Mehr weniger

31 10 2012

„Dann eben 47 Prozent.“ „Nicht 43?“ „Ist doch eh wurst, es sollen nur nicht weniger als 43 sein.“ „Aber mehr werden es doch auch nicht.“ „Darum soll’s ja auch nicht weniger sein.“ „Aber wenn es nicht weniger als 43 sind, kann man dann nicht auch sagen, es sollen 47 sein?“ „Dann müsste man doch sagen: höchstens 47.“ „Aber nicht weniger.“ „Doch, aber eben höchsten nicht weniger als 43.“ „Ist das kompliziert!“ „Und Sie meinten noch, Rente sei einfach.“

„Deshalb muss man die jetzigen Arbeitnehmer später besser bezahlen.“ „Damit sie noch später mit höchstens 43 Prozent nicht arm sind?“ „Die sollen die Renten für die jetzigen Rentner finanzieren, und damit das langt, muss man die Bezahlung schon heute anpassen.“ „Wäre es da nicht klüger, man würde sofort die Löhne und Gehälter anpassen?“ „Wieso das denn?“ „Weil sie dann jetzt mehr hätten und höhere Beträge in die Rentenkasse einzahlen könnten.“ „Das reicht doch, wenn man sie später mal besser bezahlt.“ „Dann haben sie aber keine ausreichende Versicherung für sich selbst erworben, oder?“ „Darum geht es doch gar nicht. Schauen Sie, die Rente ist doch ein Solidarsystem – die einen zahlen jetzt dafür ein, dass es später den anderen mal…“ „Halt! Sie verwechseln da zwei Dinge: Sie zahlen jetzt ein, damit Sie später etwas rauskriegen, richtig?“ „Ja, warum?“ „Und in Wirklichkeit zahlen Sie jetzt ein, damit die jetzigen Rentner etwas rauskriegen, richtig?“ „Wer sagt das denn?“ „Die Rentenversicherung. Das ist ganz einfach ein Umlagesystem.“ „Wenn ich jetzt mehr einzahle, dann bekommen die Rentner später gar nicht mehr?“ „Doch, aber…“ „Also was denn jetzt!?“

„Okay, noch mal. Sie zahlen jetzt ein, und daraus werden die jetzigen Rentner…“ „Eben haben Sie doch schon gesagt, dass die Renten gar nicht erhöht werden, wenn ich jetzt mehr einzahle.“ „Nein, aber sie werden eben auch nicht abgesenkt. Sie müssen nicht abgesenkt werden, wenn Sie mehr in die Rentenversicherung einzahlen.“ „Dann liegt es gar nicht an den jetzigen Löhnen, dass das Rentenniveau später mal steigt?“ „Sie haben das schon wieder falsch verstanden. Es soll nicht steigen, es soll nur nicht noch weiter abgesenkt werden.“ „Jetzt?“ „Nein, später natürlich.“ „Und dafür müsste man dann die Löhne auch jetzt steigen lassen, wenn jetzt die Renten nicht sinken sollen?“ „Noch sinken sie ja gar nicht.“ „Aber sie sollen doch nicht unter 43 Prozent sinken.“ „Deshalb müssen ja auch die – Sie machen mich noch wahnsinnig!“

„Also die Löhne müssen steigen.“ „Richtig.“ „Aber warum kann man die Löhne nicht sinken lassen?“ „Wie soll denn das funktionieren?“ „Dann würde man jetzt die Löhne senken, also nicht sofort, sondern stufenweise.“ „Wieso das denn?“ „Weil das dann einfacher wäre.“ „Was wäre einfacher?“ „Wenn man die Löhne auf nicht unter 43 Prozent senkt.“ „Wieso 43 Prozent?“ „Nicht 43 Prozent, sondern: nicht unter 43 Prozent.“ „Nicht unter – was ist denn das schon wieder für…“ „Weil das dann auch 47 Prozent sein könnten, also höchstens 47, weil das dann auch nicht unter 47 Prozent sein würde.“ „Stop! Ich will jetzt wissen, wie Sie auf diese bekloppte Lohnsenkung kommen! Erklären Sie mir das!“ „Wenn man die Löhne jetzt senkt, dann muss man doch die Renten später nicht mehr senken. Verstehen Sie?“ „Was ist denn das für eine…“ „Verstehen Sie das nicht?“ „Wieso überhaupt eine Lohnsenkung?“ „Weil, wenn Sie jetzt die Löhne senken, beispielsweise auf nicht unter 43 Prozent, dann müssen Sie die Renten später überhaupt nicht senken. Sie können die Renten dann sogar erhöhen auf 100 Prozent.“ „Welches Milchmädchen hat Ihnen das denn ausgerechnet!?“ „Rechnen Sie doch mal nach: 43 Prozent von 100 Prozent sind? Na?“ „43 Prozent.“ „Eben, und 100 Prozent von 43 Prozent sind 100 Prozent.“ „Aber doch nur von den 43 Prozent.“ „Macht nichts, dafür müssen Sie eben die Renten nicht mehr senken.“ „Was soll das denn bringen?“ „Dann werden die jetzigen Arbeitnehmer sich viel leichter an die niedrigen Renten gewöhnen, weil sie wissen, dass es im Alter auch nicht mehr gibt.“ „Das ist doch Unsinn – wer bezahlt denn den jetzigen Rentnern die Renten?“ „Die jetzigen Arbeitnehmer.“ „Von den 43 Prozent?“ „Immerhin haben die jetzt schon 100 Prozent von 43 Prozent. Von mindestens 43 Prozent.“

„Hören Sie mal, das ist ja alles gut und schön, aber Sie vergessen doch, dass 43 Prozent Lohn bedeuten, die Sozialleistungen werden immer geringer, keiner zahlt mehr ausreichend in die Rentenkasse ein, und dann ist auch gar kein Geld mehr für die Rentner da.“ „Deshalb bekommen die dann ja auch nur 43 Prozent.“ „Aber das bekommen die doch jetzt schon!“ „Wirklich? Ich dachte immer, die Absenkung sei erst später vorgesehen?“ „Meine Güte, Sie sind schwer von Begriff – das ist doch deshalb, weil die jetzige Generation nicht stark genug ist, für die Generation der Rentenempfänger die vollen Rentenbezüge zu erwirtschaften.“ „Und deshalb wollen wir die ja auch senken, richtig?“ „Genau.“ „Und warum machen wir das nicht mit den Löhnen.“ „Warum, verdammt, mit den Löhnen?“ „Dann kann man doch über das Lohnabstandsgebot die Sozialleistungen kürzen und hat wieder mehr Geld für die Rente.“ „Und die jetzige Generation würde mehr vom Staat kriegen?“ „Und die Löhne sinken, und wir haben weniger Arbeitslose, der Wirtschaft geht’s gut, und dann sind die Rentenkassen wieder so voll, dass wir…“ „Halt, ich hole eben was zum Schreiben. Der Plan ist genial, das müssen wir machen. Diesmal stimmt es wirklich.“ „Was?“ „Die Renten sind sicher!“





Herbststimmung

30 10 2012

Breschke schleppte sich. Mit mattem Blick schob er den Einkaufswagen durch die Gänge und blinzelte schräg um sich. „Es soll ja helfen“, murmelte er und legte die dritte Packung Buttermilch in den Drahtkorb. „Obwohl ich gerade gar nicht weiß, wie sich das mit den Melissentropfen verträgt.“ Er litt. Wie jedes Jahr um diese Zeit plagte ihn der Herbst mit seiner feuchten Kälte, die ihn schlaflos machte.

