Hausfriedensbruch

4 12 2011

für Kurt Tucholsky

Krumm und stinkig. Wuffi heißt er.
Alle Nachbarn sehen rot.
Jeden Stock und Schuh zerbeißt er.
Ach, es ist schon eine Not,
man erträgt es nicht mehr länger.
Einmal muss das Tier doch weg.
Schon ruft man den Hundefänger –
schau, da kommt er schon ums Eck.
Packt den Michel Mitempfinden?
An das Tier soll ihn nichts binden,
gerade wie an eine Laus.
    Schmeißt ihn raus!

Unerträglich. Früher, später,
ständig sieht man diesen Mann.
Jeden Tag kommt der Vertreter
mit dem Musterkoffer an.
Lässt sich rein durch gar nichts stören,
naht mit reinem Unschuldsblick.
Hausverbot? er will nicht hören.
Dann packt man ihn am Genick.
Fühlt sich Michel nicht belästigt?
Sein Gedanke sich verfestigt,
er zu tosendem Applaus
    schmeißt ihn raus.

Aber jetzt – aus der Versenkung
kriecht Klein Karlchen-Theodor,
trotz der geistigen Beschränkung
kommt der Knilch sich mächtig vor.
Legt die Füße auf die Tafel,
sein Benehmen: dritte Wahl.
Kennt dies dämliche Geschwafel
niemand schon vom letzten Mal?
Michel, pass gut auf: die Bande
braucht kein Mensch mehr hierzulande.
Wer ist hier der Herr im Haus?
    Schmeiß ihn raus!


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