Der neue Mensch

20 05 2012

für Erich Kästner

Das alte Modell war nicht mehr ideal.
Sie brachten es rasch um die Ecke.
Sie wollten ein neues, in reichlicher Zahl
und brauchbar für sämtliche Zwecke.

Sie nahmen versuchsweise Material,
wie sie’s in der Masse vorfanden.
Das war zwar nicht hübsch, doch es galt als normal,
was sie schon als nützlich verstanden.

Sie forschten sehr gründlich. Man maß und man wog.
Bisweilen erschien das recht peinlich.
Sobald man ihm einmal die Hosen auszog,
da sah man, er war nicht sehr reinlich.

Man suchte für alles den treffenden Grund.
Man züchtete, mendelte, kreuzte.
Dann hielt er beim Gähnen die Hand vor den Mund,
der sich auch ins Taschentuch schnäuzte.

Es zogen die Jahre. Versuch auf Versuch,
man züchtet sie geistreich und dämlich.
Der Geist, der erwies sich recht schnell als ein Fluch,
den merkte kein anderer nämlich.

Man züchtet sie groß und man züchtet sie klein.
Man impft sie mit Anstand und Treue.
Man lehrt sie das Beten, tagaus und tagein.
Und dann fragt man: wo ist das Neue?

Denn was zur Verzweiflung die Herren nun treibt,
er greift auf Befehl nur zur Waffe.
Zum Schluss sieht man ein, jeder Mensch ist und bleibt
im Grunde genommen ein Affe.


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