Streberparty

10 04 2012

„Ob Sie etwas für die große Torte haben. So ein Knalleffekt, verstehen Sie, etwas Pfiffiges. Mit Pep. Sie wollen eine Dame da drinnen verstecken? Und die ist nur halb bekleidet? Das kann ich mir nicht vorstellen. Echt nicht. Wir hatten da eher an etwas gedacht wie bunte Zuckerschrift. Zweifarbig, das würde Herr Röttgen möglicherweise mitmachen.

Der kann ja auch nicht alles selbst machen, der Herr Röttgen. Er ist ja einer der ganz modernen Leute bei uns, müssen Sie wissen. Der arbeitet jetzt Teilzeit. Die eine Hälfte hat er keine Zeit für sein Ministerium, die andere Hälfte erledigt er NRW. Ganz moderner Mann. Deshalb wollen wir hier auch ein absolut fortschrittliches Fest für ihn organisieren. Also eins, das voll auf der Höhe der Zeit ist. Mit dem sich jeder hier im Land infiziert, nein, falsch: identifiziert. Bis auf die Gäste.

Getränke gehen natürlich extra. Nüchtern ist das ja auch gar nicht zu ertragen. Haben Sie da etwas im Angebot? So halbwegs modern? Vielleicht irgendeine Art Szenegetränk? Was man auch mit Geschmack nicht stehen lässt? Nein, bloß nicht schon wieder Rüttgers Club! Das muss doch zum Kandidaten passen! Also Überraschung ja, aber bitte nichts Überraschendes! Eher so etwas ganz ungewöhnlich Normales. Ja, gut. Alt ist okay. So sieht Herr Röttgen auch schon aus.

Das ist hier nämlich so eine ganz moderne Wahlparty, die Herr Röttgen macht. Alles regional organisiert. Der Saal, die Getränke, Luftschlangen, alles. Nur die Gäste bringt er selbst mit. Das ist, weil Herr Röttgen so modern ist. Und wir hier im Landesverband nicht.

Und bitte dieses Jahr mal keinen Lachs auf die Schnittchen, das würde sonst doch zu sehr nach FDP aussehen. Erbsensuppe mit Lachs. Und dieser billige Sekt aus dem Discounter. Eingeschlafene Füße mit Blubber. Lassen Sie das dem Lindner, der hat’s doch auch nicht leicht. Ist nicht sonst etwas Bodenständiges im Repertoire? Ah so. Beleidigte Leberwurst.

Er stellt halt gerne mal ein paar Leute in den Schatten. Nein, anders: sein Kabinett hat einen – wieder falsch, also ich meine: er stellt sich vor sein Schattenkabinett. Er stellt sich vor, er habe ein Schattenkabinett. Jedenfalls haben die auch schon alle zugesagt. Soweit sie bis jetzt wissen, dass sie da drin sind. Die meisten erfahren das ja eher so durch Zufall. Das nennen wir jetzt Transparenz. Weil das alles ziemlich durchsichtig ist, was Herr Röttgen da veranstaltet.
Haben Sie eigentlich die Adresse? Nicht, dass Sie da noch falsch liefern. Das macht doch schon die FDP. Haben Sie die Adresse? Gut, wir nämlich nicht. Haben Sie das? Ja. Nein, nicht Labour Party. Streberparty.

Die Einladungen dann auf Karton. Strapazierfähig. Den Karton meine ich. Goldrand, wenn’s geht. Und mit Aufdruck, selbstverständlich. Verantwortung statt Verschuldung. Das müssen wir schon so kommunizieren, damit der Eintrittspreis nicht ganz so hoch aussieht. Wenn wir jetzt etwas von Stargästen und kaltem Büfett auf die Karte schreiben, dann denken die sich am Ende, für die Kohle hätte man ja auch gleich eine vernünftige Party schmeißen können, aber wenn gar nichts draufsteht, gibt es auch keine Erwartungen. Clever, nicht? Ja, Herr Röttgen kann was. Glaube ich.

Bisschen Unterhaltungsmusik wäre auch nett. Haben Sie vielleicht einen Kinderchor, der das Steigerlied kann? Gut, hätte ja sein können. Herr Röttgen will sparen, da können wir uns kein großes Programm leisten. Die Windkraftwerke werden jetzt doch nicht plattgemacht, obwohl das Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor versprechen könnte – wir müssen zur Entlastung des Landes viel Geld ausgeben. Und dann die Pendlerpauschale. Brauchen wir unbedingt. Vor allem zwischen Berlin und Düsseldorf. Wäre einfacher gewesen, wir hätten ihm die Rückfahrkarte von Künast in die Hand gedrückt, aber bei einem von der CDU im Rheinland weiß man nie. Was Sie dem in die Hand drücken, das ist erstmal weg.

Tolle Sache, haben Sie gelesen? Eröffnungsrede von Friedrich Merz, der Parteibezirk Mittelrhein tanzt Polonaise, und Axel E. Fischer fordert Gewässerschutz für Flussdiagramme – alles weg. Frisch gestrichen. Fällt aus wegen ist nicht. Ist doch großartig, wenigstens in dem Punkt kann Herr Röttgen dann mal zeigen, dass wir die Kostenseite ernst nehmen. Man muss am richtigen Ende sparen.

Haben Sie die Luftballons vielleicht in extra robuster Qualität? Dass da irgendwann die Luft raus ist, damit muss man rechnen, aber dass das alles vorzeitig platzt – diese Dünnhäutigkeit, verstehen Sie, das macht uns ein bisschen Sorgen. Können Sie die Materialproben nicht gleich in die Parteizentrale schicken? Zur Vorsicht. Kann ja sein, dass die da noch viel dringender gebraucht werden.

Ja, gut. Bestuhlung extra, Putzfrauen macht die Arbeitsagentur, Cocktailschirmchen haben wir noch von 2010, und die Gästeliste ist ein parteiinterner Vorgang, der außerhalb der Partei nicht kommentiert werden muss. Es reicht, dass der Saal voll ist, wer sich da aufhält, kann man hinterher immer noch aus dem Polizeibericht erfahren. Man muss sich an Regeln halten. Aber nicht unbedingt an die eigenen.

Abgemacht, wir lassen hier eine Party mit Gegenwartsbezug steigen. Die CDU kriegt eins auf die Mütze. Total auf der Höhe der Zeit.“