„Es ist eigentlich mehr ein ziehendes Reißen“, ächzte der Alte, „und ich fühle mich so furchtbar müde, weil ich die ganze Nacht wachliege.“ Neben der Buttermilch trug Breschke noch eine Menge Hilfsmittel gegen den drohenden Herbstkater mit sich heim. Wurzelsud und Nüsse hatte eine obskure Zeitschrift empfohlen, warme Bäder in Salzwasser ein Handbuch der homöologisch-antibakteriellen Gralsgemeinschaft der Schäfchenzähler. „Gerade die“, knurrte Breschke. „Drei Nächste habe ich mich im Bett gewälzt, weil diese Schäfchen nicht über die Hürden springen wollten.“ Ich tröstete ihn damit, dass er sich die Schäfchen ja vielleicht nur eingebildet habe. Doch er geriet erst recht in Fahrt. „Deshalb ja“, schimpfte er, „nicht einmal in meiner Einbildung haben diese Viecher mir gehorcht – wie soll ich denn dann noch einschlafen, wenn sie mir nicht einmal in meiner Vorstellung gehorchen?“

Es hatte ihn wirklich schwer erwischt. Kälte, Dunkelheit und Nieselregen mussten sich verschworen haben, um den armen Mann in eine derart bemitleidenswerte Stimmung zu bringen. Der Schlafmangel führte zu unausgeglichenem Allgemeinbefinden, das seinerseits den Schlaf erheblich erschwerte. Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen galt – ob dies tatsächlich mit Buttermilch und farbenfroher Kürbis-Dekoration zu gelingen schien?

Der pensionierte Finanzbeamte hatte sich eine hübsche Sammlung an Gesundheitsratschlägen zugelegt; säuberlich ausgeschnitten aus Apotheker- und Bäckerzeitschriften, lotrecht in ein Schulheft geklebt und handschriftlich mit Datum versehen ließ sich so gut wie jeder Tipp von Ayurveda bis Zimtstern leicht auffinden, mehr fand jedoch nicht statt. Der Heileffekt bleib aus. „Ich nehme an“, sinnierte er, „dass sich die Aromaduftkerzen letzten Mittwoch nicht voll entfalten konnten, weil ich bis einen Tag davor noch diese Atemübungen nach Doktor Schlawutzki gemacht hatte.“ Mir schien es viel logischer, dass die Kerzenstumpen aus dem Discounter-Sortiment, die nur deshalb überhaupt zum Einsatz gekommen waren, weil ein Prospekt sie werbewirksam als Stimmungsaufheller anpries, wegen des Durchzugs ihre Wirkung nicht hatten entfalten können, denn letzten Mittwoch war Tag des Fensterputzens gewesen. Frau Breschke hatte einen Tag lang in Ruhe die Scheiben des zweistöckigen Häuschens gesäubert, gründlich durchgelüftet und jedes noch so geringen Aroma von Sandelholz oder Minze aus den Zimmern befördert. Die gute Stimmung war verduftet.

Natürlich hatte Breschkes Tochter gleich ein Paket geschickt. „Dieses Nackenmassage-Set soll ja auch gegen Niedergeschlagenheit und Müdigkeit am Morgen helfen“, informierte mich der geplagte Hausherr. „Es ist nur ein bisschen schwierig, weil Sie hier diese Schlaufe – nein, die da – und jetzt das andere Teil dort.“ Wie immer, wenn Breschkes Tochter aus verborgenen Quellen derlei Waren bestellt hatte, war die Gebrauchsanweisung in fließendem Altkantonesisch abgefasst und ließ keinen Zweifel an der Ehrwürdigkeit des Produkts. Es sei denn, man entfernte es unvorsichtigerweise aus der Packung.

„Man soll es jeweils dreißig Sekunden in die eine Richtung anwenden und dann dreißig Sekunden in die andere.“ Breschke verrenkte sich. „Ich komme gar nicht so hoch mit den Armen“, klagte er, „und es zieht fürchterlich in der Schulter. Letzte Nacht habe ich kein Auge zugetan, es war schrecklich.“ „Vielleicht ist dies Gerät ja gar nicht zur Entspannung der Muskulatur geeignet“, mutmaßte ich. Doch er ließ sich nicht beirren. „Ich werde mal meiner Frau sagen, dass Sie mir damit den Nacken massieren soll. Vielleicht klappt’s ja.“ Was zweifelsohne keine schlechte Idee war, nur hätte es in diesem Fall auch ein Handtuch getan.

Bismarck indes, der dümmste Dackel im weiten Umkreis, bekam von all der Hektik auf der Suche nach Nachtruhe nichts mit. Anstatt wie sonst seinem Herrn mitsamt der Leine zwischen den Beinen herumzulaufen, übte er sich in Gelassenheit und lag zusammengerollt auf dem Sessel, schlief und träumte von Tulpenbeeten, die er umgraben und mitsamt der Gartenzwerge in ein Trümmerfeld verwandeln würde. So friedlich schnarchte das Tier auf dem Polster, dass mir eine Idee kam.

Frau Breschke schlich sich auf Zehenspitzen aus dem Zimmer und schloss leise die Tür hinter sich. „Er schläft jetzt“, flüsterte sie mir zu. „Und es hat auch nur eine halbe Stunde gebraucht – genau so, wie Sie es gesagt haben!“ Ich nickte. „Auf das Rezept ist Verlass“, wisperte ich zurück, „schon mein seliger Großvater schwor darauf. Warten Sie bis übermorgen, dann wird er ein ganz anderer Mensch sein.“ Ein sanftes Crescendo kündigte an, dass sich Horst Breschke langsam auf dem Weg in die erste Schnarchphase befand. „Lassen Sie ihn“, riet ich ihr, „die Hauptsache ist doch, dass er sich gut erholt. Der Pflanzenextrakt wird ihm sicher die nötige Entspannung bringen. Und räumen Sie ja die Bierflaschen weg – falls er doch schon aufwacht.“





À la carte

29 10 2012

„Bitte nicht länger als eine halbe Minute, das wirkt sonst zu aufdringlich. Es reicht ja schon, wenn Sie die Frau Bundeskanzlerin in den entscheidenden Passagen zeigen, immer zweidrei Sekunden Rede, dann zehn Sekunden Applaus. Schneiden Sie am besten vom letzten Bundesparteitag rein. Liefern wir Ihnen, ja. Soll ja eine gute Nachrichtensendung werden.

Sie können nebenbei auch kleine Sequenzen von Schäuble reinschneiden, der kommt dann ja im nächsten – nicht? Warum kommt da im nächsten Beitrag nicht Schäuble? Wir hatten das doch so ausgemacht? War unser Regierungssprecher nicht deutlich? Wieso ist Schäuble nicht im nächsten Beitrag? Ach so, ja. Wirtschaft. Aber da müssen Sie dann auch darauf achten, dass die europäischen – China? Wer hat Ihnen erlaubt, über China zu berichten? Weil das alle machen? Das ist doch nicht relevant für Sie. In den deutschen Nachrichten wird gesagt, was die deutsche Regierung angeht. Und uns geht das an, was sich die Regierungsparteien wünschen. Was haben Sie daran nicht verstanden? Untergrundjournalismus machen Sie gefälligst in China, klar!?

