(K)linkenputz

26 11 2012

„Hallo? Ist da jemand? – Hallo!?“ „Kommense rein, aba machense sich nich dreckich anne Tür. Die ham da wieda geölt.“ „Preukert mein Name, ich komme von der SPD. Wir wählen ja nun bald wieder den Deutschen Bundestag, und da wäre es doch sehr schön…“ „Nee, das is schlecht, ich muss nu inne Waschküche, kommense mit, aba fassense nix an, is frisch gestrichen da drinne.“

„Ja, da frage ich Sie, das frage wir uns ja alle, wie wir mit der großen Verantwortung für Europa umgehen sollen – das ist nun eine…“ „Kiraaline! Schantalle! Kommterma nache Wippe hin, ich bin nu vorn inne Waschküche!“ „Beispielsweise den Schuldenschnitt, den die bisherige Kanzlerin ja so strikt abgelehnt hat und der nun doch…“ „Nee, halt ich nix von. Sehnsema, ich hab fürn Vamieta dis Laub habich gefegt, und denn in Winta habich den Schnee mit wech, und die Schaufel selbst bezahlt, und denn sachta, schreimse ’ne Rechnung, dassas alle orntlich is fürn Finanzamt, und denn hatta das nich übawiesn, schon für letzt Jahr nich, ich kann das ja gut brauchn, aba wenn ich jetz den einfach die Schuldn erlass, denn kannich die Rate für die Waschmaschine nich mehr, und Sie mein, dassas gerecht is? Nee, is nich.“ „Wir müssen alle sehen, dass wir die Entwicklung in unserem europäischen Haus…“ „Da passiert ja nix – passiert ja nix, dis Licht hatta nich repariert, unten is die Türklinke ab, und denn die Gegensprechanlage, da könnse aufn Summa raufhaun, aba die wackelt, und denn warn die von Bauamt da, aba nix passiert. Aba die Miete, die willa anpassen, vastehnse, dis meinter, weil er jedes Jahr sich ’n neues Auto kaufn tut. Dis Haus hier, dis is ’ne vadammte Bruchbude!“

„Da ist es ja mal gut, dass Sie als Hausfrau und Mutter Erziehungsarbeit leisten – auch wenn das für die Volkswirtschaft nicht…“ „Schantalle! Komma beien Sandkastn! Mama kann Dich nich sehn!“ „Wenn wir erst Kanzler sind, dann werden Sie sicher auf dem Arbeitsmarkt mehr…“ „Hörnsema, ich bin für zwanzich Stunden nach Supikauf anne Kasse, als Alleinaziehende krichich nix Bessers, und denn binnich froh, dasse hier inne Siedlung die Elterninitiative ham, denn kannich die beidn ma an Samstach dalassn.“ „Damit Sie auch mal Ihr Recht auf gesellschaftliche Teilhabe…“ „Nee, aba mit zwei von die und denn nachn Discounta hin, wir kaufn ja imma mit dreie ein, die Lutter und die Kreißberch ausse Märkische, die hat ja dis Auto noch von ihrn Mann, wie der noch war, und denn is dis imma noch billiga mitten Auto hin als wie hier, sons langts nich mit die beiden, ich hab ja nur dis in Supikauf.“ „Schauen Sie, die jetzige Kanzlerin, die hätte Sie sicher nur mit Geld ruhiggestellt, aber die SPD-Regierung kann aktivierend…“ „Sagensema, hinta welchen Mond lehm Sie eigentlich!? Könnse nich einfach mal zuhörn, ich hab Ihn klar gesacht gehabt, dasse da nich anfassn solln, Sie trahn mir dis ganze Öl inne Waschküche rein, und wer soll dis nu wieda rauswaschn, ich etwa? Passense doch auf, hier wird gearbeit, auch wenn Sie dis in Ihr Lehm noch nie gesehn ham solltn!“ „Man müsste ja für verantwortungsvolle Mütter wie Sie, man müsste ja auch eine Anerkennung, die aber jetzt nicht so wie die konservative…“ „Dis könnense sich ma gleich schenken, dis wird eh auffen Regelsatz angerechnet und denn hab ich nur wieda die ganze Lauferei, das eine Amt sacht so, das andere sacht so, ich muss da Fristen einhalten, sonst kommense mir wieda mit Leistungskürzung, weil ich nich auffn Amt wa, ich musst ja wieda ma meine Zeit vaplempan mit Arbeit im Supikauf, denn krichich so’n Brief, da is alle drin, wo ich mir melden soll, und ich hab noch zehn Euro Briefporto wech, und raus kommt nix.“

„Schauen Sie mal, wenn die SPD Kanzler wird, dann kann sich ja Leistung auch wieder, und dann wird, weil Sie dann ja arbeiten, und Sie haben dann mehr als einer, der nicht arbeitet, und…“ „Habbich jetz auch, oda kenn Sie sich nich aus inne Hartz-Regelsatzregelung? Schantalle, mach die Kiraaline nich aua, sons is Mama traurich!“ „Da müssen wir als deutsche Europäer mal sehen, dass wir die wirtschaftlichen Weichen für Wachstum auch in einer sozial gerechten Art…“ „Is ja nich vakehrt, da solln ma alle mit anpackn, die Guntsch aussen zweiten, die wächst ja nu auch nur inne Breite, aba dass die ma was tut? Treppe fegn? oda ma’n Kontähna ausse Box, der Rodefink im Erdgeschoss hat ja so Rückn nachen Arbeitsunfall, aba die tut da nix, wasse nich muss. Pusch-pusch-pusch!“ „Ach, was für ein süßes Kätzchen Sie da haben!“ „Is nich meine, die is vonne Öztürk Ecke Uhland, aba die Kinda spieln imma mit die hier.“ „Da wäre ich mal vorsichtig, die wird sich an den Kopftuchmädchen bestimmt etwas weggeholt haben – diese Migranten sind ja meist…“ „Dis is ja Quatsch, auf die Frau Professer Öztürk lassenwer nix komm, die is ja inne Klinik, denn hatse nehmbei noch die Sprechstunde inne Uhland Ecke Willy-Brandt-Allee, wie die Schantalle dis mitten Rippmfell hatte, da war die um halb drei da, inner Nacht, und wegen die Medikamente könnwa uns keine Waschmaschine kaufn, so is dis nehmlich.“ „Ja, man muss auch Opfer bringen. Aber der neue Kanzler wird das alles größer und schöner wieder…“ „Gehnse wech, da kommt die Lauge vonne Schleuder raus, denn stehnse da drinne, denn tragense dis durchn ganzen Hausflur, da putzense sich ma die Schuhe ab, ich hab ja nu keine Zeit, Ihn hier hinterherzuputzen, Sie sind doch die SPD, alt genuch sindse, dasse dis ma alleine hinkriehen.“ „Na, dann werde ich mich mal vorsehen.“ „Dis tunse ma ruhich.“ „Und ein Wahlprogramm, beste Frau, darf ich Ihnen eines zur gepflegten Lektüre belassen?“ „Nee, dis nehmse ma mit, dis lesich doch nich, wissense, was ich bin, ich intressier mich ja nich so für Pollitik, denn ma ehrlich, so richtich betroffen is unsereins da ja nich so von, oda?“