Hokusjokus

24 10 2012

„Also nicht Rot-Grün?“ „Hat doch auch keiner behauptet.“ „Aber sonst geht’s doch nicht.“ „Geht was nicht?“ „Dass die Koalition abgelöst wird.“ „Welche Koalition?“ „Schwarz-Gelb.“ „Und was wird dann besser?“ „Dass es dann keine Koalition mehr gibt.“ „Aber die gibt es doch jetzt auch schon nicht mehr.“ „Aber Schwarz-Gelb.“ „Aber keine Koalition. Oder wie nennen Sie das da?“

„Warum denn nicht Rot-Grün?“ „Weil es nicht reicht.“ „Wofür?“ „Für das, was Schwarz-Gelb jetzt auch schon nicht auf die Reihe kriegt.“ „Aber die gibt es doch bald nicht mehr.“ „Wann?“ „Nach der Wahl.“ „Und warum sollte es die dann nicht mehr geben?“ „Das sehen die Machtverhältnisse eben ganz anders aus.“ „Wenn Sie das jetzt schon wissen, warm wählen wir dann überhaupt noch?“ „Die Mehrheit ist doch weg.“ „Und Rot-Grün wird es dann wegen einer Ausnahmeregelung, obwohl sie auch keine Mehrheit haben?“ „Die haben doch jetzt keine Mehrheit mehr – das sehen Sie doch jeden Tag!“ „Ach, und wenn sie keine Mehrheit haben, warum sind die dann immer noch an der Macht?“ „Weil sie eben die Mehrheit hatten.“ „Und womit regieren die jetzt?“ „Mit der SPD.“ „Merken Sie was?“

„Dann hieße das doch, wir haben gar keine Wahlen.“ „Wahlen haben wir schon, aber eben keine Wahl.“ „Wenn es für Rot-Grün nicht reicht, was denn dann? Rot-Rot-Grün?“ „Oder Grün-Rot-Rot.“ „Das hieße ja, dass die Roten – nein, das glaube ich nicht.“ „Das haben wir bis Stuttgart auch nie geglaubt.“ „Kann Rot denn so tief absinken, dass sie es ohne die Roten nicht mehr schaffen?“ „Steht zu fragen, wer welche Roten sind.“ „Ja also, die Roten eben. Rot. Rot wie: rot.“ „Richtig rot?“ „Sehr rot.“ „Dann meinen Sie jemand anderen als ich. Bei der SPD ist schon lange niemand mehr rot. Nicht, solange wegen der Agenda bei denen einer rot angelaufen ist.“ „Und die anderen?“ „Sind ja auch eher so Rote.“ „Das sage ich doch die ganze Zeit!“ „Aber die werden ja nur noch von den Roten gewählt.“ „Und die anderen?“ „Welche anderen?“ „Die Roten, die – also die nicht so roten Roten, die nicht so rot sind.“ „Was machen die?“ „Ob die dann gegen Rot sind?“ „Waren sie schon immer, sonst wären sie ja schon bei den anderen Roten.“ „Und die können mit den Grünen?“ „Die Roten? Die sind denen zu rot.“

„Ampel.“ „Und?“ „Ampel eben. Ampel!“ „Rot-Gelb-Grün?“ „Ampel.“ „Guter Witz.“ „Passt das nicht?“ „Das passt überhaupt nicht.“ „Wegen den Grünen?“ „Warum soll das wegen der Grünen nicht passen?“ „Grün und Gelb, das kann doch nicht passen.“ „Weil Grün nicht zu Gelb passt?“ „Weil Gelb zu nichts passt.“ „Eben. Und warum soll dann etwas passen, wo Gelb nicht passt?“ „Weil es eine Mehrheit wäre.“ „Und?“ „Dann könnte man daraus eine Koalition…“ „Sie schon wieder mit Ihren Koalitionen – wenn Sie eine Koalition planen, warum dann zum Donnerwetter mit der FDP?“ „Weil die Mehrheit können.“ „Und was können die sonst?“ „Reicht das denn nicht?“

„Sie könnten ja mal Rot-Rot-Gelb oder…“ „Ausgeschlossen!“ „Was ist so ungewöhnlich an dem Modell?“ „Das macht die FDP doch nie mit.“ „Warum nicht?“ „Weil die sonst wegen jeder Kleinigkeit vor Sozialismus warnen, weil die Regulierung ihnen zu weit geht, weil es zu viel Staat gibt und keine Steuersenkungen.“ „Was machen die denn jetzt anders?“ „Wo?“ „In der Koalition.“ „Welche Koalition?“ „Schwarz-Gelb.“ „Wir haben eine Koalition?“ „Wir mögen keine Regierung mehr haben, aber ja, eine Koalition haben wir noch.“ „Könnten wir nicht eher Rot-Gelb-Rot versuchen?“ „Weil die FDP dann auch immer vor Sozialismus warnt?“ „Nein, aber dann hätte dies Gejammer endlich mal einen realen Hintergrund.“

„An Schwarz-Grün denken Sie wohl gar nicht?“ „Das sind doch Utopien.“ „Richtig, im Gegensatz zu Rot-Rot.“ „Immerhin hat es auf Landesebene schon Koalitionen gegeben.“ „Schwarz-Grün auch.“ „Aber jetzt wäre es eher Grün-Schwarz.“ „Käme auf das Bundesland an.“ „Ich meine doch in Berlin.“ „Da sind die Grünen liberal.“ „Liberal wie die FDP?“ „Eher liberal wie Liberale.“ „Also passt Gelb doch noch dazwischen?“ „Nein, weil die FDP nur Gelb ist.“ „Aber nicht liberal?“ „Wenn sie liberal wäre, bräuchte es ja keine Grünen.“

„Kein Rot-Grün, keine Ampel, kein Jamaika. Haben wir irgendwas übersehen?“ „Wenn sich Merkel auf ihre politischen Wurzeln besinnt, müsste sie eigentlich Schwarz-Rot…“ „Das hatten wir doch schon mal, das waren ihre Gehversuche?“ „Natürlich nicht. Sie hat zwar Kanzlette mit der SPD gelernt, aber das davor mit den roten Roten.“ „Und sie würde sich mit denen einlassen?“ „Völlig ausgeschlossen.“ „Und das ganze linke Lager, die sozialdemokratischen Themen? Alles, was die Genossen nicht mehr haben?“ „Haben die Roten nicht mehr.“ „Die klassischen sozialdemokratischen Kernthemen, Mensch! Arbeit und Soziales und Mindestlohn und Rente und das, wer macht das denn jetzt?“ „Macht doch jetzt Mutti.“ „Und die ganze Sozialdemokratie?“ „Macht jetzt Mutti.“ „Alles?“ „Alles.“ „Und was machen die Roten?“ „Planen Sie die schon mal ein für eine Koalition.“ „Wieso das denn, was sollen die denn in einer Koalition?“ „Die können auch Mehrheit. Und für Mutti reicht das.“