Oder nein, nicht: Regierungsparteien. Bitte die Sendung nicht zu sehr mit der FDP belasten. Ja, ich weiß selbst, wo die in den Umfragen stehen, aber erstens sind das nicht unsere Umfragen, und wenn die FDP auch mal Fernsehnachrichten haben will, dann soll sie die selbst kaufen. Geld genug haben die ja. Nein, Sie machen mir den Wirtschaftsbeitrag nicht mit Brüderle – die Frau Bundeskanzlerin will das nicht. Warum nicht? Sie will das eben nicht, und das muss reichen. Es reicht, wenn einer die Wirtschaft erledigt, das brauchen Sie nicht auch noch zu zeigen.

Den Bericht über die Arbeitsmarktzahlen dürfen Sie so übernehmen. Ist egal. Ja, ist uns echt egal. Nein, nicht die Zahlen. Die Arbeitslosen. Ob wir da jetzt auch noch einen O-Ton von der Bundesuschi drankleben, das interessiert doch keinen Menschen. Senden Sie das ruhig. Danach die Präsidentenwahl in den USA, das hat ja auch keinen Einfluss auf die Bundesregierung.

Und dann nichts über den Schuldenschnitt für Griechenland. Sie haben da keine Information. Nein, Sie haben kein Information zu haben. Wir sagen Ihnen, was Sie zu wissen haben, verlassen Sie sich darauf. Die Troika hat sich noch nicht festgelegt, aber die Frau Bundeskanzlerin hat noch keine Ahnung, was sie denkt, bevor sie gehört hat, was sie dazu sagt. Deshalb wollen wir auf den Bericht vorerst verzichten. Sie müssen dann eben eine Güterabwägung vornehmen – wenn Sie nicht für uns sind, sind Sie gegen uns. Und das wollen wir doch nicht, oder?

Zwanzig Sekunden für die Klimakonferenz? Ist das nicht ein bisschen wenig? Wo doch die Frau Bundeskanzlerin sich ausdrücklich für die Ziele der proaktiven Klimapolitik ausspricht? Da wollen wir mehr Bilder. Interview. Schicken Sie da einen Korrespondenten hin, der soll vor Ort ein Interview mit dem deutschen Vertreter machen, und dann haben wir – Altmaier!? Sie sind wohl vom wilden Mann gebissen, Sie können doch nicht den Altmaier da interviewen! Der Mann redet doch Grütze, sobald er den – nein! Das senden Sie nicht, verstanden? Sie werden keine Sekunde davon senden. Wenn Sie unbedingt jemanden wollen, der von jeder Sachkenntnis ungetrübtes Gelaber absondert, dann fragen Sie Rösler irgendwas über Wirtschaft. Ja, weiß ich – aber hier dürfen Sie auch mal über die FDP berichten. Das stört die Frau Bundeskanzlerin nicht so. Hauptsache, Sie lassen uns in diesem Zusammenhang aus dem Spiel.

Und wenn Sie da das Internet zensieren? Oder müssen wir das selber machen? Nein, das ist wegen Steinbrück. Der ist ja immer in den Medien, und wenn Sie nichts über ihn bringen, dann müssten wir uns mal überlegen, was Sie da unternehmen. Weil da ja im Internet immer alle alles machen können, und wenn wir da nichts machen, also Sie, wenn Sie nichts machen, dann sind da ja noch Informationen, und dann können die da alles nachgucken – ich meine, wie ist das technisch geregelt? Können Sie nur auf Ihrer eigenen Seite die Informationen rausnehmen, und können Sie das bei den anderen erst beantragen? Oder müssen wir uns da erst einen Vorwand für ein neues Gesetz ausdenken? Ich kläre das ab. Machen Sie erstmal nichts über die SPD.

Sie sehen, es hat auch seine Vorteile, wenn man die Regierungssprecher aus Ihrem Haus holt oder hinterher bei Springer entsorgt. Die Synergieeffekte sind nicht zu leugnen. Öffentlich-rechtliche Sender stehen in der Verantwortung der Gesellschaft und der Politik und werden sich davon auch nicht völlig lösen können. Jedenfalls nicht, solange wir nicht den Befehl dazu gegeben haben.

Mit der CSU seien Sie bitte vorsichtig, wenn Sie denen eine – nein, das war gar nicht als Drohung gemeint! Wir sind schließlich nicht die CSU. Aber da müssen Sie immer damit rechnen, dass da so komische, wie soll ich sagen – da sind Journalisten unterwegs. Investigative Journalisten. Die werden Sie so einfach wieder los wie Streptokokken.

Feindsender? Dann sorgen Sie eben dafür, dass das nicht bei den Privaten auftaucht. Und lassen Sie Ihre internationalen Kontakte spielen. Wofür bezahlen wir Sie überhaupt?

Ach ja, das Wetter. Müssen wir da einen Antrag stellen, dass die Vorhersage am Wahlsonntag gut ist, oder erledigen Sie das?“





Unziviler Gehorsam

28 10 2012

Der Generaldirektor der spanischen Polizei will keine Bilder mehr von knüppelnden Beamten zeigen. Er hat Angst um die Privatsphäre. Die der Polizisten nämlich. Konsequenterweise sollten die Pressefotografen wegschauen, wenn jemand Ignacio Cosidó aus dem Weg räumt. Aus Gründen der Beweissicherung. Alles Weiter zum Niedergang der Zivilgesellschaft in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • krippenspiel: Aus Vorsicht gehe ich immer schon im Sommer zur Krippeschutzimpfung.
  • weihnachtsgestecke selbstgemacht: Lustiges Basteln mit Kabelbaumresten.
  • „adler werbegeschenke“ entlassungen: Sie haben Reiner Calmunds Größe nicht hingekriegt.
  • manuel neuer ausmalbild: In Blau-Gelb.
  • wie wir lernten, die bombe zu lieben: Mit Mitt ist es sogar egal, wo sie runterkommt.
  • fachwort für urinbeutel: Gelber Sack.
  • hartz 4 witzbilder: Beispielsweise der Leistungsbescheid.
  • porree maske: Gurke ist leichter zu montieren.
  • susan stahnke vater: Ich dachte, die Dame käme aus dem Enddarm?
  • hautpilzbehandlung pferd essigwasser: In Ermangelung eines Pferdes nehmen Sie einfach das Zeug aus der Apotheke.
  • rüttelpult selber bauen: Im Bundestag steht eins, das sich von selbst schüttelt.
  • pupillensteuerung maus: Die hypnotisiert eigentlich bloß die Katze,
  • gerontophile neigung ausleben,tipps: Stellen Sie einen Mitgliedsantrag bei der CDU.
  • „der blumengarten“ hexenschuss erfahrungen: Balkonkästen sind rückenschonender.
  • würmer +ausschlag: Sie leben in einer Welt, in der Sie immer noch nicht aus einer Toilette trinken können.
  • glasballon 5 l mit ohr: Der hört Ihnen dann beim Trinken zu.
  • spitztütenstern: Sie müssen vorher konzentrische Kugelschalen aufblasen.
  • beuteminister: Schwer vorstellbar, die meisten will man inzwischen doch loswerden.
  • dreisprung erklärt: Sie können bis drei zählen?
  • tischdeckenbürste: Servietten haben Sie keine?
  • „suhrbeer“ -horst -düsseldorf: Was kann Horst Suhrbeer dafür, dass Sie kein Interesse an ihm haben?
  • grippeimpfstoff eiweißfrei: Hilft sicherlich dem Cholesterinspiegel.
  • bankrettung vs transferleistungen: Spatz vs. Vogel.
  • ausstiegsvertrag prostitution: Noch hält Schwarz-Gelb ja.
  • ikea „wahrscheinlich vorrätig“: Dann ist es möglicherweise auch lieferbar.
  • kreditsachbearbeiter paranoia: Ohne Sicherheiten…
  • chilischote malvorlage: Arbeiten Sie bitte randscharf.
  • mutation „blaue waffeln“: Lässt sich durch zweiwöchigen Verbleib in normaler Raumluft ganz einfach herstellen.
  • stufenweise geflammte panflöte: Wenn man sie klein hackt, kann man wenigstens eine Gitarre daraus zusammenleimen.
  • ampel-ausmalbild: Sieht für die FDP schwarz aus.
  • morgenlieder mantra: Danke für diesen blöden Ohrwurm, danke für diesen Augenkrebs.
  • papierböse gera: Druckt der Verfassungsschutz in Thüringen keine Mails mehr aus?
  • konsumverzicht arbeitszwang: Wer arbeitet, soll auch nicht essen.
  • alter faltiger mann: Und er hat schon wieder nicht den Friedensnobelpreis erhalten.
  • zeitungsmeldung eine kuh springt in wohnzimmerscheibe: Ich wohne sowieso im dritten Stock.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CXV)

