Bis(s) zum Erbrechen

23 03 2011

„Bitte mal Ruhe, Jungs. Ruhe! Wir wollen doch das Ding, also lassen Sie uns ein ordentliches Konzept abliefern.“ „Chef, Telenovela ist doch eigentlich voll out. Das macht man heute nicht mehr.“ „Aber als Seifenoper? nein, das kann ich mir einfach nicht vorstellen.“ „Außerdem ist er doch die ideale Figur, in die man sich hineinversetzen kann. Einer, der so subjektiv rüberkommt, dass man gar nicht an ihm zweifelt.“ „Das ist ja das Problem.“ „Und was würden Sie ansonsten vorschlagen?“ „Jedenfalls definitiv keine Telenovela über Karl-Theodor zu Guttenberg!“

„Das Besondere ist ja, dass wir keine Darsteller mehr brauchen.“ „Wieso, ist Guttenberg keiner?“ „Höchstens ein Selbstdarsteller.“ „Ruhe, Mann! Ich will ordentliche Arbeit sehen!“ „Ordentliche Arbeit und Guttenberg? Das passt ja wie…“ „Reißen Sie sich zusammen! Der ZDF-Verwaltungsrat hat uns zu verstehen gegeben, dass er die Serie generell nicht missbilligen würde.“ „Heißt das im Klartext, wenn das Ding nicht innerhalb von drei Monaten anläuft, sind wir alle unseren Job los?“ „Ah, stimmt ja. Wir sind politisch unabhängig.“ „Jetzt verlieren Sie mal nicht die Nerven. Wir werden das schon in trockene Tücher kriegen.“

„Auf jeden Fall natürlich eine tragende Rolle für die Merkel.“ „Guter Plan, am besten als Kanzlette. Wenn sie schon in echt nichts gerissen kriegt, kann sie wenigstens im Fernsehen einen auf dicke Hose machen.“ „Können wir mit ihr die Böse besetzen?“ „Unmöglich. Das erfordert Ansätze von Charakter, und die werden sie ihr doch wohl nicht unterstellen wollen.“ „Aber sie hat ihn zum Teufel gejagt!“ „Genau, die Merkel hat ihn nur verteidigt, weil sie damit die Zukunftschancen der Union in die Tonne treten wollte, um so zu verhindern, dass Guttenberg jemals Kanzler wird.“ „Leute, das ist doch alles Mumpitz! Wir brauchen ein tragfähiges Konzept.“ „Dann sollte man die CDU besser gar nicht erst erwähnen.“ „Oder wir lassen ihn gar nicht erst auftreten – die Serie könnte man doch als Flashback machen, sagen wir mal: 2017, dann ist er gerade Kanzlerkandidat und…“ „Vergessen Sie’s. Springer und Bertelsmann haben die Zielvorgaben schon abgenickt. 2015 ist er Regierungschef und Präsident in Personalunion und…“ „Verteidigungsminister?“

„Die Dramaturgie ist natürlich etwas schwierig. Wir sollten die Nebenrollen durch nicht zu starke Personen besetzen, damit unser Gutti nicht aus Versehen im Schatten steht.“ „Veronica Ferres?“ „Großartig! Und dieser Dings, der Dings, der nur einen Gesichtsausdruck kann.“ „Wulff?“ „Nein, der andere.“ „Til Schweiger?“ „Aber Stephanie muss auf jeden Fall von Stephanie gespielt werden.“ „Wegen der Authentizität?“ „Wegen was?“ „Dass das echt wirkt, wenn das nachgemacht ist.“ „Nein, aber keine Schauspielerin würde diese Rolle länger als eine Woche spielen.“ „Wegen der Blondierung, richtig?“ „Ja, so könnte man das auch ausdrücken.“

„Jetzt kommen Sie mal alle wieder runter. Das führt zu nichts. Wir sollten das Konzept jetzt…“ „Also das Timing müsste man noch mal unter die Lupe nehmen. Wir brauchen Spannung, Drama, wir brauchen die ganz großen…“ „Haben wir noch die Konserven vom Kundus-Untersuchungsausschuss? Den Schrott kann man doch reinkleben.“ „Ach was, das ist doch nicht dramatisch genug.“ „Warum denn nicht?“ „Da weiß man doch schon vorher, wie es ausgeht.“ „Titelmelodie?“ „Ich wäre ja für Smoke on the Water.“ „Weiß jemand, wie die Kontakte der Bayerischen Staatskanzlei zu AC/DC aussehen?“ „Jetzt werden Sie doch nicht kindisch. Das ist ja nur…“ „Denken Sie doch mal an das Marketing! Wenn wir solche wichtigen Fragen nicht klären, dann kriegt Springer nie eine Chance, die Sendung in die Schlagzeilen zu bringen.“ „Wie soll denn der Krempel überhaupt heißen?“ „Wie wär’s mit Aus dem Leben eines Taugenichts?“ „Oder Dichtung und Wahrheit?“ „Das klingt doch alles viel zu kulturell. Kapiert wieder kein Schwein in der Zielgruppe.“ „Hm, und Bis(s) zum Erbrechen?“ „Ließe sich in Erwägung ziehen. Der Hoffnungsträger fände ich auch nicht schlecht. Aber mal sehen, was Bertelsmann dazu sagt. Schließlich finanzieren sie die offizielle PR-Arbeit der CDU.“

„Wir müssen noch über die Cliffhanger reden, Chef.“ „Haben wir nicht genügend Action?“ „Was heißt Action, es wirkt alles so negativ.“ „Bitte? Echte Gefahren! „Chef, er hat Recht. Wenn man ständig darum bangen muss, dass Gutti nicht rausgeschmissen wird, dann ist das nicht gerade erbaulich.“ „Rausgeschmissen? Der Mann kämpft für Volk und Vaterland!“ „Gegen die Uni Bayreuth, den Bundestag und die Bundeswehr.“ „Und den Kerner bitte nicht vergessen!“ „Ist der so böse?“ „Nee, aber der absolute Killer. Wer den sieht, schaltet garantiert nicht wieder ein.“ „Sehr witzig.“ „Jetzt reißen Sie sich mal zusammen! Wir machen das hier ja schließlich nicht zum Spaß.“ „Abstrus, mein Lieber. Abstrus!“ „Und Sie sind sicher, dass uns dieser Popelkopf bald von der Merkel erlöst?“ „Das war doch nicht die Frage, oder?“

„Bliebe noch eine Sache. Das Drehbuch.“ „Wozu Drehbuch? Wir haben die Stars, einen Titel, die Sendezeit dürften wir gekauft haben, und dann kann’s doch losgehen.“ „Sie werden doch wohl nicht eine Herde Laiendarsteller mieten und dann die Kamera mitlaufen lassen?“ „Das würde wenigstens einmal lebensecht wirken.“ „Quatsch, er hat natürlich Recht. Wir brauchen ein Drehbuch.“ „Und woher nehmen?“ „Machen Sie sich mal locker, Chef. Ich kenne da einen Ghostwriter.“


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