Null, Null, Sieben

23 11 2011

„Eigentlich wollten Sie nicht arbeiten und können auch gar nichts? und Ihr Bewährungshelfer geht Ihnen auch langsam auf die Nerven? Großartig! Sie haben alles richtig gemacht.

Von den Ein-Euro-Jobs sind wir ja größtenteils runter. Bringt nur Unfrieden. Seitdem wir diesen Linksruck in der CDU haben – Sie wissen schon, die von der Leyen zitiert bald das Kommunistische Manifest, und die Schröder kommt dann mit der Weihwasserpistole angeweint – seitdem die Merkel alles auf Sozialismus trimmt, geht das nicht mehr. Ausbeutung der Arbeiterklasse, nicht wahr, das ging nur unter der konservativen SPD, jetzt nicht mehr. Aber die sind ja auch nicht doof, die wissen ja auch, wenn sie in zwei Jahren weg sind, dann muss einer ihre Rente bezahlen. Und dafür haben sie ein paar Jahre zu lang die falsche Karte gespielt.

Nein, keine Billigjobs mehr. Wir brauchen viel mehr Arbeitsplätze nach heutigem Vorbild. Solche, bei denen Arbeit und Entlohnung in keinem Verhältnis mehr zueinander stehen. Was war das bei Ihnen, Körperverletzung und Waffenbesitz? Reicht nicht, um Sie zum Investmentbanker umzuschulen. Und für einen Politiker sind Sie dann doch eher zu normal. Eine gewisse kriminelle Energie mag vorhanden sein, das will ich nicht ausschließen, aber die Weiterbildungsmaßnahmen dauern dann doch zu lange. Nein, das wird nichts. Machen Sie es besser so wie die anderen aus dieser Abteilung. Gehen Sie in den Staatsdienst. Arbeiten Sie für unser Land. Werden Sie Faschist und tun Sie etwas für die Freiheitlich demokratische Grundordnung.

Der Verfassungsschutz braucht jederzeit neue V-Leute. Natürlich, Sie sollten schon ein bisschen überzeugt sein. Wenn Sie schon mal einen gewissen Fundus mitbringen, wäre das nicht schlecht. Diffuse Fremdenfeindlichkeit. Latenter Antisemitismus. Islamophobie, das ist natürlich das Beste. Absolut zukunftskompatibel, da sind Sie auch in den Kameradschaften und den autonomen Gruppen up to date. Und dann natürlich globalisierungskritisch – aber nicht so wie Geißler oder die anderen Linken, das fällt am Ende doch auf, lieber so wie die CSU. Aber geben Sie sich bloß nicht zu erkennen. Die Bundesregierung mag das nicht.

Unsere Abteilung heißt so. Können Sie sich leicht merken, wenn Sie mal Kontakt aufnehmen wollen. Wir sieben. Ganz zum Schluss kommen die Nullen unter den Nullen raus, die Doppelnullen sozusagen. So einer wie Sie. Genau das, was wir brauchen. Dumm genug, um den brauen Laffen hinterherzustapfen, und gerade noch so intelligent, dass Sie einen Barscheck einlösen können.

Machen Sie sich da keine Sorgen, es geht ja nicht um Straftaten. Sie bereiten größtenteils nur vor. Und da wir Sie großzügig mit Waffen und falschen Papieren ausstatten, dürften Sie auch keine Probleme innerhalb Ihrer Gruppe haben.

Sind Sie Arier? Nein, nicht böse sein, aber wir fragen das routinemäßig. Soll ja nicht heißen, dass die Ausländer uns irgendwann auch im Untergrund die Arbeitsplätze wegnehmen.

Führungsoffiziere? Sie sind wohl vor der Mauer falsch abgebogen? Lustig ist das Informantenleben! Sie sind in allererster Linie ihrem Gewissen verantwortlich, genau wie Abgeordnete – also wissen Sie ungefähr Bescheid? Und dann sind Sie natürlich den Landtagsabgeordneten Rechenschaft schuldig. Und den Mitgliedern des Deutschen Bundestages. Sobald die sich bei Ihnen melden, obwohl keiner wissen darf, dass Sie V-Mann sind, müssen Sie alles sagen. Bis auf die Sachen, die Ihnen zu geheim sind. Das ist demokratisch, oder? Jedenfalls erwarten wir von Ihnen keine Arbeit. Sie dürfen das Geld auch so einstecken. Das ist jetzt ein Unterschied – wenn Sie noch daran gewöhnt waren, im Ein-Euro-Job Arbeit ohne Bezahlung zu leisten, hier ist das andersherum. Im Grunde brauchen wir Sie bloß, damit wir sagen können, dass Sie da sind. In der NPD. Als V-Mann.

Die Extremismusklausel gilt ja nicht für Sie, sondern nur für Ihre Bekannten. Oder für die Leute, denen Sie zuarbeiten. Und wenn darunter gerade keine Linken sind, haben Sie nichts zu befürchten.

Praktika haben wir auch. Falls Sie sich die Sache noch mal überlegen wollen, können Sie dann beispielweise den Kompaktkurs Straßenkampf für eine Bundeswehr-Grundausbildung anrechnen lassen, und sobald die Verschmelzung von Armee und Polizei durch ist, können Sie sich aussuchen, auf welcher Seite der Demonstration Sie stehen. Und wenn Sie die NPD durchgespielt haben, können Sie an der Sonderverlosung teilnehmen. Am Ende winkt Ihnen ein Hauptschulabschluss und Sie werden bei der Arge bevorzugt behandelt. Ist das nicht verlockend?

Sie sind wichtig für den Arbeitsmarkt, verstehen Sie? Das ist wie mit den Ingenieuren, die jeweils eine Menge Fabrikarbeiter brauchen. Sie als V-Mann generieren eine bestimmte Menge an NPD-Mitgliedern. Können Sie mir folgen? Jedes NPD-Mitglied erzeugt eine gewisse Menge an anderen Neonazis – oder es geht direkt, wenn die NPD verboten wird, wie auch immer. Und jeder Neonazi braucht eine Menge Verfassungsschützer. Jeder Verfassungsschützer braucht eine Unmenge an Politikern, die sich über ihn aufregen. Und jeder Politiker vergibt dann eine Menge Aufträge an die Sicherheitsindustrie. Sie sind kriegsentscheidend. Und wenn Sie mal untertauchen müssen, schulen Sie einfach auf autonome Linke um, wissen Sie – früher oder später ist ja immer Wahlkampf.“


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