27 10 2012

Es schraubt Jean-Philippe in Oissel
die Birne ein. Dann knipst er schnell
sie an, die zum Zwecke
hängt nackt von der Decke.
Ihr Licht ist, man ahnt es, recht grell.

Alberto, der in San Vicente
als Frauenheld galt, lebt von Rente,
die, üppig bemessen,
ihm nichts nützt – stattdessen
zahlt er davon nur Alimente.

Alain baute in Manéglise
ein Häuschen. Dafür nahm er Kies
und Mörtel und Steinchen.
Dann trank er ein Weinchen.
Das Haus wurde schief, wie es hieß.

Giovanna sonnt sich in Madone
auf ihrem Balkon – oben ohne.
Doch guckt nie ein Nachbar.
Das wäre zwar machbar,
doch lohnt’s nicht bei dieser Matrone.

Es sah Didier in Fromentine
im Frühling die Wiesen erblühn.
Was andere freute,
er mied es und scheute
das Grün wegen der Allergien.

Tereng, der oft in Kunkujang
am Morgen mit voller Kraft sang,
nahm Pappe und dämmte
das Haus, und dies hemmte,
so dass kein Ton nach außen drang.

Es klebt Maurice in Hazebrouck
ans Häuschen von außen viel Stuck.
Er wollte nicht spinnen,
er fand nur, von innen,
da sähe man nichts von dem Schmuck.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CLXXI): Verschwörungstheorien

26 10 2012
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Das hat sich der Hominide nicht selbst ausgedacht: die Grenzen seiner Erkenntnis sind die Grenzen seiner Welt. Und doch ahnt er, was sich hinter den Himmeln verbirgt. Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Gibt es da Fußball und Bier? Die Unsicherheit führt bei den langsam erwachenden Troglodyten zur stetigen Verfestigung der Urteile, will sagen: jede einmal gewonnene Erkenntnis taugt so lange, wie sie nicht direkt widerlegt wird (und selbst dann ist sie nicht auszurotten, woher kämen sonst die Vorurteile und Ammenmärchen), als einfach zu erlernendes Modell für den Kosmos. Der Jahrkreis der Vegetation, Werden und Vergehen der Generationen oder das Wunder der gezielten Schalläußerungen, das magisch Empfundene wird alsbald zum Metaphysischen oder gleich zur Religion; manche niederschwellig gezimmerte Angebote wie Politik oder Ideologie schöpfen aus derselben Suppe. Alles jedoch, was sich nicht mit Hilfe der allgemeinen Neigung zum Vereinfachen deuten lässt, jedes auch nur ansatzweise komplexe Phänomen wie Wetter, Spritpreis oder der Lauf der Geschichte, alles das bläht sich auf zu dämonischer Größe, wird Teufel in vielerlei Gestalt, und weil man es doch fassen und bannen muss, gibt man einem höchst irdischen Widersacher die Schuld. So hat man nicht nur einen, dem man den Kampf ansagen kann – dem Satan kann man schon trotzen, es ist nur nicht gerichtsfest – sondern auch Feind, Lebensinhalt und immer einen Grund der Rechtfertigung von Gewalt, wirrem Gefasel und mannigfaltigem Ritual. Die einen nennen es die Aufdeckung aller Geheimnisse, die anderen eine Verschwörungstheorie.

Denn die Aufklärung erfordert Intelligenz – wer die durchschnittliche Hirnausstattung nicht als zu klein ansieht, der tut dies aus einem bestimmten Grund nicht. Zu Eiswölkchen, die Flugzeugdüsen entströmen, hat der durchschnittliche Depp keine nennenswerte Beziehung; er begreift sie weder physikalisch noch kann er nachvollziehen, dass ihre Entstehung nicht von einem vom Piloten bedienten Kippschalter abhängt. Er hält sie für gleisnerisches Handeln und unterstellt den Fliegern, Gift und Gülle über die Land zu pusten – dass das Zeug spätestens in der Brennkammer der Jetmotoren Geschichte wäre und in der Atmosphäre bliebe, falls es nicht völlig unspezifisch auch auf eigenem Territorium herunterregnete, das interessiert den Cheftrottel weniger. Er malt lieber Plakate, um CIA und Nahrungsmittelkonzerne, die Regierung oder das Fernsehen für alles Böse auf der Welt verantwortlich zu machen. Sollte es je ans Licht kommen, er hätte es immer schon gewusst. Womit wir bei den mit leichter Hand geschwiemelten Ammenmärchen wären.

Was als dumpfe Bedrohung wahrgenommen wird, das ruft den archaischen Reflex des bornierten Urmenschen hervor. An sich kann es den Brezelbiegern dieser Welt völlig wumpe sein, ob die Amerikaner ein paar Milliarden in die Raumfahrt gestopft haben oder in eine perfekt inszenierte Illusion; doch die gemeine Heißtröte lebt ihr Misstrauen gegen jede Art von Obrigkeit, Wissenschaft sowie tatbeteiligte Erdtrabanten aus im lautstarken Protest, weil die Mondlandung einfach nicht wahr sein darf. Und sie ist für ihn nicht wahr. Akribisch pfriemelt er sein naturwissenschaftliches Raster auseinander, warum die Fahne flatterte, die Triebwerke keine Flammen warfen und kein Astronaut im Strahlengürtel verschmurgelte. Er kapiert nichts, will aber alles erklären können. Außerdem weiß er sowieso alles besser. Und da die USA eh nur vom militärisch-industriellen Komplex und den Großbanken regiert werden, sollte man alles anzweifeln, was sie als wahr verkünden. Auch und vor allem dann, wenn es sich um Mittelstufenphysik handelt.

