Und tschüss

21 11 2012

„Nein, es liegt wirklich nicht an Dir. Du bist ein wunderbarer Mensch, und wenn ich könnte, würde ich ja nicht – wirklich, das musst Du mir einfach glauben, ich – ruf mich bitte nicht mehr an, ja? Ich will Dich so in Erinnerung behalten, wie Du warst!

Meine Güte, die Alte war wirklich schwer von Begriff. So was liebe ich ja. Das versüßt einem glatt den Beruf. Ernsthaft, zwei von denen an einem Tag, dann brauche ich eine Therapie. Obwohl, ich will mich nicht beschweren. In dem Job hier wird man nur was, wenn man einen kühlen Kopf behält. Ich bin Schlussmacher. Und ich schaffe jeden Fall.

Man darf sich da eben nicht reinziehen lassen. Emotional und so. Aber sonst ist das ein guter Job. Man freut sich dann immer, dass man nicht selbst mit solchen Charakterleichen konfrontiert wird. Oder am Ende eine von denen ist. Das macht einen dann innerlich wieder stark, und man zieht den nächsten Fall durch.

Glauben Sie mir, Ihre Frau hat alles versucht. Ich kann sie sehr gut verstehen – und wenn Sie mich fragen, dann weiß ich nicht, warum sie es so lange mit Ihnen ausgehalten hat. Vergessen Sie’s einfach. Sie haben keine Chance mehr. Lassen Sie es gut sein, und gehen Sie Ihrer Wege. Davon, dass Sie jetzt rumheulen, wird’s ja auch nicht besser. Also finden Sie sich damit ab. Und ein Tipp von mir: klappen Sie gefälligst den Klodeckel runter, Sie Neandertaler.

Die kleinen kommunikativen Hindernisse. Dieser eklatante Unterschied zwischen Selbstbild und Wirklichkeit. Früher oder später kommt die Erkenntnis, dass man möglicherweise nicht den Richtigen hat. Dann fragt man sich, ob man sich trennen soll – und oft kann man es dann gar nicht. Zu wenig Mut, zu viel eingefahrene Muster, man lebt immer noch in der Vergangenheit, alles irgendwie rosa, der Himmel hängt voller Geigen, das kann doch nicht alles gewesen sein – und dann hängt man plötzlich in einer Beziehung fest, bei der man weiß, dass es nur Verlierer geben kann. Und dann komme ich. Keine Schuldgefühle, keine Szenen, kein Rosenkrieg. Cleane Angelegenheit.

Raff das mal, Baby. Dein Hintern braucht inzwischen mehr Quadratmeter als der Kleinbus. Du kostest. Und Du bist stinkend faul. Der einzige, der Dich vermissen wird, ist der Kühlschrank. Und jetzt geh bitte. Die Nachbarn haben den Schampus kalt gestellt und ich will nicht zu spät kommen.

Vor allem Vorwürfe. Da muss man immer sehr vorsichtig sein. Das würde natürlich sofort auf Sie selbst zurückfallen. Kommunikation, verstehen Sie? Warum habe ich es zehn Jahre lang nicht geschafft, ihr zu sagen, dass ich ihre bescheuerten Plüschtiere nicht ausstehen kann? Das fällt mir natürlich dann auf die Füße, ich habe den Schwarzen Peter, und dann haben wir plötzlich eine Eskalation, bei der die ganze Trennung über den Haufen geworfen wird. Nichts mehr mit kontrollierter Emotion und so, keine einfache Angelegenheit. Und noch ein Tipp: lassen Sie sich nie auf irgendwelche Deals ein. Er hat zwanzig Jahre lang Ihren Geburtstag vergessen? Dann wird er sich ganz bestimmt nicht daran erinnern, sobald er Sie wieder am Haken hat. Das läuft auf Selbstbetrug hinaus. Und wer will das schon.

Du hast mich vom ersten Augenblick an enttäuscht. Ich hätte auf die Warnungen hören sollen – hinterher ist man immer klüger. Ich habe es immer wieder versucht, und Du hast einfach keine einzige Chance wahrgenommen. Nein, Du hast Dich einfach nicht bemüht. Du hast das alles als vollkommen selbstverständlich hingenommen, und Du wolltest Dich nicht einmal dafür entschuldigen. So geht das nicht. Ich will nicht mehr.

Kein allerletztes Mal. Du hast Dein allerletztes Mal schon gehabt, und Dein allerallerletztes Mal und Dein allerallerallerletztes Mal auch. Das war das vorige Mal gewesen, wenn ich mich recht entsinne. Egal. Es gibt kein allerletztes Mal mehr, hörst Du? Du hast die Sache gründlich vergeigt. Ich glaube Dir einfach nicht mehr. Du hast es gehabt.

Nein, ich glaube Dir nicht mehr. Du hast vom ersten Augenblick an gelogen. Und das weißt Du ganz genau. Ich habe keine Lust mehr. Nein, ich will überhaupt nichts mehr davon wissen. Es ist aus, kapier das bitte endlich.

Wir sollten uns allerdings eine Zeit lang nicht mehr sehen. Eine ziemlich lange Zeit lang. Nämlich überhaupt nicht mehr. Wozu denn? Dir geht’s doch prächtig, oder? Wer erzählt denn jedem, was für ein toller Hecht er sei? wie viele Freunde er habe und wie beliebt er wäre? Na? Schön, dass Du mich brauchst. Das beruht nur nicht auf Gegenseitigkeit. Und die Tatsache, dass Du mich immer nur dann gebraucht hast, wenn Du mich gerade gebrauchen konntest, ist ja nun auch nicht neu. Du hast doch so ein tolles Leben und bist so wichtig und erfolgreich. Dann brauchst Du mich ja doch wohl nicht mehr.

Nein, es gibt keinen Neuen. Ich würde es Dir sowieso nicht erzählen. Wozu auch, Dein Niveau reicht eh nicht aus, um Dich mit ihm zu unterhalten. Also zieh jetzt endlich Leine. Wir sehen uns im übernächsten Paralleluniversum. Bis dahin Ruhe im Karton. Tschüss. Und gut. Und komm mir nicht mit der üblichen Masche, ich kenne den Text schon. Danke fürs Gespräch. Nein, ich will nicht noch einmal darüber reden. Danke, Fipsi. Du wirst sicher irgendwann eine Partei finden, die Dich ernst nimmt.“


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