzt seien Sie doch mal vernünftig! Sie wollen das doch auch, und wenn Sie jetzt schon mal…“ „Aber wir haben nur gesagt, dass wir einen Mindestlohn brauchen.“ „Dann können Sie doch jetzt…“ „Wir haben aber nicht gesagt, dass wir den Mindestlohn, den wir ja auch wollen, weil wir ihn brauchen, auch wollen, verstehen Sie?“ „Sie meinen also, Sie wollen den Mindestlohn gar nicht?“ „Natürlich wollen wir den nicht, das ist doch klar. Den wollten Sie ja schon.“ „Aber eben haben Sie doch noch gesagt, dass Sie den Mindestlohn wollen, warum denn jetzt nicht mehr?“ „Hören Sie doch mal zu! Wir wollen den schon, aber das war doch nur für den Wahlkampf.“ „Dann heißt das, wenn Sie im Wahlkampf den Mindestlohn fordern und jetzt auch, dann gilt das nicht mehr, weil Sie jetzt in der Regierung sitzen? Warum sagen Sie denn dann nicht einfach, dass Sie den Mindestlohn nicht mehr wollen?“ „Weil wir ihn ja wollen. Schließlich brauchen wir den immer noch, damit Sie nicht mehr als diese fünf Euro mehr fordern.“ „Aber Sie haben doch selbst gesagt, dass Sie die auch wollen!“ „Ja sicher, dann müssen wir nämlich mit Ihnen nicht mehr um den Mindestlohn verhandeln.“

„Warum machen wir es nicht so: wir sind beide ja am Mindestlohn interessiert, dann könnten wir vielleicht den Mindestlohn als ersten Durchbruch in den Verhandlungen angeben, wenn wir signalisieren wollen, dass wir zu einer Einigung kommen.“ „Wollen wir doch gar nicht.“ „Aber Sie haben doch vorher immer gesagt…“ „Wie gesagt, das war eben vorher. Wie beim Mindestlohn.“ „Was soll das denn hie überhaupt noch werden? Wir können doch nicht für jeden einzelnen Punkt eine…“ „Müssen Sie doch auch gar nicht, Sie fordern nur – wir lehnen ab. Ganz einfach.“ „Aber so kommt man doch nicht weiter!“ „Wollen wir doch auch nicht.“ „Aber das Bundesverfassungsgericht hat doch…“ „Ja nun, das Bundesverfassungsgericht. Das ist doch nicht so wichtig. Wichtig ist doch, dass wir jetzt zu einer gemeinsamen Lösung kommen für die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land.“ „Sie reden schon wie die Kanzlerin, dabei hat die in dem Fall überhaupt nichts zu melden.“ „Hat sie doch sonst auch nicht, also wo ist das Problem?“ „Sie wollen doch jetzt eine Einigung, also was soll das Geschacher? Sie werden das nicht durch den Bundesrat kriegen, wenn wir jetzt nicht endlich Ergebnisse sehen!“ „Aber Sie haben doch vorher auch gesagt, dass Sie an den anderen Forderungen festhalten, an den Löhnen für Leiharbeiter und am Bildungspaket und an der Zeitarbeit.“ „Das hat doch nichts damit zu tun, dass wir einen Mindestlohn fordern.“ „Aber Sie haben doch auch nichts gegen eine Frauenquote einzuwenden, oder?“ „Was hat das denn jetzt mit dem Mindestlohn zu tun?“ „Nichts, aber es ist doch schon mal ein Fortschritt, wenn wir uns darüber unterhalten.“ „Es geht doch hier um Hartz IV, oder habe ich das falsch in Erinnerung?“ „Weshalb reden Sie dann die ganze Zeit von Mindestlohn?“

„Gut, Sie wollen also die Blockade. Das können Sie haben.“ „Wir waren davon ausgegangen, dass Sie weiterhin Schwierigkeiten machen werden.“ „Das werden Sie dann eben ausbaden müssen, oder glauben Sie, wir lassen uns deshalb unter Druck setzen?“ „Was haben Sie denn in der Hand?“ „Beispielsweise könnten wir darauf aufmerksam machen, dass wir seit der Wahl einen Mindestlohn ankündigen.“ „Das ist doch wohl die Höhe! Sie blockieren den Mindestlohn doch! Wenn Sie endlich zustimmen würden, dann könnten wir uns auch auf diese fünf Euro mehr einigen, und dann müssten Sie hier nicht den ganzen Aufwand mit dem Vermittlungsausschuss betreiben!“ „Wollen wir aber. Das soll ja etwas Vernünftiges werden.“ „Also das schlägt doch dem Fass den Boden aus – Sie wollen eine vernünftige Lösung für die Grundsicherung und verhindern deshalb die Verhandlungen um den Mindestlohn, damit wir hinterher weder Mindestlohn haben noch einen korrekten Regelsatz!“ „Ja, so kann man das sagen.“ „Das ist nicht zu glauben! Das glaube ich einfach nicht!“ „Doch, es ist so. Beruhigen Sie sich. Alles halb so schlimm.“ „Sie wollen doch…“ „Aber nur jetzt. Vergessen Sie nicht, bald ist ja wieder Wahl.“