Verschwörungstheorien sind die McArgumente der Behämmerten. Eben das macht sie so angenehm für das interessierte Personal, für die politische Instrumentalisierung, für Kirchen, Parteien und weltanschauliche Vereinigungen, die ihr eigenes Denksystem sauber halten wollen und sich deshalb gegenseitig sowie reihum mit Schmutz bewerfen. Etwas Göttliches steckt in ihnen, nicht wenige der Hirnblubbermuster stellen ein arkanes Kollektiv, die Weltregierung aus Illuminaten, Freimaurern und OPEC auf den Opferaltar, sie tanzen mit Freudengeheul um den Götzen aus Schmierseife und wissen doch, dass wahrscheinlich jeder der anderen ihre Dänisch-Dubiose Reichskirche, die Partei des Fliehenden Widerstands und den Bundesverband zur Abschaffung von Raum und Zeit als Schöpfer des Übels ansieht, der Kennedy hat ermorden und die unzerstörbare Glühlampe verbieten lassen. Und das Gegenteil ist auch richtig, weil es falsch ist.

Herrschaft bedarf der Verschwörungstheorien, sonst könnte sie nie das dialektische Spiel mit erlaubter Aggression und unterdrückter Gewalt dominieren. Gewalt wird durch Hass auf indifferente Gruppen erlaubt und findet ein passendes Ventil, von den Kreuzzügen bis zu den Novemberpogromen, von Bielefeld bis Barschel. Wir wissen zwar, dass die Griechen faule Säcke sind, die noch nie gearbeitet haben und ständig Urlaub machen (sonst hätten sie nicht so viele Inseln ins Meer gebaut), aber wir lassen es bei verbaler Erniedrigung. Natürlich ist der Bekloppte auch in der Lage, den nächsten Griechen in der Fußgängerzone zu vermöbeln, er tut es nur nicht; die Nutznießer schweigen dazu und genießen.

Bestimmt wäre die Geschichte anders gelaufen, hätte es keine Dolchstoßlegende gegeben – bestimmt wäre sie auch anders gelaufen, wäre die Dolchstoßlegende keine Legende gewesen oder der Dolchstoß kein Dolchstoß. Es ist nicht ganz klar, ob nur die Sozialdemokraten daran beteiligt gewesen waren. Sicherlich war auch Konrad Adenauer auch irgendwie beteiligt. Aber das könnte auch eine Verschwörungstheorie sein.





Zerreißprobe

25 10 2012

„Und Sie haben noch einen ganzen Koffer voll Erinnerungen Ihres seligen Herrn Vaters an die große Zeit? Kein Problem. Wir haben das in fünf Minuten erledigt. Das Entsorgungsunternehmen de Maizière ist nicht unbedingt schnell, aber sehr gründlich. Wir schaffen das.

Man muss sich auch mal von alten Dingen trennen können. Oder bewahren Sie alles auf? Das kommt doch sonst auch bloß in falsche Hände. Und dann haben Sie plötzlich keine Karrierechancen mehr. Oder Ihre Promotion ist futsch. Oder Ihr Bundestagsmandat. Nein, man muss ab und zu mal entrümpeln. Alle Sorgen loswerden. Von Neuem anfangen, wenn man merkt, dass sich das Alte nicht mehr lohnt. Schlussstriche ziehen. Nicht jede Vergangenheit ist es auch wert, bewältigt zu werden, nicht wahr? Es gibt da manche, die will man lieber sofort vergessen. Und sehen Sie, genau dafür ist unser Unternehmen da.

Sie haben geerbt? Das ist doch nicht schlimm, das kann ja jedem mal passieren – Ihre Regierung sorgt schließlich dafür, dass das nur Sie etwas angeht und nicht auch noch Ihre Nachbarn. Oder den Fiskus. Biedermeiersekretär? Schöne Geldanlage, jedenfalls höher als der Brennwert. Unser Chef war nur sehr kurz Innenminister, der hat von Kultur so gut wie keine Ahnung. Da müssen Sie sich an den jetzigen – nein, lassen Sie’s besser. Also wie gesagt, das Geheimfach. Wir holen da rückstandsfrei sämtliche Informationen raus, speichern sie ab, und dann vernichten wir sämtliche Quellen. Natürlich vernichten wir die, das stand doch so im Prospekt. Quellenschutz ist bei uns nicht vorgesehen.

Wir können uns nicht beklagen. Kann sein, dass das mit der Gesinnungslage zusammenhängt, aber die Auftragsbücher sind bei uns seit Monaten nicht leer zu kriegen. Man hat schon den Eindruck, je mehr Transparenz da gefordert wird, desto mehr kommt auch ans Licht – oder könnte, wenn es das wäre, das noch nicht ans Licht gekommen ist, so ans Licht kommen, dass es besser wäre, es wäre eben besser nicht ans Licht gekommen. Und dann gibt’s ja auch so Sachen, wo man weiß, das wäre für Sie nicht unbedingt schlimm, Sie waren ja auch nur Parteigenosse, aber die durchführenden Organe, die waren natürlich in der Lage, Unrecht zu erkennen, und müssen deshalb heute mit der vollen Härte des Gesetzes – Celler Loch? Ich dachte eher an die Mauerschützen.

Wir setzen vor allem auf regionales Wachstum. Deshalb haben wir uns auch besonders stark gemacht, wo wir die besten Standortvorteile sehen. Beispielsweise in Thüringen. Das ist doch ein schmuckes Fleckchen Erde – ganz naturbelassen, keine Verfassungsschützer, da darf man noch offen gegen Neger und Türken demonstrieren, Reizklima, und unsere Freunde von der NPD haben ihre anfängliche Scheu längst abgelegt. Wir unsere übrigens auch, aber das nur nebenbei.

Kaderakten? Müssten wir mal schauen. Wir haben da schon eine ganze Menge vernichtet, aber es findet sich ja immer wieder etwas. Wir sind gründlich. Sagen Sie Ihrem Rechtsanwalt, dass wir nichts unversucht lassen – wir setzen Sie auch gerne von unseren Funden in Kenntnis. Immer vorausgesetzt, es betrifft nicht Sie.

Unsere Verbindungen zum Militär sind ja nicht zufällig. Wir brauchten tatkräftige Männer, gerne mit einschlägiger Erfahrung und blütenreiner Weste. Gut, ist jetzt nicht so häufig, aber man fragt ja mal. Deshalb unser, sagen wir mal: Ordnungs- und Entrümpelungsdienst. Es gibt Leute, die finden Sachen, die haben andere nicht einmal gesucht. Journalisten. Staatsanwälte. Gelichter halt, so Zeugs ohne Regierungsnähe. Da muss man einschreiten, wenn die zu aktiv werden. Und deshalb schicken wir die alle in einen Raum, in dem wir einen Reißwolf aufgebaut haben. Was da drin passiert, ist uns vollkommen unbekannt, wir lassen uns nicht damit in Verbindung bringen und werden jeden verklagen, der behauptet, hier könne jeder für eine hübsche Summe belastende Akten gegen ihn in Papierschnee verwandeln. Das stimmt natürlich nicht. Für Parteifreunde machen wir das nämlich auch umsonst.

