Von Rechts wegen

26 03 2012

„Moment mal – hatte ich das richtig verstanden? Sie sind für die NPD?“ „Keinesfalls. Ich halte Nazis für geistig zurückgebliebene Arschlöcher und würde sie liebend gerne zum Mond schießen.“ „Aber Sie sind doch für die NPD?“ „Ich bin nicht für die NPD. Ich bin nur dagegen, sie zu verbieten.“

„Sie leugnen also, dass die NPD gefährlich ist?“ „Das war also der Grund, warum Verfassungsschutz und Ermittlungsbehörden zwanzig Jahre lang bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Gefahr heruntergespielt haben?“ „Das konnten wir doch ohne Vorratsdatenspeicherung überhaupt nicht wissen.“ „Und in der zentralen Neonazi-Datei standen die V-Leute auch noch nicht drin.“ „Das ist ja gar keine Partei, das ist bloß eine kriminelle Vereinigung!“ „Dann sollte sich ein Verbot mit den Mitteln des Strafrechts bewerkstelligen lassen.“ „Sie verkennen die Gefahr – diese Partei ist so gefährlich, weil sie eine Partei ist.“ „Weil sich diese Braunalgen in einem weltanschaulichen Verein nie so gut organisieren könnten?“ „Zum Beispiel.“ „Dann würde ich zur Vorsicht gleich mal den ADAC mit verbieten. Sicher ist sicher.“

„Wir müssen doch etwas gegen Nazis tun!“ „Welchen Vorteil sollte ein NPD-Verbot haben? Glauben Sie, wir hätten schlagartig weniger Nazis im Land?“ „Aber wir hätten keine mehr in den Parlamenten sitzen.“ „Das klingt gut. Sicher werden die Wähler das auch bei der NDP, PDN und der DNP so sehen.“ „Die müsste sich erstmal gründen, so schnell geht das nicht.“ „Dann tritt das Pack halt in Scharen in irgendeine andere Spinnerpartei ein. Oder sie kratzen die Reste der DVU aus dem Grab. Was meinen Sie, wie schnell das geht.“ „Es sind immerhin fast 6000 Mitglieder – die muss man doch unter einen Hut kriegen.“ „Unsinn! Es sind ein paar Funktionäre, die sich den Bettnässer aus Braunau ins Klo pinnen, der Rest sind Mitläufer.“ „Um so besser, was meinen Sie, was die Gründung einer neuen Partei für ein Chaos verursachen würde.“ „Gar keins. Der Parteiapparat wäre innerhalb einiger Wochen wieder handlungsfähig, der Bodensatz käme zum Parteitag gequollen, und bei der nächsten Wahl hätte die Nachfolgegruppe einen wunderbaren Märtyrerbonus.“ „Die würde doch keiner mehr wählen.“ „Warum nicht?“ „Wenn die NPD bisher in den Landesparlamenten nichts gebracht hat, was sollte dann eine Nachfolgepartei vermögen?“ „Wenn die NPD bisher eine politisch zu vernachlässigende Größe war, warum soll man sie dann verbieten wollen?“

„Ich verstehe Sie nicht. Man darf doch den Nazis nicht einfach das Feld überlassen.“ „Was genau stört Sie an den braunen Wirrköpfen?“ „Sie wollen die Demokratie abschaffen.“ „Wenn es danach ginge, könnte man eine ganze Reihe von Unionspolitikern locker in Isolationshaft nehmen.“ „Die wollen das Dritte Reich wieder!“ „Das wäre dann schon das vierte, das dritte hat keine tausend Jahre geschafft.“ „Sehen Sie es nicht als Gefahr, dass in manchen deutschen Landstrichen fast ein Fünftel der Wähler diesen Rattenfänger auf den Leim gehen?“ „Dann sollten wir von Rechts wegen vielleicht besser Wahlen verbieten?“

„Sie können doch gar nicht vorhersagen, was diese Partei noch alles an Straftaten plant.“ „Das können Sie bei anderen Bürgern auch nicht. Nicht mal mit Vorratsdatenspeicherung.“ „Aber uns droht doch der Kontrollverlust!“ „Wenn Sie bei der jetzigen Dichte der V-Leute noch keine Steuerung der Partei erreicht haben, wann denn dann?“ „Soll der Verfassungsschutz die Partei etwa komplett unterwandern?“ „Im Gegenteil. Schalten Sie die V-Leute ab. Danach sinkt der durchschnittliche IQ auf Raumtemperatur.“ „Und was passiert dann mit den ganzen V-Leuten?“ „Das fällt Ihnen früh ein. Wir werden in den sauren Apfel beißen müssen. Das bedeutet Arbeitsplatzverluste.“ „Wir können die Leute doch nicht einfach aus der Partei abziehen – damit würden wir sie alle enttarnen.“ „Abgesehen davon, dass es sicher eine Menge freiwilliger Doppelagenten gibt, wäre es Ihnen lieber, wenn das Bundesverfassungsgericht die Offenlegung aller Klarnamen verlangen würde?“ „Das muss doch zu umgehen sein.“ „Das wird bei den Feinden der freiheitlich demokratischen Grundordnung sicher auf Verständnis stoßen.“

„Was sollen wir denn Ihrer Ansicht nach tun?“ „Gar nichts.“ „Gar nichts?“ „Der Partei den Hahn zudrehen und sie finanziell austrocknen. Sie für die geringste Kleinigkeit vor Gericht zerren und in den Mühlen der Justiz zermürben. Sie gesellschaftlich bekämpfen. Jeden, der sich in die Nähe begibt, zum Knalldeppen erklären wie diese Pausenclowns aus der Parteispitze.“ „Das wird nicht gehen.“ „Weil wir mit 20.000 Dumpfbacken nicht fertig werden? Mit jedem Verbotsantrag und mit jeder Diskussion, dass dieser braune Brei das Land in Angst und Schrecken versetzt, werten wir sie auf. Und es gäbe einen erheblichen Nachteil, wenn man sie verböte.“ „Nämlich?“ „Ihr ganzes Politikmodell wäre zu hinterfragen. Sie könnten nicht mehr ständig nach Strafverschärfung und Überwachung schreien. Sie hätten keine Dämonen mehr im Wandschrank, weil Ihre lebensgefährlichen Linken partout keine Morde begehen wollen.“ „Dazu haben wir aber doch die Terroristen.“ „Wann war der letzte Terroranschlag in Deutschland?“ „Aber…“ „Und die Zwickauer Nazis hätten Sie nicht einmal bekommen, wenn man ihnen Peilsender in den Hintern geschoben hätte.“ „Also können wir so weitermachen wie bisher?“ „Klar.“ „Und es gibt dann keine neue Partei, die Rechtspopulismus besser kann als wir?“ „Nein.“ „Wir müssten nur die NPD tolerieren?“ „Allerdings.“ „Das machen wir so. Perfekt!“ „Dann ist Deutschland das, was es für Sie sein sollte. Ein rechtsfreier Raum.“


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