Sie haben belastendes Bildmaterial? Kinder? Wie alt? Das ist gut, wir sind immer froh, wenn wir mal neuen Stoff hier sehen – man kann sonst der Öffentlichkeit nicht mehr erzählen, dass wir wissen, was sich in der Szene tut. Wir schnipseln das gerne für Sie, aber zur Sicherheit machen wir vorher eine Kopie. Nur zur Sicherheit. Falls wir das mal brauchen sollten – natürlich ohne Zusammenhang zu Ihnen. Man ist ja kein Unmensch.

Entsorgung ist Vertrauenssache. Oder wissen Sie, wer da alles weiß, was Sie wissen, aber wovon Sie nicht wissen, wer das weiß, obwohl Sie das nicht wüssten? Wir bieten Ihnen deshalb den Rundumservice an. Alles bombensicher. Was wir in die Finger kriegen, wird zu Konfetti. Wenn es sein muss, vernichten wir komplette Archive. Oder auch Akten, die eigentlich noch für den Dienstgebrauch sind, aber sich derzeit so in Verkehr befinden, dass man sie da leicht rausziehen kann. Wir bieten Ihnen das Beste an. Stellen Sie uns auf die Zerreißprobe.

Referenzen? Gerne. Ich nehme an, die Frau Bundeskanzlerin wird ein gutes Wort für uns einlegen. Sie weiß schon, warum.“





Hokusjokus

24 10 2012

„Also nicht Rot-Grün?“ „Hat doch auch keiner behauptet.“ „Aber sonst geht’s doch nicht.“ „Geht was nicht?“ „Dass die Koalition abgelöst wird.“ „Welche Koalition?“ „Schwarz-Gelb.“ „Und was wird dann besser?“ „Dass es dann keine Koalition mehr gibt.“ „Aber die gibt es doch jetzt auch schon nicht mehr.“ „Aber Schwarz-Gelb.“ „Aber keine Koalition. Oder wie nennen Sie das da?“

„Warum denn nicht Rot-Grün?“ „Weil es nicht reicht.“ „Wofür?“ „Für das, was Schwarz-Gelb jetzt auch schon nicht auf die Reihe kriegt.“ „Aber die gibt es doch bald nicht mehr.“ „Wann?“ „Nach der Wahl.“ „Und warum sollte es die dann nicht mehr geben?“ „Das sehen die Machtverhältnisse eben ganz anders aus.“ „Wenn Sie das jetzt schon wissen, warm wählen wir dann überhaupt noch?“ „Die Mehrheit ist doch weg.“ „Und Rot-Grün wird es dann wegen einer Ausnahmeregelung, obwohl sie auch keine Mehrheit haben?“ „Die haben doch jetzt keine Mehrheit mehr – das sehen Sie doch jeden Tag!“ „Ach, und wenn sie keine Mehrheit haben, warum sind die dann immer noch an der Macht?“ „Weil sie eben die Mehrheit hatten.“ „Und womit regieren die jetzt?“ „Mit der SPD.“ „Merken Sie was?“

„Dann hieße das doch, wir haben gar keine Wahlen.“ „Wahlen haben wir schon, aber eben keine Wahl.“ „Wenn es für Rot-Grün nicht reicht, was denn dann? Rot-Rot-Grün?“ „Oder Grün-Rot-Rot.“ „Das hieße ja, dass die Roten – nein, das glaube ich nicht.“ „Das haben wir bis Stuttgart auch nie geglaubt.“ „Kann Rot denn so tief absinken, dass sie es ohne die Roten nicht mehr schaffen?“ „Steht zu fragen, wer welche Roten sind.“ „Ja also, die Roten eben. Rot. Rot wie: rot.“ „Richtig rot?“ „Sehr rot.“ „Dann meinen Sie jemand anderen als ich. Bei der SPD ist schon lange niemand mehr rot. Nicht, solange wegen der Agenda bei denen einer rot angelaufen ist.“ „Und die anderen?“ „Sind ja auch eher so Rote.“ „Das sage ich doch die ganze Zeit!“ „Aber die werden ja nur noch von den Roten gewählt.“ „Und die anderen?“ „Welche anderen?“ „Die Roten, die – also die nicht so roten Roten, die nicht so rot sind.“ „Was machen die?“ „Ob die dann gegen Rot sind?“ „Waren sie schon immer, sonst wären sie ja schon bei den anderen Roten.“ „Und die können mit den Grünen?“ „Die Roten? Die sind denen zu rot.“

„Ampel.“ „Und?“ „Ampel eben. Ampel!“ „Rot-Gelb-Grün?“ „Ampel.“ „Guter Witz.“ „Passt das nicht?“ „Das passt überhaupt nicht.“ „Wegen den Grünen?“ „Warum soll das wegen der Grünen nicht passen?“ „Grün und Gelb, das kann doch nicht passen.“ „Weil Grün nicht zu Gelb passt?“ „Weil Gelb zu nichts passt.“ „Eben. Und warum soll dann etwas passen, wo Gelb nicht passt?“ „Weil es eine Mehrheit wäre.“ „Und?“ „Dann könnte man daraus eine Koalition…“ „Sie schon wieder mit Ihren Koalitionen – wenn Sie eine Koalition planen, warum dann zum Donnerwetter mit der FDP?“ „Weil die Mehrheit können.“ „Und was können die sonst?“ „Reicht das denn nicht?“

„Sie könnten ja mal Rot-Rot-Gelb oder…“ „Ausgeschlossen!“ „Was ist so ungewöhnlich an dem Modell?“ „Das macht die FDP doch nie mit.“ „Warum nicht?“ „Weil die sonst wegen jeder Kleinigkeit vor Sozialismus warnen, weil die Regulierung ihnen zu weit geht, weil es zu viel Staat gibt und keine Steuersenkungen.“ „Was machen die denn jetzt anders?“ „Wo?“ „In der Koalition.“ „Welche Koalition?“ „Schwarz-Gelb.“ „Wir haben eine Koalition?“ „Wir mögen keine Regierung mehr haben, aber ja, eine Koalition haben wir noch.“ „Könnten wir nicht eher Rot-Gelb-Rot versuchen?“ „Weil die FDP dann auch immer vor Sozialismus warnt?“ „Nein, aber dann hätte dies Gejammer endlich mal einen realen Hintergrund.“

„An Schwarz-Grün denken Sie wohl gar nicht?“ „Das sind doch Utopien.“ „Richtig, im Gegensatz zu Rot-Rot.“ „Immerhin hat es auf Landesebene schon Koalitionen gegeben.“ „Schwarz-Grün auch.“ „Aber jetzt wäre es eher Grün-Schwarz.“ „Käme auf das Bundesland an.“ „Ich meine doch in Berlin.“ „Da sind die Grünen liberal.“ „Liberal wie die FDP?“ „Eher liberal wie Liberale.“ „Also passt Gelb doch noch dazwischen?“ „Nein, weil die FDP nur Gelb ist.“ „Aber nicht liberal?“ „Wenn sie liberal wäre, bräuchte es ja keine Grünen.“

„Kein Rot-Grün, keine Ampel, kein Jamaika. Haben wir irgendwas übersehen?“ „Wenn sich Merkel auf ihre politischen Wurzeln besinnt, müsste sie eigentlich Schwarz-Rot…“ „Das hatten wir doch schon mal, das waren ihre Gehversuche?“ „Natürlich nicht. Sie hat zwar Kanzlette mit der SPD gelernt, aber das davor mit den roten Roten.“ „Und sie würde sich mit denen einlassen?“ „Völlig ausgeschlossen.“ „Und das ganze linke Lager, die sozialdemokratischen Themen? Alles, was die Genossen nicht mehr haben?“ „Haben die Roten nicht mehr.“ „Die klassischen sozialdemokratischen Kernthemen, Mensch! Arbeit und Soziales und Mindestlohn und Rente und das, wer macht das denn jetzt?“ „Macht doch jetzt Mutti.“ „Und die ganze Sozialdemokratie?“ „Macht jetzt Mutti.“ „Alles?“ „Alles.“ „Und was machen die Roten?“ „Planen Sie die schon mal ein für eine Koalition.“ „Wieso das denn, was sollen die denn in einer Koalition?“ „Die können auch Mehrheit. Und für Mutti reicht das.“





Immer gut beraten

23 10 2012

Er blätterte meine Papiere durch. Dann spitzte er mit Bedacht seinen Bleistift, bevor er sich entschied, doch lieber einen Kugelschreiber zu nehmen. „Sie haben noch nie in der Gastronomie gearbeitet?“ Ich schüttelte den Kopf. „Oder hatten Sie schon Kontakt zum Kaufmannsberuf? Nicht? Was soll ich da nur für sie tun?“ Er hatte es nicht leicht mit mir. Aber ich war ja auch das erste Mal in meinem Leben beim Berufsberater.

„Sie sind also kein Jurist?“ „Nein“, antwortete ich, „wie Sie sehen. Wäre es nach meinem Onkel Albert gegangen, dann – aber wie gesagt, ich hatte andere Vorstellungen.“ Er grunzte befriedigt. „Kein Jurist. Wir müssen demnach nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen.“ Ein gewaltiger Stapel Papier lag auf seinem Schreibtisch; vermutlich handelte es sich um das Verzeichnis sämtlicher existierender Berufe. Er würde mich zum Hofzwerg weiterbilden oder mir eine Stelle als Pansenklopper und Hitzläufer vermitteln, während meine Noten höchstens zu einer Lehre als Pfeifenbäcker reichten. „Sin Sie wasserscheu? Na großartig, dann haben Sie hervorragende Aussichten als Dachdecker. Oder haben Sie schon einmal von einem Dachdecker gehört, der ertrunken ist?“ „Ich bitte Sie“, protestierte ich, „wir machen das doch hier nicht zum Spaß – schlagen Sie mir einen vernünftigen Beruf vor, mit dem ich auf ehrliche Art und Weise meinen Lebensunterhalt verdienen kann.“ Er wog den Kopf; gedankenverloren spielte er mit dem Kugelschreiber. „Ehrlich – tja, da müssen Sie wohl ein paar Abstriche machen. Man kann sich seinen Beruf heutzutage nicht mehr unbedingt aussuchen, man muss nehmen, was kommt, und die Zumutbarkeitsregelungen sind auch wesentlich erweitert worden.“ „Sie meinen, ich müsste jetzt als Arbeitsvermittler arbeiten?“ Er lächelte leise. „Keinesfalls. Ich würde Ihnen empfehlen, dass Sie jetzt einen entscheidenden Schritt in Ihrem Leben gehen und sich für einen neuen Beruf öffnen, der Ihre gesamte Existenz verändern kann.“ Ich blickte ihn fragend an. „Werden Sie Politiker.“

Für einen Augenblick war ich recht konsterniert. „Sie können doch nicht einfach von mir verlangen, dass ich einen solchen Beruf ausübe – das geht doch nicht!“ Möglicherweise hatte ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt, möglicherweise aber auch zu deutlich. „Was verstehen Sie denn unter dem Bruttoinlandsprodukt? Und was unter der Staatsquote? Und wo ist der Unterschied zwischen beiden?“ Ich errötete heftig. „Ich sagte Ihnen doch schon, ich verstehe wirklich nichts davon.“ „Ach was“, antwortete er gutmütig, „die meisten Wirtschaftswissenschaftler wären bei solchen Spezialfragen auch schon mit ihrem Latein am Ende. Damit stehen zwei Dinge schon mal fest: Sie haben nicht die geringste Ahnung von diesem Thema.“ „Und was wäre das andere?“ Er kicherte. „Sie wären der geborene Wirtschaftspolitiker.“

„Warum muss ich ausgerechnet als Wirtschaftspolitiker keinen blassen Schimmer haben von der Materie?“ „Ahnungslos müssen Sie so oder so sein“, klärte er mich auf. „Ob Sie nun Wirtschaftsminister oder Gesundheitsminister werden, das merken wir an unserem Einstellungs- und Kompetenzprofil. Wir haben damit nur gute Erfahrungen gemacht.“ „Ich bin doch nicht die FDP“, protestierte ich, „oder glauben Sie ernsthaft, dass ich an einen anderen Laden vermittelbar wäre?“ Er lächelte und spielte mit dem Kugelschreiber. „Nein, das sehen Sie ganz falsch. Das geht völlig an der Realität vorbei, und sobald Sie einmal die Gelegenheit hatten, unsere schwierig bis gar nicht vermittelbaren Interessenten von der FDP in Augenschein zu nehmen, werden Sie verstehen, dass das nicht unserem Profil entspricht. In deren Kompetenzprofil gab es große Lücken.“ „Lassen Sie mich raten: die Kompetenz?“ „Genau“, gab er zurück. „Das andere war das Profil, wenn Sie es genau wissen wollen.“

Er zog eine Menge Profile aus dem großen Stapel. Je nachdem, was ich nicht verstand, bot sich mir eine enorme Karriere. „Wenn Sie schon einmal gearbeitet haben – also richtig, nicht nur so getan, als ob – dann können Sie leider das Sozialressort nicht mehr übernehmen. Höchstens den Fiskus. Oder vielleicht das Bauministerium. Je nachdem, was Sie alles nicht gelernt haben. Danach geht’s ja meist. Also abgesehen von den selbstverständlichen Kleinigkeiten.“ „Welche Kleinigkeiten?“ Ich blickte ihn fragend an. „Beziehungen natürlich“, erläuterte er mir, „haben Sie gedacht, wir würden Sie so ganz ohne Beziehungen einstellen?“

Sie würden mich als Bauminister eingestellt haben – ich wusste nicht im Geringsten, worum s sich handelt – oder als Staatssekretär im Bundesinnenministerium, letzteres übrigens nur, weil mir versehentlich nicht einfiel, was ein Pfund Federn wog. „Denken Sie an die Bezahlung“, lockte er, „außerdem haben Sie Pensionsansprüche.“ „Und wenn ich diesen Beruf wirklich nicht ausüben kann, was mache ich dann?“ „Sie werden etwas falsch machen, je falscher, desto besser. Sie haben ja, wie gesagt, Pensionsansprüche.“ „Ich möchte Sie nur ungern enttäuschen“, gab ich zurück, „aber ich fürchte, es wird nichts damit. Ich würde dann doch lieber einen richtigen Beruf.“ Das musste ihn verwirrt haben. „Aber Sie haben doch einen?“ „Nein“, begehrte ich auf, ich würde lieber – wie soll ich sagen – arbeiten. Verstehen Sie mich?“ Er legte widerwillig den Kugelschreiber beiseite. „Ich habe wirklich alles bei Ihnen versucht, aber wenn Sie durchaus nicht hören wollen, gut. Hier ist noch etwas als Tellerwäscher. Ich habe alles bei Ihnen versucht, damit Sie merken: Arbeit macht frei. Und noch freier sind Sie, wenn Sie gar nicht erst arbeiten müssen. Sie nehmen jemandem den Arbeitsplatz weg – damit müssen Sie ab jetzt leben.“





Unentschieden

22 10 2012

„Katastrophal. Also wirklich, katastrophal. So eine Chance setzt man doch nicht einfach in den Sand, das liegt doch auch nicht nur an der Mannschaft. Erst die besten Voraussetzungen, die sie hätten haben können, und dann vergeigen sie alles. Echt katastrophal, wenn Sie mich fragen. was denkt sich die Merkel eigentlich dabei?

Nein, ehrlich – denkt die sich überhaupt was? Die steht da immer so gemütlich am Spielfeldrand, Fingerspitzen aneinander, wenn die anderen mal aus Versehen jubeln, dann jubelt sie mit, aber sonst? Passiert da was? Eben, da passiert doch nichts! Das sind doch die Fakten! Steht ja da drin: ‚Die Bundestrainerin bestimmt die Richtlinien des Spiels.‘ Nichts bestimmt die, gar nichts! Die steht da am Rand, die Ersatzbank ist sowieso leer, und guckt zu, wie die Mannschaft Schatten auf dem Rasen wirft. Gut, sie tut das sehr dekorativ, sie macht da immer schöne Figur, wenn man nichts gegen Hosenanzüge hat. Aber das Spiel? Das findet doch nicht statt. Das macht der Gegner.

Hier, Friedrich. Haben Sie so was schon mal gesehen? Sagenhaft. Der Mann verstolpert jeden Ball. Eine Beleidigung für den Sport. Der passt nur dann, wenn nirgendwo ein Spieler steht. Jeder Ball ein Gewaltschuss. Und wenn er gar nichts anderes kann, dann bolzt er ihn mit Anlauf ins Aus. Er denkt, er sei der Stürmer – naja, stilistisch kommt das ungefähr hin, kann man nichts sagen. Aber dass er nun als Rechtsaußen so erfolgreich wäre, das sehe ich auch nicht. Vor allem, er kriegt ja nichts mit. Gar nichts kriegt der mit, den können Sie alleine auf den Platz stellen, der trifft in drei Halbzeiten nicht aufs Tor.

Oder hier, die Verteidigung. Neu aufgestellte Truppe. Gab ja hier und da mal Zoff, weil die Herren Spieler alle nicht schuld waren an den zahlreichen Gegentoren. Sturm durch die Mitte, Ausweichen über den linken Flügel, Flanke, und schon ist das Ding drin. Sagt de Maizière natürlich, war ich nicht, kann nicht meine Schuld sein, zu der Zeit war ich gar nicht im Strafraum, jede Menge Zeugen, kann nicht sein. Am Ende ist natürlich keiner schuld, aber das Tor ist auch nicht weg. Und die Bundestrainerin? Pappt ihre Patschhände aneinander, guckt bedeutend und knödelt einen von der gemeinsamen Lösung, zu der wir alle finden müssen. Ich weiß nicht, ob das heute als normal gilt, aber zu meiner Zeit war das nicht normal.

Nein, das Spiel findet ja gar nicht statt. Das ist doch alles nichts, das macht doch der Gegner. Hier, G8 und EFSF und ESM und wie die Dinger alle heißen, wer macht denn da die Tore? Wenn der Gegner nicht zwischendurch aus Langeweile mal den Ball vorlegt, dass kriegt diese Gurkentruppe doch nie einen rein. Die machen ja schon aus lauter Mitleid Eigentore, weil sie das Elend nicht mehr mit ansehen können. Schäuble tut so, als sei er Kapitän, Rösler tut so, als sei er Kapitän, während Westerwelle denkt, er sei der einzige Leichtmatrose in dem Laden. Das ist doch nicht auszuhalten! Und ich frage Sie, wer bestimmt denn da die Richtlinien des Spiels? Die Trainerin?

Bahr, Niebel, was sind das für Pappkameraden? Die laufen neben dem Gegner her und warten, bis sie den Ball abkriegen. Da können Sie von Glück reden, wenn die den Ball übers eigene Tor rüberhauen. Aber typisch für diese ganze Horde: die meisten gehen doch eh nur für die Kohle auf den Platz. Oder haben Sie erwartet, dass da einer sein Leben lang fleißig trainiert, um für Deutschland aufzulaufen?

Die Bundesuschi, diese Blutgrätsche auf Beinen – finden Sie die gut? Was macht die denn? Die schwalbt durch den Strafraum, wenn gerade mal einer hinguckt, aber sonst? Sonst tritt die der Schröder in die Hacken. Wie die Kinder. Nicht zum Aushalten. Wobei das jetzt eine Beleidigung war. Gegenüber den Kindern. Wozu sind die in der Mannschaft? Für die Wirkungstreffer im eigenen Team? Kriegt der Gegner davon überhaupt was mit? Wenn sie wenigstens schön spielen würden, man könnte sich ja daran gewöhnen. Aber diese Holzerei? Haben die kein Hobby?

Überhaupt, Rösler. Den haben sie scheint’s nicht rechtzeitig aus der F-Jugend geschmissen. Der sagt mal so nebenbei im Interview, dass er die Trainerin komplett ablehnt. Konditionstraining? Er erwartet, dass er wegen mangelnder Motivation keine Ausdauer mehr hat, deshalb spart er sich den Kram. Die anderen dürfen gerne, aber der Herr Rösler ist gerade mit Werbeverträgen beschäftigt und lässt sich ein bisschen knipsen. Die Bundestrainerin bereitet die ganze Nationalmannschaft auf das Qualifikationsspiel für die Exportweltmeisterschaft vor – die ganze Mannschaft? Nein, eine Flitzpiepe leistet erbitterten Widerstand gegen den Rest der Mannschaft. Große Klasse. Für wen hält sich dieser Klapskalli eigentlich? Für Uwe Seeler?

Erzählen Sie mir nichts, das liegt alles an der Trainerin. Die Merkel kommt ja in Wirklichkeit so gut wie gar nicht vor. Die ist eigentlich nur ein Prinzip. Nicht bewegen, bloß nichts machen, dann macht man auch nicht aus Versehen irgendwas falsch. Von der Spielführung der ruhigen Hand zur Trainerin der Herzen – genau das scheint ja ihr Erfolg zu sein, warum ein paar Millionen denken, das könnten sie auch. Weil sie nichts macht. Aber auch wirklich nichts. Sitzt aus, steht herum, labert überflüssiges Zeug, und im Grunde ist es doch so: sie sind mit den besten Voraussetzungen gestartet, sie hatten alles, was sie haben wollten, und dann kriegen sie eine Bude nach der anderen rein. Und jetzt freut sich die Trainerin, weil die Mannschaft noch nicht vollständig geschlagen ist. Kann man machen. Ja. Aber wissen Sie, ich weiß ja nicht, was Sie von Fußball verstehen – Unentschieden ist noch kein halber Sieg.“